Beiträge von Architektenkind

    Ich will keinen zusätzlichen Platz, sondern einfach mehr Platz – sprich Abstand zur Straße. Schau Dir bitte mal bei Google Earth diesen ausufernden Straßenraum an. Findest Du schön?


    Und bitte: Ich bin ja auch ein Freund von Blockrand. Der Block mit den nordischen Botschaften und der CDU gefällt mir z.B. gut. Aber man muss doch nicht überall dasselbe Rezept umsetzen! Hier ist das Ziel, einen 60er-Jahre-Bau (das alte Archiv) zu ergänzen, ein gut sichtbares Eingangsgebäude zu schaffen (den Turm) und dem Bauhaus Respekt zu erweisen, ohne es zu kopieren. Blockrand – wie gegenüber – würde da nicht passen.


    Auch die Villa von der Heydt als dritter Bau auf dem Gelände steht ja in einem Park. Man bekommt also ein eher lockeres Ensemble aus drei Epochen, das mit einem Hochpunkt an der Hauptstraße beginnt und in einem Park ausläuft. Sowas will ich nicht überall, aber hier passt es einfach. Den Vergleich mit dem Kulturforum finde ich unpassend, weil Dimensionen wie Umgebungsbauten völlig anders sind.


    (P.S.: Ich bin jetzt die nächsten Tage im Urlaub, also bitte keine Antwort erwarten.)

    Das Hauptproblem an dieser Ecke bleibt die achtspurige Straße vor der Tür, mit dieser verschwenderisch breiten Doppelbrücke und dem toten Stadtraum in deren Mitte. Das ist dort noch schlimmer als an der Potsdamer Straße/Neue Nationalgalerie. Hier wären die Verkehrsplaner gefragt, die Ecke zeitgemäßer zu gestalten. Dann bekäme der neue Turm auch einen angemessenen Vorplatz.

    ^ Ja, zumal auch Hamburg und Schleswig-Holstein mit der Bahn vom BER aus schneller zu erreichen sind als von FRA oder gar von MUC. Selbst in Hannover oder Braunschweig ist man auf den meisten Bahnverbindungen schneller da. Die starre Gegenüberstellung der Bevölkerungszahlen ist sinnlos.


    Hinweis m.Ro80 : Es ist inzwischen möglich, die Zonengrenze ohne Visum zu passieren. Auch Westdeutsche können ohne Kontrollen das Gebiet der ehemaligen DDR durchqueren – auf teilweise sehr viel effektiveren Bahnstrecken als Frankfurt-Fulda oder Hannover-Hamburg. Dass FRA den gesamten Nordwesten erschließt, ist zwar status quo, für die Reisezeiten aber keineswegs sinnvoll. (Ganz im Südwesten bietet sich übrigens Zürich als Drehkreuz an, im Nordwesten Amsterdam – auch die Beschränkung auf deutsche Flughäfen ist zu eng.)

    Vorab: Ich finde die Debatte über die Tafeln hochinteressant. Vielleicht kann sie in den Dimensionen-Strang verschoben werden, weil sie dort jetzt, wo die Tafeln hängen, besser aufgehoben ist. Sie mit dem Hinweis auf "Moralismus" bzw. "politische Korrektheit" abzuwürgen, erscheint mir aber wie intellektuelle Zwangsdiät.


    Also los, ganz ohne Zorn und Eifer:

    Das ‘aufgeklärt' bezog sich auf 'Sic gesturus sum principatum, ut sciam, rem populi esse, non meam privatam.’

    Hier mal die Übersetzung, wie sie zum Beispiel hier von der Berliner Zeitung zitiert wird:

    „Ich werde mein Königsamt so führen, dass ich weiß, dass es sich um die öffentliche Angelegenheit und nicht um meine Privatangelegenheit handelt."

    Tatsächlich zeigt das gegenüber der Szene von 1443 einen Unterschied im Herrscher-Selbstbild: Friedrich II. (der Kurfürst) versteht sich noch als personaler Herrscher im Sinne eines Lehnsherren und sagt deshalb im Kern: "Ich will nicht mehr als mir zusteht". Friedrich I. (der König) versteht sich 250 Jahre später als Herrscher eines Staates. "Aufgeklärt" im Sinne der Aufklärung des 18. Jahrhunderts mit ihrer "Herrschaft der Vernunft" und den Naturrechten des Einzelnen war das noch lange nicht. Man kann höchstens von der Entwicklung rationalerer Herrschaftsformen reden, wie sie für den Absolutismus typisch ist (Stichwort: Merkantilismus).


    Insgesamt finde ich die obige Übersetzung missverständlich, vor allem bei "Prinzipat" als "Königsamt" und "res populi" als "öffentliche Angelegenheit". Denn ein absolutistischer Herrscher verstand sich nicht als "Amtsträger" im Rahmen einer Rechtsordnung, sondern als König von Gottesgnaden – er vergibt die Ämter, er hat keines. Und "öffentliche Angelegenheit" wäre res publica, also ursprünglich die römische Republik mit ihren politischen Institutionen und Debatten. "Res populi" heißt wörtlich zwar "Angelegenheit des Volkes", wäre hier m.E. aber besser mit "Staat" zu übersetzen (weil "das Volk" im Absolutismus anders als im alten Rom kein Rechtssubjekt ist).


    Meine Übersetzung hieße: "So werde ich meine Herrschaft führen, dass ich weiß, dass sie der Staat ist, nicht meine Privatsache". Das unterscheidet sich nur in Nuancen von Ludwigs XIV. "L'etat c'mois!" – und das überrascht kein bisschen, denn so war nun mal das Herrscherbild des Absolutismus`.


    Aber die Sache hat einen dialektischen Dreh: Dass Friedrich den Staat und seine Herrschaft in eins setzt, zeigt, dass beides bereits auseinanderfällt. 1443 war es noch eins – weshalb vom Staat keine Rede sein musste; 1700 muss die Einheit bereits proklamiert werden. Der König ernennt sich zur Staatsperson, weil sich der Staat als Herrschaftsmaschine vom König als Person zu lösen begann. Tatsächlich sind wir hier am Anfang eines Prozesses, an dessen Ende der Staat zu einem gewaltigen Apparat von Rechtsordnungen, Behörden, Institutionen und Armeen geworden war – und der König zu einem Grüßaugust an der Spitze, der sich durch einen Präsidenten austauschen lässt, ohne dass sich sonst etwas ändern müsste.


    Dieses Ende ist 1902 eigentlich längst erreicht (schon Hegel beschrieb den König im 19. Jahrhundert nur noch als das "I-Tüpfelchen" des Staates). Wenn die Hohenzollern ihr Residenzschloss in diesem Stadium mit Szenen aus dem Mittelalter bzw. dem Absolutismus schmücken, dann heißt das vor allem: Wir wollen es nicht wahrhaben; wir wollen, dass wieder früher ist.

    ^ Ich mag die architektonische Grundidee und das Material immer noch. Und die U1 als Hochbahn Richtung Frankfurter Tor ist eine schöne Utopie, aber schon längst abgeblasen. Sonst kann ich Deiner Analyse leider nicht widersprechen. Hinzuzufügen wäre noch die verschleppte Fertigstellung, die zur Folge hatte, dass das Ding jahrelang als halbe Bauruine in Betrieb war – und vom einschlägigen Publikum entsprechend behandelt wurde.

    tegula: Sie bauen mich als Pappkameraden auf. Ich habe explizit geschrieben, dass die Dinger da ruhig hängen sollen – wie also kommen Sie auf "Bildersturm"?


    Und auch als schlichtester aller Zeitgenossen möchte ich doch noch ein wenig stärker differenzieren als Sie: "Burgen, Schlossbauten und Bischofskirchen" können bis in die frühe Neuzeit hinein nicht antidemokratisch sein, weil Demokratie im Denken ihrer Erbauer keine Rolle spielte. Sie sind a-demokratisch (was etwas anderes ist). Versailles etwa dokumentiert den Machtanspruch der monarchischen Zentralgewalt gegenüber dem Adel, das Volk kam den Bourbonen als Subjekt von Herrschaft gar nicht in den Sinn (bis es ihnen die Hälse abschnitt).


    Das ist im 2. Kaiserreich ganz anders: Als die Reliefs ans Schloss gehängt wurden, war die Feudalzeit längst Geschichte und das Reich im Kern ein bürgerlicher Nationalstaat. Die Sozialdemokratie war stärkste Partei im Reichstag, die Legitimität der deutschen Throne wackelte spätestens seit 1848 ganz erheblich. Und es war nicht der abgesunkene Adel, der an ihnen sägte, sondern eine Bevölkerung, die längst aufgehört hatte, Dritter Stand zu sein. In dieser Zeit war der Verweis auf das 15. Jahrhundert nicht nur antidemokratisch gemeint, er war auch anachronistisch.

    Wir müssen damit aufhören, historische Prozesse mit den heutigen Werten zu messen

    Zweifellos richtig. Aber gerade als Mediävist sollten Sie nicht den Fehler machen, dem Heute ein abstraktes "Früher" gegenüber zu stellen. Bei Ihnen klingt eine ungebrochene Kontinuität von 1440 bis 1902 an. Als wäre das wilhelminische Berlin keine moderne Millionenmetropole gewesen, sondern noch immer eine spät-mittelalterliche Kleinstadt. Das war es nicht: Auch wenn die kaiserlichen Wilhelms mit den Arbeitermassen ihrer Zeit gerne so umgeprungen wären wie die markgräflichen Friedrichs mit den unbotmäßigen Bürgern des Berliner Unwillens - die Zeit des Kniens war vorbei.

    ^ Nur sind die Reliefs halt nicht mittelalterlich, sondern neuzeitlich. Die Originale stammen von 1902 – aus einer Zeit, in der die Legitimität fürstlicher Herrschaft, vorsichtig ausgedrückt, umstritten war. Die Botschaft ist eine ähnliche wie bei der 50 Jahre älteren Kuppelinschrift: Sie unterstreicht einen Machtanspruch, über den die Zeit eigentlich schon hinweg war. Das war nicht nur undemokratisch gemeint, sondern dezidiert antidemokratisch ("Gegen Demokraten helfen nur Soldaten", wie es Friedrich Wilhelm IV. 1849 so feinfühlig ausdrückte).


    Aber sei's drum. Meinetwegen können die Dinger da gerne hängen, sehen ja ganz gut aus. Ich verstehe bloß den Impuls nicht, solche Kunstwerke unbedingt als harmloseste L'Art pour l'art zu interpretieren und den politischen Kontext ihrer Entstehung auszublenden.

    ^ Sie vergreifen sich im Ton.


    Ich versuche es trotzdem nochmal sachlich: Die Museumsinsel ist kein Zustand, sie ist ein Prozess. Von 1825 bis 1930 und seit 1990 wurde und wird dort eigentlich immer gebaut. Seit der Wende werden die erhaltenen Museen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert mustergültig saniert. Bereits fertig sind Alte Nationalgalerie und Bode-Museum, in Arbeit ist das Pergamonmuseum und danach folgt das Alte Museum. Sie alle werden (mit Ausnahme von Haustechnik, Toiletten, Fluchtwegen, etc.) in ihren Ur-Zustand zurückversetzt. Mit großartigem Ergebnis, wie ich meine.


    Ein Sonderfall ist das Neue Museum, das den Krieg nur als Ruine überstanden hatte. Die Entscheidung gegen eine Voll-Reko polarisiert, und ich verstehe alle, die lieber das Original zurückgehabt hätten. Mich aber fasziniert diese Mischung aus Erhaltenem, Ruinenhaftem und Neuem. Seien es die Säle mit den beschädigt konservierten Fresken (die auf mich wirken, als befinde man sich in einer archäologischen Ausgrabung), sei es das abstrahiert wiedererrichtete Treppenhaus, dessen Raumeindruck mich jedes Mal überwältigt. Als Voll-Reko wäre es ein weiteres, zweifellos schönes Museum aus dem 19. Jahrhundert geworden – so ist es etwas Einmaliges.


    Und schließlich wird ergänzt: Die untererirdische Promenade, die vier der Museen miteinander verbindet; die James-Simon-Galerie als Empfangs- und Veranstaltungsbau; die Ungers-Anbauten am Pergamon-Museum. Anders als Sie hier behaupten, wird dafür nichts Historisches zerstört. Keine "Dekorationen und Rundungen" werden geraubt.


    1. Die James-Simon-Galerie ist ein kompletter Neubau – an ihrer Stelle standen bis 1938 die baufälligen Reste des Neuen Packhofes von Schinkel, der allerdings schon im 19. Jahrhundert größtenteils neuen Museumsbauten hatte weichen müssen (sowas würde heute niemand mehr machen). Auch wenn tegula das anders sieht, ist die JSG in meinen Augen eine gelungene Ergänzung des Ensembles, die in Proportion und Material Kontrast und respektvoller Zusatz in einem ist. Der Packhof-Rest war viel zu klein, um neben Neuem und Pergamonmuseum bestehen zu können, die JSG bildet einen Schlusspunkt zum Kupfergraben und vermittelt geschickt zwischen den beiden Dickschiffen.


    2. Die Promenade wird, wenn sie einmal fertig ist, eine faszinierende Raumfolge bilden – Teile davon kann man im Neuen Museum ja schon sehen. Sie macht aus vier Solitären ein Museum. Eine tolle Neuerung; nur schade, dass kein Abzweig zur Alten Nationalgalerie geplant ist.


    3. Die Ungers-Erweiterungen des Pergamonmuseums sind eine zeitgenössische Auslegung der Teile des Messel-Entwurfs, die nie gebaut wurden. Anders als bei Messel, wo sie reine Schmuckelemente darstellten, haben sie bei Ungers aber auch eine Funktion: Vierter Museums-Flügel und Eingangshalle mit Verbindung zur Promenade. Auch hier wird nichts zerstört (außer der DDR-Eingangshalle aus den 80ern), und die Proportionen des "Tempelchens" gefallen mir bei Ungers besser als bei Messel (dessen Eingang neben den gewaltigen Kopfbauten doch ziemlich absoff). Mit einer endgültigen Bewertung halte ich mich hier noch zurück, bis alles fertig ist. Bin aber guter Dinge.


    Insgesamt ist die Runderneuerung der Museumsinsel für mich das spannendste Städtebau-Projekt in Berlin und weit darüber hinaus. Sage ich als jemand, der gute historische und zeitgenössische Architektur gleichermaßen schätzt. Ich hoffe nur, ich kann sie noch im (vorläufigen) Endzustand erleben und werde nicht vorher von einem Auto überfahren. Wie man angesichts dieses Gesamtkunstwerks derart missgünstig und wutentbrannt sein kann, nur weil einem nicht jede Ergänzung gefällt – das leuchtet mir echt nicht ein.

    ^ Ja, und auch die Ungers-Anbauten sind alles andere als "größtmöglicher Kontrast". Kubatur, Material und Gliederung lehnen sich an den ursprünglichen Entwurf an. Nur eben in zeitgenössischer Gestalt. Man kann das schön finden oder hässlich, gerne auch irgendwas dazwischen. Von "größtmöglichem Kontrast" reden kann man nicht.

    ^ Muss sich Baukörper bei Ihnen dafür entschuldigen, dass er einen anderen Architekturgeschmack hat als Sie? Frage ich Sie in diesem Ton? Na? Antworten Sie! *Sarkasmus aus*


    Ich finde den Wiederaufbau des Neuen Museums beeindruckend. Wie ich die zeitgenössischen Ergänzungen des Pergamonmuseums finde, bleibt abzuwarten – warum sie vorgenommen werden, können Sie allerdings überall nachlesen. Es geht um Platz, den weder das ursprünglich geplante noch das später umgesetzte Torgebäude boten. Der Entwurf für "Tempietto" und vierten Flügel stammt von Oswald Matthias Ungers und steht seit 2006 (!) fest. Tatsächlich könnte man sagen, dass Ungers, der seinen Höhepunkt in den 80ern hatte, schon fast ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt – andererseits galt das zum Eröffnungszeitpunkt auch für das ganze Pergamonmuseum, insofern passt es.


    Als Freund historischer Architektur wissen Sie sicher, dass es seit Jahrhunderten üblich ist, alte Gebäude mit Anbauten im jeweils aktuellen Stil zu ergänzen. So gibt es romanische Kirchen mit gotischen Türmen, und Schlösser haben oft einen Kern aus der Renaissance, wurden aber später mit barocken, Rokoko- und klassizistischen Elementen ergänzt. Dass ein neo-klassizistisches Museum nun einen zeitgenössischen Anbau bekommt, ist also kein Frevel, sondern hat bauhistorisch lange Tradition.

    ^ In der Tat, da hätte man eigentlich gut Vermittlungsarbeit leisten können. Vielleicht liegt es an veränderten Grundstücksgrenzen (was die öde Fassade freilich auch nicht entschuldigt). Dass der Altbau weichen soll, glaube ich nicht – dessen Fassade sieht ziemlich frisch saniert aus.

    rako Sehe ich ähnlich. Wenn ich mich recht entsinne, ist das Projekt jetzt zum dritten Mal in dieser Lage: Beim ersten Mal hat der Investor das Grundstück beräumen lassen und ein Bauschild aufgestellt – und dann passierte jahrelang nichts. Beim zweiten Mal wurde der Grundstein gelegt und tatsächlich losgebaut – wenn auch immer wieder mit Pausen. Jetzt droht die Stadt zum dritten Mal, und der Ausgang erscheint unklar, weil die Probleme jetzt objektiv sind und der Investor wirklich in der Klemme steckt.


    Mein Mitleid hält sich in Grenzen, weil es ohne die Verzögerungstaktik der letzten Jahre nicht soweit hätte kommen müssen. Aber für den Alex wäre der Rückkauf fatal. Dass in der aktuellen Lage die Interessenten Schlange stehen, glaube ich nämlich nicht. Also hoffe ich, dass es irgendwie auch diesmal eine Einigung gibt...

    Ein Moderner Bau würde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Ornament und keine klassische Fassaden Struktur zulassen geschweige denn respektieren

    Die Bauakademie hatte gar keine klassische Fassadenstruktur, das machte sie ja so revolutionär: Die Fassade brach mit allen ästhetischen Vorgaben des damals noch tonangebenden Klassizismus' und griff auch keine barocken, gotischen oder sonst tradierten Gestaltungsmuster auf. Sie bildete streng das Konstruktionsprinzip aus 9 x 9 Pfeilern mit je acht identischen Flächen dazwischen ab. Eine krasse Abkehr von der Tradition, die damals auf einigen Widerstand stieß. Das heute zu ignorieren und den Bau als "traditionelle Architektur" einzustufen - das wäre tatsächlich ein Affront gegen Schinkel (weil es negiert, was ihn besonders macht).

    Weil "oder nicht" derzeit nicht näher beschrieben werden kann, gibt es in der Umfrage eben auch keine Alternative,

    Ja, nicht wahr? Geschickt gewählter Zeitpunkt. Die Auftraggeber können sich auch später jederzeit auf dieses Ergebnis berufen – und damit Alternativen diskreditieren, die es noch gar nicht gab, als die Leute gefragt wurden.


    Es geht mir hier nicht um die Bauakademie – die will ich, wie gesagt, auch wiederhaben. Es geht mir um vermeintliche Demoskopie als Mittel der Politik. Die ist wenig aussagekräftig, weil es immer drauf ankommt, wie man fragt. Man kann fragen: "Sind Sie dafür, dass dieses Gebäude wiederersteht?" Oder man kann fragen: "Sind sie dafür, dass der Bund für die Rekonstruktion dieses Gebäudes in Berlin ca. 100 Mio. Euro* Steuergelder ausgibt?" Beide Fragen sind korrekt und beide werden sehr unterschiedliche Ergebnisse zeitigen.


    Ich finde, man sollte in Architektur- und Städtebau-Debatten ästhetisch und mit der Sache argumentieren. Sich mittels gezielter Fragestellung und viel Geld die passende Umfrage einzukaufen, finde ich windig – auch wenn ich hier mit dem Ergebnis sehr einverstanden bin. Denkbar wäre es, am Ende einen Volksentscheid statt einer Jury über einen Wettbewerb entscheiden zu lassen. Aber ob das sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Schon die Frage nach den Abstimmungs-Berechtigten wäre kaum zu lösen.


    * 2016 bewilligte der Bundestag 62 Mio. Euro für das Projekt. Inflation und generelle Teuerungsrate bei Bauvorhaben eingerechnet, sind 100 Mio. eine konservative Schätzung.

    Zumindest das äußere Erscheinungsbild sollte dem Original entsprechen, alles andere wäre ein Affront gegenüber Schinkel.

    Und wieso das? Schinkel ging zu seiner Zeit sehr frei mit historischen Vorbildern um, wollte sogar die Akropolis in Athen neu bebauen (nicht: rekonstruieren). Warum wäre es ein "Affront" gegen ihn, wenn man an Stelle seiner Bauakademie ein neues Gebäude errichtete, das ihn nur zitiert?


    Nicht dass wir uns falsch verstehen – ich bin in diesem Fall sehr für eine Rekonstruktion zu haben und wünsche mir sogar das faszinierende Innenleben zurück. Aber der "Affront"-Vorwurf soll einfach alle moralisch ins Unrecht setzen, die andere Vorschläge machen. Das ist keine sachliche Argumentation.


    Was die Umfrage betrifft: Finde ich etwas seltsam, wenn man die Leute nicht zwischen mindestens zwei Alternativen entscheiden lässt, sondern ihnen einfach Aufnahmen der Akademie vorlegt und fragt, ob sie die wieder haben wollen oder irgendetwas anderes, was gar nicht näher zu spezifizieren ist.

    ^ Die Gründerzeit-Traufhöhe kann man gerne an den Rändern aufnehmen, wo sie auch ein Pendant findet. Das ist im Westen des Grundstücks in der Landsberger der Fall, im Norden in der Danziger zumindest auf der anderen Straßenseite. An der Kreuzung sollte es meines Erachtens höher werden, damit die Ecke nicht von den 10-Geschossern in der Umgebung erschlagen wird.


    Im Tagesspiegel bin ich auf eine Mischung aus Visu und Baumassenstudie gestoßen, die der nun geschasste Investor vor Jahren mal vorgelegt hatte. Die Lösung zur Kreuzung hin hat was mit dem Türmchen, der Rest ist eher mau. Denke aber nicht, dass diese Planung (von 2015) jetzt groß eine Rolle spielen wird.