Beiträge von Camondo

    << danke Dexter für die Aufnahmen.

    Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass im Bereich des Lustgartens die Strasse gepflastert wird. um irgendwie auch einen optischen Zusammenhang zwischen Schlossumfeld und Lustgarten herzustellen. Zumal hier der Verkehr doch eh beruhigt werden sollte ... alles schon wieder Schnee von Gestern?

    < Die Entscheidung im Zusammenhang mit dem Sanchi-Tor finde ich ehrlich gesagt ziemlich befremdlich, auch wenn es vielleicht optisch ein Highlight werden könnte, fehlt mir momentan das Verständnis dafür.

    ... auf den ersten Blick ganz gut. Auf den zweiten Blick stellt sich mir als altem Gestalter natürlich gleich die Frage warum man das freundliche grün der Schutzdachumrandungen nicht weiter aufgegriffen hat sondern sich in zwei Grauabstufungen geflüchtet hat. Fûr mich von der Gestaltung her nicht schlüssig, als dringend benötigtes Verkehrsbauwerk insgesamt aber akzeptabel.

    ... einfach nur armseelig. Da hat man in den 50er und 60er Jahren ja einfallsreicher gebaut. Das wirft mehrere Fragen auf: Was verschuldet so eine Gestaltungsverweigerung? Kein Wettbewerb? Kein Geld? Kein Interesse? Bauverordnungen? Alles zusammen?

    < man muss das gesamte System der Aussendämmung infragestellen nicht nur aus Brandschutzgründen. Hier in Frankreich kommt kein Mensch auf die Idee sein Haus von Aussen in eine dicke schicht Styropor einzupacken. Die Dämmung ist innerhalb des Hauses aufgetragen, in Gips. Mein Haus ist Baujahr 2012 und jeder Raum hat eine 2cm starke Dämmung aus Spritzgips und dahinter noch eine Isolationsschicht, handwerklich ausgeführt. Es gibt einen eigenen Berufsstand der diese Arbeiten ausführt. So wird auch bei der Dämmung von Altbauten verfahren. Das ist völlig ausreichend, im Sommer angenehm kühl und im Winter warm. Was Ornamente an der Fassade betrifft, so sind diese fast aussliesslich in Stein gemeisselt ausgeführt. In Paris gibt es ein Paar tolle Altbauten um 1900, wo die gesamte Ornamentik in Beton gearbeitet ist.

    ... Auch ein eher schlecht als rechter Patzschke ist mir hundertmal lieber als die nächsten faden 08/15 Schuhkartons.

    ... mir eben nicht. Auch ich bin ein Freund von handwerklich solider auch künstlerisch verspielter Architektur. Die Verwendung wertiger Materialien und eine überzeugende Ausführung sind mir wichtiger und sind der Sache selbst sehr viel dienlicher als nur der here Schein. Sonst handelt man sich unwillkürlich den Vorwurf der Disneylandisierung ein. Und zu Recht.

    < ... nur als kleine Anmerkung aus dem befreundeten Ausland, der Platz vor dem Reichstag heisst Platz der Republik und hat hier im Forum sogar einen eigenen Strang.

    ...und warum der Standort Platz der Republik kein guter gewesen wäre, haben wir dort schon zur Genüge erörtert.

    Ich würde mir für die Gestaltung des Schlossumfeldes ein wenig mehr Lässigkeit und Verspieltheilt wünschen. Preussische Strenge herrscht hier schon zuviel. Mit den locker verteilten Stühlen und Sesseln und der Freitreppe in die Spree hinein ist schon ein guter Anfang gemacht. Ich bin sicher das wird sich mit der Zeit von selbst einstellen wenn die Bedürfnisse der Besucher und Berliner in diesem Bereich sich deutlicher manifestieren. Sowas kann man schlecht im voraus planen.

    ... danke Backstein für die Ansichten. Die Gestaltung allerdings ist unterirdisch vorstädtisch geraten. Hainbuchenhecken, Zäune, Poller soweit das Auge reicht, unweit eines der grossstädtischsten Plätze Westberlins, lassen den Betrachter doch etwas ratlos und stirnrunzelnd, zurück.

    < ... wieso kann man nicht die zu massive Versiegelung und die mässige Bepflanzung mit einem Dächerbegrünungsprogramm ausgleichen? Neue Flachdächer gibt es ja wohl zuhauf dort in der näheren Umgebung ... und überhaupt scheint mir das Thema noch nicht wirklich in Berlin angekommen zu sein.

    ."" ich finde diesen Bereich fast noch öder und gleichförmiger gestaltet als die europa-city nördlich des Hauptbahnhofs. Was für gestalterische Chancen haben sich geboten, hier wie dort, um aus dem unwirtlichen nichts heraus ein lebendiges Stadtquartier zu erschaffen, und was hat man damit angefangen. Schuhkartons allüberall, alle gleich hoch, viel zu grosse Einheiten. Und die paar geplanten Hochpunkte werden höhere Schuhkartons, zumal aus dem Hause Kleihues. Hier hätte ich mir gut eine Planung wie im Rudolfkiez/Friedrichshain vorstellen können. Was kleinteilieger und irgendwie bewohnbarer.

    Und die Hauptverwaltung eines der grössten Energieversorger Deutschlands ist als solche völlig unkenntlich. Das könnte auch ein Motel One sein. Da denke ich zumindest fast wehmütig an die Hauptverwaltung der HEW in Hamburg (1969!) von Arne Jacobsen, inzwischen auch Vattenfall, zurück. Goldene Zeiten der modernen Verwaltungsbau-Architektur.


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vattenfall-Geb%C3%A4ude

    < ... die schrillgrüne Puderdose ist doch das i-Tüpfelchen des gesamten Ensembles.

    Ich fand sie immer ganz ausserordentlich für Berliner Verhältnisse. Man muss schon arg weit reisen um Ähnliches zu finden. Sollte das wirklich so umgesetzt werden mit der Neugestaltung der Fassade, dann ist Berlin echt nicht mehr zu helfen. Die Verhunzungen und Verunstaltungen von Bauten der letzten 40 Jahre nehmen derart zu, dass man sich wirklich fragen muss ob es überhaupt Sinn macht hier noch etwas aussergewöhnliches zu bauen, denn nach spätestens 15 Jahren wird es entweder abgerissen, farblich verändert oder so transformiert, dass es mit dem ursprünglich gebauten nichts mehr gemein hat. Und das dann auch noch meist unter dem Deckmäntelchen vermeintlicher Stadtreparatur. Als Beispiele fallen mir auf Anhieb die abgerissenen Ungers Bauten am Lützowplatz und das grandiose Viertelrund der Grundkreditbank an der Budapesterstr. oder das Turmhaus in der Wilhelmstrasse das ja wohl auch irgendwie transformiert wird, ein, alles Beispiele die hier schon zu recht gewürdigt wurden.

    ^^


    .". kein Mensch redet von Champs-Elysees. Schonmal im Marais 3ême u. 4 ême oder zur lauschigen happy hour im 2ême Arr. gewesen? Hunderte kleine Cafés und Bars und alles spielt sich auf dem Trottoir ab. Teilweise müssen die Barbesitzer Personal zum aufpassen abstellen, damit die Gäste nicht vom Bordstein auf die befahrene Strasse fallen und damit Passanten überhaupt durchkommen. Das lebt ungemein und macht Spass.

    ...Was ist das denn für eine Logik? Nur wenn man sich auf einem schmalen Bürgersteig zwischen Tischen und parkenden Autos durchschlängeln muss und man sich gleichzeitig wegen den lauten Motoren die Ohren zuhalten muss, ist es urban?

    ... komisch, in Paris ist es genau das was alle so lieben, besonders die Touristen. auf knappen Gehwegen an ultrakleinen Tischchen mitten im Fussgänger- und Autoverkehr sitzen....

    nun, bald werden es leise Elektromotoren sein die da surren, dann ist das mit dem Lärm schonmal aus der Welt geschafft.

    ... was der Strasse fehlt ist Kultur. Kleine Theater, Bühnen, Varietés, Galerien, spleenige Bars, ein bisschen verrucht, viel Berlin.

    Nur mit irgendwelchen Filialen und spseudochick holt man keinen Besucher mehr speziell in diese so traditionreiche Strasse. Ein bisschen mehr Besinnung auf den Vorkriegsmix kann nicht schaden, dann braucht man auch keine Begegnungszone und blöde Pflanzkübel.

    ... ich gebe meinen drei Vorschreibern insoweit Recht, was die Beschreibung der jetzigen Situation des Mehrigplatzes betrifft.

    Völlig ausgeblendet habt ihr aber die Zeit des Mauerbaus die darauf folgende Teilung der Stadt, der konfrontative Städtbau der sich in zwei völlig unterschiedlichen Stilen/ Ausdrucksformen der Architektur und des Städtebaus selbst insbesondere hier am Mehringplatz, 200 Meter vom Checkpoint Charlie entfernt, manifestiert hat. Die Gestalt und die Architektur ist eben nicht nur Ausdruck der Zeit des Wiederaufbaus, wie es bei Euch verklärend und verächtlich zugleich beschieben wird, sondern zuerst ein Ausdruck der Teilung der Stadt über 40 Jahre hinweg.

    Schon merkwürdig, dass dieser Punkt mit all seinen dramatischen Auswirkungen, die ja erst zur Sackgasse Mehringplatz geführt haben, bei Euren Statements völlig negiert, oder verdrängt wird.

    Ich kenne diese Gegend noch aus Kindheitstagen, Verwandtenbesuchen in Westberlin, mein Onkel war Architekt bei der Bundesbaudirektion und hat mich nachhaltig geprägt.

    Der Mehringplatz war ein heute würde man sagen Leuchtturmprojekt um wenigstens ein bisschen Urbanität in diesen leergefegten und im wahrsten Sinne des Wortes ruinierten Kernbereich, altes Zeitungs- Und Presseviertel etc. zurückzubringen. Ein weiterer Versuch wurde mit der IBA in den 80er Jahren unternommen.

    Um diese eingemauerte Zeit mit ihren Auswüchsen des Städtebaus verstehen zu können, muss man sich allerdings die Mühe machen Verstehen, Sehen und Erkennen zu wollen. Nichts ist einfacher als den Abriss zu fordern, nichts ist einfacher als die Situation als hässlich, antiurban was weiss ich noch alles zu beschreiben und den Abriss damit zu begründen. Für Berlin wäre es vielleicht die Heilung einer Wunde aber auch ein Ausdruck der Geschichtsvergessenheit, die hier von anderer Seite immer so gern beklagt wird.

    ^ ... das BV ist nicht gerade ein Augenschmaus, trotz der "angedeuteten" Rundung, es harmoniert nicht mit den Nachbargebäuden, es ist zu wuchtig und die Balkone? hängen da wie Nistkästen. In nichts besser als der vermaledeite Kram der in den 90er jahren in Berlin gebaut wurde.

    mr_ilaischa , Georges Henri


    ich bin völlig d'accord mit Euch. Ihr bezieht Eure Aussagen auf die Ensemblewirkung, ich hatte mein Argument mit den zehn Etagen plus auch auf die Gestaltung des Turms bezogen. Die Idee des sich nach oben hin vergrösserndem Glasanteils ist ja schon recht gewagt für Berliner Verhältnisse. Noch besser hätte diese meiner Ansicht nach gewirkt wenn, der Turm höher gebaut worden wäre und somit mehr Spielraum für eine reine Glasverkleidung ohne Lisenen und Fensterumrahmungen in, sagen wir mal den oberen zehn Etagen gegeben wäre. Dann wäre erstens die Idee des sich vergrösserndem Glasanteils besser umgesetzt und zweitens die Ensemblewirkung mit Höhendominate in der Stadtsilhouette geboten.

    Aber es ist schon o.k. wenn' so weitergeht.