Beiträge von maselzr

    Oje, gerade an Altbausanierungen wie diese wird besonders deutlich, wie tief das baukulturelle Niveau gesunken ist. Diese billigen Baumarktfenster sind wirklich komplett deplatziert und das unproportionierte Dach sieht aus, als wäre es aus einem Fertighaus-Katalog. Auch das Staffelgeschoss mit den billigen Brüstungen will nichts mit dem darunter befindlichen Gebäude zu tun haben und lässt das Stückchen Dach, was an der Ecke übrig bleibt, noch trauriger wirken. Der Stuck ist natürlich aufs absolute Minimum reduziert und wirkt dementsprechend lieblos - in Sachen geschmackloser „Wiederbestuckungen“ ist man in Berlin allerdings auch schlimmeres gewohnt..

    Das Projektgebiet ist aber auch gigantisch. Ein Realisierungszeitraum von 20 Jahren+ ist in Deutschland absolut normal und überrascht mich nicht. Die Europacity war zum Vergleich (laut meiner kurzen Recherche) schon seit den 90ern in Planung und wird erst in ein paar Jahren vollendet. Zumal scheint das Gebiet des Stadteingangs West durch seine heterogene Bebauung und Umgebung sowie der schwierigen Infrastrukturen wie die A100 kein einfaches Planungsgebiet zu sein in dem man eine schnelle Lösung findet.

    Osnabrücker Straße 27 | Twentyseven

    An der Ecke Osnabrücker Straße, Tauroggener Straße entstehen 47 Mietwohnungen anstelle eines Supermarkt-Flachbaus, dessen Abriss bereits begonnen hat. Der Neubau ist klassisch angehaucht und wird die Straßenecke jedenfalls deutlich aufwerten - man beachte die großzügige Geschosshöhe, die den benachbarten Altbauten entspricht.


    Jetzige Situation über Google Maps


    Und noch die Projektseite mit Visualisierung

    Ich habe heute zufälligerweise eine erfreuliche Wiederbestuckung eines Gründerzeithauses in der Grolmanstraße entdeckt. Der Unterschied zum Vorzustand ist wirklich krass und zeigt mal wieder, wie viel Potenzial noch in den ganzen entstuckten und zerstörten Fassaden der Altbauten steckt.


    Vorzustand:


    Screenshot von Google Maps


    https://abload.de/img/fad78276-c776-4071-9u0khb.jpeg


    Mod: Eingebundener Screenshot wegen ungenügender Quellenangabe geurlt.


    Heute:


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    Berichten zufolge haben die Bauarbeiten bereits begonnen. Bagger sind schon am Werk, um das Gelände für den bevorstehenden Bau vorzubereiten. Im Video wird auch erzählt, dass die Planungen schon seit 10 Jahren laufen und somit der Stein schon längst rollen müsste. Ich bin jedenfalls optimistisch, dass das Projekt realisiert wird.

    Für die Patzschkes ist es natürlich eine einmalige Chance, ihre architektonischen Ideen städtebaulich wirken zu lassen. Ich hoffe, dass sie daraus das Beste rausholen und einen starken städtebaulichen Gegenentwurf zu vielen anderen, oft uninspiriert ausschauenden Quartiersentwicklungen, auf die Beine stellen.

    Post Yard


    Patzschke Architekten planen zusammen mit dem Unternehmen KoSP GmbH ein neues Quartier auf dem Gelände rund um das historische Postfuhramt in Mitte zwischen Köpenicker Straße und Melchiorstraße. Mit einer Fläche von etwa 14.000m2 handelt es sich um eines der größten Entwicklungsgebiete im Sanierungsgebiet der nördlichen Luisenstadt.


    Es entsteht ein dichtes Viertel aus Wohnungen, Büros, Gewerbe und Gastronomie, historischer Bestand wird saniert und wie bei Patzschke erwartbar wird sich die Architektur der Neubauten an historische Vorbilder orientieren. Für weitere Infos siehe Entwicklungsstadt


    Das Projekt wird mMn eines der spannendsten in ganz Berlin und wird gemessen am Bauvolumen und der Bedeutung für das Umfeld sicherlich mit dem Tacheles Areal vergleichbar sein. Hoffentlich schaffen es die Patzschkes bei so einer Menge von Gebäuden eine gleich hohe Qualität beizubehalten, denn nicht immer gelingen die Entwürfe des Büros.


    Anbei noch einige veröffentlichte Visualisierungen:


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    Und es gibt auch noch ein Youtube-Video: (Leider weiß ich nicht, wie man ein Video hier einbettet)


    https://www.youtube.com/watch?v=pytQyaSiA8Y&t=2s

    Sanierung einer denkmalgeschützten Fassade der Joan-Miro-Grundschule | Bleibtreustraße 43


    Bisher hatten wir vermutlich noch keinen Beitrag über die Sanierung, aber da sich die Fassade kürzlich ohne Gerüst gezeigt hat, wollte ich hier noch ein Bild vom frisch sanierten Denkmal posten.


    Ich habe noch zwei Bilder vom 19.Mai, die ich vergessen habe hier zu posten. Obwohl die Bilder schon über zwei Wochen alt sind, zeigen sie nochmal ein paar interessante Fortschritte an den Fassaden. Die Sockelzone des Eckbaus ist mMn sehr gelungen. Die Materialität, die fugenlose Optik und das Zusammenwirken der Farben erzeugen einen hochwertigen, einladenden Eindruck. Die Putzfassade des Nachbarn kann da nicht mithalten, aber zumindest scheint die Ausführung des Putzes durch die eingebrachte Textur etwas hochwertiger als der Durchschnitt.


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    Schön geht iwie anders ist eine Untertreibung. Für den Standort ist das Gebäude eine Katastrophe. Die Beseitigung des Vorgängerbaus hat große Potenziale für eine Stadtreparatur an dieser prominenten Kreuzung geöffnet und dann baut man schnurstracks die nächste Bausünde, die wie eine geschmacklose Billigsanierung eines Nachkriegsbaus aussieht. Ich bin entsetzt.


    Konstruktiver formuliert, bzw. um meinen Frust auch mit sachlichen Gründen zu untermauern, hat das Gebäude viel zu gedrungene Geschosse, viel zu kleine, anspruchslose Fenster, ein Fassadenmaterial ohne Charme oder Taktilität, im tristen Grau mit unschönen Fugen und schlechter Alterung. Die silbernen Akzentuierungen wirken wie ein meilenweit verfehlter Versuch, die kleinen Fenster zu überspielen und eine lebendige Erscheinung zu erzeugen. Echt schade, denn an dieser exponierten Lage in Wilmersdorf wäre deutlich mehr drin gewesen, wie man am gegenüberliegenden Volksbank-Haus sieht.


    Edit: Auch auf die verfehlte städtebauliche Wirkung möchte ich hinweisen. Allein die wiederhergestellte Verbindung der Pariser Straße mit der Bundesallee durch die neue Bauflucht reicht nicht. Das Gebäude negiert mit seiner nichtssagenden Kubatur und Fassade jeglichen Kontext, es reagiert nicht auf die spannende Ecksituation des Grundstücks, und auch nicht auf den anliegenden Altbaubestand oder dem großstädtischen Maßstab der Bundesallee.

    ^^

    Im allgemeinen würden Rundbogenfenster das Erdgeschoss deutlich mehr hervorheben und somit an die in Charlottenburg vorherrschende, klassische Fassadengliederung anschließen, die typischerweise das Erdgeschoss durch eine differenzierte Gestaltung akzentuiert. Außerdem belebt ein anderes geometrisches Element die Fassadengliederung was auch zu den lebendig gegliederten Fassaden der Umgebung passt.


    Auch explizit Rundbogenelemente lassen sich in der Umgebung zahlreich finden. In den Straßen rund um den Ku’damm ist der Rundbogen ein typisches Stilmittel für die Hervorhebung der Haustüren, Schaufenster, Loggien, etc. Möglicherweise könnte man auch Bezug auf das Haus Cumberland nehmen, eine Landmarke des Ku’damms mit seinen großen Rundbögen.

    Der Vorgängerentwurf von Eike Becker wirkt in seinem plakativen Versuch, futuristisch auszusehen, bereits etwas angestaubt. Hat meiner Meinung nach auch nichts mit dem Ort und Kontext zu tun.


    Der neue Entwurf hingegen sieht in der Tat uninspiriert aus. In der Sitzung des Baukollegiums wirkte die Herleitung der Fassade auch sehr banal. Ausgehend von einem übergeordneten Raster entstand ein größeres Raster hier, engeres Raster dort, liegendes Raster hier, aufrechtes Raster dort. Warum arbeitet man nicht mal mit anderen Elementen, die der Fassade mehr Tiefe im Ausdruck geben und die optischen Zonen des Gebäudes mehr unterscheiden, z.B. Rundbogenfenster im Erdgeschoss oder unterschiedliche Materialien?

    Wenn man diesen Riegelhaufen sieht wird einem wahrlich schlecht. ...

    Über dieses Phänomen habe ich mir auch schon häufig Gedanken gemacht. In den letzten Jahrzehnten hat man sich das Potenzial für eine Stadterweiterung durch die Suburbanisierung regelrecht verbaut. Analog zur mittelalterlichen Stadtmauer legt sich ein suburbaner Gürtel aus Reihen-, Einfamilienhäusern und sonstigen suburbanen Strukturen um die Innenstadt, der ein Wachstum der urbanen Bezirke verhindert. Deswegen auch die Debatte um die innerstädtische Verdichtung durch Hochhäuser: Die Erweiterung dichter Blockrandbezirke ist meist keine Option mehr.


    Es gibt derzeit zahlreiche Quartiersentwicklungen am Stadtrand, doch die meisten davon haben gemeinsam, dass der suburbane Charakter des Ortes durch aufgelockerte Wohnbebauung ohne Urbanität zementiert wird. Stadterweiterungen im frühen 20. Jhd. erfolgten noch durch dichte Blockrandbebauung auf der grünen Wiese. Dieser Kontrast an der Grenze von Blockrand zu Acker mag damals skurril ausgesehen haben, doch nur dadurch haben wir heute eine derart große innerstädtische Fläche, die ein selbstverständlicher Teil der Stadtstruktur ist. Daran hätte man anknüpfen müssen, doch nun bleibt fast nichts mehr übrig als das Wachstum der Stadt durch weitere antiurbane Vorort-Siedlungen aufzufangen.


    Mod: Unnötiges Vollzitat gekürzt. Bitte sparsam zitieren. Danke

    Ich finde den Neubau an sich auch sehr gelungen. Die klaren Linien der Travertin-Verkleidung erinnern schon fast an den Barcelona Pavilion. Der Bruch mit dem Kontext ist allerdings sehr ärgerlich. Es gibt bereits sehr viele Brüche in Berlin (die ja oft auch ihren gewissen Charme haben), aber umso wertvoller sind eben auch die noch erhaltenen, harmonisch bebauten Straßenzüge. Hier hätte man die Möglichkeit gehabt, einen solchen Straßenzug durch einen angepassten Neubau zu reparieren, doch dieses Potenzial wurde aufgrund des eigenwilligen architektonischen Konzepts leider verspielt.