Beiträge von Architektur-Fan

    Dekoratives Anführungszeichen

    Holzmarkt 66 ist Eisenhüttenstadt 1975.

    Vor 100 Jahren hätte auch niemand gedacht, dass die Völklinger Hütte mal ein geschütztes Kulturdenkmal der Menschheit sein wird. Und tatsächlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass Eisenhüttenstadt in 100 Jahren ebenfalls zum UNSECO-Weltkulturerbe gehören wird. Immerhin ist Eisenhüttenstadt eine am Reißbrett geplante Industriestadt. Mit ihrer Entstehungsgeschichte hat Eisenhüttenstadt ganz sicher ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen andern "normalen" Städten, was Eisenhüttenstadt zu etwas Besonderem macht.

    ^ Es wird Bewohner und Touristen anziehen. Aber halt nicht heute, sondern in 30-40 Jahren, wenn die Moderne wieder in Mode gekommt ist. :- )

    Ernsthaft: Ein Hochschul-Professor der Stadtplanung sagte mal in einer Vorlesung, dass architektonische Epochen etwa 80 Jahre nach ihrer Blüte wieder in Mode kommen. Folglich wird die Moderne der 1970er um das Jahr 2050-2060 wieder bei Bewohnern und Touristen beliebt sein.

    ^ Wie kommst du darauf, das ich das Gebäude abqualifizieren würde?

    Das Gebäude finde ich cool und bewerte es positiv. Wenn ich versuche, das Gebäude in Bezug auf den Architekturstil einzuordnen, dann trägt das keinerlei Motivation einer Abqualifizierung. Daher verstehe ich nicht, was an der Einordnung als "Retro-Moderne" negativ sein soll. Zumal in früheren Beiträgen in diesem Thread ja explizit über eine (mögliche) Bezugnahme zu den Pavillons der Ostmoderne an der Karl-Marx-Allee diskutiert worden ist.

    Ich lasse mich aber auch gerne belehren und bin daher bereit, andere Einordnungen bzgl. der Achitekturepoche zu übernehmen. :- )

    ^ Das Argument kann ich nachvollziehen, dass es kleinstädtisch wirkt. Das ist mir aber erst aufgefallen, nachdem du es erwähnt hast. Deswegen möchte ich mal die Frage stellen: Was hätte man denn bei diesem Projekt anders machen müssen, damit es nicht kleinstädtisch, sondern großstädtisch wirkt?


    Nachtrag:

    "Warum zB. keinen Turm mit Torsituation zum JaHo? Einen flachen Sockel zu den Bestandstürmen hätte man auch so machen können."

    Der Verzicht auf einen Turm ist nicht per se kleinstädtisch.

    Dieses Projekt ist ein weiteres Beispiel für die Retro-Moderne, die am Alexanderplatz ja gerade schwer am Boomen ist.

    Nach anfänglichem Fremdeln finde ich mittlerweile auch die gelben Kacheln gut, weil man mithilfe dieses Gestaltungselementes den Retro-Stil konsequent durchzieht. Sehr gelungen finde ich den kleinen Pavillon, der ja ebenfalls mit den gelben Kacheln gestaltet ist. Ich frage mich allerdings, warum man vor dem Pavillon dieses durchsichtige, halbrunde Zelt als temporären Aufenthaltsort aufgebaut hat. Wenn es im Winter kalt ist, hat man doch den Pavillon zum Verweilen, oder nicht?

    Übrigens: Das Gebäude besitzt keine Verjüngung durch ein zurückgesetztes Dachgeschoss. Genauso wenig, wie die neuen Hochhäuser am Alex eine Verjüngung am oberen Ende besitzen. Das ist kein Zufall.

    Tolles Ergebnis bei der Neustädtischen Kirchstraße 4-5. Aber leider muss ich etwas Salz in die Suppe streuen.

    Die Ausführung des Mansarddaches und der Dachgauben ist etwas enttäuschend, da man hier weit hinter den gestalterischen Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Es kommt in Deutschland so häufig vor, dass die Dachlandschaft bei prächtigen Altgebäuden häufig stiefmütterlich behandelt wird. Die Umsetzung am Dach wirkt uninspiriert und wird der städtebaulichen Verantwortung dieses Projekts nicht gerecht.

    Dekoratives Anführungszeichen

    150m wirken doch nochmal anders als 130m.

    Das Problem ist halt, dass die 150 Meter an der falschen Stelle stehen. Der Capital Tower - als höchster Turm - wird am Rand des neu entstehenden Hochhaus-Clusters stehen. Nach meinem Empfinden wäre es optisch viel ansprechender gewesen, wenn man den höchsten Turm in der Mitte des neuen Clusters gebaut hätte. Und das wäre nicht der Capital Tower, sondern der Covivio-Turm gewesen.

    Vom Fernsehturm aus gesehen wird das neue Hochhaus-Cluster so aufgebaut sein:

    LINKS (Nord-Westen) -- Mynd-Tower 146 m -- Park Inn 125 Meter -- Covivio-Turm 130 m -- Capital Tower 150 m -- RECHTS (Süd-Osten)

    Fazit: An den Rändern des neuen Clusters werden die höchsten Türme stehen, was optisch suboptimal ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man an den Rändern die niedrigsten Türme positioniert hätte, damit das Cluster in Bezug auf die Höhenstaffelung zu den Seiten hin geschmeidig hätte auslaufen können.

    Ich sehe die Wiederaufnahme der Bauarbeiten mit gemischten Gefühlen.

    Einerseits ist es gut, dass es weitergeht. Andererseits bin ich vom bisherigen Entwurf nicht überzeugt.

    Nehmen wir mal an, es wäre hier nicht weitergegangen. Ich glaube nicht, dass damit ein Hochhausprojekt an dieser Stelle für alle Ewigkeiten gestorben wäre. Aber vielleicht hätte es in fünf Jahren einen neuen & besseren Entwurf gegeben. Mit einer Architektur, die sich stilistisch stärker an der Neo-Moderne der beiden anderen neuen Hochhäusprojekte orientiert hätte.

    ^^ "Absurd dominierend"

    Ich empfinde es so, dass der dominierende Effekt eigentlich nur durch das helle Dach zustande kommt. Es wäre interessant, wenn man sehen könnte, wie das Gebäude mit rotem Dach wirken würde. Wäre das Dach rot, würde das Gebäude wahrscheinlich deutlich weniger auffallen.

    Ansonsten wäre noch die französische Prägung der Architektur zu erwähnen. Klassischer Hausmann-Stil mit Mansarddach. Mir gefällt's.

    ^ und ^^

    In Berlin gibt es genug Ecken, die "geerdet" sind. Wo ist das Problem, wenn auch mal "neureiche" Architektur gebaut wird? Ein interessanter Hingucker ist das Gebäude auf jeden Fall.

    Es muss nicht überall so schmucklos wie im Europaviertel aussehen. Diese Stadt ist groß genug, dass auch mal so etwas gebaut werden kann. Unsere Architektur-Intellektuellen werden diese "neureiche" Pille schlucken müssen. :- ) Und das ist auch gut so!

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich bitte um mehr Details warum dies eine „Topf mit Deckel“ Situation darstellen soll.

    … und es erklärt nicht Deinen Gesinnungswandel, denn die Situation ist so seit mindestens einem Jahr bildhaft vorstellbar.

    Dein Beitrag stammt zwar bereits vom 27. September, aber erst jetzt finde ich die richtigen Worte und Bilder, um auf deinen Beitrag zu antworten.

    Keine Frage, bildhaft vorstellbar ist der Turm schon seit längerer Zeit. Aber es ist halt ein großer Unterschied, ob man ein Rendering als Anschauungsmaterial zur Verfügung hat, oder ob man ein Foto der gebauten Realität angucken kann. Damit meine ich die Bilder von Merlin und Bauhelmchen aus dem Thread zum Covivio-Hochhaus, wo man konkret sehen kann, dass das neue Hochhaus vom Style her perfekt mit der Weltzeituhr und dem Haus des Reisens zusammenpasst. Solche atmosphärischen Situationen kann im Vorfeld kein Rendering richtig rüberbringen. Da kann das Rendering so hochwertig gemacht sein, wie es will. Ob am Ende tatsächlich eine "Topf mit Deckel“-Situation entsteht, sieht man halt erst, wenn wirklich gebaut wird.

    Ich hab ja lange Zeit auch Hochhäuser im nordamerikanischen Art-Deco-Stil präferiert. Aber eine solche Umsetzung hätte nicht zu dieser stilistischen Stimmigkeit geführt, wie sie jetzt am Alexanderplatz entsteht. Mein Eindruck ist, dass sich mit den jetzt realisierten (neo)-modernen Hochhäusern stilistisch etwas zusammenfügt.

    Dekoratives Anführungszeichen

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    Alle Bilder von mir © Merlin

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    [Bilder © bauhelmchen 2026]

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    Bitte an Moderator: Der Beitrag ist vermutlich im allgemeinen Thread zum Alexanderplatz besser aufgehoben. Bei Bedarf bitte dorthin verschieben.

    Tropfnase Mir ist nicht klar, was du mit der ausgefransten Terrassenausbildung meinst. Könntest du das bitte näher erläutern, was du damit meinst.

    Auf den ersten beiden Bildern von Merlin kann man gut erkennen, dass der neue Turm bei nächtlicher Beleuchtung eine ganz erstaunliche Tiefenwirkung erhält, die ich in dieser Form nicht erwartet hätte.

    In Bezug auf den Alexanderplatz: Als Anhänger traditioneller Stil-Epochen, der der Moderne eher skeptisch gegenüber steht, bin ich schon überrascht, wie gut die neuen Fassaden aussehen. Die architektonischen Ergebnisse emfinde ich als verblüffend gut. Irgendwie surrreal, weil ich nicht weiß, ob mich irgendjemand verar***en will. Plötzlich hat man das Gefühl, dass am Alexanderplatz die verschiedenen baulichen Entwicklungen ineinander greifen. Ich hatte eine so positive Entwicklung nicht für möglich gehalten. Aber man lässt sich gerne mal eines Besseren belehren. :- )

    Die Vorderseite bzw. Hauptseite des Memi (siehe Beitrag #281) mit seinen Abstufungen in der Fasssade hätte durchaus Potenzial für eine große Fassadenbegrünung. Vielleicht könnte man mit einer hochwertigen & anspruchsvollen Fassadenbegrünung aus dem hässlichen Entlein einen spektakulären Hingucker machen.

    ^ Du kannst nach eigener Aussage keinen „baulichen Missstand“ erkennen, der gewollt herbeigeführt worden wäre durch den Bau des Hauses der Elektroindustrie.

    Dass das Haus der Elektroindustrie (sprich: der TLG-Riegel) bereits zu DDR-Zeiten errichtet wurde als Teil der Hauptstadtplanung der DDR, schließt das Vorliegen eines städtebaulichen Missstands nach dem BauGB keineswegs aus. Das Städtebaurecht bewertet Zustände anhand heutiger funktionaler Anforderungen und nicht nach dem historischen Entstehungskontext.

    Die Tatsache, dass ein städtebauliches Defizit – wie die fehlende Durchwegung – erst durch die städtebaulichen Veränderungen nach der Wende zu einem realen Problem wurde, stellt sogar den rechtlichen Regelfall bei der Feststellung eines Missstands dar. Es ist der Regelfall, dass ein städtebaulicher Missstand erst durch veränderte Rahmenbedingungen und neue Planungen in einer Stadt entsteht, weil das Besondere Städtebaurecht gem. §§ 136 ff. BauGB ein zukunftsorientiertes Gestaltungsrecht ist und kein rückwärtsgewandtes Gewohnheitsrecht.

    Immerhin kann man folgende positive Zwischenbilanz ziehen:

    Seit der Wende gab es noch niemals soviel bauliche Dynamik am Alexanderplatz (mitsamt dem Umfeld) wie heute. Man hat den jahrzehntelangen Stillstand endlich überwunden. Endlich tut sich was in der City Ost!