Beiträge von Architektur-Fan

    ^ im Grunde hast du recht. Die Probleme gäbe es nicht, wenn man gar keine Hochhäuser bauen würde.


    Vielleicht braucht der Alexanderplatz eine Grundsatzentscheidung. Entweder gar keine Hochhäuser oder richtig hohe Hochhäuser. Aber nichts dazwischen. Die 120-150 Meter sind halt so eine merkwürdige Zwischenhöhe. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.


    [mod]Auch dieser Thread bekommt eine kleine Pause, da es sich hier nur noch im Kreis dreht... [/mod]

    Fassen wir nochmal zusammen:


    Baukörper begründet in Beitrag #1469 die aktuellen Entwicklungen auf der Fischerinsel mit dem Argument der Sozialverträglichkeit.

    Es geht nicht um die Wiedererrichtung der leider längst verloren gegangenen kleinteiligen Altstadt, die dann wohl eher nur hochpreisigen Wohn- und Gewerberaum bieten würde, sondern um eine möglichst sozialverträgliche und, gerade im Bezug auf den Wohnraummangel, möglichst effiziente Bebauung.


    Allerdings durchkreuzt alexsb73 diese Argumentation, indem er in Beitrag #1475 davon spricht, dass selbst die DDR-Hochhäuser in der Leipziger Straße mittlerweile Wohnraum für Bundestagsabgeordnete und Zweitwohnungen für Wohlhabende darstellen.


    In der Leioziger Straße wohnen durchaus Menschen die man als Wohlhabend bezeichnen könnte…mal in die Hochhäuser der Leipziger Straße geschaut? Das sind zum Teil Wohnungen für Bundestagsabgeordnete, Zweitwohnungen von Wohlhabenden, dazu eine Vielzahl von Hotels etc wo auch Menschen unterkommen die sich das leisten können…


    Ich sehe da einen gewissen Widerspruch. Man baut also Architektur im DDR-Style und begründet dieses Vorhaben mit der Sozialverträglichkeit. Und am Ende wohnen in diesen DDR-Bauten doch wieder nur Bundestagsabgeordnete und Wohhabende.


    Genauso wird es auch auf der Fischerinsel laufen. Im Jahr 2022 baut man auf der Fischerinsel Platten im DDR-Style. Begründet wird dieses Vorhaben mit der Sozialverträglichkeit. Denn die Sozialverträglichkeit zieht schließlich immer gut als Argument! Und zwanzig Jahre später werden in diesen sozialverträglichen Neubauten der Fischerinsel wieder nur Bundestagsabgeordnete und Besserverdienende wohnen.


    Fazit:

    Das Bauen im DDR-Style wird die Fischerinsel nicht vor Gentrifizierung schützen. Die propagierte Sozialverträglichkeit wird auch auf der Fischerinsel auf der Strecke bleiben. Städtebaulich gesehen wird sich die Fischerinsel zu einer Art Wohlfühl-Oase für finanziell bessergestellte Hobby-Revoluzzer entwickeln, die sich damit den anstrengenden Wochenendtrip nach Nordkorea ersparen können. Außen sieht's proletarisch aus, aber innen wohnen die Patrizier. Quasi ein umgekehrtes Disneyland. Städtebau at its best! So was gibt's nur in Berlin.


    Mod: Hier ist vorübergehend zu, bis alle mal durchgeatmet haben.

    Das ist ja völlig abstrus. Die Fischerinsel wieder so herzustellen wie hier von einigen propagiert bedarf des Komplettabriss aller Bestandsbauten zur Leipziger Straße hin inkl. der Hochäuser versteht sich.

    Es geht darum, mit den ergänzenden Neubauten ein besseres Ziel zu erreichen. Von Komplettabriss hat niemand gesprochen!.


    Der einzige, der von Komplettabriss sprichst, bist du!


    Wer die Erwartung hatte der sollte sich schon hinterfragen ob man bewusst die hohe Erwartung hatte um dann maximal enttäuscht sein zu können.

    Auf der Fischerinsel werden nicht einmal die niedrigsten Erwartungen erfüllt.


    Ich kenne das in FFM und Gott bewahre wird so etwas in Berlin bitte nicht gebaut. Kleinteilige Bebauung ja, der Versuch hier Altstadt-Feeling herzustellen um Himmelswillen Nein - Kiezfeeling halte ich dort auch für unrealistisch.

    Ok, du magst also kein Altstadt-Feeling. Leider bleibst du die Erklärung schuldig, warum Altstadt-Feeling auf der Fischerinsel schlecht sein soll.


    Aber Marzahn auf der Fischerinsel bestand schon lange vorher und kuckt erst seit diesem Senat, sorry und so ganz stimmt die Bezeichnung einfach nicht - populistisch sonst nix und die Bewohner dort, sollte man mal in seine Überlegungen einbeziehen…

    Das ist das typische Argument der DDR-Besitzstandswahrer, wonach die DDR immer schon da gewesen ist! Das kann man hier mittlerweile in fast jedem Thread zur Berliner Mitte lesen. Diese Aussage ist dennoch falsch.

    Lieber Baukörper, was meinen Geldbeutel angeht, gehöre ich vermutlich zu den von Dir genannten, einfachen Leuten.


    Aber es kann doch nicht das Ziel sein, die Fischerinsel so zu bebauen, dass sie am Ende ein Marzahn 2.0 darstellt. Die Berliner Wohnungsnot wird nicht dadurch gelindert, dass man auf der Fischerinsel, oder in der Wilhelmstraße, hochpreisiges Wohnen verhindert. Manche Politiker wollen damit punkten, das Wohnen für Reiche an bekannten Stellen zu verhindern. Aber das lindert doch nicht die Wohnungsnot. Das ist letztendlich nur politischer Aktionismus, der nicht einmal einen Tropfen auf den heißen Stein ist. Das bringt doch nichts!

    Ich glaube, das grosse Missverständnis bei der Fischerinsel und auch beim Molkenmarkt ist, dass das politische Ziel der Wiederbebauung dieser Viertel, ein völlig anderes ist, als hier von den, an historischen Vorbildern interessierten Forumsmitgliedern erwünscht und erhofft wird.

    Baukörper, du bringst es auf den Punkt! Dann stellt sich nur die Frage, was genau das politische Ziel sein soll? Ein politisches Ziel der Wiederbebauung, das jegliche Historie dieses Ortes leugnet? Ein politisches Ziel, das völlig unsensibel mit den gegeben Rahmenbedingungen umgeht?


    Über die Wiederbebauung der Fischerinsel durften diejenigen entscheiden, die auch am Alexanderplatz aus ideologischen Gründen jede DDR-Platte verteidigen. Das ist sicherlich kein Zufall, dass die Neubauten auf der Fischerinsel den gleichen Charme aufweisen wie die Plattenbauten eines längst untergegangenen Arbeiter- und Bauern-Staates. Ich bezweifele, dass es auf der Fischerinsel um Sozialverträglichkeit oder Wohnraummangel gegangen ist. Genauso wenig, wie es beim Rechenzentrum in Potsdam um Sozialverträglichkeit oder Wohnraummangel geht. Die Gründe sind doch eher ideologischer Natur, nicht wahr?


    Die Ergebnisse auf der Fischerinsel resultieren nicht aus fachlicher Inkompetenz. Im Gegenteil: bestimmte Entscheidungsträger haben genau gewußt, was sie tun. Und sie haben genau das erreicht, was sie haben wollten! Es sollte um jeden Preis verhindert werden, dass eine historisierende Bebauung entsteht, die sich an den Bebauung der Vorkriegzeit orientiert.


    Das Verrückte an der Sache ist: Sogar die DDR war in den 1980er Jahren bereits weiter, als sie das Nikolai-Viertel errichtet hat. Selbst die Planer der DDR haben irgendwann begriffen, dass triste Plattenbauten nicht der Weisheit letzter Schluß sind. Das scheint so manche Städtebau-Oberen im Jahr 2022 nicht zu interessieren, wenn sie auf der Fischerinsel das architektonische Rad wieder in die besten Zeiten eines Arbeiter- und Bauernstaates zurückdrehen wollen.

    Wo du da eine Block siehst, kann ich nicht nachvollziehen. Und deswegen finde auf dieser Seite den Städtbau vollkommen in Ordnung.

    Ok, du hattest recht. Ich hatte den WBM-Block auf der falschen Straßenseite verortet. Ich weiß nur nicht, ob die Straßenseite wirklich so entscheidend ist. Für mich ist die nördliche Seite genauso missraten wie die südliche. Da muss man nicht zwischen Straßenseiten unterscheiden, aber ist wie immer auch Geschmackssache. Das Capri Hotel befindet sich ja auch auf der nördlichen Seite. Und ist ebenfalls eine triste Blockstruktur, die nur geringfügig besser ist als die üblichen Neubauten.

    ^ Der Städtbau ist hier völlig in Ordnung. Es liegt hier doch vielmehr an der Gestaltung.

    Nein, der Städtebau ist eben nicht in Ordnung. Der Städtebau orientiert sich hier am falschen Maßstab. Anstelle sich an der Parzelle zu orientieren, findet eine Orientierung am städtischen Block statt.


    Selbst eine bessere Gestaltung würde keine grundlegenden Änderungen bringen. Als Beispiel sollen hier die Friedrichstadtpassagen genannt werde. Die drei einzelnen Blöcke verfügen meiner Meinung nach über Weltklasse-Architektur von Jean Nouvel, Henry Cobb und Oswald Mathias Ungers. In der Friedrichstraße mag die Orientierung am Block vielleicht noch in Ordnung gehen. (Und selbst in der Friedrichstraße ist diese Block-Fokussierung nicht unumstritten). Aber an der Fischerinsel ist die Wahl eines falschen räumlichen Maßstabs schlichtweg inakzeptabel.


    Die ältesten Parzellen der Stadt werden mit größeren Blockstrukturen überbaut. Das ganze Ergebnis ist so dermaßen schief, dass man es auch mit blumigen Worten nicht mehr zurechtbiegen kann.

    Anders als kulturelle, politische, stadtplanerische oder sonstige Gründe, werden technische Gründe im Land der Ingenieure in der Regel von allen klaglos und als quasi unantastbar akzeptiert. :)

    Wenn du mal einen Blick in die Threads zum Alexanderplatz wirfst, wirst du sehen, dass deine Feststellung so nicht ganz stimmt. Dort konzentriert sich inzwischen die Diskussion auf die technischen Herausforderungen des Untergrundes (Statik, U-Bahn-Schächte usw.). Die Diskussion hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Während sich die ungeduldigen Hochhaus-Freaks früher über die unwilligen Investoren beklagt haben, wird heute das Klagelied über die technischen Schwierigkeiten gesungen, die den Baufortschritt verzögern. :)

    ^ Meines Wissens geht die Idee mit dem Sanchi-Tor auf Herrn Parzinger zurück.


    Natürlich kann man argumentieren, dass ein Sanchi-Tor inhaltlich gut zu einem Humbolt-Forum passt. Aber dieses Tor beißt sich programmatisch mit der Einheitswippe. Man sollte aufpassen, dass sich das Umfeld des Schlosses nicht zu einem Gemischtwarenladen entwickelt.

    Die Chance auf eine echte Landmark und weitaus sichtbaren Tower, wurde nicht genutzt.

    Das klingt jetzt so, als ob in Friedrichshain nie wieder Hochhäuser gebaut werden. Vielleicht ist es eine vertane Chance in Bezug auf dieses eine Projekt. In Bezug auf den gesamten Bereich Friedrichshain/Neukölln wird es zukünftig immer wieder Chancen geben.


    Es ist ein klassischer Denkfehler, wenn man Bauprojekte nur aus der Warte des aktuellen Zeitpunktes heraus betrachtet. Menschen neigen dazu, den aktuellen Zeitpunkt zu überwerten. Zum Zeitpunkt der Projektrealisierung ist man enttäuscht. Aber bereits wenige Jahre später ist dann alles wieder anders, weil sich plötzlich neue Chancen ergeben, die man zuvor noch nicht gesehen hatte. Diesen Gedankengang könnte man auch zusammenfassen mit den Worten: "Unverhofft kommt oft!"


    Natürlich wären 25-40 Meter zusätzliche Höhe besser. Das bezweifelt wohl niemand. Aber vielleicht sollte man eher schauen, wo man herkommt. Das Park Inn kommt - als bisher höchstes Gebäude - auf lediglich 125 Meter. Und im Vergleich dazu geht es hier doch deutlich nach oben, oder nicht?

    Wenn der Ring in Neukölln/Treptow/F`hain geschlossen wird, dann verringert sich das Verkehrsaufkommen in der Leipziger? q.e.d.

    Richtig!


    Ein einziges Mal war ich in Berlin mit dem Auto unterwegs. Während dieses Berlin-Aufenthaltes waren damals fast alle Hotels bereits ausgebucht, was dazu führte, dass ich kurzfristig von Tag zu Tag das Hotel wechseln musste. Also bin ich von einem Hotel in der Nähe des Kurfürstendamms mit dem Auto zu einem Hotel in Karlshorst gefahren. Die damalige Strecke lautete: Ku'damm, Breitscheidplatz, Bülowstraße, Potsdamer Str, Leipziger Str., Molkenmarkt, Alexanderplatz, Karl-Marx-Alle, Frankfurter Alle.


    Damals wäre ich lieber auf einem Ring (auf südlicher Seite) außen herum gefahren. Aber den (vollendeten) Ring gibt es ja bisher leider nicht. Folglich habe ich mich durch die Berliner Innenstadt gequält. Die Fahrt ging übrigens auch über den Molkenmarkt.


    Abstrus an der Sache war: Mit meinem Auto habe ich die Berliner Innenstadt verstopft, obwohl mein Ziel gar nicht in der Innenstadt gelegen hat.

    Ein ÖPNV, der mitwächst und genügend freie Kapazitäten anbietet, ermöglicht es uns, das Auto noch öfter stehen zu lassen. Man sollte auch akzeptieren, dass bestimmte Verkehre keine Wahl haben, und das macht sie nicht trotzdem verwerflich.

    In der ganzen Diskussion wird leider vergessen, dass die Situation am Molkenmarkt auch viel mit dem (fehlenden) Ausbau der A100 zu tun hat. Wenn man den Ausbau einer leistungsfähigen Ringautobahn blockiert, dann fahren die Autos eben durch die Innenstadt (sprich: über den Molkemarkt). Man könnte auf die autobahnähnlichen Zustände am Molkenmarkt verzichten, wenn man die Autobahn am Stadtrand baut.


    Vorschlag: man könnte doch den ÖPNV weiter kräftig ausbauen UND den Ring der A100 weiterbauen bzw. schließen UND die Straßen am Molkenmarkt zurückbauen. Das ist kein Widerspruch! Stattdessen kommen die gut gemeinten Appelle, das Auto doch der Umwelt zuliebe zu Hause stehen zu lassen. Und dann wundert man sich, dass diese Appelle ins Leere laufen.

    ... dass hier so viele touristen die straße wild überqueren dass eine autofreie fläche in der mitte der straße einen erheblichen sicherheitsfaktor darstellen könnte.

    Ich denke nicht, dass dies der Grund ist. Wenn es wirklich um die Sicherheit für Fußgänger gehen würde, hätte man wohl eher den Mittelstreifen leicht angehoben und den Boden an dieser Stelle mit einer anderen Materialität akzentuiert.


    In der jetzigen Gestalt ist der Mittelstreifen eine sinnlose Flächenversiegelung. Schwammstadt? Fehlanzeige!

    ^ Mich wundert. dass sich niemand mehr über die Dachterrasse auf dem Humboldt-Forum äußert (zu sehen auf Jockels 4. Bild). Haben sich die Leute mittlerweile daran gewöhnt? Oder ist es doch nicht so schlimm geworden, wie zuvor befürchtet?

    ^ Bei dem von dir erwähnten Bau handelt es sich um das Neue Lindencorso.


    Aus meiner Sicht leider kein Klassiker. Stattdessen eine der schwächsten Schöpfungen von Christoph Mäckler. Dem Lindencorso fehlt die Gliederung in kleinere Einheiten. Am Neuen Lindencorso habe ich mich immer gestört, weil es für meinen Geschmack viel zu grobschlächtig und wuchtig geraten ist. Dass Mäckler auch anders kann, hat er z.B. mit der Marktgalerie in Leipzig beweisen.


    Die jüngeren Drei (Upper Eastside) auf der gegenüberliegenden Seite der Linden zeigen, wie man es besser macht.

    ^ Jetzt müsstest du mir aber weiterhelfen, wo es hier Neubauten geben soll. .... Gut, im Grunde hat es maselzr ja bereits aufgezählt.


    Die Nürnberger Straße 68 ist recht schön geworden. (Ich erinnere mich, dass wir uns über diesen Neubau mal unterhalten haben). Und dann gibt es noch den Neubau der Tauentzienstraße 9, wo der Saturn drin ist. Und wenn man den Bogen weiter nach Osten spannt, kommt noch der DGB-Neubau dazu. Wenn ich allerdings am Wittenbergplatz stehe, sehe ich viele Fassaden, die leider sehr unansehnlich sind. Auch die Ansbacher Straße ist nicht so dolle (vom Wittenbergplatz aus gesehen). Das Peek und Cloppenburg Gebäude ist wiederum Weltklasse, befindet sich aber auf der südlichen Seite des Tauentziens.


    Mein Vorschlag:

    Zwischen Breitscheidplatz und Nürnberger Straße würde ich nur das Europa-Center stehen lassen als wichtigen Zeitzeugen und Wahrzeichen des alten West-Berlin. Ansonsten würde ich den gesamten Block abreißen und vollständig neu bauen. Bisher gibt es in der Nürnberger Straße ein unansehnliches Parkhaus. Und was das Hotel Palace an der Budapester Straße angeht: ich habe mich immer gefragt, warum sich ein nobles 5-Sterne-Hotel keine repräsentativere Fassade leisten kann.