Beiträge von Architektur-Fan

    Kein deutscher Bauherr und auch kein deutscher Designer hätte je so einen spektakulären Klotz in den hiesigen Grund setzen können.

    Wenn den deutschen Architekten die Raffinesse fehlt, müssen wir halt die raffinierte Architektur aus anderen Ländern nach Deutschland importieren.


    Deutschland exportiert Maschinen. Im Gegenzug importieren wir dann eben gute Architektur.

    Ich finde die Ostseite nicht so schlimm wie andere, aber der Übergang Reko-Ostfassade an der Südseite des Schlosses ist in meinen Augen vollkommen missraten. Hier wäre Efeu oder wilder Wein bzw. ein Baum segensreich.

    Ich kann es kaum glauben, dass ich selbst so etwas sage:


    Aber ich finde, dass die Übergange (sowohl an der Nord-, als auch an der Südseite) vom Barock zum glatten Beton erstaunlich gut aussehen. Schält sich der Barock aus dem modernen Beton? Oder schält sich der Beton aus dem Barock? Darf man die Betonwände überhaupt als "modern" bezeichnen? Handelt es sich hier um architektonische Moderne? An solchen Übergängen komme ich ins Straucheln, was die Einteilung in Epochen angeht.


    Irgendjemand in diesem Forum hat mal gesagt, wir würden in einer ganz neuen Stilepoche leben. Solche Übergänge machen diese neue Stilepoche sichtbar. Die althergebrachten Einteilungen funktionieren nicht mehr. Hybride Architektur ist ein Zeichen dieser Zeit.

    Altbau abreißen, weil man mit einem Neubau mehr Geld verdienen kann ... es gibt keinen Verlass, dass diese Rechnung aufgeht. Es könnte sogar das genaue Gegenteil richtig sein. Bekanntlich gilt für Wohnimmobilien: "Je oller, desto doller". Viele Käufer stehen auf sanierte Altbauten und geben dafür viel Geld aus. Wenn der Eigentümer also Geld verdienen will, müsste er doch gerade ein Interesse haben, den Altbau zu sanieren.

    Aber sind es denn de facto nicht dennoch mehrere Häuser? Gibt ja nicht nur ein Treppenhaus, sondern bestimmt 5. Die meisten Leute stehen aber letztendlich vor dem Endergebnis und sind nicht in Planung und Bau involviert. Ich hätte ja auch von "mehren Fassaden" reden können.

    Es geht ja nicht nur um die Erschließung. Es geht z.B. auch um das Verhältnis von Raumvolumen zu Außenfassade. Bei einem großen Gebäude ist dieses Verhältnis günstiger als bei mehreren kleinen Gebäuden.


    Zum Thema "Kostengünstiges Bauen" gibt es einen Leitfaden der Senatsverwaltung bzw. Wohnraumversorgung Berlin. Der Leitfaden trägt den Namen "10 Parameter für kostenguenstigen Wohnungsbau". Siehe z.B. Parameter Nr. 1: Form und Anordnung des Gebäudes.


    Hier der Link:

    https://www.stadtentwicklung.b…uenstigen_wohnungsbau.pdf



    Upper East, Kolle Belle, Mall of Berlin, die Anlage in der Württembergischen...Ein Projekt, mehrere Gesichter. Qualität und Optik mal wieder außen vor.

    Du sprichst von Upper East, ohne das Wörtchen "Side" zu nennen. Meinst du das Upper East Side an der Ecke UDL/Friedrichstraße? Bitte den Namen vollständig angeben. Sonst fängt man nämlich an, minutenlang zu googeln ... Upper West, Edge East Side, Upper East Side ... das sind unterschiedliche Projekte in Berlin, die alle ähnliche Namen tragen. Wenn dann nur ein Wörtchen beim Namen weggelassen wird, weiß der Gegenüber nicht mehr, welches Projekt damit gemeint ist. Und ich darf mir dann aus den Rippen ziehen, ob du jetzt das Upper East Side an der Friedrichstraße meinst.


    Im Übrigen halte ich das Upper East Side für außergewöhnlich gute Architektur. Das Upper East Side ist eines der besten Projekte, die in Berlin nach 1990 entstanden sind. Die Qualität ist enorm. Und die Optik ist auch enorm. Es wirkt traditionell, obwohl es keinen Figurenschmuck trägt. Gleichzeitig wirkt es zeitlos. Extrem hochwertige Ausführung. Keine fehlerhaften Proportionen. Der einzige Kritikpunkt: drei Teilfassaden für ein Projekt. So what?





    Nur etwas schade, dass es eben wieder ein Gebäude ist, statt 3 kleinerer.

    Ein großes Gebäude ist besser als drei kleine.


    Dazu ein Anekdote: Ich studiere Stadtplanung im 4. Semester. Im 2. Semster habe ich mal eine Entwurf präsentiert, bei dem ich einen Block in mehrere kleinere Teile aufgebrochen habe. Der Dozent kritisierte die zu kleine Stückelung. Der Dozent sagte zu mir: "Denken Sie immer an die Erschließung."


    Wenn du mehrere kleinere Gebäude hast, musst du mehr Fläche aufwenden für die Erschließung. Und zwar nicht nur für die äußere Erschließung (z.B. Zufahrtswege), sondern auch für die innere Erschließung (z.B. Treppenhäuser). Bei größeren Gebäuden ist die Relation von Erschließungsfläche zu Nutzfläche günstiger. Wir leben in Zeiten, in denen Wohnungsknappheit herrscht. Bauen muss rentabel sein.


    Daher begrüße ich ausdrücklich, was Jan85 in Beitrag #56 gesagt hat:

    "Man sollte sich besser langsam daran gewöhnen, dass in Berlin in größerem Maßstab gebaut und nachverdichtet wird. Wo sollen die dringend nachgefragten Flächen denn herkommen, wenn niemand bauen und schon gar nicht größer bauen soll."

    Für mich bleibt eine Frage immer noch unbeantwortet. Warum kann man diesen Stil, der hier am Hochmeisterplatz umgesetzt wurde, nicht auch in Berlin-Mitte umsetzen? In höherwertigerer Form. Mit verbesserten Proportionen. Ohne Styropor.

    Diese Wuchtigkeit hätte man auflockern können, indem man z.B. die Fassade im mittleren Abschnitt etwas anders gestaltet hätte.

    Ich wiederhole mich: besser wäre es gewesen, dieses Gebäude an anderer Stelle zu realisieren. Hier am Hochmeisterplatz hätte man den Vorgängerbau aus den 20er-Jahren erhalten und renovieren können. Den wuchtigen Neubau stattdessen in die Wilhelmstrasse / Friedrichstadt / Dorotheenstadt setzen. Dort würde ich mir solche Gebäude wünschen.

    Es gibt auch Leute, die kritisieren immer die Patschkekisten. Egal, wo man die Patschkekisten hinstellt. Deswegen bringt es auch nichts, einen fairen Deal auszuhandeln. Mit fairem Deal meine ich, dass man sich darauf einigt, in bestimmten Bereichen nur bestimmten Architekturstile zu realisieren.


    Das würde bedeuten, dass man sich einigt:

    - im Bereich X nur 20er Jahre-Stil.

    - Dafür im Bereich Y nur Styropor-Reko-Stil.


    Ein solcher Deal würde aber nicht funktionieren, weil dann irgendwelche Schlaumeier um die Ecke kommen und sagen: "Also, diesen merkwürdigen Styropor-Reko-Stil darf es eigentlich nirgends in der Stadt geben. Auch nicht im eigens dafür vorgesehenen Bereich Y". Auf diese Verhinderungstaktik reagieren die Traditionalisten, indem sie im 20er-JAhre-Umfeld des Hochmeisterplatzes eine Patschkekiste hinstellen. Das ist dann die Rache für die zuvor erfolgte Verhinderungstaktik an anderer Stelle.

    Vielleicht sind die Projektleiter der Immobilienfirma früher gern durch die Mittelallee "Alt Berlin" im Phantasialand (Brühl) geschlendert und denken sich: So ein Klassizismusverschnitt der passt in Berlin eben an jede Ecke, so wie Currywurschtbuden.


    Das Blöde ist aber dass das hier umgebende Viertel von dem sachlich, eleganten Stil der 20er Jahre geprägt ist ( gut die Nachriegsbauten sind leider wiederum zu schlicht geraten... ) und sich somit der Block hier so gut einfügt wie Oliven auf einer Schwarzwälder Kirschtorte.

    Man hätte sich ja darauf einigen können, dass man diesen Neubau nicht am Hochmeisterplatz, sondern im Bereich Pariser Platz / Wilhelmstraße errichtet. Dort sind momentan zwei viel diskutierte Bauprojekte am Entstehen. Und genau dort hätte dieser Klassizismusverschnitt hingepasst.

    Ich bin ehrlich gesagt etwas geschockt... für dieses Monstrum wurde nun das schöne alte Postgebäude aus den 20er Jahren plattgemacht.

    Der Neubau ist kein Monstrum, weil er sehr stark durch verschiedene Fassadenelemente gegliedert ist. Würde dieser Bau in Paris stehen, würdest du ihn wahrscheinlich in den siebten Himmel loben.

    1. Der diagonale Bruch. Es gefällt mir nicht, dass die eine Kante des Bruches sauber und die andere gezackt ist. .

    .....

    2. Der massive "Kopf" des Gebäudes. Je länger ich den Kopf betrachte, umso mehr habe ich den Eindruck, dass da etwas von den Proportionen her nicht stimmt.


    zu 1) Der diagonale Bruch ist ein Highlight. Von mir aus dürfte der Bruch auf beiden Seiten gezackt sein.


    zu 2) Ja, der Kopf könnte ein Problem werden. Aber die gläserne, zurückgesetzte Abtrennung heilt die unstimmigen Proportionen wieder. Das Gebäude ist ja nicht aus einem Stück, sondern besteht letztendlich aus zwei Teilen. Zwischen dem unteren und oberen Teil befindet sich dieses zurückgesetzte Stück aus Glas. Wer wissen will, was unstimmige Proportionen sind, sollte sich den Kleeblatt-Entwurf von Gehry für den Alexanderplatz ansehen. Im Vergleich dazu sind wie hier noch lange im grünen Bereich.


    Das einzige Problem sehe ich darin, dass die Bebbauung an der Strassenkante der Lewishamstraße nicht richtig nach Norden weitergeführt wird. Der Entwurf lässt das vermuten. Eine weitere Fassade. Und dann das abrupt Ende.

    Die grobschlächtig, unsensible Gestalt des Entwurfs erinnert mich an die frühere Wirkung der Spätmoderne.

    Ich finde überhaupt nicht, dass der Entwurf grobschlächtig ist. Der Entwurf ist dominant. Und dominant darf er an dieser Stelle auch sein. Was ist so verkehrt daran, an der nördlichen Seite des Adenauerplatzes einen markanten Schlusspunkt zu setzen? Die Realisierung des Entwurf würde dazu führen, dass der Adenauerplatz an der Nordseite besser gefasst wäre. Der Adenauerplatz wäre als städtischer Platz deutlich besser erfahrbar als bisher. Bislang weiß man doch gar nicht, wo der Adenauerplatz in diesem Bereich eigentlich aufhört bzw. anfängt.


    Spätmoderne? Vulgär-ungestalte Neubauten? Ich erhoffe mir von diesem Entwurf einen Effekt wie beim neuen Kudamm-Eck. Elegantes Weltstadt-Flair.

    ^ Die Grundrisse bei Romeo und Julia sind nicht alltagstauglich, weil fast jede Wand schief ist. Offenbar hatte Hans Scharoun eine Allergie gegen 90-Grad-Winkel. Wie soll eine Wohnung möbliert werden, wenn (fast) jede Wand schief ist? Die Möbelhersteller produzieren Möbel, die für Wohnungen mit 90-Grad-Winkeln gedacht sind.


    Das ist die Schwierigkeit. Man kann gute Ideen haben. Aber gute Ideen müssen auch umsetzbar sein. Wenn Grundrisse schiefe Winkel haben, gehen die Baukosten sofort nach oben.

    Was die Musterfassade angeht:

    Die schwarze Umrandung des Fensterbereiches irritiert mich. Aus welchem Material besteht diese schwarze Umrandung? Und warum schwarz? Warum sind nicht alle Bereiche in der gelb-bräunlichen Farbe gehalten?


    P.S: Seit das technische Layout hier verändert worden ist, kriege ich es nicht mehr gebacken, einen anderen Beitrag anständig zu zitieren. Eigentlich wollte ich hier ein Bild aus dem Beitrag von ElleDeBe zitieren. Klappt leider nicht. Und diese merkwürdige Verlinkung im Beitrag lässt sich irgendwie auch nicht mehr löschen. Das Handling hier war jedenfalls früher einfacher.