Beiträge von jered1993

    Jetzt mal eine richtige unpopular opinion:

    Zwischen LED-Candystores, Shisha-Cafés und H&M wünscht ihr euch eine Wiederbelebung einer alten West-Berliner Institution? Wovon träumt Ihr nachts? 😅

    Ich persönlich konnte diesem Kranzler-Konstrukt mit seinen Zirkus-Markisen ja noch nie viel abgewinnen – wirkt in meinen Augen wie billiger Nachkriegs-Kitsch.

    Aber ich komme ursprünglich auch nicht aus Berlin und habe daher keine persönliche Verbindung zum Kranzler – kann durchaus verstehen, wenn das Thema für den ein oder anderen emotionaler ist, daher verzeiht bitte meine Süffisanz und Direktheit.

    Anderer Take: Wäre eine echte Wiederbelebung nicht der Wiederaufbau des klassischen Kranzlerbaus aus der Vorkriegszeit? Oder zumindest schickere Markisen – dunkelblau, schwarz oder weiß? Aber wahrscheinlich gilt der rot-weiß-gestreifte Sonnenschutz mittlerweile als ikonisch – oder steht so gar unter Denkmalschutz..

    Sei‘s drum, die Ecke hat endlich eine Aufwertung verdient.

    Dass sich der Bund nun ggf. aus der weiteren Bebauung raushält, heißt ja nicht gleich, dass das Grundstück brach bleibt. Wenn der Bund das Grundstück verkauft oder verpachtet – und beispielsweise ein privat betriebenes „Parlaments-Hotel“ oder Ähnliches dort entsteht, wo Bürger und Touristen praktisch in direkter Verbundenheit zum Bundestag übernachten können (eine Art Hotelversion der „Ständigen Vertretung“ zB), könnte noch immer festgelegt werden, dass die Architektur sich an das Band des Bundes eingliedern und dies vervollständigen muss.

    Sprich: Auch privat betrieben kann dort etwas entstehen, das das Band des Bundes sinnvoll ergänzt – sowohl äußerlich als auch inhaltlich.

    ^ Man könnte auch Leuchtreklame bzw. große LED-Werbeflächen wie am Ku’damm Kranzlereck anbringen. Könnte mir kein passenderes Gebäude dafür vorstellen. So wird die scheußliche Fassade verdeckt und der Bezirk bekommt noch ordentlich Werbegeld, das er für allgemeine Aufwertungen oder sonstiges nutzen könnte.

    ^ Was der Alexanderplatz mE definitiv nicht braucht, ist noch eine dieser austauschbaren Kleihues-Kisten. Der Hines-Entwurf von Kleihues wirkt trotz seiner Abstufungen komplett leblos – ohne Zukunftsvision, ohne Eleganz, ohne den geringsten Hauch von Mondänität. Berlin würde damit erneut die riesige Chance vergeben, an zentralster Stelle ein echtes Wahrzeichen zu schaffen, das international Strahlkraft entwickelt.

    Wer ernsthaft glaubt, die Hochhäuser am Alexanderplatz müssten möglichst unauffällig bleiben, hat das Wesen von Hochhausarchitektur nicht verstanden. Das ist kein Bekenntnis zu städtebaulicher Sensibilität, sondern schlicht Mutlosigkeit. Ich bin es leid, wie sich Berlin immer wieder mit zweitklassiger, kompromissverhandelter Architektur zufriedengibt – besonders an Orten, die eigentlich Selbstbewusstsein ausstrahlen müssten.

    Der Alexanderplatz verdient endlich ein Hochhaus, das die Hauptstadt einer der größten Volkswirtschaften der Welt repräsentiert. Das einzige aktuelle Bauprojekt, das dem gerecht wird, ist die Erweiterung des Kanzleramts. Wenn wieder an einer Stelle wie dem Alex, die das Stadtbild über Jahrzehnte prägen wird, nur Mittelmaß entsteht, wäre das ein Armutszeugnis für das gestalterische Selbstverständnis dieser Stadt. Ein einziger mutiger Turm – das wäre jetzt mal das Minimum, nicht die Ausnahme.

    Diese krass (!) technokratisch anmutende graue Gegend kann wirklich nur durch sehr viel (gepflegtes und gezäuntes) Grün aufgewertet und lebendig werden. Diese Art von Architektur funktioniert nur im Zusammenspiel mit besonderer Botanik – ich kenne kein einziges Beispiel, wo das bei derart einfachen Formen, Fassaden und Höhenunterschieden ohne besondere Bepflanzung funktioniert.

    Gute Beispiele dafür sind Los Angeles oder Miami – da wirkt die manchmal blasse und einfache Architektur tatsächlich oft sogar richtig cool und einladend, weil sie eben mit Palmen und viel Rasenfläche konturiert wird. Palmen werden es hier wohl nicht, aber schöne zum Klima passende Bäume wären angebracht.

    Das sollte sich bis zum Hafen neben dem Hbf ziehen, da ist auch noch einiges an Potential rauszuholen.

    Ich habe das Gefühl, man ist in Berlin zurückhaltend mit neuer Bepflanzung, weil sich die Stadt scheinbar nicht genügend Personal für die Pflege dieser Grünflächen leisten kann. Es sieht oft so verwahrlost und unordentlich aus – super schade, da Berlin per se ja schon sehr grün ist und das einfach ein schöneres Stadtbild ergeben würde.

    ^ Freue mich ja sehr auf die neue Skyline und finde auch, dass der Berlinian da in seiner Form ganz gut aussieht, aber das Wort „spannend“ in einem Satz mit Kleihues.. 😅 Hat Kleihues jemals etwas spannendes gebaut? Finde, die stehen für absolutes Mittelmaß. Wenn du etwas willst, das nicht auffällt, ruf Kleihues an!

    ^ Tolle Nachrichten! Gibt es schon Genaueres zur Höhe? Ich bin nach wie vor großer Fan des Calatrava-Entwurfs für die Tuchtinsel – damals hat sich ja unter anderem der Hochhausrat dagegen ausgesprochen, weil die Höhe dem Dreischeibenhaus Konkurrenz gemacht hätte.

    Oh bitte lasst sie von diesem Irrsinn absehen! Düsseldorf darf nach dem Opern-Desaster nicht noch eine Chance auf ein mögliches neues Wahrzeichen und Publikumsmagnet verlieren.

    ^^

    Camondo

    Ich lese mit, und daher bekomme ich wohl oder übel auch regelmäßig von deinen immerwährenden überempfindlichen Angriffen auf andere Forumsmitglieder mit, sobald jemand deiner Architekturideologie widerspricht. Bei dir sind andere Meinungen schnell „erbärmlich“ oder „populistisch“ oder sonst irgendwie vermeintlich ungültig. Oder sprichst Leuten, die du nicht kennst, ihr Wissen ab. Bleib doch einfach mal bei einer sachlichen Auseinandersetzung und schieb nicht in jedem zweiten Thread so einen Stress.

    Fakt ist, du hast hier mal wieder lang und breit gegen jegliche Form von Wiederaufbau gewettert – was du zig Nachrichten zuvor mal irgendwann geschrieben hast, ist dann wohl längst überholt.

    @ Moderation: Kann dann weg, da thematisch nur noch irrelevant.

    ^^ Camondo Die Definition klassischer Architektur dürfte dir doch sicher bekannt sein, oder? Und in dem Kontext verstehst du sicher auch, was ich meine: Keine modernen Architekturstile à la quadratisch-praktisch-gut. Neubauten im Stile klassischer Architektur entwirft zum Beispiel Treese.

    Es geht doch letztlich darum, dass sich Altes auch bewähren kann und mit der Renaissance zB gab es eine ganze Architekturepoche, die darauf gesetzt hat, alte Stile und Bauwerke zu imitieren. Deine Argumente gegen einen Wiederaufbau sind viel zu absolut. Es gibt hunderte Beispiele, die beweisen, dass es sich nicht um seelenlose Kreativlosigkeit handelt. Und am Ende sollte immer noch im

    Vordergrund stehen, welchen Mehrwert ein Gebäude bzw. seine Optik für die Gesellschaft und die Gegend hat – und nicht, ob ein Architekt ORIGINAL auf seine Fahne schreiben darf und maximal kreativ war. Sag einfach, dass du kein Fan eines Wiederaufbaus bist, weil du lieber weiterhin mehr technokratische Betonbauten in Berlin sehen möchtest. We got it!

    Camondo

    A) Der Lehrter Bahnhof wird aber nicht mehr wiederaufgebaut, da steht der neu errichtete Hauptbahnhof. Und nur weil da im wahrsten Sinne des Wortes „der Zug abgefahren ist“, ist das doch kein Argument gegen den Wiederaufbau eines anderen imposanten Bahnhofs. Das ist also nun wirklich irrerührender whataboutism.

    B) Leider scheint der Wiederaufbau historischer Gebäude vor 1945 gerade die einzige realistische Möglichkeit zu sein, die Stadt wieder mit mehr klassischer Architektur zu füllen. Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen in Form von Wohngebäuden in Charlottenburg. Wäre man grundsätzlich offener für klassische Neubauten, müsste man auch nicht über „falsche inhaltsleere Träume“ nachdenken.

    Das Wort „erbärmlich“ kannst du dir in diesem Kontext auch sparen, lieber Camondo. Tief durchatmen würde dir mal gut tun.

    Ich glaube, der Wiederaufbau des Anhalter Bahnhofs wäre für Berlin weit mehr als ein nostalgisches Projekt – er könnte zu einem weiteren Symbol für eine neue, selbstbewusst mondäne Hauptstadt werden. Mal ganz abgesehen von seiner historischen Bedeutung und Relevanz.

    Seine klassisch-repräsentative Architektur steht für das, was der Stadt vielerorts fehlt: Würde, Detailreichtum und städtebauliche Präsenz.

    Ich weiß, viele wünschen sich, dass Berlin nie „erwachsen“ wird und immer so nah wie möglich an der improvisierten Großstadt der 90er bleibt wie nur möglich – aber dass Berlin für die Instandhalter dieser 90er mittlerweile viel zu teuer wird, ist auch kein Geheimnis mehr.

    Klassische Architektur fasziniert, weil sie Handwerk, Aufwand und Zeit sichtbar macht. Sie erzählt von Qualität und Beständigkeit – Werte, die in einer Stadt, die immer schneller, rauer und teurer wird, ein neues Gegengewicht bilden könnten. Prunkvolle Fassaden, Säulen und Ornamentik wirken nicht zufällig „reicher“: Sie signalisieren gestalterische Sorgfalt und gesellschaftlichen Anspruch, während viele moderne Bauten durch ihre Schlichtheit austauschbar und schnelllebig wirken.

    Berlin wird von Jahr zu Jahr teurer und steht längst in einer Reihe mit Paris, London oder Madrid. Damit wächst auch die Erwartung an das Stadtbild. Wenn die Subkultur sich zurückzieht, sollte Berlin diese Leerstelle nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ästhetisch füllen – mit gepflegten, repräsentativen Orten, die Strahlkraft haben.

    Ein wiederaufgebauter Anhalter Bahnhof – genutzt etwa als Luxushotel, feine Markthalle oder zweites KaDeWe (nachdem die modernen Räume der Galeries Lafayette ja nun nicht mehr genügend Reiz für die Kaufkundschaft hatte) – könnte genau diesen Wandel verkörpern, den Berlin mE braucht, um in Zukunft relevant zu bleiben und attraktiv für Leute zu werden, die sich die immer teurer werdenden Mieten noch leisten können. So hart das auch klingen mag.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Selbst bin ich absolut KEIN Platte-Fan aber gerade in der Gegend sorgen die „DDR-Edelplatten“ für ein Stück weit Zeitgeschichte und Abwechslung. Der Vergleich hinkt jetzt gewaltig aber: Als damals der Palast der Republik abgerissen wurde, habe ich mich mega gefreut. Endlich weg mit diesem hässlichen sozialistischen Kasten! Heute weiß ich, dass mit ihm ein Stück Berlin und auch ein Stück ostdeutsches, Original-Berliner Lebensgefühl verloren ist.

    Ist das nicht aber auch letztlich wieder die berühmte Geschmacksfrage?

    Man könnte hier ja genauso gut argumentieren, dass durch den Krieg und das DDR-Regime viele Stücke „Original-Berliner Lebensgefühl“ verloren gegangen sind? Die Frage ist eben: Welche Epoche definiert das „Original“? Welche Epoche halten wir jetzt für architektonisch relevanter? Kaiserzeit, Weimar oder DDR? Ist ja nicht so, als seien die Gebäude einfach wie Wurzeln ganz natürlich von Gott geschaffen aus dem Boden gewachsen.

    Klar, es gibt immer weniger Menschen, die sich noch nach einem Berlin vor 45 zurücksehnen können, aber auch die, die die DDR miterlebt haben, werden irgendwann gehen. Meiner Meinung nach sollte man daher pragmatischer an die Sache rangehen und Optik und Nutzen in den Vordergrund stellen.

    Großer Fan hier vom Bauprojekt The Wilhelm und der Veränderung der Gegend Richtung mehr repräsentative Architektur.

    Dahingehend mal eine Frage ans Forum: Weiß jemand, ob die (in meinen Augen furchtbar hässlichen) DDR-Platten, z.B. gegenüber von The Wilhelm, in Zukunft abgerissen oder wenigstens mal einen neuen Farbanstrich bekommen sollen? Weiß zB oder eine freundliche Pastellfarbe würde die Bauten schon deutlich aufwerten. Vielleicht könnte man sogar über eine Bestuckung der Fassade nachdenken. Oder verstößt das hier auch mal wieder alles gegen meinen Lieblingsendgegner Denkmalschutz?

    Der Anhalterbahnhof galt zeitweise als der größte (und für viele der schönste) Bahnhof Europas. Das Gebäude per se verdient also bereits einen Wiederaufbau.

    Eine passende Nutzung würde man dann schon finden – Museum, Hotel, Markthalle, vieles ist möglich. Zudem dürften die Kosten für einen Wiederaufbau klassischer Architektur – entgegen allgemeiner Annahmen – wie so oft tatsächlich günstiger sein als ein neuer Betontempel.

    Die Gegend dort könnte eine solche Aufwertung und Belebung gut gebrauchen.

    ^ Genau, nur, dass eine repräsentative Demokratie eben in ganz vielen Bereichen Sinn ergibt, bei gestalterischen Themen wie Bauwesen aber mindestens diskutabel ist und für viele Rechtswissenschaftler an ihre Grenzen stößt. So auch für mich. Es geht hier schließlich vor allem um Geschmack – schwierig, den in Parteiprogramme zu schreiben noch bestimmten Parteien zuzuordnen.

    Aber das ufert hier auch alles jetzt ziemlich aus 😂 Wir sind schon lange nicht mehr beim Thema Haus der Statistik.

    [mod]Genau. Und deshalb ist hier erstmal Pause. [/mod]

    Unterm Strich: Für mich geht die Entscheidung für den Erhalt des HdS am potentiellen Wählerwillen vorbei. Wenn man nicht weiß, was die Bürgerinnen bevorzugen würden, sollte man mE weniger auf Historie achten als darauf, wie man möglichst vielen Menschen im Zentrum Berlins einen Mehrwert bieten kann. Das sehe ich hier weder optisch noch funktionell.

    ^ Es geht hier einzig um die baupolitischen Entscheidungen - da fehlt es einfach an Legitimationsketten - nicht nur in Berlin. Das Demokratieprinzip kehrt da an seine Grenzen, wo der Bürger de facto gar keine Ahnung hat, welche baulichen Entscheidungen seine gewählten Abgeordneten oder gar die Ausschüsse treffen werden. Solche Einzelheiten finden wenig bis gar keinen Platz in Parteiprogrammen oder Ähnlichem. Das ist übrigens eine rechtsphilosophische Diskussion, die auch in der Rechtswissenschaft betrieben wird und hat rein gar nichts mit "Geschäft der AfD" zu tun. Ich wäre vorsichtig mit der Annahme, dass die Mehrheit der Berliner bei einer direkten Abstimmung für den Erhalt des Hauses des Statistik gestimmt hätten. Nur darum ging es. Also Ball flach halten.

    ^^Zum Flanieren kann man in ganz viele Ecken in Berlin gehen, schon klar. Das entwertet aber meiner Meinung nach nicht das Argument, dass man in solch prominenter Lage etwas anderes schaffen könnte, wo sich Leute lieber aufhalten und das etwas freundlicher scheint als solch ein aus der Jahre gekommener Kasten.

    ^ 😉 Sie haben felsenfest behauptet, dass „das Volk“ dieses Gebäude annimmt und die Entscheidung, dieses Gebäude zu erhalten, damit absolut demokratisch legitimiert und vor allem clever durchdacht sei. Wir können ja einfach mal schauen, wie belebt der Ort sein wird und wieviele Menschen sich dort gern aufhalten werden. Sie werden überrascht sein.

    Aber klar, Hauptsache man hat ein Gebäude mit historischer Relevanz gesichert.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Nein, das Volk nimmt dieses Gebäude genau so an, wie andere Gebäude auch und noch viel mehr.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Es geht nicht um irgendwelchen Fassadenschmuck, sondern es ist die gesamte Anmutung des Entwurfs für das Hotel die vorne und hinten nicht stimmt in dieser Umgebung, jedenfalls.

    Auch, dass der Entwurf vorne und hinten nicht in der Umgebung stimme, ist in diesem Fall nicht wirklich objektiv belegbar. Grundsätzlich hat sich die Tiergartenstraße in einen Dschungel aus zig verschiedenen Architekturstilen entwickelt, der Hotelbau würde da kaum eine Ausnahme darstellen. Zumal andere klassische Baustile in Form der italienischen Botschaft beispielsweise naheliegen.

    Persönlich bin ich bei Schwammkopf, der Hotelbau hätte der Gegend nicht nur Noblesse, sondern vor allem mal etwas mehr Leben eingehaucht. Und darum sollte es doch letztlich auch gehen.

    Der Interimsbau der Staatsbibliothek wird nur ein weiterer trister, technokratischer Bau, der auch in jedem abgelegenen Büroviertel stehen könnte.