Beiträge von Ziegel

    Es ist aber auch zu kurz gesprungen, im historischen Vergleich nur die gestiegene Anzahl der Wohnungen zu betrachten. Denn die Wohnfläche pro Person ist in den letzten 100 Jahren extrem gestiegen, was wiederum die benötigte Zahl von Wohnungen nach oben treibt.

    Genau diesen Extra-Sprung habe ich gemacht, indem ich weiter oben gefragt habe, ob nicht auch die Ansprüche an Wohnraum zum Problem beitragen. Das ist natürlich eine sehr unbeliebte Frage. Die durchschnittlichen 40 m² in Leipzig sind auch eher nicht das Problem, aber es ist schon auch eine Verteilungsfrage, die sich stellt.


    Im Übrigen steigt die Wohnfläche seit 1950 kontinuierlich an (Seite 10). Das ist jetzt kein Leipziger Thema, aber ich frage mich schon, ob diese Entwicklung generell nicht an ihre Grenzen kommt. Braucht man unbedingt ein Gäste-WC und im Gäste-WC dann noch eine Dusche? Muss man ein Einfamilienhaus aus den 60ern abreißen, um auf das Grundstück ein größeres zu bauen?

    so sehr ich Weißenfels und Zeitz alles gönne aber das Umland wird die Probleme Leipzigs nicht lösen können.

    Da gehst du aber recht fix drüber hinweg. Warum nicht?


    Zum Beispiel die Landesregierung, die es jahrelang verschlafen hat den geförderten sozialen Wohnungsbau zu pushen obwohl die Problematik für Leipzig schon länger bekannt war.

    Und, schläft sie jetzt immer noch? Das würde ja aus deiner Forderung, endlich aufzuwachen, hervorgehen. Die soziale Wohnbauförderung wurde immerhin schon 2018 aufgelegt und zuletzt aufgestockt. Ob das reicht, ist wohl eine Frage der Perspektive. Grundsätzliche Rahmenbedingungen kann eine Landesregierung kaum ändern.


    Sozialer Wohnungsbau in Dresden und Leipzig: Freistaat erhöht Förderung (sachsen.de)


    Grünau wurde nach der Wende massiv zurückgebaut.

    Natürlich. Hedges hatte es allerdings so dargestellt, als wären die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg signifikant dafür, dass heute Leipzig an Grenzen des Zuzugs stoßen würde. Auch heute gibt es in Grünau sichtbare Leerstände, weil sich eine Sanierung trotz Zuzugs (noch) nicht lohnt.


    Bitte lass diesen Vergleich doch nochmal auf Dich wirken.

    Ich habe leider keine Zahlen für die Bevölkerungsdichte des Zentrums oder der Südvorstadt um 1939 gefunden. Da aber Leipzig in dieser Zeit wesentlich kompakter war, gibt der Vergleich schon eine gewisse Vorstellung von der damaligen Dichte. Jedenfalls ist die Südvorstadt Leipzigs am dichtesten besiedelter Stadtteil und zugleich einer der beliebtesten. Gerade die Viertel mit dichter Altbebauung sind besonders lebenswert und auch beliebt für gemeinschaftliche Wohnformen. Ich sehe schon ein, dass sich heute nicht mehr mehrere Familien eine Sanitäranlage teilen. Aber ein bisschen mehr "zusammenrücken" wäre schon denkbar und vielleicht sogar wünschenswert.


    Ich bin 2010 zurück nach Leipzig gezogen und kann Dir versichern, dass die Wohnungssuche damals eine komplett andere war - es war aus Mietersicht das sprichwörtliche Paradies, so etwas werden wir in Dtl. für eine Großstadt nicht nochmal erleben.

    Richtig, und das ist auch gut so. Altbauten waren damals noch abrissbedroht. Leipzig war dreckiger, ärmer. Ich trauere diesem Paradies nicht hinterher, weil man nicht alles gleichzeitig haben kann. Den aktuellen Status zu halten, was die Verfügbarkeit und Mietbelastung angeht (beides im Großstadt-Vergleich nach wie vor mieterfreundlich), wäre schon eine große Leistung. Für Einkommenserhöhungen von Mietern sind nicht die Vermieter verantwortlich.


    Übrigens bekomme ich auch regelmäßig Mieterhöhungen ins Haus. Die letzte hatte ich mir sogar aktiv gewünscht (Modernisierung, Parkettverlegung). Da ich nur 36 m² bewohne, kann ich das sehr gut wegstecken. Beim Arbeitgeber eigenverantwortlich einen höheren Lohn zu verhandeln, ist in der heutigen Zeit im Gegenzug leichter geworden als 2010.

    hedges:


    "Von den 225.389 Wohnungen im Jahre 1942 waren bei Kriegsende rund 45.000 Wohnungen total zerstört. Dies bedeutete einen Verlust von etwa 20 Prozent. Weitere 20 Prozent der Wohnungen wiesen leichte bis schwere Schäden auf; dementsprechend blieben ca. 60 Prozent des Bestandes (135.500 Wohnungen) verschont." (Institut für Länderkunde)


    Die in der DDR-Zeit "ausgebluteten" Gründerzeitviertel sind heute weitgehend saniert und die meisten Lücken geschlossen. Dass die DDR allein in Grünau Wohnungen für 85.000 Einwohner gebaut hat, unterschlägst du einfach mal.


    2022 gab es in Leipzig schon 345.000 Wohnungen. Das sind über 100.000 Wohnungen mehr bei 100.000 Einwohnern weniger im Vergleich zu 1942.


    Allein zwischen 2011 und 2022 ist der Bestand um 20.000 Wohnungen gestiegen (siehe Statista). Das ist in Relation zum Bevölkerungswachstum in dieser Zeit eine Quote von 5 Zuzüglern zu 1 Neubau. Das finde ich nicht schlecht, zumal wenn man jetzt noch den marktaktiven Leerstand von 10% betrachtet, der 2011 noch bestand (> 30.000 Wohnungen). Das heißt, für hunderttausend Zuzügler standen im gleichen Zeitraum 50.000 Wohnungen zur Verfügung (Leerstand+Neubau), das macht eine Quote von 2:1.


    Inzwischen verschiebt sich das Verhältnis, weil der Altbau-Leerstand aufgebraucht ist. Aber es wird ja weiterhin neu gebaut und gerade Leipzig kann man (siehe oben) kaum den Vorwurf machen, hier zu wenig zu tun. Wenn alle Bemühungen nicht reichen, kann ich trotzdem keine Wohnungsnot erkennen, weil es sehr billigen Wohnraum im gut erreichbaren Umland gibt, welches eine Reaktivierung dringend benötigt.

    noch wäre die Stadt mit einer ähnlich hohen Bevölkerungsdichte, heute lebenswert und sozialverträglich

    Die Südvorstadt hat aktuell eine Bevölkerungsdichte von etwa 11.000 Einwohnern. Ist es dort nicht lebenswert? 1939 hatte Leipzig eine Bevölkerungsdichte von 9.800 Einwohnern/km². Ich dachte, gerade du würdest für Verdichtung, Verdichtung, Verdichtung plädieren?


    Durch die Eingemeindungen 1999 und 2000 hat Leipzig übrigens rechnerisch 56.000 Einwohner hinzugewonnen. Zusammengenommen keine dörfliche Größenordnung, würde ich sagen. Im Zeitraum 1990-2000 schrumpfte die Stadt trotzdem um 18.000 Menschen. Es hat 25 Jahre gedauert, bis Leipzig+Umland auch nur das Einwohnerniveau von 1990 zurückerlangt hat.


    Was du mit der Aufzählung verschiedener Gewerbestrukturen in Bezug auf unser Thema ausdrücken möchtest, habe ich nicht verstanden.


    Die Schilderung von Einzelbeispielen bringt uns auch nicht weiter. Meine Freunde und Familie konnten sich in letzter Zeit ohne Ausnahme sehr schöne Wohnungen in Leipzig aussuchen und zwar als Gering- und Normalverdiener. Aber ich habe auch bei der Wohnungssuche für meine Mama kürzlich die Erfahrung gemacht, dass sich auf eine Wohnung am Stadtrand dutzende Leute beworben haben und für eine schöne Wohnung im schicken Gohlis Süd nur zwei Leute. Das war vor 15 Jahren aber auch nicht anders. Die Nachfragedynamiken leuchten nicht immer ein.


    Das Paunsdorf Center ist übrigens bei weitem nicht Deutschlands zweitgrößtes Einkaufscenter.

    Diese Unschärfe bei der von mir angeführten Statistik ist mir bewusst. Die zu widerlegende These war aber, dass man in Leipzig und im Freistaat endlich aufwachen müsse. Da finde ich die Zahl der Vorhaben etwas aussagekräftiger als die Zahl der Wohneinheiten. Mit anderen Städten kenne ich mich weniger gut aus, aber gerade weil in Leipzig eher verdichtet als zersiedelt wird, fallen die Bauvorhaben kleiner aus. Aus baukultureller und sozialer Sicht finde ich das auch besser als große Wohnkomplexe oder gar Großwohnsiedlungen. Eine vergleichsweise hohe Zahl von Vorhaben zeigt aber, dass die Stadt für Bauherren attraktiv ist und auch, dass die Genehmigungsbehörden ein vergleichsweise hohes Pensum zu bewältigen haben.


    Ähnliches gilt vielleicht auch für Stuttgart, bedingt durch die Tal-Lage? Bei der Zahl der Vorhaben liegt es bei Geomap mit 131 Projekten auf Rang 8 und damit nicht so wahnsinnig abgeschlagen gegenüber z. B. dem weit größeren Köln (163).


    Deine Statistik ist jedenfalls auch hochinteressant. Sie zeigt letztlich eine sehr ähnliche Rangfolge, im oberen Bereich tauschen nur Frankfurt und Leipzig die Plätze. Offenbar werden in Frankfurt deutlich größere Wohnbauten verwirklicht.

    Auch ich finde den Alarmismus nicht so recht angebracht. Die Leerstandsquote ist in Leipzig durch die enormen Zuzüge drastisch gesunken:


    https://de.statista.com/statis…von-wohnungen-in-leipzig/


    Gleichzeitig wurde und wird aber auch viel gebaut. Erst kürzlich habe ich die Meldung gelesen, dass Leipzig laut Geomap auf Platz 4 der Städte in Deutschland mit den meisten laufenden Wohnbauvorhaben rangiert - und zwar in absoluten Zahlen, nicht in relativen!


    https://www.haufe.de/immobilie…-gebaut_84324_494280.html


    Im August 2023 waren demnach in Leipzig 250 Vorhaben im Bau, im größeren (und teureren) Frankfurt nur 181, in Köln 163 und beim Spitzenreiter Berlin auch nur 637.


    Wenn davon die Rede ist, man müsse endlich "aufwachen", wüsste ich schon gern konkret, wer da aufwachen soll und auf welche Weise.


    Im Übrigen werde ich nicht müde zu betonen, dass Leipzig auch schon mal gut 100.000 Einwohner mehr hatte als heute - bei weniger Eingemeindungen als heute. Natürlich ist es richtig und gut, dass der Wohnkomfort gestiegen ist, aber vielleicht ist es an dieser Stelle auch mal angebracht, manch Anspruchshaltung zu hinterfragen.


    Und wie hier ja auch schon erwähnt wurde, gibt es eine ganze Reihe schöner Städte in gut erreichbarer Umgebung, die hohe Leerstände verzeichnen. Es ist Unfug, Zersiedelung als unausweichliche Alternative zu gnadenloser Verdichtung an die Wand zu malen. Der ÖPNV hat nicht den Stand, der wünschenwert wäre, weil er zu wenig genutzt wird. Wenn Städte wie Weißenfels (30 Zugminuten) oder Zeitz (39 Zugminuten) wieder aufblühen würden, kann ich das nur begrüßen. Länger ist man innerhalb Leipzigs auf vielen Strecken auch nicht unterwegs. Andererseits wird der Wunsch nach einem eigenen Einfamilienhaus oder einem Auto auch durch die besten Mietwohnungen in der Kernstadt nicht zu ersticken sein. Diese Leute werden weiterhin Bedarf nach Grundstücken am Stadtrand haben.


    Dass Genehmigungsverfahren zu lange dauern, würde ich hingegen auch unterschreiben. Aber auch da steuert die Stadt meines Erachtens gegen, indem sie ihre Personalkapazitäten ausbaut. Wer qualifiziert ist, kann sich gern bewerben.


    brauchen wir uns mittlerweile auch in Leipzig nicht mehr wundern. Oder auch kleine Grünflächen zwischen Straßen und Parkplätzen als Biotope verorten.

    Auch durch mehrfaches Schreiben solcher Polemik wird es nicht richtig. Zudem strotzt es vor innerer Unlogik, von "kleinen Grünflächen" zu schreiben, um diese abzuwerten. Gleichzeitig aber zu unterstellen, dass das Bebauen dieser kleinen Flächen gegen eine Zersiedelung Leipzigs wirksam sei.

    Stimmt, es war die Gruft, kein Friedhof. Ich hatte das kurz vergessen...

    Bei einer notwendigen Erweiterung des Grassi-Komplexes (in die Höhe nicht in die Breite!) bin ich auch der Meinung, dass man eine Rodung der Bäume, die die Anlage ja einfassen, unbedingt vermeiden sollte.

    Meiner Meinung nach ist der Blick auf die Front des Grassimuseums, der ja bis zum Augustusplatz reicht, das Schönste, was der Johannisplatz zu bieten hat, neben den Bäumen. Der gehört nun wirklich nicht verstellt, auch nicht durch einen Turmbau.


    Bei einer notwendigen Erweiterung bin ich dafür, die historischen Planungen für weitere Flügelbauten wiederaufzunehmen. Dies war in der studentischen Aufgabenstellung übrigens auch als Option erwähnt. Aber die Studierenden fanden - schon ganz wie die Großen - den Vorplatz natürlich repräsentativer und damit geeigneter, um ihre selbstherrlichen Entwürfe ins rechte Licht zu rücken.


    Modellaufnahme 1925 (Erweiterungsbauten hier in Gelb):


    9cnt5g6o.jpg


    Zeichnung von Hubert Ritter einen Erweiterungsbau (diesmal in Orange, 1931):


    crf3fvy3.jpg


    Quelle: https://www.grassi-leipzig.de/architektur/baugeschichte.html

    Die Eisenbahnstraße 117-119 (siehe Beitrag #28 hier im Strang) hat nun auch etwas Farbe abbekommen, wenngleich wohl nicht so, wie Rundling sich das gewünscht hätte:


    hqvpvze5.jpg


    Ich bin überhaupt kein Freund solcher Aktionen. Aber in diesem Fall - und das meine ich nicht ironisch - werten die Farbspritzer die Fassade tatsächlich auf. Hier sieht man in extremer Weise, wie man auch mit einfachsten, sogar primitiven Mitteln den optischen Eindruck beleben kann. Die Fehler im Verputz fallen dadurch auch nicht mehr so auf.


    (eigenes Bild)

    Das schon einmal innerhalb eines Pakets verkaufte ehemalige Bürogebäude in der Johannisgasse 26 wurde jetzt laut Presse erneut veräußert. Geplant sind weiterhin 265 Studenten- und Mikroappartements sowie im Untergeschoß 98 PKW- und 265 Fahrradstellplätze.

    Hier nochmal die Visualisierung:


    y5cfm9f8.jpg


    https://www.pmhle.de/projekte/johannisgasse-2/


    f8a9msa9.jpg


    Die Gauben sind tatsächlich schiefergedeckt, wenn ich das richtig gesehen habe. Auch hat das Gebäude ein Ziegeldach bekommen, keines mit Blech wie vor der Sanierung und wie es auch noch visualisiert war. Aus Freude über diesen Qualitätssprung sind die grauen Fensterrahmen und der unfarbige Sockel verschmerzbar. Dafür wird das Erdgeschoss durch andere Fenster hervorgehoben, was wohl sogar die bessere Lösung ist.


    qwkmbx6r.jpg


    Barrierefrei und inklusiv geht anders. Für alle nicht Betroffenen sieht es wohl recht schick aus. Der Zugang für die Feuerwehr konterkariert das freilich wieder:


    canyipaj.jpg


    Freundliche Farben bietet immerhin das Mural an einer Außenwand, hier nur angeschnitten. Zu sehen ist außerdem der größere Gebäudeteil, der sich im Hof befindet. Der Parkplatz wird eines Tages sicher auch noch bebaut. Blick von der Johannisgasse:


    vl9ilumb.jpg


    Damit nicht der Eindruck entsteht, das oben Gezeigte würde mich euphorisch stimmen, zum Vergleich ein Bild zum alten Opel-Haus von 1926 (Architekt

    Otto Kühn):


    2wuw97em.jpg


    Bonus: Johannisplatz im Blütenrausch. Wie man sieht, ein beliebter Ort in überwiegend unschöner Umgebung:


    6a9rufoy.jpg


    Im Grassi-Museum liegt nach wie vor die Publikation einer studentischen Aufgabenstellung der TU Dortmund aus ("Grassi Future"). Die Wahnsinnsidee, den Vorplatz (ehemaliger Johannisfriedhof mit Bachs Grablege) hässlich zu bebauen und dafür die Kirschbäume zu fällen, ist eine Dortmunder "Future", die Leipzig hoffentlich erspart bleibt.

    (eigene Fotos)

    Ich hatte auf den Link geklickt und kann das Bild auch immer noch nicht finden. Daher ein Danke für die Einbindung!


    Tatsächlich sieht die Rückseite etwas angenehmer aus als von mir erwartet. Hauptsächlich, weil auch hier Farbe eingesetzt wird, aber auch, weil die Fenster weitgehend symmetrisch angeordnet sind und es einen Wechsel verschiedener Fensterformate gibt.


    Das Thema der Erdgeschosszonen haben wir hier im Forum schon hundertmal beklagt... In diesem Fall sind die Gebäude "mit einem durchgehenden sockelbildenden und begrünten Parkdeck zur Schaffung der notwendigen Stellplätze verbunden". Das hat die Stadt offenbar in den städtebaulichen Verträgen so festgeschrieben, siehe hier.


    Mindestens Kletterpflanzen im Erdgeschoss wären dem Bauherren zumutbar. Ehrlich gesagt ist das sogar kostensparend, denn es schützt vor Graffitis. Für Passanten und Bewohnende ist der Anblick von Pflanzen sehr viel angenehmer als von nackten Wänden. Oder man beauftragt gleich Sprayer oder andere Künstler, das kostet auch nicht die Welt. Diese Engstirnigkeit verwundert mich immer wieder. Vielleicht bessert man ja noch nach oder hat es nur nicht visualisiert, die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Immerhin habe ich dadurch die Erkenntnis, dass die Brüstungen aus lackiertem und gestanztem Blech ausgeführt werden, nicht mit Glasplatten, wie ich bisher vermutete. Ansonsten haben die neuen Visualisierungen eigentlich keinen Erkenntniswert. Wirklich interessant wäre die Gestaltung der Ostfassaden. Ich erwartet dort vollendete Tristesse ohne Farbtupfer, lasse mich aber gern positiv überraschen.

    Ich kenne die Gegend. Auch wenn der Osten aufstrebt, ist das dort keine wahnsinnig attraktive Lage. Insofern ist der Erfolg einer solch hochwertigen Sanierung mit entsprechenden Mietpreisen schon erwähnenswert.


    In einigen Jahren, wenn dann auch der Parkbogen und der Polygraphplatz fertiggestellt sind, die Polizei im Liselotte-Herrmann-Park nicht mehr so häufig auf Drogenstreife gehen muss und das Umfeld noch ein paar weitere interessante Läden bekommt (und dafür ein paar Fast-Food-Imbisse weniger), dann kann man m E. schon eher davon reden, dass die Gegend ein Bonus ist.

    So etwas vermietet sich gut:


    "Bereits 80 [von 131] Wohnungen wurden innerhalb von lediglich drei Wochen vermietet, innerhalb von sechs Wochen sind wir nur knapp von der Vollvermietung entfernt"


    https://www.grk.de/grk-gruppe-…ziger-karl-krause-fabrik/


    Dass vollkommen aus der Zeit gefallene Fabriken, die kurz vor dem ersten Weltkrieg errichtet wurden, als lebenswerter Wohnraum taugen, und Neubauten, die ja eigentlich nach den modernsten Erkenntnissen entworfen und gebaut sein sollten, da nicht mithalten können, das sollte doch zum Nachdenken anregen.


    Letztens, bei der Veranstaltung zur Baukultur in der Stadtbibliothek, hieß es, die Kunden seien nicht bereit, einen Aufpreis für Schönheit zu zahlen und die Lohnkosten ließen kaum eine Gestaltung wie in früheren Zeiten zu. Dass die jahrelange und teilweise statisch schwierige Sanierung der Krause-Fabrik günstiger war als ein Neubau, glaube ich nicht. Und die Fassade ist auch eher einfach gestaltet. Dennoch sticht das Gebäude jeden Neubau aus, auch die besonders luxuriösen.


    Aber das müsste man sich natürlich erstmal eingestehen, bevor man Schlüsse daraus zieht. Mit tausend Ausreden zu kommen, warum man mit früheren Qualitäten nicht mithalten kann, ist eine reine Abwehrhaltung, um sich eingefahrenen Denkmustern und Abläufen nicht stellen zu müssen.

    Tagsüber könnte man das auch erreichen, würden die zurückgesetzten Bereiche einfach farbig gestrichen. Ein schönes Gebäude wird trotzdem nicht mehr daraus. Das Original, das seit 1967 an dieser Stelle stand, war immerhin ein Original (und Denkmal), während wir hier einen Retro-Stil sehen, der zu sehr vereinfacht. Man vollbringt nicht einmal mehr das Wenige, das die Moderne im 20. Jahrhundert noch draufhatte. Kunst am Bau, welche auf die Fußgänger und die Lage Bezug nahm und auch etwas Farbe und Materialvielfalt bot der Vorgänger noch. Baukulturell wird durch den Neubau nichts gewonnen.

    Es ist ein altes Thema, welches wir hier diskutieren, aber ich möchte dazu auf den Spiegel-Artikel verweisen, den ich damals gelesen habe und einleuchtend fand:


    https://www.spiegel.de/spiegel…ehlplanung-a-1182450.html


    Die Essenz lässt sich mit euren beiden Ansichten m. E. in Übereinstimmung bringen. Demnach ist die Strecke natürlich eine große Angebotsverbesserung und die Auslastung könnte als Erfolg gewertet werden. Allerdings wäre wohl noch viel mehr drin gewesen. Statt einer Verkürzung von sechs auf vier Stunden wären demnach weniger als drei Stunden möglich gewesen. Dies wäre auch der Wunsch der Bahn gewesen. Damit hätte dem Flugzeug noch stärker Konkurrenz gemacht werden können. Die Streckenführung über Erfurt hätte zudem die Baukosten durch viele notwendige Tunnel und Brücken im Vergleich zu München-Nürnberg-Leipzig-Berlin stark erhöht. Schließlich sei die Strecke für den Güterverkehr kaum geeignet. Der Artikel erschien 2017.

    Der Rest sind zum großen Teil Ammenmärchen, weil die Politik sich gern in den Vordergrund spielt, wenn Ingenieure vorab Pläne auf den Tisch gelegt haben, die scheinbar doch sinnvoll sind.

    Hierzu wird im Artikel Eckart Fricke, der für die Strecke zuständige Bahn-Bevollmächtigte zitiert:


    "Es war seinerzeit allein eine politische Entscheidung, ob die Neubaustrecke als Direttissima oder mit dem Knick über Thüringen von Berlin nach München geführt wird."


    Stuttgart 21 sollten wir hier lieber nicht diskutieren, aber den (zu) spät durchgeführten Volksentscheid als Beleg für Dysfunktionalität von Basisdemokratie gegenüber Experten- und Politikerentscheidungen anzuführen, passt nun wirklich nicht.

    Thema Hochhaus auf Baufeld 9:

    Und ob man später aus dem grau-grün noch das grün erahnen kann, da bin ich skeptisch.


    In der Publikation zum Gestaltungsbeirat wird mehrfach erwähnt, dass die Gestaltungsrichtlinien für's Löwitz die Farbe Grün ausschließen. Weiß und Grau sind hingegen erlaubt.


    Ich frage mich, wer in der Leipziger Verwaltung ist der Grün-Hasser, der sich so einen Unsinn ausdenkt? Das betrifft übrigens auch eines der von SERO entworfenen Häuser für Baufeld 3, das mit grünen Fliesen geschmückt werden soll(t)e. Weiß man in Leipzig nicht, wie gut so etwas aussehen kann?

    Danke. Ich kann die Argumente schon nachvollziehen und stimme dir grundsätzlich in allen Punkten zu, denke aber, dass die Verkehrsplaner das auch alles wissen. Warum hat man sich also anders entschieden?


    Ansätze könnten sein:


    "Überfahrbare Haltestellenkaps" mit geringer "Bordauftrittsbreite" sind wahrscheinlich weniger barrierefrei. Ist das Kap hoch genug und dafür das Gleis überfahrbar, lässt sich dieses nicht als lärmreduzierendes, für die Tram reserviertes Rasengleis ausführen.


    Die Anzahl der Fahrbahnen lässt in diesem Fall vielleicht gar keine Kaps zu. Und damit einhergehend: Der Verkehr auf der Berliner Straße hat womöglich einfach eine höhere Bedeutung als der Querungsverkehr. Ich finde eine kleine Wartezeit an einer Ampel und pünktliches Erscheinen an der Haltestelle an einzelnen, besonders stark frequentierten Verkehrsadern im Sinne des Gesamtbilds durchaus zumutbar. Bei kleineren Straßen ist das etwas anderes. Ein Umstiegsknotenpunkt wird dort in absehbarer Zeit nicht entstehen.


    Die Fahrbahnen sollen zwar anders aufgeteilt werden, sodass es Richtung Löwitz nur eine Spur gibt, dafür aber Richtung Freiladebahnhof drei Spuren. Eine zur Tram gezogene Gehwegausbuchtung über drei Spuren kann ich mir nicht recht vorstellen. Die Schüler/innen müssen dann jedoch zur Schule nur eine Spur queren. Dort könnte man vielleicht einen Zebrastreifen vorsehen? Das würde, vielleicht in Verbindung mit vorgelagerten Bremsschwellen (falls das zulässig ist), ein Drängen auf der Insel verhindern und auch ein spontanes Zusteigen ermöglichen. Richtung Freiladebahnhof wird es sicher eine Ampel geben.


    Aber Farang hat es ja schon vorausgesehen:

    Das wirkt alles umfassend und (unter Berücksichtigung aller Verkehrsträger) gut durchdacht, was diejenigen mit Einzelinteressen naturgemäß anders sehen werden.

    Ähnliche Zielkonflikte kann man zugespitzt am Hauptbahnhof erleben. Dort kommt die Insellösung wirklich deutlich an ihre Grenzen. Allerdings fahren dort auch eine Vielzahl an Bahnen und Bussen. Die Halte hintereinander, die Wegeverbindungen in verschiedene Richtungen verschärfen das Problem. Gleichzeitig sind die Straßen stark frequentiert und haben eine hohe Bedeutung. Ich wüsste spontan nicht, wie man diesen Knoten durchschlagen könnte. Es müssen dort einfach alle Beteiligten für ihre Mobilität ein paar Minuten mehr als anderswo einplanen. Da finde ich die Verhältnisse an der Berliner Straße schon klarer und unproblematischer.

    @ C. S. Interessanter Text, aber ich bin verdutzt. Beweist du damit doch eher die Vorteile von Volksabstimmungen. Indem Vorhaben gut begründet werden müssen, durchlaufen sie eine Prüfung. Auch hierzulande wird natürlich viel geprüft, aber da am Ende nur wenige Köpfe entscheiden, flutschen unsinnige Kuhhandel und fixe Ideen doch etwas leichter durch. Im Verkehrsbereich kenne ich mich nicht gut aus, aber mir fällt spontan die Streckenführung Berlin-München ein, die unbedingt über Erfurt führen musste, weil der Thüringische Ministerpräsident seine Kontakte hat spielen lassen. Zugegeben, für Erfurt hat das mehr Positives bewirkt als ich erwartet hätte, aber gesamtgesellschaftlich wäre ein anderer Streckenverlauf wohl sinnvoller gewesen.


    Eine Gewähr, dass immer richtig entschieden wird, gibt es natürlich auch bei häufigeren Volksabstimmungen nicht. Recht hast du, dass so etwas eingeübt werden muss, aber das ist ja kein Grund, nicht damit anzufangen. Die Demokratie unter Adenauer hat überhaupt nicht dem entsprochen, was wir heute noch akzeptabel fänden, aber es war ein Anfang und als solcher sehr gut.


    In Verbänden und Vereinen kann und muss man sich auch in der Schweiz organisieren, wenn man einen Wandel herbeiführen oder sonstige Ziele erreichen will. Da sehe ich kein Entweder-oder. Dass man bei der Möglichkeit von stärkerer Beteilugung und basisdemokratischen Entscheidungen keine Großvorhaben mehr umsetzen kann, halte ich für Unsinn. Du schilderst ja selbst ein Gegenbeispiel. Aber sie müssen eben gut begründet sein.

    Danke für den Hinweis! Ich bin gelinde gesagt schockiert. Die Nr. 29 hat tatsächlich keinen Status als Einzeldenkmal. Das ist mir vollkommen unverständlich, illustriert sie doch in besonderer Weise, dass auch in diesem heute so schicken Viertel nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen war.


    Noch dazu steht ausgerechnet auf der Nr. 31 (rechts angeschnitten) ein absolut unsäglicher Neubau. Da könnte eine aufgestockte 29 zur sich ansonsten geschlossen gründerzeitlich präsentierenden Häuserzeile vermitteln, sofern das überhaupt möglich ist.


    Zum Glück ist es erst einmal nur ein Vorbescheid. Ich werde versuchen, mir die Zeit zu nehmen, um im Technischen Rathaus die Fragen einzusehen, die der Eigentümer an die Behörde gerichtet hat. Zudem werde ich bei der Denkmalschutzbehörde anfragen, warum kein Schutz als Einzeldenkmal besteht. Würde mich freuen, wenn ich nicht der Einzige bin. ;)


    Immerhin besteht seit 2019 ein Status als Denkmalschutzgebiet, sodass "Veränderungen an dem geschützten Bild des Denkmalschutzgebietes" explizit der Genehmigung des Denkmalschutzes bedürfen. Aber allzuviel verspreche ich mir davon nicht.