Beiträge von Berlinier

    Welche These diskutieren wir jetzt genau?

    Dass dieser Senat in der Summe nicht gerade "hochhausfreundlich" eingestellt ist, ich denke, da kann es eigtl. keine Zweifel mehr geben. Dafür gab es nun wirklich zu viele Indizien, Hinweise und zwischen den Zeilen durchscheinende Ablehnung in den letzten Jahren.

    Dagegen spricht schon allein die Tatsache, dass es vor allem Hochhausvorhaben sind, die regelmäßig für Streit zwischen den Koalitionspartnern gesorgt haben (und immer noch dafür sorgen, siehe Hermannplatz). Ich erinnere nur an die Posse mit Signa am Kudamm, wo sich die SPD-Baudirektorin gegen städtebauliche HH-Verträge stellt, die ihre eigene Parteiführung unterzeichnet hat, oder die aus dem Nichts kommende und völlig an den Haaren herbeigezogene Forderung der Linkspartei, den Kaufhof-Tower doch einfach mal zu streichen (und den Investor defakto zu enteignen), kurz bevor oder nachdem Signa die Pläne veröffentlichte. Das allein zeugt von einem derart verschobenen Verhältnis, nicht nur zur Stadtplanung&Architektur, sondern auch zum Rechtsstaat und dem Dialog von Politik und marktwirtschaftlichen Akteuren, da kann man zumindest bei der Linkspartei schon fast von "Paranoia" reden was Hochbauten betrifft.


    Frau Lüscher gilt zwar nicht unbedingt als zwanghafte Ideologin, hat aber in ihrer gesamten Amtszeit seit 2007 bis dato 0 Hochhäuser >100m neu ausgewiesen. Alle Vorhaben, die wir diskutieren, stammen aus vor-Lüscher-Planungen* und sind lediglich mit Amtsantritt in ihre Zuständigkeit gefallen.

    2012: Senatsbaudirektorin - Wolkenkratzer gehören nicht nach Berlin (Tagesspiegel)


    *hierzu muss man wissen, dass diese Planungen im Jahr 1999 erstellt (Planwerk Innenstadt), nur marginal angepasst wurden und zum Zeitpunkt der Erstellung von einer perspektivisch sinkenden Einwohnerzahl Berlins aufgrund damals falsch-erstellter Prognosen ausgingen. Das Gegenteil hat sich eingestellt, Berlin wuchs, statt zu schrumpfen und die Planungen für Berlins Innenstadt gelten nach heutigem Ermessen als unterdimensioniert, bzw. warten seit Lüschers Amtsantritt darauf nachverdichtet zu werden.

    Man hat ende der 90er, Anfang der 2000er schlicht unterschätzt, welche Dynamik Berlin entfalten würde. Hätte man damals gewusst, wo wir heute stehen, hätten wir wahrscheinlich einen Kollhoff-Plan mit 20 HH am Alex statt 13, bzw. 11, bzw. 9, bzw. 8.. :headscratch:


    edit:

    Scheinbar arbeitet RRG offenbar auch mit falschen Prognosen:


    "Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU Fraktion, erklärt:
    "Der Wohnungsneubau ist und bleibt eine der größten politischen Herausforderungen dieser Legislaturperiode. Das zeigt einmal mehr die aktuelle Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das bis 2035 ein Bevölkerungswachstum von rund 500.000 Neuberlinerinnen und -berlinern vorhersagt.
    Der Senat scheint hingegen bei der Erarbeitung des neuen Stadtentwicklungsplans Wohnen von völlig unzureichenden Annahmen auszugehen. Er rechnet nach eigener Aussage lediglich mit ca. 180.000 zusätzlichen Einwohnern bis 2030. Wenn die Stadtentwicklungssenatorin dabei bleibt, ist auf dem Berliner Wohnungsmarkt mit dem Schlimmsten zu rechnen. Es droht ein Scheitern mit Ansage. Die zurückhaltenden Zahlen der Senatsverwaltung verstärken den Eindruck, dass der dringend nötige Wohnungsneubau politisch nicht gewollt ist und kleingeredet werden soll." Quelle

    Kleingärten gehören auch zur Gartenkultur, aber hier wird ja regelmäßig bejubelt wenn die nächste Kleingartenkolonie planiert wird um Wohnraum zu schaffen und wenn's darum geht das HF Umfeld in Vorkriegszustand zurück zu versetzen, wird die Gartenkultur der betroffenen Parks und Plätze auch nicht berücksichtigt.

    Du kannst doch nicht private Kleingärten gegen eine Begrünung öffentlicher Stadträume ausspielen. Ich hab z.B. überhaupt gar nichts von "Gartenkultur in Kleingärten", da ich kein Kleingartenbesitzer bin und die Mehrheit der Berliner auch nicht. Kleingartenbesitzer sind idr priviligierte Alt-Berliner. Priviligiert, weil sie seit Jahrzehnten auf ihren Grundstücken sitzen und man als Neu-Berliner fast keine Chance hat so ein Grundstück zu erhalten. Auch der Verweis, dass es durchaus üppige Grünanlagen (Schloss Charlottenburg, Botanischer Garten ect.) in der Stadt gibt, nutzt mir wenig, wenn ich als Tourist oder Besucher vor dem Stadtschloss stehe und mich frage, warum der Schlossplatz so schmucklos und kahl wirkt.

    Ich verstehe den recht starken Dissenz in der Frage sowieso nicht. Mehr Grün am Schloss? Why not, that's a no brainer for me. Grundsätzlich schaue ich lieber auf Büsche und Blumenbeete, als auf Gehwegsplatten und Pflaster.


    Das Grünflächenamt ist in Berlin übrigens durchaus stark, nur nicht wenn es um die Pflege ihrer Anlagen geht. Es wird sogar eingesetzt um das Grundgesetz bzw. die Demonstrationsfreiheit zu umgehen, wie ich aus alter Jugend-Erfahrung weiß. Wenn die Berliner Polizei keine Handhabe mehr gegen Demonstranten (keine Versammlungen) hat, ruft sie das Grünflächenamt an. ;)

    Als Schlusswort muss ich aber anmerken, dass sich die Pflege der Grünflächen Berlins wie ich finde in den letzten ~10 Jahren durchaus verbessert hat. Vielleicht weil die Stadt nicht mehr ganz so pleite ist, vielleicht auch weil RRG hier mehr Wert drauf legt, aber ich habe den subjektiven Eindruck, dass sich mehr gekümmert wird als früher.

    Ich bin nach wie vor zwiegespalten. Mir gefällt zwar grundsätzlich, dass hier mit viel Stein und Glas gearbeitet wird, die Anlehnung an die Behrensbauten ist auch in Ordnung und auch die Fassade könnte recht angenehm werden in ihrer Wirkung, aber mir missfallen die nach wie vor die Einschnitte in das Gebäude, vor allem, weil sie derart tief sind, wie auf dem Bild aus dem Video ab min: "2:17:40" , also der direkten Hinaufsicht auf der Fußgängerperspektive erkannbar ist.


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    Bild= Still aus Anhörung des Baukollegiums auf yt / free public


    Wären die Einschnitte halb so tief, könnte ich mich damit anfreunden, aber sieht das mir etwas zu "brutal" aus. Als wären Teile des Gebäudes herausgesprengt worden und das ganze hinterher saniert worden, ohne es zu reparieren. Vielleicht täusche ich mich aber auch und der Effekt fällt in der Realität weniger "dramatisch" aus, als das Bild suggeriert. Lange dauert es ja nicht mehr bis man die Einschnitte erkennen wird, ich bleibe gespannt. :daumen:

    Interessant wäre doch mal folgender Vergleich: Stellen wir uns vor, es hätte RRG nicht gegeben, sondern stattdessen sagen wir Schwarz-Gelb, also den "neoliberalen Alptraum". Stellen wir uns vor, die Baubranche hätte "freie Hand" gehabt in all diesen Jahren und deckel- und bremsenlos expandieren können in Berlin.


    Wir hätten ohne jeden Zweifel zehntausende Wohnungen mehr. Aber hätten wir auch geringere Mieten? In dem Punkt bin ich mir nicht sicher. Zwar ist es wahr, dass zehntausende zusätzliche Wohnungen Druck vom Markt genommen hätten, aber ich kann mir auch vorstellen, dass sich der Effekt in einer sich (noch stärker) aufheizenden Preisspirale wieder aufgelöst hätte. Die Thematik ist jedenfalls zu komplex, um nur mit Gesetzesrestriktionen behandelt werden zu können. Das ist die falsche Medizin. Der Patient muss nach den Regeln der Marktwirtschaft behandelt werden, um genesen zu können. Der Staat kann hier Anreize setzen. Subventionierung statt Reglementierung.


    -Genossenschaften über Berliner Investitionsbank/KfW ect. zu günstigen Baukrediten verhelfen, natürlich mit Auflagen.

    -Gesellschaften mit subventionierten Baukrediten versorgen, staatliches Bauprogramm auflegen.

    -Erleichterungen bei den Genehmigungsverfahren.

    -Neubefragung zum Tempelhofer Feld durchführen-> Vermutlich findet sich heute keine Mehrheit mehr gegen eine Randbebauung.

    Du hast ja nichts verloren. Im Gegenteil hat Dir RRG immerhin eine vorübergehende Einsparung erlaubt, die Du, wärest Du ein kluger Marktliberaler, inzwischen mit gutem Gewinn hättest anlegen können.

    Ich hab keinen Nachteil hierdurch, aber du glaubst wirklich, dass jemand, der gerade so genug zum Leben verdient, dieses Geld jeden Monat auf Heller und Cent zurückgelegt hat? Der Kellner? Die Friseurin? Der Dönerverkäufer? Durch Covid hindurch? Das hat wenn überhaupt Leuten verholfen, die wie du sagst "Marktliberal" denken und agieren, also Leute mit Geld.

    Und dass Rot-Rot-Grün mit ihrem Gesetz "Leuten mit Geld" zu Erleichterungen verhilft und denen am unteren Ende zu Mietschulden, das ficht dich nicht an? Das stellt kein Fanal für dich dar? Du arbeitest dich lieber an den Klägern ab?

    [..]und nun seine Wut über den durch sie entgangenen Mitnahmeeffekt ersatzkompensatorisch auf jene zu kanalisieren, die ihre Anstregungen auf eine solchen Mietminderung gerichtet hatten.

    Und damit mir und allen betroffenen Berlinern einen sogenannten "Bärendienst" erwiesen haben. Das ist keine "Ersatzkompensation", sondern schlicht eine Feststellung. Wie könnte ich den Klägern den schwarzen Peter dafür zuschieben, dass sie ihren Job gemacht haben und mit Kritik ausgerechnet an der Seite sparen, die ihren Job ganz offensichtlich nicht gemacht hat.

    Wenn dir kurz vor der Blitzeranlage der Beifahrer aufs Gaspedal latscht, weil er gerade zu der Überzeugung kommt, deinen Fuß entlasten zu wollen und du hierdurch ein Straf-Ticket kassierst, ist dann die Blitzeranlage in die Kritik miteinzubeziehen?


    Es gibt nur zwei Möglichkeiten:


    a) Sie wussten, dass sie vor Gericht scheitern würden, haben das Ding aber trotzdem durchgesetzt, um Futter zu haben, um eine Bundessdebatte um besseren Mieterschutz lostreten zu können.

    b) Sie waren nicht rechtskompetent genug und/oder blind rechtsanmaßend.


    Ich finde beide Möglichkeiten relativ skandalös. Dass der Rechtsstaat, sowie das Mietkonto hunderttausender Berliner auf dem Altar von Politspielchen um Deutungshoheiten auf dem Pokertisch verscherbelt werden ebenso, wie die Vorstellung, dass sie es einfach nicht besser wussten.

    Wie wurde ich verspottet, als ich mit langen Listen darauf hinwies, dass unter Grünen und Linken -im Gegensatz zur CDU- fast überhaupt keine Rechtskompetenz in Form von Anwälten oder sonstigen Rechtspflegern mehr im Senat vertreten sind. ^.^


    Ich habe es immer gesagt, könnte ich jetzt sagen, aber das ist irrelevant. Ich muss jetzt einen vierstelligen Betrag an meinen Vermieter zurückzahlen. Mitten in der Coronakrise, wie hunderttausende Berliner auch. Danke an jeden, der diese Knalltütenparade gewählt hat. :thumbdown:

    Denn tatsächlich stehen jetzt nicht die beteiligten Parteien im Fokus, nein – die bösen sind jetzt CDU und FDP, denn diese haben nach linker Lesart dafür gesorgt das Millionen Mieter jetzt in der Patsche sitzen

    Das glaube ich nicht. "Nach linker Lesart" vielleicht, aber kein vernünftiger, halbwegs gebildeter Bürger, der das Leben kennt, wird dem Kläger die Schuld dafür geben, dass der Beklagte ein für die Stadt unopportunes, unterkomplexes und rechtswidriges Gesetz erlassen hat. Hätten CDU und FDP nicht geklagt, hätte man ihnen vorwerfen können die Normenkontrolle zu unterlaufen und den Rechtsstaat zu nivellieren. Wären CDU und FDP nicht so schnell gewesen, hätte es auch die Afd sein können, die diesen Sieg errungen hat. Fähige Anwälte haben die auch. Wäre dir das lieber gewesen?

    Und dass sie ihre Schweizer Herkunft hier als hilfreich empfunden hat, weil dies eine gewisse vertrauensstiftende Neutralität bedeutete, die den Dialog über die Gräben hinweg erleichterte.

    Man muss es auch vor dem Hintergrund sehen, dass sie in der Stadt eigenen Angaben nach "niemanden kannte" als sie 2007 nach Berlin ins Amt kam. Sie wusste also überhaupt nichts davon was Berliner so umtreibt. Für mich entsteht in etwa das Bild einer sehr fachlich orientierten Frau, man könnte sagen einer "typischen Schweizerin", die sich eigenen Angaben nach in Zürcher Jahren hauptsächlich mit Detailfragen in der Architektur beschäftigt hat. Große städtebauliche Visionen zu entwickeln und mit politischen Idealen und Zielsetzungen zu kombinieren, die darüber hinaus auch noch ideologische Gräben überbrücken sollen, dieser Ansatz war neu und wie zwischen den Zeilen herauszuhören ist, auch eine Herausforderung für sie mit der sie nicht unbedingt gerechnet hat. Das sie sich vor diesem Hintergrund in den Jahren zu einer Moderatorin entwickelt hat, scheint auch logisch, immerhin möchte sie -man könnte wieder sagen typisch Schweizerin, niemandem auf die Füße treten. Würde ich als Berliner einen Senatsposten in Zürich erhalten, würde ich wohl ähnlich vorgehen und mich ebenfalls eher moderativ und abwägend verhalten. Insofern ist es charakterlich verständlich, aber letztlich nicht das was Berlin in diesen Zeiten braucht.

    Was wir brauchen ist ein Macher oder eine Macherin. Eine Person, die die Ärmel hochkrempelt, sich die Stadt zur Brust nimmt und ordentlich Baumassen ausweist, nachverdichtet und der Stadt eine Vision gibt, die nicht blos von "grünen Archipeln" träumt, sondern reale Entwicklungsgebiete ausweist und Potentiale bietet, um architektonisch zu anderen westlichen Metropolen aufschließen zu können. Nichts davon kann ich mir mit ihr vorstellen. Deshalb ist es Zeit für einen Wechsel.

    Sie erklärt, was sie an Berlin schätzt (Städtebauliche Durchmischung, Grün, kleine Läden ect.) und beschreibt ihren Beruf, wobei sie ihren Fokus auf den "Dialog" setzt und "Baukultur" als eine Zusammenarbeit vieler verschiedener Professionen begreift. Anschließend stellt sie heraus, dass zu Baukultur auch Nachhaltigkeit im ökologischen, sowie sozialen Sinne gehört und das nicht nur die Frage der "Schönheit" bei einem Bauvorhaben eine Rolle spielt, sondern, dass sich Synergien ausdrücken können, also dass ein Gebäude auf möglichst viele gesellschaftliche Fragen Antworten liefern können soll.


    Anschließend stellt sie die Wichtigkeit heraus auf alle möglichen Akteure (Bürger, Investor, Politik ect.) eingehen und die verschiedenen Interessen moderieren zu können und kommt auf den Ost-West-Konflikt in der Stadt zu sprechen, den sie ihrer Meinung nach dahingehend "moderiert" hat, dass sie ein "Gegengewicht" geben konnte kontra der "Auswischung von DDR-Kultur durch den Westen" und hat ihrer Meinung nach damit zu einer Befriedung des Konfliktes beigetragen, weil sie den Ossis das Gefühl genommen hat, dass der Westen sie "kulturell übernommen" hätte.*

    Ihr Ausblick auf ein Berlin der Zukunft beschreibt, etwas naiv und simplifizierend, eine Art "Archipel", hochverdichtete Inseln, zwischen denen grüne Oasen liegen. Ihr schwebt eine Art grünes Utopia-Berlin vor, das sich bis Brandenburg erstreckt und weniger "Megacity" als viel mehr eine grüne Fläche ist, auf der einzelne verdichtete Punkte sind, die mehr oder weniger autark sind, ebenso wie die Menschen, die auch autark sein sollen. "Menschen, die in Freiräumen herumwuseln" bei diesem Satz leuchtet ihr Gesicht förmlich auf.


    *Hier wird es für mich zweifelhaft. Eine Schweizerin, die sich zur Aufgabe macht, den "Ost-West-Konflikt" in Berlin zu befrieden und diesen politisch-gesellschaftlichen Überbau als modus operandi für die Ausübung ihres Berufes begreift. Ernsthaft, brauchen wir das? Brauchen wir im Jahr 2021 eine Baudirektorin, die versucht, in der Ostberliner Bevölkerung "alte, seelische Wunden" auszumachen und diese zu heilen? Ich glaube, wir haben wichtigere Probleme.


    Mein Eindruck:

    Sie ist nicht stumpf und durchaus differenziert und artikuliert, aber hat jemand was anderes erwartet? Mir drängt sich der Verdacht auf, dass sie schlau genug ist, um keine "linke Ideologin" im klassischen Sinne zu sein, sich aber schleichend über die Jahre von den linken Einflüssen im Senat hat um den Finger wickeln lassen. Die Art, wie sie auf historische und seelische Wunden in der Stadt eingeht, so als wäre das unser vordergründiges Problem in einer Stadt, die aus den Nähten platzt und die dringend neue wirtschaftspolitische Impulse, vertikale Urbanisierung und zehntausende Wohnungen braucht, um noch konkurrenzfähig bleiben zu können, das macht mir Sorgen. Nach dem Interview drängt sich bei mir auch der Eindruck auf, dass wir mehr eine "Moderatorin" als eine "Gestalterin" als Baudirektorin haben, eine, die es allen Recht machen will. Berlin ist aber nicht zu moderieren. Berlin ist eine Schlangengrube. Die Interessen sind zu divers und konträr. Wer in einer Schlangengrube moderiert, wird keine Maßstäbe setzten, eher Kuckuckseier errichten. Ich wünsche ihr alles gute, aber wir brauchen wirklich jemand neues.

    Ich bin zwiegespalten. Einerseits sehe ich schon, dass die Falckensteinstr. keine Durchgangsfunktion mehr zur Oberbaumbrücke braucht und daher durchaus geeignet wäre dem PKW Verkehr entzogen zu werden. Allerdings ist die Straße bereits mehr oder weniger stark verkehrsberuhigt und macht ehrlich gesagt auch ohne Autos nicht unbedingt einen einladenden Eindruck auf mich. Ich kann mir Straßen vorstellen, die weniger Verkehr gebrauchen könnten. Die Falckenstein. wirkt aber derart ruhig, unscheinbar und verkehrsarm auf mich, dass ich hier keinen Mehrwert ausmachen kann, der die Negativeffekte für die Anwohner-mit-PKW wieder ausgleichen kann.


    Wo ist denn hier bitte ein Verkehrsproblem? So sieht eine ruhige, familiengerechte und entspannte Straße aus!

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    Bilder@ google earth/maps

    von dir stammt ja die geistige Meisterleistung, die Daseinsberechtigung des Tempelhofer Felds mit der Begründung zu entziehen, um Berlin herum sei ja genug grün.

    Nope. Eine "Daseinsberechtigung" habe ich dem TPF nie abgesprochen. Nur darauf hingewiesen, dass wir eine grüne Luxus-Elfenbeinturm-Diskussion führen, die sich die Stadt eigtl. nicht erlauben kann.


    und erst dann, wenn wirklich noch Bedarf vorhanden ist und das ewige Wachstum des Neoliberalismus auch den Berliner Wohnungsmarkt beseelt hat, Ideen über die Bebauung einer innerstädtischen Segnung nachzudenken.

    Erstmal haben wir vor allem Bedarf an günstigem Wohnraum, ich denke, da wirst du zustimmen. Deine Vorschläge zur Nachverdichtung bereits urbanisierter Gegenden sind ja in Ordnung, es wird ja auch quasi überall gebaut, aber eben nicht "günstig". Hier auf dem TPF könnte die Stadt die Bedingungen diktieren, heißt: Es könnten ausschließlich landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, z.B. die WBM, HOWOGE ect. den Zuschlag bekommen, um den Randbereich des TPF mit bezahlbaren Wohnungen aufzufüllen, von denen zehntausende Berliner profitieren könnten. Dies könnte ein gutes Maß an Druck aus dem angespannten Markt nehmen.

    Wenn dir ein "ungenutzer Rand" einer gigantischen Fläche mehr wert ist, als zehntausende bezahlbare Wohnungen, dann frage ich mich wo deine Prioritären liegen und ob es dir noch um Pragmatismus und Vernunft geht, oder doch nicht eher um etwas anderes. Wenn ich diese Gleichung aufmache, kann ich eigtl. zu überhaupt keinem anderen Ergebnis kommen. Niemand verliert etwas, das Feld ist mehr als groß genug. Man könnte Disneyland Paris auf dem TPF errichten und es wäre immer noch Platz.

    Ein mal einen Fuß in der Tür (Randbebauung) gibt es absolut keinen Weg, dass schleichend immer mehr Fläche bebaut wird?

    Nein. Es werden ein Masterplan und später Bebauungspläne erstellt, die nicht so einfach erweitert werden können, nur weil irgendein Investor mit dem Geldschein wedelt. Im Übrigen ist das TPF auch kein Investoren-Hotspot und wird es wohl auch nie werden. Wie gesagt, realistisch sind moderate bis bescheidene Wohnbebauungen von öffentlichen bzw. teilöffentlichen Trägern wie der WBM ect.

    ^

    Ja, wir sitzen in einer der grünsten Städte der Welt, die von einem riesigen, grünen Forstgebiet (Brandenburg) umzäunt wird. Eine Situation, um die uns +90% der Großstädte Weltweit beneiden würden. Und diskutieren so einen Quatsch wie ungenutzte Randbereiche einer Rasen-Mondlandschaft mittig in der Innenstadt zu erhalten. Einfach nur so aus spießbürgerlichem Berliner Trotz und introspektiver Ignoranz heraus. Wir reden ja nicht über ein Naturschutzgebiet, einen Wald oder auch nur ein Industriewäldchen, sondern über künstlich geschaffenes, planiertes (wahrscheinlich auch teils kontaminiertes) ehemaliges Flughafengelände (bzw. Randbereich davon, man kann es nur hundertmal betonen).

    Du kannst den Pfad in Google Earth auch noch x weitere Male im Zickzack verlängern, dann kommts du auf noch "dramatischere" 100 km und mehr.

    Nein, kann ich nicht. Um einen Vergleich heranzuziehen, müssen die "Zickzacke", wie du mein trigonometrisches Funktionsoverlay nennst, zumindest halbwegs ähnliche Winkel, Kantenlängen und Tangenten aufweisen.

    Das ist sehr groß, aber nicht unbedingt "gigantomanisch". Wenn du damit nichts anfangen kannst , ist das deine Sache.

    Definitionssache. Wenn du einen Park in der Größe lower Manhattens nicht gigantomanisch findest, dann möchte ich wissen, woran sich deine Maßstäbe für Gartenanlagen bemessen? An den Mohnfeldern Afghanistans?

    Tausende Menschen sind keine "Handvoll". Sie können sehr wohl die Fläche mit Leben füllen und tun das auch bei jedem halbwegs guten Wetter. Einfach mal hingehen und anschauen.

    Nein, tausende Menschen können keine Fläche mit Leben füllen, auf der andernorts bis zu 400.000 Menschen untergebracht sind. Ein paar ausmachbare Punkte, die mittig(!) auf einem Feld spazieren gehen, ist keine Belebung. Der gesamte Randbereich, um den hier gerungen wird, wird quasi überhaupt nicht besucht. Die Menschen halten sich im zentralen Bereich des Feldes auf, schon allein, weil es viel zu weit zu laufen ist, um von einem Randbereich zum gegenüberliegenden zu laufen. Für Zehntausende Menschen könnten im Randbereich Wohnungen gebaut werden, ohne das auch nur ein einziger Hund keinen Auslauf mehr findet oder ein einziges Kind auf dem TPF Platzangst bekommt. Die Diskussion wird weitgehend in Abwesenheit jeglicher Ratio geführt.

    Ich bekomme regelmäßig Kopfschmerzen, wenn ich Kommentare gegen eine Rand(!!)bebauung des Tempelhofer Feldes lese, so als würde hier irgendwem potentiell irgendwas weggenommen. Das ist einfach nicht der Fall.


    Ich glaube, den meisten ist nicht wirklich klar welche Dimensionen das Areal hat und wie absurd es anmutet, ein Areal komplett freihalten zu wollen, mitten in Berlin, das ganze Städte(!) beinhalten könnte.

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    Bilder@google earth/maps


    Ernsthaft, die Stadt braucht dringend Wohnraum und Berlin diskutiert, was man mit dieser gigantomanischen Fläche anfangen soll? Dinosaurier züchten? Büffelherden auswildern? Einen Landeplatz für Alien-Mutterschiffe haben, nur für den Fall? Keine hunderttausend Menschen können diese Fläche mit Leben füllen, aber für eine Handvoll Picknicker und Skater... ich kann mit soviel offenkundiger Blödheit nichts anfangen. Da ist mir zuviel Abwesenheit von Logik und Vernunft im Spiel.

    Scharoun gegen Herzog & de Meuren.


    Der erste Spatenstich ist gesetzt, das Duell eröffnet.


    Aktuellste Visus:

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    Copyright@Herzog&deMeuren Ltd.


    Anmerkungen:

    - Die Reduktion der maurischen Zierelemente, welche in vorigen Visualisierungen noch die gesamte Fassade ausmachten, zugunsten "europäischerer" Backsteine, lässt das Gebäude seriöser, bzw. weniger verspielt wirken.

    - Allerdings wirkt es damit auch eher bider, bzw. irgendwie mehr "deutsch" im negativen Sinne. Die etwas herablassenden oft zu hörenden "Lidl-Markt-Assoziationen" wurden so jedenfalls nicht zerstreut. Die großen, ausrollbaren Tore in Kombination mit der Ziegelfassade, das kennt man eigtl. von Industriehallen, Militärfabriken ect. des frühen 20. Jahrhunderts.

    - Mir gefällt der Übergang der Dachziegel zur Sichtbeton-Dachkante nicht. Das wirkt industriell und billig auf mich, so als hätte man aus Kostengründen Maurerarbeiten einsparen wollen.

    - Mir gefällt auch der einfenstrige Betonblock-Überhang nicht, der sich vorne herausschiebt. Es gibt dem Gebäude nichts, macht es aber optisch schwerer, verhangener, gedrungener.

    - Ich vermute, dass die Sichtbeton-Flächen, vor allem an den Winkeln und Ecken an dem Überhang oben, witterungsbedingt relativ schnell heruntersiffen werden. Das wird in der Visu auch sogar schon leicht angedeutet. Ich befürchte, die Realität wird schlimmer aussehen.


    Ich bekomme leider bei dem Gebäude instinktiv starke Assoziationen zu einer Messehalle. Einer besseren, verspielteren Messehalle, die sich Mühe gibt, aber letztlich ist eine Messehalle für mich etwas anderes als ein Museum. Von Letzterem erwarte ich architektonisch mehr, als nur Projektionsfläche für Kunst zu sein.


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    Copyright@Herzog&deMeuren Ltd.


    -Auch im Inneren setzt sich für mich der Messehalleneindruck fort. Ich bin zwar ein Freund großer, lichtdurchfluteter Hallen (Ich hoffe sehr das Glasdach kommt so wie angekündigt), aber die Betonblöcke, die sich durch die Halle ziehen, stören mich. Nicht nur erinnern sie mich mit den schmalen LED-Streifen an einen Flughafenbereich, Fernbahnhof o.Ä., sie wirken auch insbesondere vor dem wunderbaren, filigran-gläsernen Dach, unbeholfen, schwer und irgendwie klotzig in den Raum gesetzt.

    Wenn man an der geplanten Stelle wirklich ein Spreebad eröffnet, sollte man im Bode-Museum vorsichtshalber das Sicherheitspersonal aufstocken. Damit am Ende des Tages noch alle Goldmünzen da sind.

    Du glaubst doch nicht im Ernst, dass dem Bode-Museum noch mal irgendein Privatier seine Goldmünze anvertrauen wird. Außer natürlich sie wäre oberhalb des Nennwerts versichert.