Beiträge von maselzr

    Ich bin auch noch etwas skeptisch, ob ein Centre Pompidou 2.0 zwischen Autobahn, Messe und Busbahnhof entstehen kann. Für eine erfolgreiche Nutzung reicht es nicht, nur das Gebäude zu betrachten. Das Umfeld miteinzubeziehen ist ausschlaggebend, damit Leute den Weg zum ICC auf sich nehmen wollen. Die Pläne rund um den Stadteingang City West reichen für eine Aufwertung des Standorts mMn auch nicht aus, da die Nordkurve der Avus und die A115 das Entwicklungsgebiet vom ICC trennt.

    In einem Artikel von Entwicklungsstadt wird berichtet, dass die Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt 50.000 Euro für "vorbereitende Untersuchungen" zur "Weiterentwicklung der Historischen Mitte" im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses beantragt habe. Der Antrag wurde mit Verweis auf den Beschluss zur Neuentwicklung der Fläche als modernisierte Grünanlage nach dem Entwurf von RMP Stephan Lenzen zurückgewiesen.


    Offenbar gibt sich die Senatsbaudirektorin nicht zufrieden mit dem unter Regula Lüscher beschlossenen Plan zur Neuentwicklung, der auf ein öffentliches Beteiligungsverfahren beruht. Gerüchten zufolge möchte sie die Altstadt (bzw. den Stadtgrundriss der Vorkriegszeit) am Marx-Engels-Forum rekonstruieren. Ihre Teilnahme am Festival der Bürgerinitiative "Stiftung Mitte Berlin" zeigt ihr Interesse für eine mögliche Bebauung des Areals.


    Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen Julian Schwarze wirft Petra Kahlfeldt wegen den aktuellen Bemühungen, aber auch aufgrund der umstrittenen Einflussnahme bei der Wettbewerbsentscheidung um die Zukunft des Molkenmarkts vor, ihr Amt zu missbrauchen und sich "nach ihrem Gusto" über politische Verfahren hinwegzusetzen.


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    Einerseits scheint mir die Reaktion auf Petra Kahlfeldts Bemühungen etwas überzogen. Eine Voruntersuchung zur Bebauung bedeutet nicht direkt, dass die beschlossenen Pläne über Bord geworfen werden. Solche Prozesse dauern Jahrzehnte und zu einer Bebauung würde es bestimmt eh erst kommen, wenn der noch umzusetzende Plan wieder eine Sanierung bzw. Neuentwicklung benötigt. Was heute gemacht wird, ist morgen erledigt und beschleunigt zukünftige Planungsprozesse, wenn es dann mal ernst werden sollte.


    Andererseits verstehe ich nicht, warum Petra Kahlfeldt ihre Vorstellungen nicht konstruktiver umsetzt. Es gibt tausende noch zu diskutierende Themen und Entwicklungspotenziale, zu denen Kahlfeldt Stellung beziehen könnte. Dazu hört man jedoch kaum was von ihr. Stattdessen beeinflusst sie irgendwelche beschlossenen Verfahren durch die Hintertür und macht sich damit unbeliebt. Wie wäre es damit, den Hochhausentwicklungsplan zu konkretisieren, Rückbaupotenziale innerstädtischer Verkehrsschneisen zu identifizieren und Leitlinien für innerstädtische Verdichtungsmaßnahmen zu erarbeiten?

    Zudem ist auch noch der gesamte innerstädtische Bereich der S1-Strecke über Wochen gesperrt und auch die U6 nach Tegel ist dicht. Sehr ungünstige Zeiten für den ÖPNV...jedoch habe ich in einem Artikel über die Sperrung der S1 gelesen, dass große bauliche Maßnahmen schon mind. ein Jahr vorher angekündigt werden müssen und die Terminierung der Maßnahmen somit auch weit vor Beginn der Arbeiten bindend ist. Die Unterbrechung der U2 konnte man damals natürlich nicht absehen. Warum die Schallschutzmaßnahmen für die U1/U3 nicht einfach ein paar Wochen später nach Freigabe der S1 angegangen werden, kann ich mir jedoch auch nicht erklären. Wahrscheinlich haben sich die BVG und die DB einfach nicht genügend abgestimmt.

    Interessant an dem Projekt ist, dass die Neubauten aus Fertigteilen errichtet werden sollen, bei deren Produktion wenig CO2 entsteht und die auch wiederverwendbar sein sollen. Zudem werden die Fertigteile in Brandenburg produziert, Diese Bauweise soll das Bauen schneller und billiger machen. (...) Laut Bausenator Andreas Geisel soll dieses Projekt "unser Modell für die Zukunft sein."

    Immer schneller, immer billiger soll es also werden. Nicht nur der Bau der Häuser sondern auch die Lebenszeit der Gebäude, die unter dem Deckmantel der „nachhaltigen Wiederverwendbarkeit“ wie Wegwerfprodukte der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden sollen. Wenn dies das Modell der Zukunft sein soll, kann man der Architektur gute Nacht sagen. Ein Win-Win für die Politik und die Wirtschaft mag das ja sein: Ästhetische Ansprüche braucht keiner mehr, alles wird für maximalen Profit möglichst billig errichtet und die Politiker rühmen sich damit, mit Hilfe dieser Megabauten den Wohnungsbauzielen nachkommen zu können (klingt fast wie zu DDR-Zeiten). Noch besser dann, dass die Häuser dank Modulbauweise in 20 Jahren wieder abgeräumt werden können, um mit neuen Bauten Profit zu machen.


    Ist das wirklich die Zukunft unserer Städte? Wo bleibt der Anspruch, nicht nur Wohnraum, sondern auch Lebensraum zu schaffen? Häuser zu bauen, die auch über Generationen bestehen bleiben und die Identität des Stadtbildes prägen und historisch verankern? Gebäude, die den sinnlichen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden, bzw. mit gestalterischem Anspruch Orte zum Wohlfühlen schaffen und somit auch zur sozialen Stabilität beitragen?


    Sozial und ökologisch nachhaltig sind nur Gebäude, die mit dem Anspruch gebaut werden, für die Ewigkeit bestehen zu bleiben. Gebäude, bei denen der einmalige Energieaufwand zur Errichtung sich für Jahrhunderte rechnet und der gestalterische Anspruch zur Lebensqualität der Menschen beiträgt, das gesellschaftliche Miteinander fördert und Identität vermittelt. Damit lässt sich nur leider kein Geld verdienen. Stattdessen wird von Politik und Wirtschaft die Baukultur in Richtung kreislaufgerecht provisorischen, depressiv machenden Wohnmaschinen gelenkt, die nichts mit dem urbanen Miteinander von Menschen und den Grundvoraussetzungen von Architektur zu tun haben wollen. Nicht aus Not, nein, sondern mit der Überzeugung, dass das wirklich die Zukunft sei. Es ist ein Jammer, insbesondere, da uns die letzten 70 Jahre genug Lektionen erteilt haben. Wie lange soll es also noch dauern, bis dieses ewige billiger, schneller, größer endlich abgelöst wird von beständiger, schöner, menschlicher?

    Ich war zunächst auch erschrocken über diesen Entwurf. Auf dem zweiten Blick hingegen wüsste ich nicht, was besser gepasst hätte. Schließlich ist das Grundstück umgeben vom DDR-Städtebau und liegt orientierungslos auf der grünen Wiese ohne einen klaren, stadträumlichen Bezug. Einen Blockrand mit Parzellenstruktur anzustreben ist dementsprechend vergeblich und ein Anschluss an die große Brandwand des benachbarten Riegels sollte wegen den Grundstücksgrenzen auch nicht möglich sein. Und wir alle wissen anhand der realisierten Projekte am Mühlendamm oder in der Europacity, was passiert, wenn man irgendeine Symbiose aus Blockstruktur und der Grobkörnigkeit des modernen Städtebaus einzugehen versucht. Statt also irgendeinen grobschlächtigen Klotz dahinzustellen, mag ich die Idee sehr, mit den vorhandenen Strukturen zu arbeiten und sich an den Pavilion-Bauten des DDR-Städtebaus zu orientieren, die dem maßstabslosen Stadtraum einen menschlichen Bezug geben.


    In Sachen Architektur finde ich die Idee, einen Bezug zum DDR-Stil herzustellen, ebenfalls ganz passend. Die konkrete Umsetzung finde ich allerdings etwas piefig. Da hätte man sich mehr trauen und dem Baukörper ein gewisses Etwas verleihen können, das den Bau aus der rechtwinkligen Umgebung hervorstechen lässt. Vielleicht hätte sogar - das sage ich mit Vorsicht - ein Geschoss weniger dem Entwurf gut getan.

    Karstadt Wilmersdorfer Straße

    Entwicklungsstadt berichtet in einem Artikel, dass der Karstadt in der Wilmersdorfer Straße in den nächsten Jahren abgerissen und durch ein neues, ökologisch vorbildliches Gebäude ersetzt werden soll. Der Bezirk möchte im Gegenzug gemeinwohlorientierte Maßnahmen vertraglich festlegen, die in das Projekt eingebunden werden sollen. Interessanterweise ist Signa nicht an den Planungen beteiligt, da das Unternehmen Cofra Holding den Gebäudekomplex 2016 erworben hat.


    Kritische Reaktionen gab es - das sollte keine Überraschung sein - insbesondere von den Linken. Sprecherin für Stadtentwicklung der Linken Katalin Gennburg fordert laut eines Artikels des rbb, die Zusammenarbeit zwischen Signa und dem Senat einzustellen, da sich das Unternehmen nicht an den Letter of Intent halte, der u.a. die Sicherung des Standortes Wilmersdorfer Straße für 10 Jahre beabsichtige. Gennburg spricht von Erpressung und fordert den Baustopp aller laufenden Projekte von Signa am Hermannplatz, Kudamm und Alexanderplatz. Auch die SPD und Grünen sehen die Pläne kritisch und hinterfragen die Vertrauenswürdigkeit des Konzerns.

    Wirtschaftssenator Stefan Schwarz von der SPD, Verdi und Stadtentwicklungssenator Geisel sehen die Lage weniger dramatisch. Noch sei es zu keinem Vertragsbruch gekommen und man sollte abwarten, wie es weitergeht. Geisel betont dabei, dass die Projekte von Signa wichtig für die Entwicklung Berlins seien und die weitere Unterstützung auch weiterhin im Interesse des Senats bleiben soll.

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    Das Karstadt-Gebäude stammt übrigens aus dem Jahr 1912, wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg vereinfacht wiederhergestellt und wahrscheinlich im Rahmen einer späteren Sanierung in den heutigen Zustand versetzt. Angesichts der hohen Decken, architektonischen Wandlungsfähigkeit und städtebaulichen Qualitäten des Gebäudes ist ein Abriss sowieso kritisch zu hinterfragen.

    Ich finde den Turm auch äußerst gelungen - bis dato mein Lieblingshochhaus in Berlin (mal schauen wie das Estrel wird).


    Ein guter Vergleich ist „The Spiral“ in New York, quasi der große Bruder des Edge und ebenfalls von BIG entworfen. Das Edge finde ich sogar besser, da die Einschnitte der Stufen deutlich markanter sind und die Glasfassade nicht so glatt ist. Das lässt den Turm massiver erscheinen, wie vier große Felsen, die aufeinander gestapelt wurden. Ein wirklich spannender Effekt entsteht bei The Spiral nicht, da die flachen und weit voneinander entfernten Einschnitte sich optisch verflüchtigen.

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    Ich verstehe deine Logik nicht so ganz - der Lösungsvorschlag würde die Probleme doch nur konservieren?


    Der Platz leidet offensichtlich an der massiven Autobahnbrücke, die die Aufenthaltsqualität und die Platzfigur erheblich beeinträchtigt. Der Abriss wird die Situation deutlich zum Positiven verändern, wodurch wieder mehr Menschen angezogen werden. Eine Bebauung der nördlichen Platzseite halte ich für sehr wichtig, da weitere Anwohner den Platz zusätzlich beleben würden und Geschäfte mehr Kundschaft bekommen.


    Außerdem sind derart gut angebundene, städtische Lagen optimal für nachhaltigen, attraktiven Wohnraum. Mir wäre es lieber, am Breitenbachplatz zu verdichten und ein Nachbarschaftszentrum mit U-Bahn Verbindung zur Innenstadt auszubauen und im Gegenzug ein Gebiet irgendwo am Stadtrand von suburbanisierendem, autoabhängigem Wohnraum zu verschonen.

    ^ Nun, was ist hier passend... Die Bundesallee ist überwiegend von allenfalls mittelmäßigen Nachkriegs-Bürogebäuden geprägt, da passt das Achtunseins aus meiner Sicht schon hin und bringt mit seiner zwar nicht revolutionären, aber m. E. doch recht ansprechenden Fassade eine optische und städtebauliche Verbesserung.

    Wenn man einen Blick auf die Häuserblöcke am Hohenzollerndamm, in der Pariser Straße und in der Meierottostraße wirft, an denen sich die beiden Neubauten angliedern, sind diese noch sehr gründerzeitlich geprägt. An diese Qualitäten hätte man anknüpfen können - insbesondere da die vorhandenen Gebäude an der Bundesallee keine Qualitäten anbieten, an denen man sich alternativ hätte orientieren können. Die misslungenen Übergänge zwischen dem Premier Inn und seinen Nachbarn veranschaulichen mein Argument ganz gut.


    Das B&B Hotel am Kaiserdamm ist mMn eine sehr gute Referenz. Hier hat man unter ähnlichen finanziellen Bedingungen und in einem ähnlichen baulichen Kontext einen deutlich gelungeneren Entwurf umgesetzt, der sich nahtlos einfügt und trotzdem zeitgenössisch daherkommt.

    Sehr gelungen finde ich die spannungsvolle Höhenstaffelung der einzelnen Gebäude. Auch ohne klassische Giebel konnten die einzelnen Parzellen lesbar betont und die Ecksituation ausreichend ausgearbeitet werden. Durch die mehrfache Staffelung werden die Gebäude außerdem elegant nach oben hin aufgelöst, ähnlich wie die „Wedding-Cake“ Häuser in New York. Das sieht mMn durchaus monumental und urban aus.


    Hoffentlich knüpft man im weiteren Verlauf der Bundesallee daran an, da diese breite Straße durchaus große Gebäude vertragen kann, wenn nicht sogar nötig hat.


    Nachtrag: Da hatten Markus40 und ich wohl den gleichen Gedanken zur gleichen Zeit :)

    Ich kenne Friedenau gut und liebe diesen Kiez. Dementsprechend entsetzt und traurig bin ich über dieses Bauvorhaben. Hier wird ein ganzes Quartier aus dem Boden gestampft als wäre es für die grüne Wiese am Stadtrand geplant und dann auf einmal mitten in Friedenau abgestellt worden. Es gibt null Bezug zur bestehenden Nachbarschaft hinsichtlich der Urbanität oder Körnung des Quartiers - von der architektonischen Qualität ganz zu schweigen.


    Stattdessen erinnert das Ganze eher an eine Gated Community, die sich parasitär in städtische Bestlage hinpflanzt während der umliegenden Nachbarschaft rein gar nichts zurückgegeben wird. Die Werbetexte auf der Website bedienen sich an den Qualitäten Friedenaus zur Vermarktung ihres Produkts während eben dieses Produkt die genannten Qualitäten des Kiezes rücksichtslos untergräbt. Die autofreie Planung halte ich auch für einen Fehler, da diese - zusammen mit der erhöhten Topographie und der fremdkörperhaften Bebauung - das Quartier nur noch mehr von der umliegenden Nachbarschaft abschottet.


    Für mich ist das Projekt ein Warnsignal für die städtebauliche Unfähigkeit unserer Zeit - als hätten wir seit den 70er Jahren nichts gelernt. Nur dieses mal entstehen solche anonymisierten Bauten aus dem Profitgier irgendwelcher Investmentgesellschaften, denen Berlin oder gar Friedenau völlig egal ist. Das ist Wohnraum als verantwortungsloses Wirtschaftsprodukt, bei dem der Mensch als Bewohner oder Stadtbürger vollkommen unter den Tisch fällt.

    Abriss der Autobahnbrücke am Breitenbachplatz

    Entwicklungsstadt berichtet in einem Artikel, dass der Abriss der Autobahnbrücke am Breitenbachplatz im Jahr 2024 erfolgen soll. Das Projekt soll anderthalb Jahre dauern.


    Zwei Ausführungsvarianten sind noch in Diskussion: Die erste Variante sieht einen Abriss der Brücke samt Schließung des Tunnels an der Schlangenbader Straße vor. Dadurch könnte die Verkehrsfläche am Breitenbachplatz auf nur eine Spur reduziert werden und eine 30mio. Euro teure Sanierung des Tunnels wird ebenfalls vermieden. Es ist jedoch unklar, wie der Verkehr in die umliegenden Straßen umgelenkt werden soll.


    Die zweite Variante sieht eine Weiternutzung der Autobahnüberbauung vor. Dafür müsste die Straße am Breitenbachplatz jedoch zweispurig ausgebaut werden, wodurch Aufenthalts- und Grünflächen verloren gehen.


    Damit der Abriss so schnell wie möglich erfolgt, sollen die Studien zu den beiden Varianten parallel zu den Abrissarbeiten erfolgen.


    Nachtrag: Im Tagesspiegel vom 30. Dezember wird erwähnt, dass die Bauarbeiten frühestens Ende 2024 beginnen werden. Ganz so zügig geht es also doch nicht voran.

    Oranienburger Straße 69

    Die Fassade des unter Ensembleschutz stehenden, stadtbildprägenden Eckhauses an der Oranienburger Straße aus dem Jahr 1886, gegenüber vom historischen Postfuhramt, soll bald in Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde nach historischer Vorlage rekonstruiert werden. Derzeit befindet sich das Gebäude aufgrund seiner entstuckten, dunkel verputzten Fassade in einem tristen Zustand.


    Die Sanierung wird eine riesige Aufwertung für das Gebäude sein und ich hoffe, dass dieses ambitionierte Projekt in Berlin Schule macht.


    Der aktuelle Zustand auf Google Maps


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    Eine historische Ansicht des Gebäudes konnte ich auf anhieb nicht finden.

    Gerne kann ich auf die zwei Begriffe näher eingehen.


    Unter "Schön" verstehe ich Gebäude, die aus einladenden, bestenfalls natürlichen Materialien gebaut sind. Sie sollten eine gekonnte, visuelle Abwechslung, Harmonie, Spannung und/oder Dramaturgie anbieten und in Bezug auf Form und Maßstab abhängig von der Bedeutung der inneren Funktion einen angemessenen Bezug zum Kontext und zum Menschen herstellen. Wichtige öffentliche Gebäude können also auch deutlich größer und auffälliger sein als umliegende Bauten aber durchschnittliche Nutzungen wie zB Wohnbauten sollten sich eher einreihen.


    "Urban" sind die Häuser, die individuell lesbare und an den menschlichen Maßstab angepasste Adressen bilden und entweder einzeln oder im Ensemble eine Durchmischung von Wohnen und Gewerbe ermöglichen. Die Vielfalt der Funktionen und Bewohner sollte durch Parzellen, architektonischer Unterscheidung, individuelle Hauseingänge und Läden repräsentiert werden während ein übergeordnetes, städtisches Organisations- und Gestaltungsprinzip respektiert wird, zB der städtische Häuserblock. Antiurban wäre ein monofunktionales Gebäude, das einen ganzen Block einnimmt und nur einen Eingang hat, von dem aus die innere Erschließung nur noch durch horizontale Gänge erfolgt und somit die Parzellenstruktur, Gestaltungsvielfalt und Funktionsmischung aufgelöst wird.

    Viel Glück bei der urbanen Mischung!

    Danke für das Bild. Das zeigt den Status-quo. Und eben diese Asphaltwüste lässt sich auch auf zwei Fahrspuren pro Richtung verschmälern, den Mittelstreifen könnte man für eine Straßenbahn umnutzen lassen und die übrigen Autostreifen zu einem Fahrradweg und einer Baumreihe auf beiden Seiten umfunktionieren - und die Gesamtbreite des Boulevards könnte sogar noch schmaler sein als derzeit. Wenn diese Straße nun von ansprechender Architektur gefasst wäre, die in ihrer urbanen Dichte ein Kontinuum mit dem Molkenmarkt herstellen würde und auch der Stadtraum zwischen Petriplatz und Schlossplatz mit schönen, urbanen Häusern nachverdichtet und umgebaut werden würde, hätten wir durchaus ein funktionierendes Stück Stadt. Ich merke schon: Hätte, hätte, Fahrradkette...

    Natürlich sind die Voraussetzungen da. Vor 100 Jahren war an gleicher Stelle eines der spannendsten innerstädtischen Plätze Berlins. Mich ärgert es, wie sehr unbefriedigende Zustände in den Städten achselzuckend akzeptiert werden. Gerade die hässlichsten Orte werden von der Politik und von den Bürgern als weiße Flecke auf der Stadtkarte einfach hingenommen, ganz nach dem Motto: "Jo ist halt versaut hier" oder "Städte sind nunmal oft hässlich". Nein, Städte müssen nicht hässlich sein und von innerstädtischen Autobahnen durchzogen werden. Es fehlt die Fantasie und der Wille, den ganz schlimmen Ecken in der Stadt langfristig eine Perspektive zu geben. Das gilt für Orte am und rund um den Alexanderplatz, für die Fischerinsel, Leipziger Straße, die Urania, Bundesallee oder viele andere von der Nachkriegsplanung ruinierte Stadträume. Stattdessen bastelt man an prominenten Orten wie zB die Friedrichstraße herum, die es eigentlich nicht so dringend nötig haben, nur um ein politisches Zeichen zu setzen.


    Um bei der Fischerinsel zu bleiben: Nur weil der Status-quo so aussieht wie er aussieht, heißt es nicht, dass aus der Asphaltwüste kein Boulevard mit Bäumen und einer urbanen Mischung aus Autos, Straßenbahn und Fahhradwegen werden kann. Nur weil eine Hand voll DDR-Hochhäuser auf der Wiese rumstehen, heißt es nicht, dass blockrandschließende, urbane Neubauten keine anspruchsvolle Architektur haben können und den Menschen wieder einen Grund geben, diese Gegend wieder aufzusuchen. Es fehlt auf politischer Ebene schlicht an Visionen, sowohl in Berlin als auch sonstwo in Deutschland.

    Schade, dass die Murals verschwinden werden und Kreuzberg somit eine Sehenswürdigkeit weniger hat. Zwar ist die Sanierung des schrecklichen Bestands eine große Aufwertung für die Ecke, doch muss der Entwurf so gesichtslos sein? Mal wieder 0 Inspiration an der Architektur zu erkennen. Weder lässt man sich von der benachbarten Oberbaumbrücke mit ihrem markanten, roten Backstein beeinflussen, noch interessiert man sich dafür, die Kreuzberger Kultur zu bewahren.


    Ich verstehe auch das Argument, dass Murals vergänglich sind und dies auch den Künstlern bewusst ist aber vielleicht hätte der neue Entwurf wenigstens irgendwo an der Fassade Potenzialraum für was Neues schaffen können?

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    Ich frage mich häufiger, in wie weit sich die Klimabilanz allein auf die graue Energie eines Gebäudes reduzieren lässt. Nehmen wir mal ein typisches Nachkriegshaus oder ein von dem Typus geprägtes Quartier in Berliner Innenstadtlage - typischerweise zurückversetzt von der Straße, freistehend und somit den Blockrand nicht ausnutzend. In solch einem Fall kann man dem Argument der grauen Energie einiges entgegensetzen. So würde ein blockrandschließender Neubau ggf. mit einem Querflügel im Hinterhof, der das Grundstück deutlich besser ausnutzt, mehr Wohnraum in innerstädtischer Lage schaffen. Die dort einziehenden Bewohner, die sonst einen Neubau in der Peripherie hätten beziehen müssen, brauchen somit kein CO2 emittierendes Auto und eine weitere Zersiedelung der Stadt wird verhindert. Vielleicht bietet der Neubau auch Gewerbeflächen, die die Nahversorgung verbessern und sich somit aufgrund verkürzter Wege auch positiv auf die Emission der umliegenden Anwohner auswirken. Kurz gesagt: Verdichtung ist auch eine Form von CO2 Einsparung, die aber aus irgendeinem Grund in der ganzen Debatte unbeachtet bleibt.


    Nicht zuletzt sind städtebauliche Verbesserungen durch Neubauten sehr gut für das soziale Klima und das psychische Wohlbefinden in einer Stadt. Wer sich an seinem eigenen Wohnort erfreuen kann, spart sich vielleicht auch die ein oder andere Urlaubsreise mit dem Flieger. Das Argument mit der grauen Energie ist für mich also etwas zu kurz gesprungen.


    Als Fallbeispiel für meine Argumentation fällt mir insbesondere die Luisenstadt oder Teile Schönebergs ein, die trotz innerstädtischer Lage sehr peripher wirken und aufgrund der lockeren aber gleichzeitig sperrig platzierten und somit schwer nachzuverdichtenden Bebauung untergenutzt bleiben und den Aufgaben eines urbanen Raumes nicht gerecht werden. Was passiert mit solchen Quartieren in der Zukunft? Bleibt der Zustand dieser Quartiere aufgrund des alleinigen Argumentes der grauen Energie als weißer Fleck auf der Stadtkarte zementiert? Ich glaube da verschenkt man große ökologische, soziale und städtebauliche Potenziale.


    Meiner Meinung nach sollte der Erhalt von Bausubstanz also nicht zum Dogma werden (so kommt es mir mittlerweile schon vor) sondern unbedingt mit den oben genannten Argumenten differenziert betrachtet und abgewogen werden.


    (Gerne den Beitrag in einen passenden Strang verschieben, wenn es einen gibt)

    Ich kann den Baunetz-Kommentaren nur zustimmen. Das Gebäude an der Straße finde ich furchtbar. Die unansehnliche, nackte Betonwand an der Tordurchfahrt wirkt wie eine Behelfskonstruktion, damit das ganze Gebäude nicht umkippt. Die optisch unbalancierte Komposition wird dadurch trotzdem nicht kompensiert, wodurch der Anblick der Fassade weiterhin Unbehagen auslöst. Man kann ja mit versetzten Volumen eine dynamische Komposition anstreben, aber auch derartige Gestaltungen müssen letztlich eine optische Balance haben.


    Nicht zuletzt besteht das ganze Ding aus abweisendem, dunkelgrauen Blech, wodurch das Gebäude wie ein abgestelltes Provisorium erscheint - ganz im Gegensatz zu dem tektonisch gegliederten, angenehm massiv erscheinenden Altbau daneben. Es ist schon krass, wie sehr der Neubau auffallen und hervorstechen möchte, der Altbau mit seinen haptischen Materialien und seiner elegant zeitlosen Komposition ihm jedoch trotzdem die Show stiehlt.