Beiträge von maselzr

    Nunja es stimmt schon, dass in so einigen Ecken des KaDeWe‘s das Gefühl aufkommt, man befinde sich in einem schnöden Provinz-Karstadt. Ich finde bei dem bekannten Namen ist es fair, nichts Geringeres als ein weltstädtisches Niveau zu erwarten. Die 6te und einige kürzlich renovierte Ecken im KaDeWe werden dem auch gerecht, aber dieses Niveau muss auch im ganzen Haus aufrecht erhalten werden.

    Schade finde ich vor Allem den Wegfall eines zentralen Atriums (ich bin mir ziemlich sicher, dass der Originalbau - wie damals üblich - eines besaß). Das würde dem ganzen Haus mehr Luft, Licht, Übersichtlichkeit und nicht zuletzt Grandesse verleihen. Die geringere Verkaufsfläche wird bestimmt durch die verbesserte Zirkulation ausgeglichen.

    Der ein oder andere mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich bereits ein Atrium. Es ist nur so versteckt und abseits der üblichen Wege, dass es kaum jemand zu Gesicht bekommt. Durch eine Verengung des Atriums in den obersten Etagen ist der Raum leider auch dementsprechend düster. Schade, dass eine Aktivierung dieses Raumes in den Umbauplänen nicht angestrebt wird - im Gegenteil ist sogar eine partielle Schließung vorgesehen, wenn ich die Pläne von OMA richtig interpretiere.

    Dekoratives Anführungszeichen

    …. und deren Proportionen klassische Vorbilder geradezu verspotten.

    Hiermit triffst du voll ins Schwarze. Traditionelle Architekturen haben es eh schon schwer, innerhalb von Fachkreisen ernst genommen zu werden und Beispiele wie diese leisten ihrem eigenen Architekturideal nur einen Bärendienst. Die Postmoderne, wenn auch gut gemeint, hat letztlich die Seriosität traditioneller Motive arg demontiert und nun, wo man sich davon wieder zu erholen beginnt und einige Bauherren und Architekten wieder wagen, sich langsam heranzutasten, ist es umso wichtiger, nicht schon wieder die Legitimität der historischen Vorbilder zu untergraben.

    Der Begriff Styroporklassizismus wird allzu oft zur Diffamierung traditionell orientierter Architekturen verwendet, doch beim Anblick der Bilder lag auch mir das Wort auf den Lippen. Das Gebäude will zeitlos und gediegen aussehen, doch ich kaufe es dem nicht ab: Die mausgraue Akzentfarbe sieht billig aus, einige Fenster wirken so gedrungen, dass die Gliederung der umliegenden Wandflächen auch nicht mehr zu helfen weiß, und die halbrunden Giebelfelder sind mir zu altbacken-postmodern.

    Doch wie man so gerne sagt: Besser als vorher und besser als ein beliebiger Kasten ist es dennoch.

    Bleibtreustraße 48a

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    Die Fassade wird derzeit abgerüstet. Zum Vorschein kommt ein hochwertiger Naturstein, womöglich Muschelkalk, doch der Gesamteindruck ist mMn ein bisschen zu grau und dunkel. Woran genau es liegt, kann ich nicht sagen, denn die Berliner Altbauten mit Muschelkalk-Fassade sehen klasse aus. Vielleicht ist die Fassade zu glatt und strukturlos, vielleicht ist es die Kombi mit dunklen Fensterrahmen (im Gegensatz zu den üblichen weißen Rahmen der Altbaufenster), oder es liegt nur an den Lichtverhältnissen.

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    Offen bleibt noch die Frage, wie das Umfeld der Klosterkirche entwickelt wird. In manchen Plänen sieht es danach aus, dass die Grünfläche rund um die Ruine erhalten und erweitert wird. Aber es gab ja auch schon Pläne und Ideen zu einer ergänzenden Bebauung. Letzteres fände ich deutlich wertvoller für den Molkenmarkt, da es mit dem Rathausforum ja bereits eine riesige Erholungsfläche unweit des Quartiers gibt und ich an der Stelle eine stärkere städtebauliche Verknüpfung in Richtung Alex(a) für wichtiger erachte. Außerdem hätte eine offene Grünfläche an der viel befahrenen Straße keinen richtigen Mehrwert. Da wäre eine Art grüner Hof rund um die Ruine viel attraktiver.

    Ich kann mich dem Kommentar von Architektenkind nur anschließen. Der Entwurf gefällt mir ausgesprochen gut. An vielen Stellen wird sensibel und sinnvoll auf die städtebaulichen Bedingungen reagiert. Wenn man sich anschaut, wie oft Wasserlagen mit aufgelockerten Siedlungsbauten ruiniert werden, bin ich regelrecht überrascht von der Urbanität des Planes. Mit dem Platz/Park wird sogar ein komplett neuer Stadt- und Identifikationsraum geschaffen.

    Variierende Höhen wären für mich fehl am Platz - Berlin ist geprägt von der einheitlichen Berliner Traufe und die wird hier fortgeführt. Natürlich müssen dann die Fassaden für Variation sorgen. Auch die Kritik an mangelnder Gebäudehöhe kann ich nicht nachvollziehen. Der Berliner Block ist eines der dichtesten urbanen Typologien und braucht keine Hochhäuser, um viele Menschen auf einem Fleck unterzubringen. Dann lieber nur einzelne, gezielte Hochpunkte (wie der im Plan vorgesehene), die wichtige städtebauliche Situationen als Fixpunkt markieren. Vielleicht hätte aber das ein oder andere Quergebäude nicht geschadet, um mehr Wohnraum zu schaffen.

    Auch schön, dass die Fußgängerbrücke offenbar nicht vom Tisch ist und im Zuge dieses Projekts entweder realisiert, oder wenigstens die Realisierung stärker legitimiert wird.

    Also wenn das alles so gebaut wird, ist das für mich eindeutig die beste Quartiersentwicklung in Deutschland seit dem 2.WK. Punkt. Man lernt aus der Kleinteiligkeit und dem Detailreichtum der historischen Vorbilder, doch man lässt auch moderne Elemente einfließen und kopiert nicht einfach eine Altstadt, die es seit 80 Jahren an dieser Stelle nicht mehr gibt. Großartig!

    Eines hätte ich dennoch zu bemängeln. Los 4 ist offensichtlich die modernste Interpretation unter den Siegern. Mit LRO mache ich mir auch keine Sorgen über die Umsetzung - das Büro hat es drauf. Doch man hätte städtebaulich einen besseren Zusammenhang mit den Losen auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtplatzes herstellen sollen. Das wirkt aktuell sehr unharmonisch. Die Gewinner des Loses 3 haben in ihrer Visu interessanterweise auch ein spiegelgleiches Gebäude als Pendant vorgeschlagen. Stattdessen erhalten wir ein Haus, das einer vollkommen anderen Logik folgt. Vielleicht wird das in weiteren Bearbeitungsphasen angepasst, doch der Senat hätte einfach beide Häuser bereits vor dem Wettbewerb dem gleichen Los zuordnen sollen.

    Ich freue mich sehr auf die geplante Reaktivierung. Zwei Dinge fallen mir aber auf:

    Mein Vorredner reißt es bereits an - die Umgestaltung des Saals ist ein großer Eingriff. Vielleicht kann man eben nur eines der Säle bespielen und muss den Zweiten entfernen, um eine lukrativere Nutzung zu etablieren. Ich hoffe allerdings sehr, dass es nicht bei diesen völlig unstimmigen Holzeinbauten bleibt. Sieht aus wie in jedem zweiten Coworking Space um die Ecke und reagiert null auf die bestehenden Qualitäten des Raumes.

    Und dann noch zum Hochhausriegel: Ich finde es immer wieder interessant, dass Architekten bei An- und Umbauten von Denkmälern aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg immer den Kontrast suchen; man müsse schließlich einen "zeitgemäßen Akzent" setzen und bloß keine Ähnlichkeit zum Bestand aufweisen. Doch beim ICC wird die Architektursprache prompt fortgeschrieben, als wäre der Riegel schon immer ein Bestandteil des ICC gewesen.

    Ich finde es in Ordnung und sogar wünschenswert, sich am Bestand zu orientieren. Mich stört viel mehr diese Doppelmoral.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich wäre für mehr Hochpunkte und dafür großzügigere und weichere Übergänge zum Feld. So was kann man meinetwegen an den Stadtrand oder aber dahinter in Schönefeld und Co bauen. Am S-Bahnring würde ich mir schon etwas mehr Mut zur Vertikalität wünschen und das Ganze am liebsten noch in Kombination mit ökologischem Bauen, Fassadenbegrünung etc. Mir fehlt da die Inspiration und die größere Geste. Wenn schon "Bagger" aus "Wohnungsnot", dann sollte es wenigstens nicht auch nach Notlösung aussehen.

    Eben ein fließender, weicher Übergang würde doch einen randstädtischen Eindruck erwecken. Daran sind genügend modernistische Siedlungen erfolgreich gescheitert und es ist mir ein Rätsel, dass diese Lehre nach 50 Jahren noch immer nicht Konsens ist.

    Eine klare Kante zum Feld schafft Urbanität: Cafés, Geschäfte und diverse Einrichtungen, die von der Lage am Feld profitieren, würden den Rand beleben und zum Teil eines Stadtraums machen. Man denke an die Hamburger Binnenalster, den New Yorker Central Park, und etliche andere Flusspromenaden und Stadtparks weltweit. Eine lockere Bebauung mit Hochhäusern wäre hingegen Hohenschönhausen 2.0. - bitte nicht.

    Hochhäuser als Typologie sind weder dichter noch urbaner oder nachhaltiger und erst recht nicht kostengünstiger. Die Resilienz einer Blockrandbebauung hat sich seit jahrtausenden bewiesen. Wo ich dir aber recht gebe, ist, dass man innerhalb dieses Typus sehr wohl eine modernere Haltung entwickeln kann: Wie sieht der Hofraum der Zukunft aus? Wie können Straßen- und Platzräume räumlich interessanter werden, als nur schnurgerade die Blöcke zu durchteilen und rechteckig auszusparen? Wie organisiert sich die Grenze zwischen öffentlich und privat? usw.

    Na geht doch. Ich finde den Vorschlag klasse! So geht mutiger, identitätsstiftender Städtebau. Keine zaghaften Klötze in irgendeiner Ecke des Feldes, sondern eine klare räumliche Figur, also hier ein promenadenähnlicher Gürtel, der das gesamte Feld umspannt und von urban Blöcken gerahmt wird, ist genau das, was das Feld braucht, um wirklich zu einem einzigartigen Ort zu werden. Nöfer und Kollhoff sind halt ein paar der wenigen Architekten, die Städtebau noch zu verstehen scheinen. Denn dann wirkt die Bebauung nicht wie eine Beeinträchtigung der bestehenden Qualitäten, sondern wie eine Steigerung.

    Die ausfransenden Randbereiche, die eh kaum genutzt werden, verschwinden, während der zentrale Teil der Fläche, den die allermeisten Menschen von ihren Besuchen auf dem Tempelhofer Feld kennen, erhalten bleibt.

    Insbesondere die zweite Visu zeigt, dass es sich nicht nur um eine Geste handelt, die auf einem Lageplan nachvollziehbar ist. Auch auf Straßenebene ist die Figur erlebbar. Dass die Geomtrie des Flughafengebäudes ebenfalls mit eingebunden wird und somit als integraler Teil eines Stadtraums fungiert, ist die cherry on top.

    Ich bin mir sicher - wenn das so gebaut wird, wäre der Vorzustand schnell vergessen, und Berlin wäre um einen einzigartigen Kiez reicher.

    Ich weiß ja nicht - mich beschleicht das Gefühl, dass dieses Projekt sehr schlecht altern wird. Es erinnert mich mit den farbigen Fensterrahmen und der Plattenfassade an die Gestaltung des Neuen Kreuzberger Zentrums am Kotti. Die unendlich lange Glasfront im Erdgeschoss soll dem Gebäude wohl Leichtigkeit verleihen, doch die Ausführung überzeugt mich nicht. Die bündig aufsetzenden, und damit papierdünn erscheinenden Wände der OG's machen den Eindruck, als könnten sie jederzeit in sich zusammenfallen.