Beiträge von Cavendish

    Hier mal ein Projekt von Henning Larsen für ein Kaufhaus in Aarhus, bei dem das Dach einer Landschaft gleicht. Mit einladenden Materialien, Sitzgelegenheiten und schöner Begrünung. Natürlich kann man beim Humboldtforum nicht mit Maßnahmen arbeiten, die man vom Bodenniveau aus sehen kann, dennoch könnte man so einiges abgucken

    ‘Aarhus’ und ‘abgucken’ sind gute Stichworte. Es ist wohl nicht mehr zu sichern, wie lang Høeg-Hansen und Jørgensen im Schlüterhof saßen, bevor sie diese Treppenhäuser für die Aarhuser Parkallé entwarfen.


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    ^Ixh finde ja, dass das wieder aufgebaute Schloss vor allem die Kulturverbrechen der DDR-Sozialisten heilt.


    Wenn es auch zu einer Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Vorgängerregimes beiträgt, haben wir gleich zwei Wiedergutmachungen zum Preis von einer. Was für ein phantastischer Bau, welch ein Triumph für die Architektur.

    ^Auch wenn es schmerzt, aber es gab eine völkerrechtliche Regelung - das Recht des Stärkeren. Das saß auch damals schon vielen quer gegen den Strich, und es waren die Erfahrungen der Kriege, die das Recht veränderten. In deiner Schlußfolgerung stimme ich dir zu und ich halte dich nicht für einen Deppen. Falls dieser Eindruck entstanden ist, entschuldige ich mich.

    ^Ich finde das Gespräch darüber schon wichtig - dass diese Gespräche stattfinden, hier und anderswo, habe ich als immer als Auftrag des HF verstanden. Die Präsentation an diesem zentralen Ort hat die Existenz der Sammlungen in das Bewusstsein von vielen gerückt - wer fuhr schon nach Dahlem.


    Da machst Du die Folgen vergangener Verbrechen zum Argument dafür, warum der Kunstraub richtig gewesen sei. Warum wäre das Luv-Boot denn heute verloren, wenn man es nicht gestohlen hätte? Weil die Kultur, in der es eine Rolle spielte, nicht mehr existiert. Und warum existiert diese Kultur nicht mehr? Korrekt.

    Ich hatte da eher an Termiten und Fäulnis gedacht - das konkrete Objekt wäre ohne den Erwerb und seine fachgerechte Konservierung heute verloren, weshalb in der Kultur, die es schuf, die Boote keine Lebensdauer von 100 Jahren haben (wie sie das hier ja auch ohne entsprechende Pflege nicht tun). In Bezug auf dieses eine Objekt stützt sich die Kunstraubthese auf eine Bewertung von Aly, zu der es Gegenmeinungen gibt.


    Ich finde es z.B. sehr wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass die Beninbronzen aus Manillen gefertigt wurden, mit denen die Europäer die Sklaven bezahlten, die das Volk der Edo raubte und verkaufte. Du scheinst ja bei der Bewertung als Raub einen moralischen Maßstab, keinen rechtlichen anzulegen. Auf der Ebene der Moral also, war der König von Benin Täter oder Opfer?

    ^Demut ist ein gutes Stichwort für Dilettanten wie dich und mich.


    Ich will dich nicht weiter provozieren, aber man kann es auch so sehen, dass viele Ausstellungsstücke nicht ‘geklaut’ sondern gerettet und der Menschheit erhalten wurden. Es ist wichtig, dass man die Herkunft erforscht und darüber spricht.


    Die Regierung von Neuguinea ist sehr weitsichtig, wenn sie das Luf-Boot für in Berlin gut aufgehoben hält. Früher oder später werden Ursprungsländer und -kulturen den Wert des HF als permanente ITB für kulturell interessierte erkennen und gegen die Kosten der Konservierung in Eigenverantwortung abwägen.

    Jedem Tierchen sein Plaisirchen - es geht aber doch nicht um die Straßenbahn sondern Berlin. Man kann sich doch nicht unter dem Deckmantel einer beschleunigten Verkehrswende einem Neudenken und der Wiedergewinnung von Stadt als Lebensraum und Erlebnisort verweigern. Was hier entsteht ist banal und langweilig, jeder Verkehr kriegt seine Spur. Hier verwirklichen sich Bürokraten, nicht Kreative. Im Resultat bleibt es der langweiligste Ort Berlins.

    Denke nur an die Handwerker, die schon in Arbeitsklamotten in die S- /U- /Straßenahn steigen. Eine gute deutsche Unsitte... nirgends in Europa wird das so gehandhabt...

    Also das ist in London, NYC und Tokio (und ich vermute anderswo) genauso, inkl. Werkzeugkoffer, Leute schminken sich und Angestellte binden sich den Schlips. Es menschelt halt.


    Soweit es Anreizsysteme angeht, wäre ich neben dem Ausbau des ÖPNV für eine Citymaut. Warum sollte man diese nicht durch Lösen einer zeitequivalenten BVG-Fahrkarte ablösen können? Die BVG hätte einen neuen Geschäftsbereich: Benutzung von Innenstadtstraßen und eine zusätzliche Einnahmequelle. Fr. Günther hatte ja mal sowas vorgeschlagen, war aber damit gescheitert.


    Um nicht weiter abzuschweifen, was ich faszinierend finde, ist, wie die Tagespolitik das Planwerk Innenstadt aushebelt: An drei Innenstadtbrücken werden so ziemlich gleichzeitig Betonkrebsschäden festgestellt. Alle sind ohnehin Abrisskandidaten und stehen an neuralgischen Punkten als vielgenutzte Spreequerungen. Sie müssen rasch ersetzt werden, deshalb Ersatzneubauten, weil man Zeitverzögerung durch Planfeststellung sieht.

    Letztlich steht man sich also selbst im Weg, will sagen, irgendwas ist im Design des Planungsrechts gehörig aus dem Ruder gelaufen. It‘s not fit for purpose.

    mr_ilaischa Die Alternative, die das Planwerk Innere Stadt vorgesehen hatte, war den Neubau von 1978 abzureißen und die alte Brücke zu erweitern. Vereinfacht gesagt, sollte sie aufgetrennt, die Südhälfte verschoben und ein Neubau für die Straßenbahn mittig eingeschoben werden.


    Diese Planung besteht seit 20 Jahren und reflektiert sich in der an die Altbauten anschließende Flucht der Neubauten.

    Im übrigen hast Du recht, und die Schizophrenie, sich von Anwohnern (Sonntagstraße und anderswo) und NIMBYs einerseits über Jahre nun politisch erpressen zu lassen, hier aber Bürgerbeteiligung ganz zu verweigern, ist bemerkenswert. Genauso die Ablehnung der A100 während hier gleichzeitig ein autobahnähnlicher Ausbauzustand in der Innenstadt (!) auf Jahrzehnte festgeschrieben wird. Es ist völlig wurst, wie breit der Bürgersteig wird, wenn der Bürger lieber durch Rathaus- und Französische Str. läuft.


    Den Spittelmarkt als Stadtplatz wiederzugewinnen, ist mMn von ähnlicher Bedeutung wie der LP. Wenn man jetzt nicht kann oder will, dann prüfe man halt ergänzende Behelfsbrücken: Bei der Langen Brücke in Köpenick läuft das ja schon seit 30 Jahren so… 😉


    Aber Scherz beiseite, die konkrete Situation ist, dass die Leipziger ab Charlottenstraße ihr altes Profil hat. Die Potsdamer Str. (auch B1) hat eine MIV und eine Busspur. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, diesen ganzen Straßenzug irgendwo zwischen dort und Alex breiter als dieses Profil zu bauen.

    ^Die halbe Straßenbreite hätte hier auch gereicht. Welchen Preis sind wir immer noch bereit zu zahlen, nur um hier mit dem Auto durchzukommen. Was hier umgesetzt wird, war schon vor zehn Jahren überholt. Und was für eine Fehlentscheidung, diesen unsäglichen Tunnel offen zu lassen. Ärgerlich.


    Leider wird das alles für die nächsten dreißig Jahre nun festgeschrieben…

    ^Ich hatte deshalb schon mal gefragt, ob die Überbreite rückbaubar ist, weil konstruktiv nur wie ein Blumenkasten angehängt. Aber scheint nicht so zu sein, wenn die Breite in allen Entwürfen in Phase 2 erhalten bliebe.


    Vielen Dank also für die Verlinkungen der Visualisierungen. Sie demonstrieren sehr deutlich, dass die beteiligten Büros den Stadtraum nicht begriffen haben, und wie eindimensional Preisgericht und Auftraggeber denken. Bei den so nicht existierenden Bauten käm ich mir schon verschaukelt vor, aber dass eine stadtbildprägende Anlage komplett fehlt und damit ignoriert wird, hätte mich schon stutzig gemacht: Die Mühlendammschleuse.


    Damit kommt ein ganzer Verkehrsträger gar nicht vor, obwohl 10-15% der Güterbewegungen in B auf dem Wasser stattfinden. Hier werden lt. Wiki jährlich 36.500 Fahrzeuge geschleust, im Juli allein fast 6.000. Da das Schleusen mehr als 30min dauert, wendet ein Großteil des Ausflugsverkehrs auf beiden Seiten der Schleuse, stadtseitig direkt vor der Brücke. Die zweite Ebene ist nur ein Wasserhindernis, wird als Verkehrsfläche gar nicht wahrgenommen.