Molkenmarkt, Klosterviertel - Neuplanung und kleinere BV

  • Notbremse. Dies ist ein Projektstrang und keine Wahlkampfarena. Eure politischen Präferenzen und Aversionen könnt ihr bitte anderswo diskutieren.

    Edit: Nach Aufräumarbeiten kann es hier nun weitergehen, bitte wieder friedlich und projektbezogen. Ich bitte um Verständnis, dass ich den gesamten Block mit den pol. Streitereien ohne weitere Differenzierung ins Off verschoben habe. Nehmt es bitte nicht persönlich.

  • Zur Erinnerung:

    So hätte es ausgesehen, wenn es 1931 genug Geld für die Umsetzung gegeben hätte, Architekt Richard Ermisch:

    https://www.directupload.eu/file/d/9331/wjzd7ajy_jpg.htm

    Und so, wenn es 1936 umgesetzt worden wäre, auch Richard Ermisch:

    https://www.directupload.eu/file/d/9331/k7ckt83x_jpg.htm


    Bildquelle beider Fotos: Schäche, Wolfgang: Architektur und Städtebau in Berlin zwischen 1933 und 1945, Berlin 1992

    Dazu wurde, wie weiter oben bereits beschrieben, das Baufeld vor dem Krieg platt gemacht. Viel musste in der DDR also nicht abgerissen werden für die Strassenschneise.


    Beide Vorkriegsentwürfe erscheinen wesentlich „großstädtischer“, insbesondere der von 1931 hat was vom Haus des Rundfunks in der Masurenallee. Die jetzige Planung ist in gewisser Weise eine Rolle rückwärts vor 1931, die Gegend war über 4 politische Systeme quasi 100 Jahre Wüste.

  • Gut, dass es nicht so gekommen ist. Großstädtisch ist Berlin an vielen anderen Orten in der Stadt und darf es auch sein. Die Häuser, die jetzt geplant sind, sind ja auch nicht gerade klein. Aber kleinteilig in der Anmutung.

  • So langsam nimmt das Projekt Sixty Two konkrete Formen an. Nach meinem Eindruck sind die ersten Zimmer auch schon fertig, sie werden durch Limehome genutzt. Das Objekt wird auch schon bei Limehome annonciert. Insgesamt gefällt mir der Umbau sehr gut, es wurde sehr behutsam mit der Bausubstanz umgegangen.

    https://www.limehome.com/suites?city=32…=1&property=391

    Hier gibt es ein paar Fotos:

    Das Wandmosaik im Eingangsbereich wurde auch erhalten:

    Alle Fotos: Klarenbach

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ... , es wurde sehr behutsam mit der Bausubstanz umgegangen.

    Nur leider geht dieses Gebäude nicht behutsam mit dem direkt angrenzenden Gebäude aus der Gründerzeit um. Dieses Gebäude passt überhaupt nicht ins bauliche Umfeld. Der Stilbruch war bereits einkalkuliert, als man dieses Gebäude vor Jahrzehnten gebaut hat. Aber bei diesem Gebäude wundert mich ohnehin nichts mehr, denn es handelt sich um die Ausgeburt der Hässlichkeit.

  • ^Es ist eine deutliche Verbesserung zum Vorzustand weil im Erdgeschoss nun große Fenster sind und nicht nur Lüftungsklappen.

    In dem Zusammenhang wäre interessant was mit dem grünen Nachbargebäude geschieht dessen EG noch abweisender ist. Die verschlossenen Fenster im umgebauten Haus deuten auf einen neuen Anbau hin.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ^ Die Planung ist doch bekannt. Auf den ersten Bauabschnitt soll der zweite folgen, der einen Anbau von Tchoban Voss vorsieht, ...

    Die Tatsache, dass die Planung bekannt ist, ist keine Rechtfertigung für schlechte Architektur.

    Im Grunde genommen ist der erste Bauabschnitt sogar besser als der zweite. Der erste Bauabschnitt ist zwar unfassbar hässlich, trägt aber immerhin etwas Ikonisches in sich. Im Vergleich dazu ist der zweite Bauabschnitt einfach nur banal, austauschbar und zeugt von geistiger Leere.

  • Und natürlich hat man bei diesem zweiten Bauabschnitt - genauso wie schon beim ersten Bausabschnitt - wieder konsequent auf ein Schrägdach verzichtet.

    Blickt man auf ein Luftbild, erkennt man deutlich, dass das Viertel von drei baulichen Großstrukturen dominiert wird:

    • das Stadthaus
    • das Amtsgereicht Mitte
    • die Senatsverwaltung für Finanzen am Rolandufer

    Fazit: alle drei Gebäude haben Schrägdach.

    Erst nach dem Krieg hat man damit begonnen, in dieses Quartier Gebäude mit Flachdächern zu setzen. Und heute macht man mit dieser Unsitte einfach weiter. Das ist den Modernisten ganz wichtig, das Antlitz eines durch historische Großstrukturen geprägten Quartiers einfach mal in die Luft zu sprengen.

  • Es wird sehr interessant werden, wie sich die neuen Gebäude als Stadtviertel in vorhandene Strukturen integrieren. Ich sehe es als Verbindung zwischen dem Nikolaiviertel und dem Bereich der sich an die Parochialkirche anschließt, über den Bereich rund um den U-Bahnhof Klosterstrasse bis hin zu den Resten der alten Stadtmauer mit dem Gasthaus „zur letzten Instanz“. So würde ein größerer zusammenhängender Bereich geschaffen, der einem ein Gefühl für das alte Berlin erahnen lassen kann.


    ef7wjrv2.jpg

  • Mir gefällt es alles, auch die paar Sachen, die nicht ganz so mein Fall sind. Hier entsteht ein kleines Wunder an Stadtwiederaufforstung.

    Insbesondere der Blick in die neue 'Parochialgasse' macht mich neugierig. Fast ein bisschen Prag- oder Erfurt-Feeling kommt hier auf. Solche Gelegenheiten sollte man im tendenziell eher grobmaschigen Berlin noch mehr auskundschaften und was draus machen.

  • Offen bleibt noch die Frage, wie das Umfeld der Klosterkirche entwickelt wird. In manchen Plänen sieht es danach aus, dass die Grünfläche rund um die Ruine erhalten und erweitert wird. Aber es gab ja auch schon Pläne und Ideen zu einer ergänzenden Bebauung. Letzteres fände ich deutlich wertvoller für den Molkenmarkt, da es mit dem Rathausforum ja bereits eine riesige Erholungsfläche unweit des Quartiers gibt und ich an der Stelle eine stärkere städtebauliche Verknüpfung in Richtung Alex(a) für wichtiger erachte. Außerdem hätte eine offene Grünfläche an der viel befahrenen Straße keinen richtigen Mehrwert. Da wäre eine Art grüner Hof rund um die Ruine viel attraktiver.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Fast ein bisschen Prag- oder Erfurt-Feeling kommt hier auf.

    In den Altstädten von Prag oder Erfurt bilden Flachdächer die absolute Ausnahme, während am Molkenmarkt eine nennenswerte Anzahl der Gebäude über Flachdächer verfügt. Und viele der geplanten Neubauten werden ja ebenfalls Flachdächer erhalten. Allein die unterschiedliche Ausprägung der Dachlandschaft verbietet doch eigentlich einen solchen Vergleich.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Offen bleibt noch die Frage, wie das Umfeld der Klosterkirche entwickelt wird. In manchen Plänen sieht es danach aus, dass die Grünfläche rund um die Ruine erhalten und erweitert wird. ….

    … ich fände eine Rekonstruktion Von Berlins traditionsreichster Schule erstrebenswert.

    Leider gibt es Unregelmäßigkeiten und Unstimmigkeiten zwischen der Recshtnachfolgerin der Schule zum Grauen Kloster und der Stadt Berlin bezüglich des Grundstücks der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schule.

    Hier für den interessierten Foristen ein aufschlussreicher Link zur Situation:

    https://www.rbb24.de/politik/beitra…-vergleich.html

  • Meine Erkenntnisse aus dem verlinkten Artikel: "Ganz plötzlich", also nach nur 35 Jahren, wurde eine Einigung erzielt. Die Schule im Grauen Kloster musste einst nach West-Berlin umziehen, sicherlich nicht nur wegen Zerstörung des Gebäudes, sondern auch wegen Diktatur im Ost-Teil. Darauf geht der Artikel leider nicht ein. Der Rückübertragungsanspruch wegen früheren SED-Unrechts scheint jedenfalls nicht strittig zu sein, sondern nur, ob die West-Berliner Stiftung als Rechtsnachfolgerin der einstigen Stiftung gilt und das für sich geltend machen kann.

    Anstatt weitere 35 Jahre darüber zu prozessieren, bekommt die Stiftung 6% (!) des Grundstücks zurück, sowie läppische 1 Mio. Euros. Für Frau Gennburg, die ausgerechnet in der Linken ist, ist es nicht nötig, Planungssicherheit für die angestrebte Bebauung zu schaffen, denn die "komme ohnehin nicht vom Fleck". Das hat eine ganz besonders feine Ironie auf vielen Ebenen.

    Gennburg und Philipp Oswalt hatten daher vor über einem Jahr Anzeige erstattet, seither hat man nichts mehr davon gehört. Aber allein der Name Oswalt bürgt dafür, dass die Angelegenheit nicht ernst zu nehmen ist und ganz andere Animositäten hinter der inszenierten Aufregung stecken.

    Dass es künftig Bedarf für eine neue Schule bzw. einen Bildungscampus an dieser Stelle geben könnte, wenn es nicht nur 400 neue Einwohner in den jetzt beplanten Bereichen, sondern weitere im sich ebenfalls weiterentwickelnden Umfeld geben wird, ist vielleicht nicht ganz so fernliegend. Bei den heutigen Diskussions- und Planungszeiträumen kann man jetzt anfangen, das anzuschieben. Die bisherigen "Unstimmigkeiten" wurden durch die Einigung ja endlich aus dem Weg geräumt, woran auch die Querschüsse der Anzeigenerstatter (hoffentlich) nichts ändern.

  • ^So etwas ist leider nicht unüblich. Ein inzwischen verstorbener Bekannter von mir stammte aus einer Gärtnerfamilie, die schon von den Nazis enteignet wurde und sich dann nach dem Krieg alles neu aufgebaut hat - nur um bereit wenige Jahre später von der DDR erneut enteignet zu werden. Sie sind dann in den Westen und haben ein drittes Mal von Null einen neuen Betrieb aufgebaut. Nach der Wende wollten sie dann ebenfalls juristisch eine Entschädigung erkämpfen. O-Ton eines Richters: "Da müssten wir Ihnen ja mehrere Millionen auszahlen." Sie sind dann mit leeren Händen nach Hause gegangen und haben sich von drei Systemen verraten gefühlt. Auch viele jüdische Familien haben bekanntlich eine rechtmäßig sicher angemessene Entschädigung nicht (mehr) erleben dürfen.

    Ansonsten freue ich mich aber, dass es nun zumindest Momentum in Richtung Stadtreparatur gibt. Die Entwürfe gefallen mir unterschiedlich gut aber alle sind solide und sie ergänzen sich mE auch erfreulich gut.

    Falls es das Projekt tatsächlich schafft und dann eventuell auch wirklich noch die Bauakademie weitgehend originalgetreu wiederersteht, wäre das mit dem Humboldt Forum in Summe sehr viel mehr als ich zu meinen Lebzeiten für möglich gehalten hätte. Und ich bin gerade einmal 40. Aber ich freue mich erst, wenn es auch sicher so kommt.

  • BV "Klosterstraße Sixty 2" / Trockland

    Zuletzt hier 

    Im Innenbereich und an der hinteren Seite wird weiter gebaut. Überzeugt bin ich nicht, wenn es um die Fassade geht.

    © Johannes_9065

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    Einer der neue fertige Eingänge.

    awlsvzr4.jpg& Rückseite.

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    Es wäre nicht schlecht, wenn der Gehweg komplett neu erneuert werden würde. Er stammt noch aus DDR-Zeiten.

    eo4alsq3.jpg

  • Trockland ist m.M für die Reanimation des klosterviertels mit seinen primitiven Baugeschwüren alles andere als ein Segen.

    Der Erhalt der Gebäude aus den 60ern bleibt für mich ein schwerwiegender Fehler.
    Die Bauten sind in Charakter und Dimensionen völlig ungeeignet Teil einer ansprechend entwickelten Stadtraumgestalt zu sein und hintertreiben für mich die Regeneration des Quartiers in ihren Eigenschaften erheblich.

    Sie sind gestalterisch anregungarm, trutzig und sprengen wie schon die Bauten der 30er die Proportionen am Ort. Die Fassadenabwicklung ist repetitiv, unterkomplex - die Ortswirkung damit ist monoton, trist und für das Erleben aus der Perspektive eines Fußgängers völlig unqualifiziert.

    Mit Diesen Bauten nehmen zudem ausgerechnet arch. Marker autoritärer, kollektivistischer Diktaturen einen Raum ein, die zur heute leidigen unwirtlichen Situation mit aktiver Dekonstruktion des Urbanen Stadtraumes, erst beigetragen haben.

    Mit dieser hässliche Konserve wird nicht nur der übergriffigen, mutwilligen Zerstörung, des individual geprägten, hist. , bürgerlich geformten Stadtbildes recht gegeben.

    Bei der aktuell eher schwach detaillierten Leistung und eher klumpigen arch. Gestaltqualität, wie sie sich auch an den Losen für den Wiederaufbau des Klosterviertels/Molkenmarktquartiers für den Hochbau eröffnet, könnte man den Eindruck gewinnen als hätten diese Affekte schon aufgrund der eigenen Historizität und beträchtlichen Größe, hier zementierenden Leitbildcharakter .

    Die Stralauer bleibt nun in geputzter, trister Riegelarchitektur, weiterhin ein eher trennender Totalausfall ohne den geringsten Aufenthaltswert.

    Der gepriesene Abschluss der Waisenstrasse wird m.M nicht mal annähernd diese Belebung erfahren wie hier illustriert.
    Tchobans Kisteneiertanz wirkt reichlich manieriert und selbst im wohlmeinenden Bemühen hier ein als pittoreskes staffelreiches Gebäudegerümpel zu entdecken, erschöpft es sich sehr schnell an dem Übermaß an anregungsarmer Detailschwäche und Banalität.

    Die Straße liegt in dem Bereich sowieso schattig, abseitig, ohne anziehende Efgekte und nun auch noch ohne die Erfahrung ausreichend, umwerbend entwickelter Architektur.

    Leider sind auch die vorgestellten angedachten Lose für neuentwickelte Architekturen zum Klosterviertel die in die Klosterstrasse einmünden, nicht auf dem Niveau dass sie Trocklands herbe Blockstrukturen vergessen machen.

    Die arch. Schlagseite zur Stralauer und Klosterstrasse wird mit dem Angebot kaum anziehende Dynamiken generieren können um das Molkenmarktquartier als erfolgreich entwickelten Stadtraum wahrnehmen zu Können.

    Die Gestaltungsideen hierzu sind, bis auf die Dudlerbögen mit der hübschen Bossierung und Kleihues, bei dem man auch nur abwartend unschlüssig sein kann ob das Geziere hier spätwilhelminisch oder Heimatstil der 30er sein soll, allesamt zu primitiv, steril, generisch und bei dem aufgefahrenen Gestaltungs-Angebot für einen ausreichenden Nutzungs- und Belebungsumfang dann auch zu klein strukturiert.

    Ich pers. erwarte daher eher wenig bis gar keine Aufenthaltneigung, geschweige denn Flaniereignung und somit auch kein städtisches Strassenleben das über das allgegenwärtige sozial krepierte Niveau Berliner Neubauviertel hinausgeht.

    Ich vermute mal wir erhalten in etwa die gleiche stumpfe Leb- und Lustlosigkeit wie sie sich z.B. entlang der Leipziger, des Werders, der Dorotheenstrasse der Georgenstrasse etc. mit genau den selben strengen, nichtssagenden Strassenkulissen seit 10/20 jahren präsentiert.

  • Also, da projiziert man in das Klosterviertel nach meinem Eindruck zu viele Erwartungen und zu hohe Ansprüche.

    Aus Gründen das Stadtbildes funktionsfähige und in sich gar nicht mal schlecht gestaltete Gebäude der 60er und 70er Jahre abreißen zu lassen, hielte ich für keine sinnvolle Strategie. Man muss sich einfach damit abfinden, dass die Zerstörungen des 2. Weltkriegs und der Zeit danach (meinetwegen teilweise auch der 30er Jahre) nicht vollständig zu reparieren sind. Was jetzt im Klosterviertel geplant ist, ist jedenfalls solide, auch wenn ich mir etwas mehr Mut zur zeitgenössischen Architektur (nicht: der unmaßstäblichen Architektur) wünschen würde.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Erhalt der Gebäude aus den 60ern bleibt für mich ein schwerwiegender Fehler. [...] Sie sind gestalterisch anregungarm, trutzig und sprengen wie schon die Bauten der 30er die Proportionen am Ort. [...] Mit Diesen Bauten nehmen zudem ausgerechnet arch. Marker autoritärer, kollektivistischer Diktaturen einen Raum ein, die zur heute leidigen unwirtlichen Situation mit aktiver Dekonstruktion des Urbanen Stadtraumes, erst beigetragen haben.

    Und was wäre Ihrer Meinung nach die Konsequenz dessen? Sollen neben den DDR-Bauten auch jene aus den 1930er Jahren verschwinden? In welche gute alte Zeit wollen Sie denn bitte schön zurück? Soll alles abgerissen werden, was erst nach dem Wilhelminismus erbaut wurde? Obwohl es gerade unter Wilhelm Zwo auch nicht gerade antiautoritär ablief...

    Ich kann mir die Rückständigkeit mancher Foristen hier echt nicht mehr erklären. Vom ökologischen Fußabdruck all der geforderten Abrissorgien mal ganz zu schweigen...