Beiträge von Architektur-Fan

    Auf dem Werbebanner sieht man hell-graues Fassadenmaterial. Tatsächlich haben die Fassaden jetzt gelben Sandstein bekommen. Dieser gelbe Sandstein erinnert ein bisschen an die Postmoderne.


    Eigentlich mag ich diesen gelblichen Farbton sehr. Und ich kann es auch nicht erklären, warum es so ist. Aber ich hätte es passender gefunden, wenn man die Fassaden im hellgrauen Farbton (wie auf dem Werbebanner) gehalten hätte.

    ^ Wenn hinter den fensterlosen Aussparungen wirklich eine Dachterrasse sein sollte, würde sich dadurch immerhin die Fläche für die Innenräume verringern. Also, ob das vermarktungstechnisch wirklich so viel bringt, erscheint fraglich.


    Oberhalb des fünften Geschosses gibt es den großen Rücksprung über die gesamte Länge des Gebäudes. Dort hätte man eigentlich genug Platz für die angesagte Dachterrasse, wo man im Sommer die coolen Grillpartys ausrichten könnte. Fairerweise wird man einwenden müssen, dass auf dem Rücksprung vermutlich nicht jeder Bewohner Zugang zur Terrasse haben wird, sondern nur die Bewohner des sechsten Geschosses.

    Bei der Diskussion über Betonung der Vertikalen in Hochhäusern muss ich immer daran denken, wie unangenehm es wirkt, (fehlende) Höhe durch Gestaltung auch wirklich darstellen zu wollen. Davon gibt es in Berlin einige Beispiele. ZB das Beisheim-Center und das Delbrück-Hochhaus am Potsdamer Platz.

    Ich verstehe nicht, dass du diese beiden Gebäude am Potsdamer Platz als Beispiele anführst. Denn gerade das Beisheim-Center und das Delbrück-Hochhaus wirken elegant und gelungen.

    Keine Weltstadt würde existieren, wenn man den Bestand nie in den Schatten gestellt hätte.

    Ich würde dir zustimmen, wenn es nicht um das Kulturforum gehen würde.


    Normalerweise gibt es in einem Stadtviertel maximal ein Gebäude als Solitär (z.B. eine große Kirche oder Denkmal oder ähnliches). Aber im Kulturforum hast du halt gleich mehrere Solitäre direkt nebeneinander. Das macht die ganze Sache so schwierig.

    Die Sankt Matthäus Kirche wirkt leider sowieso schon wie bestellt und nicht abgeholt an dem jetzigen Ort. Sie macht keinen Sinn mehr an dem Platz.

    Das ist jetzt aber eine steile These.


    Um die Sankt Matthäus Kirche und ihren Kirchplatz sind die Gemäldegalerie, das Kupferstichkanbinett, der Kammermusiksaal und das neue Museum der Moderne positioniert. Diese Kirche mit ihrem Kirchplatz gehört zu den wenigen Elementen im Kulturforum, die eine integrative Wirkung haben, weil sie die anderen Gebäude mit einem unsichtbaren Band zusammenhalten. Durch den Museumsneubau wird der Kirchplatz endlich zu einem richtigem Stadtplatz, der umschlossen bzw. gefasst ist. Dieser Kirchplatz wird vielleicht sogar das neue Herz des Kulturforums werden, mit hoher Aufenthaltsqualität (z.B. Außengastronomie). Das wird eine wunderbare Sache werden.


    Insofern machen Kirche und Kirchplatz sehr viel Sinn an dieser Stelle!

    Hätte man den Kasten aufs doppelte herausgehoben, wäre es wesentlich besser geworden und die Nachbarn würden sogar profitieren, auch wenn sie überragt würden.

    Hätte man den Kasten aufs Doppelte herausgehoben, würde die Sankt Matthäus Kirche erschlagen werden.

    Du hast mich nicht verstanden. Das Museum ist fehl an diesem Platz, fehl in dieser Gestalt und eigentlich nur um eine Sammlung zu beherbergen auch fehl konzipiert. Das Museum für die Kunst des 20 ten Jahrhunderts ist die Neue Nationalgalerie.


    Camondo, ich verstehe dich tatsächlich nicht.

    Zuerst übst du Kritik daran, dass die Fassade mit dem Lochmuster nicht gebaut wird. Und jetzt kritisierst du, dass das Museum ganz grundsätzlich fehl am Platz ist. Ich würde dich da um eine Konkretisierung bitten, was du eigentlich kritisieren möchtest . Ist es die Tatsache, dass man den ursprünglichen Entwurf mit der hochwertigeren Lochfassade verwässert hat? Oder ist es die das grundsätzliche Thema, dass man das Kulturforum an diesem Standort nicht hätte zubauen dürfen? Aber bitte nicht beide Themen miteinander verquicken.

    Die Postkartenansicht Spreeufer mit Bodemuseum und Fernsehturm, sah mit dem Wohnhochhaus und dem Grün am Ufer, immer nach Vorstadt aus ... Jetzt sieht es plötzlich nach Stadtmitte aus.

    Den ersten Schritt von der Vorstadt zur Stadtmitte hat man erfolgreich hinbekommen. Jetzt fehlt noch der zweite Schritt von der Stadtmitte zur Metropole. Dafür müssen noch ein Dutzend weitere Hochhäuser am Alex gebaut werden. Immerhin hat man Stand heute die Anzahl an Hochhäusern von einem auf zwei verdoppelt. : -) Man ist also auf dem richtigen Weg.

    ^ Soweit ich mich erinnere, haben sich Herzog und de Meuron dahingehend geäußert, dass sie die Änderungen am Entwurf inhaltlich mittragen und die Umsetzung der Änderungen als Herausforderung betrachten. Aber was sollen die Architekten auch anderes sagen? Jeder kann sich denken, dass sie lieber den ursprünglichen Wettbewerbsentwurf umgesetzt hätten.

    Ich freue mich nach wie vor auf die Fertigstellung und Eröffnung dieses Museums. Es wird dem Kulturforum gut tun. Und ich glaube auch, dass es von den Besucherzahlen erfolgreich sein wird. Aber es macht doch keinen Sinn, das Museum der Moderne als städtebaulichen Heilsbringer des Kulturforums zu betrachten.

    Eitle Solitäre aber kein Forum.

    Aber daran ändert doch die Ausgestaltung der Fassade dieses Museumsneubaus nichts!


    Das Kulturforum war immer schon eine Ansammlung von Solitären. Daran kann auch das neue Museum der Moderne nichts ändern. Ich weiß nicht, welche Erwartungen du an dieses Museum gehabt hast. Es war doch von Anfang an klar, dass der Museumneubau nichts an der problematischen Ausgangslage des Kulturforums ändern würde. Oder doch?

    Camondo

    Ob die Korrespondenz zwischen den Fassaden des Museumsneubaus und der Staatsbibliothek so viel gebracht hätte, wage ich zu bezweifeln. Immerhin gibt es zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Staatsbibliothek auch keine inhaltlich-architektonische Verbindung.

    ^ Nein, dein gezeigter Entwurf wäre eben nicht möglich gewesen, weil dieser das Kulturforum endgültig in die Luft gesprengt hätte.


    Mut alleine reicht nicht! Man muss auch ein Verständnis dafür haben, wie man mit den Rahmenbedingungen umgeht, um einen Museumsneubau in ein solch schwieriges Umfeld wie das Kulturforum einzufügen.