Boulevard West | Europacity

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das Crown hier sieht rohbaumäßig ziemlich fertig aus.

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    Oh wow, was ist denn hier passiert? Was für ein chaotisches Sammelsurium von Loggien, „Wintergärten“, billigen Fensterrahmen und willkürlich proportionierten Balustraden im 50er Jahre Stil, die so gar nicht zu dem Rest des Gebäudes passen wollen. Sieht aus wie eine misslungene Mischung aus Nachkriegsmoderne und zeitgenössischem, hier aber düster geratenem, Rohbeton-Look. Der plumpe Wechsel zu vertikalen Streben in den oberen Etagen gibt dem Gebäude den Rest.

    Achja, und was soll diese gefühlt um wenige Zentimeter verspringende Geschossflucht zwischen den zwei Gebäudevolumen? Als wäre das Gebäude nicht irritierend genug...

  • Das schmerzt anzusehen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn ein Gebäude schon bei seiner Fertigstellung wie ein Abriss- oder Sanierungsfall aussieht. Ich kann beim besten Willen keinerlei architektonische Qualitäten an diesem Bau erkennen. Es ist in der Erscheinung düster und abweisend, die Gliederung der Fassade ist ein einziges Chaos ohne jegliche Symmetrie oder Sinn für Harmonie. Wenigstens bei der Ausführung hätte man mit einer hochwertigen Qualität und Materialität punkten können, aber auch da hat man es vermasselt. Wie von maselzr angemerkt sehen die Fensterrahmen billig aus und die beliebig helleren Fassadenelemente aus Beton verstärken noch diesen Eindruck. Uninspiriert, billig und erdrückend hässlich. Wenigstens hat man sich einen passenden Namen für das Projekt ausgedacht. Was für ein Schrott. Ich könnte kotzen.

  • ^ ich finde nicht, dass es wie ein Abrisskandidat aussieht. Es sieht eher aus wie ein hochwertiger Vertreter der 1970er Jahre. Für einen Bau aus den 70ern finde ich es sogar gar nicht schlecht. Das Problem ist, dass es halt trotzdem aus der Zeit gefallen ist.

  • Von mir am 22.11.2021 aufgenommene Bilder vom abgeschlossenen Bauvorhaben "Mittenmang" hinüber über die Bahngleise:

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    ...und von der Perleberger Brücke aus:

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  • So eine "Phalanx" aus uniformen, etwa gleich hohen Blockbauten ist halt städtebaulich murks, auch wenn es sich an den Bahngleisen nicht so exponiert darstellt. Zwar ist es "Lüschers Genius" der uns diese aufgereihten Blöcke beschehrt hat, aber das Symptom ist auch in Hamburg, Frankfurt und München zu beobachten. Ich würde sagen die Deutschen leiden unter einem eklatanten Mangel an Freude an ihren Städten. Wir nehmen die Stadt verglichen mit z.B. Franzosen, Spaniern oder auch Holländern und Briten deutlich mehr "infrastrukturell-funktional",- als "ästhetisch-lebensräumlich" wahr. Ich glaube aber, dass sich das gerade ändert und dass das grob-parzellierte, auf Bauhaus bestehende Stadtverständnis einer Lüscher und co. langsam verschwindet. Es braucht wieder mehr Kleinteiligkeit. Es braucht mehr Mut zur Gestaltung. Es braucht mehr Mut zur Höhe. Und mehr Anspruch an die Entwicklung attraktiver, urbaner Lebensräume.

    Die Deutsche "Bauhaus-Kultur" sollte die Architektur von der verkitschten Historisierung z.B. der wilhelminischen Jahre befreien und Wege aufzeigen, um modernistisch-industrielle Einflüsse in die Architektur einfließen zu lassen ohne profan oder konventionell zu wirken. "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!" So ist man damals angetreten. Nur, die "bildnerische Tätigkeit", der "Handwerker als Künstler" ist in den Jahren weitgehend verloren gegangen, bzw. unter dem "Primat des Handwerkers" verkümmert. Der ursprüngliche Anspruch an eine "Befreiung der Architektur" hat sich von der industriellen Norm kettengefertigter Fertigbauteile, Brandschutzverordnungen und Rasterfassaden gefangen nehmen lassen. Frau Lüscher konnte oder wollte das nicht erkennen. In jedem Fall brauchen wir ein Stück weit eine "Befreiung von der Befreiung". Die Stadt muss wieder menschlicher werden. Die Architektur wieder individualistischer.

  • Ich denke der banale Hauptgrund für die großen Blöcke sind die Kosten. Es ist einfach viel aufwendiger kleinteilig zu bauen, individuelle Entwürfe herzustellen, das geht schon mit der Planung los und zieht sich dann weiter über Bau und Vermarktung. Wenn überhaupt wird Kleinteiligkeit nur vorgetäuscht, ein Gebäudekern und drei oder vier verschieden Fassaden. De facto gibt es keine Kleinteiligkeit in Berlin, ich kenne kein Projekt.

    Was klappen hätte können in der Europacity am Kanal wäre ein Abschnitt mit Townhouses wie am Werderschen Markt. Warum man das nicht gemacht hat oder warum das nirgends wo mehr entsteht, weiß ich nicht, vielleicht ist es nicht gewollt. Nachfrage gäbe es bestimmt.

    Und wenn Du dir das Projekt des Werkbundes ansiehst, das jahrelang geplant wurde, kleinteilig und alle voll begeistert, das ist dann kläglich gescheitert, warum auch immer. Außer Spesen nichts gewesen.

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    Ich würde sagen die Deutschen leiden unter einem eklatanten Mangel an Freude an ihren Städten. Wir nehmen die Stadt verglichen mit z.B. Franzosen, Spaniern oder auch Holländern und Briten deutlich mehr "infrastrukturell-funktional",- als "ästhetisch-lebensräumlich" wahr.

    Das ist doch wohl nicht ein Problem der Deutschen, sondern eher deutscher Architekten / Stadtplaner, Baukommissare und Investoren. Jedes Jahr reisen Millionen von Deutsche in die Städte Frankreichs, Italiens etc., um sich an deren (ganz überwiegend alter) Architektur und der traditionellen Raumgliederung erfreuen zu können.

    Wenn Du Dir mal die Reaktionen in hiesigen Nicht-Architektur-Foren anschaust, siehst Du schnell, dass fast alle Neubauten bei fast allen zu Ablehnung oder Entsetzen führen. Einzige Ausnahme ist wohl (noch) die Rolle von Straßen, weil in Deutschland das Auto einen religiösen Status hat.

    Ich persönlich kann übrigens an bestimmten Stellen (wie der hier präsentierten) ganz gut mit großen Riegeln leben, das gehört für mich auch zu einer Millionenstadt. Vorausgesetzt natürlich, dass der Riegel eine angenehme Fassade hat. Was hier entsteht wird, soweit ich es sehen kann, nicht besonders angenehm aber wohl auch nicht besonders häßlich. Typische Bahngleis-Architektur würde ich sagen (um den Gare Montparnasse in Paris sieht es nicht besser aus, sogar eher schlechter).

  • ^ Altstädte gibt es auch in Deutschland eine Menge – nur aus den Metropolen sind sie wegen Krieg und Wiederaufbau häufig verschwunden. Und auch in London oder Paris wird heute anders gebaut. Gerade in London wurde m.E. zuviel kaputtgemacht. Die Gründe für das heutige Bauen sind vielfältig, können wir in einem passenden Strang diskutieren. (Immerhin gibt es in den Zentren ja eine Rückbesinnung auf kleinteiligere Formen: Ich habe lange in der Göttinger Altstadt gewohnt. Dort gibt es einige formatsprengende Brocken aus den 60er- bis 80er-Jahren, die heute niemand mehr so bauen würde.)

    Ich finde das "QH Track" an diesem Standort gar nicht schlecht. Es ist keine Innenstadtlage, die Kleinteiligkeit erfordern würde. Es ist ein Riegel zwischen dem Bahnareal und der Europacity. Beim Blick vom Hauptbahnhof wie bei der Einfahrt von Norden wirkt es eindrucksvoll als städtebauliche Figur. Sehr großstädtisch mit dem Upbeat als Endpunkt. Ein Urteil über Fassade und Materialqualität bilde ich mir allerdings erst, wenn alles fertig ist.

  • Ich oute mich auch mal als Fan der Gleis-Bebauung.

    Für mich hat das in seiner übergroßen Schmucklosigkeit und dem Schlucht-Effekt etwas mystisches, als würde sich Berlin hier gerade ein bisschen in Fritz Langs Metropolis oder vielleicht auch in eine etwas rauhen Ecke in Chicago verwandeln.

    Ein ähnliches Flair hat für mich das Projekt in Neukölln am S-Bahn-Ring, das wie eine moderne Stadtmauer wirkt und dessen Name mir gerade entfällt.

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    Geschmäcker sind glücklicherweise unterschiedlich, mir gefällt es auch. Die Wirkung als Riegel ist aus Gründen des Schallschutzes durchaus berechtigt. Als Brutalismus-Fan musste ich beim Betrachten der Beton-Fassade des QH Track schmunzeln. An anderer Stelle forderte man ja den Abriss durchaus vergleichbar wirkender Gebäude, wenn sie ungepflegt in die Jahre kommen. Das Pallasseum sucht noch Fans...

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    ... und dem Schlucht-Effekt etwas mystisches, als würde sich Berlin hier gerade ein bisschen in Fritz Langs Metropolis ...

    Ein ähnliches Flair hat für mich das Projekt in Neukölln am S-Bahn-Ring, das wie eine moderne Stadtmauer wirkt und dessen Name mir gerade entfällt.

    Neben diesem Projekt im Europaviertel und dem von dir genannten Projekt in Neukölln wäre das Q EINS im Berliner Westen (Henriettenplatz / Seesener Straße) als drittes, aktuelles Bauprojekt zu erwähnen, welches vergleichbar ist und eine ähnliche Wirkung erzielt. Link: Wilmersdorf, Halensee, Grunewald, Schmargendorf | Kleinere Projekte

    Ebenfalls moderne Stadtmauer, ebenfalls entlang einer Bahnlinie gebaut mit riesigen Ausmaßen, die an Fritz Langs Großstadtvision der 1920 Jahre erinnern. Ich meine mich zu erinnern, dass im Thread zum Neuköllner Projekt der Bezug zu Fritz Langs Metropolis ebenfalls angesprochen worden ist.

    Alle drei Projekte sind nicht wirklich schön. Diese langen, schluchtenartigen Riegel erinnern an anonyme Großstadtvisionen. Mystisch, düster, fast schon beängstigend, aber irgendwie auch unglaublich faszinierend.

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    Ein ähnliches Flair hat für mich das Projekt in Neukölln am S-Bahn-Ring, das wie eine moderne Stadtmauer wirkt und dessen Name mir gerade entfällt.

    Welches Projekt in Neukölln meinst Du?

    Ich fahre fast jeden Tag mit dem Ring in der Ecke und ich kann beim besten Willen keine „Stadtmauer“ dort sehen.


    Bei der Friedenauer Höhe zwar schon, aber nicht in Neukölln.


    Oder meinst Du das geplante Bauvorhaben zw. S-Bahn Hermannstraße und S-Bahn Neukölln?