Beiträge von Architektur-Fan

    Wundert mich, dass der Entwurf von Kleihues so positiv bewertet wird. Den Entwurf empfinde ich als viel zu kantig und grobschlächtig. Der Turmabschluss ist furchtbar, weil er wie eine Bauruine aussieht. Will man beim Turmabschluss tatsächlich auf die Nutzung durch Geschossfläche verzichten? Oder hat man da einfach nur vergessen, die Fenster einzusetzen? Die oberen beiden Geschosse des Sockelgebäudes (mit den Loggien) sollen wohl ein Pendant zum Turmabschluss darstellen, indem sie dessen gestalterisches Motiv aufnehmen. In gestalterischer Hinsicht empfinde ich diese Loggien als völlig misslungen.

    Ich würde gerne wissen, wie wichtig die AMLA-Standortentscheidung (für Frankfurt) im Vergleich zur EBA-Standortentscheidung (für Paris) ist? Welche der beiden Institutionen ist wichtiger? Ist die Ansiedlung der AMLA in Frankfurt oder der EBA in Paris wichtiger im Wettbewerb der europäischen Finanzplätze untereinander?

    Der Staab-Turm erinnert mich immer wieder an einen freistehenden Glockenturm (Campanile), wie er in Italien häufig zu finden ist. Das ist durchaus als Kompliment gedacht. Die Sache hat nur einen Haken. Während ein Campanile Bezug zum zugehörigen Kirchenschiff nimmt, kann der Staab-Turm keinen Bezug zu den weiteren Teilen des Neubaus nehmen, da man diese ja leider unter der Erde untergebracht hat.


    Aus meiner Sicht steht der Staab-Turm bezugslos in der Gegend herum. Ich verstehe nicht, warum die durchaus gelungene Sheddach-Architektur des älteren Teils nicht einfach aufgenommen und diese bis zur Klingelhöferstraße Straße hin weitergeführt hat. Das Ganze hätte man dann mit einem solch gut gemachten Turm kombinieren können.


    Als erste Zutat bringt man große Teile des Neubaus unter die Erde (Sitchwort: Bunker-Architektur). Als zweite Zutat produziert man auf der EG-Ebene nicht-gefasste Freiflächen (Stichwort: Marx-Engels-Forum). Als dritte Zutat setzt man eine zur Adressbildung benötigte Dominate (Stichwort: Campanile) vorne an die Straße.


    Fazit: Auch wenn einige Teile (insbesondere der Turm) gut geworden sind, wirkt für mich die gesamte Komposition unstimmig und unausgereift.

    ^ Ich finde die CDU-Zentrale (mit der Form eines Schiffs hinter Glas) überhaupt nicht abweisend. Und das Haus der Kreislaufwirtschaft ist sicher keine Schönheit, aber als abweisend würde ich es dennoch nicht bezeichnen. Das KPMG-Gebäude hat tatsächlich ein ziemlich abweisendes Erdgeschoss; trotz der horizontalen Betonung finde ich die Glasfassade nicht schlecht. Das Heydt-Eins (https://www.noefer.de/de/projekte/heydt-eins/) kann man gerne als Kitsch bezeichnen, ich kann mit dem Kitsch gut leben.


    Bevor wir jetzt jedes einzelne Gebäude im Umfeld bewerten:

    Vor 25 Jahren waren Klingelhöfer-Dreieck und Köbis-Dreieck noch wüste Fläche. Und heute ist es gefasster Stadtraum. Dabei mag nicht jede Fassade überzeugen. Dennoch ist der hier umgesetzte Städtebau deutlich besser der Städtebau südlich des Landwehrkanals in Richtung Nollendorfplatz und Wittenbergplatz, wo die Nachkriegsarchitektur des alten West-Berlin ihre hässliche Fratze zeigt.

    Oranien, Ziegel,

    Was das Thema "unwirtliche Umgebung" angeht:

    Sowohl das Klingelhöfer-Dreieck, als auch das Köbis-Dreieck haben die Umgebung aufgewertet. In Richtung Osten geht der ganze Bereich zwischen Tiergartenstraße (im Norden) und Von-der-Heydt-Straße / Reichpietschufer (im Süden) ins Diplomatenviertel über mit Botschaften, Landesvertretungen, Stiftungen usw.. Unwirtlich wird es eigentlich nur dann, wenn man sich über den Lützow-Platz in Richtung Süden ins alte West-Berliner-Zentrum bewegt. Ansonsten scheint mir die Gegend nicht so unwirtlich zu sein.

    klangraum

    Wie kommst du nur darauf, dass der erste Kolllhoff-Plan nicht dazu geeignet gewesen sein soll, um Investoren zum Bau von Hochhäusern anzuregen? Der erste Kolllhoff-Plan war deutlich investorenfreundlicher als alle Änderungen, die später am Plan vorgenommen worden sind.


    Vermutlich zielst du darauf ab, dass es damals keine Investoren gegeben hat, die den ersten Kollhoff-Plan umsetzen wollten. Das ist natürlich richtig. Das lag aber schlichtweg daran, dass in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre und der ersten Hälfte der 2000-Jahre alle großen Immobilienentwickler und Kapitalgeber einen großen Bogen um Deutschland gemacht haben. In dieser Zeit war deutschlandweit Flaute angesagt. Mit dem Alexanderplatz im allgemeinen oder dem Kollhoff-Plan im speziellen hatte diese Entwicklung wenig zu tun. Auch in Frankfurt wurden in dieser Zeit nur wenige Hochhäuser gebaut.

    ^

    Indem man die ursprünglich angedachte Höhe der am Alex geplanten Hochhäuser reduziert hat, hat man die Kalkulation für die Investoren weniger attraktiv gemacht. Dieses Vorgehen bezeichne ich als Abwürgen von Investitionen.


    Lass mich raten:

    Als nächtes wirst du wahrscheinlich die Frage stellen, wo und wann und durch wen man am Alexanderplatz jemals die Höhe geplanter Hochhäuser reduziert hat. Stimmt's?

    ^ Was erhoffst du dir von einem neuen Masterplan?


    Ein neuer Masterplan wird überhaupt nichts bringen, solange die Protagonisten, die im Brei herumrühren dürfen, die gleichen bleiben. Die Stadtpolitiker, die ja ein bestimmtes politsches Spektrum bedienen, werden auch in Zukunft am Alexanderplatz Investitionen abwürgen, die Höhe für angedachte Hochhäuser so weit wie möglich reduzieren und den völlig verkorksten Städtebau aus der DDR-Zeit schützen.

    Der Verlust an Verkaufs- / Mietfläche wäre erheblich; weshalb ich mir nicht vorstellen kann, wer so viel Geld ausgeben wollte, um den historischen bzw. auch nur einen annähernden Zustand wieder herzustellen.

    Ja, der Verlust an Verkaufs- und Mietfläche wäre erheblich. Aber die Verkaufsfläche ist eben nicht das einzige Argument. Warenhäuser - wie der gesamte Einzelhandel - müssen sich heutzutage gegen den Internethandel behaupten. Die Warenhauskonzerne müssen die Leute dazu bringen, dass die Leute unbedingt in die Warenhäuser gehen wollen. Beim Artikelpreis kann das Warenhaus ohnehin nicht mit dem Internethandel mithalten. Wenn man mit dem Onlinehandel konkurrieren will, muss man das Einkaufen zu einem besonderes Erlebnis machen. Insofern kann eine Steigerung der Attraktivität durch Wiederherstellung des Originalzustands im prächtigen Jugendstil auch ein Faktor sein, der sich in einem Gesamtkonzept rechnet.

    Das einzige stichhaltige Argument für den Erhalt des Hauses der Statistik war und ist der Erhalt des sozialistischen Gesamtensembles. Wenn man jetzt konsequent wäre, müsste man an anderen Stellen der Stadt gleichermaßen konsequent auf Gesamtensembles setzen. Und zwar auch dann, wenn es keine sozialistischen, sondern historische Gesamtensembles sind. Stichwort: Schlossumfeld. Aber ich fürchte, da ist dann plötzlich alles anders!


    Während man beim Haus der Statistik jedes andere Argument für das sozialistische Gesamtensemble geopfert hat, werden die gleichen Protagonisten aus der Stadtpolitik plötzlich ganz viele Argumente aus dem Hut zaubern, warum es im Schlossumfeld auf gar keinen Fall ein historisches Gesamtensemble geben darf.

    Mag sein, dass sich die Neubauten der Bötzow Brauerei gut einfügen. Schwierig ist allerdings der Gebäuderiegel zwischen den aktuellen Neubauten und dem Soho. Direkt an der Straße der langezogene Bau, der leider viel zu niedrig ist. (Ist da ein Sportstudio drin?). Dahinter dann der Altbau mit dem Leuchtturm. Das sieht alles richtig gut aus. Aber es fehlt halt die einheitliche Blockkante zur Straße hin.


    Mein Einwurf soll das Ergebnis des aktuellen Projekts nicht schmälern. Ist schön geworden.

    Genau! Dass der öffentliche Raum mit seinen Straßen und Plätzen noch nicht durchprivatisiert ist, ist ein unerträgliches Relikt staatlicher Übergriffigkeit? ... Freie Platzparzellen- und Straßenabschnittsnamenwahl für freie Bürger!

    Wenn Oranien damit recht haben sollte, dass der Platz ein Privatgrundstück ist, dann ist es eben KEIN öffenlicher Raum. In diesem Fall wäre es dann ein halb-öffentlicher Raum, für den andere Regeln gelten als für den öffentlichen Raum. Damit würde auch das von ElleDeBE vorgetragene Argument (inklusive Schnappatmung) ziemlich ins Leere laufen.

    Uff, ganz schön dicke Brummer. ... Mir fehlt da irgendwie der Bezug zum Umfeld.

    Warum sollte der Bezug zum Umfeld fehlen? Das Umfeld besteht doch auch aus riesigen Gebäuden. (Neue) dicke Brummer werden in ein Umfeld mit (alten) dicken Brummern gestellt. Die Aufgabe des Einfügens ist somit zu 100 Prozent erfüllt. Die Kubaturen müssen wuchtig sein, damit es im Vergleich mit den riesigen Plattenbauten nicht untergeht. Mit gefallen die Visualisierungen ausgesprochen gut. Und ich hoffe, dass es genau so umgesetzt wird.

    Ich finde schon, dass das Thema graue Energie ein äusserst wichtiges Thema ist und keinesfalls überzogen.

    Natürlich ist das Thema graue Energie wichtig. Aber dieses Thema sollte nicht dazu benützt werden, um die Rücknahme von städtbaulichen Fehlern früherer Jahrzehnte zu verhindern. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Argument der graue Energie wie ein Etikettenschwindel wirkt.