Beiträge von maselzr

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das mit der Blickachse ist falsch. Keine Ahnung wie Johannes darauf kommt, aber betroffen ist die gesamte Frankfurter Allee ab Strausberger Platz, die Karl-Marx-Allee hingegen ist nicht betroffen. Kann man auf Google Maps ganz schnell nachvollziehen.

    Damit wir alle nicht aneinander vorbeireden: Die Karl-Marx-Allee erstreckt sich vom Alexanderplatz über den Strausberger Platz bis zum Frankfurter Tor und bildet somit fast die gesamte von der DDR errichteten „Prachtstraße“. Die Frankfurter Allee verläuft vom Frankfurter Tor bis jenseits der Ringbahn. Betroffen ist also ein Teilbereich beider Straßen, doch abgesehen von der Namensgebung geht es im Kern darum, dass ein Großteil des städtebaulichen Ensembles sowie beide Repräsentationsplätze an der DDR-Achse betroffen sind.

    Mir geht es auch nicht um die Höhe - 130m würden das Problem nicht lösen - sondern um die Position des Turms. Wie von Camondo bereits angesprochen, wäre es besser gewesen, wenn der Alexa-Kopfbau an Stelle des Monarchturms gestanden hätte und der Turm an den S-Bahn-Gleisen. Dort hätte der Turm von mir aus auch 180m hoch sein dürfen, solange er sich nicht völlig plump vor den Fernsehturm schiebt. Es ist einfach unglaublich, wie man 30 Jahre lang an einem städtebaulichen Masterplan feilt und niemand sich darüber Gedanken gemacht hat. Ganz klar ein politisches und fachliches Versagen aller Beteiligten.

    Doch es ist zu spät. Es wurde bereits Geld in den Tiefbau versenkt und die Baugenehmigung steht. Eine Umplanung ist rechtlich und ökonomisch völlig abwegig.

    Ehrlich gesagt habe ich insgeheim gehofft, dass aus dem Turm nichts wird. Der Aufschrei war bereits groß, als das Berlinian irgendwelche relativ irrelevanten Perspektiven auf den Fernsehturm verdeckt hat, doch wenn der Monarchturm mit seinen Luxuswohnungen die ikonische Sichtachse auf den Fernsehturm von der Karl-Marx-Allee aus verdeckt, wird garantiert eine stadtpolitische Bombe hochgehen. Und das zum Nachteil zukünftiger Hochhauspläne im eh schon hochhausskeptischen Berlin.

    Selbst ich als Befürworter von Hochhäusern bin strikt gegen das Verbauen dieser einzigartigen Sichtachse. Wenn doch wenigstens das Hochhaus perspektivisch direkt neben dem Fernsehturm stehen würde, hätte ich nichts gegen, doch es wird genau in der Achse stehen, sodass der Fernsehturm aus dem Monarch-Tower herauszuwachsen scheint. Berlin hat schon genug Narben im Stadtbild durch Kriege und Systemwechsel, warum also freiwillig eines der wenigen intakten Ensembles verbauen?

    Das Gebäude knüpft zwar einigermaßen harmonisch an die Nachbarbebauung (so harmonisch wie es mit einem Staffelgeschoss nunmal möglich ist), doch ich gebe meinem Vorredner Tinus recht - dass gleich zwei Geschosse an der Ecke hervortreten, wirkt von den Proportionen nicht sonderlich ausgeglichen und hinterlässt ein Geschmäckle von Grundstücksmaximierung.

    Aktuell erinnern mich die acht aufeinandergestapelten Etagen an ein Hochregal. Eine differenziertere Gliederung der Fassade hätte das jedoch abmildern können - zB indem man das EG und 1.OG, die ja bereits ansatzweise zusammengefasst wurden, auch durch Rundbögen o.ä. stärker von der darüberliegenden Baumasse abhebt, das Haus also optisch in kleinere Einheiten gliedert. Dass der Fensteranteil in den oberen Etagen zunimmt, finde ich auch unstimmig im Vergleich zum eigentlich sehr gelungenen Fenster-zu-Wand Verhältnis der restlichen Etagen.

    Schön, dass die Pläne rum um das Park-Inn vorangetrieben werden. Die geplante Fassade halte ich allerdings für unharmonisch, nicht weil man die biedere Ästhetik des Park-Inn unbedingt fortführen muss - im Gegenteil ist vielleicht ein noch größerer Kontrast nötig. Aber ehrlich gesagt wird angesichts der niedrigen Qualität der umliegenden Bauten ein in die Umgebung passender und dennoch gelungener Entwurf ganz schön herausfordernd.

    Bezüglich der Höhe wird sich ein entwerferisches Dilemma ergeben: Die aktuelle Höhe sieht im Vergleich zu den benachbarten Sockelbauen seltsam aus. Eine Angleichung an die Nachbarbauten wird eine harmonische und großstädtische Platzkante ausbilden, dafür aber die Proportionen des Park-Inn negativ beeinflussen. Ich persönlich tendiere eher zum Votum des BK, dass die Platzkante einheitlich bleiben muss. Das Park-Inn hat bereits genug Rücksicht im Masterplan erhalten.

    Nunja es stimmt schon, dass in so einigen Ecken des KaDeWe‘s das Gefühl aufkommt, man befinde sich in einem schnöden Provinz-Karstadt. Ich finde bei dem bekannten Namen ist es fair, nichts Geringeres als ein weltstädtisches Niveau zu erwarten. Die 6te und einige kürzlich renovierte Ecken im KaDeWe werden dem auch gerecht, aber dieses Niveau muss auch im ganzen Haus aufrecht erhalten werden.

    Schade finde ich vor Allem den Wegfall eines zentralen Atriums (ich bin mir ziemlich sicher, dass der Originalbau - wie damals üblich - eines besaß). Das würde dem ganzen Haus mehr Luft, Licht, Übersichtlichkeit und nicht zuletzt Grandesse verleihen. Die geringere Verkaufsfläche wird bestimmt durch die verbesserte Zirkulation ausgeglichen.

    Der ein oder andere mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich bereits ein Atrium. Es ist nur so versteckt und abseits der üblichen Wege, dass es kaum jemand zu Gesicht bekommt. Durch eine Verengung des Atriums in den obersten Etagen ist der Raum leider auch dementsprechend düster. Schade, dass eine Aktivierung dieses Raumes in den Umbauplänen nicht angestrebt wird - im Gegenteil ist sogar eine partielle Schließung vorgesehen, wenn ich die Pläne von OMA richtig interpretiere.

    Dekoratives Anführungszeichen

    …. und deren Proportionen klassische Vorbilder geradezu verspotten.

    Hiermit triffst du voll ins Schwarze. Traditionelle Architekturen haben es eh schon schwer, innerhalb von Fachkreisen ernst genommen zu werden und Beispiele wie diese leisten ihrem eigenen Architekturideal nur einen Bärendienst. Die Postmoderne, wenn auch gut gemeint, hat letztlich die Seriosität traditioneller Motive arg demontiert und nun, wo man sich davon wieder zu erholen beginnt und einige Bauherren und Architekten wieder wagen, sich langsam heranzutasten, ist es umso wichtiger, nicht schon wieder die Legitimität der historischen Vorbilder zu untergraben.

    Der Begriff Styroporklassizismus wird allzu oft zur Diffamierung traditionell orientierter Architekturen verwendet, doch beim Anblick der Bilder lag auch mir das Wort auf den Lippen. Das Gebäude will zeitlos und gediegen aussehen, doch ich kaufe es dem nicht ab: Die mausgraue Akzentfarbe sieht billig aus, einige Fenster wirken so gedrungen, dass die Gliederung der umliegenden Wandflächen auch nicht mehr zu helfen weiß, und die halbrunden Giebelfelder sind mir zu altbacken-postmodern.

    Doch wie man so gerne sagt: Besser als vorher und besser als ein beliebiger Kasten ist es dennoch.

    Bleibtreustraße 48a

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    Die Fassade wird derzeit abgerüstet. Zum Vorschein kommt ein hochwertiger Naturstein, womöglich Muschelkalk, doch der Gesamteindruck ist mMn ein bisschen zu grau und dunkel. Woran genau es liegt, kann ich nicht sagen, denn die Berliner Altbauten mit Muschelkalk-Fassade sehen klasse aus. Vielleicht ist die Fassade zu glatt und strukturlos, vielleicht ist es die Kombi mit dunklen Fensterrahmen (im Gegensatz zu den üblichen weißen Rahmen der Altbaufenster), oder es liegt nur an den Lichtverhältnissen.

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    Offen bleibt noch die Frage, wie das Umfeld der Klosterkirche entwickelt wird. In manchen Plänen sieht es danach aus, dass die Grünfläche rund um die Ruine erhalten und erweitert wird. Aber es gab ja auch schon Pläne und Ideen zu einer ergänzenden Bebauung. Letzteres fände ich deutlich wertvoller für den Molkenmarkt, da es mit dem Rathausforum ja bereits eine riesige Erholungsfläche unweit des Quartiers gibt und ich an der Stelle eine stärkere städtebauliche Verknüpfung in Richtung Alex(a) für wichtiger erachte. Außerdem hätte eine offene Grünfläche an der viel befahrenen Straße keinen richtigen Mehrwert. Da wäre eine Art grüner Hof rund um die Ruine viel attraktiver.

    Ich kann mich dem Kommentar von Architektenkind nur anschließen. Der Entwurf gefällt mir ausgesprochen gut. An vielen Stellen wird sensibel und sinnvoll auf die städtebaulichen Bedingungen reagiert. Wenn man sich anschaut, wie oft Wasserlagen mit aufgelockerten Siedlungsbauten ruiniert werden, bin ich regelrecht überrascht von der Urbanität des Planes. Mit dem Platz/Park wird sogar ein komplett neuer Stadt- und Identifikationsraum geschaffen.

    Variierende Höhen wären für mich fehl am Platz - Berlin ist geprägt von der einheitlichen Berliner Traufe und die wird hier fortgeführt. Natürlich müssen dann die Fassaden für Variation sorgen. Auch die Kritik an mangelnder Gebäudehöhe kann ich nicht nachvollziehen. Der Berliner Block ist eines der dichtesten urbanen Typologien und braucht keine Hochhäuser, um viele Menschen auf einem Fleck unterzubringen. Dann lieber nur einzelne, gezielte Hochpunkte (wie der im Plan vorgesehene), die wichtige städtebauliche Situationen als Fixpunkt markieren. Vielleicht hätte aber das ein oder andere Quergebäude nicht geschadet, um mehr Wohnraum zu schaffen.

    Auch schön, dass die Fußgängerbrücke offenbar nicht vom Tisch ist und im Zuge dieses Projekts entweder realisiert, oder wenigstens die Realisierung stärker legitimiert wird.

    Also wenn das alles so gebaut wird, ist das für mich eindeutig die beste Quartiersentwicklung in Deutschland seit dem 2.WK. Punkt. Man lernt aus der Kleinteiligkeit und dem Detailreichtum der historischen Vorbilder, doch man lässt auch moderne Elemente einfließen und kopiert nicht einfach eine Altstadt, die es seit 80 Jahren an dieser Stelle nicht mehr gibt. Großartig!

    Eines hätte ich dennoch zu bemängeln. Los 4 ist offensichtlich die modernste Interpretation unter den Siegern. Mit LRO mache ich mir auch keine Sorgen über die Umsetzung - das Büro hat es drauf. Doch man hätte städtebaulich einen besseren Zusammenhang mit den Losen auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtplatzes herstellen sollen. Das wirkt aktuell sehr unharmonisch. Die Gewinner des Loses 3 haben in ihrer Visu interessanterweise auch ein spiegelgleiches Gebäude als Pendant vorgeschlagen. Stattdessen erhalten wir ein Haus, das einer vollkommen anderen Logik folgt. Vielleicht wird das in weiteren Bearbeitungsphasen angepasst, doch der Senat hätte einfach beide Häuser bereits vor dem Wettbewerb dem gleichen Los zuordnen sollen.

    Ich freue mich sehr auf die geplante Reaktivierung. Zwei Dinge fallen mir aber auf:

    Mein Vorredner reißt es bereits an - die Umgestaltung des Saals ist ein großer Eingriff. Vielleicht kann man eben nur eines der Säle bespielen und muss den Zweiten entfernen, um eine lukrativere Nutzung zu etablieren. Ich hoffe allerdings sehr, dass es nicht bei diesen völlig unstimmigen Holzeinbauten bleibt. Sieht aus wie in jedem zweiten Coworking Space um die Ecke und reagiert null auf die bestehenden Qualitäten des Raumes.

    Und dann noch zum Hochhausriegel: Ich finde es immer wieder interessant, dass Architekten bei An- und Umbauten von Denkmälern aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg immer den Kontrast suchen; man müsse schließlich einen "zeitgemäßen Akzent" setzen und bloß keine Ähnlichkeit zum Bestand aufweisen. Doch beim ICC wird die Architektursprache prompt fortgeschrieben, als wäre der Riegel schon immer ein Bestandteil des ICC gewesen.

    Ich finde es in Ordnung und sogar wünschenswert, sich am Bestand zu orientieren. Mich stört viel mehr diese Doppelmoral.