Beiträge von Cavendish

    Es ist möglich, dass man im Rahmen der ursprünglichen Planung von einer Luftleitbahn Teltow >> Innenstadt entlang der ungenutzten Gleisanlagen ausgegangen ist, und dass ihre Fortführung intendiert war. Ich bin kein Experte zu dem Thema, jedoch es gibt Informationen im Umweltatlas Berlin zum bodennahen Windfeld und Kraftvolumenstrom. Im Rahmen der Modellprüfung gibt es hierzu ein Studienergebnis:


    "Weder in den Messkampagnen noch in den Modellrechnungen kann eine regionale Strömung, die die rauigkeitsarmen Freiflächen der Bahnanlagen als Leitbahn nutzen, nachgewiesen werden. Am Messplatz „Monumentenbrücke“ hätte sich ein solches Strömungssystem in den Messwerten abbilden müssen (vgl. Vogt 2002a, S. 14). Nachgewiesen werden konnte aber innerhalb der Messkampagnen lediglich das Durchgreifen der Oberströmung in den relativ rauigkeitsarmen, vegetationsgeprägten Flächen des Gleisdreiecks. Auch im Rahmen der mobilen, winterlichen Messungen wurde diese Strömung nicht erfasst (vgl. Vogt 2002b, Abb. 78 ff.). Auch das Modellergebnis spricht gegen eine großräumigere Austauschströmung. Das Strömungsfeld (22:00 Uhr) zeigt ein lokal geprägtes Mosaik von kleinräumig wirksamen Luftaustauschzellen, die vorrangig thermisch induziert werden. Die räumliche Ausdehnung dieser „Strömungszellen“ beträgt in der Regel zwischen 500m und 1200m (vgl. Abbildung 8)." Quelle


    Eine thermisch oder orographisch induzierte Luftleitbahn konnte hier also nicht nachgewiesen werden.


    Wie das Kartenmaterial des Umweltatlas' aber zeigt, gibt es wie bei allen unbebauten Flächen örtliche Ausgleichsströmungen in die benachbarte Bebauung.


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    In den gelb-gefärbten Flächen, zu der auch der Tilla-Durieux-Park gehört, bleibt der Kraftvolumenstrom unter 50m3/s, wobei er für eine Klimarelevanz 90m3/s übersteigen müsste (Quelle: ebenda). Wenn ich alle Erläuterungen richtig verstanden habe, ist der Verzicht auf eine Bepflanzung mit Hochvegetation u.U. sogar kontraproduktiv, da es sich nicht um eine Luftleitbahn handelt (Aufrauhung irrelevant), während sich ein wenigstens örtlich relevanter Kraftvolumenstrom entwickeln könnte. Vielleicht kann das jemand der sich damit auskennt als Schlußfolgerung bestätigen oder verwerfen?


    Es scheint aber auch, dass eine Bebauung des PP im Bereich des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs (i.e. Schließung der Platzkante) keine Stadtklimakatastrophe verursachen würde.

    ^Man kann F1 auch zu ‘ich bin der erste Diener meines Staates’ verkürzen. Und in der Tat reflektieren die Szenen und die Textwahl ja durchaus die persönliche Perspektive W2’s, der sich gerade gegen den Parlamentarismus stemmt. All das ist ja auch völlig unbestritten. Die Frage war ja: Erklärt sich das von selbst, sollte man es sich erschließen müssen oder ist es so unverständlich, dass es heute, um zugänglich zu sein, erklärt werden muss.


    Ich tippe mal - dass am Ende des 19.Jhd wie auch heute - es den meisten (leider) herzlich egal ist, was am Schloss steht.


    Am Marstall gibt es ja auch große ideologische Deklarationen, die den Kontext ihrer Entstehungszeit reflektieren und eine bestimmte Sicht der Dinge.

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    Quelle: Wikipedia, gemeinfrei.


    Es ist schon interessant, dass sich hier noch niemand vom HF über den hier propagierten Herrschaftsanspruch beschwert hat, der immerhin eine undemokratische Minderheitsposition war, und die man noch dazu vom Trottoir aus und viel besser als einen frömmelnden Bibelspruch in 70m Höhe lesen kann. Aber das gehört halt zu Berlin und das ist auch ok so. Auch hier wären Gemach und etwas mehr Gelassenheit mein Plädoyer.

    ^Das ‘aufgeklärt” bezog sich auf ‘Sic gesturus sum principatum, ut sciam, rem populi esse, non meam privatam.’ Es steht auch hilfreich dran, dass es sich um F1 den König handelt, mit Jahreszahlen der Regentschaft, um Verwechslungen zu vermeiden. Das ist bei F2 auch der Fall, sogar in deutsch, mit Datierung 31.7.1443.

    Es gibt jetzt die zwei historischen auch vom Straßenniveau aus sehr gut lesbare Erklärtafeln.

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    Als Räson klingt das bereits recht aufgeklärt und nicht mehr nur nach l'etat - c'est moi.


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    Im Dialekt der Zeit und der Region, aber auch das erschliesst sich noch ganz gut...

    Das lavieren zwischen Pathos und verspielter Interaktion mit lauem Effekt hat kaum symbolische Tiefe und wirkt komplett unglaubwürdig.
    Womit kann man das Wippen von links nach rechts oder nord nach Süd denn für die Widmung als Revolutions und Einheitsdenkmal gebrauchen? Die Richtungs-Symbolik wird hier für mich eher problematisch und wirkt völlig völlig unbedacht.

    Die dialektische Wirkung wird erreicht, weil ein Betreten im Winter wegen Glätte und im Sommer bei Hitze aus Sicherheitsgründen wohl ohnehin untersagt werden wird. Hat man die Wirkung des entstehenden Parabolspiegels für eine Begehbarkeit eigentlich mal getestet?

    Ich spreche ja von 'vielen' nicht der 'Mehrheit'. Persönlich würde ich eine Auskommentierung der Stadt eher ablehnen. Die Uninteressierten erreicht man damit nicht. Und vielleicht sollten wir einfach etwas gelassener mit 'schwieriger Symbolik' umgehen, so wie das andere auch tun: Wenn man sich die Denkmäler rund um den Palace of Westminster mal anschaut, gibt es da genug historische Kontrapunkte, man begegnet z.B. Jan Smuts UND Nelson Mandela. Mit Oliver Cromwell und James I sogar Opfer und Täter. Insofern halte ich eine Erklärtafel zu Marx und Engels, Kuppelkreuz etc. für entbehrlich.

    ^^Also die Zeitschicht des Dritten Reichs ist für mich durchaus in den nicht (mehr) vorhandenen Gebäuden, als Resultat des Weltkriegs, ablesbar. Vielen bleibt das sehr schmerzlich bewusst. Abseits der voids, ist der Erweiterungsbau der Reichsbank ja in Sichtweite. Aber vielleicht hast Du ja auch was anderes gemeint? In dem Sinne, dass das Schloss als Residenz ja 1918 schon ausgedient hatte und neue Nutzer fand, bevor es zerstört wurde. Und es findet sich kein Hinweis darauf, nur PdR vs Reko, so dass das Zeitkontinuum nicht erkennbar ist?

    Da war der Palast der Republik viel authentischer: Er war "orignale Geschichte" wie sie nach 1945 an diesem Ort stattgefunden hatte und gebaut worden war (ob man das mag oder nicht).

    Ich finde das Argument der Authentizität für sich genommen ziemlich wertlos, weil es für jeden etwas anderes bedeutet kann. Wenn man dieses Argument konsequent fortsetzt, dann hätte die z.B. Mauer stehen und alles andere auch gleich so bleiben mögen, wie es ist weil es ja authentisch war. Wir sind ja in Berlin nicht gerade arm an Orten, die authentisch in diesem Sinne sind. Sie sind aber auch brutal und tragen mMn zur Teilnahmslosigkeit der Bürger an ihrer gebauten Umwelt bei.


    Es mag in dem Fall mit dem Argument der Authentizität etwas anders liegen, wenn man sie mit irgendeinem positiven Wert belegt. Für mich persönlich, ist das beim Fernsehturm der Fall, auch bei der KMA, aber beim PdR nicht (und ich habe aktive, eigene Erinnerungen an diesen Ort). Ich bin daher immer etwas vorsichtig, da meistens kurze Zeit nach der Authentizität das Disney-Land-Argument um die Ecke biegt. Für mich war der PdR reines Disneyland, weil er eine Welt vorgaukelte, die wenig mit der Realität in der DDR zu tun hatte. Er war die Kulisse für pseudo-demokratische Prozesse und die Perpetuierung des Kleingeists. ich finde das HF ist konzeptionell genau die richtige Antwort. Diese Meinung muss man nicht teilen, aber die Palastnostalgie - ist das das eigentliche Argument? - teile ich nicht. Ich fand den PdR auch architektonisch nicht wertvoll.


    Um zur Bauakademie zurückzukehren, an ihren alten Standort muss ja nichts abgerissen werden, und insoweit macht es die Dinge vielleicht einfacher.

    Man kann bei identitätsstiftenden Gebäuden gerne Volkes Meinung mitberücksichtigen wie Frauenkirche oder Schloss, aber das ist die Bauakademie nun wirklich nicht.


    Das sehen die Kunst- und Architekturhistoriker ganz anders. Die Bauakademie ist und war ein epochaler Bau.


    Ich denke schon, dass die Bauakadamie von Schinkel für Berlin ein identitätsstiftender Bau ist. Es liegt an ihrer zentralen Lage am Spreekanal und am Schinkelplatz, ihrer einzigartigen Bauweise, ihrer Ensemblewirkung mit der Friedrichswerderschen Kirche und ihrer böswilligen Zerstörung durch die DDR.


    Sie heilt eine Wunde, sie erzählt eine Geschichte und sie umschließt einen Raum, den Berlin bestimmt gut bespielen kann.

    In seiner Vorlage zur Operation Thunderclap - dem Flächenbombardement Berlins - an das Britische Kriegskabinett hatte der Chef des Bomber Command Sir Charles Portal gerade auch die psychologische Bedeutung der Zerstörung identitätsstiftender Orte betont: 'The attack should 'produce an effect amounting to a national disaster'. And more: the bombs had to hit places and landmarks that were absolutely central to the identity of Berlin. Such notable targets - governmental, cultural - would involve 'the maximum associations, both traditional and personal, for the populations as a whole.' (zitiert aus: Sinclair McKay: Dreden. The Fire and the Darkness, S.102). Die DDR hat diesen Angriff auf die Seelen der Berliner mit ihren Mitteln fortgesetzt. Für mich ist daher auch von Bedeutung, dass jede Rekonstruktion ein Triumph über die Ethik der Flächenbombardements und des Krieges ist.


    Ganz klar: Neubauten können das auch leisten, selbst wenn sie, wie der Fernsehturm, an sich nur ein großer Schornstein sind. Es gelingt leider zu selten, und mir fallen da für die letzten 30 Jahre in Berlin wenig Beispiele ein. Vielleicht is 'the Cube' die neue Bauakademie? In diesem Sinne sind Rekonstruktionen verlässlicher als in Beton gegossener Zeitgeist. Den Architekten Berlins fehlt hier einfach der Sinn für das Vermittelnde, das Aussöhnende, Charme und die Eleganz.

    Ich habe diese Meldung - wegen des Erscheinungsdatums - für einen Aprilscherz gehalten, es scheint sich jedoch doch um eine konkrete Planung zu handeln. Nach dem Bericht in der Berliner Zeitung plant die Intendanz des Humboldtforums eine Nachbildung des mehr als 2000 Jahre alten Sanchi-Tores vor dem Baumhain zwischen den Portalen IV und V aufzustellen. Eine Replik des Tores - aus Betonguss - steht derzeit am alten Museumsstandort in Dahlem.


    Allerdings soll diese nicht nach Mitte umziehen, die Torreplik wird aus rotem Sandstein neu geschaffen. Der Aufbau soll im Herbst beginnen und noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Die Kosten für Planung und Errichtung des Tores belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitteln der Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne). Die Firma Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH ist mit der Rekonstruktion des Tores beauftragt.


    In dem bereits im Bauthread verlinkten Artikel derselben Zeitung werden die Arbeiten und die Absicht der Aufstellung des Tores auf der Schlossfreiheit erneut erwähnt - demnach wird die bildhauerische Umsetzung von der Weißenseer Bildhauerfirma A. Hoferick umgesetzt.


    Weiß jemand etwas genaueres oder handelt es sich um eine hartnäckige Zeitungsente?

    ^"Die Jury urteilte über den ersten Preis: „Die Verfasser thematisieren den Freiraum des Humboldt-Forums als zeitgenössischen Stadtraum, in dem die historischen Bezüge unsentimental, aber präzise verarbeitet und transformiert werden. Geschichte wird räumlich erlebbar, indem klare Orte geschaffen werden: die Schlossterrassen als neuer Raum mit Staudenpflanzung entlang der historischen Spur, eine Trauerweide am Ort des historischen Schlossgärtchens, der urbane harte Vorplatz im Süden, zeitgenössisch durch Bankmonolithe strukturiert, das Schleusengärtchen am Freiheits- und Einheitsdenkmal, die Beziehung zum Lustgarten durch einen durchgehenden Plattenbelag, der die Fahrspur auf der exakten Breite des Lustgartens leicht anhebt.

    Die Balance zwischen identitätsstiftender Einheitlichkeit des Freiraums und einer räumlichen Differenzierung der Teilbereiche ist gelungen. Konsequente Reduktion auf ein Steinmaterial (Dolomit) und dessen durchgängiger Gebrauch für vertikale und horizontale Flächen schaffen eine gelassene neue Identität. Es entstehen auf jeder Seite des Humboldt-Forums klar gefasste und strukturierte Stadträume, die angemessen auf das jeweilige Gegenüber reagieren.“

    Bei dem schönen Frühlingswetter waren wir gestern am und im Schloss. Ein paar Impressionen anbei, muß aber erstmal kurz darauf eingehen, dass im Schlossumfeld nicht mit Granit gepflastert wurde. Wer sich mit Gesteinsarten nicht auskennt, hier eine Eselsbrücke: Wenn das Kleinpflaster aus Granit ist, dann liegt es in Berlin auf 30 Grad, wenn’s Porphyr etc. ist, 45 Grad, d.h. der Stein steht auf der Spitze. Schmuckpflasterungen gibt es außer am Schinkelplatz auch auf beiden Schlosshöfen.


    Der Schlüterhof kam gestern merklich aufgeräumt und entmüllt daher; die gewöhnungsbedürftigen Klanginstallationen waren auch abgeschaltet. Übrigens fand ich gestern, dass die Stellaseite ganz hervorragend funktioniert, wohl weil sie gar nicht erst versucht, Schlüter etwas gestalterisch entgegenzusetzen.

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    In den ethnographischen Ausstellungen hatten wir viel Platz; es war deutlich weniger Publikum als zu Weihnachten. Für mich funktionieren einige Teile der Ausstellung weiterhin gar nicht, zB ist der didaktische Ansatz bei der Shanty town / Favella / Slum zwar erkennbar, das ganze kommt aber mit der Biederheit einer deutschen Kleingartenanlage daher und hat mit der Realität wenig gemein.

    Ich würde bei der Fülle der Exponate ohnehin empfehlen, sich einzelne herauszupicken, vielleicht sogar nur eines je Besuch, dann aber richtig. Hier ein paar Anregungen:


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    Die Südseeboote


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    Tanzender Shiva (maybe my favourite item)


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    Chinesischer Kaiserthron (die Inszenierung ist sehr viel düsterer als das Foto suggeriert. Je nach Lichteinfall variieren die perlmutternen Einlagen in Schirm und Thron, das ganze hat eine phänomenale Wirkung)


    Was mir auch gut gefällt sind die verstreuten Reminiszenzen zur Geschichte des Ortes. Einige Objekte aus dem PdR haben wir wiedererkannt. Wir wollten auch ins Dachcafe, das aber ausgebucht war, mit langer Schlange vor dem Lift. Also auch hier eine unmittelbare Kontinuität zum Palast der Republik.


    Aber zurück zu den Außenanlagen: Mit Ausnahme der Ostseite lagen alle Fassaden in der Nachmittagssonne. Beim Publikum gewann gestern eindeutig die Lustgartenseite der Schlossfreiheit. Die Stühle im Apothekenwäldchen waren alle mit Sonnenanbetern belegt, wie auch der Lustgarten selbst:


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    Der Kontrast zu allen anderen Teilen des Umfelds war augenscheinlich, eine Abstimmung mit den Füßen.


    Gestern war ja aus gegebenem Anlass auch wieder eine Antikriegsdemo am Brandenburger Tor. Wir standen eine Weile vor dem Denkmal für die Baum-Gruppe, die 1941(?) einen Anschlag auf die Nazi-Ausstellung ‚Das Sowjetparadies‘ verübt hatte.


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    Vor dem Hintergrund der vielen Verbundenheitserklärungen mit der Ukraine ließ mich die überblendete Inschrift doch innehalten: ‚Für immer in Freundschaft mit der Sowjetunion verbunden‘. Ich denke seitdem darüber nach, wie der Putinkrieg die Perspektive vieler Menschen auf Russland verschiebt und auch ein Bruch für die Ostpolitik Willy Brandts sein muß. Auch die Ukraine war Sowjetunion, und wir Deutsche haben uns jetzt das zweite Mal ziemlich übel an ihr vergangen. Naja, thoughts in progress, aber auch das ist aktuell Schlossumfeld.

    Der Wortführer dieser Truppe kam aus Hamburg und hatte überhaupt keinen Bezug zum Molkenmarkt. Ich finde solch Manipulationsversuche eher peinlich.

    Ich halte das Werkstattverfahren an sich für den originären Manipulationsversuch, es suggeriert eine ergebnisoffene Plattform. Sie wird moderiert, und es ist schon interessant, wenn Beteiligung mit einer dann nicht genehmen Ansicht an sich schon als Manipulationsversuch wahrgenommen wird. Natürlich ist sie das, aber nicht mit der negativen Konnotation, wie sie z.B. auch die DDR Andersdenkende verunglimpfte.


    Wer sich an solchen workshops beteiligen kann und sollte, ist doch letztlich eine Frage, die die Veranstalter regeln können. Jedenfalls kann man nicht das Beteiligtenprofil kritisieren, nur weil einem die dann geäusserten Meinungen nicht passen.

    Dieses Beispiel zeigte mir welchen Bezugspunkt der "Alex" im Berliner Stadtgefüge darstellt und seine Eigenart hat mich ehrlich gesagt seither nicht mehr losgelassen.

    Noch eine Ergänzung: 'Alex' referenziert nicht nur den Platz, sondern auch die umgebenden Quartiere, und das ist kein Resultat der Umgestaltung in den 60ern. Entscheidend ist das 'am', Berliner wohnen 'am Alex', 'am Wedding', 'am Prenzlauer Berg', 'am Friedrichshain'; manchmal 'in', aber niemals 'im'. Sozusagen ein sprachliches Geburtsrecht.


    Die heute nicht mehr existierenden Altstadtquartiere zwischen seinerzeit Prenzlauer Str. und Kaiser-/Gr. Frankfurter Str. waren schon spätestens in den Zwanzigern alles 'am Alex'; die Referenz zum Platz verdrängte den Topos 'Königstadt'. Die Kinderbuchautorin M. Weiskopf setzte z.B. aus den Namen der beiden Arbeiterviertel ihr Pseudonym Alex Wedding zusammen.

    ^Immerhin werden derart ausgestattete Bauten heute noch genutzt (so sie denn Krieg und Abrisse überlebt haben). Im Gegensatz zu einigen der modernen Bauten auch hier im Strang. In puncto Nachhaltigkeit doch nicht soo schlecht. Ich denke, dass aus dem von dir genannten Grunde Architektur zeitloser werden muss. Der Fokus von Nachhaltigkeit auf technische Lösungen greift zu kurz. Deshalb sollte der Architekt als Künstler wieder mehr in Erscheinung treten, sonst besteht die Zunft bald nur noch aus glorifizierten Bauingenieuren (liebe Bauings, ich meine das nicht abwertend).

    ^Hast mit allem recht, habe nur eine Kompromissformel versucht - analog Rainer Tee. Das Ding wegzukriegen, ist wohl illusorisch. Dass ‘nationale Prachtstraßen’ auch an einem großen Haufen Schiete enden können, bereitet mir sogar einen Moment dialektischen Vergnügens. Vielleicht entsteht ja Abhilfe durch einen Blockrand-Vorhang.


    Bislang werde ich aber beim Warten an der Ampel von einem gestrengen Marx- und dem Zeitungskopf der Roten Fahne erfolgreich abgelenkt. Eine schönere Huldigung der Pressefreiheit kann man sich im Zentrum der deutschen Hauptstadt kaum wünschen - als permanente Erinnerung daran, dass es auch anders geht und kommen kann. Selten biege ich lieber rasch links ab.

    Eine Erweiterung, die das AA dringend braucht, ist eine Pförtnerloge für die wacheschiebenden Schutzpolizisten. In Ermangelung derselben wird seit Jahren ein Polizeiwagen vor den Haupteingang geparkt. Bei einem Objekt dieser Größe ist das echt bizarr (und unansehnlich). Zumal genug Geld da war, um die Jägerstr. an der Einmündung in die Kurstr. mit Edelstahlpollern zu sichern…