Berlin, Alexanderplatz:
„Eine Zigarrenschachtel mehr“,hätte Alfred Döblin darauf vielleicht geantwortet.
Berlin, Alexanderplatz:
„Eine Zigarrenschachtel mehr“,hätte Alfred Döblin darauf vielleicht geantwortet.
Den Kritikern des Entwurfes möchte ich mich anschliessen. Nach der Scheune am Kulturforum braucht es nicht noch den angeschnittenen Geigenkasten, inklusive fast schon "üblicher" Kostenexplosion, wie der Tagesspiegel heute anmerkt.
Das Mahnmal der Ruine steht als Solitär für sich, der massive "Überbau" hätte eine erdrückende Wirkung, wie die Juristen so gerne sagen.
Die Blickachse mit Sportplatz und Tempodrom hat eine (ehemals berlintypische) Weite, wie sie mit zunehmender Verdichtung immer seltener im Berliner Stadtraum wird, ohne damit gleich ins andere Extrem, den Freiraumfetisch Tempelhofer Feld zu kippen.
Hat sich jemand eigentlich mal die Mühe gemacht, und die beiden realisierten "Holz"-Hochhäuser in Wien, bzw. Hamburg angeschaut?
Entwurf und Ausführung sind in der Fassade dann fast diametral. In Wien wurde aus luftigem Holz eine Faserzement-(vulgo Eternit)-Fassade in abscheulicher Farbge-un-staltung, in Hamburg wurde es eine absurd teure Vollverglasung (also ein Holzhaus im Glashaus), plus Sprinkler-Anlagen frostsicher um jede Etage: Grund, beides mal Brandschutz im Hoch(Sonder)bau. Es ist eben nicht so trivial mit brennbaren Baustoffen, schon gar nicht mit Hochhäusern um die 100 Meter. Auch in Hong Kong waren die Häuser ähnlich hoch, die Sogwirkung des Kamineffektes ist dann sofort fatal. Die Renderings mit freiem Holz, nicht mineralisch verkleidet, täuschen meiner Meinung eine vollkommen unrealistische, da nicht genehmigungsfähige, Fassade vor. Hauptsache, die Sache ist verkauft – nach dem BER-Desaster sollten die Verantwortlichen das doch gelernt haben.
Der ganz öko-soziale Überbau bezahlbarer Architektur mit toller Ökobilanz fällt dann spätesten bei den Unterhaltskosten und Energiebedarfen eines solchen hochtechnisierten Turmes in sich zusammen. Photovoltaik an der Fassade muss dazu gereinigt werden, wie das alles technisch mit Bewässerung, Holz, Frostschutz- bei einem solchen Solitär, auch finanziell, unterhalten werden soll, erschließt sich mir nicht.
Eher ein Wolkenkuck-Bau, wie das Kotti, ganz toll in der Planung – die Ausführung ging's dann extrem reduziert, nach "Friss oder ich sterb" (als Investor) ...
Sitzt gut passend wie ein Nadelstreifenanzug.
Begeistert mich jetzt aber nicht.
Immerhin kein Schandfleck.
Es geht immer erstmal um B-Plan und Baurecht, Materialität kann da nicht zwingend und rechtswirksam vorgegeben werden.
Auf Renderings erstellen Investoren jedesmal möglichst ätherische wirkende Licht-Kuben, damit sie sich nicht groß festlegen müssen und alles leicht und flockig wirkt. Der Druck zu Profit und der eingeforderte geförderte Wohnraum werden dann schon dafür sorgen, dass es sicher keine "Backsteinelemente" werden. Was vor 30 Jahren, (am Potsdamer Platz) ohne Mindestlohn, noch geradeso an energieintensivem Klinker finanzierbar war, ist heute, sagen wir, dekarbonisierte Vergangenheit, gerade im Hochhaus-Wohnbau inklusive seiner immensen Auflagen.
Zum Eigentumswohnungsbau Macherei: Pandion dreht derzeit auf einschlägigen Immo-Portalen kräftig die Trommel: Unter "Pandion LVL UP" werden Quadratmeterpreise jenseits der 10k EUR aufgerufen.
Aber scheinbar boomt dieses immobiliensegment nicht mehr so stark wie vor ein paar Jahren, auch wenn die Gegend verkehrstechnisch äußerst gut angebunden ist. Wie üblich tippe ich auf Verzögerung, abgesagt wurde das Projekt bisher nicht.
Ganz so trivial ist das mit der Teilung im Deutschen Recht nicht, eine Wohung muss erst einer Abgeschlossenheitserklärung entsprechen, bevor sie "geteilt" werden kann.
Sie bestätigt, dass eine Wohnung oder sonstige Einheit baulich von anderen Einheiten getrennt ist, also über eigene Wände, Decken, Böden, Türen und einen separaten Zugang verfügt.
Vielleicht fehlen noch einzelne Schlösser, Türen etc. Weiterhin teilt man auch nicht in Etappen, also scheibchenweise per Stockwerk, sondern macht das alles in einem Rutsch, da es sonst WEG-rechtliche Pobleme und weitere Kosten gäbe.
Zumindest solange die Einheiten alle zu dem selben Bauabschnitt gehören.
Mit Verlaub, Architektenkind , meine Kritik richtet sich doch gegen die Schlagzeile der Pressemitteilung des Senates und NICHT gegen demokratische Abstimmungen!
Die Schlagzeile hätte auch lauten können:
Bebauungsplan Urbane Mitte geht in die finale Parlamentsabstimmung.
Das klingt dann weniger wie "Fakten schaffen" durch Wortverdrehung.
Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
Diese Visualisierungen: Professioneller Favela-Style kommt nun an der Spree, für die progressive Schickeria und den Easy-Jetset?
Weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Es ist ein allzu perfektes, gelecktes und geschlecktes Kunterbunterland geworden, sozusagen die Anti-Antithese, willkommen dann im Mainstrom.
Obacht! Auch wenn manche Laien das hier lesen möchten: Ab jetzt wird also gebaut ... dem ist nicht so!
In der Pressemitteilung steht ja auch:
"Durch den Bebauungsplan, der nun dem Abgeordnetenhaus von Berlin zur Zustimmung vorgelegt wird, ..." Ergo, es muss sich eine parlamentarische Mehrheit finden. Die SPD hat schon signalisiert, dass sie da eher mit Nein stimmt und dies auch nicht Teil der Koalitionsvereinbarung sei. Und eine Klage ist ja meines Wissens auch noch anhängig, die wird man erfahrungsgemäß auch erstmal abwarten.
Meine Prognose, eher so 24 Monate, bis sich dort im "besten" Falle irgendetwas dort tut ... und ob der Investor dann überhaupt noch Lust und Geld dazu hat?
Über die tendenziöse (= irreführende) Schlagzeile des Senates in der erwähnten Pressemitteilung erspare ich mir besser den Kommentar.
Ich fürchte, es wird eine schnöde, abgespeckte Styrofoamluxus Version des "The Wilhelm" werden, die vermeintlich fetten Immo-Jahre sind auch für Berlin vorbei. Mit dem ursprünglichen Patzschke Entwurf wird es nicht mehr viel gemein haben. Internationale Luxusliebhaber tummeln sich dann doch lieber im steueroptimierten Dubai als im Roten Berlin.
Es ist eben in erster Linie ein sehr politisches Statement: Seht her, wir sind in der Lage inmitten einer Metropole etwas geförderten Wohnraum (für wenige, letztendlich Privilegierte) zu schaffen, koste was es wolle.
Man muss den Mut des Unternehmers schon bewundern, nach Pandemie, Krieg, dann mitten in der längsten Rezession der Nachkriegsgeschichte den höchsten Gewerbe-Turm Berlins hier hochzuziehen. Eine Hochhaus-Bauruine ist somit wohl erstmal verhindert. Aber ob sich das ganze wirtschaftlich trägt, im Zeitalter von Zoom und fallenden Messebesucherzahlen (seit Corona), steht auf einem anderen Blatt. Architektonisch ein Hingucker, aber das ist nun mehr der Größe als der Finesse geschuldet.
Zum Thema Partizipation und 'Vorzugsbehandlung' in diesem Fall: Das Problem mit Hochhausbauten, die nicht im absoluten Zentrum stehen (central business district) ist eben, dass jeder Hochbau die Lasten (Verschattung, Immissionen, Verkehrsaufkommen, punktuell auf die Umgebung konzentriert: Einzelne sind besonders stark von einer Planung betroffen, und haben meist auch keine besonderen Vorteile von einem Hochbaus, sondern nur überwiegend die Nachteile.
Die Bewohner im Hochhaus dagegen haben überwiegend Vorteile, unverbaute Sicht, frische Luft, beste Belichtungsverhältnisse, weniger Lärm von der Straße etc., das ganze konzentriert sich aber auch auf die wenigen Flächen ganz oben. Hochbauten in einer Wohnbebauung erzeugen also immer einen Konflikt, sie gleichen nicht aus, sondern verzerren den Nutzen und Schaden auf das Größte.
Insofern kann ich gut verstehen, dass sich die am meisten Betroffenen lautstark zur Wehr setzen. Andererseits ist das JaHo jetzt schon sehr zentral, aber in der sozialistischen Stadtplanung war die Wohnbebauung im Block direkt im Zentrum ganz normal, Staudenhof in Potsdam nur mal so als (recht groteskes und schon fast absurdes) Beispiel. Das führt natürlich jetzt zu Konflikten. Trotzdem fände ich einen Hochpunkt hier interessant, da es die Linie vom Alex weiterführt und bei der Breite der Straßen auch vertretbar.
Ganz anders als zum Beispiel beim WoHo, südlich des Potsdamer Platzes, in dem ein Hochhaus an enger Straße mitten neben die Grundschule irgendwo so hingeklatscht werden soll, ohne Bezug und Rücksicht auf die umgebende IBA-Bebauung und verschiedene Denkmäler.
'Ach Berlin ... wenn du im Plan mal ne halbe Nummer kleiner greifen würdest, wärst du in Wirklichkeit doch gleich zwei Nummern weiter.' (Quelle unbekannt).
Wenn ein Projekt in einer dauererregten Metropole wie Berlin suboptimal altert, scheinen sich auch die Diskussionen um Wünsche und Wirklichkeiten in immer sich schneller kreisenden Zirkelschlüssen zu ergehen.
Sicher schon oft in diesem prähistorischen Bau-Thread erwähnt: Die Sachlage lässt aus Schallschutz keinen Wohnungsbau zu!
Und das ist jetzt ausnahmsweise nicht dem Wiehern diverser EU-Bürostuten und -Hengste aus Brüssel geschuldet, sondern akustische Realität: Jeder der sich mal abends in Nähe des Gleisdreicks bewegt hat, kennt das Kreischen der engen Kurvenradii in den Gleisen von U2 und U1, nebst der durchaus urbanen Kakophonie der sich Großstadtparkbesuchenden. Die Bahnen sind ein ästhetisches Kult- und Kulturgut, aber niemand würde heute noch solch' enge Gleiskurven, dazu in der Höhe, planen und bauen. Die Geräuschentwicklung lässt sich auch durch aufwendiges Schleifen der Gleise kaum mehr mindern. Das ist nun mal die Bauphysik, unterste Ebene.
Man könnte zwar teuere, balkonlose, aufwendig gedämmte Bienenwaben in luftiger Höhe erstellen, aber ist das wirklich die Wohnform, die wirtschaftlich ist und die wir in Zukunft fördern möchten?
In diesem Fall von Bauvorhaben treibt mal wieder mehr die maximale Ideologie, als die Idee, ob nun von Seite luxemburgischer Baufonds und deren spekulativer Bodenrichtwerteinpreisung, oder gewisser alternativer Wolkenkuckucksheimkreise, mit Büllerbü-Wiese ohne Bezug zu physischer und ökonomischer Realität.
Auf der Projektseite des Architekten finden sich Lagepläne zur besseren Verortung der Ansichten und des baulichen Kontextes.
Gut gefällt mir die Eingangssitustion und ein Foyer über 2 Etagen, endlichmal ein Atom an Großzügigkeit in einem der aktuellen Regierungsvorhaben, (vielleicht hat das Gebiet der Nuklearsicherheit den Horizont geweitet?)
Insgesamt natürlich ein Gewinn in der derzeitigen Behelfssituation. Bin dann gespannt, wie das Gebiet in ca. 20 Jahren aussieht, wenn die Achse von Hafenplatz bis Postblock bebaut und nicht nur "beholfen" ist.
Um es nicht falsch zu verstehen, ich finde die Vorschläge alle besser als den Bestand in seiner jetzigen Form (und Zustand).
Auch begrüße ich den Willen, hier mehr Urbanität verschaffen zu wollen, ohne gleich in die Hybris 'Vertikales Dorf' zu verfallen, die Ära Lüscher wird langsam ad acta gelegt.
Plus: es sind ja auch noch Vorstudien, keine Feinplanungen. (Wobei diese aus Kostengründen wahrscheinlich dann eher noch schlichter ausfallen werden). Aber etwas mehr Wagnis, Akzent würde ich mir schon wünschen: Ein Zickzack, Dreieck, Rundung, Torbogen ... anbei, die IBA Bauten, einen Block weiter ... die, wie ich finde, gut gealtert sind, und doch auch weiterhin erstaunlich kontemporär wirken.
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Quelle: Wikipedia / Wikimedia
Anbei Impressionen der zwei favorisierten Entwürfe zum "Kulturhafen" - eine Wohngebiets-Verdichtung am Hafenplatz, Kreuzberg, mit Komplett-Entfernung des aktuellen Bestandes von 1975:
1) HenningLarsen (PDF)
2) MVRDVT (PDF)
Henning Larsen hebt, ganz unverkennbar, die Modularität des Entwurfes vor, benutzt sich gar der Metapher des Lego-Steins (sic!).
Klar, sie verwenden Holzbau, und klar, recycleten Beton, damit kann man im Kreuzberger Bezirk sicher punkten!
Sie selbst nennen es dann auch: "Radikal Seriell" – und preisen die kostengünstige Skalierung der Bauweise. Nun ja, es hat schon etwas von rasterförmiger Einförmigkeit in Richtung Mindcraft. Was auf dem Rendering dann noch cool aussieht, wirkt oft nach ein paar Jahren einfach – abgerockt.
Der Entwurf von MVRDVT ist nun auch nicht extrem genial, (verglichen, was das Büro bei anderen Auftraggebern leistet), aber weist immerhin ein gewisses Spiel mit Materialität auf. Die Baukörper sind mehr gegliedert, immerhin ein Wille zur Gestaltung, auch Sichtachsen mit der Umgebung und das Einfügen mit dem Bestand, sind ansatzweise erkennbar.
Wenn man sich die Baudenkmäler der IBA direkt daneben anschaut, in ihrer Kleinteiligkeit und gewissen naiven Verspieltheit, die übrigens seit einigen Jahren einer städtebaulichen Erhaltungsordnung unterliegen(!), frage ich mich schon, was der Bezirk jetzt mit diesen koloss- und klotzhaften Stadtplanungen vor hat? Klar, die GFZ wird fast verdreifacht, und das Ideal der Gartenstadt ist in dieser zentralen Lage vorbei. Trotzdem, das alles wirkt auf mich eher wie eine Filmkulisse aus 1984. Womit ja auch durchaus eine Aussage verbunden wäre.
Copyright: HenningLarsen
Copyright: MVRDVT
Nun ja, ein Jahr ist (wieder) vergangen! Passiert ist an der "Urbanen Mitte", wie an so einigen anderen Berliner Bau-Orten, erstmal nichts. Zumindest nicht vor Ort. Die Anwohnerschaft wehrt sich gegen Maximalverdichtung der 'Investoren aus Luxemburg', die Fronten zwischen Senat und Bezirk sind wieder mal verhärtet. In der Zwischenzeit haben sowohl die Bürgerinitiative wie auch der Bezirk Rechtsgutachter gefunden, die bekräftigen, dass die damals vereinbarten Bedingungen, insbesondere Entschädigungsansprüche bei geringerer Ausnutzung, nicht rechtens seien. Nun ja, jedes Papier ist geduldig, Gutachten sind kein Prozess-Urteil, aber sie ändern erstmal die Spielräume. Und sie verzögern das Projekt weiter, und weiter, und weiter. Noch dazu hat die BVV ganz aktuell beschlossen, das Verfahren - kurz gesagt – quasi nochmal neu aufzurollen.
Nach meiner Einschätzung betreibt der Bezirk Schaufensterpolitik – der Senat wird sich geradezu gezwungen fühlen, das Verfahren gemäß Evokationsrecht an sich zu ziehen. Welche Signale diese Hängepartien an die Investoren allgemein sendet kann sich jeder ausmalen.
Nachdem die beiden favorisierten Planungen am Berliner Hafenplatz, wortwörtlich zum Ausbau zur "europäischen Weltmetropole" (welch' Wortschöpfung!), dem Bezirks-Ausschuss vorgestellt wurden, gibt es nun eine komplette Präsentation im Netz. Das favorisierte Architektur/Planungsbüro sind federführend MVRDV und das Büro HenningLarsen, welche ja durchaus für Spektakuläres bekannt geworden sind. Die vorgeschlagene Dichte, kombiniert mit teilweise sacharin-süßer Investorenlyrik ist schon grenzwertig, aber scheint durch die heutige Ökonomie wohl vorgegeben zu sein.
Die GFZ würde sich von 1,6 (Bestand) auf 4,0 bis 4,6 erhöhen (je nach Planungsvariante). Das wäre aber immer noch nur halb soviel wie bei der Maximalverdichtung am benachbarten Holzturm 'WoHo'-Projekt (mit schon fast grotesken Werten um 9,0 !).
Etwas weniger spektakulär nun diese Planung (der Vollständigkeit und Projekt-Historie halber auch, bisher unbekannte (?), Vorstudien von 2019 und 2018). Hinweis: ab Seite 38 im PDF der aktuellen Planung beginnt der eigentliche Teil "Gestaltung":
Aktuelle Planung Hafenplatz 2024 (123 Seiten)
Vorstudie Stand Hafenplatz 2019 (9 Seiten)
Vorstudie Stand Hafenplatz 2018 (15 Seiten)
PS: Aus Zeitgründen hatte ich keine Möglichkeit anschauliches, visuelles Material hier direkt abzubilden (mit Copyright Hinweis), vielleicht findet sich dafür jemand im Forum?
Copyright: MVRDV / HenningLarsen / Artprojekt / TTI Gruppe / Gewobag / Stadtentwicklungs-Amt über Anbieter 'Baustelle Gemeinwohl'.