Beiträge von jan85

    Klarenbach Schön, dass wir mal komplett einer Meinung sind! Warten wir es also ab. Immerhin ist es schon einmal gut, dass sie trotz der Angriffe solche versöhnlichen Töne anschlägt und nach wie vor Brücken bauen möchte. Damit ist der Ball nun zurück im Spielfeld und die "Angreifer" werden ihn hoffentlich aufnehmen und so zu Mitspielern wie man es eigentlich erwarten sollte. Das heißt ja auch nicht, dass es nicht trotzdem weiter Differenzen in der Sache geben darf.

    Auf jeden Fall ist dieser Standort in Neukölln nicht der schlechteste Ort, um durch so eine massive Investition bestehende Jobs zu stärken und neue Jobs anzusiedeln. Nicht zuletzt durch die vielen türkischen und arabischen Hochzeiten ist das Estrel für viele Anwohner bereits jetzt ein fester Begriff und so eine ambitionierte Planung somit auch eine Art Aufbruchssymbol. Bald wird vor ihrer Nase das höchste Hochhaus der Stadt stehen und das größte Hotel Deutschlands nochmals deutlich präsenter in der ganzen Stadt sein (inklusive noch mehr internationaler Touristen und Kongressgäste). Viele der Menschen hier fühlen sich eher vergessen: Ob die Eltern sehr hart für sehr wenig Geld arbeiten oder von Stütze leben und ob die Kinder irgendwie durch die Schule gemogelt werden oder gar keinen Abschluss machen, ändert gefühlt relativ wenig. Es gibt aber zum Glück auch schon einige, die diesen deprimierenden Kreislauf durchbrechen konnten und es müssen dringend noch deutlich mehr werden. Ich denke, dass gerade Estrel und Karstadt wichtige Anstöße sein können, etwas mehr Menschen mitzunehmen. Dass man längst nicht alle mitnehmen kann und wird, gehört aber auch zur traurigen Realität. Deshalb halte ich den Kampf für bezahlbare Mieten parallel weiterhin für wichtig. Soziale Daseinsfürsorge ist jedoch ebenfalls leichter möglich, wenn es mehr Geld zu verteilen gibt. Und da wirkt ein Hotel nicht anders als eine kleine Fabrik. Volkswirtschaftlich funktioniert Tourismus wie ein Exportartikel, indem ausländisches Geld in die heimische Wirtschaft fließt. Zudem erzielen zahlreiche bereits ansässige Betriebe vom Gebäudereiniger über den Limosinenservice bis hin zum Imbissverkäufer oder Supermarkt so mehr Umsätze.


    Wo ich noch nicht so richtig schlau draus werde, sind die Entwürfe für den Turm. Ich bin sehr gespannt, wie er real wirken wird. Zunächst war ich sehr optimistisch, dass er neben der Höhe auch gestalterisch heraussticht. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz so sicher aber auch nicht umgekehrt allzu pessimistisch. Der alte Bau hat mich aber ehrlich gesagt nie wirklich mitgerissen, auch wenn ich ihn auch nicht hässlich finde. Von daher wäre ich schon mit einem halbwegs soliden Resultat wirklich zufrieden.

    spandauer Ich kann einige Deiner Punkte durchaus verstehen.


    Vorab eine Richtigstellung: Ich vertrete natürlich auch nicht die Ansicht, dass man sämtliche Berliner U-Bahnen sternförmig nach Brandenburg verlängern sollte. Sie können aber in Randzonen der Stadt - und vereinzelt wie in Hönow oder Schönefeld im nahen Ballungsgebiet - sinnvolle Anknüpfungspunkte für S- und Regionalbahnen aber auch für Bus- und Autoverkehr auf Brandenburger Seite und für "Randberliner" setzen. Dann fahren die Pendler ggf. immerhin nur noch an den Stadtrand statt in die innere Stadt (Park and Ride).


    Und eine weitere Bemerkung: Du argumentierst für Spandau aus der Sicht ohne U-Bahn, ich aus der Gropiusstadt und Neukölln-Nord-Perspektive aus der Sicht mit U-Bahn. Naturgemäß ist die Wahrnehmung somit eine andere. Für mich ist die U-Bahn immer ein großer Segen gewesen (und die vielen Busse eine sinnvolle, auch gern genutzte Ergänzung), Du empfindest sie dagegen tendenziell als reine Bedrohung (obgleich Du bestehende U-Bahnen scheinbar auch nicht missen willst). Ich denke, bei der riesigen Stadtfläche sind U-Bahnen schon sinnvoll und nicht automatisch immer die letzte Wahl. Das spricht aber nicht gegen den massiven Ausbau mit Tramstrecken, wo immer das sinnvoll(er) erscheint. Für Spandau kann ich es wie gesagt einfach nicht wirklich beurteilen. Daher kann ich da auch wenig auf Deine Argumente eingehen.

    Wir müssen mE nicht auf das Niveau des taz-Artikels absinken. Allerdings ist es grundsätzlich dennoch interessant und relevant, wenn Frau Kahlfeldt zumindest bislang nicht nur gegen Enteignung sondern auch dezidiert für Privatisierung eintritt. WENN sie diese Linie auch im neuen Amt vertreten SOLLTE, dann WÄRE das wahrscheinlich schon ein gewisser Reibepunkt.


    Allerdings sollte man jetzt trotzdem mal einen Cut machen und statt schon vorab immer mehr Reaktionen, Emotionen, Erwartungen und Projektionen auf die gute Dame abzuladen einfach mal tatsächliche konkrete Aussagen und Handlungen von ihr selbst abwarten. Die fertigen Deutungen sind ja alle ohnehin schon im Umlauf, dann will man ja wenigstens mal sehen, worauf man die netten Etiketten kleben darf.

    Minimalist Klar sollten auch die Berliner ihre Stadt bespielen. Als Bundeshauptstadt und Weltstadt wird Berlin aber auch immer ein Stück weit von seinen nationalen und internationalen Gästen leben. Bei vielen der großen, bedeutsamen Einrichtungen spielen Touristen eine immens wichtige Rolle. Ein Beispiel: Der Berliner Zoo ist deshalb einer der meistbesuchten der Welt, weil er zu ca. zwei Dritteln von Touristen besucht wird. Dagegen halten dem Lichtenberger Konterpart Tierpark Berlin vor allem Berliner die Treue. Insgesamt haben beide ähnlich viele regionale Gäste (ohne das Aquarium hat der Zoo mW sogar manche Jahre weniger Berliner gesehen als der Tierpark). Dennoch gilt auch in der Berliner Lokalpresse primär der Zoo als Aushängeschild und Stolz der Stadt - und im riesigen Tierpark als Berliner Attraktion für Berlin ist man gerade bei der aktuellen Witterung ebenfalls fast komplett allein unterwegs, als gäbe es ihn für die restlichen Millionen Berliner überhaupt nicht (das sage ich als Tierparkfan ganz nüchtern). Ich kenne nicht überall konkrete Zahlen, bei Museumsinsel, Philharmonie etc pp ist es mW aber ähnlich. Letztlich ist es ein Zusammenspiel: Berlin hätte diese Größe und Dichte an Attraktionen sicherlich gar nicht ohne seine Gäste. Umgekehrt suggerieren die Besucher der Stadt auch mehr Bedeutsamkeit und Attraktivität. Wie singt Peter Fox beim "Haus am See" über den Wunschtraum des gemachten und gefeierten Mann u.a.?

    "Alle komm'n vorbei,

    ich brauch nie rauszugeh'n."

    Das lässt sich mE auch auf Städte und speziell auf die Heimatstadt des Sängers übertragen: Die öffentliche Fläche der Stadt wird genügend besucht, die Berliner können sich inzwischen prächtig ums Privatleben kümmern. Ich bin mir sicher, Berlin wäre bald ein deutlich anderes (und deutlich ärmeres) Berlin, wenn es dauerhaft nur noch oder primär von Berlinern bespielt würde.


    Zurück zum Entertainment District: Auch dieser ist zwar nicht nur aber zugegeben doch (stark) mit für Touristen gemacht. Hier kommt in mehrfacher Hinsicht die große weite Welt nach Berlin - und zugleich kommen Berliner hier mal etwas "raus" aus dem Alltag. Momentan fällt eben beides flach. Keine Touristen und auch kaum attraktive Freizeitangebote, kaum/keine Fans bei den beiden Berliner Traditionsvereinen, 2G+ bei der Gastronomie usw. Da verbringt man Nachmittag/Abend/Wochenende lieber gleich mit Lieferdienst-Essen und Streaming auf der warmen Couch (schon vergessen: Die Heldencouch, auf der Corona letztlich besiegt wurde). Ich finde es eher bemerkenswert, dass die relative Leere im bitterkalten-Hochinzidenz-Coronawinter überhaupt bemerkenswert erscheint - und dass dafür sogar eine entsprechende Diskussion aus der Vergangenheit wieder aufgewärmt und erneut durchgekaut wird.


    Jedenfalls erhält der seelenlose Platz mit dem Turm neben Einbettung zwischen Spree und Berliner Mauer, neben Berliner Pflaster, Berliner Eisbären und Alba Berlin nun auch einen Teil der Unternehmenszentrale eines der ersten Berliner Dax-Unternehmen seit Einführung des DAX vor über 30 Jahren. Und in meinen Augen ist es der Zalando-Komplex nun durch den Turm sogar eine der schickeren Berliner Unternehmenszentralen. Auch unter den zuletzt in Berlin realisierten Hochhäusern (von denen mir einige durchaus gefallen) ist es mE zwar keines der größten aber dafür eines der gelungensten.

    klangraum Die identische Diskussion hatten wir schon einmal zu Beginn der Pandemie. Such einfach mal nach Videos zu Geisterstädten während des Lockdowns (ein paar Links hatte ich mE damals geteilt). Ich finde, dass es ohne Menschen überall gespenstisch, dystopisch, post-apokalyptisch etc. aussieht - vom Time Square bis zur beschaulichen italienischen Kleinstadt. Ich hatte erst kürzlich eine Einheit zu Großstadtlyrik behandelt und habe der Gruppe diverse Bilder aus Berlin gezeigt, von den unterschiedlichsten Ecken - aber jeweils ohne Menschen. Dass so etwas fehlt fällt den meisten Menschen sofort auf, wenn auch nicht immer sofort bewusst. Und natürlich macht es ein grau-feuchter Wintertag nicht besser.


    Ansonsten ist es mit dem Zalando-Turm nun architektonisch schon eine Stufe reizvoller geworden. Vor Ort gefällt mir der kleine Turm sogar besser als auf den Bildern. Mit dem Amazon-Turm wird es dann nochmal attraktiver. Dadurch wird die mE solide, teils über und teils unterdurchschnittliche Ästhetik des Platzes dann insgesamt etwas aufgewertet.

    Es gab übrigens noch vor Corona auch im Winter einiges an "Lichter- und Konsumgedöns" auf dem Platz, was tatsächlich auch die Konsumzombies angelockt hat wie Licht die armen Motten. Da waren etwa zahlreiche Lichter, Buden und die legendären Coca Cola Weihnachtstrucks, der Inbegriff des durchkommerzialisiertesten Festes des Jahres miiten auf dem durchkommerzialisiertesten Platz der Stadt - und die Leute hatten auch noch Spaß daran. Igitt!


    Aber zum Glück sind Alternativen wie der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt oder dem kiezigen Richardplatz dagegen strikt antikapitalistisch. Und öffentliche Plätze wie der Alexanderplatz zeigen sich ebenfalls unbefleckt von niederen monetären Motiven.


    Zur Erinnerung: Es ist tiefster Winter inmitten der Corona-Pandemie mit Rekordinzidenzen und höchsten Auflagen (es könnte glatt der Verdacht entstehen, die Leute sollen sich aktuell gar nicht groß ansammeln) und mit den Touristen fehlt auch ein wichtiges Klientel (ich habe mich kürzlich erst wieder mit einem Taxifahrer unterhalten, bei denen ist aktuell auch tiefste Baisse). Aber klar, liegt alles an der gebauten Dystopie mit den bösen Verwertungsinteressen dahinter.

    spandauer Nur ein paar einzelne Aspekte aus dem großen Konvolut:


    - Brandenburg will selbst bessere S- sowie teils U-Bahn-Anbindungen bekommen. Im Falle der U7 besteht das grundsätzlich Einigkeit zwischen Schönefeld und Rudow. Natürlich wird Brandenburg prinzipiell nur einen angemessenen Anteil zahlen. Wenn auf ihrem Gebiet sowie für ihre Einwohner gebaut wird, ergibt eine gemeinsame Finanzierung aber absolut Sinn. Oder wird eine Wohnung in Schönefeld in Deinen Augen etwa nicht deutlich attraktiver, wenn es dort eine schnelle, querverkehrsfreie Direktverbindung nach Berlin gibt? Das Gleiche gilt für andere boomende Gemeinden im Speckgürtel. Wie in der Brandenburger Regionalpresse erst kürzlich wieder zu lesen war, wird nirgendwo in Deutschland mehr zwischen Bundesländern gependelt als zwischen Brandenburg und Berlin. Stolze 225.000 Brandenburger (mehr als 2 komplette Großstädte) pendeln demnach täglich nach Berlin. Das sind wohlgemerkt alles auch Wähler und Steuerzahler. Bekanntlich gehen Brandenburger aber auch gerne in Berlin einkaufen oder nutzen die zahlreichen Kulturangebote (und teils umgekehrt).


    - Berlin muss die Milliardensummen für sinnvolle U-Bahn-Projekte nicht unbedingt alleine zahlen. Der Bund übernimmt bei entsprechenden Kosten-Nutzen-Analysen den Großteil der Summen (Bayern nutzt diesen Aspekt jährlich voll aus und profitiert von den positiven Langzeiteffekten). Wo der Bund nicht zahlt, lohnt es sich meist auch nicht. Und wie gesagt: In der "Peripherie" sinken die Baukosten deutlich, während die potentiellen Gesamtstrecken tendenziell immer länger werden.


    - Man sollte auch langfristig denken. Und langfristig muss(!) "Berlin" als Ballungsgebiet weiter nach außen wachsen, wenn man nicht alles zubauen und der Stadt ihre Großzügigkeit immer mehr rauben will. Diese Ausdehnung ist aktuell sternförmig geplant. Wenn man den MIV nicht entsprechend immer weiter hochschrauben will, muss man bestehende ÖPNV-Verbindungen ertüchtigen und fehlende ergänzen. Für lange Verbindungen braucht man entsprechend leistungsfähige Verkehrsträger wie U-, S- und Regional-Bahn.


    - Die Feinerschließung sollte weitgehend komplementär erfolgen. Aber natürlich können Buslinien vereinzelt auch mal redundant werden. Wenn bspw. eine U7 von der Innenstadt über Rudow zum Flughafen fährt, braucht man nicht mehr einen 171 (wiederum teils redundant mit dem 260) und einen Flughafenexpressbus mit geringerer Geschwindigkeit und Kapazität in exakt die selbe Richtung schicken. Ich denke schon, dass die Stadtplaner das integriert denken und planen und Deine Annahme "U-Bahn-Ausbau = Bus- und Tram-Sterben sowie Ausbluten in Randgebieten" stark vereinfacht und alarmistisch ausfällt. Denkst Du ernsthaft, man will so viel Aufwand und Kosten investieren, um anschließend den Fahrgästen ein schlechteres Ergebnis zu präsentieren? Es werden ja auch längst nicht NUR neue U-Bahnen geplant, sondern vor allem auch neue Tramkilometer. Dass die U-Bahn nun überhaupt wieder aktuell wird, finde ich grundsätzlich hoch erfreulich.


    P.S.: Ich liebe die Tram selbst. Doch im Zweifel will man dann doch die schnellste, zuverlässigste und leistungsfähigste Verbindung. Seit ich (nur einige Kilometer östlich von der Gropiusstadt) in Treptow lebe, erlebe ich eine deutliche Einschränkungen meiner Mobilität. Ich warte mehrfach 20-30 Minuten auf einen M-Bus oder gar über 40 Minuten auf eine Tram. Entsprechend muss ich nun zur Sicherheit deutlich früher los und komme zumindest teilweise deutlich später zurück nach Hause. Bei Freizeitaktivitäten muss man den Aufwand eher einrechnen als vorher. Das ist alles Alltag und in der Summe Lebensqualität.

    Architektenkind Ohne aussagekräftige Statistik ist das leider schwierig zu sagen. Gerade wenn aktuell die allermeisten Patienten mit Corona in der Normalstation auftauchen und zugleich ohnehin Rekordinzidenzen vorliegen, liegt dieser Verdacht der Nebendiagnose als Teilbegründung aber schon ein Stück weit Nahe. Das führt aber jetzt etwas weit, zumal selbst die Behörden da noch nicht völlig durchzublicken scheinen. Es gibt ja schon die politische Forderung, dass es auch hier genauer aufgeschlüsselt wird, damit Corona NICHT abgetan wird. Man kann also schon davon ausgehen, dass Corona auch zunehmend ein Problem für die Normalstationen werden könnte. In Berlin soll es dafür schon erste Anzeichen geben. Genaueres wird sich aber sicher noch zeigen.

    Berlin im Griff von Omikron - Widersprüchliche Signale zur Corona-Pandemie

    Laut Abwasseruntersuchungen ist Omikron ja längst in Berlin angekommen (macht wohl 90% des Infektionsgeschehens aus). Im Augenblick ist es dadurch mal wieder recht schwierig, die Lage vernünftig einzuordnen. Da sind einerseits die rasant steigenden Inzidenzen: Berlin liegt ohne den Meldefehler aus Marzahn vermutlich schon über 1.000 und auch die Hospitalisierungsinzidenz liegt inzwischen mit rund 13 tief im roten Bereich. Normal müssten da alle Alarmglocken schrillen. Doch durch die zunehmenden Impfquoten (nahezu drei Viertel vollständig geimpft und bald die Hälfte auch bereits geboostert) sowie die weit mildere Omikronvariante ist andererseits die Auslastung der Intensivstationen und die Zahl der besonders kritischen beatmeten Patienten eher rückläufig oder stagniert allenfalls. Ebenso verhält es sich mit den Sterbezahlen. Auch wenn die Normalstationen der Krankenhäuser irgendwann an Belastungsgrenzen stoßen könnten, sieht es also aktuell(!) nicht nach einer Eskalation mit Massensterben etc. aus (wobei laut Herrn Lauterbach aktuell auch noch eher junge Leute die hohen Inzidenzen treiben).


    Inzwischen sind diverse andere Länder wie Großbritannien, Spanien aber auch Dänemark mit teilweise weit höheren (Omikron-)Inzidenzen bereits dazu übergegangen, dass man trotz hoher Kurven zunehmend lockert und versucht, mit dem Virus zu leben wie zuvor ohne Virus. Manche halten das für ein gefährliches Experiment, andere sehen es an der Zeit. Ich bin inzwischen durch die Tendenzen aus Südafrika und Großbritannien eigentlich eher optimistisch. Ich hoffe sehr, dass der Spuk spätestens im Frühjahr weitgehend vorbei ist und man auch bei uns zunehmend aufatmen kann. Dennoch sollte man die Entwicklungen natürlich weiter intensiv verfolgen und dann hoffentlich die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

    rbb24 mit dem letzten Update der regelmäßig aktualisierten Kurven

    rbb24 mit einem einordnenden Artikel von heute

    Bousset Das sehe ich auch so. Jedenfalls profitiert die Gropiusstadt aber auch das Einzugsgebiet (Alt-)Rudow enorm vom U-Bahn-Anschluss. Man lebt so zwar am Stadtrand, ist aber dennoch in vertretbarer Zeit mitten in der Innenstadt. Zumal die Gropiusstadt ebenso viele Menschen pro Quadratmeter leben wie im nördlichen Neukölln und mehr als in den meisten Arealen der Stadt. Die Tendenz wird wohl auch eher zur Nachverdichtung gehen. Alleine in der Gropiusstadt drehen sich an einem halben Dutzend Baustellen die Kräne für neue Hochhäuser oder es wurden kürzlich solche fertig gestellt. In den anderen Außenbezirken wird es teilweise ähnlich laufen.


    Man sollte ansonsten auch nicht vergessen, mal weiter über den geographischen Tellerrand zu schauen. Um Berlin ballt es sich immer massiver. Und es entstehen in wie auch um Berlin immer mehr Arbeitsplätze. Erst kürzlich habe ich einen Bericht gelesen, wie lange viele Pendler schon auf die lang geplante Ertüchtigung der Pendelstrecken warten. Und dafür ist dann schon einmal hilfreich, wenn immerhin die städtischen U- und S-Bahnen schon einmal ein Stück weiter bis an den Stadtrand reichen. Der Rest erfordert dann wie bei der U7 eine Kooperation mit Brandenburg. Das wird hoffentlich ein positives Referenzprojekt. Ein großer Zeit- und Kostenvorteil dabei ist übrigens, dass man die U-Bahn bspw. in Rudow viel günstiger realisieren kann als bei einem Tunnel mitten durch die Innenstadt wie bei der U5. Auch ist das Wohnen in der Peripherie (bislang) noch deutlich günstiger als in der Innenstadt.

    ^Der in meinen Augen sehr lesenswerte Artikel ist inzwischen leider hinter der Paywall verschwunden. Ich hatte ihn aber zum Glück noch geöffnet und kann so die wichtigsten Stichpunkte nennen:


    Formaljuristische Ebene:

    - Das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Staatssekretärinnen und -sekretäre besagt eindeutig, dass der zuständige Senator beruft und die Regierende Bürgermeisterin ernennt. Höchstens dIe Forderung einer beratenden Kommission wäre somit noch legitim gewesen; die Forderung einer Kommission mit Entscheidungsbefugnis jedoch bereits rein rechtsstaatlich problematisch.

    - Die Presseerklärung mit dem Titel "Die Ernennung von Petra Kahlfeldt - eine Kampfangsage an eine soziale und ökologische Stadtpolitik" habe dann auch nachträglich noch einmal die Legitimität der Ernennung angezweifelt und diese als eine "Ad-hoc-Ernennung" tituliert. Auch hier wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen nochmals verkehrt.

    -Man kann nur vermuten, dass viele der Unterzeichner gar nicht genau wussten, was sie damit eigentlich ausdrücken.

    (meine Anmerkung: zumindest die Initiatoren der Kampagne sollten das aber sehr wohl gewusst haben)


    Fachliche Ebene:

    - Der eher traditionelle Gestaltungsstil diverser Projekte muss den Kolleginnen und Kollegen nicht zusagen.

    Die fachliche Eignung bezieht Frau Kahlfeldt aber ohnehin mehr aus ihren diversen Erfahrungen:

    -als Jurymitglied in nationalen wie internationalen städtebaulichen Wettbewerben

    -als Gestaltungsbeirätin diverser Städte

    -im Berliner Landesdenkmalamt

    -beim sehr erfolgreichen Umbau diverser (durchaus oftmals moderner) Gebäude wie dem Amerikahaus, dem Berlinpavillon der Interbau, dem Kunsthaus Dahlem, dem Metahaus, dem Museum für Fotografie, der Berliner Philharmonie sowie dem Hochhaus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

    - Frau Kahlfeldt kann Vorhandenes in die Zukunft überführen, energetische Belange berücksichtigen und sehr unterschiedlichen Bauten jeweils gestalterisch gerecht werden. Somit ist sie in ihrer Arbeit vorzüglich geschult und gerade auch für die praktischen Aspekte eine echte Fachfrau.

    - In Anlehnung an einen zitierten Fachartikel: Gerade das Umbauen kann Frau Kahlfeldt und sie beherrsche auch die denkmaltheoretische Betrachtung. Und das Umbauen sollte schon aus Gründen des klimagerechten Bauens die erste Wahl darstellen.

    - Aber auch das eigenständige Entwerfen gelingt Frau Kahlfeldt.

    - Niemand ist vom Amtsantritt an sofort bereit für alle Aufgaben und somit benötigt jeder eine gewisse Einarbeitungszeit. Jedoch bringt Frau Kahlfeldt durchaus zahlreiche einschlägige Erfahrungen mit und kann sollte somit unbedingt als geeignet für das Amt bezeichnet werden.


    Menschliche und kommunikative Ebene:

    - Frau Kahlfeldt steht vor großen Herausforderungen für die Zukunft der Stadt und es ist zu hoffen, dass sie darin brilliert. Eine Kampagne, die sie vorab vor Ideologie, Debatten der Vergangenheit, mangelnder Integrationskraft etc warnt und dabei all dies selbst praktiziert, bringt hierbei keinerlei produktiven Beitrag.

    - Zudem wurde Frau Kahlfeldt aufgrund fachlicher Differenzen sehr persönlich angegriffen und sogar verleumdet. Wie der bekannte Architekt Arno Lederer schreibt, schadet eine derartige Diffamierung allen Architekten. Dies ist zu unterstreichen. So ist die immens wichtige fachliche Auseinandersetzung nun bereits vorgeschädigt. Auch der öffentliche Ruf aller Architekten hat so unnötig gelitten, was ihre Rolle in der zukunftsgerechten Transformation der Stadt nur erschwert.

    - Für die Zukunft ist nun daher zu wünschen, dass Frau Kahlfeldt fortan konstruktiv-kritisch unterstützt wird.

    ^Es sind nicht unbedingt die Autos. Die Kreuzung und auch die Stellfläche der Busse ist einfach nicht besonders groß und es sind gerade mit dem Flughafen schon ordentlich viele Busse. Insgesamt wirkt es einfach unübersichtlich, vollgestopft und wenig attraktiv. Die Gartenstadt Rudow aka Frauenviertel wartet auch seit langem auf den einst versprochenen Anschluss. Die Busse sind gerade zu Stoßzeiten oft vollgestopft mit Schülern und dann je nach Linie teilweise Flugreisenden nebst Gepäck. Die U-Bahn würde da definitiv Entlastung bedeuten. Bislang habe ich auch noch nirgendwo Gegenstimmen gehört. Ganz im Gegenteil.

    spandauer Also zumindest in Rudow wünschen sich die Menschen seit zig Jahren diese Verlängerung. Die Busse verstopfen dort gerade am U-Bahnhof eher die Straßen und eine Tram ist nicht in Sicht. Am südlichen Ende habe ich die U7 auch immer als äußerst leistungsfähig und breit angenommen erlebt. Dagegen sind einige der Busse relativ unzuverlässig und entsprechend unbeliebt. Für Spandau kann ich das aber wie gesagt nicht beurteilen.

    Grüne öffnen sich für neue U-Bahn-Projekte

    Scheinbar fast unbemerkt hat sich nun auch bei den Grünen ein Wandel vollzogen - und plötzlich sind sie offen für neue U-Bahnen. Kurioserweise im konkreten Einzelfall (Spandau) sogar teils gegen den Fahrgastverband, der offenbar lieber Trams realisiert sähe. Aber der Reihe nach:


    Mobilitätssenatorin und Grüne Spitzenfrau Bettina Jarasch unterstützt voraussichtlich (i.e. vorbehaltlich der Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Analysen) eine westliche Erweiterung der U7 in Richtung Spandau um 4,4 km sowie mehrere Stationen bis Heerstraße Nord. Die Kosten werden auf 578 Mio geschätzt und das täglich zu erreichende Fahrgastaufkommen auf 40.000 Menschen. Für Frau Jarasch sei das auch eine Frage von Gerechtigkeit, da viele Menschen in diesem Areal eher geringe Einkommen aufweisen und daher auf eine starke ÖPNV-Verbindung angewiesen seien. Zudem könnten damit sogar Busse ersetzt werden.

    Spandauer Lokalpolitiker unterstützen den Vorschlag und wünschen sich zusätzlich auch eine Verlängerung der U2. Spandau sei beständig am Wachsen und sei der Verkehrsinfrastruktur förmlich schon entwachsen, sodass zunehmend der Kollaps drohe.

    Kritik kommt (für mich) erstaunlicherweise ausgerechnet vom Fahrgastverband, wonach die U-Bahn in die Innenstadt gehöre und die Feinerschließung über schneller und günstiger machbare Trams realisiert werden solle. Ich weiß zwar, was mir als Anwohner grundsätzlich lieber wäre (bei aller Liebe zur Tram, will man doch meist vor allem schnell in die Innenstadt). Dennoch kann ich es im Fall von Spandau ehrlich gesagt nicht einordnen.

    Als Randnotiz finde ich es irgendwie bemerkenswert, dass die Spitzenfrau der Grünen und die der SPD sich jeweils für eine Verlängerung der U7 stark machen, wenngleich an unterschiedlichen Enden. Damit könnte Berlins längste U-Bahn bald sogar noch deutlich länger werden und dann von Brandenburg bis tief nach Spandau hinein fahren (oder natürlich umgekehrt).

    Und es scheinen ja noch weitere U-Bahn-Projekte wahrscheinlicher zu werden. Schön, dass auch dieses Thema wieder offener angegangen wird.

    Quelle Berliner Zeitung


    Erste neue Tram-Strecke seit 6 Jahren seit ein paar Monaten in Betrieb

    Ebenfalls noch kein großes Thema war, dass im Oktober erstmals seit 6 Jahren wieder eine neue Tramstrecke in Betrieb ging. In Treptow-Köpenick wurden für 40 Mio Euro 2,7 km Strecke mit 5 Stationen (Landschaftspark Johannisthal, Gerhard-Sedlmayr-Straße, Benno-König-Straße, Landfliegerstraße und Nieberstraße) ans Netz angeschlossen. Hierdurch wurden gleich drei Linien verlängert (61, 63 und die Metrolinie M17). Somit können nun ca. 20.000 Fahrgäste täglich beispielsweise von Adlershof zum Verkehrsknoten Schöneweide fahren oder natürlich auch weiter zum Tierpark.

    Ich bin durch meinen Umzug schon ein paar Mal selbst auf der neuen Strecke gefahren und bin jetzt ohnehin deutlich mehr auf Bus und Tram angewiesen. Ehrlich gesagt vermisst man die schnelle, verkehrsunabhängige U-Bahn schon etwas, auch wenn es irgendwie immer noch ein anderes, schöneres Flair hat.

    Quelle Morgenpost


    Weniger neue KFZ-Zulassungen - Anteil von Hybrid- und Elektrofahrzeuge auf Rekordniveau

    Das ist womöglich nicht der ideale Thread dafür (war mir nicht sicher, welcher passt) - aber ich hänge es mal hinten dran:

    Ich hatte eigentlich gedacht, dass durch Corona mehr Leute Auto fahren. Tatsächlich sind die Neuzulassungen gegenüber 2019 aber sogar erheblich rückläufig (Berlin: 60.000 vs. 87.000 also fast ein Drittel weniger; Brandenburg: 51.000 vs. 65.000). Außerdem interessant: In Berlin ist inzwischen jedes zweite neu zugelassene Auto ein Hybrid oder sogar ein rein elektrischer PKW (insgesamt 48,6%). In Brandenburg liegt der Anteil immerhin bei 41%. Dabei wachse der Anteil rein elektrischer PKW sogar stärker als der von den bereits deutlich stärker etablierten Hybriden (erstere ca. +200% seit 2019, letztere +100%). In absoluten Zahlen haben die neu zugelassenen Verbrenner also deutlich nachgelassen, während E-Mobilität auch im MIV stark zunimmt.

    Quelle rbb


    Wie man sieht, ist also auch beim Thema Verkehr einiges in Bewegung. Auch wenn solche Trends natürlich teilweise viele Jahre für spürbare Veränderungen brauchen, sind es doch interessante Weichenstellungen. Ich freue mich jedenfalls, dass beim ÖPNV jetzt wieder offener nach den besten Ansätzen gesucht wird und dass scheinbar auch die Abgasbelastung zumindest sukzessive etwas nachlassen dürfte. An manchen Straßen bspw. in Neukölln fühlt man sich ja fast wie ein Passivraucher und überlegt sich das mit dem Joggen oder Fahrradfahren lieber zweimal.

    Ich hätte mir hier auch eher eine deutliche Aufwertung des Bestandsbaus gewünscht.


    Wenn dieser aber nun faktisch abgerissen wird, dann finde ich den neuen Entwurf gar nicht so schlecht. Es kommt natürlich auch darauf an, inwiefern die Begrünung tatsächlich attraktiv umgesetzt wird. Bislang habe ich das in Berlin leider noch nicht so oft gesehen und erhoffe mir daher mehr positive Referenzbauten. Dass es am Ende ein Plus für das Klima wird, glaube ich aber auch nicht. Das wird natürlich immer gerne suggeriert, hier sicher auch damit der Abriss des Altbaus weniger Kritik hervorruft.

    Endell Das sehe ich etwas anders. Zunächst einmal sieht es so doch tatsächlich viel moderner aus, entsprechend ist das Anliegen ja gelungen (und dass man gerade in dieser Zeit mit ihren vielen, vielen bahnbrechenden Innovationen modern statt rückständig/von gestern o.ä. wirken wollte, kann man doch irgendwo verstehen). Zudem finde ich auch nicht, dass die Umgestaltung eine Verunstaltung war. Ich würde hier entgegen dem reinen Abhauen und glatten Verputzen alter Stuckfassaden wie gesagt von schlichter Eleganz sprechen, welche sogar einen reizvollen Kontrast zur verzierten Altbaufassade daneben erzeugt. Die vorherige Anmutung war davon abgesehen sicherlich ebenfalls schick (und homogener mit dem Nachbarbau), allerdings war das ja gewissermaßen auch nur ein "Anstrich" von Wohlstand und Opulenz - in den Innenräumen war teilweise ja weniger davon zu finden (je weiter hinten, desto weniger). Ich könnte jedenfalls von beiden Stilen mehr im Stadtbild ertragen.


    Dagegen wirkt der Sauerbruch-Entwurf leider recht strukturlos, leblos, lieblos auf mich. Natürlich kann man aber erstmal abwarten, wie das real wirkt. Die Visualisierung sieht für mich aber nicht nur verschwommen aus, sondern auch unfertig. Insgesamt fast ein wenig, als wenn man den eigenen Entwurf bewusst schamvoll verschleiert, weil man schon selbst wusste, dass es nichts Dolles ist. Ich finde übrigens schon, dass Sauerbruch Hutten auch schon einige reizvolle Beiträge geleistet hat. Hier bin ich aber zumindest bislang noch nicht warm geworden.

    Berliner StartUps erhielten 2021 rund 10,5 Mia Risikokapital

    Durch Corona schießen Anleger immer mehr Geld in die StartUp-Szene. Davon profitiert folglich auch Berlin wieder einmal stark, das so erneut stolze 60% der deutschlandweit investierten Summen (insgesamt 17,4 Mia) einstrich. Übrigens etabliert sich daneben auch das selbsterklärte Laptop-und-Lederhosen-Land Bayern immer stärker als StartUp-Region (4,4 Mia oder 26% der Gesamtsumme), wogegen der Rest noch einigen Rückstand aufweist (Baden-Württemberg, NRW und Hamburg liegen immerhin rund um 400-600 Mio).

    Entsprechend befinden sich auch 19 von deutschlandweit 25 aktuellen Unicorns (mit mind. 1 Mia Dollar bewertete StartUps) in Berlin. Allerdings liegt aktuell nur ein frisches StartUp bei über 10 Mia und das findet sich in München. Weltweit gibt es aktuell über 900 Unicorns und einzelne haben inzwischen auch schon die 100 Mia-Dollar-Grenze übertroffen (zum Vergleich: die weltweit größten Unternehmen, die inzwischen längst keine Start-Ups mehr sind, erreichen selbst erst seit einigen Jahren die Billionengrenze).

    Sueddeutsche Zeitung zum Risikokapital in 2021

    Business Insider mit einer Liste inkl. Kurzbeschreibung der 25 "Einhörner" (nicht wundern: viele bekannte Firmen wie Zalando, Delivery Hero etc. zählen inzwischen nicht mehr zu den aktuellen StartUps)

    Architektenkind Mich hat die Visualisierung auch überrascht. Weder bringt es den Bau vernünftig zur Geltung noch sieht es insgesamt ansprechend aus.


    Ansonsten kann man natürlich nur die sichtbare Perspektive und die erkennbare Anmutung bewerten. Rein von der Kubatur her finde ich die Wirkung ok. Nur ist die monotone Gestaltung für so eine große Fassade dann eine schlechte Entscheidung, die man selbst bei hervorragender Materialwahl nicht komplett korrigieren können wird. Immerhin der hell-dunkle Kontrast könnte etwas hermachen. Wobei selbst der auf der merkwürdigen Visualisierung nicht so richtig ideal zur Geltung kommt.

    ElleDeBE Vor allem verstehe ich das dann schon rein inhaltlich nicht. Wir leben doch faktisch nun schon länger in einem säkularen Staat. Der Bruch ist somit nichts Neues. Unsere Wurzeln im Christentum sind zudem ja auch längst keine 2.000 Jahre alt. Damals war ja noch nicht einmal Rom christlich, vielmehr wurden die Christen damals tatsächlich vom (polytheistischen) Staat verfolgt. Und ALS Rom dann irgendwann christlich war, haben unsere lieben (ebenfalls polytheistischen) Vorfahren ihnen bekanntlich immer wieder harten Widerstand geleistet. Der kulturelle Bruch fand da ja zunächst überhaupt erst mit der zähen (teils gewaltsamen, teils diplomatisch errungenen) Christianisierung der Heiden statt. Kurz gesagt ging der Trend von vielen Göttern und Religionen über den einen Gott hin zu gar keinem Gott/ keiner Religion.


    Da ist die Aufforderung zum Beugen der Knie doch eher schon ein historisches Zeugnis als eine kulturell aktive Botschaft, die sich brechen ließe (kultureller Bruch). Das Grundgesetz HAT diese faktisch ja bereits längst überschrieben. Gerade deshalb verstehe ich aber auch umgekehrt nicht ganz, weshalb man das dem Gebäude auf so plumpe Weise antun muss. Gegen das kaum lesbare Spruchband wirkt bspw die Siegessäule ja wie ein ausgestreckter Mittelfinger. Dennoch lässt man sie einfach stehen, ohne dass sie dadurch heute noch einen aktiven Geltungsanspruch ausstrahlt. Gerade dieser lässige Umgang macht für mich Berlin aus. Ich kann diesem ganzen anachronistischen Kulturkampf daher überhaupt nichts abgewinnen. Es ist im Grunde nur irritierend. Bedauerlicherweise leistet ein Herr Boddien mit so einer Aussage den Leuchtbandmachern sogar Vorschub, weil er ihnen unnötigerweise ein Gegenüber präsentiert. Hätte er sie doch lieber ins Leere laufen lassen. Dann wäre man (hoffentlich!) auch so darauf gekommen, dass es hässlich aussieht und inhaltlich überhaupt nicht notwendig ist.