Beiträge von maselzr

    Die Visus und die Filmanimation sind ja leider sehr widersprüchlich. Lassen wir uns also mal überraschen, ob wir einen historisch angelehnten Wiederaufbau oder genau das Gegenteil, ein eigensinnig draufgestelltes Gewächshaus, kriegen. Ich würde Ersteres auf jeden Fall bevorzugen, andererseits wären diese Treibhäuser auf dem Dach irgendwie auch passend zu der quirlig chaotischen Bebauung an der Bülowstraße.

    Auch mir gefällt der Kleihues Entwurf aus den bereits genannten Gründen am besten. Größter Pluspunkt, der noch nicht erwähnt wurde, ist mMn die geschickte Geometrie des Turms, bei dem der terrassierte Teil zwar parallel zum Covivio und Park Inn ausgerichtet ist, das mächtige Hauptvolumen des Hochhauses jedoch schräg zu den benachbarten Türmen steht. Durch diesen Kniff wird auf einmal deutlich mehr Dynamik in den sonst starren Hochhausplan eingebracht.


    Dass der Saturn-Bau überraschenderweise umgestaltet wird, ist wirklich erfreulich. Allerdings halte ich es auch für wichtig, dass der Baukörper am Alex eine optische Eigenständigkeit erhält. Bei allen Entwürfen wirkt das Hochhaus so, als hätte man es einfach auf einer Freifläche abgestellt. Es fehlt noch irgendwas, um das Gebäude optisch mit dem Stadtraum zu verweben.

    Mir hätte der Entwurf von ingenhoven am besten gefallen. Die kreisrunde Form hätte einen schwungvollen Kontrast zu der eckigen Kubatur des Band des Bundes gebildet, dabei trotzdem die kreisförmigen Akzente des BdB zitiert und im wahrsten Sinne des Wortes einen interessanten Schlusspunkt gesetzt. Das Gebäude erinnert mich zudem an das Aros Museum in Aarhus oder dem Apple HQ im Silicon Valley. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Entwurf aufgrund seiner ineffizienten Flächenausnutzung nicht in die engere Auswahl kam.


    Der Siegerentwurf gefällt mir aber auch gut; es ist nur schade, dass die interessanten organischen Formen im Inneren nicht noch mehr die äußere Erscheinung prägen. Denn es sollte schon längst allen klar sein, dass die Glasfassaden nie so transparent aussehen, wie die Visus es suggerieren. Die Entwürfe der meisten anderen Teilnehmer finde ich geradezu gruselig und ich bin heilfroh, dass sich keines davon durchsetzen konnte.

    Sorry, aber ich finde diesen billigen Baumarkt-Look, der aus irgendwelchen Gründen trendig zu sein scheint, furchtbar. Dieser rohbauähnliche Zustand kombiniert mit der überraschend altbacken anmutenden Holzbeplankung des Tresens sowie der Freitreppe macht für mich einen unharmonischen bis geschmacklosen Eindruck.


    Ganz allgemein wirkt die sterile, eindimensionale Materialpalette aus Beton, Holz und Pianolack einfallslos - stark erinnernd an die leeren Tesla-Interieurs. Auch wegen der fehlenden Deko und der fehlenden räumlichen Aufteilung durch Möbel, Sitzlandschaften, freistehende Wände oder was auch immer mangelt es der Lobby an jeglicher gestalterischer Tiefe. Die röhrenförmigen Deckenleuchten a la Lagerhalle ohne jegliche Akzentbeleuchtung runden die gestalterische Ödnis ab.


    Aber man kann ja hoffen, dass da noch was kommt und nur Lieferverzögerungen für den kahlen Eindruck verantwortlich sind.

    Ich habe theoretisch kein Problem damit, dass das Museumgebäude des Bauhaus-Archivs vom Maßstab her relativ bescheiden wirkt. Auch das ist eigentlich ein Merkmal der klassischen Moderne - Schlichtheit und Zurückhaltung.


    Die Lage des Museums macht es erst zu einem Problem. Gegen die riesigen Verkehrsschneisen vor dem Gebäude und dem generell zugigen Stadtraum drumherum kann sich das Bauvolumen nicht behaupten; es wird regelrecht verzwergt. Stünde es beispielsweise am/im Tiergarten, umgeben von Grün, wäre der Eindruck schon ein ganz Anderer.


    Nunja, ändern konnte man diesen Umstand eh nie, da sich der Neubau schließlich an den bereits vorhandenen Bestand anschließt, doch vielleicht hätte man dem Museum doch noch mehr Präsenz verleihen müssen, zB durch eine zusätzliche Etage sowohl auf dem Flachbau als auch auf dem Turm.

    Hoffentlich wird es auch für das Gasometer eine spannende Beleuchtung geben. Die schönen Auskreuzungen bieten jedenfalls genug Potenzial für ein stimmungsvolles Lichtkonzept. Allgemein würde ich mir wünschen, dass es in Berlin mehr beleuchtete Häuser, wie jene auf den obigen Bildern, gibt. Gerade die nächtlich beleuchteten Gebäude machen auch die asiatischen Städte so futuristisch. In Neubaugebieten kann man sich gerne etwas davon abschauen.

    Sehr schade, dass man das rote Dach mit einem Schwarzen ersetzt hat. Die roten Dächer wirken deutlich freundlicher, sind historisch authentischer und geben dem sonst sehr grauen Straßenbild wenigstens etwas Farbe.


    Außerdem steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Warum das Denkmalamt keine bauzeitliche Dachgestaltung gefordert hat, bleibt wohl ein Rätsel.

    Waitzstraße 22 / Lewishamstraße

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    Weil ich eh schon daran vorbeigelaufen bin, hier nochmal ein Foto nur eine Woche nach dem letzten Update.


    Währenddessen ist auf dem Grundstück des Eike Becker Projekts am Adenauerplatz weiterhin nichts los, daher habe ich auf ein Foto verzichtet.


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    Allerdings entstanden die anderen großen Projekte meist nicht an Orten mit fragilem Milieu. Der Hermannplatz und seine Umgebung ist ein prominenter sozialer Schmelztiegel, den die Bezirkspolitiker durch das Karstadt-Projekt für gefährdet hielten. Andere Projekte, wie der abseits gelegene Estrel Tower oder die Hochhäuser am kommerzialisierten Alex, entstehen in einem gänzlich anderen Kontext.


    Ja, René Benko hat unseriös hoch gepokert, doch so lange seine Spielchen in der Niedrigzinsphase aufgingen, hat er seine Projekte durchgezogen. Ich will damit sagen, dass der Karstadt am Hermannplatz vielleicht sogar bereits gestanden hätte, wenn die Berliner Politik das Projekt nicht über Jahre in Zeiten der boomenden Immobilienbranche ausgebremst hätte.

    Dass die Fassaden meist dunkler ausfallen, als es die luftig-schimmernden Visus versprechen, ist leider nichts Neues.


    Trotzdem würde ich mich noch etwas gedulden, da die Fassade in Bodennähe häufig dunkler aussieht. Wenn das Glas Höhen erreicht, in denen der Himmel gespiegelt wird, könnte es nochmal anders aussehen

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    Wie kommst du darauf, dass der Kollhoff-Plan sensibel sei und die verschiedenen Epochen erhalten würde? Du schreibst sogar noch im selben Absatz, wie der Plan fast sämtliche Gebäude am Alex getilgt hätte. Die architektonische und städtebauliche Vision des Kollhoff-Plans mag für sich genommen herausragend sein, doch sie war alles Andere als respektvoll gegenüber der Geschichte des Ortes. Ich würde eher von einer Korrektur oder Überschreibung von Geschichte sprechen. Das HdBV und HdR gehören beide zu den spannendsten und wertvollsten Zeugnissen der DDR; zurecht stehen sie nun unter Denkmalschutz und werden aus dem Hochhausplan ausgeklammert.


    Das Irre ist viel eher, wie Lompscher, Lüscher und Co. kontinuierlich darauf hingearbeitet haben, den Platz im Geiste dieses verkorksten Städtebaus weiterzubauen. Lüscher erwähnte explizit die monotone Reihe der Plattenbauten an der Leipziger Straße als Vorbild für den Alex. Während ihnen der politische Hintergrund des DDR-Städtebaus egal ist, wird gleichzeitig der vorkriegszeitliche Städtebau bei jeder historisierenden Bestrebung völlig hysterisch als politisch kontaminiert gebrandmarkt, ja als Gift für unsere demokratische Grundordnung. Man denke an das Schloss und die Bestrebungen am Molkenmarkt. Das ist für mich reinste Doppelmoral.

    Für mich haben beide Entwürfe zu sehr den Anschein einer Megastruktur und mal wieder wird man vom omnipräsenten Raster erschlagen. Mir ist aufgefallen, wie jede derzeitige Quartiersplanung in Berlin kaum noch voneinander zu unterscheiden ist, alle Gebäue sind ineinander verschobene Kuben mit Holz/Alu Raster und irgendwo noch ein bisschen Backstein und reichlich Grün, um dem Ganzen einen Anstrich von Menschlichkeit zu geben.


    Ich hätte mir für das Areal auf Straßenebene einen kleinteiligeren Blockrand gewünscht, der punktuell von Hochhäusern >100m akzentuiert wird.

    Wie Querbalken bereits schreibt, sind die IBA-Bauten eine zunehmende Bereicherung für Berlin. Auch wenn die Gestaltung einiger Gebäude naiv ausfällt, so zeigen sie doch alle wenigstens jene Gestaltungslust, die den heutigen Entwürfen vollkommen abhanden gekommen ist.


    Aber wenn man denn absolut irgendwas Großes hinsetzen will, dann hätte es auch was futuristischer werden dürfen. Da wirkt selbst der 30 Jahre ältere Potsdamer Platz moderner.


    Auch wenn es sich hier möglicherweise um Platzhalterfassaden handelt, wird der finale Entwurf angesichts der gewünschten seriellen Bauweise wohl nicht groß davon abweichen.

    Also zuerst einmal ist die Forderung, das Park Inn abzureißen, völlig überzogen. Ich bin nicht der erste, der sich bei jedem noch so kleinen Abriss über die verschwendete graue Energie empört, doch ein komplettes 120m hohes Hochhaus abzureißen, sollte in diesen Zeiten undenkbar sein. Zumal sich die Grundstruktur des Gebäudes wunderbar umbauen lässt. Um zwei Stockwerke mit Vor- und Rücksprüngen aufstocken, neue Fassade dranmachen und einen interessanten Sockel hinsetzen und voila: Der DDR-Mief wäre fort.


    Dass niemand dem Palast der Republik hinterhertrauert ist ebenso unsachlich. Auch wenn es sich wohl um eine Minderheit handelt, gibt es durchaus einen respektablen Anteil an Leuten, die sich den Erhalt des PdR gewünscht hätte - sei es wegen seiner geschichtlichen Aussage, architektonischen Qualität (ja, die gab es, wenn man das Gebäude aus seinem Kontext gelöst betrachtet) oder aus affektiven Gründen.


    Der größte Reinfall ist mMn weiterhin die unsägliche Inkompetenz, mit der der Kollhoff-Plan bis zur Unkenntlichkeit entstellt und banalisiert wurde. Abgesehen vom Schutz des denkmalwürdigen Bestands der DDR rund um den Alex, war Lüschers Einfluss auf die geplanten Neubauten völlig destruktiv. Das geklonte Einerlei des Park-Inns zum Einen und die aus diesem Ansatz eines Konzeptes ausbrechenden Türme an der Südostseite des Alex zum Anderen bilden den Gipfel der absoluten städteplanerischen Ideen- und Orientierungslosigkeit.

    Um den vierkantigen Einheitsbrei zu durchbrechen, wäre ein anderweitig geformtes und höheres Hochhaus an der Ecklage auf dem Europcar Parkplatz sehr wünschenswert. Immerhin hat es dort noch nie konkretere Baupläne gegeben, wodurch mehr Freiraum für neue Ambitionen bleibt. Auf den Masterplan am Alex, wenn er diese Bezeichnung überhaupt noch verdient, muss eh nicht mehr Rücksicht genommen werden, da gibt es schon lange keine ästhetische Kohärenz mehr. Dann besser alles organisch wachsen lassen und daraus eine Qualität schöpfen.

    Klar, im Einzelnen gibt es schon Unterschiede in der Qualität der dortigen Geschäfte. Doch insgesamt macht der Abschnitt zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Alex einen trashigen Eindruck. Es kommt dort alles zusammen: Fast-Food-Kette und Buden, rumstehende Bargeldautomaten, die Tunnel-Atmosphäre, Schmutz, der Eingang zum Parkhaus, die insgesamt architektonisch dürftigen Ladenfronten und on top der chaotische, nach Dauerbaustelle aussehende Bereich vorm Europcar werden dem Anspruch eines der zentralsten Plätze der Hauptstadt nicht gerecht.

    Ecke Clayallee / Berliner Straße

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    Trotz der zentralen Lage an eines der größten Kreuzungen in Zehlendorf hatten wir seit gut anderthalb Jahren kein neues Update von diesem Bauvorhaben. Inzwischen ist der Rohbau weit vorangeschritten und die Bauaktivität bleibt bisher konstant.


    Hier also ein Schnappschuss aus dem Auto in mäßiger Qualität - aufgenommen am 25.01.24:


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