Beiträge von Architektenkind

    Es sind Leute wie sie die eine Diskussion heutzutage verunmöglichen.

    Na, besten Dank auch. Ich glaube, ich habe in diesem Forum hinlänglich gezeigt, dass dem nicht so ist. "Es sind Beiträge wie diese...." hätte auch gereicht. Darüber könnte man reden. Aber ich habe meine Reizthemen, und die Forderung nach Kollektivstrafen plus Sprüche in Richtung "Wer nicht hören will, muss fühlen", gehören dazu.


    Ihnen persönlich habe ich bezüglich AfD nichts vorgeworfen. Keine Ahnung, was Sie wählen. Tschüss.

    ^ Warten wir doch einfach ab, bis die AfD an der Macht ist. Die wird dann erwischte Spuckikleber ins Lager sperren lassen und das ganze "Terrorismusabwehr" nennen. Ein Fest für den auroritären Charakter.


    Ich mag Tags auch nicht, finde aber, es gibt schlimmeres. Ich wohne seit fast zwölf Jahren in Berlin und kann weder eine Verschlimmerung noch eine Verbesserung feststellen. Da es das Phänomen erwiesenermaßen seit mindestens 2000 Jahren gibt, bin ich zudem sicher, dass eine Kollektivstrafe für die gesamte Bevölkerung ("Vandalismusabgabe") das Problem nicht lösen wird.


    Ich bin hier jetzt raus. Nicht gut für meinen Blutdruck.

    Ich mag den fliegenden Teppich auch. Lockert die strenge Geometrie der Halle auf und wirkt – gerade, wenn man vom Bahnhof raufkommt – als würde er schweben. Die Farbe fügt sich, wie von Humphrey schon erwähnt, gut in das Innendesign des Terminals ein. Ein bisschen leid tun mir nur die Leute, die ihn regelmäßig abstauben müssen. ;)

    Der Magic Carpet ist wahrscheinlich das unangenehmste Kunstobjekt an einem dt. Flughäfen.

    Gefühlte 80 Prozent Deiner Beiträge hier sind das, was man auf Neudeutsch "Hot Takes" nennt – also aufs Krasse polierte Statements im Modus des Absoluten, die Ärger provozieren sollen, ohne selbst groß Substanz zu haben. Du bist ein erwachsener Mann, nehme ich an. Brauchst Du das? Wenn Dir der Teppich nicht gefällt – kannst Du das nicht einfach feststellen und es begründen?

    Ich lehne es ab, Kunst als Effekthascherei zu bezeichnen.

    Das ist jetzt aber schon hart vom Besonderen aufs Allgemeine geschlossen. Hat JimmyMcGill so nicht gesagt. Zumal die verlinkten Bilder aus Warschau große, fensterlose Flächen zeigen, die es am Haus der Statistik gar nicht gibt (abgesehen von der Wand mit der Kaffeetasse, aber die ist schon versorgt). Als Entsprechung fielen mir eher Wohnplatten ein, bei denen ich mir solche Sachen gut vorstellen könnte. (Aber bitte nicht als Touri-Attraktion – Berlin hat sehr viele Touri-Attraktionen, man muss nicht überall neue kredenzen. ;))

    ^ Also, bitte. Du verdrehst meinen Beitrag. Ich habe gar nicht von den Stahlträgern gesprochen (die ich ganz nett, aber ziemlich egal finde), sondern vom Wahrheitswert Deiner Aussage, wer so etwas plane, empfinde die Ostberliner "offensichtlich" als "plump" und "stumpf". Und diesen Wahrheitswert habe ich als indifferent, die Aussage folglich als Bullshit eingestuft – was in diesem Kontext kein Affront ist, sondern, wie gesagt, ein philosophischer Fachbegriff. Das Büchlein, in dem er begründet wird, gibt es hier bei Suhrkamp.

    Schon wieder so viel Empörung. Macht mich müde. Was bekommen wir?

    1. Nach außen eine Blockrandschließung an einer Ecke, an der es sie so vorher nie gegeben hat.
    2. Nach innen relativ klassische Berliner Höfe, die sich zu einem begrünten Zentrum öffnen (und die natürlich, wie 90 Prozent der Innenhöfe "autofrei" sind).
    3. Einen Hochpunkt zur Kreuzung und einen kleineren Hochpunkt als Abschluss.
    4. Dadurch eine deutliche Verdichtung der Kreuzung, die bislang zum Park hin "ausblutet"
    5. Abwechslung in der Farbe, an den Fassade und der Dachkante in Gründerzeitdimension.
    6. Ziemlich urbane Arkaden mit Ladenflächen an einer Stelle, an der heute ein Parkplatz ist.
    7. Einen neuen Zugang zum Park, der von dieser Ecke bislang nur über Umwege zu erreichen ist.
    8. Erschwinglichen Wohnraum für weit über 1.000 Leute.

    Das ist mehr, als ich bei einem WBM-Projekt je gesehen habe, und freut mich sehr. Hoffe auf baldigen Baubeginn, damit es nicht zu jahrelangen Verzögerungen kommt.

    Für mich ließt sich das wie eine Beleidigung der Ostberliner, die offensichtlich als derart plump und stumpf empfunden werden, dass sie sich von ein paar aus dem Boden ragenden Stahlträgern nostalgisch umschmeichelt fühlen sollen.

    Ernsthaft? Eine Reminiszenz an einen Vorgängerbau ist eine "Beleidigung der Ostberliner"? "Offensichtlich" ist da gar nichts. Mit Verlaub: Das ist, was der Philosoph Harry Frankfurt mit dem Begriff "Bullshit" meinte – also Indifferenz gegenüber der Wahrheit, um die eigene Haltung bestärkt zu finden. In diesem Fall: Beileidigtsein um des Beleidigtsein willens.

    Bin ich der einzige, der beide Perspektiven einnehmen und daher beide Seiten partiell verstehen kann?

    Nee. Geht mir ähnlich, weshalb ich meine Einwände ja explizit an – aus meiner Sicht – überzogener Kritik aufgehängt habe. Ich sehe bei dem Haus durchaus echten Gestaltungsanspruch, den ich an vielen anderen, weniger kritisierten Neubauten in Berlin vermisse. Ich würde es aber in anderem städtebaulichen Kontext dennoch misslungen finden.


    Metaebene: Ich finde mich hier oft in der Rolle, dass ich Gebäude verteidige, die ich eher so mittel bis sogar schlecht finde – schlicht, weil mir die Argumente gegen sie überzogen erscheinen. Zum Beispiel "links-extrem" und "menschenfeindlich" beim Haus der Statistik oder "Honecker-Gedächtnis-Preis" hier. Selbst das "monotoner Klotz" von spandauer erscheint mir drüber, weil das Haus gar nicht so monoton ist, wie es scheint. Die Kacheln wechseln die Ausrichtung, es gibt zwei deutlich getrennte Zonen, das Obergeschoss hat ein Fenstervband, das Verhältnis zwischen Kacheln und Putz bei den Säulen entspricht dem Goldenen Schnitt, etc. Es gibt so viel banaleres und schlimmeres an Berliner Neubauten, warum hier diese Wut?


    Das heißt aber alles nicht, dass ich das Ding feiern würde. Ich erkenne die Detailarbeit an und ich schätze die Wirkung auf die Kreuzung – aber einen "großen" Entwurf sehe ich wirklich nicht...

    Und plötzlich muss sich der Moderne-Historismus gegen den Disneyland-Vorwurf wehren.

    Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe zur Veraunschaulichung zugespitzt, und Du hast auf einem Wort eine dezent sophistische Argumentation aufgebaut. That's it. Stell Dir eher einen Lückenfüller in einem Gründerzeitblock vor, der sich in Sachen Traufhöhe, Balkone, Fassadenaufteilung am historischen Vorbild orientiert, aber trotzdem zeitgenössisch bleibt. So ist das eher zu verstehen. (Im übrigen weiß ich wirklich nicht, wann ich "Disneyland" in diesem Forum das letzte Mal als ernstgemeinten Vorwurf gelesen habe.)

    Mir fällt es schwer, in dem Neubau Anklänge an die Pavillons zu erkennen. Dafür ist es zu gestapelt.

    Das stimmt. Es ist vor allem die Raumflucht des Café Moskau, die hier durch die Schillingstraße verlängert wird. Auch hier hätte ich präziser formulieren können.

    Ich möchte eine Lanze für diesen Bau brechen. Nicht in dem Sinne, dass ich ein Fan davon wäre – es handelt sich gewissermaßen um Moderne-Historismus. Aber die Häme hier geht mir zu weit. Die baut eine falsche Fallhöhe auf. Drei Punkte:

    1. Die städtebauliche Idee ist, die Pavillons in der KMA entlang der Schillingstraße zu erweitern, um dort so etwas wie einen Blockrand zu schaffen, der die Umgebung verändert, ohne mit ihr zu brechen. Wir bewegen uns also in einem uminterpretierten Ostmoderne-Setting. Als gestalterisches Element werden dabei Kacheln aufgegriffen, die sich je nach Gebäude farblich unterscheiden. Das ist weniger, als möglich wäre, aber weit mehr als standardverputzte WDVS-Kisten.
    2. Auch ich würde mir eine Verengung der Holzmarktstraße wünschen. Die kriegen wir nicht in den nächsten Jahrzehnten. Was wir bekommen, ist eine Urbanisierung der Kreuzung am Bahnhof Jannowitzbrücke durch Verengung. Ich arbeite in der Ecke, und den Effekt des Neubaus darf man nicht unterschätzen. Er blockiert den Blick auf die unendlich breite Schneise. Mit zwei neuen Hochhäusern und dem Jaho wird die Situation nochmal ganz anders wirken.
    3. Der Bau ist alles andere als 08/15. Hier wurde auf Details geachtet. Wenn man davor steht, sieht man viele Einzelheiten, und gerade den Spott über die Säulen kann ich nicht nachvollziehen. Das ist architektonisch kein Burner, aber um Längen besser als etwas das Motel One in der Grunderstraße, dem solche Häme erspart blieb.

    ^ Am Ostkreuz fahren künftig zwei Regionalzüge und drei S-Bahnen pro Stunde. Die Anbindung über Gesundbrunnen und Ostkreuz war immer nur als Platzhalter für die nicht fertige Dresdner Bahn gedacht. Das war schon vor der Eröffnung des Flughafens klar und ist alles andere als "plötzlich". und schließlich ist Südkreuz noch näher an BER als Ostkreuz und nun im 15-Minuten-Takt angebunden.

    ^ Ja. Habe gelesen, dass Berlin und Umland mit dem Fahrplanwechsel ein halbe Million Zugkilometer zusätzlich bekommen. Für die allermeisten ein Riesengewinn. 14 Minuten Fahrzeit vom Südkreuz sind unfassbar gut, und auch der Takt steigt deutlich. Für das Einzugsgebiet Gesundbrunnen wird es etwas umständlicher, das stimmt - aber irgendwie ist es typisch für Berlin, dass genau dieser Punkt hervorgehoben wird, während die Verbesserungen an vielen anderen Orten kaum eine Rolle spielen.

    ^ Nein, das Park Inn hat 125 Meter inklusive Dachaufbau. Es ist schlicht die Perspektive. Schau Dir die Bilder im Berlinian-Strang an, in denen die beiden Türme von Westen aus zu sehen sind – da wirkt der Unterschied gewaltig.


    Mich irritiert das "angeblich", das Du da reinschreibst. Willst Du irgendwem Betrug unterstellen? Und meinst Du, einen solchen Fake könnte man nicht mit Messungen in ein paar Sekunden widerlegen?

    noch dazu dort wo Reparatur am nötigsten wäre

    Nur zur Einordnung: Von "Reparatur" kann in dieser Gegend keine Rede sein. Es handelt sich nicht um ein ehemaliges Blockrand-Gebiet, das nach dem Krieg abgeräumt worden wäre (wie an mancher Ecke in Mitte oder Kreuzberg). Da war nischt vor dem Krieg, und die Zeilenbauetn bilden das erste Viertel, das dort entstanden ist.

    Das Innere hingegen ist mir zu nüchtern und fällt ins Schematische ab. Wenn sich dein "freudlos" darauf bezieht, muss ich dir recht geben.

    Da würde ich mal abwarten. Auf den Visus sind die Exponate ja oft nur angedeutet – und die bestehen in den großen Sälen aus Architektur. Ich gehen davon aus, dass dort am Ende viel mehr los sein wird, als man auf den Visus sieht. Als Beispiel nehmt die Pilaster, die gerade im Mschatta-Saal installiert werden, auf der Visu aber nicht zu sehen sind. Das Tempelchen gefällt mir, schlicht und grau und steinern wie es ist, auch im Inneren sehr gut.

    Aber auch auf den beiden von Dir erwähnten Aufzugsbauten links und rechts der Treppe … man muss ja nicht unbedingt Blumenkübel draufstellen … aber vielleicht 2 Sphingen oder was assyrisches, als Replikat natürlich oder ein fescher Obelisk

    Dafür bin ich sofort zu haben. Ich hatte an zwei vergrößerte Bronze-Repliken des "Liegenden Löwen" aus der James-Simon-Galerie gedacht. Aber auch Kopien der Dachfiguren des Pergamonaltars böten sich an. Naja, sowas läuft ja nicht weg, und bis zur endgültigen Eröffnung fließt noch viel Wasser den Kupfergraben hinab. Nur zu schwer darf es nicht werden – es sind ja keine massiven Sockel, sondern halt verblendete Fahrstuhlschächte.

    ^ Um der Vermutung Zahlen entgegenzusetzen:


    1996: 3,3 Mio. Gäste/7,5 Mio. Übernachtungen

    2006: 7,1 Mio. Gäste/15,9 Mio. Übernachtungen

    2016: 13 Mio. Gäste/31,2 Mio. Übernachtungen

    2024: 12,7 Mio. Gäste/30,6 Mio. Übernachtungen


    Quelle


    Der Höhepunkt war übrigens das Jahr 2019, bevor es wegen Corona steil bergab ging. Seit 2022 geht es wieder stark nach oben. Will sagen: Der von Dir beschriebene Niedergang des Berlin-Tourismus' existiert nicht. Und dass die Stadt heute weniger attraktiv aussähe als Mitte der Zehnerjahre kann ich, der ich 2014 zugezogen bin, definitiv nicht bestätigen. Im Gegenteil: In der Innenstadt sind sehr viele Brachen verschwunden und teils durch schlechte, teils aber auch durch faszinierende Architektur ersetzt worden.


    Was die "grenzenlose Freiheit" betrifft: Die wird von Leuten, die älter sind als ich, vor allem den 90ern zugeschrieben. Um 2010 war schon von Gentrifizierung die Rede.

    ^^^ Nee, bitte nicht. Einen Boulevard "Unter den Fichten" mag ich nicht haben. Das mit der "populären Unwahrheit" ist doch Humbug. Es gibt sowas wie Jahreszeiten, und die dürfen auch in der Stadt gerne wahrnehmbar sein. Davon ab: Der November (mein Horrormonat) wird auch durch Kirschlorbeer im öffentlich Raum nicht erträglicher.