Beiträge von Architektenkind

    Der Entwurf hat Potential, die Umsetzung vergeudet es. Mir gefällt die Abstufung des Kopfbaus zu den Staffelgeschossen. Mir gefällt auch der Wechsel von Stein und Metall. Aber die an sich schön gedachte Horizontale hätte man stärker herausarbeiten müssen (zum Beispiel durch Gesimse oder breitere Bänder). Die versetzten Fenster machen die Stirnseite kaputt. Und dieser Farbwechsel zwischen den Fenstern zerschießt komplett die Idee des Fensterbandes, die zu dieser Sorte Architektur unbedingt dazugehört.


    Himmelherrgott, ist es denn so schwierig, die Fenster an einer abgerundeten Gebäudekante untereinander und abgerundet anzuordnen statt versetzt und kantig? Manchmal könnte es so einfach sein...

    Der gleiche Quatsch wurde ja auch beim Alexa gemacht: Entlang der Dircksenstr. verschließt sich das Ding ohne ersichtlichen Grund.

    Das gehört zum Konzept der Shopping-Malls. Sie wollen die Leute von der Straße ins Gebäude holen und dort möglichst lange binden. Niemand soll vorbeiflanieren, alle sollen durch. Deshalb gibt es drinnen alles und draußen nichts (nicht einmal Schaufenster) – außer den Eingängen, auf die die Passanten hingeleitet werden. Eine ziemlich anti-urbane Angelegenheit, wenn man es bedenkt.

    Denkt mal bitte daran, dass es soziale Interessen gibt, die unter die Räder kommen, wenn es nur noch um Wachstum und Aufwertung geht und die Mieten explodieren. Und dass die Linkspartei diese Interessen vertritt – was legitim ist, ohne dass es zum Foren-Interesse an Stadtentwicklung und spektakulären Neubauten passen muss. Egal:

    Jaja, ich weiß, Estrel und gute Anbindung und so, trotzdem ist das eher eine Besonderheit Deutschlands das Hochhäuser teils ausgerechnet in weniger dicht besiedelten Gebieten, weit ab vom Schuss entstehen.

    Von "weit ab vom Schuss" kann keine Rede sein. Die Verkehrsanbindung erwähnst Du selbst – konkret sind es die Autobahn und der S-Bahn-Ring. Vor allem ist die Lage aber nicht JottWeDe, sondern gerade mal 300 Meter vom Richardkiez entfernt: Der historische Kern Neuköllns (Rixdorf) und eine der am dichtesten besiedelten Gegenden der Stadt. Auch südlich davon ist die Stadt nicht vorbei, sondern es schließen sich die Neuköllner Orsteile Britz, Rudow, Buckow und Gropiusstadt mit zusammen 120.000 Einwohnern an. Klar, das Estrel entsteht nicht am Alex oder am Hardenbergplatz – aber "ab vom Schuss" ist in einer polyzentrischen Stadt relativ.

    ^ Finde ich gar nicht. Die neue Fassade gefällt mir besser als das ursprüngliche Wettbewerbsergebnis – das auch nicht kleinteiliger war, meines Erachtens aber unentschlossen, ob es die Vertikale oder die Horizontale betonen soll. Voraussetzung fürs Gelingen ist natürlich guter Backstein, aber der dürfte bei diesem Preis ja wohl drin sein.


    Mich erinnert das Ganze an Erich Mendelsohn, irgendwas zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Einerseits historisch nahe am neoklassizistischen Brocken der alten Reichsbank; andererseits in Material und Stil auch ein klarer Kontrast. Wie es am Ende wirken wird, hängt – wie gesagt – mit der Qualität der Umsetzung zusammen.


    Um die Altbauten am Kanal mache ich mir keine Sorgen. Die Fassade dort ist gerade mal 26 Meter breit (wenn man Google Earth glauben darf), die historischen Nachbarn zwischen 30 und 18 Metern. Zum "Erschlagen" ist die Differenz zu gering. Und an der Hauptfassade in der Kurstraße gibt es gar keine Altbauten, die man erschlagen könnte – der Maßstab dort ist die 230 Meter lange Reichsbankfassade.

    Da hast du mich jetzt bewusst falsch verstanden.

    Das "bewusst" ist eine Unterstellung. Deine Zweifel bezüglich NKU seien Dir gegönnt, aber als Spandauer erlebst Du vermutlich nicht täglich den Trambahn-Stau Landsberger/Ecke Petersburger oder Mollstr./Otto-Braun-Str.

    Mir stößt dein Wort "Fan" hier übel auf. Es suggeriert, dass man losgelöst von der Ratio argumentiert, zudem delegitimiert es den Diskussionspartner in seiner Argumentation.

    So ist das Wort nicht gemeint. Und so musst Du es auch nicht verstehen, zumal ich mich einen Beitrag zuvor selbst als "Fan der Tram" bezeichnet habe. Habe ich mir damit selbst die Vernunft abgesprochen? Nochmal: Es geht mir hier um die Einseitigkeit, die ich falsch finde. Wenn Du Dir das U-Bahnnetz anschaust, siehst Du im Osten eine große Lücke zwischen der U2 und der U5 - ich verstehe nicht, wie man apodiktisch sagen kann, man solle gar nicht erst versuchen, sie zu schließen, weil zu teuer.

    ^ Die Römer haben ja auch viel stabiler gebaut als das Mittelalter - dass man tausend Jahre nach ihm städtische Straßen wieder mit Holzbohlen befestigen würde, hätte einen kaiserlichen Straßenbau-Ingenieur aus Colonia Agrippina (Köln) wohl sehr gewundert...


    Im deutschen Mittelalter war das für feuchtes Gelände aber tatsächlich Usus. Eine der Hauptstraßen in der Braunschweiger Innenstadt heißt deshalb bis heute Bohlweg.

    Aber so eine Strecke wäre knappe 13km lang, bei den Kosten für den Berliner U-Bahn-Bau bist Du da schnell bei 2 MRD € nur für diese eine Linie. Das steht in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen. ... Völlig richtig, für lange Strecken ist die Tram aufgrund ihrer vielen Haltestellen und geringen Reisegeschwindigkeit im Vergleich zu den Schnellbahnen nicht geeignet.

    Du sagst zum einen, auf der Langstrecke sei die U-Bahn besser; zum anderen, auf der Langstrecke sei die U-Bahn zu teuer. Wat denn nu? Was den Preis betrifft, verweise ich auf jan85 und die Fördergelder des Bundes - die in den nächsten (Ampel-)Jahren hoffentlich noch steigen werden.


    Schick ist Geschmacksache, aber aus Lärmschutzgründen wirst du in dicht besiedelten Innenstadtbereichen heute keine Hochbahn mehr genehmigt bekommen. Schlag dir das gleich aus dem Kopf

    Weiß ich, aber man wird ja noch träumen dürfen.


    Davon ab: Ich wehre mich hier seit Jahren dagegen, Tram gegen U-Bahn auszuspielen - wir brauchen beides, wenn es sowas wie eine Verkehrswende irgendwann mal geben soll. Und S-Bahn noch dazu. Normalerweise argumentieren die U-Bahn-Fans gegen die Tram, Du machst es nun umgekehrt.


    Ich finde das kurzsichtig: Wir reden hier von Planungshorizonten von zehn, fünfzehn Jahren - die Stadt kommt nicht voran, wenn sie jetzt sagt: Lass uns mal bis 2035 Tram nur machen, dann schauen wir, ob noch Bedarf für die U-Bahn nach Marzahn besteht. Falls ja, planen wir für Baubeginn 2045. Also: Planungskapazitäten hoch und loslegen. Was wann in welcher Reihenfolge umsetzbar ist, wird sich zeigen.

    Ganz einfach, es gibt im A-Bereich, also innerhalb des Rings, so gut wie keine sinnvollen U-Bahnkorridore mehr.

    Da will ich widersprechen. Im Osten gibt es mindestens zwei große Lücken: 1. Vom Hauptbahnhof über die Torstraße und die Landsberger durch Lichtenberg Richtung Marzahn. 2. Vom Alex über die Greifswalder nach Weißensee und weiter nach Hohenschönhausen.


    Dort gibt es zwar – anders als im Westen – Tram-Strecken, aber die sind überfordert und zu langsam. Die Strecken sind ewig lang, haben teilweise keinen eigenen Gleiskörper (Invalidenstraße) und am Knoten Mollstraße/Otto-Braun-Straße entstehen durch die ewige Warterei regelmäßig veritable Trambahn-Staus.


    Ich bin ein großer Fan der Tram für die Mittelstrecke und die Umkreiserschließung. Aber für hochausgelastete Langstrecken ist die U-Bahn das bessere Verkehrsmittel (auf der Greifswalder und der Landsberger gerne auch als Hochbahn – das ist schick und geht schneller).

    Jeder neuaufgenommene Patient wird getestet und wenn einer nach Leitersturz mit Beinbruch ins Krankenhaus kommt und positiv getestet wird, gilt dieser Patient als Corona-Patient.

    Dafür hätte ich gerne einen Beleg.

    Und die Impfung hat auf die Transmission (Ansteckung und Weitergabe des Virus) keine Auswirkung.

    Und dafür auch. Schließlich senkt die Impfung - zumindest noch für Delta - erheblich die Virenlast.

    ^ Schau Dir einfach die oben verlinkten Bilder genauer an. Ja, es gibt dort Wohnungen, die zur Rückseite vermutlich weniger Licht bekommen. Aber dieser ganze Terrassen-Vorbau ist eine ziemlich ausgefeilte und – wie ich finde – spannende Geschichte. Wegen des Stegsystems, das Du noch nicht entdeckt hast.


    Ich bin weit davon entfernt, hier zu jubeln und Architekturpreise vergeben zu wollen. Aber "Dystopie" und Mitleid mit den Bewohnern? Geht es nicht ein bisschen weniger dramatisch? Reicht nicht der Hinweis, dass Du keinen Sichtbeton magst (Geschmackssache) und dass die unteren Wohnungen evtl. wenig Licht bekommen (unschön, aber nichts, was die Bewohner von Gründerzeit-Höfen nicht kennten)?


    Offenbar nicht. Was Dir nicht gefällt, muss das Grauen sein...

    Oh gott, diese schrecklichen Gitter und der Sichtbeton unter den Balkonen - das ist eine gebaute Dystopie.

    Also, wenn das die Dystopie ist, sehe ich der Apokalypse fortan viel gelassener entgegen: Haus am Wasser, große Fenster, luftige Terrassen selbst im 3. Stock, ein Steg-System, dass die Freisitze Richtung Wasser schiebt und dadurch Licht an die (meisten) Wohnungen lässt – so macht der Kollaps der bekannten Welt richtig Spaß.

    Ich bleibe jedoch bei meinen Bedenken, da ich mir nicht vorstellen kann, dass die WBM nun noch einen Fassaden-Wettbewerb durchführt.

    Die WBM hat den Auftrag zur Umsetzung. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie an diesem Ort Herrin des Verfahrens ist – sowenig wie am Molkenmarkt, übrigens. Auch der städtebauliche Wettbewerb ("Werkstattverfahren") lag in der Hand des Bausenats.