Mich würde aber tatsächlich einmal interessieren, woher Ihr die Kostenkennwerte für die Einzelpositionen, sowie die Bewertungsmaßstäbe für kostenintensive und günstigere Bauweisen nehmt.
Von den Fachexperten!
Die zitierten Kennwerte stammen aus dem Brief von Prof. Marx selbst. Er schreibt selbst, dass die Kostenkennwerte bei GRASSL am günstigsten sind und stellt diese für das Bauwerk selbst auch nicht infrage. Das kann ich jedenfalls nicht erkennen. Insofern widerspricht er sich auch selbst, wenn er meint, dass die drei Brücken beim "bautechnologischen Aufwand" gleich seien, die Kostenkennwerte aber unterschiedlich. GRASSL argumentiert hier mit Referenzen, die aktuell sind, also tatsächlich realisierten Preisen. Ich wüsste gern, wann Herr Prof. Marx das letzte Mal eine Brücke entworfen und dafür die Vergabe gemacht hat.
Allein schon die Unterschiede bei den Bauzeit-Angaben sind erheblich. Herr Kühn spielt das so runter, was sei schon ein halbes Jahr? (Ich muss mal nachschauen, ich glaube, der Unterschied ist sogar größer). 15-20 % weniger Zeitaufwand bedeuten auch weniger Kosten. "Die Bauzeit beeinflusst maßgeblich die wirtschaftliche Gesamtbewertung eines Bauverfahrens", um mal aus einer aktuellen Studie zu zitieren (S. 85).
Die Studie ist übrigens auch deshalb interessant, weil sie einige Aufschlüsselungen der Kostenpositionen, wie sie in den Tortendiagrammen von GRASSL zu sehen sind, bestätigt. Der Ausbau wird in der Studie z. B. mit 15 % Kostenanteil angegeben (ebd.), von GRASSL zusammengefasst ebenfalls. Bei diesen 15 % schreibt Marx nun, GRASSL habe dort zu niedrige Kostenschätzungen angegeben. Tja, das muss ich so stehen lassen, denn dazu hat GRASSL keine Referenzwerte aus laufenden Projekten veröffentlicht. Es wird aber wohl keiner glauben, dass der Unterschied beim Gesamtpreis durch Schummeln beim Gleisbau zustande kommt, oder?
Es ist übrigens nicht an uns, zu belegen, dass GRASSLs Berechnung stimmt, sondern es ist an den Experten zu begründen, warum sie diese anzweifeln. Das ist mit dem offenen Brief nach meinem Dafürhalten immer noch nicht plausibilisiert worden, vielmehr wird eigentlich immer klarer, wie Fehlschlüsse entstanden sein dürften, indem die Unterschiedlichkeit der Entwürfe einfach nicht gewürdigt wurde. GRASSL hat dagegen nachvollziehbar dargelegt, warum ihre Konstruktion besonders einfach ist, somit weniger Herstellungs-, Transport- und Montageaufwand bedeutet.
Es lässt sich mit Blick auf die Entwürfe gut erkennen, bei wem folgende Merkmale anzutreffen sind:
- Kompakte Stahlkästen max. 4 m x 2 m
- Vollschotte ohne Gurtbleche
- Wenige oder keine Trapezrippen
- Keine Regelquerträger
- Keine Konsolen
- Keine mehrzelligen Querschnitte
- Transport auf der Straße
- Keine Vormontage auf der Baustelle, sondern nur Zusammenbau in Längsrichtung
- Transport der vollständig fertiggestellten Schüsse auf der Straße
- Einheben mit Standard-Mobilkranen
Manche Mitbewerber haben ja sogar in Animationen stolz visualisiert, wie aufwändig ihre Brücke montiert wird! Und dann, im Ergebnis, sind die Brücken auch unterschiedlich. Auch da können wir uns auf das Fachexpertenvotum berufen, in dem zu lesen ist, dass FHECOR und LAP einen erhöhten Wartungsaufwand aufweisen, GRASSL jedoch nicht. Wie kann das sein, wenn die Brücken einander angeblich so ähnlich sein sollen?
Für mich ist offensichtlich, dass die Entwürfe nicht mit gleichem Maßstab bewertet wurden. Man braucht bloß das Experten-Votum durchlesen und sich die jeweils genannten Vor- und Nachteile notieren. Das passt überhaupt nicht zur aufgestellten Rangfolge.
Übrigens sind in der Initiative Carolabrücke nicht nur Laien aktiv.