Beiträge von Ziegel

    In Zeiten, in denen (Social-Media-) Nutzer zumeist nach der Überschrift aufhören zu lesen und dann ihre Kommentare unter diversen Einträgen platzieren frage ich mich, ob Bürgerbeteiligungen das Non-plus-ultra sind.

    Dann können wir das Wählen ja generell einstellen, wenn man den Bürgern nicht einmal die Entscheidung "Gefällt Ihnen das alte oder das neue Logo besser?" zutraut.


    Und über Desinformation in Social Media abzulästern, ist auch wohlfeil, wenn die Stadt noch nicht einmal selber richtig geprüft hat, wo das Wappen und das neue Logo zur Anwendung kommen darf und erst von CDU und AfD darauf hingewiesen werden muss. Oder der Stadtsprecher sagt: "Die Stadt, das sind nicht nur Falschparktickets und Bescheide, sondern auch Zoo, Gewandhaus oder soziale Einrichtungen", obwohl gerade Zoo und Gewandhaus vom neuen Design überhaupt nicht betroffen sind und auch ihre eigenen Websites behalten.


    Ich beobachte immer häufiger, dass Parteien wie AfD und BSW ihre Unterstützung für Bürgerbeteiligung, Initiativen und populäre Themen ins Schaufenster stellen und die anderen, die sich als Parteien der Mitte verstehen, diese Themen kalt abblocken. Ich finde das bedenklich. Der Logo-Streit ist wirklich das beste Beispiel, weil es so verdammt leicht und naheliegend wäre, hier auf die Menschen zuzugehen. Wenn es schon vorab nicht passiert ist, was ich verzeihen kann, dann aber definitiv nach dem artikulierten Unmut. Stattdessen den Leuten zu erklären, dass sie halt einfach alle zu doof sind, die Zusammenhänge zu verstehen, ist politisch nicht sehr förderlich.


    Und vielleicht gibt es ja doch eine Mehrheit in der Bevölkerung für das neue Logo, das wäre doch wirklich interessant zu erfahren. Braucht irgendjemand Angst vor einem solchen Stimmungsbild zu haben? Eine städtische Umfrage mit DIPAS würde nahezu null Euro kosten. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.


    Das Phänomen, der Bevölkerung das Mitspracherecht abzusprechen, hört ja nicht bei diesem Thema auf.

    Ich schließe mich in der Sache mal wieder Britt Schlehahn an:

    "In Pressemitteilungen und anderen Kommunikationsmitteln wie etwa dem Amtsblatt der Stadt kommt nun der entmilitarisierte und abstraktere Löwe zum Zug."


    Da hat Frau Schlehahn wohl übersehen, dass der Stadt ein Fehler unterlaufen ist und man wieder zurückrudern musste. Beim Amtsblatt als amtlicher Bekanntmachung muss das Stadtwappen verwendet werden. Das zeigt schon die ganze Absurdität dieses Logo-Trends, denn niemand wird das Amtsblatt deshalb als "militarisiert" wahrnehmen.


    Und auch wenn es richtig ist, die schlechte Berichterstattung zu kritisieren, selbst 15.000 Euro hätte wohl eine Mehrheit der Leipziger/innen für das neue Logo nicht ausgeben wollen.


    Mit CDU, AfD und BSW zeichnet sich eine Ratsmehrheit für eine Abschaffung des Logos ab. Die Verwaltung hat aber schon kundgetan, dass weder zwei der größten Petitionen, die Leipzig bisher gesehen hat, noch eine Stadtratsmehrheit sie interessieren und sie stur auf ihre Kompetenz in dieser Frage beharrt. Die Beteiligten, vor allem auch die Fraktionen, die sich als progressiv verstehen, sollten in sich gehen und sich fragen, warum sie bei so einem Thema, das weder komplex ist, noch Fachwissen erfordert, noch große Geldausgaben bedeutet, sondern einfach eine Geschmacksfrage ist und welches dennoch so enorm viele Leute bewegt, warum sie nicht einmal hier Bürgerbeteiligung zulassen wollen.

    Mit der Auswahl der Teams, welche Entwürfe für Carola 3 einreichen dürfen, bin ich ziemlich zufrieden.


    Über Ingenieurbüro Grassl freue ich mich, denn sie sind sicherlich wegen ihren Brücken im Berliner Zentrum ausgewählt worden, Monbijou- und Friedrichsbrücke. Die Brücken kommen meiner Wunschvorstellung sehr nahe. Deren Überbauten sind Neubauten, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.


    TSSB hat bisher keine Brücken entworfen. Sie stechen aber auch durch ihre Expertise bei Rekonstruktion und historisch angepasstem Bauen und Sanieren hervor. In Dresden haben sie auch einige entsprechende Projekte verwirklicht, zum Beispiel bei der Behrschen Villa einen Flügel im alten Stil ergänzt.


    Beide Büros haben auch viele Projekte gemacht, die mir gar nicht gefallen, aber ich sehe die Chance, dass sie offen für einen historisierenden Entwurf sind und das auch als ihren Auftrag verstehen.


    Die beiden anderen Büros werden wohl einen modernistischen Entwurf vorlegen.

    Mein Gedanke waren einfache Beleuchtungskörper, gern auch quadratisch wie die Aufzugsbauten selbst. Es fehlt jedenfalls ein Abschluss und wirkt im aktuellen Entwurf wie zwei Denkmalssockel ohne Denkmäler.


    Auch der neue Gebäudeflügel dahinter braucht meines Erachtens einen oberen Abschluss. Der Flügel wirkt auf mich zu niedrig, gedrungen und ohne einen leichten, gestalterischen Abschluss (etwa eine Attika) auch plump. Ein Aufgreifen der Bogenformen bei den Fenstern wäre toll gewesen, das kann man ja in 50 oder hundert Jahren noch nachholen.

    Seine Entwürfe waren dermaßen frisch, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dass er schon 96 war (wobei das bei dem Portfolio naheliegt). Immerhin kann Berlin sich rühmen, einen (durchaus streitbaren, aber sehr ausdrucksstarken) Gehry zu haben.


    Es ist gar nicht unüblich, dass Entwürfe noch nach dem Tod des Architekten ausgeführt werden, die Detailplanungen übernehmen in solchen Büros ohnehin nicht die Stararchitekten selbst. Und das Büro wird ja vermutlich fortgeführt werden. Oscar Niemeyers letztes Werk basiert auf lockeren Bleistiftskizzen.


    Das Problem könnte eher sein, dass niemand weiß, was sich Gehry überhaupt für den Alex vorgestellt hat. Der letzte Entwurf, von dem wie hier nur Renderings und ein Modell kennen, war ja außerordentlich konfus. Meiner Ansicht nach wäre die Pfeffermühle aus der ersten Phase toll, ein echter Gehry, auch posthum, aber das kann man vergessen.


    Es wird garantiert irgendetwas Langweiligeres, mit dem Kleihues + Kleihues wäre ich auch zufrieden.

    Schnelle Visualisierung (das Adamsche Haus steht allerdings verkehrt herum, zu sehen ist die Vorderseite zur Sophienstraße hin)

    Bist du dir sicher, dass das Adamsche Haus so weit gen Süden stand und ergo den Kubus so wenig verdecken würde? Auf http://www.altesdresden.de sieht es zwar so aus, aber die Überlagerung der Karten stimmt dort nicht ganz. Ich gehe davon aus, dass der Grundriss im Pflaster und die Erinnerungs-Pfeiler der Sophienkirche, die dort heute stehen, an der korrekten Stelle errichtet wurden.


    Joe "Passen nicht mehr zum modernen Postplatz" - das mag stimmen, aber dafür passen sie zum historischen Postplatz, nämlich dem Schauspielhaus und dem Zwinger. Und beide scheinen mir dann doch bedeutender als die Seltsamkeiten, die dort in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Vielleicht kommt man eines Tages doch dazu, etwas an diesen Ort zu bauen, das zu diesen historisch bedeutsamen und zum Glück erhaltenen Denkmälern passt.

    ein Mansardflachdach? Auf einem expressionistisch anmutenden Neubau? Das würde einfach nur lächerlich aussehen...

    Das Stadthaus nebenan, ein großartiger Vertreter expressionistischer Architektur, ist mit einem Schrägdach versehen. Und das Stadthaus macht auch vor, wie man eine Fassade gliedert (unter anderem mit Rücksprüngen) und auch, wie man eine steinerne Oberfläche so gestaltet, dass sie monolithisch und nicht nur vorgehangen wirkt.


    Auch wenn ich den neuen Entwurf überdurchschnittlich gut finde, gegen das hundert Jahre alte Stadthaus stinkt er gewaltig ab.


    Weiß jemand ob das ne Naturstein- oder gar Sandsteinvorhangfassade wird?

    Es ist noch nicht einmal klar, ob das Haus überhaupt gebaut wird. Die genaue Ausgestaltung wird geklärt, wenn ein Bauherr gefunden ist. Vorgabe im B-Plan, der oben verlinkt ist, ist "Natur- oder Betonwerkstein".

    Auf dem Foto auf Folie 8 springt mir ins Auge, dass ein Staffelgeschoss oder ein Dach fehlt.

    Den Gedanken hatte ich hier auch schon formuliert, jedoch ohne Bild. Architekturentwürfe unterliegen dem Urheberrecht. Es gab bereits erfolgreiche Abmahnungen gegen solche Abänderungen. Das Einspeisen in eine KI macht es nicht weniger problematisch und widerspricht auch den AGB des KI-Anbieters.

    Eine optische Verjüngung nach oben könnte durch dickere Säulen im Erdgeschoss und ganz leichte Staffelungen der beiden oberen Etagen erzielt werden. Und früher, auch noch in den 1920ern, hätte man obendrauf noch kleine Zierelemente gesetzt, damit sich der Dachabschluss elegant auflöst und nicht hart in den Himmel schneidet.

    Eine so starke Zurücksetzung wie oben zu sehen, braucht es m. E. gar nicht, ein ganz schmaler Versatz der oberen Geschosse würde schon gut strukturieren. Ein zusätzliches Mansardflachdach für die Technikaufbauten, rot ziegel- oder kupfergedeckt, wäre noch ein Sahnehäubchen.

    Auch wenn mir der Verlust der alten Universitätsgebäude von allen Verlusten am Augustusplatz und vielleicht sogar von allen Verlusten in Leipzig am meisten wehtut, so empfinde ich den Neubau dennoch als eine der großartigsten Architekturen, die Leipzig zu bieten hat. Sie hat mich als Maler sogar schon zu mehreren Bildern inspiriert, ein Ausschnitt davon ziert mein Profilbild hier. ;)


    Ich finde, dass im Egeraat-Entwurf eine künstlerische Herangehensweise zum Ausdruck kommt, die aus der sonst üblichen Funktionsabarbeitung weit herausragt. Bei Paulinum und Augusteum werden verschiedene stilistische Strömungen verarbeitet, ohne reproduziert zu werden. Obwohl auf die Vergangenheit Bezug genommen wird, empfinde ich das Bauwerk nicht als "retro", sondern als zeitgenössisch im besten Sinne, eindeutig eine Gestaltung des 21. Jahrhunderts. Und obwohl so viel Verschiedenes auf eigenwillige Art zusammengefügt wurde, ergibt sich eine Entität.


    Austauschbar? Nein, das Gebäude nimmt deutlich Bezug auf Geschichte und Ort und würde woanders als an genau dieser Stelle überhaupt keinen Sinn ergeben. Würdelos? Geschmackssache, aber definitiv wird durch die expressive, sehr selbstbewusste Formensprache, den repräsentativen Maßstab oder die Materialität der herausgehobenen Stellung einer Universität entsprochen. Seelenlos? Auch das ist Geschmackssache, aber allein schon durch den ausdrucksstarken Gestus, aber auch durch die zahlreiche Integration historischer Raumordnungen, Kunstschätze und Fragmente an authentischer Stelle hat das Bauwerk Seele. Bitte mal die Alternativen aus dem ersten (gescheiterten) und auch dem zweiten Wettbewerb anschauen, auf dessen Entwürfe Adjektive wie "austauschbar" tatsächlich zutreffen.


    Auch städtebaulich ist die Universität gut eingefügt. Obwohl sie so anders ist als alle anderen Häuser der Innenstadt, ist sie Teil des Ensembles geworden. Der Campus ist durchlässig und die Zugänge werden von allen Seiten gut genutzt. Einziger Schwachpunkt ist, dass es keinen direkten Zugang zum Paulinum vom Augustusplatz aus gibt, aber das ist ein Mangel, der historisch auch schon so gegeben war und sich auch anders kaum hätte machen lassen, da keine Kirche vom Altarbereich aus betreten wird.

    Die „Architektenschaft“ richtet die Wettbewerbsverfahren ja nicht aus.

    Nein, aber die Architektenschaft ist in Berufsverbänden organisiert und die verteidigen die Grundsätze der "Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW)" mit Klauen und Zähnen. Wettbewerbe werden meines Erachtens generell zu oft verklärt und die vielen Nachteile zu wenig ins Verhältnis gesetzt.


    Und ja, du hast es völlig richtig auf den Punkt gebracht: die grundsätzliche Problematik, die ein Wettbewerb mit sich bringt, durch einen weiteren, sehr offen gehaltenen Wettbewerb heilen zu wollen, ist wirklich absurd. Dass dann ein Büro den Auftrag für nachfolgende Leistungsphasen bekommt, ändert ja nichts an der unbezahlten Arbeit für die anderen. Wenn man alles auf Null setzt, wird es für die Teilnehmer beim Realisierungswettbewerb nicht einfacher. Aber vielleicht gibt es beim BDA ein paar Granden, die sich ärgern, bei so einem prominenten Projekt nicht zum Zuge gekommen zu sein.


    Interessant auch, welche Büros teilnahmen und leer ausgingen

    ...

    Gleicher Artikel, frei lesbar bei MSN eingestellt:


    Haus der Demokratie: Hoffen auf „inspirierende Architektur“


    Die Zusammenfassung im Vorkommentar ist eher eine Deutung. Allerdings ist insbesondere beim Dach die Forderung eines "zeichenhafte[n] Element[s] mit hoher Aufenthaltsqualität“ und "intensive[r] Begrünung" eine deutliche Ablehnung der historischen Dachlandschaft. Obwohl man zum Paulsplatz hin durchaus rekonstruieren und an anderen Seiten des Gebäudes Dachgärten integrieren könnte. Die Kämmerei wäre groß genug, beides zu bieten.


    Witzig finde ich den Vorschlag des BDA, den Ideenwettbewerb faktisch einzustampfen und beim Realisierungswettbewerb wieder alle Varianten zuzulassen. Begründung: die Teilnahme am Ideenwettbewerb habe sich für gute Architekturbüros nicht gelohnt, weil nur eine Beauftragung Geld einbringe. Vielleicht sollte die Architektenschaft das Thema Wettbewerbsverfahren mal grundsätzlich überdenken.

    Bei geringerer Fahrzeuggeschwindigkeit sind die eingeleiteten Kräfte in das Brückenbauwerk deutlich geringer

    Das ergibt Sinn, gilt dann aber auch generell für alle Straßen. Die Geschwindigkeitsvorgaben auf der B2 sind schon jetzt nicht konstant.


    Die Stadt Leipzig spricht sich weiterhin für eine Tunnellösung aus

    Das ist schon spannend, dass die Ministerin vom "für die Region Zumutbarem" spricht und sich zwei stark betroffene Kommunen für einen anderen Weg aussprechen. Ich vermute aber, der Freistaat lässt sich nicht erweichen.

    Der Freistaat hat das nie richtig gewollt, denke ich. Jetzt wird gesagt, die Vorplanungen für einen Trog/Tunnel würden zu lange dauern. Die hätte man doch längst anschieben können.


    Der Markkleeberger Oberbürgermeister Karsten Schütze hat dazu kürzlich schon alles gesagt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass der Tunnel schon im Kohleausstiegsgesetz verankert war. Wenn wir schon um die Kohlegelder betrogen wurden, obwohl die Agra-Brücke eine unmittelbare Bergbaufolge ist, muss es jetzt andere Wege geben."


    Tja. Ich bin auch sauer. Es ist ja nicht so, dass der Henningsdorfer Spannstahl und die Schrottigkeit der Brücke erst seit gestern bekannt sind...


    Interessant finde ich, dass jetzt langsameres Fahren auf der Brücke verordnet wird. Das kann ja nur damit zusammen hängen, dass der Verkehr bei niedrigerem Tempo flüssiger läuft. Eines der wichtigen Argumente für Tempolimits, nicht nur auf einsturzgefährdeten Brücken.

    Los 1. finde ich dagegen bieder... bekommt man da ne Schrankwand Eiche Rustikal zum Einzug geschenkt?

    Ich finde, das Los 1 muss man differenziert betrachten. Der lange Gebäuderiegel befremdet mich auch ein wenig. Bei den Eckgebäuden gehe ich mit Blick auf die anderen Projekte von "Hild und K" davon aus, dass die Umsetzung überzeugt. Deren Visualisierungen sind halt nicht so hochglanz.


    https://www.hildundk.de/projekte/


    Die ganze Konzeption und Proportionierung des Eckbaus sowie des kleineren Abschnitts mit den beiden Erkern überzeugt mich jedenfalls. Ich denke, dass viele Menschen, unabhängig vom bevorzugten Einrichtungsstil, dort gern wohnen würden.

    Wenn die Materialen der Fassade wirklich wertig werden,

    Wenn die Deutsche Oper hochwertige Materialien bekommt,

    Ein Satz, der so eingeleitet wird, weist für mich immer auf einen schlechten Entwurf hin. Großartige Architektur ist nicht auf teure Materialien angewiesen.


    Ich finde sämtliche Entwürfe erstaunlich unzeitgemäß. Wenn man schon so ein "Statement" haben will, muss man sich auch was einfallen lassen. Mit solchen Irgendwo-schonmal-gesehen-Entwürfen wird das jedenfalls nichts. Auch das Hamburger Opernhaus ist nicht gerade originell, aber durch die intensive Begrünung und das insgesamt zurückhaltende Auftreten sowie den Standort ergibt sich doch ein stimmiges Konzept.


    Mit Neid schaue ich nach Paris, wo vor 10 Jahren (!) die Philharmonie eingeweiht wurde, die ich heute immer noch doppelt so aufregend finde wie Düsseldorfer und Hamburger Oper zusammengenommen. Bis die deutschen Häuser gebaut werden, vergehen etliche Jahre und bei Einweihung wird vor allem das Düsseldorfer Bauwerk noch älter aussehen als heute schon im Entwurf. Schade, ich mag diese Stadt gern.

    Wenn auch der Agentur Amsterdam als Beispiel vorgegeben wurde, muss man sich über das Ergebnis nicht wundern.

    Deren neues Logo hat die gleiche Agentur Edenspiekermann gestaltet.

    Hier ist schon nicht nachvollziehbar, was an diesem Wappen so hochkomplex gewesen sein soll, dass eine Vereinfachung dringend notwendig erschien...

    Es geht dabei schlicht um eine Geschmacksfrage. Deshalb sollte die Stimme der Bevölkerung gehört werden. Analog gilt für mich das gleiche bei Fassadengestaltungen prominenter Bauvorhaben.

    Darüberhinaus und nicht auf dich bezogen Rundling, wird die Diskussion darüber langsam albern und vor allem provinziell.

    Ich habe nicht alle 6.400 Kommentare bei Openpetition durchgelesen, sicher sind auch etliche unsinnige dabei. Hier arrogant von Provinzialität zu schreiben, finde ich jedenfalls auch "albern". Es ist natürlich ein regionales Thema, das jedoch sehr viele Menschen bewegt. Es gab nicht sehr viele Petitionen in Leipzig, die so eine große Unterstützung bekommen haben. Gerade, weil der Unmut mit einer Bevölkerungsbefragung über DIPAS und ggf. einer Rückkehr zum alten Wappen so leicht auszuräumen wäre, finde ich die uneinsichtige Reaktion der Stadtspitze sehr unangenehm.


    Es gibt Logo-Veränderungen, die einfach so durchgehen. Und es Veränderungen, die vielen Menschen nicht gefallen. Letzteres ist hier der Fall und da hilft auch nicht der Verweis auf zig andere Beispiele. Wäre das Wappen behutsam erneuert worden, hätte es sicher nicht so einen Unwillen gegeben, aber das neue Logo ist einfach unpassend.

    1.Preis an Hild und K. aus München

    Yeah! Mein liebstes Architekturbüro! Und der Teil des Entwurfs, der ihre Handschrift erkennen lässt, ist auch gewohnt gelungen.


    Eines sieht man hier ganz deutlich, aber das konnte man auch vorher schon wissen: viele strikte gestalterische Vorgaben bzw. eine historisch fundierte und aufbereitete Vorstellung davon, was man haben möchte, führen zu hochwertigen Ergebnissen. Die Behauptung, solche Vorgaben behinderten die Kreativität, ist hier deutlich widerlegt. Ähnlich kreative Entwürfe für Wohnbauten sieht man selten.


    Wie sehr im Diskurs der Bezug zur Geschichte verlorengegangen ist, deute ich in die Assoziationen, die ihr geäußert habt. Klar kann man sich an Postmoderne, DDR-Postmoderne oder Stalinbarock erinnert fühlen, aber genauso an Architektur der 1920er oder um 1800, wie etwa ein Blick auf die Alte Münze in ihrer ursprünglichen Form zeigt. Giebel, Bogen, Risalite usw. werden heute schnell als "retro" bezeichnet. Die längste Zeit der Geschichte sagte man dazu "Architektur".


    Gegenüber den Siegerentwürfen fallen die Drittplatzierten tatsächlich deutlich ab. Diese erinnern mich stark an den Wettbewerb zur Breiten Straße, dessen Ergebnisse zwar in Ordnung waren, aber für den Molkenmarkt war eine Schippe mehr draufzulegen. Insofern entsprechen die Ergebnisse exakt meinen Erwartungen. blrm Architekt*innen werden hoffentlich noch aussortiert, es gibt für deren Baufelder ja zum Glück noch einen zweiten 1. Preis.


    Nun wäre interessant zu erfahren, was genau die großen Kostentreiber sein sollen. Dass es die Fassaden sein sollen, glaube ich nicht so recht, dem würden bisherige Erfahrungen eher widersprechen. Aber vielleicht könnte man auch den Anlass nutzen, nicht nur über Kosten des Quartiers, sondern auch über die Kalkulation der Einnahmen nochmal neu nachzudenken.

    Sicherlich wirkt es innovativ und ökologisch

    Mit der Ökologie ist das so eine Sache. Ich sehe da eher ein perfektes Beispiel, wie man Vogelschlag provoziert: viele Bäume vor spiegelnden Glasfassaden.


    Ansonsten ein durchaus netter Entwurf, zumindest nicht hässlich, was schon sehr viel wert ist. Ziemlich auf den Punkt, um ein sowohl repräsentatives Gebäude zu entwerfen, wie es sich für eine Oper gehört, aber auch nicht ganz so aufzutrumpfen... angesichts der Diskussionen über auftrumpfende Bauvorhaben in Hamburg.

    Das Designtagebuch hat dazu nun auch einen Artikel veröffentlicht, dem ich weitgehend zustimme.

    Das ist ein sehr schwacher Artikel im Designtagebuch. Fast alle Aussagen über das Design, und darum geht es ja, sind lediglich Wertungen. Es fehlen mir die fachlichen Begründungen. Es hapert schon an der Beschreibung des Designs, so hätte ich Erläuterungen zur Farbsymbolik und den eckigen Einbuchtungen verschiedener Größe und Platzierung mit Spannung gelesen.


    Falsch gibst du Schaffrina wider, dass "die Lösung in Designfragen aber kaum eine Publikumsbeteiligung sein" könne. Im Gegenteil schreibt er von "Einbindung von Bürgern und Mitgliedern des Stadtrates" und schlägt z. B. einen "Bürgerdialog vor Ort" vor. Bei Online-Abstimmungen sieht er eine "technische Problematik", ohne dass klar wird, was er meint. DIPAS ist in Leipzig erprobt und wurde bisher sehr gut angenommen.


    Einige Aussagen des Artikels sind m. E. nicht zu Ende gedacht. So heißt es: "Weitere Farben in das Corporate Design aufzunehmen ist schon deshalb sinnvoll, da Chemnitz und Dresden ein sehr ähnliches Stadtwappen haben, und Chemnitz zudem die gleichen Grundfarben nutzt."


    Tja, woran liegt das wohl? Ist das blanker Zufall? Oder kommt in dieser Heraldik nicht vielmehr ein Moment der historischen und regionalen Verbundenheit zum Ausdruck? Jetzt haben wir ein weiß-blaues Element mit Löwen, das "Verwechslungsgefahr" zu bayrischen Kommunen provozieren könnte. Aber mal ehrlich, niemand verwechselt irgendwas, auch vorher nicht, das Wappen-Logo taucht ja nicht kontextlos irgendwo auf.


    Eine bemerkenswerte Feststellung macht er, wenn er schreibt: "Wenn Städte und Gemeinden ein neues Erscheinungsbild präsentieren, ist der Anteil derer, die das neue Design ablehnen, immer größer."


    Mögliche Rückschlüsse könnten sein: man muss besser kommunizieren, man muss die Dummheit der Leute aussitzen, Menschen in den Sozialen Medien sind ferngesteuert und ganz andere Menschen als die auf der Straße... Man könnte aber auch daraus lernen, dass die Menschen mit den angestammten Symbolen ihrer Kommune sehr verbunden sind und dass diese Verbundenheit Respekt verdient.


    Man könnte sich als Fachmensch mal selbst hinterfragen und die eigenen Gestaltungsambitionen etwas zurückstellen. Und hier liegt der Bezug zur Architektur auf der Hand. Auch dort schaut die Fachwelt seit Jahrzehnten verdutzt auf die Sehnsucht vieler Menschen nach klassischer Architektur und arbeitet dagegen mit Argumenten vermeintlicher funktionaler Vorteile und moralischer Überlegenheit an. Die Stichworte, wir brauchten ein Logo der "Zugänglichkeit", "Nahbarkeit" und "Offenheit" und auf keinen Fall etwas "Majestätisches", kommen mir sehr bekannt vor.


    Hinterfragen möchte ich auch die Aussage: "Logos sind vom Prinzip her reduzierte, simple, einfache grafische Zeichen. Dies ist ihr Wesen. Minimalismus ist in dieser Designdisziplin kein von Marketing-Leuten ausgedachter Gag, sondern das Grundprinzip." Es gab immer schon komplexe Logos und gibt sie auch heute noch, das Logo der NASA fällt mir dazu spontan ein. Es ist wunderschön und weltbekannt, war zuletzt sogar häufig im Leipziger Stadtbild zu sehen, weil viele Leute Mode mit NASA-Logo getragen haben. Außerdem erfüllen die Vorgänger heutiger Logos, Siegel und Wappen ja im Grunde die selbe Funktion und das nach wie vor auch sehr gut.


    Das Logo der Uni Leipzig ist zwar auch eine Vereinfachung des Siegels, aber immer noch reichlich komplex. Der Wiederkennungswert in Verbindung mit der Wortmarke ist gegeben, zumal es nicht so viele Unis in Deutschland gibt, die so ein traditionelles Siegel haben. Im Fall der Uni Marburg wurde das vereinfachte Logo im Designtagebuch wie folgt kritisiert: "Vielfältige technische Anforderungen bestehen auch heute noch, doch es ist ganz sicherlich nicht so, dass Detailfülle auf mobilen Endgeräten nicht darstellbar sei. [...] Eine zu stark vereinfachte Form jedoch bedeutet Verlust von Individualität, auch von Identität [...] Im Markenkosmos führt Simplifizierung oftmals zur Selbstentfremdung, und zur Loslösung vom Markenkern. Im Zeichnerischen besteht zudem die Gefahr der Trivialisierung und Fehldeutung. Gerade wenn es ins Figürliche geht tendiert die Gestaltung oftmals zum Comic-haften, allgemein gesprochen. [...] Es kommt nicht von ungefähr, dass wir im Kommunikationsdesign seit einigen Jahren die Entwicklung sehen, weg von der schlichten, glatten, flachen Grundform, hin zu üppigeren, plastischeren Darstellungsformen [...]"


    Tja, und all das lässt sich auch über das neue Leipziger Logo kritisch sagen. Aber der Reflex war wohl schneller, die eigene Zunft gegen die Kritik der Laien verteidigen zu wollen und die Schuldigen lieber in der städtischen Kommunikation zu suchen.