Beiträge von jan85

    Berlin Partner mit Halbjahresbilanz: Rekordinvestitionen und Startup-Finanzierungsrunden bei zugleich weniger Job-Effekten
    Zuerst mal die nackten Zahlen: Im ersten Halbjahr investierten allein die von Berlin Partner betreuten Unternehmen 1,4 Mia Euro, eine so noch nicht dagewesene Summe (gut doppelt so viel wie im 1. HJ 2025 und fast 30% über dem bisherigen Rekordjahr). Zugleich gab es dabei "nur" 43 Neuansiedlungen sowie rund 3.000 neue (1.774) oder gesicherte (1.145) Arbeitsplätze. Der Trend zeigt: Es investieren primär große Konzerne und dies wiederum vor allem in Richtung Innovation und Effizienz, sodass die Produktivität pro Mitarbeiter deutlich stärker steigt als die eigentlichen Mitarbeiterzahlen. Dazu später noch etwas mehr.

    Interessant sind vorher vermutlich noch die größten Investoren hinter dieser Summe: Google mit seinem neuen AI Center, ASML mit seiner Expansion, Daimlers Digital Factory mit Erweiterungen bei KI und humanoiden(!) Robotern sowie der neue Innovationscampus von Siemens Energy. Überraschend finde ich dabei zum einen, dass Mercedes auch in humanoide Roboter investiert (anders als bei Tesla noch nie davon gehört) und dass Siemens Energy zumindest aktuell wohl spürbarer investiert als Siemens mit seinem viel beachteten Campus.

    Ebenfalls bemerkenswert: Es wird auch offen über den Trend zur Ersetzung und Verlagerung von Arbeitsplätzen gesprochen und der Name BASF genannt (früher ein gern gesehener Partner jetzt ein Abtrünniger). Der Schwerpunkt der Arbeit wandere somit zunehmend in Beratung bei solchen "Transformationsprozessen", i.e. wie Innovation ohne Jobkürzungen funktionieren könnte und ob man auszulagernde Jobs nicht nur aus dem Unternehmen auslagern aber in Berlin belassen kann. Daneben werden aber auch starke bestehende und potentiell zu erschließende Wachstumsbranchen wie Digitalwirtschaft, Gesundheitsbranche sowie Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

    Nun aber wie oben angedeutet zu den Mitarbeiterzahlen. Da hatte ich kürzlich schon gelesen, dass nicht nur wie zuletzt (durch Zuzug u.a. von Flüchtlingen) die Arbeitslosigkeit oft eher steigt, sondern dass es sogar absolut weniger versicherungspflichtige Jobs gibt. Hierzu die enthaltenden Zahlen:
    2021: +43.254
    2022: +71.372
    2023: +26.178
    2024: +6.508
    2025: -3.651

    Das Jahr 2025 ist insoweit bemerkenswert, dass meiner Erinnerung nach schon seit vielen Jahren nicht mehr die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze gesunken ist, nicht einmal während Corona (da es immer auch profitierende Branchen gab und zudem Gegenmaßnahmen wie Zeitarbeit). Ich habe jetzt mal nur KI zu den Zahlen von 2011 bis 2020 befragt und der Schnitt lag demnach wohl bei knapp 36.000 zusätzlichen Jobs pro Jahr (meinem Gedächtnis nach sollte das etwa hinkommen), mit 2020 als Ausreißer mit lediglich +1.200 Jobs (für 2021 bis 2025 sind es immer noch knapp 29.000 zusätzliche Jobs pro Jahr - aber eben mit erstmals über mehrere Jahre stark einbrechendem Trend). Wir erleben hier mE wirklich eine Überlagerung von globalen Krisen (treffen Berlin oft weniger hart), globalem Wettbewerb UND eben dem beschriebenen Trend zur Automatisierung und KI-Implementierung. Bei letzterer liegt Berlin mit einer Quote von 40% Unternehmen mit signifikanter KI-Einbindung wohl bereits weit über dem nationalen Durchschnitt. Übrigens liegt das regionale BIP pro Einwohner offenbar immer deutlicher über dem deutschen Schnitt - und aktuell auf Platz 6 aller Bundesländer, wobei das natürlich nichts über den Arbeitsmarkt aussagt, wenn zunehmend auch Maschinen die Wertschöpfung erzeugen.

    Umso erfreulicher, dass zumindest in den letzten paar Monaten in 2026 ja doch die Arbeitslosigkeit langsam absank und auch der Arbeitsmarkt wieder deutlich besser aussah mit mehr Jobangeboten. Es wird sich zeigen, wie stabil diese Trendwende ausfällt. Die langen Zeiten mit rund 30.000er Wachstum pro Jahr könnten aber so oder so erstmal vorbei sein.

    Kommen wir zuletzt noch zu den StartUps, wo allerdings zunächst nur die Finanzierungsrunden aufgeführt sind: 429 und somit deutlich mehr als in den vorherigen Halbjahren (meist gut 200 bis 260, nur im 1. HJ 2025 bereits 355). Vielleicht ebenfalls interessant: München verbessert sich ab 2021 von unter 100 auf über 200 Finanzierungsrunden - und Hamburg sogar noch etwas deutlicher wobei man erstmals sogar mehr Finanzierungsrunden als München hatte (beide zusammen so viele wie Berlin). Aber auch Köln hat sich von meist ca. 30 auf zuletzt 90 verbessert. Was fehlt, sind die Venture Capital Summen. Wobei München da zuletzt meist durch Rüstungsstartups weit vorne lag. Dafür wollte Berlin Partner wohl auch einmal darauf hinweisen, dass Berlin trotzdem das etabliertere Ökosystem aufweist, das insgesamt 170 Mia wert sein soll und bei hoch bewerteten Startups sowie auch gut verdienenden Startups nach London, Paris und Stockholm Rang 4 einnimmt. Zudem hatte Berlin nach London in den letzten Jahren die meisten Finanzierungsrunden Europas und vor London prozentual die meisten Startups, die nach einer Seed-Finanzierung auch die Series A erreichten.
    Zusammenfassung, Präsentation

    P.S.: Jetzt will ich trotzdem noch herausfinden, was Mercedes mit humanoiden Robotern am Hut hat oder ob die trotzdem einfach nur in der Fabrik mitarbeiten und sozusagen im menschlichen Maßstab Hand anlegen (und so letztlich auch Menschen verdrängen).

    Uber übernimmt Delivery Hero für rund 8 Mia Euro - zudem 2 Mia Investitionen für Berlin und Deutschland
    Insgesamt wird der globale Essenslieferant damit auf fast 13 Mia Euro bewertet, Uber besaß jedoch bereits vorher Anteile. Wichtig ist ansonsten noch, dass Berlin Sitz von Delivery Hero bleibt, bis 2029 kein Mitarbeiter entlassen wird und dass Uber bis 2031 insgesamt 2 Mia Euro in Deutschland investiert.

    Das Festhalten am Konzernsitz sowie die hohe Investitionssumme allein für Deutschland sind sehr spannend. Denn Delivery Hero selbst operiert ja gar nicht mehr innerhalb von Deutschland und zudem bedeutet die Verschmelzung mit einem großen US-Tech-Konzern ja nicht unbedingt eigenen Wachstumsbedarf. Die 2 Mia sollen wohl zu großen Teilen an den Konzernsitz Berlin fließen, wobei man hoffentlich deutlich über 2029 hinaus planen wird (die Investitionen laufen ja immerhin bis 2031, also 2 Jahre länger als die Beschäftigungsgarantien). Konkret schreibt die Tagesschau von einem "Ausbau der Unternehmensbelegschaft", dem "Wachstum des landesweiten Geschäfts" (dann aber mE wohl eher unter Uber Eats, was mutmaßlich verschmolzen werden dürfte) sowie - und nun wird es mE besonders spannend - "Angeboten im Bereich autonomes Fahren und Partnerschaften mit der deutschen Automobilindustrie". Also VW Moia kooperiert in den USA mit Uber und sucht in Deutschland Partner. Nun kündigt Uber eine Kooperation für Deutschland an, wobei man plötzlich doch auch in die Technologie selbst investieren möchte. Das klingt nach einem potentiellen Match - aber warten wir mal die Details ab. Ansonsten wird auch spekuliert, dass Berlin langfristig eine Art Tech- und Entwicklungszentrum für den Konzern darstellen könnte (also ähnlich wie es Amazon seit kurzem im Edge-Tower betreut).
    tagesschau.de, uber

    Update: Was macht eigentlich Moia?
    Ich bin gerade in Hamburg, wo ich wirklich täglich die großen Moia-Transporter herumfahren sehe. Und da es ja zuletzt viele Updates zu verschiedenen Projekten der Autohersteller gab, fragte ich mich: Was ist eigentlich überhaupt aus Moia geworden? Die Antwort ist deutlich komplexer als erwartet und daher lieber der Reihe nach:

    Moia wurde Ende 2016 (am 5.12.26 ist 10. Geburtstag) als neue VW-Marke in Berlin gegründet und sollte ähnlich wie Cariad neue Unternehmensfelder in Richtung Mobilitäts- und Technologieanbieter eröffnen. Gestartet ist man seinerzeit mit 50 Mitarbeitern. Inzwischen könnte es in Berlin schätzungsweise etwa 200-300 hoch qualifizierte Mitarbeiter geben.

    Seit 2019 betreibt man eine Ridepooling-Flotte in Hamburg. Eigentlich wollte man ursprünglich in Berlin starten, doch BVG und Senat wollten keine Konkurrenz zum BerlKönig (2022 eingestellt) sowie keine Autonomie aus der Hand geben. Hamburg mit seiner Hamburger Hochbahn waren offener für die Pioniersarbeit beim Hochfahren der operativen Einheit. Zwischendurch arbeitete man auch mit Hannover zusammen, wobei Moia die Arbeit 2025 einseitig einstellte.

    Seither ist zu vernehmen, dass Moia einerseits Wachstumspläne verfolgt und auch auf offene Ohren bei den Verkehrsbetrieben in Hamburg, München und Berlin stößt. Da die Personalsituation absehbar immer kritischer wird, haben die drei größten deutschen Städte eine gemeinsame Absichtserklärung geschlossen, wonach bis 2035 rund 2.000 autonome Bus-Shuttles in den drei Städten fahren sollen. Denn während die großen Hamburger Moia-Transporter noch mit Fahrpersonal operieren, soll die Zukunft autonom funktionieren und nur noch übergangsweise erst mit lückenloser Absicherung mit Sicherheitsfahrern sowie remoter Überwachung hochgefahren werden.

    Seit Herbst 2025 operieren autonome Moia ID.Buzz Fahrzeuge übrigens schon in einem 15 km² großen Testgebiet im (eher peripheren) Berliner Nordwesten. Bei dem mit knapp 10 Mio geförderten Projekt behält die BVG jedoch das Heft des Handelns, während Moia "nur" Fahrzeuge und Software stellt. Hamburg bewegt sich wieder ein Level darüber und bespielt bald mit 30 Mio Fördergeld 37 km² mit diversen zentralen Arealen. Zudem hat man VW Nutzfahrzeuge und Moia dort stärker eingebunden und operiert so eher Seite an Seite. Auch haben dort alleine autonome Testfahrzeuge schon jetzt über 600.000 km zurück gelegt. Spannend dabei finde ich, dass die BVG ja inzwischen vom früheren Chef der Hamburger Hochbahn geleitet wird, die Hamburger Hochbahn dagegen von einem früheren Moia Manager. Es hat wirklich den Anschein, als sei Hamburg zumindest operativ immer und überall ein paar Schritte voraus. Berlin fährt im Windschatten, spart sich so andererseits oft die aufwändigen und teuren Schritte und bekommt zwar etwas weniger PR ab - aber behält eben zugleich auch die Moia-Zentrale.

    Parallel kooperiert Moia in Amerika (LA, Florida) mit Uber, die sich gegen die autonome Konkurrenz von Waymo wehren. Ähnlich wie in Berlin stellt Moia dort Fahrzeuge und Software, Uber dagegen sein eigenes Netzwerk. Generell sucht Moia global nach starken Allianzen, während man in Deutschland vor allem Fördergelder sowie externe Investoren anstrebt. Denn auch wenn die großen Anbieter den europäischen Markt nicht selbst aufrollen können oder wollen und allenfalls passende Startups kaufen oder ggf. begleiten würden, muss Moia als vergleichsweise kleinerer Player überhaupt erstmal die Investitionen für den Anlauf stemmen, bevor es dann (voll-autonom) profitabel werden kann.

    Fazit: Von Moia bekommt man oft gar nicht so viel mit aber da stellen sich immer wieder sehr wichtige Weichen, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden können. Gut läuft es wohl, falls man bald immer häufiger den schwarzen ID.Buzz mit den entsprechenden Dachaufbauten sieht - und das zunehmend tatsächlich ohne Fahrer. Zumindest im Berliner Zentrum dürfte das aber noch einige Jahre brauchen. So sieht er jedenfalls aus, falls man mal im Berliner Norwesten unterwegs ist:
    PK-MOIA-22_1024x682_1@2x.0e4f1afd.webp
    Bild: Volkswagen/ Moia

    Die größten Chancen dürfte man perspektivisch auf dem stark regulierten europäischen Markt sowie darüber hinaus ggf. noch in starken Allianzen finden - oder eben als Direktanbieter für Kommunen und ÖPNV-Betreiber, die keine amerikanischen oder chinesischen Tech-Riesen mit ihrem dominanten Marktgebaren und Datenhunger rein lassen wollen.
    heise.de & KI-Recherche (mit Überprüfung der Quellen)

    Es steht eben in einer Achse mit Brunnen und Rathaus sowie zugleich auf einer Linie mit der Kirche. Die Frage wäre mE, ob es eher diese Achsen markieren oder tatsächlich Aufenthaltsqualität für längere Pausen erzeugen soll.

    Auch müsste man sich mal ansehen, wie konkret das Umfeld überhaupt gestaltet werden soll, auch wenn das freilich nicht die physische Entfernung zur Straße ändert. Aber vielleicht hat man da ja durchaus entsprechend Gedanken investiert, wie man zumindest die gefühlte Nähe der Straße etwas reduziert. Es steht übrigens nicht direkt an der Bushaltestelle, sondern lediglich etwa auf der gleichen Höhe der Straße aber einige Meter nach hinten versetzt. Da wären mE durchaus noch Spielräume.

    ^Oh, da hast Du völlig Recht und ich teils zu voreilige Schlüsse gezogen. Ich hatte nur die Beschreibung in der PM des Senats gelesen, wonach Luther von "Begleitfiguren bedeutender Reformatoren" gesäumt wurde, und das automatisch auf die insgesamt (also auch international) bedeutendsten Vertreter der Reformation bezogen (übrigens scheint es dagegen beim Wormser Luther Denkmal tatsächlich so zu sein, dass Luther dort auch u.a. über Hus und Wyclif thront).

    Mein Bauchgefühl ist ansonsten aber wohl trotzdem nicht so ganz falsch gewesen, was die nationale Nabelschau betrifft. So habe ich die KI mal (möglichst neutral formuliert und ohne oft verfälschende Vorwegnahme einer möglichen eigenen Deutung) gefragt, worum mutmaßlich diese und NICHT die bedeutendsten Wegbereiter der Reformation ausgewählt wurden - und warum Luther zudem so deutlich erhöht dargestellt wurde.

    Als Antwort zum ersten Teil heißt es sinngemäß, dass es sich ausdrücklich um ein "preußisch-lutherisches Staatsdenkmal" handle, welches den "Sieg der deutschen, wittenbergischen Reformation als Geburtsstunde der modernen deutschen Kultur" propagieren sollte. Hus als geistiger Vorläufer hätte den Verdienst schmälern können, während Calvin und Zwingli eine "rivalisierende Konfession" repräsentiert hätten.

    Zum zweiten Teil wird ausgeführt, dass die "extreme Erhöhung" politisch-nationale Motive hatte und sinnbildlich für den "deutschen Geist und Nationalstolz" stehen sollte. Luther sei damals generell im Dienste ambitionierter nationaler Interessen zum "deutschen Ur-Hero" bzw. "Nationalhelden" stilisiert worden, da er gemäß damaligem Narrativ die Deutsche Sprache schuf und den "deutschen Geist" gegen die "römische (welsche) Fremdbestimmung verteidigte". Kurz vor der Schaffung des Denkmals habe der preußische Staat unter Bismarck einen Kulturkampf gegen katholische Kirche und Papst geführt und durch die Erhöhung Luthers bewusst eine "Machtdemonstration des protestantisch geprägten Kaiserreichs gegen den Katholizismus" sowie ein "Monument des Kaisertums und Nationalstolzes maskiert im Gewand der Reformation" errichtet. Man setzte Luther also einerseits auf eine Art Thron, um ihn zugleich in den Dienst des aktuellen Herrschers und Throns zu stellen.

    Das Denkmal verkörperte dabei übrigens interessanterweise exakt die gleiche Stoßrichtung wie auch u.a. der "katholisch"-prachtvolle Berliner Dom oder das monumentale Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal. Das vergleichsweise junge Reich fühlte sich gegenüber anderen im Hintertreffen und strebte Repräsentation an.

    Also irgendwo gut, dass ich in dem Fall nicht Bescheid wusste und gerade dadurch naiverweise oder ggf. intuitiverweise in eine fruchtbare Deutungslücke gestoßen bin. Jedenfalls habe ich jetzt einiges dazu gelernt. Das Ergebnis bleibt für mich freilich das selbe: Zum Glück ist der pompöse Rahmen weg und man kann sich bald zu Luthers Füßen setzen, ohne sich den Hals zu verrenken. Die Gestaltung bleibt eine andere Frage. Wobei ich besonders auf den roten Bodenbelag gespannt bin, der real hoffentlich besser wirkt als auf dem Bild.

    ^Tut mir leid, wenn das so rüber kommt. Mir liegt viel an einer Diskussion und Austausch von Erfahrungen. Die sind in dem Fall halt erstaunlicherweise wirklich diametral entgegengesetzt.

    Tatsächlich habe ich schon bei meiner Arbeit selbst ständig mit jungen Menschen zu tun. Meine Tochter macht zudem gerade Abitur und hatte in Mittel- wie Oberstufe mit Luther zu tun.

    Und wie gesagt: Wann gab es sonst mal einen Film zu einer historischen Deutschen Persönlichkeit, den sich Millionen Menschen im Kino ansehen und auch nochmal extrem viele DVDs kaufen (hab auch eine zu Hause, meine Eltern ebenso). Bei einem Ranking der größten Deutschen aller Zeiten wurde Luther auf Platz 2 gevotet. Playmobil hatte vor einiger Zeit Figuren von Luther, Fontane und Co - Luther wurde zur meistverkauften Figur der Firmengeschichte. In 9 von 16 Bundesländern wird jedes Jahr Reformationstag gefeiert und an Luther erinnert (das kommt dann zum Beispiel auch Jahr für Jahr in den Logo Kindernachrichten, hab ich selbst schon mehrfach mit Klassen geguckt). In unserer Region kennt man doch zudem die Lutherstadt Wittenberg.

    Also ich bewundere eher jeden Deutschen, der es schafft, NIE mit Luther und seiner Biographie in Berührung zu kommen. Ob es die Leute groß interessiert, ist natürlich die andere Frage. Da wird aber auch ein Denkmal nichts mehr groß ändern.

    Aber wer von den jungen Leuten in Deutschland (selbst unter den Geschichtsinteressierteren) hat denn schon einmal groß von Hus gehört (Luther selbst dagegen hat sich und alle seine eigenen 'Anhänger' bewusst als Hussiten bezeichnet! - damit man ihn dann nachträglich so über diesen setzt)? Oder von Calvin (der zumindest international letztlich sogar fast bedeutender wurde)?

    Aber nochmal: Mein Problem ist doch überhaupt nicht, dass man in Berlin eine regional, national und international wirkmächtige Größe wie Luther würdigt (und meinetwegen auch weiter nur ihn ohne Mitstreiter). Ich persönlich bewundere ihn selbst ja auch. Mein Problem ist, wie das ursprüngliche Denkmal die anderen entscheidenden Köpfe im Verhältnis zu ihm darstellt. Das sind für mich zwei recht verschiedene Dinge. In der letztlich relevanten gestalterischen Frage sind wir uns doch aber ohnehin schon einig, da eine Reko ja gar nicht zur Debatte steht.

    ^Luther wird in Deutschland allgemein ganz sicher nicht unterschätzt. Fast jedes Kind lernt in der Schule über ihn (aber meist wenig bis nichts über andere Reformatoren). Es gab einen großen Film wie über wenige andere historische Figuren, der enorm erfolgreich im Kino und als DVD war. Auch wird er von Wissenschaft bis Feuilleton bis heute regelmäßig entsprechend gewürdigt. Und wenn man auf YouTube deutsche Beiträge über die Reformation sucht, findet man ihn in aller Regel mit Abstand zuerst und am meisten aber weit weniger bspw. über Calvin.

    Etwas gelegentlichen Disrespect gibt es inzwischen eher aufgrund der potentiell kritischen Aspekte Luthers, die ja von bestimmten Gruppen zunehmend bei dem Umgang mit historischen Persönlichkeiten betont werden - aber mE im breiteren Diskurs meist eher nicht den Ausschlag geben.


    Luther war wie geschrieben (gemeinsam mit Gutenberg) einer DER Initialzünder der Reformation und fast nebenbei (i.e. sicher mehr unbewusst) auch für die Vereinheitlichung der Sprache und letztlich der Nation. Es spricht also überhaupt nichts dagegen, ihm an zentraler Stelle ein schickes Denkmal zu widmen. Das Luther-Denkmal selbst gefällt mir wie gesagt auch gut.

    Aber das macht die ursprüngliche Gestaltung des Denkmals mit den Nebenfiguren oder auch Randfiguren trotzdem nicht angemessener. Hätte man gleich nur Luther repräsentiert und auf einen riesigen Sockel gesetzt: Ok. Könnte ich verstehen, dass man seine Bedeutung für Region, Nation und Religion so betont.
    Aber unter den neben ihm herabgestuften Figuren sind Märtyrer, die teils vor Luther ähnliche bis identische Gedanken äußerten aber mangels ähnlich effektiver Verbreitung dieser Gedanken (Druckerpresse) und fehlender politischer Unterstützung brutal verfolgt und hingerichtet wurden. Ebenso sind darunter Reformatoren, die im internationalen Maßstab mindestens ähnlich wichtig für die Durchsetzung und Verbreitung der Gedanken waren.


    Und Berlin inkl. das Umfeld des Lutherdenkmals wird spätestens heute von sehr vielen Menschen aus aller Welt besucht, sodass mir persönlich das ursprüngliche Denkmal zu sehr nationale Nabelschau und einfach peinlich wäre (die Botschaft ist so ja nicht: "Luther war groß und toll", sondern "Luther war größer und bedeutender als alle Anderen").
    Das Zweit ist wie gesagt sein Selbstverständnis. Er wollte so viel ich weiß nie erhöht oder verehrt werden. Er wollte ja nicht einmal wirklich die Kirche spalten oder eine neue gründen und auch nicht zwingend selbst irgendeine Bewegung anführen. Er hatte ursprünglich lediglich gehofft, dass man an entsprechender Stelle zurück zum richtigen Weg findet und seine Reformvorschläge Gehör finden. Trotzdem war er natürlich absolut die richtige Persönlichkeit zur richtigen Zeit im richtigen Setting und rückblickend enorm wichtig.

    Aber wie gesagt: Auf einen eher flachen bis mittelhohen, ansehnlichen Sockel und eine ansprechende, einladende Gesamtgestaltung kann man sich doch einigen. Und wenn einige Strömungen einen Luther am liebsten ganz vom Sockel stoßen oder versenken würden, finde ich das auch viel zu viel ins andere Extrem. Ein sein gesamtes Wirken fair einordnendes Schild mit einem kurzen Absatz zu aus heutiger Sicht kritischen Tendenzen sollte ausreichen.

    Tesla bindet StartUps in Zellproduktion ein
    Unter "Cell Giga Challenge" können entsprechende StartUps pitchen, um dann im besten Fall direkt vor Ort Lösungen für bessere Qualität, Effizienz oder Skalierbarkeit erproben zu können. Man will dabei industrienahe StartUps mit vielversprechenden Ansätzen für Materialien, Anlagen, Fertigungsprozesse/ Automatisierung und KI anlocken. Interessierte werden dann finanziell gefördert und umgekehrt erhofft man sich Wettbewerbsvorteile. Das Ganze wird auch durch externe Partner und öffentliche Mittel gefördert.
    Quelle electrive.net

    Was mir mal wieder bei einigen Onlinekommentaren auffällt: Es wird direkt gegen deutsche Unternehmen ausgeteilt, die angeblich nicht so clever denken. Dabei ist der Ansatz durchaus gängig. Jedenfalls habe aus verschiedenen Branchen immer wieder davon gehört - u.a. Siemens und Bayer schaffen bei entsprechenden Projekten sogar extra eigene Flächen für StartUps. Aktuell herrscht wirklich sehr oft schwarz-weiß-Denken vor und auch Tesla selbst ist entweder ganz ganz schlimm und irgendwann bald sowieso nur noch Geschichte - ODER es ist DER heiße Scheiß und alle anderen sehen kein Land mehr. Enorm anstrengend, wenn scheinbar so viele Menschen diese Art Diskurs anschieben. Vielleicht gibt es aber auch genug, die sich besser auskennen aber nur leise ihren Teil denken und keine Zeit damit verschwenden wollen.

    Jockel HB Nur wird Luther ja enorm über die Passanten wie auch über die Wegbegleiter erhoben, wie es durchaus nicht bei allen Denkmälern in dieser Form üblich war oder ist. Eine gewisse Erhöhung finde ich wie gesagt ok, um es optisch überhaupt zu betonen (wobei man auch das Gelände ansteigen lassen kann o.ä.). In dem Fall überzeugt es mich dagegen überhaupt nicht und ich bin froh, dass es eine entsprechende Reko ja auch faktisch gar nicht zur Debatte steht.

    Ich muss es leider mal so deutlich sagen: Ich finde das historische Denkmal konzeptionell relativ schwach. Es imponiert auf den ersten Blick und es hat auch seine ästhetischen Qualitäten. Aber bei näherem Hinsehen überhöht es Luther mE in jeder Hinsicht maßlos. So wichtig er auch tatsächlich gewesen sein mag für den Anstoß der Reformation (und auf deutscher Betrachtungsebene für die Entwicklung der Sprache und nationalen Einheit). Aber die teils durchaus ähnlich bedeutsamen "Begleitfiguren" umschwärmen ihn ja fast wie einen Übermenschen oder Gott. Das mag aus deutscher Sicht noch einleuchten (bleibt aber falsch und mE auch peinlich).

    Noch dazu war er historisch eine große aber zugleich doch als Individuum mW eine eher menschliche und bodenständige Persönlichkeit. Die wahre Autorität war für ihn die Schrift - weshalb ich das Buch sehr passend finde - aber er wollte nicht von einem Turm daraus dozieren, sondern sie jedermann an die Hand geben, sodass man selbst lesen, seinen eigenen Zugang zum einzig Erhöhten und dessen Gnade und Vergebung finden möge. Als Vermittler sollte er also in der Tat (fast) auf Augenhöhe und nahbar erscheinen, die Schriften reichen und allenfalls nach oben verweisen statt selbst dort thronen. Ein kleiner Sockel wie jetzt ist mE ok - etwas höher oder flacher macht jetzt auch nicht den riesigen Unterschied. Aber dass der alte Pomp weg ist, finde ich in dem Fall wirklich befreiend.

    Bei der Bauakademie wird ja gerne spekuliert: Wie würde Schinkel heute bauen. Hier könnte man analog fragen: Wie hätte Luther sein eigenes Denkmal gestaltet, wenn er denn eins hätte haben wollen. Da finde ich den aktuellen Status deutlich besser und die Idee mit einer Bank irgendwo plausibel.
    Am jetzigen Entwurf stört mich allerdings ebenfalls etwas die Ästhetik bzw. zumindest überzeugt sie mich nicht. wobei das vielleicht/hoffentlich real etwas besser wirken wird. Übrigens Klarenbach wird dafür die von Dir in den Raum gestellte potentielle Kritik an fehlendem Grün doch in dem verlinkten Text direkt entkräftet: Es soll Grün im direkten Umfeld entstehen und auch ordentlich ins Umfeld investiert werden. Dass man ein Denkmal selbst dagegen nicht komplett zupflanzt, sollte mE einleuchten. Es sei denn man steht auf romantischen Ruinenkult.

    Wenn ich etwas ändern sollte, wäre das neben der Ästhetik zumindest die Überlegung, ob man Luther ggf. wieder Gesellschaft von weiteren bedeutsamen Reformatoren geben sollte. Dann aber auch hier eher auf Augenhöhe zueinander und zum Passanten.

    Arbeitslosigkeit geht leicht zurück - Stellenmarkt zieht an
    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer aber immerhin zum zweiten Mal in Folge sinkt die Arbeitslosigkeit, wenngleich diesmal etwas leichter um -0,1% auf nurmehr 10,2%. Damit erreicht man wieder das Vorjahresniveau und stoppt vorerst den Abwärtstrend. Zudem soll nun auch der Stellenmarkt wieder bessere Signale senden.
    zeit.de

    Die erfreuliche Trendwende kommt nur leider nicht überall an:

    Mr. Spex schließt Spandauer Logistik- und Produktionszentrum und streicht 125 Stellen
    Man will einerseits stärker auf KI setzen und andererseits Arbeitsschritte an Fremdunternehmen auslagern. Damit setzt sich der Sparkurs weiter fort.
    t-online.de

    Und nochmal zwei Meldungen aus der Autobranche, wo sich die Entwicklungen aktuell ziemlich überschlagen.

    VW bündelt ca. 1.000 Cariad-Jobs an neuem KI-Campus
    Volkswagen hatte zuletzt ja eher schlechte Nachrichten für Berlin zu verkünden. So soll bekanntlich die Berliner IAV Niederlassung mit 1.250 Jobs ersatzlos geschlossen werden.
    Auch bei der Software-Tochter Cariad war Berlin im Zuge der Kursänderung* besonders stark von Stellenkürzungen betroffen (*i.e. eine Kehrtwende weg von den anfangs ambitionierten vollständigen Eigenentwicklungen inklusive Quellcodes hin zu Partnerschaften und Nutzung von Open Source Codes für möglichst wettbewerbsfähige Anwendungen ohne Lizenzgebühren und Abhängigkeiten). Das kam wohl auch so, weil es sich in Berlin anders als den restlichen großen Standorten wie Ingolstadt und Wolfsburg nicht um langjährige konzerneigene Leute handelte, sondern um extra extern angeworbene.

    Nun vollendet VW die Konsolidierung bei Cariad mit einer Art Flucht nach vorn: Wohl nicht zufällig in direkter Nachbarschaft zur Berliner Entwicklungsabteilung von SAP sowie wie weiteren hochkarätigen Forschungs- und Entwicklungseinheiten hat man einen sogenannten "Automotive Software Campus" eröffnet und dafür die verbleibenden gut 1.000 Mitarbeiter von zuvor 7 Standorten in einem 11-geschossigen Bürobau zusammen gezogen. Die oben angeführte Kurskorrektur hin zur Anwensungsebene beschreibt man nun übrigens als Lernerfahrung für die das Scheitern der Maximalziele notwendig gewesen sei. Das ist im Grunde genau der Spirit aus dem Silicon Valley (probieren, scheitern, lernen, neu sortieren und dann alles nochmal) und wäre per se nicht so verkehrt. Wichtig ist am Ende aber die Substanz und nicht die Rhetorik.

    Der Campus soll explizit VWs KI-Kompetenzen verstärken und entsprechende Anwendungen entwickeln. Aktuell ist das bereits u.a. mit Teilfunktionen des autonomen Fahrens sowie mit einem intelligenten Sprachassistenten gelungen, die demnächst beide in Serienfahrzeuge eingebaut werden. Auch intelligente Sensorik zur Umfeldwahrnehmung gehört zu den Schwerpunkten, wobei das mE ohnehin untrennbar Teil des autonomen Fahrens ist. Es geht aber um die gesamte Interaktion zwischen Fahrzeug und Umgebung sowie auch Fahrzeug und Insasse/ Fahrer. Dazu hieß es sinngemäß vom CEO Peter Bosch, das Fahrzeug der Zukunft sehe, spreche und fahre alleine - und im Berliner KI-Campus gebe man ihm die künstlichen Sinne und das Gehirn dafür. Hier solle die Zukunft der Fahrzeuge als KI-definierte Autos geprägt werden. Eine Besonderheit: In dem Gebäude stehen auch fertige (Hightech-)Autos, wo man die gerade programmierten Codes bzw. Funktionen direkt anwenden kann. Schon 2027 soll das dann auch für die Käufer von VW-Produkten vom kleinen 20.000 Euro Auto ID Every1 bis hin zum großen Porsche gelten.

    Indessen will man übrigens eine Kooperation mit Bosch im Bereich des autonomen Fahrens beenden. Da genau dafür zuvor auch einige Bosch-Leute zu Cariad gewechselt waren, könnte das auch gewisse Stellenstreichungen bedeuten. Auch hier also trotz Milliardeninvestition ein schmerzhaftes Scheitern aka Lernerfahrung.

    Da auch einige Pressebilder dabei waren, hier eine kleine Auswahl zur besseren Illustration der Örtlichkeiten:
    B2026CW00221_web_1600.jpg?1782300117

    B2026CW00220_web_1600.jpg?1782300117

    B2026CW00217_web_1600.jpg?1782300116

    B2026CW00219_web_1600.jpg?1782300116

    Bilder: Volkswagen Group

    Quellen: VW, electrive.net, rnd.de,

    Daimler Konzern präsentiert High-Performance-E-Motor aus Berlin

    Ausgerechnet am ältesten Produktionsstandort des Konzerns in Berlin-Marienfelde beginnt knapp 125 Jahre nach Werksgründung (1902 war die Erfindung des Automobils gerade einmal 16 Jahre her) ein neues Kapitel. Nachdem Daimler 2021 die britischen Motor-Spezialisten von YASA aufgekauft hatte, siedelte man ausgerechnet die AMG-E-Motorenentwicklung in Berlin an. Die schlechte Nachricht dabei ist, dass man weniger Arbeitsplätze für E-Motoren benötigt. Die gute Nachricht ist, dass die Ingenieure einen besonders leichten und leistungsfähigen Motor entwickeln konnten, mit dem das Versuchsfahrzeug auf den Rennstrecken schon eine Menge Rekorde brechen konnte. Der sogenannte Axialfluss-Motor ist leicht und kompakt aber in der Sache durchaus anspruchsvoll und spektakulär. Von den knapp 100 (teils sehr schwierigen) Verfahrensschritten sind 65 Neuland für Mercedes und 35 sogar weltweit ein Novum. Das Resultat sind über 30 Patente und ein besonders effizienter aber auch besonders teurer Motor, der nun viel beachtet mit dem AMG GT 4-Türer-Coupé in (immer noch exklusiver) Großserie sein Können beweisen soll. Auch wenn man aus Kostengründen nie in die breite Masse vorbrechen wird, doch ein Achtungserfolg. Zumal eine Erkenntnis der letzten Jahre war, dass Luxus meist immer noch geht.

    Wenn demnächst diese Front im Spiegel auftaucht, weiß man, dass neben dem Infotainment-System MBUX (und ggf. der großen Antriebseinheit) auch der Hochleistungsmotor in Berlin entwickelt wurde:
    mercedes-amg-gt-4-door-coupe-gt55-spa-highlights-front-design-2400x2400-05-2026.jpg?im=Resize,width=1184
    Bild: Mercedes Benz AG

    Einige ausgewählte Quellen: ingenieur.de, elektroautos-news, golem.de

    ^Also der Umzug der BHT oder die Ansiedlung der Feuerwehrakademie sind mW schon so ziemlich immer Thema gewesen - und die letzten mir bekannten privaten Ansiedlungspläne wurden gerade mal vor etwa einem Jahr bekannt (als das Projekt noch weit weniger günstiges Momentum hatte als aktuell). Da finde ich ehrlich gesagt eher Deinen Pessimismus (gleich kategorisch "zum Scheitern verurteilt") künstlich über's Knie gebrochen.

    Wir werden ja wie gesagt noch früh genug sehen, ob es funktioniert. Nur so viel:
    - Auch der Euref-Campus wurde direkt abgeschrieben (der Thread ist hier ja archiviert bei Bedarf) und ist inzwischen voll mit tausenden Arbeitsplätzen - inklusive Zylinderbau im alten Gasometer, den viele allenfalls für eine nette Visualisierung hielten.
    - Bei Siemens gab es trotz Superlativen viel Pessimismus und langsam aber sicher wachsen die Neubauten.
    - Tesla wurde schon mehrfach abgeschrieben und blüht gerade neu auf.
    - Streletzki wurde von Anfang an angezweifelt und teils verspottet mit seinem Hotel am Schrottplatz. Heute ist das größte Hotel Deutschlands, ein wichtiger Kongressstandort und zugleich bald auch mit dem höchsten Turm der Stadt ein Aushängeschild für den Berliner Südosten.
    - Die Liste wäre fast unendlich fortsetzbar.

    In Tegel ist es noch nicht einmal richtig los gegangen aber gerade läuft einiges richtig an und wird konkret. Und doch wird auch hier wieder geunkt und geurteilt, als wenn das Volkssport Nummer 1 wäre und man damit irgendwas gewinnen könnte: Kann ja allet jar nischt werden, wah? Wann wurde eigentlich zuletzt ein Wagnis gefeiert und angefeuert? Natürlich kann alles auch irgendwie schief gehen (wenn alle so eine Einstellung haben, wird es auch ganz sicher so kommen - vgl. self fulfilling prophecy und am Ende hat man immerhin Recht gehabt, falls alles in Scherben liegt). Aber für die globalen Verhältnisse der letzten Jahre ist auch noch eine Menge gut gelaufen. Ich arbeite jedenfalls weiter gerne mit Kindern und jungen Menschen an ihrer Bildung und Karriere - oder gieße Pflanzen. Auch wenn ich die Zukunft weder kenne noch nur rosig sehe. Aber wo Hoffnung besteht, sehe ich es als eine Art Pflicht aber auch Freude an. Kann schief gehen. Kann aber auch gelingen. Also warum nicht versuchen, was auf die Beine zu stellen? Auch ein Grund, warum ich so gerne Projekte im DAF verfolge: weil ich gerne bei Wachstum oder zumindest Wachstumsversuchen zusehe. Andere haben scheinbar völlig gegensätzliche Motive, die ich wohl nie ganz verstehen werde (aber vielleicht auch nicht unbedingt verstehen muss oder will)...

    Passagiertrend dreht im Mai ins Plus - neue Ziele und Airlines für den BER
    Nach einem Jahresstart zum Vergessen hat der BER im vorvergangenen Monat knapp ein Prozent Wachstum geschafft (jedoch bei erneut weniger Flugbewegungen). Insgesamt bleibt es für die ersten 5 Monaten jedoch bei -1,4% gegenüber dem Vorjahr. Demnächst werden die Juni-Zahlen veröffentlicht, wobei größere Sprünge aber überraschend wären. Bezüglich Sommerferien erwartet man etwa das selbe Niveau wie im Vorjahr. Also läuft es bisher am ehesten auf ein kleines Minus oder Stagnation hinaus.

    Immerhin: Auch wenn mit den Nahost-Verbindungen das frühere Powerhouse bei den Langstrecken eingebrochen ist, kommen auch neue Airlines und teils Strecken hinzu:

    Wie so oft: Das Glas ist wahlweise halb leer oder halb voll. Immerhin schmeichelt es den Ohren wenn man bezüglich BER neben Delta, United oder Hainan und Qatar nun auch von Air Canada, Air Transat oder aber neu auch Air India lesen darf - oder eben neben Peking und New York sowie dem Golf auch von Toronto, Montreal oder eben hoffentlich bald Neu-Delhi. Zumindest die Richtung stimmt schon einmal und die meisten anderen deutschen Flughäfen würden vermutlich immer noch direkt tauschen.

    ^So etwas ist leider nicht unüblich. Ein inzwischen verstorbener Bekannter von mir stammte aus einer Gärtnerfamilie, die schon von den Nazis enteignet wurde und sich dann nach dem Krieg alles neu aufgebaut hat - nur um bereit wenige Jahre später von der DDR erneut enteignet zu werden. Sie sind dann in den Westen und haben ein drittes Mal von Null einen neuen Betrieb aufgebaut. Nach der Wende wollten sie dann ebenfalls juristisch eine Entschädigung erkämpfen. O-Ton eines Richters: "Da müssten wir Ihnen ja mehrere Millionen auszahlen." Sie sind dann mit leeren Händen nach Hause gegangen und haben sich von drei Systemen verraten gefühlt. Auch viele jüdische Familien haben bekanntlich eine rechtmäßig sicher angemessene Entschädigung nicht (mehr) erleben dürfen.

    Ansonsten freue ich mich aber, dass es nun zumindest Momentum in Richtung Stadtreparatur gibt. Die Entwürfe gefallen mir unterschiedlich gut aber alle sind solide und sie ergänzen sich mE auch erfreulich gut.

    Falls es das Projekt tatsächlich schafft und dann eventuell auch wirklich noch die Bauakademie weitgehend originalgetreu wiederersteht, wäre das mit dem Humboldt Forum in Summe sehr viel mehr als ich zu meinen Lebzeiten für möglich gehalten hätte. Und ich bin gerade einmal 40. Aber ich freue mich erst, wenn es auch sicher so kommt.

    Wie gesagt gibt es noch eine Reihe Herausforderungen und der ÖPNV ist sicher eine davon. Dennoch ist das Potenzial durchaus gegeben, dass hier über die nächsten Jahrzehnte ein spannendes Projekt entstehen könnte.

    Es stimmt zwar, dass sich die Entwickler von Adlershof bisher schwer tun, einen weiteren Campus ähnlicher Qualität zu etablieren. Es ist mE auch keine sinnvolle Vorgabe, dass jedes Mal direkt ein Adlershof 2.0 oder gar (schon vom Platz her völlig absurd) Silicon Valley 2.0 entstehen soll. Die Idee, eine Hochschule oder Teile davon ansiedeln, ist aber erstmal durchaus schlüssig. Beim Euref-Campus wurde nur ein sehr kleiner Uni-Ableger der TU angesiedelt (mW neu oder zusätzlich aber dafür inhaltlich passend und sogar mit Förderung der Interessenvertreter des Campus) und die gewünschten Unternehmen kamen trotzdem.

    Ansonsten ist halt mal wieder so ein schlecht gelaunter, maßlos zuspitzender und in irgendwelchen wirren Hierarchien festhängender Kommentar, den man inhaltlich erst kompliziert einordnen müsste. Ich habe stattdessen mal etwas bezüglich früherer und aktuellerer Meldungen recherchiert und mich ansonsten noch etwas mit KI "unterhalten", wobei die obige These von einem vorprogrammierten Scheitern von wegen mit der BHT auf's falsche Pferd setzen usw. aber nur ein Nebenthema war (zumal ich die realistische Perspektive aufgrund vorheriger Fälle schon ahnte).

    Erstmal zu den industriepolitischen Potentialen des Areals:
    - Hier im Thread wurde geschrieben, dass laut Baukollegium Nutzer aus den Bereichen autonomes Fahren und Wasserstoffwirtschaft eine Ansiedlung planen bzw. zugesagt haben (Stand Mai 2025, also relativ frisch und nach den ernsten Bedenken aus 2024, die sich inzwischen wieder in Richtung feste Finanzierungszusage gedreht haben).
    - Herr Wegner würde zudem wohl auch gerne Defense-Tech ansiedeln, was die bisherige Ausrichtung erweitert aber dem aktuellen Trend nach passen könnte.

    Dann etwas zur Rolle der Institutionen:
    - Die Rolle der BHT wird eine völlig andere sein als bei der HU in Adlershof. Statt Grundlagenforschung wie z.B. Materialforschung oder Arbeit mit mathematischen Modellen hat man bei der BHT tendenziell viel mehr angewandte Forschung (Labs, Werkstätten für Prototypenbau etc.). Entsprechend ist der Standort interessant für StartUps oder Unternehmen, die möglichst schnell an die Herstellung von fertigen, funktionierenden Produkten heran wollen. Für diese wiederum ist man dort aber sogar sehr attraktiv aufgestellt.
    - Die BHT ist übrigens eine der größten staatlichen Fachhochschulen Deutschlands und besitzt einen exzellenten Ruf in den Ingenieurswissenschaften (speziell in dieser Tiefe sehr selten). Auch besitzt sie hierin bereits eine große Tradition, da sie die Berliner Industriegeschichte stark mitgeprägt hat und als "ingenieurtechnisches Rückgrat der Berliner Bau-, Energie- und Industriewirtschaft" gilt. Sie soll dabei bis heute durchaus für Spitzenforschung stehen.
    - Die BHT und speziell die hier angesiedelten 2.500-3.000 (von insgesamt 13.000) Leute gelten fachlich als perfektes Match für die TXL-Pläne und würden zudem auch für hybride Forschungsprojekte taugen, sollte es tatsächlich in diese Richtung gehen.
    - Insgesamt sollen mal rund 5.000 Studierende auf dem Campus unterwegs sein, da auch die Feuerwehrakademie und ggf. wohl noch einige kleinere Einrichtungen zeitnah Ansiedlungen planen. Auch bei der Feuerwehr soll die Finanzierung inzwischen wieder klar sein. Dass es bei dieser viel um Sicherheit/ Resilienz und Katastrophenschutz gehen wird, könnte wiederum ganz gut zu Wegners Defense-Tech-Plänen passen.

    Fazit: Wenn man sich etwas informiert statt aus dem Bauch heraus direkt das nächste Totalversagen zu wittern, gibt es bei allen bleibenden Herausforderungen doch eine klare Marschrichtung inklusive verbindlicher Finanzierungszusagen. Gerade angesichts der Haushaltslage halte ich das Ganze somit sogar als ziemlich ambitioniert, gerade auch im Vergleich zu anderen Entwicklungsgebieten wie in Marzahn. Der Zeitkorridor liegt mit 3-5 Jahren für Feuerwehr und BHT in einem greifbaren Bereich und immerhin scheint es ja auch schon entsprechende private Ansiedlungspläne zu geben. Auch wenn manche schon jetzt wissen, dass alles scheitert, kann man es also auch einfach weiter abwarten. Wir werden es so oder so bald erleben.

    spandauer Eine tolle Ergänzung. Ich hatte neulich auch mal gelesen, dass neben den Indern auch die Brasilianer in Berlin zu den am besten verdienenden Personengruppen der Stadt gehören (überraschend auch vor Menschen aus deutlich wirtschaftsstärkeren Ländern).

    Da dürfte also schon jetzt eine Menge Potential liegen inkl. Business-Travel und Privatreisen von solventen Menschen für Familienbesuche, Heimaturlaub etc. wo man ggf. für das Vermeiden unnötiger Umstiege und Verzögerungen auch mehr zahlen könnte und würde (wogegen ich z.B. bei Thailand/ Bangkok eher sehr viel Tourismus und somit eine preissensiblere Klientel vermute, ohne es natürlich genau zu wissen).

    ... und (u.a.) Berlin reagiert: mit stärkerer Internationalisierung und Innovationsagenda
    Denn es ist eine Sache, ein Dilemma oder eben Ungerechtigkeiten in der globalen Machtordnung zu beschreiben. Die weit schwierigere Sache bleibt es, anschließend klug die nächsten Schritte zu planen und vor allem entschlossen zu gehen. Kürzlich erst hat die EU^dagegen ja grünes Licht für das (ebenfalls erpresste) Zoll"abkommen" gegeben, da man dies eben als das kleinere Übel ansieht. Und da auch die Berliner Wirtschaft viel in die USA exportiert, wird dies einerseits absehbar geregelten Handel ermöglichen und andererseits direkte (negative) Auswirkungen auf Margen haben.

    Parallel arbeitet man ja aber inzwischen doch deutlicher daran, die eigene Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit zu erhöhen (die Aktivitäten des Schwarz-Konzerns hatten wir ja bereits exemplarisch hierfür betrachtet). Und nicht zu vergessen: Neue Partnerschaften zu etablieren. Meinen Eindrücken nach spürt man hierbei u.a. hier bei uns in der Hauptstadt eine ganz neue Dringlichkeit, die aber auch wechselseitig arbeitet und somit Potentiale für stärkere Verflechtungen bietet. Und während man zumindest die Verluste zuletzt noch mit steigenden Absätzen im EU-Markt kompensieren konnte, wandert der Blick für mehr Wachstum immer mehr Richtung globaler Süden sowie allgemein alternativer Zentren. Hierzu ein paar ganz aktuelle Beispiele:

    1) Berlin kooperiert mit Brasilianischen Megastädten Rio und Sao Paulo
    Eine Delegation um Frau Giffey hat kürzlich auf Bestreben der IHK Rio und Sao Paolo besucht und in dem Rahmen wurden eine ganze Reihe spannender Informationen publik. Nicht nur wird Berlin eine aktive Rolle beim Rio Web Summit 2026 spielen und ein Memorandum of Understanding mit Sao Paolo implementieren. Es wurden auch diverse Kontakte geknüpft und teils direkt Nägel mit Köpfen gemacht. Die Brasilianer haben Berliner Startups eingeladen bzw. regelrecht dazu aufgefordert, nach Brasilien zu kommen und bei Zukunftsthemen zu helfen.

    Umgekehrt wird u.a. der große Startup-Hub in der ehemaligen Zigarettenfabrik Reemtsma nach einem indischen Desk auch einen Brasilianischen Desk für die Koordination entsprechender Ansiedlungen erhalten. Und ähnlich wie der kürzlich behandelte israelische Konzern sind auch einige Startups und Unternehmen der Brasilianer führend in ihren entsprechenden technologischen Feldern (die teils auch gut zum Berliner Profil passen). Es gab aber auch Forschungsabkommen, um künftig gemeinsam in relevanten Feldern voranzukommen.

    Noch sind die Bande zwischen Berlin und Brasilien etwa im Vergleich zu denen in die USA oder eben inzwischen auch nach Indien eher dünn. Das soll sich nun aber in beidseitigem Interesse sehr schnell ändern. Das (ebenfalls durch die globalen Spannungen deutlich forcierte) Mercosur-Abkommen zwischen EU und Südamerika wird dabei auch eine wichtige Rolle spielen und könnte neben dem Schwergewicht Brasilien natürlich auch noch weitere interessante Potentiale und Märkte öffnen.

    Übrigens wird im Umfeld der Reise auch über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Sao Paulo spekuliert, was aber zumindest vorerst noch nicht spruchreif zu sein scheint. Konkreter dagegen scheinen die Bemühungen, auch wieder gut ausgebildete brasilianische Pflegekräfte nach Berlin zu lotsen (auch die Charité war in der Delegation vertreten). Brasilien hatte ein entsprechendes Abkommen mit Deutschland zeitweise ausgesetzt, weil wohl die Sorge aufkam, dass trotz aktuellem Überschuss perspektivisch zu viele gehen könnten. Nicht ganz unwichtig in dem Zusammenhang ist natürlich, dass Berlin auch umgekehrt in verschiedenen Bereichen beim Ausbilden unterstützen will, sodass es keine Einbahnstraße sein muss.

    Die Quellen liegen leider oft hinter Paywalls, speziell die wirklich interessanteren und substanzielleren (u.a. die MoPo mit gleich mehreren wirklich gut recherchierten Artikeln und viel O-Ton der Teilnehmer),
    daher hier leider nur exemplarisch der Tagesspiegel sowie eine offizielle PM des Senats

    2) Berlin sucht Fachkräfte künftig auch u.a. in Namibia
    In einem der erwähnten MoPo-Artikel wurde auch kurz berichtet, dass man neben Indien und Südamerika auch Afrika für neue Kooperationen auf dem Schirm habe. Dazu habe ich bisher noch sehr wenig konkretes gehört und die dortigen Märkte sind teils sicher schwierig (oft nicht so wirtschaftsstark und/oder u.a. die Chinesen sind bereits stark etabliert - was zwar alles kein Ausschlusskriterium ist aber vielleicht doch zumindest auch nicht zu einer Position ganz oben auf der Prioritätenliste führt).

    Allerdings kam kürzlich tatsächlich ein Bericht, laut dem Berlin (ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung der IHK) in Namibia nach Fachkräften sucht und nun wie eben auch bereits mit Indien und Brasilien ein entsprechendes Abkommen geschlossen hat. Neben Deutschkursen wird dabei auch gezielt nach Bedarf vor Ort ausgebildet (u.a. Elektriker, Verkäufer und Gastronomiefachkräfte). Allerdings bleibt es mit aktuell 100 Teilnehmern erstmal überschaubar. Insgesamt sollen dann mal bis zu 3.000 Fachkräfte für Mangelberufe ausgebildet werden.

    Man geht übrigens davon aus, dass nicht alle letztlich auch in Deutschland landen werden, sodass auch Namibia profitieren darf. Generell finde ich ja die Wahl etwas spannend, nachdem man in Südamerika und Asien ja auf absolute Schwergewichte zu setzen scheint. Das im Vergleich zu Äthiopien, Ägypten oder Nigeria eher kleine Namibia gilt mW dafür aber als eins der politisch stabilsten Länder des Kontinents und hat dazu (trotz der belasteten Geschichte) traditionell enge Verbindungen nach Deutschland, sodass es wiederum auch eine gute Brücke zu anderen, größeren und potentiell interessanten Nationen werden könnte.

    3) Berliner Hochschule der Wirtschaftselite "ESMT" expandiert nach Katar
    Nachdem Berlin von einem europäischen Ableger der Dubaier Leitmesse GITEX profitiert, eröffnet die European School of Management and Technologie nun in umgekehrter Richtung einen Ableger in Doha, das sich neben Dubai zu einem weiteren Kraftzentrum entwickeln möchte. Schwerpunkte sollen KI, Gesundheit sowie Landwirtschaft und Ernährung sein. Zunächst 3 Jahre lang sollen jährlich je 20 Startups aus jedem dieser 3 Bereiche gefördert werden. Auch wenn dadurch in erster Linie vor allem Doha/ Katar selbst profitiert, verbessert es zugleich doch erheblich den Ruf und die Vernetzung der Hauptstadt.
    morgenpost.de
    tagesspiegel.de

    Zu guter Letzt fragt sich da natürlich noch, was Berlin eigentlich hier vor Ort unternimmt. Hierzu gab es auch wieder eine Meldung;

    Berlin beschließt "Deep Tech Agenda"
    Ziel ist es, dass die in vielen Bereichen exzellente Berliner Wissenschafts- und Forschungslandschaft noch deutlich stärker in Form von regionaler Wertschöpfung und Wirtschaftsleistung sichtbar wird. Also genau dem Bereich, wofür auch die gerade angeführte ESMT gegründet wurde. Laut dem niederländischen "Global Tech Ecosystem Index" liegt Berlin in diesem Bereich aktuell auf Platz 4 in Europa (nach London, Paris und Stockholm) sowie auf Platz 22 weltweit.

    Inhaltlich will man sich u.a. auf KI, Biotech und Materialforschung sowie Mikroelektronik, Photonik und Quanten konzentrieren. Übrigens: Während Berlin angeblich das erste Bundesland mit einer solchen Agenda sein soll, orientiert man sich stark an der Hightech-Agenda der Bundesregierung, was auch u.a. beim Gewinnen von Fördergeldern helfen soll.
    morgenpost.de

    Internationale Krisenstimmung und Abschottung der USA spitzt sich zu - ASML unter Druck ...
    Man muss es ja kaum erwähnen, dass sich aktuell längst nicht alle Meldungen so positiv deuten lassen. Mit besonders großer Sorge betrachte ich nach wie vor die transatlantischen Spannungen.

    Nur ein aktuelles Beispiel mit Berlin-Bezug: Die USA warfen ASML kürzlich vor, dass sie ihre weltweit führende und entsprechend streng geheime Schlüssel-Technologien für die Produktion von Nanostrukturen von Hochleistungschips entgegen der Abkommen (i.e. einseitig erhobenen und durchgesetzten US-Forderungen) nach China exportiert oder ggf. verloren hätten. ASML erwiderte in einer Mischung aus Fassungslosigkeit, unterdrückter Empörung und fast schon unterwürfiger Höflichkeit: Man wisse exakt, wo jede Einheit stehe und ob bzw. wie arbeite und habe aus der Ferne vollständige Kontrolle über jede davon (ohne Kontakt läuft sie irgendwann nicht mehr und es soll aut Gerüchten sogar eine Art "Kill-Switch" geben). Nun die Höflichkeit: Man nehme das Anliegen aber ernst. Fast schon resigniert dann noch die Nebenbemerkung, dass diese Sorge in der Vergangenheit offenbar auch schon mehrfach aufgekommen und adressiert worden sei.

    Ich höre zum ersten Mal davon und finde es extrem alarmierend. Zur Erinnerung: ASML ist aktuell das wertvollste Unternehmen Europas und operiert als Weltmarktführer in einem Sektor einer Schlüsseltechnologie. Es gibt also je nach Perspektive entsprechende Risiken oder aber Begehrlichkeiten - und natürlich sind dann die entsprechenden globalen Spannungen rund um die beiden Hauptrivalen USA und China voll zu spüren. Denn China soll die konventionelle Chiptechnologie weitgehend ausgereizt haben und nun vor einer Sackgasse stehen, wenn sie nicht zeitnah überholt werden wollen (also ein wenig wie es beim Auto zwischen hocheffiienten Verbrennungsmotor vs. neuer Batterietechnologie ablief, nur mit vertauschten Rollen). Und natürlich wird China nach gängiger Einschätzung nicht ruhen, bis sie die modernere Technologie selbst beherrschen und mit anführen.

    Nur: ASML tut dem Vernehmen nach ohnehin bereits alles, was man eben nur so tun kann. Wenn über den stetig expandierenden Berliner Fertigungsstandort gesprochen wird, nimmt man auch nicht selten Bezug auf die extrem strengen Sicherheitsvorkehrungen und Geheimhaltungsstufen. (OT: Übrigens ist ähnliches auch sonst immer häufiger über innovative Berliner Betriebe zu lesen, speziell aber nicht nur bei hybrid nutzbaren Technologien - Berlin scheint also zunehmend wieder zur Spionagestadt zu werden). Gerade der vorgeworfene heimliche Export wäre potentiell nur zum eigenen Schaden (Technologiepiraterie durch China und Sanktionen durch die USA) und somit völlig hanebüchen.

    Analysten rätseln daher nun etwas, was genau die USA erreichen möchte: Einen wie auch immer zu erbringenden Beweis, dass keine Anlagen in China gelandet sind? Oder ist es nur ein reiner Vorwand, damit sie wieder neue Zölle erheben können bzw. ein Hebel, um in Europa Stimmung für die "richtigen" politischen Kräfte zu machen, die "patriotischen Kräfte" mit "westlichem Wertekompass" also? Tatsächlich "will" ASML den USA nun wohl noch konkreter demonstrieren, warum man ihre Technologie gar nicht so leicht stehlen könne.

    Ich hoffe, dass sind nicht erste Anzeichen, dass die USA hier erfolgreich die Daumenschrauben ansetzen und Europäische Wertschöpfung sozusagen selbst abschöpfen mit dem Vorwand, dass es angeblich die anderen tun (aktuell linst Trump ja auf die Arzneimittelpreise europäischer Konzerne im transatlantischen Vergleich). Passen würde es ja. Mich erinnert es jedenfalls an das Narrativ der "besorgen Bürger" mit radikaler Agenda. Oder an filmreife mafiöse Schutzgelderpresser mit einem für die Gegenseite meist nicht besonders attraktiven aber auch nicht wirklich ablehnbaren Angebot. The art of the steal deal eben - nur eben dazu noch verbunden mit dem Drang zur öffentlichen Bloßstellung und Demütigung auf der großen Weltbühne, wie kürzlich ja auch die frühere Trump-Verbündete Meloni (einmal mehr) erleben durfte.

    Mit schwer zu verbergendem Zynismus drängt sich mir ein Eindruck auf: Der Westen darf immer mehr ahnen, wie sich beispielweise frühere "Schurkenstaaten" wie der Irak angesichts der Vorwürfe und vermeintlichen Beweise bezüglich Massenvernichtungswaffen u.ä.m. fühlte, oder letztlich ein Hussein als er vor laufender Kamera aus dem Erdloch gezerrt und dann in die gewünschte Richtung geschubst wurde (Bilder, die als Jugendlicher tiefen Eindruck in mir hinterlassen und mich nie los gelassen haben). Die spannende Frage bleibt freilich, wie sich die Welt und speziell auch Europa damit arrangiert.
    computerbase (eine von zahlreichen Quellen, aber relativ sachlich und zugleich gut einordnend)

    Tesla stellt nochmals 1.000 neue Leute für Autoproduktion ein und erhöht Produktion auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche (390k p.a.) - Grünheide bald eine der größten Autofabriken Deutschlands - mit Batteriezellen bald über 14.000 Mitarbeiter
    Damit setzt sich die Trendwende also weiter fort. Insgesamt werden so innerhalb weniger Monate 3.500 neue Leute eingestellt und zudem 500 Leiharbeiter fest übernommen. Alleine in der Fahrzeugproduktion steigen die Mitarbeiterzahlen von April bis Juni/Juli und nun noch in einer zweiten Welle von Juli bis Oktober um je 1.000 - also insgesamt 2.000 - auf dann 12.700 Menschen. Das liegt zwar nur knapp über dem vorherigen Höchstwert von gut 12.000 Leuten aber zugleich hat man damals etwa 200-250k Autos im Jahr produziert, künftig dann fast 400k.

    Das bedeutet zugleich, dass jeder Mitarbeiter im Schnitt über 30 Autos pro Jahr produziert, was laut KI ein wirklich starker Wert sein soll. Woanders seien demnach eher Werte um die 20 Autos pro Mitarbeiter anzunehmen. Tesla erreicht das, indem eine besonders moderne Fabrik mit extrem hoher Automatisierung aktuell nur ein Modell mit wenigen Varianten/ Optionen produziert. Aber auch der absolute Wert ist zunehmend beachtlich. Nur Wolfsburg produziert mit ca. 500-600k Autos im Jahr nochmal signifikant mehr. Tesla dürfte künftig mit knapp 400k Autos etwa gleichauf mit oder vermutlich sogar eher noch vor Audi in Ingolstadt auf Platz 2 liegen, freilich bei einem insgesamt rückläufigen Trend. Sollten auch die weiteren geplanten Expansionen am Markt durchsetzbar bleiben, wäre absehbar sogar Platz 1 realistisch. Allerdings passt man sich eben in beiden Richtungen extrem schnell an, sodass es weiter verfolgt werden muss.

    Für mich enorm spannend: Wiederum laut KI-Analyse soll dennoch die Batteriezellproduktion die strategisch deutlich relevantere Entwicklung darstellen. Denn diese Wertschöpfungstiefe sei gerade bei Elektroautos noch sehr ungewöhnlich für Deutschland und Europa als Ganzes. Diese Aufgabenerweiterung scheint aber auch inhaltlich anspruchsvoller zu werden als das reine Hochfahren der bereits etablierten Produktion. So werde man laut Tesla einige Zeit benötigen, um 1.500 Spezialisten für diese Arbeit zu gewinnen. Anders als bei der Autoproduktion wird hier auch kein fester Zeitraum genannt (die 18 Gigawattstunden sollen aber schon zeitnah erreicht werden, so dass ich aus dem Bauch 2026 bis spätestens 2027 annehmen würde).

    Nach wie vor schade finde ich, dass man weiterhin sehr wenig über die Design- und Entwicklungsabteilung in Berlin erfährt. Keine Mitarbeiterzahlen oder genaueren Projekte. Dass man dort erstmal Fabrikhallen für Tests mit Batteriechemie etc. umbaut, fand ich aber überraschend und bemerkenswert. Ich hatte davor eher angenommen, dass es (wie von Musk persönlich mal in den Raum gestellt) um die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle wie dem lange diskutierten Kompakttesla geht. Zumal man für Batterieentwicklung ja auch keine Designer bräuchte. Aber bei Tesla lässt man sich ja generell meist ungerne in die Karten schauen, was für eine Entwicklungseinheit erst Recht gelten dürfte. Es kann also gut sein, dass die Einheit erstmal weitgehend mit einem Projekt fertig sein wird, bevor man überhaupt viel davon erfährt.
    Sueddeutsche Zeitung als eine von vielen Quellen