Beiträge von Llewelyn

    ^ Eine Stadt, die drei Opernhäuser unterhält, hat kein Problem mit leeren Kassen, sondern angesichts der beschriebenn (und weiteren) Schwierigkeiten höchstens ein Problem mit seinen Prioritäten.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ist das das, womit sich Berlin dem Besucher präsentieren möchte, wenn er den Hauptbahnhof verlässt - monofunktionale Bürogebäude?

    Bürogebäude an einem Hauptbahnhof finde ich an sich nicht problematisch, sofern die EG-Zone durch Läden und Gastronomie belebt ist. Hier stört mich wieder diese kleingeistige Winzigkeit. Solcherlei Fassaden funktionieren ab einer Höhe von ca. 10 Stockwerken (vgl. Cube) -- so, wie es gebaut wird, wirkt es für mich wie ein Bürogebäude in einem Gewerbegebiet am Stadtrand.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das liegt vermutlich an der Authentizität. Dem "Ost-Schuhkarton" sieht man seine, wenn auch nicht allzulange, Geschichte an und er enthält mehr Leben, als das, auf Hochglanz polierte "Schloss" und auch "The Wilhelm" je haben werden.

    Ich habe das Schloss bislang als sehr lebendig empfunden, manchmal brummt es dort richtig. Sogar sehr junge Menschen verirren sich da hinein, die alleine die Museen / Ausstellungen in der Regel nicht so anziehen würde.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Zum Weltkugelbrunnen:

    [...]

    Ich bin der Meinung, dass der Weltkugelbrunnen abgebaut werden und dieses Loch im Platz geschlossen werden sollte.

    In der Tristesse des Platzes finde ich diese Öffnung nach unten im Prinzip gar nicht schlecht. Das könnte ein schönes kleines Amphitheater für Straßenkünstler etc. sein. Dazu Wasserlauf mit (Wasser-)Pflanzen, Holzbänke, im Sommer Sonnensegel, in einer Ecke eine kleine Espressobar ...

    Dekoratives Anführungszeichen

    Meine Vorschläge um den Platz wieder würdig zu gestalten.

    1. Beide Eiermann Gebäude abreißen.

    Ich erinnere mich noch gut, als ich kurz nach dem Abitur das erste Mal in Berlin war und mit dem Doppeldecker-Bus vom Bahnhof Zoo kommend am Breitscheidplatz vorbei fuhr. Ich hatte mich sehr gewundert, dass an einem so zentralen Platz noch so ein großer Hochbunker aus den 40er Jahren steht. Erst einige Zeit später erfuhr ich, um was es sich da wirklich handelt. Aber wie so oft in Deutschland erfahren in gewissen Kreisen die hässlichsten Gebäude die größte Wertschätzung.

    Mir wurde beim Öffnen des Threads das letzte Foto zuerst angezeigt und ich musste spontan an ein Self Storage denken.

    Was die Gebäudehöhe angeht, ist das auch krass: Unweit dem Verkehrsknoten Ostkreuz, unweit dem Fernbahnhof Ostbahnhof, and einer Bundesstraße -- und da baut man (inkl. EG) 7 Stockwerkelchen. Warum an dieser Stelle nicht 17 oder 70?

    ^ Mir fällt kein Begriff ein, der spezifisch für die Architektur ist, daher formuliere ich es so: Die schimmernde Wirkung ist Bullshit Bingo. Immerhin kommt das Rendering ohne Vöglein aus, beim 2. und 3. Platz hat man sie wie allgemein üblich nicht vergessen, auch nicht viel Grün durch Bäume.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Aber so macht das ja viel mehr Sinn. Vom Ring aus sollte man mit dem FEX schneller sein, daher habe ich den Sinn einer U7 Verlängerung zur Anbindung des Flughafens nie gesehen.

    Gerade bei der An- und Abreise zu Flughäfen, bei der man regelmäßig Gepäck dabei hat, spielt nicht nur die Fahrzeit eine Rolle, sondern auch die Anzahl der Umstiege. Ich wohne an der U7 und würde bei schwerem Gepäck eine um bis zu 20 Minuten verlängerte An- und Abfahrt in Kauf nehmen, um nicht umsteigen zu müssen. Inzwischen nehme ich bei Tagesrandzeiten sogar ein Taxi, was mich etwa 65 EUR kostet, weil mich Umsteigen mit Gepäck nervt -- insbesondere an einer Station wie "Neukölln" (Umstieg von der S-Bahn zur U7), bei der man die ganze Pracht von Berlin so direkt erlebt, dass jeder schöne Gedanke an die gerade beendete Reise sofort verflogen ist.

    Ja, das ist so.

    Wie kaum eine andere Stadt der Welt hätte Berlin Großes, Spannendes, Aufregendes schaffen können. Es hätte ein Mangnet für Architektur-Fans werden können -- und werden müssen. Eine 3,5-Millionenstadt wird Hauptstadt eines vergleichsweise sehr reichen Landes und hat Unmengen an Fläche, auf denen Ministerien, Parlamentsgebäude, (Haupt-)Bahnhöfe, Shopping-Malls, Büro- und Wohngebäude gebaut werden. Welches der insgesamt wohl Hunderten von Gebäuden und Arealen ist ein Magnet geworden im Sinne eines Orts der ästhetischen Inspiration, der Begeisterung, der Schönheit, des Staunens? Ich war heute wieder mal auf dem Pariser Platz (Brandenburger Tor): Was für eine Mischung aus Mittelmaß und teilweise sogar Hässlichkeit. Und das ist der symbolträchtigste Platz der Stadt.

    Es gibt ein paar wenige gute Beispiele, die sind aber insgesamt leider nicht der Rede Wert und werden teilweise durch eine häßliche Umgebung / schlechte Randbedingungen entwertet. In Berlin wurde durch eine Kombination aus dem Versagen der modernen Architektur und lokalem Kleingeist eine Jahrtausendchance vertan.

    Mal ein paar Gedanken, halb geordnet:

    • Die meisten stimmen wohl darin überein, dass auf dem Gelände vor der Südfassade so, wie es jetzt ist, etwas fehlt.
      • Ein Brunnen macht sich für viele gut auf solchen Flächen.
        • Der Neptunbrunnen würde gut dorthin passen, aus historischen wie aus ästhetischen Gründen.
        • Auch andere Brunnen oder Gestaltungselemente könnten dort gut passen. Auch moderne. Aber viele moderne Brunnen / Gestaltungselemente würden auch nicht passen, daher gibt es die sehr berechtigte Sorge, dass das Gelände / die Gesamtwirkung bei einem modernen Brunnen / Gestaltungselement verhunzt werden
      • Manche finden den Neptunbrunnen an seinem jetzigen Standort gut. Diese Leute wollen vermutlich eher nicht, dass er an die Südseite verlegt wird.
      • Manche finden den Neptunbrunnen an seinem jetzigen Standort nicht gut oder zumindest nicht so gut, wie es sein könnte, weil es in Deutschland aufgrund der Kriegszerstörungen vergleichsweise wenige größere Ensembles aus einer historischen Zeit gibt. Diese Leute wollen vermutlich eher, dass er an die Südseite verlegt wird. (Ich finde den Neptunbrunnen an seinem jetzigen Standort wie ein Glas
        Crémant zu einer Currywurst. Das macht das Glas Crémant nicht schlecht, erzeugt aber insgesamt kein besonders rundes Erlebnis).
      • Man kann sich auch diese Frage stellen: Was geht auf dem modernen Rathausforum verloren, wenn dort ein moderner Brunnen hinkommt? Die Freunde der Moderne werden gegen einen modernen Brunnen ganz sicher keine Einwände haben. Wenn man hier (plötzlich) mit "Tradition" argumentiert, dann muss die Frage geklärt werden, warum diese Tradition höher zu bewerten ist, als die Tradition des ursprünglichen Standorts. (Mir persönlich ist Tradition so lange egal, so lange das Ergebnis gut aussieht.)
    • Ich habe den Eindruck, dass es im Kern um politisch-ideologische Fragen geht: Der Brunnen als Trophäe, als Triumph des Sozialismus über den Wilhelmismus / die Gründerzeit / traditionellen Geschmack .... Und / oder: Die Rückkehr des Brunnens als Niederlage im Kampf gegen Rekonstruktion.
    • Meine Empfehlung: Der Brunnen kommt an seinen alten Platz zurück, dafür wird auf dem Rathausforum eine Brunnen im sozialistische Stil errrichtet. So kann sich jedes Lager in seiner Ecke austoben.
    Dekoratives Anführungszeichen

    Es hat niemand behauptet, dass das Oro auf einer Stufe mit dem Flatiron Building stehen würde. Du sagst ja selbst, dass es lediglich ein Bezug ist. Das Flatiron ist die Ikone. Und das Oro ist das Zitat, welches die berühmte Ikone zitiert. Eine solche Bezugnahme ist nichts Verwerfliches.

    Ich habe mich beim Oro nie an das Flatiron Building erinnert gefühlt, sondern vielmehr an den Palazzo della Civiltà Italiana im EUR-Viertel in Rom. Das Flatiron ist von der Qualität meilenweit entfernt (eben eine Ikone) und wird von zwei Straßen gesäumt, aber selbstverständlich will ich nicht bestreiten, dass man es zitiert sehen kann.

    Der Palazzo della Civiltà hat m.E. eine bessere Fassadenqualität, hat sogar einen kleinen Dachabschluss und kann wirken, weil er alleine steht. Die Fassade des Oro wirk auf mich eher billig, ich meine auf den Fotos sogar richtige Baufehler sehen zu können. Insgesamt wirkt das Gebäude auf mich wie eine (eigenständige) Motel 1- Filiale, die ja ästhetisch gelegentlich etwas besonderes bieten, denen man aber dennoch (naturgemäß) ansieht, dass es eben Billigarchitektur ist.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Also ich würde jetzt mal behaupten das die allermeisten Büroflächen vor allem auf dem platten Land wegfallen wo die Pendelwege auch dementsprechend lang sind! 1A-Lagen, wie am Alexanderplatz, werden immer gefragt sein, alleine schon zu Repräsentationszwecken.

    Das mit den 1A-Lagen stimmt sicherlich, aber die Pendelwege entstehe nicht primär auf dem Land, sondern zwischen Land und Stadt -- und bei Städten wie Berlin auch innerhalb der Stadt, wo man schnell mehr als 30 Minuten (einfach) unterwegs ist, was als magische Schwelle betrachtet wird. Ich lebe und arbeite in Berlin und bin einen Tag pro Woche im Büro.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Bahn hatte eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt, auf der Fläche den eigentlichen Hbf für S21 zu errichten. Was IMHO die bessere Lösung gewesen wäre, weil der Bonatzbau den heutigen Anforderungen an einen Bahnhof (trotz Umbau) weiterhin nicht genügen wird,

    Warum wird er den Anforderungen nicht genügen?

    ^ Ich finde Deine Charakterisierung ziemlich treffend, teile aber Deinen optimistischen Ausblick nicht ganz. Wer fühlt sich denn in einem solchen Rasterdurchgang wohl? Die Fassade versprüht von der Nähe den Charme eines Rohbaus, als wenn da noch eine Deckschicht fehlt. Mich hat das ziemlich abgeschreckt. Ein Problem scheint mir auch zu sein, dass der Ausgang zur Friedrichstraße wahnsinnig unattraktiv ist, weil man da von (Edel-)Plattenbauten umzingelt ist, Stichwort Dreispitzpassage. Ich finde das eine richtige Schmuddelecke, für die die Passage nichts kann, sie setzt dem aber auch nichts entgegen.

    Die Seite zur Oranienburger Straße könnte der Renner werden, auch weil die Oranienburger an sich relativ beliebt ist.