Areal „Haus der Statistik“

  • Aktuell berichtet auch der RBB über das Projekt, sowie Sinn und Unsinn von Abriss und Neubau. Hier der Link zum TV Beitrag.

    Ergänzend zu den Bildern von DerBe im Beitrag zuvor, weitere aktuelle Eindrücke.

    Der Flachbau auf Seite der Berolinastraße, zuletzt als "Haus der Materialisierung" bezeichnet ist mittlerweile geplättet und es entsteht Platz für was Neues.

    [Bilder © bauhelmchen 2025]

    Ansicht Ecke Wadzeckstraße / Otto-Braun-Straße.

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    Einmal editiert, zuletzt von Bauhelmchen (13. Dezember 2025 um 17:57)

  • Ich empfinde die drangeklatschten Gelbkacheln bei längerer Betrachtung geradezu als störend. Es muss an der asymmetrischen Gliederung liegen, die das Auge assoziativ mit Elementen einer Klettersportwand in Verbindung bringt und an dem sehr ungünstigen Kontrast aus "Schmuddelweiß" und "Okker-Gelb".

    Konnte die Wiederherstellung der weißen Streben an der Fassade des ebenfalls originalgetrau rekonstruierten Haus des Berliner Verlags immerhin noch etwas Plastizität addieren, so gibt der Zusatzschmuck dem Gebäude hier keinerlei Mehrwert und so dünstet dieses "modernisierte" Ensemble einen Oberschulen-Mief vergangener Jugendtage aus. Lange, schmale, kalte Gänge, stinkende Linoleumböden, Türen über Türen, das Gefühl sich in einem Labyrinth ewig gleichenden Nichts zu bewegen,bis man endlich den Weg ins Freie gefunden hat und freudenvoll durchatmet, all diese längst überkommenen Dystopien verwaltungstechnischer Zweckbauten lebensferner Administrationen verkörpert dieses Ensemble. All das können wir heute so viel besser, menschlicher, wärmer, angenehmer, inklusiver gestalten! Stattdessen gibt es Gelbkacheln und eine immerhin stilechte und wie ich finde ziemlich ikonische Kaffeetasse. Das ist zu wenig.

  • ^ Die "drangeklatschten" Kacheln gab es auch im Original. Nur die Färbung hat sich geändert. Über was reden wir hier also? Kalte Gänge, stinkender Linoleum? - Sie waren da drin und haben im Kopfbau mit den Kreativen gesprochen oder mit den Bezirksangestellten im Verbindungsbau? Empfinden die das auch so? Oder entspringt das alles ihrer Fantasie und Abneigung gegenüber dem Gebäude?

    Mich erinnern die Kacheln und deren Anordnung an einem Rechenschieber. Passend zum Haus der Statistik.

  • Das können wir heute besser? Ich glaube das konnten wir früher besser, heute ist hiermit eigentlich sehr präzise beschrieben: „das Gefühl sich in einem Labyrinth ewig gleichenden Nichts zu bewegen,bis man endlich den Weg ins Freie gefunden hat und freudenvoll durchatmet, all diese längst überkommenen Dystopien verwaltungstechnischer Zweckbauten lebensferner Administrationen“

  • ^^Naja. Es ist doch wohl vollkommen klar, dass jeder andere Assoziationen bekommt. Und der Rechenschieber oder allgemein die Arbeit mit Daten bilden jetzt auch nicht gerade einen kategorischen Widerspruch zu den Schilderungen des Vorposters (das sage ich jetzt mal als ein Mensch, der Rechnen und die Arbeit mit Zahlen selbst durchaus schätzen kann aber auch sehr regelmäßig auf andere Mindsets und Vorlieben/Abneigungen trifft).

    Für mich persönlich wirkt der Bau eher langweilig und auch nicht besonders einladend. Das war aber zu erwarten, wenn man eben grundsätzlich entschieden hat, dass man so einen Klotz erhalten will (und dafür gibt es durchaus gute Argumente, die wir hier aber schon mehrfach besprochen hatten): Die Kubatur und deren Maßstab sind mE einfach zu plump, als dass ein paar kleine Akzente da viel retten könnten. Immerhin: Die gerade bei Sonne gülden schimmernden "Kacheln" sind schon (etwas) besser als nichts. Mit einem etwas wärmeren Material wie bspw. Backstein plus farblicher und plastischer Strukturierung wäre da mE vielleicht noch etwas - aber wohl auch wirklich nur etwas - mehr gegangen. Sichtbeton oder etwas ähnliches im Grau in Grau wäre umgekehrt noch weit schlimmer geworden (hätte ehrlicherweise aber auch irgendwo gut gepasst). Aber man wollte ja ohnehin nah beim Original bleiben, womit sich der Spielraum doch stark erschöpft.

    Das Ergebnis ist mE nun auch nicht komplett hässlich oder gar unerträglich. Wenn man es für einen Neubau hält, wirkt es mE eher so, als wenn man da irgendwas mit einem definierten Zweck und Volumen hinsetzen musste und dann niemand genug Geld, Zeit, Mühe oder gar Liebe für ein besseres gestalterisches Ergebnis investieren wollte. Und am Ende war dann halt doch noch bissl Geld und Material für die Goldkacheln übrig, die dann von den Arbeitern noch kurz vor Feierabend ohne nähere Vorgabe versatzstückartig dran gekleistert werden mussten. Steht jetzt halt rum und erfüllt seinen Zweck. So wie man es x-fach kennt und meist irgendwann stillschweigend als Füllwerk oder Hintergrundmasse einer im Durchschnitt grauen Stadt akzeptiert, die dann im besten Fall aber doch auch noch das ein oder andere Highlight zu bieten hat, welche man als optischen Anker gezielt ansteuern kann. Diesen Bau dagegen würde ich im Alltag allenfalls kurz zur Kenntnis nehmen und dann gleichgültig passieren (einzig die Größe erschwert diesen Filterprozess). Da gibt es aktuell, auch in Berlin und konkret am Alex, zum Glück weit spannendere Projekte.

    Daher wirkt die Diskussion darum schon regelrecht bemüht, so als wenn man es als DAF aufgrund der Adresse und Dimension einfach abhandeln muss. So als Art Pflichtaufgabe, bevor man dann wieder einen seiner persönlichen Lieblingsthreads öffnen und echte Emotionen spüren darf. Dieser Bau dagegen bewegt (mich) halt weder positiv noch negativ.

    Wenn ich mein Gehirn denn schon zu einer Assoziation zwingen müsste, dann wäre dies primär die Wahrnehmung als Zeuge seiner grauen, wenig menschenfreundlichen Zeit: Hinter maximal banalen Fassaden verrichteten x gleichgeschaltete Diener des technokratischen Systems bieder und maximal unaufgeregt ihre Tätigkeit (denn das ist mE Architektur, die bewusst nicht aufregen oder aber allzu viel anregen will). Sie opferten wie ein Uhrwerk von früh am Morgen bis spät am Nachmittag und von Montag bis Freitag ein Stück ihrer (irrelevanten) Lebenszeit. Hielten als zig kleine Zahnrädchen alles am Laufen. Funktionierten ohne allzu tiefgreifende Reflexion. Eben so wie es das System brauchte, in dem Menschen im Idealfall ebenso berechenbar sein sollten wie eben die Kugeln am Rechenschieber. Hannah Arendt sprach in etwas anderem Kontext von der Banalität des Bösen. Aber solche ernüchternden Anteile gibt es unabhängig von der moralischen Bewertung in jedem System, auch im heutigen - und auch solche Architektur ist (leider) nicht gerade die Ausnahmeerscheinung.

    Und jetzt besser auf zum nächsten Thread, denn was noch soll man sagen zu so etwas Nichtssagendem...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    . Und am Ende war dann halt doch noch bissl Geld und Material für die Goldkacheln übrig, die dann von den Arbeitern noch kurz vor Feierabend ohne nähere Vorgabe versatzstückartig dran gekleistert werden mussten.

    Wie kommst du denn darauf, dass es da keine Vorgaben gegeben hätte? Das ist einfach falsch und wird auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger. Halte dich doch mal an Fakten. Diese Kacheln wurde so angebracht, wie es im Original schon ausgeführt wurde. Diese Herabwürdigung, genauso wie stinkendes Linoleum etc. , spiegelt nur eine persönliche Abneigung wieder und dient einer sachlichen Diskussion nicht. Es ist schlichtweg langweilig. Es ist doch ok, wenn du oder wer auch immer das Gebäude nicht magst, nur bitte nicht irgendwas erfinden, was der Realität nicht stand hält.

    Einmal editiert, zuletzt von DerBe (14. Dezember 2025 um 09:41)

  • ^Ich habe nicht geschrieben, dass es so passiert ist. Ich habe geschrieben, dass es so wirkt. Diese scheinbar unregelmäße Regelmäßigkeit wirkt jetzt nicht besonders konsequent in die eine (Symmetrie) oder andere (random zufallsgeneriert) Richtung und ergibt auch kein atemberaubend stimmiges Ergebnis. Da macht es mE keinen großen Unterschied, ob sich jemand irgendwas dabei gedacht hat oder man es einfach aus spontaner Laune in diesem Rhythmus angebracht hat.

    Und wenn Du ehrlich bist: Regt dieser Bau denn Deine Phantasie an? Und hast Du positive Empfindungen dafür? Oder hast Du vielleicht eher das Empfinden, ihn verteidigen zu müssen?

    Ich habe übrigens auch umgekehrt nie gesagt, dass ich ihn abgrundtief ablehne. Ich muss und kann damit leben, weil er nun einmal faktisch da ist und es vernünftiger ist, damit zu arbeiten statt Ressourcen zu verschwenden. Die Überarbeitung ist solide, reißt aber auch nichts groß heraus. Aufgabe erfüllt, jetzt auf zu lohnenderen Projekten.

  • ^ Der Bau in seiner Schlichtheit regt meine Fantasie an, ja. Mehr als irgendein Styrotempel a la Patzschke. Oder Strassenzüge mit Gründerzeithäusern, an denen Stuck aus dem Katalog angebracht wurden. Und dennoch würde ich nicht behaupten, dass irgendwelche Stuckelente nur "drangeklatscht" wären. Was sie aber im strengeren Sinne tatsächlich auch sind.

    Vor allem aber bin ich beeindruckt von den Menschen, die das ganze möglich gemacht haben. Durch Eigeninitiative. So sieht für mich Teilhabe aus.

  • DerBe muss den Bau aus politischem Lagerdenken heraus verteidigen. Keine leichte Aufgabe, die aber unermüdlich wahrgenommen wird.

    Leider sind wir teils langjährigen Mitdiskutanten hier im Forum einfach nur lästige „wer-auch-immers“, die besser nichts sagen sollten.

    Wie gesagt, finde ich die Entscheidung zu sanieren und eine Behörde reinzupacken in Ordnung. Mit den Kreativen weiß ich nicht so recht, ob die anderswo nicht besser aufgehoben wären zumal es viele interessante Gebäude gibt, die durch Kreative bespielt werden könnten.

  • Das Hauptargument in der Diskussion um das Haus der Statistik war für mich immer die ökologische Bilanz. Bei der Sanierung wird viel weniger CO2 ausgestoßen als bei Abriss und Neubau. Dieses Argument hat bisher niemand widerlegt. In der Vergangenheit gab es viele Befürchtungen bezüglich des Projektes: Das Gebäude, das viel Jahre leer gestanden hat und sehr heruntergekommen aussah, wäre nicht sanierungsfähig. Die Baukosten würden explodieren. Keine dieser Befürchtungen hat sich bewahrheitet. Heute kenne ich keine relevante politische Kraft, die das Projekt negativ bewertet. Deshalb finde ich schon, dass das Projekt ein Erfolg ist.

    Zudem hat das Projekt mit dazu beigetragen, dass auch anderswo von Abriss auf Sanierung umgeplant wurde. Die Klosterstraße 62 wird gerade saniert, für die Klosterstraße 44 wurde endlich die Baugenehmigung erteilt. Auch deshalb ist das Projekt ein Erfolg. In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen läuft aktuell eine Ausstellung zu dem Thema, die sehr sehenswert ist. Sie zeigt, dass auch der Senat immer mehr auf Erhalt setzt.

    https://www.berlin.de/land/kalender/…tart=14.12.2025

    Im übrigen stinken die Flure im Haus der Statistik nicht nach Linoleum. Und wenn jemand eine schwere Kindheit hatte und in Schulen gehen musste, wo die Flure nach Linoleum stanken, dann kann man dafür kaum das Haus der Statistik verantwortlich machen.

  • Man hätte aber auch sanieren können, ohne eine originalgetreue Rekonstruktion anzustreben. Damit hat man die Fehler der Vergangenheit wiederholt und ein für das menschliche Auge sehr tristes und unfreundliches Ergebnis geschaffen.

  • Ich bin ja grundsätzlich ein Fan davon, erst einmal das finale Ergebnis abzuwarten - Schauen wie es ist, wenn alle Gebäude fertig sind und die Nutzung der Gebäude und besonders der Flächen im Erdgeschossbereich sich etabliert haben. Dennoch kann man eine Tendenz sehen: Es ist nicht so, als würden nach langsamer Fertigstellung die Leute jubeljauchzend Schlange stehen, um sich dieses Prachtstück der Stadtreparatur mal aus der Nähe anzuschauen. Im Gegenteil: Auf keinem der Bilder der letzten 2 Seiten ist auch nur ein einziger Passant zu sehen. Man erwartet quasi auch keinen. Hoffen wir, dass sich das am Ende ändert.

  • ^ Genau so ist es. Es wird wieder ewig diskutiert, aus welchen (politisch-ideologischen) Gründen der Erhalt eines von der breiten Masse längst abgestoßenen und vergessenen Gebäudes wünschenswert sein könnte, während der eigentliche Zweck – eine verbesserte Aufenthaltsqualität und Verschönerung der Stadtmitte – völlig in der Hintergrund rückt. Es wird meiner Meinung nach höchste Zeit, dass man mal wieder etwas von der übermäßigen Komplexität von Baumaßnahmen absieht und sich auf das Wesentliche konzentriert: Wie gestalten wir die Stadt menschenfreundlich und vor allem nach dem

    Geschmack der Mehrheit, und nicht dem Geschmack einzelner lauter Mindermeinungen, die es vermeintlich besser wissen wollen. Wer hier jetzt wieder behauptet, dass es Bürgerbeteiligungen gab und das hier ein demokratisches Ergebnis sei, der braucht dringend juristische Nachhilfe. Dieses Ergebnis hier würde bei einer wirklich repräsentativen Umfrage / Beteiligung niemals eine mehrheitliche Zustimmung finden.

    Es ist nicht nur unglaublich hässlich, sondern auch rein objektiv völlig an den menschlichen Bedürfnissen vorbei gebaut.

  • ^ Vielleicht sollten wir den Ball etwas flacher halten! Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, auch über den, der vermeintlichen Mehrheit. Vor allem, wer ist diese Mehrheit? Die, die am Beteiligungsprojekt mitgewirkt haben? Die Bewohner(innen) von Mitte, die das Projekt ignoriert haben, oder die von Berlin, oder von Deutschland?

    Die Aufenthaltsqualität wird sich hier, wenn alle Gebäude fertig und bezogen sind, auch deutlich verbessern. Man kann sich doch an dieser Ecke kein kuscheliges Altbauquartier vorgestellt haben, oder etwa doch???

  • Wie gesagt: Der Erhalt der Baumasse war vernünftig, die stilistischen Spielräume einer Neugestaltung eher überschaubar und die bewusste Orientierung an der historischen Gestaltung zumindest nachvollziehbar. Ich hätte mir umgekehrt zwar durchaus auch eine ambitionierte Neugestaltung vorstellen können. Aber komplett herausgerissen hätte das den Kasten mE auch nicht mehr.

    Daher lässt mich der Pathos etwas verwundert und ratlos zurück. Man sollte nun lieber zusehen, die öffentlichen Räume rund um die diversen vertikalen und horizontalen Schachteln aufzuwerten und zu beleben. Dann wird man schon damit leben können. Für mich (und sicher so manche Touristen) ist der Alex auch ein Stück weit Freiluftmuseum, was durch die meisten Neubauten nicht verhindert und gerade durch die Gestaltung der ersten Turmneubauten seit über 50 Jahren nun sogar eher noch unterstützt wird.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Man kann sich doch an dieser Ecke kein kuscheliges Altbauquartier vorgestellt haben, oder etwa doch???

    Zwischen kuscheligem Altbauquartier und dem, was dort nun realisiert wurde, liegen wirklich Welten.

    Es muss kein „Altbau“ sein, aber vielleicht etwas, das näher am Menschen ist und nicht aussieht wie die verkörperte Depression. Ich bleibe dabei, über Geschmack mag man streiten, aber wenn ein Gebäude SO aussieht und gegen jede Erkenntnis völlig ignoriert, was Menschen heute als „schön“ oder „angenehm“ begreifen, dann ist es nichts als eine Dreistigkeit und Zumutung. Vielleicht braucht es endlich mal aktuelle representative Umfragen, aus denen man den Geschmack der Allgemeinheit eindeutig ablesen kann, dann hört man auch endlich mit dem „Geschmack ist relativ“-Argument auf. Es gibt Grenzen. Und es macht mich wirklich fertig, wie viele städtebauliche Chancen noch immer vertan werden. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass DAS HIER maximal 10 Prozent der Bevölkerung als „schön“ oder erhaltenswert betrachtet.

    Wieviele Umfragen und Bekenntnisse gibt es, die Paris oder London als schönste Städte deklarieren? Und wieviele Menschen sagen das über Bochum? Oder gar Köln?

    Das kann man doch nicht ignorieren. Es liegt völlig auf der Hand, was die Allgemeinheit bevorzugt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Man kann sich doch an dieser Ecke kein kuscheliges Altbauquartier vorgestellt haben, oder etwa doch???

    Warum eigentlich nicht? Das ist hier ja eigentlich ein traditioneller Berliner Altbaukiez. Altbauquartiere sind m.E. bei vielen sehr beliebt. Warum sollte man evtl. Rekos oder wenigstens die Wiederherstellung von kleinteiliger Blockrandstruktur nicht anstreben? Dann wäre auch Leben auf den Straßen.

    Hier ist der Zug abgefahren aber allein in Fußnähe gäbe es jede Menge Potential.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Bei der Sanierung wird viel weniger CO2 ausgestoßen als bei Abriss und Neubau.

    Ich wäre da vorsichtiger. Bei DGNB-Zertifizierungen fallen zum Beispiel die ökologischen Betriebsverbräuche höher ins Gewicht als die CO2-Baukosten. Die Flächenausnutzung ist bei hohen Riegeln wie diesen erstaunlich schlecht im Vergleich zu dichterer Bebauung. Dazu kommen Themen wie Hitzespeicherung oder Luftzirkulation, wo solche Riesen auch nicht immer gut abschneiden. Stahlbeton lässt sich auch sehr gut rezyklieren, die Wiederverwendungsquote in Deutschland liegt bei nahezu 100%. Im besten Falle wird damit vor Ort neu gebaut wie zum Beispiel bei der ehemaligen Bayernkaserne in München. Auch ökonomisch hätte eine Mischkalkulation hier evt. mehr gebracht als eine Sanierung mit den gegenwärtigen Nutzungen. Nicht zuletzt hat Nachhaltigkeit für mich auch die Komponente, dass Gebäude um ihrer selbst willen geschätzt und erhalten werden und bestenfalls leicht reparabel sind, mitunter sogar durch Laien. Je größer, technisierter, anonymer das Gebäude, desto schwerer ist das möglich.

    Das alles möchte ich grundsätzlich zu bedenken geben. Nachhaltigkeit ist sehr komplex und oftmals nicht ad hoc zu beurteilen.

    Im vorliegenden Fall wurde vielleicht eine richtige Entscheidung getroffen. Ich würde mich aber dennoch nicht wundern, wenn die Gebäude in einigen Jahrzehnten wieder zur Disposition stehen. Die erschreckende städtebauliche Wirkung, sowohl der Riegel als auch der enormen Straßenbreite, ließe sich vielleicht durch eine Umwidmung eines Teils der Verkehrsfläche zu Bauland entschärfen. Vorgelagerte, niedrigere, kleinteiligere, freudvollere Gebäude könnten das statistische Monster auf interessante Weise relativieren. Ich kenne aber die konkreten Verhältnisse vor Ort zu schlecht, um die Denkbarkeit so einer Idee beurteilen zu können. Ich glaube, es wurde hier auch schon einmal über die Straße diskutiert.