Beiträge von Berlinier

    Nimmt das HF eine städtebauliche Funktion ein wie vor der Sprengung ?

    Nein. Weder funktional als Schloss noch als Baukörper, denn das höchste Bauwerk Berlins, der Fernsehturm, dominiert die Gegend.

    Ich quote mich mal teilweise: Was hätte man denn bauen können, außer einem modernen Museum. Wie hätte das aussehen können. Experimentell a la Guggenheim Bilbao? Da ich die Entscheidungswege und "Hausarchitekten" der Stadt kenne, hätten wir irgendwas biederes mit Ziegelwerk (a la Herzog&deMeuren) oder irgendne bunte Rasterkiste mit Holzrahmen (a la Sauerbruch Hutton) oder was schweres, graues steinernes (Orter&Orter) bekommen. Vielleicht auch einen Chipperfield, aber ich bin sicher auch dem wäre an der Stelle nichts grandioses eingefallen. Es liegt zu viel Spannung auf dem Schlossplatz. Alles umliegende orientiert sich auf ihn und erzeugt die Erwartung auf einen mächtigen Bau, der zwischen den historischen Anreinern vermittelt. Diese Spannung kann kein modernes Gebäude aufnehmen. Oder kennst du eines, irgendwo?

    Das Berlin der 20er war eine der großartigsten Städte der Welt zum damaligen Zeitpunkt. Eine Stadt, die vor Kultur und Wissenschaft geblüht hat und teils auch liberal und progressiv war, aber was bringt es darüber zu philosophieren. Die "Metropole Berlin der 20er Jahre" reiht sich ein in die lange Liste von Opfern des zweiten Weltkriegs. Wir können ihr gedenken, aber sie wird nicht zurückkehren. Berlin wird nie wieder eine A-Liga-Stadt werden, dafür hat sich die Welt zu stark gewandelt und selbst wenn Hitler nicht gewesen wäre, hätte sie diese Position auf Dauer nicht behalten können. Dennoch hätten wir natürlich heute das ein oder andere architektonische Kleinod mehr zu bewundern. Dennoch, no real point arguing about.

    Ziel sei es, „ohne architektonische Selbstdarstellung einen hochwertigen, klassischen Baukörper zu errichten, der auch in Jahrzehnten als zeitgemäß gelten kann“. -MUC

    https://www.berliner-zeitung.d…englichem-balkon-li.68340


    Genau so würde Ikea seine Regale auch beschreiben. Ironischerweise galt dieser Satz allerdings noch für den alten Entwurf mit dem zugänglichen Balkon.

    Die kürzeste Zusammenfassung der Miseria, die sich allerdings etwas eindimensional auf den "zu teuren" Wohnraum konzentriert und Geschmacks- und Gestaltungsfragen ausblendet, habe ich bei der Linken gefunden. Stadtentwicklung von Vorgestern Dort steht u.a. auch, dass der Senat festgeschrieben hat, dass es eine öffentliche Aussichtplatform und öffentl. Toiletten geben muss. Mir unerklärlich wieso man bei dieser speziellen Lage nicht auch bestimmte Gestaltungsanforderungen bestimmt hat.

    Ich bin auch entsetzt. Die Fernsicht, wtf?! Das Ding sieht aus wie eine Regalwand von Ikea. Der alte Entwurf war auch nicht perfekt, wirkte aber zurückhaltend und gediegen und hatte durchaus Stärken. Nichts von dem finde ich hier noch, weder Zurückhaltung noch Gediegenheit. Wo ist denn Frau Lüscher wenn man sie braucht?

    Das Baukollegium mischt sich doch ansonsten auch in jedes Bauprojekt ein.

    Grundsätzlich nein. Das BK soll nur Projekte von herausragender städtischer Bedeutung besprechen. Idr zählen Hochhäuser dazu, weil sie ab einer gewissen Höhe dann auch wortwörtlich "herausragend" sind in ihrer Bedeutung für das Stadtbild. Ob das 84m KPMG Türmchen diese Schwelle überschreitet, weiß ich nicht, aber das BK hat ja augenscheinlich nicht getagt, bzw das Projekt an sich gezogen.

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    So wie ich das sehe, gab es nur drei Entwürfe von denen einer (Reimann, eigtl. der Beste) nicht komplett genehmigungsfähig war und außerdem wurde bemängelt, er würde nicht in das Ensemble am HBF passen, weil er nicht zeitgenössisch (kantig, durchgerastert) wäre. Der Entwurf von UN studio gefällt mir an der Stelle auch nicht unbedingt besser, er ist mir auch dem TourTotal zu nahe von der Gestaltung. Warten wir doch erstmal ab bis die Fassade die obersten Stockwerke erreicht. Der Effekt, dass die Fassade nach oben hin "glasiger" wird kommt ja noch gar nicht zur Geltung.

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    Sich "in den Ruhestand versetzen lassen" ist blos eine höfliche Art gekündigt zu werden. Sie hat sich mit Müller und Giffey überworfen, bzw. gegen die städtebauliche Position, sogar konkrete Ausverhandlung der SPD Führung gestellt und der Stadtverwaltung Gerichtsverfahren mit Investoren aufgedroht, die garantiert unangenehme Fragen aufgeworfen hätten, sowohl was die Rechtssicherheit und Arbeitsweise auf Verwaltungsseite betrifft, als auch die Rechtssicherheit städtebaulicher LOIs, die der Bürgermeister mit Signa abschließt. Da scheint es schwer vorstellbar, sie nach der Wahl nochmal zu nominieren. So kommen alle Beteiligten halbwegs "gesichtswahrend" aus der Nummer raus. Ich muss nicht Sherlock Holmes sein, um das zu durchschauen.

    Die Frau ist doch schon abgesetzt. Etliche Jahre zu spät, aber seis drum. Ich denke, die SPD hat hier den Notschalter gedrückt, um nicht in die überaus peinliche Situation zu geraten, mit einer Frau Lüscher als Gegnerin(!) in ein Verfahren zur Klärung des LOI mit der Stadt Berlin zugunsten von Signa hereingezogen zu werden. Hines würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch klagen, würde Lüscher nach der Wahl weiterhin im Amt bleiben und ihre Blockadeposition weiter aufrecht erhalten. Dem hat die SPD-Führung mit ihrer Absetzung einen Riegel vorgeschoben.


    Der Hines-Turm ist Lüschers letzte Gelegenheit, ihren Geltungsdrang noch einmal vor einem international tätigen Milliardenkonzern, Architekten und Funktionären exerzieren zu können. Danach wird niemand bedeutendes mehr hören wollen, was sie zu sagen hat. Sehen wir es ihr nach.

    Bei der Signa Anhörung zu dem Kaufhof-Turm meinte der Sprecher von Signa relativ am Beginn der Sitzung, dass man keine Option auf eine Verjüngung anbieten kann, weil die Höhe bereits von 150m auf 130m (später 134m) reduziert wurde. Das wird bei den anderen Investoren nicht anders sein. Gerade die obersten Geschosse sind es, die am höchsten vermietet werden können. Frau Lüscher hat gewissermaßen von den Investoren verlangt, sich gleich doppelt zu kastrieren. Einmal durch die Reduzierung der Gesamthöhe und durch die Reduzierung der vermietbaren Fläche im obersten Bereich. Eines davon hätte man verhandeln können. Nicht beides.

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    Leibinger ist aber auch langweilig und austauschbar. Ernsthaft, der könnte genauso in Stockholm, Kopenhagen, Chicago, London, Rotterdam oder sonstwo stehen. Ich finde da 0 Bezug zum Alex oder den Nachbartürmen. Kleihues greift immerhin die DDR-Architektur auf und modernisiert sie, was mir nicht gefällt, was man aber goutieren kann. Der Gehry mit dem warmen Stein vermittelt zu den Behrens-Bauten und dem Monarch und dürfte mit dem Sockel des kommenden Covivio Turms korrespondieren.

    Ich hab mir das Hochhaus neulich erst vor Ort angeschaut. Es ist für diese riesige Kreuzung deutlich zu niedrig geworden und es wirkt in der Realität auch noch kleinlicher als die Fotos suggerieren. Auch meine ich, dass es dort mehr Baumasse hätte vertragen können. Ab der Kreuzung ist der ganze Stadtraum nur noch völlig haltlos zusammengewürfelt und schreit geradezu nach architektonischen Ankerpunkten, die Ordnung in diese Flurlandschaft bringen. Das Problem ist hier wirklich beides, zu geringe Höhe und Baumasse. Dasselbe HH würde in Charlottenburg oder einem anderen Blockrand-Kiez eine gute Figur machen. An der Stelle braucht es deutlich mehr.

    Der Turm sieht auf vielen Renderings teils merkwürdig aus, was aber denke ich eher an schlechten Renders (Perspektive) liegt. Einen besseren Eindruck vom Gehry bekommt man hier und soo unproportioniert finde ich ihn, bis auf die Süd-Seite, die wirklich etwas fett wirkt, nicht unbedingt. Ich denke auch, dass der Turm, wenn er noch kommt, sich noch etwas weiter entwickelt haben wird. Eines muss ich aber feststellen: Dieses eh schon grenzwertig "ungrazile" Design noch stärker zusammen gestaucht auf 130m ->Bitte nicht!

    img_0691boqxuh5jns.jpg

    Bild aus BK-Anhörung zum Turm 2014/2015 / Copyright@Gehry&Partners LLP

    Die Ursache ist aber der Bunker und keine Willkür, wie Du oben nahelegst.

    Naja, "Willkür" sicher nicht, aber natürlich beschädigt es einen Investor (und alle anderen, die das sehen), wenn sein Kernprojekt in der Stadt immer wieder politisch herum diskutiert und teils sogar komplett in Frage (Linkspartei->Forderung auf Verzicht) gestellt wird. Und das über Jahre. Sowas schafft Unsicherheit. Das alles kommt noch oben drauf auf die eh schon schwierige Frage der Gründung, die zusätzlichen Kosten durch den Bunker, den Tunnel ect. Und dann findest du nach jahrelangem Ringen und Hadern endlich einen Kompromiss mit der BVG, die Gutachter und Projektleiter geben grünes Licht und dann kommt eine Frau Lüscher als "lame duck" daher und mosert an den 150m herum, dieselbe Frau Lüscher, die voller Begeisterung von dem Gehry-Turm geschwärmt hat, als er 2014/2015 im Baukollegium besprochen wurde. Das ist kein modus operandi mit dem man Stadtplanung oder Wirtschaftspflege betreibt.

    Es wurden übrigens schon so einige Hochhäuser auf Bunkern errichtet, allerdings eher Hochbunker. https://de.wikipedia.org/wiki/Exzenterhaus


    Wie gesagt, spar' Dir die Beleidigungen.

    Okay ich nehms zurück. Du bist nicht mehr "Captain Obvious".

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    Danke, "Captain Obvious".


    Der Hintergrund mit der BVG ist mir bekannt. Ich hab überhaupt nicht darauf abgezielt der BVG irgendeinen schwarzen Peter zuzuschieben. Die haben gute Gründe ihren Tunnel zu schützen. Trotzdem haben die vielen Gutachten, Opportunitätsverluste ect. natürlich Kosten für Hines verursacht, die sie evtl. und das ist meine Befürchtung, am Turm einsparen werden könnten.

    1. Ist die alte Baugenehmigung noch gültig, oder ist sie ausgelaufen? Gilt sie noch, bleibt es bei 150 und Gehry; muss sie neu erteilt werden, sind es nach jetzigem Stand um die 130 Meter und evtl. ein anderer Entwurf.

    Die Hochhausleitlinie mit den 130m ist eine sogenannte "Abwägungsdirektive" -keine definierte Rechtsnorm. Da ist überhaupt nichts "in Stein gemeißelt" bei einem neuen Entwurf. Wie du schon meintest, es kommt drauf an wie die Wahl, bzw. der/die neue Baudirektor/in ausfällt.


    Abwägungsdirektive -> Generelles Planungsziel oder konkrete Planungsleitlinie; unbestimmter Rechtsbegriff, uneingeschränkt gerichtlich überprüfbar.

    "Senatsbaudirektorin Lüscher erklärte nun, die geplanten 150 Meter Höhe passten nicht mehr ins Bild"


    Frau Lüscher "passt nicht mehr ins Bild"! Gottseidank sind das die Worte einer lame duck.


    Ich denke auch so langsam wir bekommen den "günstigeren" Kleihues. Die ganze Geschichte mit der BVG und den Hyänen im Senat wird Hines eine Menge gekostet haben.

    Vielleicht wollte der Investor aber auch genauso hoch bauen, wie er es jetzt tut. Bei jedem 60-Meter-Haus wird hier so getan, als wäre es ein mit politischem Zwang verhindertes 120-Meter-Haus - und als wäre es wünschenswert, über die ganze Stadt verteilt an jeder Ecke 120-Meter-Häuser zu haben. An der Urania, an der Jannowitzbrücke, hier... Es geht mir etwas auf die Nerven.

    Das habe ich so nicht geschrieben. Du lässt dich von deinem "emotional bias" triggern, weil ich bei dir als Hochhausclaqueur und Senatshasser geprimt bin. Der Hinweis "Fraglich ob an der Stelle 120m wirtschaftlich sind" sollte genau diese Unsicherheit bezüglich des potentiellen Wunsches des Bauherrn nach "deutlich mehr Höhe" ausdrücken. Wir wissen es einfach nicht. Gut möglich, dass die Kalkulation dort mit zweitem Treppenhaus ect. und 100m+ nicht mehr aufgeht, weil die Mieter das nicht einbringen.

    Meine restliche Einschätzung zu dem was mit diesem Senat an der Stelle theoretisch/hypothetisch verhandelbar wäre, scheint mir vor dem Hintergrund der Arbeitsweise des BK in den letzten Jahren nur kongruent und verhältnismäßig. Daraus soll nicht zwangsläufig auch eine Wertung erfolgen, bzw. überlasse ich die an der Stelle dem Leser. Auf einen Wunsch nach "120m an jeder Ecke", zielt mein Posting überhaupt nicht ab. Der Einwurf dieser Hyperbel soll auch keine Diskussion anregen, sondern eine Position artikulieren. Ich würde gern differenziert darüber diskutieren, an welchen Stellen Berlin über bestehende HH-Pläne hinaus Bedarf hätte, aber mit dieser rhetorischen Figur hast du dir trotzig die Arme verschränkt. Vielleicht im nächsten Thread.


    Das Gebäude gefällt mir ausgezeichnet. Von Nöfer würde ich sehr gerne mal einen echten Büro-Wolkenkratzer sehen, egal in welcher Stadt. Seine Gebäude wirken beinahe zeitlos auf mich. Sie fügen sich auch hervorragend in den Bestand ein. Was er in Russland gebaut hat, hätte auch hervorragend zu Berlin gepasst: https://www.noefer.de/en/projekte/brusnika-russland/

    Der Alexanderplatz braucht meiner Meinung nach sowieso noch etwas, dass zwischen 130 m/150 m und Traufhöhe bzw. Motel One vermittelt – also z.B. 90 m – viel mehr als ein zweites 150 m-Gebäude.

    Ja, aber sicher nicht an Stelle des Hines-Turmes. Eine starke Reduzierung an der Stelle würde die Skyline zerfransen. Es stünden sich der westliche Cluster und der Monarch wie zwei Inseln gegenüber, statt einen gemeinsamen Cluster zu bilden. Man könnte z.B. nur 130m bauen, aber dann würde der Monarch mit den 150m quasi die städtebauliche Dominante am Alex darstellen. Für diese Rolle ist er aber überhaupt nicht designt und geplant worden und der gesamte Cluster bekäme eine art Schlagseite.

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    Anforderung an zweites Treppenhaus ect., ergibt ein deutlich größeres Investment. Fraglich ob an der Stelle 120m wirtschaftlich sind, noch fraglicher, ob dieser Senat das zulassen würde, weil die grundsätzliche Maxime gilt, dass ü100m nur am Alex und Zoo gebaut werden soll. Vielleicht hätte der Investor auf Biegen und Brechen irgendwas zwischen 79-89m raushandeln können. Vermutlich hätte sich das an der Stelle ohne zusätzliche Baumasse nicht gelohnt.