Beiträge von Llewelyn

    Übrigens, ich persönlich hätte auch ein moderner wirkendes Haus schön gefunden, obwohl ich einer klassischer wirkenden Variante eher zugetan bin.

    Das hängt für mich hauptsächlich vom Gestaltungswillen ab und da sagt mir meine persönliche Erfahrung/Wahrnehmung, daß der klassischere Entwurf meist mehr zu bieten hat und somit oft im Vorteil ist Baulücken verträglich zu schließen bzw. Stadtstrukturen wirklich heilend zu reparieren.

    So ist es.


    Der entscheidende Satz von Baukörper ist ja dieser: "Da bin ich dann doch für gute moderne Architektur, die auch so aussieht." Das Problem ist halt, dass der Großteil der modernen Architektur für den Großteil der Menschen nicht gut ist -- also nicht als angenehm empfunden wird, geschweige denn als schön. Und weil es die moderne Architektur (gemeint sind hier natürlich immer auch Bauherren, Investoren und politische Entscheidungsträger) ganz überwiegend nicht verstanden hat, gut zu bauen und damit ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sehnen sich die Menschen nach klassischen Formen. Für mich persönlich ist der Wunsch nach diesen klassischen Formen inklusive Rekos vor allem Notwehr.


    Ich frage mich immer, was diejenigen, die althergebrachte Formen so allergisch ablehnen oder doch zumindest lächerlich machen, eigentlich frühstücken oder sonst so essen. Kaffee, Tee, Bier, Wein oder Brot kan es nicht sein, denn das gibt's so teilweise schon seit tausenden von Jahren. Die Architektur ist der einzige Bereich, wo eine sich als aufgeklärte Kenner ausgebende Minderheit der Mehrheit ständig weißzumachen versucht, althergebrachte Dinge seien kleingeistig und daher abzulehnen. Wie ein Koch, der ständig Hering mit Vanillesauce serviert und dann empört ist, wenn seine Gäste das ablehnen und lieber etwas essen möchten, was ihnen schmeckt.

    Die Faszination der anonymen Bürostadt, der Gleichmacherei durch Normierung wird hier gepflegt. Der Mensch wird zum Anhängsel zum Rädchen im Getriebe.

    Ich sage immer "Einheitsarchitektur für den Einheitsmenschen" -- so, als wollte jemand die Träume des Sozialismus wieder erwecken, wo die Massen, beseelt von der einen wahren Ideologie, ab den 1960er Jahren in Einheitsplatten zogen oder zur Büroarbeit gingen, um sich dort so richtig gleich und frei zu fühlen.


    Leider ist der Kapitalismus architektonisch nicht mehr das, was er mal war -- die Zeiten, als Investoren / Magnaten Gebäude wie das Woolworth Building, das Empire State Building oder das Chrysler Building bauten, die auf der ganzen Welt erkannt und bewundert wurden und werden, sind vorbei. Wenn man sich allerdings die Bürogebäude in Paris (La Défense), in Mailand, in Frankfurt etc. etc. anschaut, wird klar, dass in Berlin meist besonders kleingeistig und armselig gebaut wird, auch wenn die erwähnte Media Spree noch vergleichsweise gut wegkommen wird, wenn man sie aus der Ferne betrachtet und nicht das Pech hat, an den Fassaden der Stralauer Allee entlanglaufen zu müssen.

    Die Leipziger Straße war einmal DER Einkaufshotspot vor 1945. Da reihten sich die besten Geschäfte der Stadt aneinander. Hier konnte man vor 1918 sogar Auguste Viktoria (die letzte Kaiserin) nebst Hofdamen beim "shopping" beobachten.

    Heute ist von der alten Grandezza leider nichts mehr zu spüren. Es dominieren Autovermietungen, abgeklebte Schaufenster und Tiefgarageneinfahrten.

    Es hieß damals, die Leipziger war die Kaufstraße, die Friedrichstraße die Saufstraße (wegen der vielen meist einfachen Kneipen) und UdL die Laufstraße, also die Straße zum Flanieren. Am besten funktioniert heute noch die Friedrichstraße, aber ab 20 Uhr sind eigentlich alle drei Straßen tot. UdL und Friedrichstraße könnten im Prinzip revitalisiert werden (vor allem durch Restaurants, Anbau der Komischen Oper u.ä.), aber für die Leipziger sehe ich völlig schwarz. Da sollte man lieber Mühen in die beiden anderen Straßen stecken, als aus einer toten häßlichen Verkehrsachse eine halbtote häßliche Verkehrsachse zu machen.

    ^ Das war auch mein erster Gedanke. Immerhin kommt noch Edge East Side mit seinen 140 m dazu. Das Ensemble zeigt übrigens, wie wohltuend (und spannend) unterschiedliche Höhen von Hochhäusern sind. Am Alex soll das ja gerade nicht (richtig) passieren, was ich bis heute nicht verstehe.


    Im übrigen geht das Argument, man bräuchte keine 100+-Gebäude, um schöne Sichtachsen zu schaffen, sowieso am Punkt vorbei. Zunächst einmal haben Sichtachsen sowieso nichts (oder nicht primär) mit Höhen zu tun, sondern eher im Gegenteil etwas mit freien Sichtverhältnissen aufgrund fehlender Bebauung. Ich kenne jedenfalls niemanden, der Hochhäuser wegen "Sichtachsen" fordert. Und ganz generell sind die Wünsche nach richtigen Hochhäusern recht unterschiedlich motiviert. Ich persönlich mag Wolkenkratzer, weil

    - ich sie einfach beindruckend und urban finde

    - weil sie räumliche Orientierung geben können (das ist das Schwesterargument zu den Sichtachsen)

    - weil eine (sehr) dichte Bebauung einen (sehr) guten ÖPNV-Anschluss motiviert und dieser wiederum die Nutzung von Pkws reduziert

    - weil sie (mehr) Platz lassen für kleine Parks u.ä..

    zuletzt #442


    Das Haus in der Luitpoldstr. / Ecke Eisenacher Str. mit seinen Übergängen zum Nachbarhaus ist fertig, Bewohner sind aber noch nicht eingezogen.


    Pro Etage gibt es eine Wohnung. Der Zugang zum Fahrstuhl, zum Treppenhaus und zur EG-Wohnung erfolgt direkt "von der Straße" (vom Freien) aus (vgl. Bild 3). Im Hof hat man einen kleinen Abenteuerspielplatz integriert. (Alle Fotos von mir und gemeinfrei.)


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    (Alle Fotos von mir und gemeinfrei.)

    Ich würde sagen die Deutschen leiden unter einem eklatanten Mangel an Freude an ihren Städten. Wir nehmen die Stadt verglichen mit z.B. Franzosen, Spaniern oder auch Holländern und Briten deutlich mehr "infrastrukturell-funktional",- als "ästhetisch-lebensräumlich" wahr.

    Das ist doch wohl nicht ein Problem der Deutschen, sondern eher deutscher Architekten / Stadtplaner, Baukommissare und Investoren. Jedes Jahr reisen Millionen von Deutsche in die Städte Frankreichs, Italiens etc., um sich an deren (ganz überwiegend alter) Architektur und der traditionellen Raumgliederung erfreuen zu können.


    Wenn Du Dir mal die Reaktionen in hiesigen Nicht-Architektur-Foren anschaust, siehst Du schnell, dass fast alle Neubauten bei fast allen zu Ablehnung oder Entsetzen führen. Einzige Ausnahme ist wohl (noch) die Rolle von Straßen, weil in Deutschland das Auto einen religiösen Status hat.


    Ich persönlich kann übrigens an bestimmten Stellen (wie der hier präsentierten) ganz gut mit großen Riegeln leben, das gehört für mich auch zu einer Millionenstadt. Vorausgesetzt natürlich, dass der Riegel eine angenehme Fassade hat. Was hier entsteht wird, soweit ich es sehen kann, nicht besonders angenehm aber wohl auch nicht besonders häßlich. Typische Bahngleis-Architektur würde ich sagen (um den Gare Montparnasse in Paris sieht es nicht besser aus, sogar eher schlechter).

    Detailansicht (na, wer mag wieder wegen der Fallrohre meckern?): 8)


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    Die Fallrohre wirken hier (für mich) ausnahmsweise fast angenehm gliedernd, was auch daran liegt, dass sie sich (zumindest unter den gegebenen Lichtverhältnissen) nicht so sehr von der Fassade abheben. Schöner wäre es natürlich gewesen, die Fassade an sich wäre mehr gegliedert (so wie etwa der Nachbarbau) und man wäre dann ohne die Rohre ausgekommen.

    ^ Im Prinzip sieht das aus wie eine sanierte und etwas aufgestockte Platte. Die Panoramafenster in den oberen drei Stockwerken und die in den letzen Jahren so beliebten, an die 70er Jahre erinnernden markanten dunklen Auskragungen zeigen aber, dass sich die Architekten hier ganz dem Zeitgeist verschrieben haben und sich vermutlich total innovativ vorkommen.


    Wieder ein Beispiel, wo ein Baukollegium fehlte, oder, falls es beteiligt war, versagt hat.

    Vielleicht sollte man auch die östlich angrenzenden Abschnitte der Tauben- und der Jägerstraße mit einbeziehen, um die Anbindung an den Gendarmenmarkt zu stärken.

    Das könnte den Durchbruch schaffen! Der Gendarmenmarkt ist ja ein viel besuchtes Ziel, eine direkt zugängliche Fußgängerzone in der Tauben- und/ oder Jägerstraße würde die Menschen geradezu in die Friedrichstraße saugen.


    Meines Erachtens ist es ein Fehler, in der nun zu gestaltenden Fußgängerzone Friedrichstraße eine Radautobahn unterzubringen. Ich nutze diese Radstrecke an drei Tagen in der Woche, aus Radfahrersicht ist sie Klasse. Sie verhindert aber, dass man dort als Fußgänger wirklich schlendern kann. Daher würde ich den Radverkehr über eine der Parallelstraßen abwickeln.

    ^^ Also vielleicht habe ich Tomaten auf den Augen, aber ich sehe auf den letzten Bildern kein einziges verbautes Erdgeschoss, hier im Thread wurden Wohnprojekte vorgestellt und begleitet, es finden sich Bilder von begrünten Höfen und Plätzen, ein begrünter Vorplatz und Mischnutzungen im Erdgeschoss sind essentielle Bestandteile des BV Edge. Es stellt sich also ernsthaft die Frage, wie du bitte auf die Quintessenz deines Rants kommst, hier sei stadtplanerisch alles falsch gemacht worden.

    Naja, die für die meisten relevante Ansicht dürfte das 3. Bild in Post #97 sein, weil das gewissermaßen das Eingangstor zum Bahnhof Südkreuz darstellt (hier fahren auch mehrere Buslinien zum Bahnhof rein). Und diese Ansicht ist schon etwas unterkühlt.


    Was mich mehr noch als die Einfachheit der Gebäude irritiert ist der Umstand, dass am zweitgrößten Bahnhof einer 3,6 Millionen-Stadt ausschließlich Gebäude mit 6 bis 7 Stockwerkelchen (Obergeschossen) gebaut werden. Das wirkt so nach ... Bielefeld, was für eine Platzverschwendung an dieser Stelle. Ich hätte hier mit Gebäuden mit 9-11 Obergeschossen und direkt am Bahnhof mit einem kleinen Türmchen von vielleicht 20 Etagen gebaut.

    Ich zähle mich grundsätzlich auch zu den Fans der Straßenbahn, stelle mir hier aber schon die Frage, ob eine U10 nicht geeigneter, konfliktfreier und langfristig nachhaltiger wäre. Dann wäre oben noch genug Platz für breite Fuß- und Radwege, Grünstreifen und je nach Gusto eine oder zwei MIV-Spuren pro Richtung, ohne alles in einer suboptimalen und konfliktbeladenen Kompromisslösung nebeneinander quetschen zu müssen.

    So ist es.


    Wie schon einmal erwähnt, kollidiert die Planung für die Bimmelbahn über die Rathausstraße mit dem Wettbewerbsergebnis zum Rathausforum. Dort, wo Schienen liegen, können nun mal keine Bäume stehen. In der Präsentation wird an zwei Stellen der Wettbewerbsbeitrag mit drei Baumreihen in der Rathausstraße gezeigt, während die Tram-Trasse laut Planung nur zwei Baumreihen zulässt. Ich sage vorher, dass dort nur eine einzige Baumreihe entstehen wird. Und selbst bei dieser einen Baumreihe ist zu vermuten, dass der Streckenabschnitt gesperrt werden muss, wenn wieder mal die berühmten „Baumschneidemaßnahmen“ anstehen, die im Winterhalbjahr regelmäßig zu Unterbrechungen im Tramnetz führen.


    Die Haltestellen "Molkenmarkt", "Fischerinsel" und "Leipziger Straße" werden als ampelbewehrte (für die Fahrgäste also zeitraubende) und von bis zu sieben (!) Fahrspuren umtoste Inseln geplant. Solche Haltestellen habe ich schon als Kind immer gehasst, sie sind vermutlich auch die Ursache meiner tiefsitzenden Abneigung gegen Autos. Zum Glück durfte ich als Jugendlicher erleben, wie "meine" Bimmelbahn-Linie in eine Stadtbahn mit viel Tunnelabschnitten umgebaut wurde. Dadurch hat sich die Reisezeit fast halbiert und die Fahrgastzahlen sind durch die Decke gegangen.


    Die Haltestelle "Stadtmitte-Friedrichstraße" zeigt das Elend innerstädtischer oberirdischer Tram-Linien in ganzer Pracht: Zwischen (!) Haltestelle (Wartebereich) und Gleis liegen a) ein Fahrradstreifen und b) eine Kfz-Fahrspur. Man hat hier also maximalen Konflikt geplant, einmal zwischen Fahrgästen und Radfahrern (man kennt das z.B. aus der Kastanienallee) und zum zweiten zwischen Fahrgästen und dem Kfz-Verkehr. Da in diesem Straßenabschnitt viel Verkehr herrscht, zu den Hauptverkehrszeiten eigentlich stets Stau, wird es immer Autos geben, die zwischen Tram und wartenden Fahrgästen stehen. Mögliche zusätzliche Ampeln werden da kaum etwas nützen, das kann man zur HVZ an jeder großen Kreuzung sehen, wo sich die Autos immer so schön gegenseitig behindern.


    Die Panung dieser Tram-Linie ist Ideologie total. Auf diese Relation gehört eine U-Bahn.

    Lustig finde ich auch, dass dort, wo künftig die Bimmelbahn durch die Alexanderstraße bummeln soll -- direkt über dem U-Bahn-Tunnel, dessen Decke extra entlastet werden musste -- a) jede Menge Bäume stehen und b) keinerlei Masten / Oberleitungen zu sehen sind.


    Wenn ich es richtig sehe, hat der Siegerentwurf praktisch nur Bäume in eine Stadtansicht gemalt. Auf dem Marx-Engels-Forum, wo die Wege ein bisschen verändert wurden, fehlt eine (wichtige) Nord-Süd-Verbindung (zwischen Nikolaiviertel und Kreuzung Spandauer-Str./Karl-Liebknecht-Str.), die sich bei Umsetzung der Pläne sofort als Trampelpfad etablieren würde. Aber das passt ja dann zum "rauen" Berlin.

    Es ist traurig, aber die Angst der Herrschenden vor der Bevölkerung scheint in Deutschland eine lange Tradition zu haben.

    Ich finde es seltsam,

    a) Sicherheitsmaßnahmen, die sich primäre gegen Anschläge richten, als pauschale "Angst vor der Bevölkerung" darzustellen und

    b) so zu tun, als sei das eine deutsche Spezialität.


    Welche Amtssitze von Staats- oder Regierungschefs hass Du eigentlich schon so gesehen, vor allem außerhalb Europas?


    Jeder Staats- oder Regierungschef eines größeren Landes wäre volkommen unverantwortlich, sich nicht sichern zu lassen. Es ist ja meist umgekehrt, dass viele Spitzenpolitiker in demokratischen Staaten das Thema eher locker nehmen. Ich glaube auch nicht, dass die Personenschützer von Merkel wahnsinnig glücklich sind, wenn sie mal wieder bei Ullrich einkaufen geht.

    Zur Ergänzung, zu Kaisers Zeiten konnte man eben nicht das Schloss durchqueren. Das ging nur bis zu den 1880ern.

    Da die Kaiserzeit 1871 begann, konnte man also zur Kaiserzeit das Schloss durchqueren -- außer während der Regentschaft von Wilhelm II, der das Schloss auch zu seinem Wohnsitz machte. Ich finde erstaunlich, dass man es überhaupt einmal durchqueren konnte, denn für die Amtssitze von Staatsoberhäuptern war und ist das sicher nicht gerade der Normalfall.

    Ich kenne eigentlich mehr Studien die anzeigen dass eine deutliche Reduzierung oder gar Verbannung des Indivualverkehrs aus der Innenstadt die Attraktivität derselben stark steigern.

    So ist es. Die höchsten Gewerbemieten werden daher auch in aller Regel in Fußgängerzonen erreicht.


    Kann man anders sehen, man braucht nur am Wochenende in Stuggi die Nummernschilder beachten, die dann in der Majorität 2-stellig sind. Stuttgart zieht Menschen aus einem Bereich von mindestens 2,7 Mio an, je nach Thema (Oper, Musical, Wilhelma, Planetarium...) auch bis zu 5 Mio.

    Das gilt aber auch für Millionenstädte, denn auch im Großraum Berlin, Hamburg oder München befinden sich die genannten Einrichtungen alle innerhalb der Stadtgrenze.


    generell ist Stuggi an Do- Sa viel los und an Mo-Mi eben eine Stadt, in der man sich auskennen muss, nur sind so imho viele Städte auch in Berlin musste man wissen, dass es das schwarze Kaffee gibt, indem man rund um die Uhr frühstücken konnte? Das Stuttgart wenig Gastronomie hat, ist eine komische Wahrnehmung da wir selbst im Sternebereich hervorragend waren und hoffentlich nach Corona wieder werden.

    Na ja, es gibt auch jenseits von 24-Stunden-Lokalen einen sehr merklichen Unterschied zwischen Stuttgart und Berlin, auch wenn man es auf die Einwohnerzahl herunterbricht. Vor allem, wenn man die unmittelbare Innenstadt ("Cityring") verlässt, sieht es in Stuttgart sehr mau aus, selbst im Westen. In meinem Berliner Kiez habe ich in einem Umkreis von 10 Gehminuten vielleicht 40 Kneipen, Restaurants (inklusive einem Sterne-Lokal), Café und Bars, und dieser Kiez gehört _nicht_ zu den Hotspots.

    Städte, die mit Stuttgart vergleichbar sind (Hannover, Nürnberg ...) sind da nicht viel anders. Das hat mehrere Gründe, darunter die Zahl der Touristen und die Struktur des Arbeitsmarktes mit den in Stuttgart zahlreich vorhandenen 9-5-Industrie-Jobs, die eine lebendige Gastroszene vor dem Nachmittag verhindern und am späten Abend erschweren. Hinzu kommt, dass in Stuttgart auffallend wenig ältere Menschen in Cafés und Kneipen gehen (z.T. wohl noch als Auswirkungen des Pietismus).

    OT: Ich bin trotzdem klar für den Ausbau und Neubau von U-Bahn-Linien oder auch S-Bahn-Linien. Das ist für mich auch kein Widerspruch. Die U-Bahn ist eben noch leistungsfähiger, womit sie teilweise den Vorrang erhalten sollte.

    Das ist genau das Problem an der projektierten Strecke. Die Relation Alex -- Leipziger Str. -- Postdamer Straße -- Hauptstraße -- verdient wie kaum eine andere in Berlin eine U-Bahn:

    • Auf manchen Streckenabschnitten verkehren 5 Buslinien, davon zwei Metrolinien.
    • An den U-Bahnhöfen "Rotes Rathaus", "Potsdamer Platz", "Kleistpark", "Innsbrucker Platz", Schlossstraße" und "Rathaus Steglitz" gibt es Vorleistungen in Form bereits bestehender Haltestellen im Rohbau.
    • Über den Alex und die Rathausstraße ist / wäre eine Tram eine waschechte Bimmelbahn, die mit Schrittgeschwindigkeit dahindümpelt und unter den Passanten Stress verbreitet.
    • Im westlichen Abschnitt der Leipziger Straße (zwischen Charlottenstraße und Potsdamer Platz) herrscht tagsüber Dauerstau. Hier gibt es keinen Platz für separate Gleise. Mit der Tram steht man hier also besonders teuer still.
    • In der Hauptstraße zwischen Kleistpark und Dominicusstraße stehen sehr viele große Bäume im Mittelstreifen, die verschwinden müssten. Der Straßenzug, der heute durch den Grünstreifen in seiner Unwirtlichkeit etwas gemildert wird, würde damit vollkommen unerträglich.

    Die projektierte Tramstrecke ist die absurdeste Planung, die ich in Berlin kenne. Jede andere vergleichbare Stadt würde hier eine U-Bahn bauen. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Projekt -- durch eine andere Regierung, durch Verzögerungen beim Brückenbau o.ä. -- noch gestoppt wird.