^ Was denn für "DDR-Ruinen"?
Leipziger-Platz-Thread
-
-
-
^/^^ Das habe ich mich auch gefragt. Manchmal wird es hier schon sehr hanebüchen. Zumal die nächsten aus DDR-Zeit stammenden (intakten) Gebäude 150 m vom Leipziger Platz entfernt sind. Und wo "Ruinen" sein sollen, weiß wohl nur Stefan George allein...
Ich finde den Leipziger Platz gar nicht so schlecht. Die klare geometrische Form des Oktogons wurde wiederhergestellt. Die Gestaltung und Bebauung ist nicht spektakulär, aber in Ordnung und so unbelebt finde ich ich auch nicht. Die Nordseite wird schon recht stark von Fußgängern frequentiert, die Südseite ist etwas ruhiger. Und so klein ist der Platz m. E. auch nicht. Klar, er wird von der viel befahrenen Leipziger Str. durchschnitten, aber das Schicksal teilt er sich mit den meisten Plätzen in Berlin. Und viele hat es schlimmer getroffen, die sind mehr Mega-Kreuzungen als "Plätze" (z. B. Richard-Wagner-Platz, Rosenthaler Platz, Adenauerplatz u. v. m.)
-
Und das wird sich auf lange Sicht nicht ändern, weil dieser urbane Albtraum gerade erst unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Die Plattenbauten an der Wilhelmstraße, die Sie wohl meinen, sind weder "ruinös" noch stehen sie unter Denkmalschutz. Vielmehr wurde ein Erhaltungsgebiet erlassen.
-
Dort möchte niemand wohnen, und wer dort wohnt, gehört nicht zur Kundschaft von hochpreisigen Franchise-Unternehmen.
Also, laut Immoscout-Atlas ist der Quadratmeterpreis für Wohnungen rund um den Leipziger Platz seit Ende 2016 von knapp 5.200 auf fast 7.700 Euro gestiegen. Der Anstieg betrug allein im letzten Quartal 2,5 Prozent. Da in diesem Durchschnitt z.B. auch die Platten an der Voßstraße enthalten sind, dürften die Preise für den HGHI-Edelblock zwischen Voß- und Leipziger Straße noch wesentlich höher liegen. Und am anderen Ende der Wilhelmstraße, mitten unter "DDR-Ruinen", entstehen gerade die teuersten Wohnungen der Stadt. Kurz gesagt: Herr George hat sich das einfach so zurechtgedacht, und er liegt komplett falsch.
"DDR-Ruinen", "urbaner Alptraum", "Seufzertunnel", "Platzverschwendung", "Vorhof zur Hölle" - was man hier in den letzten Tagen zum Leipziger Platz zu lesen bekommt, ist in der Rhetorik oft so maßlos und im Urteil oft so undifferenziert, dass es eine sachliche Debatte quasi unmöglich macht.
-
Architektur exponiert sich und ruft schon unterschiedlichste Regungen hervor. Dem einen gefällts dem anderen nicht. Der eine sieht Ergebnisse im städtischen Zusammenhang und der andere fokussiert sich auf einzelne Gebäude und Ensembles. Polemik und Gleichnisse bieten Bilder haben, in der Bewertung, Tradition und sind in erster Linie emotional begründet. Es Kann, wenn auch nicht ausschließlich, erlaubtes Mittel sein um in der Abwägung zu einer finalen Einschätzung zu kommen. Es geht da oft um nicht eingelöste Versprechen, Erwartungen und Überzeugungen die sich, denke ich in der Diskussion ja auch wandeln können oder einfach um eine gewisse widerspenstige Haltung gegenüber einem hochlobenden, verklausulierten Architektensprech der sich manchmal äußert. Das hinterfragen und nachvollziehen warum was wie so wahrgenommen wird birgt vielleicht auch Erkenntnisgewinnung wenn der Ketzer dies im Anschluss dann begründen kann. Sehe ich so nicht als Drama vielleicht eher ermüdend und kann die Argumentation der Positionierer auch schärfen. Ich würds gelassen sehen.
[mod]Bitte nicht sinnlos zitieren! Danke[/mod]
-
Die Plattenbauten an der Wilhelmstraße, die Sie wohl meinen, sind weder "ruinös" noch stehen sie unter Denkmalschutz. Vielmehr wurde ein Erhaltungsgebiet erlassen.
das mit den wilhelmstrassenplatten läuft wohl eher unter Bestandsschutz, Abrissgenehmigungen für Neubebauungen wurden entzogen oder nicht erteilt, meine ich gelesen zu haben - bei angespannter Wohnunungsmarktlage und Gentrifizierungsbefürchtungen Leider durchaus nachvollziehbar - den Denkmalschutz haben samt vorgelagerter Pavillons die Wohnscheiben an der Leipziger als Ensemble ereilt - soweit ich weiß - vielleicht ging es ja darum.
-
^ Die ursprüngliche Erhaltungsverordnung für das Gebiet Wilhelmstraße stammt schon aus dem Jahr 2016; sie wurde am 28. März 2018 durch die seither gültige „Verordnung über die Erhaltung der städtebaulichen Eigenart auf Grund der städtebaulichen Gestalt für das Gebiet "Wilhelmstraße“ ersetzt. Im vergangenen Sommer hat das OVG Berlin-Brandenburg eine gegen diese Verordnung gerichtete Klage der Eigentümer zurückgewiesen (Beschluss vom 24.07.2020 – Az. OVG 2 A 6.18). Da es schon vor 2016 diverse Bebauungspläne gab, die auf den Erhalt der in Plattenbauweise errichteten Gebäude insbesondere an der Wilhelmstraße abzielten, hat sich dort hinsichtlich der Randbedingungen in den letzten Jahren eigentlich wenig oder nichts geändert.
-
Das Problem der gesamten Gegend, von Friedrichstraße bis Leipziger Platz, ist, daß sie praktisch von DDR-Ruinen eingezäunt wird.
Stefan George hat völlig recht!

Bezüglich der DDR-Ruinen ... ähm ich meine ... der DDR-Platten in der Wilhelmstraße sollte die Senatsverwaltung eine dringend notwendige Kurskorrektur einleiten. Ich empfehle eine Kahlschlagsanierung. Dazu sollte die Senatsverwaltung mit Investoren Gespräche führen. Bestandsschutz auflösen und Abrissgenehmigungen erteilen. Die Investoren sollten für die Phase der Entmietung etwa 2 Jahre einplanen. Lästigen Mietern mit einer Räumungsklage drohen oder die Mieter mit großzügigen Abfindungen gefügig machen. Nach der Phase der Entmietung sollten dann zügig die Abrissarbeiten durchgeführt werden (bevor die Senatsverwaltung es sich wieder anders überlegt) und dann große Teile der Vorkriegsbebauung wieder herstellen.
-
< Sorry, aber du läßt dich wirklich vor jeden Karren spannen, oder noch schlimmer, spannst dich selbst vor jeden Karren. Ich bin nicht amüsiert.
-
^^ Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Völlig absurd.
-
^
Ich denke, Architektur-Fan wollte dies ironisch verstanden wissen. Hoffe ich zumindest :).
-
solange die Leipziger Straße den Leipziger Platz durchschneidet, wird sich an den beiden "verlorenen" Hälften des Platzes nichts ändern.
Das war allerdings vor dem Krieg auch schon so, dass die Leipziger Straße den Leipziger Platz durchschnitten hat. Und es hat der Eleganz des Platzes damals nicht geschadet.
-
Die Platten in der weiteren Nachbarschaft sind nicht das Problem - die Architektur um den Platz selbst herum hat die Qualität von Gewerbepark-Kisten, nur halt etwas größer. So kann kein Ort entstehen, an dem sich Menschen mehrheitlich wohlfühlen.
Der andere Punkt ist, wie schon mehrfach hier erwähnt: Im jetzigen Zustand ist der Platz kein Platz.
-
Also wenn man historische Bilder wie dieses vom Leipziger Platz anschaut, unterscheidet sich die Situation sich gar nicht soooo sehr von heute: Die Fußgänger laufen überwiegend auf der Leipziger Straße und nicht an den Häusern entlang. Da ist fast niemand.
Der belebte Eingang zum Kaufhaus Wertheim hin, ist heute der belebte Eingang zur Mall of Berlin.
Außerdem: Rasen und ein paar Bäume. So wie heute. Keine Kioske, Bänke oder sonstige Bespaßung.
Der gravierendste Unterschied ist das Fehlen der Schinkelschen Torhäuser zum Potsdamer Platz hin.
-
HelgeK Damit ist die Grenze zur höheren Semantik erreicht. 👍 Der LP ist ja einer von drei historischen inneren Torvorplätzen, die in ideal-geometrischer Form angelegt wurden: Quarree, Octogon und Rondell. Letzteres ist heute als Mehringplatz nur noch als dekonstruierte Schwarzwälder Kirschtorte erlebbar, anders als der Pariser oder Leipziger. Das ist mMn die herauszustellende Qualität des Nachwendewiederaufbaus. Daneben ist der LP ein echter Hybrid: Funktional entstanden diese Plätze als Stauräume für die Zollabfertigung, nach seiner Begrünung ist der LP immer mehr Anwohnerpark als Platz gewesen. Die Parallele sehe ich hier eher zu Eaton Square, Belgravia Square und Kungsträdgården als zur italienischen Piazza. Der LP leidet mMn unter der ausgefransten, zugigen Gestaltung des PP - im Gegensatz zu diesem ist er aber als gefasste Fläche erlebbar. Durch seine Größe verliert sich aber der Lärm; ich erlebe den LP immer als tranquiles Pendant zum PP. Daher kann man mMn den LP, auch wenn man Platz über funktionale Qualitäten begreift, als Teil einer Doppelplatzanlage denken: Er hat seine Funktion als Ruheraum und muss nicht bespielt werden. Ich finde, dass eher der PP als Platz seiner Rolle in diesem Doppelakt nicht gerecht wird.
-
-
-
Danke für die Bilder.
Eine Zwischenfrage: Ist dieser aufgewühlt-zerfledderte, leidlich bewachsene Damm im ersten Bild wirklich ein Teil des Tilla-Durieux-Parks? Ich bin etwas fassungslos, dass, Winter hin oder her, eine zentrale Grünanlage dermaßen ungepflegt aussehen kann.
-
Vielleicht eine Wildschwein-Attacke?

-
Dieser gesamte Park ist eine idiotische Kopfgeburt. Die Verantwortlichen wollten vermutlich mal wieder das Rad neu erfinden. Man sollte beim Tilla-Durieux-Park wohl weniger von einem Park sprechen als von einer belanglosen Form der Landschaftskunst. Naturgemäß lassen sich - wie oben beklagt - senkrechte Rasenflächen schwerlich pflegen, geschweige denn nutzen. Bleibt zu hoffen, dass die verantwortlichen Personen in der Stadtverwaltung irgendwann zu der hoch komplizierten Erkenntnis gelangen, was Bürger in einer Grünanlage vor allem brauchen, nämlich schlichtweg Bäume, Wiesen und Bänke. Von dieser sterilen Artsy-Fartsy-Kacke hier hat noch nicht einmal die Natur etwas.
-








