Beiträge von Architektur-Fan

    Um die Altbauten am Kanal mache ich mir keine Sorgen. Die Fassade dort ist gerade mal 26 Meter breit (wenn man Google Earth glauben darf), die historischen Nachbarn zwischen 30 und 18 Metern. Zum "Erschlagen" ist die Differenz zu gering.

    Ich hatte das "Erschlagen" nicht auf die Fassadenlänge bezogen, sondern eher auf die kastenförmige Kubatur.


    Und an der Hauptfassade in der Kurstraße gibt es gar keine Altbauten, die man erschlagen könnte

    Was für ein Glück, dass es da keine Altbauten mehr gibt!

    ^ Das letzte Bild zeigt das (nicht funktionierende) Zusammenspiel vom neuen Turm am Mailänder Platz und der Bibliothek. Die Bibliothek als Ankerpunkt des Quartiers hat diesen "Beton-Look". Und das kann ziemlich gut aussehen, wenn sich die umliegenden Bauten davon in Materialität und Aussehen absetzen. Wie stark hätte das gewirkt, wenn sich der neue Turm (z.B. durch eine Glasfassade) kraftvoll von der Bibliothek abgesetzt hätte! Hier wäre ein kraftvoller Gegensatz wünschenswert gewesen. In der jetzigen Ausführung kann sich der neue Turm allerdings nicht richtig von der Bibliothek absetzen. Der Turm am Mailänder Platz hat das gleiche graue Aussehen wie die Bibliothek und entwertet dadurch die Bibliothek. Die wie ein Monolith wirkende Bibliothek hat dadurch ihr Allein-stellungsmerkmal ("Beton-Look") verloren. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

    Die Dachkonstruktion gab es übrigens schon vor dem Krieg und ein Wiederaufbau war von Anfang an geplant:

    Leider ist es keine originalgetreue Rekonstruktion. Stattdessen wird ein kostensparender Dachaufbau errichtet, der dem wuchtigen Eingangsbereich in keinster Weise gerecht wird. Der Dachaufbau wird ohne eine abschließende Laterne errichtet. Dadurch wirkt die gesamte Konstruktion zu niedrig und bekommt eine gedrungene Wirkung.

    ^ Ich finde es bemerkenswert, wie harmonisch der Neubau (mit dem schwarzen Dach) die Dachform des Altbaus (mit dem roten Dach) übernimmt. Der Farbwechsel von rot zu schwarz stört mich überhaupt nicht. Ein wunderbarer Übergang in der Dachlandschaft. Das ist hier möglich, weil die fünf Vollgeschosse des Neubaus die gleiche Höhe aufweisen wie die vier Geschosse des Altbaus.

    Wikos, alexsb73

    Nach gründlicher Überlegung muss ich zugeben, dass ihr nicht ganz unrecht habt. Getreu dem Motto: Das Bessere ist der Feind des Guten. Man hätte sicher mehr rausholen können aus der Ecke. Für meine Bewertung ist allerdings nicht entscheidend, wie hoch der qualitative Durchschnitt im ganzen Quartier ist. Viel wichtiger ist, dass ein oder zwei richtige architektonische Knüller dabei sind. Ich hoffe halt, dass das ORO zünden wird. Wenn das ORO überzeugt, könnte man auch verschmerzen, wenn das Quartier an anderer Stelle schwächer ausfällt.

    Mittelmäßige Architektur wird unterm grünen Schleier versteckt ...

    Es ist umgekehrt. Die Architektur ist deswegen mittelmäßig, weil von Anfang an klar ist, dass die Begrünung große Teile der Fassade überdecken wird.


    Oder anders formuliert: der grüne Schleier überdeckt nicht die Architektur. Der grüne Schleier IST die Architektur.

    Wenn ich Ökoquartier schon lese dann weiß ich ja genau wessen Geistes Kind hier schreibt. Ökoquartier - was soll das überhaupt darstellen.

    Lieber Alexsb73,

    den Begriff "Ökoquartier" habe ich lediglich von meinem Vorredner Wikos übernommen. Falls dir der Begriff "Ökoquartier" zu polemisch erscheinen sollte, möchte ich dich bitte an Wikos verweisen. ;)

    Heute würde man das Areal wahrscheinlich völlig anders planen und ein sozial und funktional gemischtes Ökoquartier bauen. Jetzt sieht das Projekt mit seiner banalen Investorenarchitektur wie aus der Zeit gefallen aus.

    Du hast offenbar vergessen, dass am Tacheles über einen Zeitraum von 20 Jahren gar nichts passiert ist. Die Investoren haben um dieses Areal einen großen Bogen gemacht oder sind regelmäßig abgesprungen.


    Für die Vertreter der Subkultur mag dieses Areal sexy gewesen sein. Aber die privaten Entwickler haben das ganz anders gesehen. Das ist wieder ein typisches Beispiel, wo die Erwartungshaltung und die Realität weit auseinander klaffen. Wäre das aktuelle Projekt nicht umgesetzt worden, dann wäre am Tacheles gar nichts passiert. Dein Ökoquartier ist reine Träumerei.

    Grundsätzlich besteht ein Entwurf aus einer eigenständigen entwerferischen Leistung. Hier muss man sich allerdings fragen, worin die entwerferische Leistung besteht? Der aktuelle Stand dieses sogenannten "Entwurfes" macht eher den Eindruck, als ob es sich um eine bloße Sanierung handelt.


    Hier wird die alte Fassadengliederung einfach übernommen und lediglich in ein neues Kleid gesteckt. An die Fassade wird brauner Klinker rangeklatscht ... und ruckzuck sieht die ganze Sache wie neu aus. Das ist alter Wein aus neuen Schläuchen.

    Harris + Kurrle haben den Wettbewerb zur Erweiterung des Auswärtigen Amtes gewonnen

    ...


    http://www.baunetz.de/meldunge…en_in_Berlin_4760126.html

    Der von DickesB eingestellte Link zeigt den ursprünglichen Entwurf von Harris + Kurrle, der aus meiner Sicht deutlich besser war. Farblich an den nebenstehenden Altbau angepaßt. Und vertikal ausgerichtete Fenster, die über zwei Etagen geläufen wären. Das hätte dem ganzen Gebilde gut getan!


    Ich weiß nicht, was an dem aktualisierten Entwurf vielversprechendend soll? Die vertikale Betonung, die ja die entscheidende Änderung gewesen wäre, ist ganz offensichtlich einkassiert worden. Mich würde nicht wundern, wenn das eine Sparmaßnahme ist. Letztendlich bleibt es bei den horizonaten verlaufenden Fensterreihen, die für mich völlig unbefriedigend sind. An der Fassadengliederung wird sich nichts Grundlegendes ändern, da die bereits vorhandenen Strukturen 1:1 übernommen werden. Nur die Fassadenplatten werden ausgetauscht.

    Neben Berlin und Hamburg war es gefühlt eines der drei kreativen Zentren und hatte daher einen gewissen Coolness-Faktor zumindest unter jungen Leuten. Dies zeigte sich dergestalt auch in den Kennziffern z.B. beim Anstieg der Einwohnerzahlen.

    Du stellst einen Zusammenhang her zwischen dem Coolness-Faktor der Stadt einerseits und der Entwicklung der Einwohnerzahl andererseits.

    Nach dem Motto:

    In den 00er Jahren hatte Stuttgart coole Bands im Hop-Hop Bereich die Einwohnerzahl steigt.

    Stuttgart ist in den letzten Jahren nicht mehr so cool gewesen wie früher die Einwohnerzahl sinkt.


    Auch wenn die Kreativwirtschaft nicht zu unterschätzen ist, halte ich diese These für sehr gewagt. Wenn die Einwohnerzahl Stuttgarts heute sinkt, dann liegt das vor allem daran, dass diese Stadt einfach keinen Platz hat, um zu wachsen. Übrigens wurde das Sinken der Einwohnerzahl bereits vor vielen Jahren in demographischen Studien vorhergesagt.

    die Flächenversiegelung geschah dort schon vor ca. 150 Jahren.

    Dann muss ich einen Knick in der Optik haben. Ich sehe an dieser Stelle momentan eine unversiegelte Fläche.


    Die Fläche gilt als Rückhaltefläche für den zukünftigen Bedarf des Bundes. Deine nachvollziehbaren Argumente sind in diesem Fall nicht so valide.

    Dann versiegeln wir die Fläche halt! Bei dem Artensterben, das wir heute haben, kommt es auf die paar Quadratmeter im Spreebogen ohnehin nicht mehr an.

    Ich vermute, es liegt daran, dass der Bund eigene Flächen nutzt, bevor neu teuer angemietet wird. Dieses "Wäldchen" ist auch eher eine verwilderte Brache.

    Erstens verfügen verwilderte Brachen über eine hohe Biodiversität und leisten einen hohen Nutzen für die Stadtnatur.


    Zweitens fordert der Bund eine Verringerung der Flächenversiegelung. Der Bund hat das Ziel, die Flächenversiegelung bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag zu verringern. Quelle: https://www.bmu.de/themen/nach…enverbrauch-worum-geht-es. Dann soll die Verwaltung des Bundes auf ihren eigenen Flächen mit gutem Beispiel vorangehen.