Boulevard West | Europacity

  • Boulevard West | Europacity

    Mehr und mehr legt sich der Fokus auf die Entwicklung des westlichen Bereichs der Europacity. Heute berichtet die Berliner Zeitung über entsprechende Planungen für den Bau von hunderten Wohnungen, einem Nahversorgungszentrum mit Geschäften und Bio-Märkten, Stadtplätzen mit Restaurants und Cafés sowie 175.000 Quadratmeter Büroflächen. Die Planung sollen nächste Woche auf der Immobilienmesse Expo Real vorgestellt werden.
    Der Realisierungszeitraum soll sich über 5 - 6 Jahre erstrecken. Das Investitionsvolumen liegt schätzungsweise bei einer halben Millarde Euro.


    Herzstück wird das Nahversorgungszentrum und soll als erster Bauabschnitt errichtet werden. Die Ausschreibung für einen Architekturwettbewerb, der schon Ende dieses Jahres entschieden sein soll, laufe bereits. Erste Erschließungsarbeiten könnten dann im Frühjahr beginnen und offizieller Baustart dann Spätsommer 2017.


    Wie für das NVZ werden auch für alle anderen Häuser in dem Quartier Architekturwettbewerbe durchgeführt, die bis Ende 2017 abgeschlossen sein sollen.


    Artikel Berliner Zeitung mit einigen interessanten Baumassenstudien.

  • wow, beeindruckend was in meiner Nachbarschaft in den nächsten Jahren alles passieren wird.


    Bei dem wörtchen "Nahversorgungszentrum" bin ich trotzdem kurz zusammengezuckt.
    Auf der Visualisierung sieht das dann so aus:
    Wohnen, wohnen, wohnen
    Arbeiten, arbeiten, arbeiten
    Nahversorgungszentrum.


    Der feuchte Traum eines jeden 60er Jahre Städteplaners.


    Besser wäre:
    wohnen, essen, arbeiten, einkaufen
    arbeiten, einkaufen, wohnen, essen
    wohnen, essen, arbeiten, einkaufen usw.

  • Ich war auch ziemlich skeptisch, als ich den Artikel las.


    Die Heidestraße wird trotz Umgestaltung eine Hauptdurchgangsstraße bleiben und aufgrund der hohen Verkehrsbelastung durch den MIV kaum zum Bummeln/Flanieren einladen. Und die geplanten Arbeitsplätze und neuen Bewohner werden sicher noch viel mehr Autoverkehr generieren.


    Die zweite Visu im Artikel zeigt zwar sehr viel Grün, was aber am Ende wohl kaum der Realität entsprechen wird. 860 Wohnungen sind auf dem riesigen Gebiet nicht besonders viel. Und die Funktionstrennung (teils aus Lärmschutzgründen) nebst einerm 500 m langen Gebäuderiegel wird auch m. M. nach kaum zu einer kiezähnlichen Struktur bzw. zu richtigem Leben auf den Straßen führen. Die Baumassenstudie wirkt auch alles andere als heimelig. Klingt alles nach Großsiedlung, da kann ich snitchs "feuchten Traum" nachvollziehen. :D


    Es wird ein Büro- und Gewerbegebiet werden mit inselartigen Wohnbereichen, deren Bewohner wahrscheinlich zum Ausgehen / Flanieren anderswo hingegehen bzw. -fahren. Vielleicht wird der Einkauf für den tägl. Bedarf dann im "Nahversorgungszentrum" stattfinden, shoppen werden die aber woanders. Bäcker, Coffee-Shops und Drogeriemarkt hören sich wirklich nicht so spannend an, auch wenn es für die jungen Hipster auch vegane Imbisse und Bioläden geben soll. Na dann... ;)

  • ^ Gebe Dir recht mit Deiner pessimistischen Einschätzung bzgl. "Flair", "Kiez", "Flaniermeile" etc. Aber ich denke, die 860 Wohnungen beziehen sich nur auf die Westseite der Straße, um die es im Artikel ja geht. Die Wohnblöcke auf der Ostseite sind da noch nicht mitgezählt. Insgesamt dürfte schon einiges an Wohnungen zusammenkommen.


    Nachtrag: Diesem Flyer zufolge sollen in der Europacity insgesamt 2.800 Wohnungen gebaut werden. Das würde locker für 6.000 Einwohner reichen, und das wäre für so ein Viertel ja schon eine Hausnummer.

    Einmal editiert, zuletzt von Architektenkind () aus folgendem Grund: Nachtrag hinzugefügt

  • ^ Stimmt, kann sein. 2.800 Wohnungen ist schon eine amtliche Zahl.


    Dürften aber bei der heutigen Menge an Single- und Dink-Wohnungen eher ca. 4000 Bewohner sein, was aber auch nicht gerade wenig sind. Hoffentlich haben die nicht alle SUVs... ;)

  • Also ich bin da schon etwas optimistischer, was das Europaviertel und die Heidestrasse betrifft.
    Ich denke, trotz des Verkehrs kann sich die Heidestrasse gut entwickeln.
    Es gibt viele andere laute Strassen in Berlin wo es auch gelingt, die Torstrasse ist ein gutes Beispiel, vor fünfzehn Jahren als ich nach Berlin gekommen bin, da war es dort einfach nur laut und unwirtlich und heute total hipp und angesagt.

    Das Konzept läuft ja auch darauf hinaus genügend Erdgeschossflächen, sei es für Läden oder Gastronomie anzubieten, die breiten Gehwege werden bestimmt auch für Sitzgelegenheiten draussen genutzt werden, das bietet sich förmlich an im Sommer.
    Das wird sicherlich dauern, aber in zehn bis 20 Jahren wird das Viertel völlig absorbiert sein, da bin ich mir ziemlich sicher.
    Es kommt halt auch darauf an, dass sich vielleicht kulturelle Anziehungspunkte entwickeln, sei es Theater oder Clubs und ähnliches, aber das ist halt immer nur schwer auf dem Reissbrett planbar, aber wenn nicht hier in dieser Gegend, wo dann könnte sich so etwas wie Urbanität entwickeln?

  • Auf alle Fälle ist es ein Experiment und du hast recht, erst in 10, eher 20 Jahren wird man sehen, ob es funktioniert. Allein mir fehlt der Glaube.


    Ich kenne kein Beispiel, wo ein vergleichbares komplett neu gebautes Quartier als lebendiges Viertel richtig gut funktioniert.


    Das Potsdamer-Platz Areal vielleicht, aber das Leben findet dort eher in den ruhigeren Innenbereichen (Alte Postadamer Straße, M.-Dietrich-Platz usw.) statt und nicht an der MIV-Trasse der neuen Potsdamer Straße. Zudem gibt es dort zahlreiche kulturelle Einrichtungen, auch wenn diese nun z. T. schließen. Zudem ist es ein touristisch bedeutendes Quartier mit architektonischem Anspruch (auch wenn manche es nicht mögen).


    All das wird für die Europacity kaum zutreffen.


    Dennoch kann es natürlich ein erfolgreiches Viertel werden, aber eben ohne den Anspruch "lebendig" im Sinne eines Kiezes. Vielleicht erleben wir es ja noch. :)

  • Dass es kein Bsp. gibt, was einem mal ebend so einfällt, ist natürlich bezeichnend. Ein paar Punkte stimmen mich dennoch optimistisch:
    Zum Teil unterschiedliche Gebäudehöhen beim Riegel entlang der Gleise.
    Für alle Häuser gesonderte Wettbewerbe.
    Auf den Visus vom Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs KCAP/ASTOC/Studio Urban Catalyst ist die Innenstrukur der Blöcke auch ab und an mal verschachtelt-hoffentlich kommt dass so, im besten Fall öffnen sich diese Innenhöfe für Passanten.


    Dass alles ist noch eine riesige Wüste und schwer vorstellbar. Ich gebe aber zu bedenken, dass das Areal gerade mal 300m breit ist. Dass ist nicht viel bei den genannten Einwohnern und der Bebauung. Das Leben kann sich dann auch an einigen Stellen ganz gut konzentrieren.
    Einzig allein ein Highlight im Norden fehlt, das als Ziel dient, um tatsächlich entlang der Heidestrasse zu flanieren.

  • Deshalb könnte man ein Einheitsdenkmal auch dort bauen im Fluchtpunkt des Kanals und der Heidestrasse, nahe des Grenzverlaufs. Denkmale zu verteilen hat auch etwas für sich. Man sollte wieder mehr Monumentalität wagen - auch an der Hauptstraße selbst.


    Boulevard West finde ich ziemlich dämlich. Wie wird die Straße denn tatsächlich heißen?


    Dumm, dass man das Hafenbecken aus Kostengründen gestrichen hat. Mehr Wasser in das Viertel zu holen, wäre der gestalterische Durchbruch. ZB eine Gracht entlang der Gleise könnte eine enorme Verbesserung bringen. Wasser ist ja genug da.

  • ... die Heidestraße muss auch nicht zum Flanier und Einkaufsparadies werden. Und Kiezstrukturen gibt es genügend in Berlin, sprich. Dort muss nicht der Bär steppen nach Feierabend. Ich sehe keine Notwendigkeit für ein neugebautes Charlottenburg, Schöneberg, Prenzlauer Berg o.ä. . Mir wäre ein architektonisch modern gestaltetes Areal wichtiger als irgenwelche Szeneattribute.


    Finde die Visualisierung nicht schlecht, ich könnte mir noch bei einigen der kleinen Bürotürme noch 4-6 Wohnetagen obendrauf vorstellen.
    Wichtig sind neben einer leistungsfähigen Straßeninfrastruktur vor allem auch ausreichend Parkplätze. Kein Wirtschaftsboom / Spitzenmieten ohne genügend Parkplätze für den MIV.

  • Kiezstrukturen kann man vor allem nicht planen und bauen, die müssen in einem jahrzehntelangen Prozess entstehen, in dem ein Stadtviertel einen eigenen Charakter herausbildet. Aber darum geht es genausowenig, wie um eine Flaniermeile für Touristen und Berliner aus anderen Gegenden. Es geht darum, dass ein für die Bewohner attraktives Viertel entsteht – kein Bürocluster mit Wohnanteil, in dem man sich nur zum Schlafen aufhält, weil es außerhalb der Wohnung so unwirtlich zugeht. Dazu braucht es wenigstens ein paar Geschäfte und Restaurants, die einen eigenen Charakter haben und nicht von den immergleichen Großfilialisten betrieben werden.


    Das Hafenbecken wäre ein schöner Anziehungspunkt, um den herum sich ein lebendiger Stadtplatz entwickeln könnte – mit Cafés an der Kaimauer, einer breiten Freitreppe zum Wasser hinunter und Bootsliegeplätzen. Hoffen wir, dass es gebaut wird.

  • Vor allem setzt es voraus, dass bauplanerisch entsprechend in den Erdgeschossen Möglichkeiten für Geschäftsnutzung vorgesehen bzw. ausschließlich zulässig sind, sonst wird es wirklich eine tote Ecke.


    Die Novelle des BauGB kommt ja leider eh zu spät, wenn sie denn überhaupt kommt.

  • Pressemitteilung zum Architekturwettbewerb Quartier Heidestraße:

    Zitat

    Für ihre Entwürfe zum geplanten Sondergebiet im Quartier Heidestraße sind die Büros ROBERTNEUN Architekten (Berlin) und gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Berlin) mit dem 1. Preis ausgezeichnet worden.


    Das Preisgericht hat für beide Einreichungen Empfehlungen zur weiteren Bearbeitung formuliert. Nach einer erneuten Begutachtung durch die Preisrichter wird einer der beiden Entwürfe zur Realisierung bestimmt. Der 3. Preis wurde an das Büro AllesWirdGut (Wien) vergeben. Das Quartier Heidestraße wird als Teil der Europacity entwickelt. Die Auslobung galt für das Herzstück des Quartiers, in dem als erstes Teilprojekt auf einer Grundfläche von 9.490 m2 großflächiger Einzelhandel, Wohnen und Gewerbe realisiert werden. Aufgabe war es, die Gestaltung der Fassaden zu entwerfen sowie Grundrisse für die jeweiligen Nutzungsbereiche zu entwickeln.

  • Ist das der alte Sichtbetonblock in überarbeiteter Form, oder bringe ich da die Grundstücke durcheinander?

  • Ja Material und Kubatur gehen schon in Ordnung, die Fassadengliederung und speziell die Vorhangfassade finde ich nicht so dolle. Die Durchgänge sind dann oft recht dunkel, dann kommt schnell dieser Parkhauscharme rüber. Hoffen wir das beste, die vertikale Gliederung im oberen Teil finde ich aber auch unpassend. Bißchen schade, Bürohäuser aus Ziegel sind eigentlich voll mein Geschmack, erinnert mich an die Blöcke an der Köthener, die ich auch gut finde.

  • Das Lokdepot gefällt mir wesentlich besser. Gute Ansätze sind auch hier vorhanden, z.B. die Fensterkreuze, die an das Berolinahaus erinnern, aber man hätte wesentlich mehr daraus machen können. Es wirkt durch die Balkone tatsächlich streckenweise wie ein Parkhaus. Das hatte mich auch schon bei dem Projekt im Brunnenviertel gestört. Auch die Gliederung wirkt etwas merkwürdig, besonders den Aufsatz finde ich unpassend. Dazu kommt, dass der Block mal wieder zu groß und zu einheitlich geraten ist.

  • Ich bin auch nicht so begeistert. Zunächst einmal sehe ich wieder einen großen Kasten mit Rasterfassade. Ok, die quadratischen Fenster an den Seiten und links mit Fensterkreuzen sind ein positives Detail, dieses wird aber von den Laubengängen(?) wieder zunichte gemacht. Den Parkhaus-Look kann ich dadurch auch nachempfinden.
    Der obere Bereich mit den schmalen vertikal betonten Fenstern sieht nach der seit Jahren üblichen und langweiligen 0815-Bürohausfassade aus.
    Klar, eine Ziegelfassade (sofern es tatsächlich eine wird) ist sicher besser als heller Kalkstein oder Alubleche oder erst recht Dämmputz, aber der behäbig langweilige und zu wuchtige Eindruck überwiegt in meinen Augen. Da fehlt jeglicher Pfiff...


    Meine Skepsis, das aus dem Europacity ein (auch optisch) halbwegs attraktives Quartier wird, wird leider immer größer.


    P.S. - Ergänzung: In der Berliner Zeitung ist heute ein Artikel zur Europacity erschienen, in dem auch der Backsteinbau erwähnt wird und eine Visualisierung eine Ecke davon zeigt. Demnach wird dieses das Nahversorgungszentrum mit einem großem Supermarkt. Der benachbarte Stadtplatz soll hinter Arkaden Läden und Gastronomie bieten und ein Treffpunkt im neuen Stadtquartier werden. Der Schreiber meint, es sei keine 08/15-Architektur, was ich aber etwas anders sehe. Aber vielleicht darf man heute keine großen Ansprüche mehr haben.