Beiträge von Architektenkind

    Nur wer sich mit dem ungeliebten „Kapital“ verbündet, kann am Ende einen Zustand schaffen der für alle von Vorteil ist.

    Weißt Du, wer sich ein Friedrichshain wünscht, das den Restaurantketten gehört (weil ja doof ist, wer aus seinem Restaurant keine Kette macht), der wird auch nicht begreifen, was am Kapital problematisch ist. Ebenso wie er nicht begreift, dass das Kapital gerade dabei ist, die Welt zugrunde zu richten, weil es nichts kann außer immer weiter zu wachsen. Weil es neben Wohlstand notwendig auch Zerstörung hervorbringt.


    Wie Theseus schreibst Du hier gerne bescheidwisserisch von Ideologie und begreifst nicht, dass die Begeisterung fürs Kapital nichts anderes ist als eine Ideologie – die sich nur deshalb anfühlt wie der gesunde Menschenverstand, weil diese Welt schon so lange dem Kapital gehört, dass es ihr zur zweiten Natur geworden ist. Wobei es nicht im Ansatz um Gut oder (wie Du infantilerweise immer schreibst) "Pöse" geht – mit Moral hat diese Frage nichts zu tun.


    Ich erwarte keine Antwort. Habe die Löschung meines Profils beantragt. Deshalb oben das "Leb wohl!"


    Mod: Thread temporär geschlossen.

    Mod: Thread wieder geöffnet. @alle: Bitte sachlich, respektvoll und themenbezogen posten. 🙂

    Das RAW Gelände ist doch letztendlich genau so dumm und peinlich wie das unbebaute Tempelhofer Feld.

    Entweder bist Du nicht willens oder nicht in der Lage, komplexe städtebauliche Fragen mitsamt ihrer Interessenkonflikte als solche zu erkennen und auch nur annähernd angemessen zu diskutieren. Sonst würdest Du so einen dummen, peinlichen Quatsch nicht schreiben. Wird mir übel beim Lesen! Typisches Jammeryuppie-Gequatsche.


    (Ist nicht als Beleidigung gemeint – ich spiegele Dir nur den Sound Deiner eigenen Beiträge zurück.)

    Müsste dieses Jahr bestimmt soweit sein.

    Das wage ich zu bezweifeln. Jetzt geht es ja erstmal nach unten. Und der Tiefbau dauert in Berlin solange oder gar länger als der oberirdische Teil. Ich vermute, vor Anfang 2024 werden keine Stockwerke entstehen (es sei denn, die Fundamente für das damals bereits angedachte Hochhaus wurden schon beim Umbau des Kaufhauses gelegt - dann ginge es natürlich schneller).

    ^^ Dass bereits eine Investorensuche lief, die aber keinen Erfolg hatte, das musst Du natürlich ausblenden. Passt halt nicht in Dein Weltbild. Sowas wie objektive Probleme gibt es bei Dir nicht, die Akteure müssen entweder inkompetent, böse oder verblendet sein.


    Aus meiner Sicht stellt sich die Sache viel nüchterner da: Wir haben es mit einer Architekturikone zu tun (und mit einem Wahrzeichen des alten West-Berlins), die unbedingt erhaltenswert ist, was aber nur zu gewaltigen Kosten gelingen kann. Die müssten Investoren übernehmen – nur findet sich keiner, weil es (bislang) kein Nutzungskonzept gibt, das Gewinne verspricht. Und der Senat kann keine halbe Milliarde Euro in ein Gebäude stecken, dass danach höchstens als Eventlocation taugt, die siebenstellige Summen im Jahr für den Unterhalt verschlingt.


    Da den Abriss (aus guten Gründen) niemand verantworten mag, für eine Sanierung aber der Plan fehlt, steckt die Sache fest. Traurig, aber wahr.


    P.S.: Wenn Du themenfremde Sprüche über Genderklos klopfen willst oder ernsthaft meinst, in Berlin würden aus antikapitalistischen Motiven heraus keine Hotels (!) gebaut, dann solltest Du das vielleicht im Welt-Online-Forum loswerden. Da erntest Du auch mehr Jubel dafür.


    Wenn der Unterhalt zu teuer wird: Einfach verfallen lassen. Das passt doch so gut zum "morbiden Charme" Berlins, garantiert quasi einen Anti-Gentrifizierungseffekt

    Butter bei die Fische: Wo hat irgendjemand bezüglich ICC auch nur annähernd in diese Richtung argumentiert?

    Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht, da man dies ja fast für Stadtreparatur halten kann.

    Stadtreparatur ist eher gegenüber nötig, wo einfach nur ein Parkplatz ist. Aber vielleicht passiert da ja auch was demnächst...


    Ich sehe es wie Backstein: Die Platte ist keine der schlechtesten. Ich werde ihr nicht nachtrauern, aber in der Gegend gibt es defintiv wichtigere Abrisskandidaten - etwa den furchtbaren Bürobunker in der Köpenicker Straße 90 (man sieht ihn auf dem Visu-Bild ganz rechts).

    Sinkt der Kohlendioxidanteil in der Luft, verringert sich auch der Treibhauseffekt mit ein paar Jahrzehnten Verzögerung.

    Der Kohlendioxid-Anteil in der Luft sinkt aber nur, wenn a) weniger davon freigesetzt und gleichzeitig b) mehr davon absorbiert wird. Beides hochgradig fraglich, denn:


    zu a): Noch immer wächst der CO2-Ausstoß, den die Menschheit direkt verursacht. Selbst wenn sich das einmal ändern sollte, dürfte der indirekte Mehr-Ausstoß dennoch weitergehen – Stichwort tauende Permafrostböden.

    zu b): CO2 ist ein Gas, das – einmal freigesetzt – in der Atmosphäre bleibt. Weder setzt es sich am Boden ab, noch diffundiert es irgendwie ins All. Allein Pflanzen sind in der Lage, es zu absorbieren. Und deren Masse sinkt angesichts von Bränden, (Brand-)Rodungen und Dürre gerade gewaltig.

    Klimaveränderungen gab es immer. Es war auch schon mal wesentlich kälter und wärmer in unseren Breiten.

    Joah, und erdgeschichtlich betrachtet waren "unseren Breiten" die meiste Zeit über für Menschen unbewohnbar, da entweder zu kalt oder zu heiß. Der Aufstieg der Menschheit hat auch mit klimatischen Bedingungen zu tun, die auf diesem Planeten keine Selbstverständlichkeit sind – und die gerade im Begriff sind, zu verschwinden.


    Ich habe nichts gegen gepflasterte Plätze, und ich finde nicht, dass man jeder schönen Pflasterung mit Hinweis auf den Klimawandel die Legitimation absprechen kann. Auch haben Sie recht mit dem Argument, dass Blumenbeete am Problem wenig ändern, der Rückbau von Straßen und weniger Autoverkehr dagegen schon. Aber Sie tun Ihrem Argument keinen Gefallen, wenn Sie das globale Desaster, dass da auf uns zukommt, kleinreden.


    (Nur eins von vielen Desastern, nebenbei bemerkt. Artensterben, Überfischung, ausgelaugte Ackerböden, Vermüllung der Meere, etc. Es wird auf absehbare Zeit schlimmer werden. Der Planet wird sich davon erholen – er hat Millionen Jahre Zeit dafür. Ob sich die Menschheit davon erholt, steht auf einem anderen Blatt.)

    Hier trifft es wohl den hier erwähnten Vergleich eines Westentaschencorbousier In seiner für mich latent faschistoiden Attitude gar nicht mal so falsch.

    Der Vergleich ist von mir - aber mit dem unterstellten "latent faschistoid" will ich nichts zu tun haben! Ne Außentreppe mit nem Vordach = "anlehnend an martialische Einschüchterungs- und Machtarchitekturen"? Himmel! :rolleyes:

    Dass es trotzdem die Anmutung einer WDVS-Fassade ausstrahlt spricht dann eher gegen die Gestaltung.

    Da hast Du nen Punkt, das mit den Backsteinen hatte ich überlesen. Auch bei den schwachen Details gebe ich Dir recht. Neben dem Fallrohr finde ich auch die Auflage des Vordachs eher unbeholfen. Einen "erhabenen" Eindruck erwecken Vordach und Treppe bei mir aber nicht. Weniger Napola als Westentaschen-Corbusier.


    Am wenigstens überzeugt mich die Material-Kombi: Strukturputz unten; rauher Putz oben; heller, nicht sonderlich gut verarbeiteter Sichtbeton an der Seite – alles in ähnlicher Farbe. Ich glaube, es hätte viel besser gewirkt, wenn man den neuen Backstein sichtbar gelassen hätte (vielleicht geschlämmt).


    Die Betonoase finde ich übrigens ganz hervorragend. Aber die ist ja auch ein Neubau, keine Erweiterung.

    Mir gefällt das Ergebnis auch nicht besonders: Zuviel Styropor, zu gleichförmige Fenster auf der einen, zu beliebige Fenster auf der anderen Seite. Aber die Innenräume sind großzügig und scheinen mir für den Zweck gut geeignet, die Treppe mit den Sitzstufen ist ein schöner Treffpunkt für die Jugendlichen. Zudem ist es kein Neubau, sondern ein Umbau mit Erweiterung.


    Kurz: Ich finde, man kann es mit der Kritik auch übetreiben. Urban Freak schrieb, es sei "passend für eine perspektivlose Jugend" (oder so ähnlich), Endell assoziiert Napola – das ist doch Humbug! Es ist ein zweckmäßiger Bau für junge Leute, fertig. Und was die Graffiti betrifft: Vielleicht können die Nutzer ja das Erdgeschoss im Rahmen eines Kunstprojektes entsprechend umgestalten. Dann sähe es auch gleich viel freundlicher aus.

    Ich will keinen zusätzlichen Platz, sondern einfach mehr Platz – sprich Abstand zur Straße. Schau Dir bitte mal bei Google Earth diesen ausufernden Straßenraum an. Findest Du schön?


    Und bitte: Ich bin ja auch ein Freund von Blockrand. Der Block mit den nordischen Botschaften und der CDU gefällt mir z.B. gut. Aber man muss doch nicht überall dasselbe Rezept umsetzen! Hier ist das Ziel, einen 60er-Jahre-Bau (das alte Archiv) zu ergänzen, ein gut sichtbares Eingangsgebäude zu schaffen (den Turm) und dem Bauhaus Respekt zu erweisen, ohne es zu kopieren. Blockrand – wie gegenüber – würde da nicht passen.


    Auch die Villa von der Heydt als dritter Bau auf dem Gelände steht ja in einem Park. Man bekommt also ein eher lockeres Ensemble aus drei Epochen, das mit einem Hochpunkt an der Hauptstraße beginnt und in einem Park ausläuft. Sowas will ich nicht überall, aber hier passt es einfach. Den Vergleich mit dem Kulturforum finde ich unpassend, weil Dimensionen wie Umgebungsbauten völlig anders sind.


    (P.S.: Ich bin jetzt die nächsten Tage im Urlaub, also bitte keine Antwort erwarten.)

    Das Hauptproblem an dieser Ecke bleibt die achtspurige Straße vor der Tür, mit dieser verschwenderisch breiten Doppelbrücke und dem toten Stadtraum in deren Mitte. Das ist dort noch schlimmer als an der Potsdamer Straße/Neue Nationalgalerie. Hier wären die Verkehrsplaner gefragt, die Ecke zeitgemäßer zu gestalten. Dann bekäme der neue Turm auch einen angemessenen Vorplatz.

    ^ Ja, zumal auch Hamburg und Schleswig-Holstein mit der Bahn vom BER aus schneller zu erreichen sind als von FRA oder gar von MUC. Selbst in Hannover oder Braunschweig ist man auf den meisten Bahnverbindungen schneller da. Die starre Gegenüberstellung der Bevölkerungszahlen ist sinnlos.


    Hinweis m.Ro80 : Es ist inzwischen möglich, die Zonengrenze ohne Visum zu passieren. Auch Westdeutsche können ohne Kontrollen das Gebiet der ehemaligen DDR durchqueren – auf teilweise sehr viel effektiveren Bahnstrecken als Frankfurt-Fulda oder Hannover-Hamburg. Dass FRA den gesamten Nordwesten erschließt, ist zwar status quo, für die Reisezeiten aber keineswegs sinnvoll. (Ganz im Südwesten bietet sich übrigens Zürich als Drehkreuz an, im Nordwesten Amsterdam – auch die Beschränkung auf deutsche Flughäfen ist zu eng.)

    Vorab: Ich finde die Debatte über die Tafeln hochinteressant. Vielleicht kann sie in den Dimensionen-Strang verschoben werden, weil sie dort jetzt, wo die Tafeln hängen, besser aufgehoben ist. Sie mit dem Hinweis auf "Moralismus" bzw. "politische Korrektheit" abzuwürgen, erscheint mir aber wie intellektuelle Zwangsdiät.


    Also los, ganz ohne Zorn und Eifer:

    Das ‘aufgeklärt' bezog sich auf 'Sic gesturus sum principatum, ut sciam, rem populi esse, non meam privatam.’

    Hier mal die Übersetzung, wie sie zum Beispiel hier von der Berliner Zeitung zitiert wird:

    „Ich werde mein Königsamt so führen, dass ich weiß, dass es sich um die öffentliche Angelegenheit und nicht um meine Privatangelegenheit handelt."

    Tatsächlich zeigt das gegenüber der Szene von 1443 einen Unterschied im Herrscher-Selbstbild: Friedrich II. (der Kurfürst) versteht sich noch als personaler Herrscher im Sinne eines Lehnsherren und sagt deshalb im Kern: "Ich will nicht mehr als mir zusteht". Friedrich I. (der König) versteht sich 250 Jahre später als Herrscher eines Staates. "Aufgeklärt" im Sinne der Aufklärung des 18. Jahrhunderts mit ihrer "Herrschaft der Vernunft" und den Naturrechten des Einzelnen war das noch lange nicht. Man kann höchstens von der Entwicklung rationalerer Herrschaftsformen reden, wie sie für den Absolutismus typisch ist (Stichwort: Merkantilismus).


    Insgesamt finde ich die obige Übersetzung missverständlich, vor allem bei "Prinzipat" als "Königsamt" und "res populi" als "öffentliche Angelegenheit". Denn ein absolutistischer Herrscher verstand sich nicht als "Amtsträger" im Rahmen einer Rechtsordnung, sondern als König von Gottesgnaden – er vergibt die Ämter, er hat keines. Und "öffentliche Angelegenheit" wäre res publica, also ursprünglich die römische Republik mit ihren politischen Institutionen und Debatten. "Res populi" heißt wörtlich zwar "Angelegenheit des Volkes", wäre hier m.E. aber besser mit "Staat" zu übersetzen (weil "das Volk" im Absolutismus anders als im alten Rom kein Rechtssubjekt ist).


    Meine Übersetzung hieße: "So werde ich meine Herrschaft führen, dass ich weiß, dass sie der Staat ist, nicht meine Privatsache". Das unterscheidet sich nur in Nuancen von Ludwigs XIV. "L'etat c'mois!" – und das überrascht kein bisschen, denn so war nun mal das Herrscherbild des Absolutismus`.


    Aber die Sache hat einen dialektischen Dreh: Dass Friedrich den Staat und seine Herrschaft in eins setzt, zeigt, dass beides bereits auseinanderfällt. 1443 war es noch eins – weshalb vom Staat keine Rede sein musste; 1700 muss die Einheit bereits proklamiert werden. Der König ernennt sich zur Staatsperson, weil sich der Staat als Herrschaftsmaschine vom König als Person zu lösen begann. Tatsächlich sind wir hier am Anfang eines Prozesses, an dessen Ende der Staat zu einem gewaltigen Apparat von Rechtsordnungen, Behörden, Institutionen und Armeen geworden war – und der König zu einem Grüßaugust an der Spitze, der sich durch einen Präsidenten austauschen lässt, ohne dass sich sonst etwas ändern müsste.


    Dieses Ende ist 1902 eigentlich längst erreicht (schon Hegel beschrieb den König im 19. Jahrhundert nur noch als das "I-Tüpfelchen" des Staates). Wenn die Hohenzollern ihr Residenzschloss in diesem Stadium mit Szenen aus dem Mittelalter bzw. dem Absolutismus schmücken, dann heißt das vor allem: Wir wollen es nicht wahrhaben; wir wollen, dass wieder früher ist.

    ^ Ich mag die architektonische Grundidee und das Material immer noch. Und die U1 als Hochbahn Richtung Frankfurter Tor ist eine schöne Utopie, aber schon längst abgeblasen. Sonst kann ich Deiner Analyse leider nicht widersprechen. Hinzuzufügen wäre noch die verschleppte Fertigstellung, die zur Folge hatte, dass das Ding jahrelang als halbe Bauruine in Betrieb war – und vom einschlägigen Publikum entsprechend behandelt wurde.