Beiträge von jan85

    Klarenbach Du verlangst Mäßigung und schreibst Deinerseits zugleich mE völlig unverhältnismäßig von "abrüsten" sowie "Schützengräben".


    Und der Konflikt wird mE weder von der Berliner Zeitung herbeigeschrieben, noch vom DAF herbeigeredet. Er wird faktisch bereits u.a. in den von Dir selbst zitierten Quellen aufgemacht.


    BDA: Hier wird implizit sehr wohl ein in jeglicher Hinsicht moderner Bau eingefordert. In und zwischen den Zeilen wird mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass eine Reko gar nicht mit maximaler Nachhaltigkeit vereinbar sei. Ferner wird der Senat ganz massiv angegriffen, weil er nun nochmals einfordert/ vorgeben will, was bis vor kurzem immer wieder angekündigt wurde und als öffentlicher Konsens galt (durch Musterfassade/ Planen, durch den übrigens sogar selbst aufgegriffenen Terminus "Wiederaufbau", durch das politisch vereinbarte und hier ebenfalls zitierte Kredo "So viel Schinkel wie möglich", durch die Abstimmung).


    AK-Berlin: Diese Stellungnahme nutzt auf den ersten Blick einen deutlich gemäßigteren Duktus bzw. sie versteckt die Seitenhiebe zumindest deutlich besser (man wünsche sich ein "faires" Verfahren ohne Widersprüche). Aber auch hier keine Spur mehr von der einstigen Vereinbarung "So viel Schinkel wie möglich". An Schinkel anknüpfen möchte man inzwischen nurmehr im Sinne vergleichbarer "Innovationskraft" und "schöpferischer" Energie (die man sich immerhin selbstbewusst zuzutrauen scheint). Vielsagenderweise seien hierfür "Ausdruck und Gestalt" des Bauwerks vollkommen freizustellen bzw. in der ersten Phase "vielfältige Ideen" zu ermöglichen. Und letztlich seien dann in zweiter Stufe allein die Nachhaltigkeitsvorgaben die - Zitat - "zwingenden" Kriterien. Benutzt werden ferner Termini wie "Gebot", "muss" (2x), soll/sollte (2x).


    Fazit: Wie so oft lesen wir ein und denselben Text deutlich anders. Ich erkenne hier keine "Offenheit", sondern verorte darin eine kaum weniger deutliche Festlegung als die des Senats. Die Empfehlungen des Think Tanks werden mE allzu gerne genutzt, um die Reko zu verunmöglichen und zumindest im Falle des BDA zugleich einmal mehr deutlich mit der ungeliebten Staatssekretärin abzurechnen (Stichwort "Schützengräben"). Ansonsten wird hier mE munter ein Modebegriff an den nächsten gereiht, dass man mit minimalen Aufwand eine Buzzword-Kaskade oder ein Bullshit-Bingo damit veranstalten könnte. Ich habe dabei auch ein wenig den Verdacht, dass man im Zuge der Neuwahlen stark auf eine Grüne Oberbürgermeisterin und eine neue Staatssekretärin pokert (oder den aufgeregten, aktivistischen Teil der Bevölkerung vor den Karren spannen möchte)...


    P.S.: Ich habe früher selbst mal geschrieben, dass ich mir (harmonisch eingefügte) moderne Einsprengsel sowie auch ähnlich geniale moderne "Gegenentwürfe" durchaus gerne anschauen würde. Der Wettbewerb wäre grundsätzlich genau der passende Rahmen dafür. Aber ich habe einerseits eine enorme Wertschätzung für Schinkels Bauakademie und andererseits ein gewisses Grundmisstrauen in die heutige Baukultur (ähnlich wie es der BDA auch dem Senat unterstellt) und nicht zuletzt Debattenkultur. Man kennt inzwischen ja die ewig-gleiche Masche (Schlagworte wie Klimaschutz ziehen immer) und schrille Rhetorik, mit der inzwischen oft Stimmung gemacht und Gegenpositionen abgekanzelt werden, bis man seinen Willen bekommt.


    Von daher begrüße ich inzwischen eine klare Festlegung auf die Fassadenreko, zumal es mehr oder weniger deutlich so vereinbart war und es nicht zuletzt ein ikonischer und programmatischer Bau war, den man so leicht gar nicht neu erfinden kann und mE auch nicht muss. Dass man mit so einer Festlegung kein "qualitativ hochwertiges Ergebnis" erwarten könne (AK-Berlin) halte ich für Respektlosigkeit bzw. maßlose Selbstüberschätzung.

    DerBe Es mag ja sein, dass auch einige Reko-Befürworter merkwürdige Ansichten vertreten/ verbohrt auftreten (ich verfolge das Stadtbildforum nicht, kann es also nicht beurteilen). Das sagt doch aber nichts aus über den breiteren Diskurs in unserer Stadt (mE eindeutig nicht überrepräsentiert durch besonders intolerante konservative Ansichten und Forderungen). Oder die faktischen Zahlenverhältnisse zwischen Rekonstruktionen und modernen Neubauten - die paar Rekos sind dabei nicht einmal vollständige. Oder über die grundsätzliche Legitimität dieser konkreten Rekonstruktion: Bei der Bauakademie gibt es ja eigentlich längst Beschlüsse und nun sogar zusätzlich auch noch eine Befragung der Bevölkerung (wie repräsentativ diese war, kann ich freilich nicht beurteilen). Außerdem reden wir hier von einem DER programmatischen Schinkelbauten direkt am Schinkelplatz und einem der Schlüsselbauten zum Verständnis des architektonischen Epochenumbruchs.


    Ich finde es schon regelrecht dreist und unanständig, dass man hier nun mit einer vermeintlich chancenlos unterdrückten Moderne kokettiert oder einen ergebnisoffenen Wettbewerb als Selbstverständlichkeit darstellt. Erinnert mich direkt etwas an die eklige Rhetorik, mit der gegen unsere neue Staatssekretärin geschossen wurde. Da scheint in gewissen medienaffinen Kreisen ganz schön ausgeprägtes Selbstbewusstsein und Besitzstandsdenken zu herrschen...

    Die Revolution frisst ihre Kinder bzw. in dem Falle Begründer. Ich sehe das wie ElleDeBE Wo wenn nicht in diesem Fall der Bauakademie könnte man die Strömungen der Moderne und des Konservativismus mal besser vereinen und potentiell versöhnen - und das gerade in Berlin und genauer mitten im Zentrum? Die Bauakademie war gewissermaßen eine Gelenkstelle zwischen den Bauepochen. Auch wenn sie das in dieser Form/Qualität baulich wie institutionell nicht mehr darstellen wird, wäre es doch ein enormer Gewinn.


    Ich kann auch absolut nicht erkennen, inwiefern das automatisch rückwärtsgewand oder unzeitgemäß wäre. Es wäre mE allenfalls eine Rückbesinnung, was auch von Berlin aus entstehen kann. Diese Botschaft kann man dann immer noch überall in der Stadt modern interpretieren.

    DerBe Man muss sich ja auch nicht gleich verlaufen und davon habe zumindest ich auch nichts geschrieben. Es ist aber einfach so, dass zusätzliche optische Reize die Konzentration und somit Orientierung erschweren können und ggf. auch das subjektive Wohlbefinden beeinflussen. Ich würde Aufgeräumtheit daher definitiv als ein sinnvolles Kriterium bei solchen Verkehrsbauten wie Flughäfen, Bahnhöfen etc. ansehen.

    DaseBLN Da hast Du mich scheinbar falsch verstanden. Mir ist klar, dass das nicht der Hauptbereich ist. Für mich passt dieser Erweiterungsbau aber in dieser Form überhaupt nicht zum deutlich aufgeräumteren Hauptterminal. Man könnte sich ja zumindest ein Stück weit daran orientieren und einen Gesamtstil anstreben, auch wenn es nicht ganz so edel ausfällt. Es ist dabei ansonsten schon völlig klar, dass man da Abstriche machen muss. Denn der BER muss dringend Geld verdienen. Trotzdem kann man es mE auch übertreiben. Nochmal: Was kann es schon kosten, so eine Decke abzuhängen oder zumindest Teile der Technik zu verblenden bzw. meinetwegen in einer einheitlichen, unaufdringlichen Farbe zu lackieren? Ganz davon abgesehen, dass der BER aus Sicht der Billigstflieger ohnehin "Premium"-Gebühren abruft und sich die Marktanteile aktuell auch entsprechend in eine andere Richtung verschieben (siehe BER-Nebenthread in der Lounge).


    Und Zielsetzung eines jeglichen Flughafenbaus sollte mE schon sein, dass Leute sich a) gut orientieren können und sich b) grundsätzlich - aber eben gerade auch bei Stress (Delay, Flugausfall etc.) - vor Ort halbwegs wohl fühlen. Und das ohne irgendwelchen überflüssigen Reizen/Reizüberflutungen ausgesetzt zu werden. Für mich sieht dieser Komplex fast schon messihaft unaufgeräumt aus und würde bei mir sicher nicht zu Wohlfühlatmosphäre beitragen. Tatsächlich erinnert es mich etwas an ein vollgestelltes IKEA mit ebenfalls offener Decke, wo ich auch nie länger als nötig freiwillig Zeit verbringe.

    Da sind wir uns offenbar einig. Auch ich finde die offene Decke an dieser Stelle verfehlt. Es wirkt unheimlich unaufgeräumt und unruhig. Das passt nicht zum Haupt-Terminal und auch nicht zur Zielsetzung eines Flughafens. Ich frage mich auch, wie teuer ein wenig Deckenverkleidung gekommen wäre. Selbst bei starker Kostenoptimierung hätte zumindest das doch noch drin sein müssen.

    Bauhelmchen Hättest Du beim Zylinderbau gerne etwas mehr Abwechslung gesehen oder gefällt Dir die Struktur einfach grundsätzlich nicht so richtig? Auf mich wirkt es zwar auch recht reduziert, aber nicht unbedingt lieblos oder steril und eigentlich sogar umgekehrt sehr stimmig (natürlich deutlich schlichter aber vermutlich zugleich sogar stimmiger als die einstigen, weit spektakulären, Visualisierungen, die dann nie Realität wurden).


    Ich finde zunächst einmal die dunklen Rahmen sehr ansprechend, weil durch den starken Kontrast horizontale wie vertikale Untergliederung ins Auge stechen. Das scheint ja schon bei Tag gut zu funktionieren und dürfte am Abend noch stärker wirken. Zumal so von Etage zu Etage ein Ringmuster entsteht, was mE gut mit den (höheren) Ringen des Gasometers korrespondiert. Das gleiche gilt für das ruhige, serielle Muster innerhalb der Etagen, das gleichermaßen für gläsernen Innenzylinder und Metall-"Mantel" charakteristisch ist. Das doppelte Muster von großen Quadraten und Rauten (Außenmantel) sowie kleineren Rechtecken (Innenzylinder) in Kombination mit der Großstruktur in Zylinderform spricht mich irgendwie total positiv an. Neben dem Bestandsbau aus Backstein/Klinker dürfte das eindeutig mein Favorit auf dem Gelände werden. Aber so unterschiedlich sind eben oft die Geschmäcker.

    Eurowings expandiert gegen den Wettbewerbstrend deutlich am BER - das Lufthansa-Empire schlägt zurück

    Nach den deutlichen Kürzungen bei Easyjet und Ryanair nutzt ausgerechnet Lufthansa-Tochter Eurowings die Gunst der Stunde und verstärkt ihr Engagement am BER. Statt 3 wird es künftig 6 Flieger geben, die Ziele werden ebenfalls verdoppelt sowie teilweise verstärkt bedient und die Passagierkapazität steigt sogar um 130 Prozent. Auch in der Rhetorik gibt man sich angriffslustig: Wo andere sich zurückzögen, baue man bei Eurowings auf. Und auch wenn dieser Move die Lücke nicht alleine füllen wird (alleine Easyjet reduziert von einst 35 und zuletzt 18 auf nurmehr 11 Flugzeuge, Ryanair kürzt gegenüber Prä-Corona immerhin noch um 40 Prozent), gibt es natürlich ein entsprechendes Signal auch in Bezug auf die heftig kritisierten Flughafengebühren und die entsprechenden Argumentationen der beiden Wettbewerber.


    Diese werden jetzt mit den Kapazitäten auch weitere Marktanteile in Berlin abgeben müssen, die sie u.a. dem Lufthansa-Konzern einst abgerungen hatten. Schon zuletzt ohne den vollendeten Rückbau der Konkurrenz und den eigenen Zuwachs hatten sich de die 3 erheblich angenähert: Easyjet (23,3 Prozent Marktanteil) lag nur noch knapp vor der Lufthansa-Gruppe (20,9%) und Ryanair (19,5 Prozent). Das wird sich jetzt weiter verschieben. Laut Eurowings gehöre es sich auch so für die Gruppe, am deutschen Hauptstadtflughafen eine "führende Position" zu übernehmen. Zudem hebt man sich auch von jeher von den sogenannten Ultra-Lowcost-Airlines ab, da Fliegen seinen gesunden dem Wert entsprechenden Preis haben müsse. Auch unter Experten war schon geschrieben worden, dass der BER nicht durch Preisdumping alleine auf einen grünen Zweig kommen könne und man die Billigstanbieter nicht übermäßig hofieren sollte. Spannende Entwicklung also aktuell.

    Quelle rbb

    Quelle ntv

    Quelle Tagesspiegel


    Brandenburg verwirft pauschale Absage an Ausbaupläne vor 2030

    Passend zu obiger Meldung hat der Brandenburger Landtag auf breiter Front gegen eine Festlegung auf einen Expansions-Verzicht entschieden. Sogar Grünen-Vertreter sagten sinngemäß, die Politik habe dem BER schon genug geschadet, sodass man ihn jetzt nicht noch künstlich ausbremsen werde. Man lässt sich bewusst alles offen und beobachtet die Entwicklung. Auch dies wird als wichtiges Signal gesehen, auch wenn es tendenziell wohl ähnlich erwartet worden war.

    Vorausgegangen war die oben schon angedeutete und von den Freien Wählern unterstützte Analyse, wonach der BER nicht alleine über Volumen bzw. Billiganbieter in nachhaltige Gewinnzone gelangen werde und man besser über Premium ans Ziel gelangen werde. Nach dieser Lesart sollte der BER jetzt entsprechende Signale senden. Das sahen die anderen Parteien wie gesagt nicht als notwendig oder sinnvoll an. Ziel der Flughafengesellschaft ist es so oder so, jetzt wieder operativ ins Plus zu kommen und ab Mitte des Jahrzehnts dann auch insgesamt schwarze Zahlen zu schreiben.

    Quelle aero.de

    Ich erlebe hier ja ein Stück weit ein Déjà-vu zum BER, der nach langen Jahren der Diskussionen+Entscheidung, Planung und Realisierung dann irgendwie ein ironisch schlechtes Timing bei seiner Fertigstellung und Eröffnung erwischte. Beide waren gewissermaßen in Teilen schon konzeptuell veraltet, bevor sie nur ihre ersten Nutzer respektive Besucher begrüßen durften (beim BER kam dann noch die Corona-Flaute hinzu, beim HF die sukzessive Zuspitzung der kulturellen Auseinandersetzung). Aber auch das gehört für mich irgendwie zu Berlin dazu, dass vieles historisch erstmal kurios bis surreal erscheint.


    Dennoch kann ich mir zumindest vorstellen, dass die beidseitig sehr aufgeregte und teils aggressive Diskussion in Teilen der Medien und Politik nicht unbedingt repräsentativ für die gesamt-gesellschaftliche Aneignung sein dürfte. Vielleicht geht es vielen aktuell eher ähnlich wie mir: Die Reko erzeugt bei mir eher von ihrer äußerlichen Erscheinung her ambivalente Eindrücke. Es wirkt irgendwie merkwürdig fremd und seltsam vertraut zugleich. Viele haben vielleicht auch noch den Betonrohbau im Kopf, der noch weit kurioser aussah als jetzt die cleane Erscheinung ohne Patina und mit erst aufkommendem Bewuchs sowie Belebung durch Personenverkehr. So etwas muss erstmal verblassen und neben den Bäumen auch die Patina wachsen, damit man so eine Rückkehr endgültig optisch verdaut und so ein organisches Stück Stadtbild/Stadtreparatur entstehen kann. Ob diese ganzen Deutungskämpfe um irgendwelche Symbole dabei überhaupt so eine große Rolle spielen? Ich denke, der entscheidendere Faktor wird eher Zeit und Gewöhnung sein.


    Und irgendwann wird es womöglich ohnehin kein großes Thema sein, dass "ausgerechnet" HF und Schlossreko zueinander gefunden haben. Für mich beißt sich das auch jetzt nicht unbedingt, wenn man diesen Konflikt nicht erst groß heraufbeschwört. Eher begrüße ich es nach wie vor, dass die Sammlung so überhaupt erst eine ganz andere gesellschaftliche Präsenz und Relevanz erlangt hat als es in Dahlem je möglich gewesen wäre. Für mich ist das Ganze nach wie vor auch inhaltlich eine gelungene Ergänzung zu den Exponaten der Museumsinsel.

    Ich würde spontan mal behaupten: Nicht schön, aber selten. Es sieht für mich tatsächlich etwas wie Gewerbegebiet aus, bis auf die mE leicht überfrachtete Querseite am weiten Eingangsbereich mit der verlorenen kleinen Uhr (Bild 2) aber ästhetisch zumindest nicht misslungen. Und es passt tatsächlich zum Verein und schafft so Identität und Wiedererkennungswert. Mein Lieblingsbereich ist übrigens ausgerechnet die Parkhausfront mit dem großen oxidierten Bären-Wappen, dem wilden Bewuchs, dem knallroten Treppenhaus sowie dem Klinkerteil mit dem elegant ausschwingenden Dachbereich und den hohen vertikalen Fenstern (Bild 4). Erinnert mich irgendwie an einen Feuerwehrhof aber im positiven Sinne. Und durch die eher großformatige Aufteilung wirkt es auch nicht so unruhig wie das Stadion (stellenweise). Aber auch das letzte Bild mit dem "Meer an Backsteinhallen" spricht mich irgendwie an.

    ^Puh, nachdem ich jetzt auch noch einige Seiten des Extrablatts durchgearbeitet habe, muss ich mich wiederum etwas neu justieren. Vermutlich hast Du Recht, dass sich hier zwei Streithähne gesucht und gefunden haben. Jedenfalls finde ich Oswalts "Zusammenfassung" des bisher von mir gelesenen ziemlich boshaft zugespitzt und teilweise vom Kontext her verfremdet. Noch bin ich nicht alle substanziellen kritischen Aspekte durch gegangen (und allmählich verlässt mich auch zunehmend die Motivation), aber so ganz seriös verhalten sich hier mE beide Seiten nicht. Zumindest ist es in meinen Augen nicht durchgehend seriös aufgemacht und es wird jeweils Dreck gekübelt, wo es nur geht.


    Wo ich Boddien und Schröder nun aber doch gewisse Punktgewinne zugestehen muss: Sie haben offenbar nicht nur seit 2007 TÜV-Siegel für die Verwendung der Spendengelder, sondern sind letztlich auch im angepeilten Budget geblieben und konnten ihr Projekt somit erfolgreich realisieren. Das relativiert zumindest die ursprüngliche Kritik Oswalts erheblich und lässt sie rückblickend wie eine haltlose Diffamierungskampagne erscheinen. Das Thema rechtsextreme Spender scheint zudem doch weit komplexer zu sein, als von Oswalt suggeriert. Dennoch finde ich die kampflustige Pauschalrückendeckung durch Boddien hier problematisch (unabhängig davon, dass er auch plausible Argumente gegen die Forderungen nach einer öffentlichen Abrechnung hervorbringt)...

    tegula Zumindest bislang habe ich nichts kostenlos Zugängliches in den seriösen Medien finden können. Auf Google findet man bei der Suche nach "Boddien", "Oswalt", "Gericht" jedoch u.a. einen Eintrag zu der Seite "schlossdebatte.de", der sogar 3 respektive 4-5 Tage älter als der Artikel im Tagesspiegel und ein inzwischen erschienener Spiegelartikel (ebenfalls Paywall) ist. Die Seite hat nur leider veraltete Sicherheitsstandards, sodass ich sie nicht ohne weiteres öffnen konnte bzw. wollte (meine Daten sind mir im Zweifel wichtiger als die Infos, wer es dennoch versuchen will, findet dort vielleicht mehr).


    EDIT: Auf archplus äußert sich Oswalt in einem Gastbeitrag (unter Verweis auf Schlossdebatte.de) und man bekommt eine Ahnung, worum es in Oswalts Auseinandersetzung mit Boddien aber auch dem Fördervereinsvorsitzenden Richard Schröder geht (denn auch der Spiegelartikel wird entsprechend eingeleitet): Die offenbar rechtspopulistischen/rechtsextremen Spender, von denen sich der Förderverein laut Darstellung Oswalts nicht glaubwürdig distanziere bzw. diese in Person Boddiens inzwischen sogar pauschal in Schutz nehme. Laut Oswalt hat dies unappetitliche Züge angenommen und dessen Darlegung der Dinge erscheint mir - leider - recht stimmig. Wie Camondo schon schrieb, vergällt einem dies das schöne Rekoprojekt dann doch etwas (und womöglich erklärt es auch die zunehmend kritische Haltung anderer öffentlicher Instanzen zu den diversen Symbolen, die ich bislang weit überzogen fand).


    Den nachfolgenden Rest lasse ich als Ergänzung auch mal stehen, auch wenn es damals scheinbar doch um eine etwas andere Sache ging als jetzt:


    Ansonsten bin ich bei der Recherche auch über einen alten taz-Artikel gestolpert, wonach sich Boddien und Oswalt schon 2009 vor Gericht auseinandergesetzt haben. Vielleicht als Kontext noch interessant:

    Damals wollten beide die jeweils andere Seite rechtlich dazu zwingen, bestimmte Äußerungen zu unterlassen bzw. zurückzurufen. Etwas anders als im ursprünglichen Artikel zunächst geschrieben, wurden laut Richtigstellung in beiden Fällen Teile der Forderungen (Oswalt) oder sämtliche Forderungen (Boddien) abgewiesen. Damit blieben die folgenden wechselseitigen Angriffe offenbar zunächst öffentlich im Raum stehen:

    - Oswalt hatte Boddien undurchsichtiges Geschäftsgebaren und fragwürdige Kostenprojektionen vorgeworfen (laut Gericht keine belegbaren "Unwahrheiten"), ...

    - ...Boddien wohl u.a. von einer Rufmordkampagne gesprochen.


    Oswalt konnte die Gerichte offenbar schon damals besser von der Zulässigkeit seiner Darstellungen überzeugen. In der Sache hat es die Fassadenreko (mW im Kostenrahmen zzgl. entsprechender Zusätze) freilich nicht verhindern können. Dennoch sollte man diese Dinge mE nicht unter den Teppich kehren und sie in die Gesamtbetrachtung bzw. -bewertung einbeziehen.

    ^Danke für die Klarstellung. Das mit dem Angegriffen-Fühlen habe ich nicht ganz verstanden (weder habe ich mich angegriffen gefühlt noch habe ich es mE suggeriert). Ebenso weiß ich nicht, was ich unterstellt habe. Es war als Nachfrage formuliert, weil mich Dein eigener Standpunkt zu den Ausführungen interessiert hat. Ansonsten sehe ich es auch so, dass man notfalls ohne die Figuren wird leben können. Anders als etwa beim Neptunbrunnen oder anderen potentiellen nice-to-haves im Umfeld empfinde ich das Fehlen aber schon als direkt relevant für die stimmige ästhetische Erscheinung/Wahrnehmung der Reko.

    Wenn politische Symbolik für viele Menschen nicht ins Detail wirkt, wäre es wohl auch logisch konsequent davon auszugehen, dass die exakte Reproduktion jeglicher "purer Ästhetik der Hohenzollern" von der Mehrheit der Menschen ebenfalls nicht ins Detail wirkt.

    Soll man die Figuren in Deinen Augen also ernsthaft entsprechend anpassen/"entschärfen", weil es irgendwelche (mE künstlichen) politischen Beklemmungen gibt? Und ja, letztlich wäre zumindest mir das dann eher Recht, als wenn überhaupt kein ästhetischer Abschluss möglich wird. Ich stelle mir das in der Realität nur halt sehr (zeit-)aufwändig vor, wenn man sozusagen vom Hals an neue Kunstwerke schafft. Zwar wird man vermutlich anderswo entsprechende Statuen der selben Figuren ohne mutmaßliche Hohenzollern-Züge als Vorlagen finden, muss dann aber erstmal eine verbindliche Festlegung treffen. Und dann kommt am besten noch irgendwer um die Ecke und erklärt (grundsätzlich ja zutreffend), dass diese Götterfiguren generell eine archaische patriarchale Ideologie verherrlichen und überhaupt nicht rekonstruiert gehören. Entweder man kann selbstbewusst mit der Historie umgehen, oder man wird immer wieder solche anstrengenden Debatten und gut gemeinten Kompromisse erleben. Ich ahne schon, in welche Richtung der Hase da hoppelt.


    Übrigens: An der selten mal sichtbaren Dachterrasse habe ich mich nie groß gestört, an den Stella-Fassaden auch nicht (sie fallen ästhetisch schon ab, stören aber aufgrund ihrer Gestaltungsweise zumindest nicht). Wenn es gekonnt oder zumindest gemacht ist, stören mich auch Brüche oder Ergänzungen nicht. Und um mal stärker zum Kern des Threadtitels zurückzukehren: Auch das Umfeld muss mE nicht mehr wie vor hunderten Jahren aussehen. Mag sein, dass einige Puristen da ganz böse Wallungen bekommen, aber das dürfte gefühlt eher die Ausnahme sein.

    ^Auch ich finde die Entscheidung wie anderswo geschrieben schade und recht merkwürdig. Die Hohenzollern besitzen in Berlin keinerlei gesellschaftliche Relevanz mehr und erst recht wird praktisch niemand aktiv deren Erscheinungsbild vor Augen haben. Berlin ist im kollektiven Bewusstsein primär die Stadt des 20. (und zunehmend 21.) Jahrhunderts. Die Teilreko des "Stadtschlosses" verknüpft da sicherlich weitere Zeitschichten, jedoch wird das für einen Großteil der Menschen längst nicht so tief im Detail wirken wie jetzt teilweise diskutiert wird.


    Ansonsten freue ich mich, dass das Umfeld zunehmend Gestalt annimmt. Ich kann teilweise zustimmen, dass man etwas mehr Struktur (sowie gerne auch deutlich mehr Grün und etwas Wasser, einige Bänke usw.) reinbringen könnte. Andererseits erzeugt die Weite auch einen gewissen Resonanzraum, sodass die Reko anders wirken kann. Bei dem Thema Boden Absenken/Anheben bin ich unschlüssig. Es kostet zusätzliches Geld und bringt funktional sogar eher einen Nachteil (u.a. Barrierefreiheit für Rollstühle, Kinderwagen etc.). Da hätte ich eher mit Mustern/Farben im Pflaster gearbeitet, so etwas gibt es ja auch an einigen Stellen beim historischen Verlauf der Mauer (die man auch nur noch sehr selektiv in realen Dimensionen vor Augen geführt bekommt).

    ^Das macht das Projekt sicher auch deutlich teurer. Hoffentlich sind die ganzen Hochhauspläne am Alex trotzdem weiterhin realisierbar (und das natürlich mit Hilfe der Ertüchtigungen dann auch sicher).


    off topic: Es gibt auch eine dezidierte "Berliner Zeitung", weshalb man die Abkürzung "B.Z." besser nicht ausschreibt, um niemanden zu verwirren.


    Edit: Bezüge korrigiert.

    ^Und nun ist es offiziell: Tesla beantragt tatsächlich eine Erweiterung der Produktionsanlagen auf über 1 Mio Jahreskapazität!

    Dem Vernehmen nach freut sich Brandenburg riesig über die Entwicklung, womit die Chancen gut stehen dürften. Ich habe aus Interesse mal ein paar Zahlen recherchiert: Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 5,7 Mio PKW produziert. Mit Tesla in voller Ausbaustufe würde dieser Wert auf knapp 7 Mio wachsen und Tesla dabei gleich mal einen Anteil von rund 15 Prozent an der gesamten Deutschen Autoproduktion übernehmen (es wäre zudem mehr als die halbe französische Jahresproduktion). Und wenn ich mal konservativ von einem durchschnittlichen Kaufpreis von 40.000-50.000 Euro pro Auto ausgehe, dann liegen wir schnell mal bei 40-50 Mia Jahresumsatz!

    Quelle teslamag.de

    Quelle electrive.net

    wiki.edu.vn

    ^ bzgl. Streisand-Effekt:


    Den potentiellen Streisand-Effekt sehe ich ja auch vor allem bei den Statuen, die mE nicht mal bei genauerem Hinsehen als irgendein überkommener Herrschaftsanspruch aufgefallen wären. Zumindest bislang hat auch niemand hier ernsthaft behauptet, dass die mutmaßliche Ähnlichkeit zu irgendwelchen Hohenzollern tatsächlich einen negativen Folgeeffekt bringen könnte. Warum also ein Problem daraus machen?


    Bei der Kuppelinschrift ist es mE zwar ebenfalls möglich, dass sie durch die Debatte überhaupt erst weit größere Relevanz gewinnt und dass es im Ergebnis auch diverse Nachteile bringt (das weg geräumte Kreuz in Münster und die auffallend defensive Kommunikation von Frau Baerbock zeigen mE, dass durchaus Brisanz und Spaltungspotential in dem Thema liegen). Das war hierbei aber abzuwägen gegen den potentiellen Nutzen. Klar wird heutzutage ohnehin kaum jemand so eine Botschaft noch allzu wörtlich nehmen. Man hätte es mE also ohne größere Gefahr unkommentiert so stehen lassen können. Man hat aber eben nicht müssen. Vielmehr bietet sich nun die Gelegenheit, das eigene zeitgenössische Glaubensbekenntnis des säkularen Staates in Korrespondenz mit dem historischen zu bringen. Das finde ich auch kraftvoller als so einen Spruch wie "Das hier ist kein Schloss". Auch sehe ich die Reko dadurch nicht beschädigt (selbstverständlich abhängig davon, wie es am Ende wirklich umgesetzt wird).


    Mod: Unnötiges Zitat des Vorposts gelöscht.

    GeorgSchimmel Entweder wir reden komplett aneinander vorbei oder Du willst mich hier auflaufen lassen. Ich versuche ein letztes Mal es so klar wie möglich zu erklären, weil es mir wirklich wichtig ist, hier nicht falsch verstanden oder wiedergegeben zu werden. Anschließend bin ich aber auch raus, da es nur noch müßig wird.


    Das mutmaßliche Missverständnis liegt mE scheinbar zunächst darin begründet, dass Du ein größeres, allgemeineres Thema (i.e. die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Grünen gerade auch von Seiten rechtspopulistischer und rechtsradikaler Kreise) mit einem kleinen Einzelthema (i.e. meinen spezifischen Anmerkungen zu den Statuen) vermengst.

    Vor allem aber stoße ich mich an Deiner entweder unbewussten oder perfiden Verkettung von Schlagwörtern, bei der Du in Bezug zu den Angriffen gegen die Grünen und Linken - "auch hier im Forum" - im gleichen Atemzug von einer "Radikalisierung der politischen Rechten" schreibst. Das wohlgemerkt als direkte Reaktion auf meinen Beitrag, der ja in der Tat ebenfalls Frau Roth sehr deutlich kritisiert. Natürlich kann man dort einen Zusammenhang hineinlesen, den Du jetzt ja immerhin explizit verneinst. Damit will ich es bewenden lassen.


    @all: Falls es wirklich so unklar war: Ich habe nie gemeint, dass sämtliche Angriffe auf Frau Roth oder sonst wen NUR durch dieses Einzelthema der Figuren bedingt wären (was ja auch reichlich absurd wäre). Ich habe dagegen sehr spezifisch gemeint, dass Frau Roth und ihre diesbezüglichen Mitstreiter (ungleich "DIE Grünen") hier in diesem Einzelaspekt unnötig ein Thema aufmachen, was für mich sonst keins geworden wäre. Das gibt natürlich als Folge eben AUCH unappetitlichen Kreisen unnötige Munition (ebenso aber legitimen politisch-gesellschaftlichen Sparring-Partnern).