Beiträge von Cavendish

    ^ Die eigentliche Straße liegt auf der Südseite. Wie bei Plattenbausiedlungen üblich heißen die sonstigen Zuwegungen etc. genauso. Die Verlegung der Eingänge auf die Hofseiten hatte polizeitaktische Gründe in der DDR - auch das zeigt, wo die eigentliche Straße lag (bzw. liegt). Eine baugleiche Zeile befindet sich entlang der Straße der Pariser Kommune - selbe Situation. Die Abrisse von dem, was der Krieg übrig ließ, sind im Defa-Film 'Die Legende von Paul und Paula' dokumentiert.

    ^Hat nichts mit dem Projekt an sich zu tun, aber 'gebraucht werden' (was auch immer der einzelne darunter verstehen mag) ist nicht das Kriterium, sondern Angebot und Nachfrage. Nicht alle Bedarfe sind so mit Kaufkraft ausgestattet, dass sie als Nachfrage wirksam werden. Um mehr Angebot zu stimulieren und gleichzeitig den markträumenden Preis so zu senken, dass die derzeit unbefriedigte Nachfrage bedient werden kann, müssten die Kapitalrenditen steigen. Im Preisbildungsmechanismus am Mietmarkt und in die Bedingungen, unter denen gebaut werden kann, wird aber so stark lenkend eingegriffen, dass die Eingriffe das Angebot eindämmen und so den markträumenden Preis treiben. Billigeres Bauen - wie Wolke Eins impliziert - wirkt dem entgegen, aber es bedarf wohl einer flankierenden Deregulierung, um den marginalen / markträumenden Preis so zu senken, dass es einen Unterschied bei der Deckung unbefriedigter Bedarfe macht. Dafür sehe ich in Berlin keine politische Mehrheiten bis die unbefriedigten Bedarfe verdrängt oder mit mehr Kaufkraft ausgestattet sind.

    Alle anderen Ansätze sind systemverändernd, weil sie Eigentum an sich als Basis der FDGO in Frage stellen. Salopp formuliert: Niedrigere Mieteinnahmen senken den Wert einer Immobilie - niemand baut mit diesem Ziel (nein, auch das Land oder die städtischen Wohnungsbaugesellschaften können das nicht, solange sie sich kreditfinanzieren müssen).

    Zum Kontext gehört, dass dieses Projekt ein Reflex auf das Schloss und seine barocken Fassaden war. Modern kann das auch und besser - a consolation prize, um die Gemüter zu beruhigen. Die Baukosten werden am Ende wohl vergleichbar sein (Fr. Grütters startete mal bei EUR 200 Mio). Ist es gelungen? War es das wert? Ich finde nein, aber Geschmäcker sind halt verschieden. Allerdings muss ich dann doch schmunzeln, wenn der Tenor jetzt in die Richtung geht, dass Modern das anders, und noch besser gekonnt hätte. Vielleicht, vielleicht woanders, vielleicht sogar dieses Architektenteam. Aber hier hat's nicht geklappt.

    ^ Ich weiss nicht; ich hätte mir da an dieser Stelle doch etwas mehr Anspruch gewünscht als diesen Langweiler. Die Tektonik scheint ja funktionslose Verblenderei zu sein, hängt alles in der Luft. Der Dachaufbau sieht aus wie Platte. Die Vermarktung traut sich was, dieses Ungetüm in die gedanklich Nähe eines Schadow zu rücken (ich weiß, die Strasse heißt so).

    Manchmal frage ich mich, ob man heute mehr rückwärtsgewandt denkt, wenn man für die Wiedergewinnung eines nicht mehr vorhandenen, aber humaneren städtebaulichen Zustands plädiert, oder den heutigen Zustand als notwendiges Übel liest und ihn deshalb akzeptiert.

    Dass jeder Modus der Fortbewegung seine eigene Spur erhält, und damit die eigenen Rücksichtslosigkeiten weiter ausleben kann und darf, bringt uns nicht zusammen, sondern spaltet. Aber vor allem, sind Ästhetik und Schönheit im öffentlichen Raum von zentraler Bedeutung mit versöhnender Kraft für unsere Gesellschaft. Ich meine, dass wir uns bemühen und auch mehr Mut haben sollten, eine gebaute Stadt (wieder)zugewinnen, die sich von ihrer Bewohnern her denkt. Bezugspunkte, nicht Beliebigkeiten, erden und verorten uns, geben uns Halt.

    Vielleicht ist dann auch nicht mehr so vielen Leuten und Berlinern egal, was mit ihrer Stadt passiert - ansonsten "geschieht" es ihnen, und es geschieht nicht mit sondern gegen sie (Die Bürgerbeteiligung zur Mokenmarktbebauung hat das wirklich einleuchtend demonstriert). Ich kann es einfach nicht mit einander vereinbaren, dass man im innern verkehrsberuhigt und mit begrünten Flachdächern baut (warum?) aber gleichzeitig eine drei-spurige Hauptverkehrsachse wie eine häßliche Narbe festschreibt.

    Ich mag mich irren, aber bleibt die Brücke nicht so wie sie ist, weil man keine Diskussion und ein Planfeststellungsverfahren wollte? Hat man sich an den jetzigen Zustand nicht schon gewöhnt, und der Verkehr längst andere Wege (und Modi?) gefunden? Und ein eigenes Gleisbett für die Straßenbahn - liegt das nicht an EU-Förderregeln, und nicht weil man es zur Verkehrsbeschleunigung braucht? Wenn es um letzteres ginge, gäbe es genug Alternativen die Verbindung anders zu führen.

    ^Interesant. Setz doch mal so an - warum muss sie Teil der wichtigsten Ost-West-Straßenverbindung sein? Nur wenn man es will. London ist auch eine Millionenmetropole. Das Embankment war die wichtigste Ost-West-Straßenverbindung und hat jetzt nur noch eine Spur pro Richtung. Funktioniert, und würde es in Berlin auch. Bin erst letzte Woche wiedermal dort lang gefahren. Die Verkehrsmenge ist lächerlich im Vergleich zu Städten wie Rom, Paris oder London. Glaub mir, eine Spur MIV reicht, wenn man etwas anders für die Berliner Mitte als autobahnähnliche Schneisen will...

    ^Man fragt sich wirklich, weshalb der verbliebene Brückenquerschnitt nicht ausreichend ist. Vielleicht soll das mit der Verzögerung demonstriert werden? Dieser gesamte Monsterstraßenzug bleibt doch absurd und wird durch die entstehende Neubebauung akkommodiert. Vielleicht ist es einfach nur ein Weckruf fünf vor zwölf, dass man noch alles auf ein humanes Maß zurückzudrehen kann?

    ^Ich verlinke die Quelle. Kann es sein, dass sich die 35.000qm auf das Gebäude beziehen? Dort sind die GL aber nur einer von mehreren Mietern.. Beim Argument “Tageslicht” für eine Bibliothek musste ich schmunzeln: Als Leseraum gut, für die Lagerung von Büchern Gift. Dann eher am Alex, aber wie gesagt: Die CRE scheint ein neues Nutzungskonzept zu haben, und zwar nicht, um weniger Geld zu verdienen. Der Trade “Baugenehmigung für Beschäftigungsgarantie” ist jedenfalls schiefgegangen.

    ^Bei den immer wieder aufkommenden ZLB-Standortüberlegungen wundern mich die so variierenden Flächenbedarfe: Das Lafayette hat 8.000qm Nutzfläche, die Galeria am Alex 35.000qm. Für den Neubau am Blücherplatz waren 38.000qm vorgesehen.

    Wahrscheinlich wird sich Berlin die Nutzung als Bibliothek am Alex gar nicht leisten können und vielleicht auch nicht wollen.

    ^Ich dachte Berlin kauft nur noch Zwei-Richtungs-Fahrzeuge? Der eigentliche Grund ist wohl der Weiterbau der Stadtautobahn, weil am Ostkreuz ja auch eine Anschlußstelle hinsoll, und da ist so eine blöde Straßenbahn echt im Weg... mMn geht man den Stadtplanern hier auf den Leim, weil an der Ostkreuz Nordseite über Jahrzehnte ein Scheingefecht geführt wird: Als die 82 im Jahre 1993 (!) im Zuge der Liniennummern-Umstellung eingestellt wurde, meine ich, daß Teil der Begründung die 'baldige' Heranführung der heutigen 21 an das Ostkreuz war, als Ersatz (Der andere Grund waren die damaligen Fahrgastzahlen). Dreißig Jahre später hat Berlin nun nur eins: Keine Straßenbahn am Ostkreuz.

    Die Projektkosten steigen und steigen, Spezialkonstruktionen etc. - vielleicht die teuersten Netzkilometer Berlins, die dann noch in einem einspurigen Nadelöhr enden, weil man beim Ostkreuzumbau keine Unterführungserweiterung wollte. Nun ja, ...

    ^ Man möchte ganz leise hinzufügen, dass es hier auch bis zu seiner Stillegung in den neunziger Jahren einen Straßenbahnanschluß gab (Linie 82), und dass der Stummel der Rest einer perspektivisch auch nicht uninteressanten, ehemals bestehenden Verbindung zum Molkenmarkt war. Nur mal so als Zwischenruf, da die Verlegung der Straßenbahn an die Nordseite nun ja zum dritten (?) mal ausgelegt wird und wann auch immer irgendwann mal vielleicht ganz bald kommt. Um nicht ewig als Nimbys dazustehen, würde ich als betroffener und ablehnender Anwohner diese Streckenführung sogar aktiv als Alternative anbieten...