Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • ^ Sehe ich ähnlich. Das Landtags-Schloss in Potsdam ist ein gutes Beispiel für zu viel Einheitlichkeit. Hier haben die uneinheitlichen Farben etwas von Vorpatinierung. Finde ich nicht schlecht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass hier einfach schlampig gearbeitet wurde.


    Weiß eigentlich jemand, was mit den Attikafiguren über den Portalen wird? Hatte vermutet, die kommen, bevor die Gerüste abgebaut werden.



    Mich stört es auch nicht. Perfektionismus bis ins Details ließe die Fassade nur noch künstlicher wirken, zumindest in den Anfangsjahren. Kann mir aber auch nicht vorstellen, dass es wirklich bewusst so herbeigeführt wurde.

  • Bei den kleinen Flächen der Reko-Fassade ist es nicht so gravierend, da fällt dann eher die wolkige Farbgebung auf, aber die größeren glatten Flächen, z.B. des westlichen Schlüterhofflügels, sind zudem auch uneben.


    Ob Absicht oder nicht: Auch bei der modernen Schlüterhoffassade habe ich nichts gegen Unebenheiten und Wolkigkeit einzuwenden. Sie geben der großen Fläche Struktur.


    Was mir hier nicht gefällt, ist der untere Teil. Er wirkt, anders als die Spreefassade, zu wenig plastisch; auch der Übergang zum oberen Teil passt irgendwie nicht. Vielleicht hätte Stella hier mit Arkaden arbeiten sollen, um den Zusammenhang mit den historischen Fassaden stärker herauszuarbeiten.

  • ^Stimme dem zu. Mir gefällt ehrlich gesagt auch der gelbe Anstrich nicht. Ich finde, hier hätte es auch heller oder gar auch Beton sein können. So biedert es sich ein wenig an, ist aber nichts halbes und nichts ganzes.

  • Gerade dieser "lebhafte" gelbe Anstrich macht das Schloss eben nicht zu einem Disney-Schloss, wie von vielen befürchtet. Ich bin auf jeden Fall begeistert! Die "klinische" Fassade des Potsdamer Stadtschlosses sieht dagegen aus wie die einer systemgastronomischen Einrichtung...

  • ^
    Bei den historischen Fassaden stimme ich dir auch voll zu. Ich sprach nur von der Stellafassade im Schlüterhof.


    Sinnloses Vollzitat des Vorposts gelöscht.
    Bato

  • Gerade dieser "lebhafte" gelbe Anstrich macht das Schloss eben nicht zu einem Disney-Schloss, ...


    Ja lebhaft ist er gerade deshalb, weil das Gelb aber auch der Sandstein und der Kunststein der Ostfassade, je nach Lichteinfall, sowohl durch Sonnenlicht je nach Sonnenstand und Wetter, als auch durch Kunstlicht unterschiedliche Farben annimmt. Das Spektrum reicht dann von weiß, über grau bist hin zu allen möglichen gelb-orange Tönen.


    Auch wenn mich das anfangs irritiert hat ist es genau die richtige Wahl gewesen.

  • Das Humboldtforum wird immer schöner und prägt enorm heilsam die ganze Umgebung:




    Vor dem Staatsratsgebäude wird gebuddelt. Hier scheint die Umsetzung der Landschaftsplanung zu beginnen:


  • Die Humboldt-Box ist weitgehend abgerissen und damit eröffnet sich ein (fast) störungsfreier Blick auf die gesamte Nortseite des Humboldt Forums. Hier ein Bild von heute (von mir):


  • Herzlichen Dank für die Gesamtansicht. Ich hatte immer gedacht die Humboldtbox wäre in Leichtbauweise entstanden, aber so wie die Baustelle in den letzten Wochen aussah, erinnerte der Abbruch eher dem einer Schwerindustrie Anlage :lach:


    Übrigens: Schaut man sich die Webcam an, sieht man dass hinter dem Bauzaun schon gepflastert wird...


    Und ich muss bei dieser Aufnahme zugeben, dass bei diesen Fassaden die reine Rasenfläche des Lustgartens etwas zu schlicht rüberkommt. Wenn es denn kein "blühendes Barock" gibt, sollte die Bepflanzung des Lustgartens evtl. der geplanten Terassenbepflanzung angepasst werden?

  • ^ Die Betonbauweise des Kerns konnte man innen schon gut erkennen und jetzt muss man natürlich drauf achten, beim Abriss nicht ganz so viel Staub aufzuwirbeln. Auf einer Industriebrache hätte der Abriss wahrscheinlich nur wenige Tage gedauert.


    Apropos Webcam: Im Extrablatt stand geschrieben, dass die meisten Bauteile der Kuppeleindeckung bereits fertig vorbereitet sind. Jetzt hat man heute das erste davon (keine Ahnung, wie man es genau benennt) an der Westseite der Kuppel angebracht. https://cam01.berlinerschloss-webcam.de/

  • Der Lustgarten sieht vielleicht noch etwas trist aus, aber wenn der Brunnen mal wieder sprudelt und die - ich glaube - Oleanderkübel aufgestellt werden, wirkt es schon ganz schön

  • Zum aktuellen Stand der Außen- und Innenarbeiten findet ihr im Folgenden einen Auszug aus der Pressemitteilung, die der Förderverein Berliner Schloss am Montag veröffentlicht hat:



    Quelle: https://berliner-schloss.de/bl…s-information-april-2019/


    Der Lustgarten könnte wirklich eine Aufwertung gebrauchen. So sah er bis zur Umgestaltung 1936 aus, mit einem Denkmal für Friedrich Wilhelm III. in der Mitte und zwei Brunnen am Schloss:



    Quelle: Wikipedia, gemeinfrei


    Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/…ng_durch_Strack_1871/1905


    Das Thema Freiraumgestaltung bitte in den passenden Thread diskutieren. Danke
    Bato

  • Hier mal eine ganz interessante Perspektive des Stadtschlosses:
    Dies ist der einzige Standort, von dem man beide Portale (Original am Staatsratsgebäude,rechts, und Rekonstruktion am Humboldt-Forum, links) gleichzeitig sehen kann:



    Bildquelle: Eigene Aufnahme

  • ^ Danke mescha.
    Vor ca. 6 Jahren habe ich versucht mir das vorzustellen, ebendiese Situation. Natürlich wollte ich das hier im Forum diskutieren, bin dann aber recht schnell von einigen Wortführern hier daraufhingewiesen worden, dass sich diese Blicksituation soeigentlich nie ergeben würde, da müsste man schon um die Ecke gucken, aber beide Portale auf einen Blick niemals.
    Nun... da es sich doch so gefügt hat, bin ich zwiespältig wie damals.

  • @ Camondo


    du sprichst einen extrem wichtigen Punkt an. Man kann das Berliner Schloss unter architektonischer Sicht diskutieren, was hier im Forum meistens geschieht. Aber die städtebauliche Komponente und die Auswirkung des Schlosses auf die Umgebung wird immer deutlicher, je mehr vom Schloss fertig ist.


    Man kann historische architektonische Epochen ja kritisch sehen, in einem sind sie heutiger Planung aber weit überlegen und das ist die Planung von Sichtachsen. Auch wenn die Gründerzeit und der Historismus nicht jedermanns Geschmack ist, so hat man aber in dieser Zeit die Inszenierung des Stadtraums perfektioniert. Nie mehr davor und nie mehr danach wurde Stadtraum so gut auf Sichtachen und Wirkung geplant.


    Das besondere am Berliner Schloss ist, dass die Grundanlage nicht gründerzeitlich ist (in der Gründerzeit hätte man das Schloss anders zu den Linden gestellt) aber trotzdem ergibt sich aus fast jeder Blickrichtung, egal ob von den Linden, dem Lustgarten, der Breiten Straße eine einmalige und komponierte Blickbeziehung zum Schloss.


    Man unterschätzt heute, wie groß dieser Beitrag von Sichtachsen für einen gelungenen Stadtraum ist. Und man lernt es erst schätzen, wenn man in Städten lebt, in denen dies heute nur noch rudimentär erlebbar ist.


    Bei Berliner Schloss ist für mich das sympathische, dass die Blickwinkel so perfekt unperfekt sind. Von den Linden kommend steht das Schloss ja quer, das hätte der Historismus so nie gebaut. Es trifft also eine Prachtstraße auf ein mittelalterlisches Gefüge im Herzen der Stadt. Und das macht für mich das ganze Szenario so lebendig. Man hat aus jedem Blickwinkel diese Sichtachsen, aber sie sind atypisch und daher besonders wohltuend ohne beliebig zu sein.


    Und diese Qualität bringt das Schloss zusätzlich zur architeketonischen Qualität ein. Dies wird sich noch anschaulicher gestalten, wenn die Kuppel endlich fertig ist!

  • Auch von der Schlossbrücke aus kann meine beide Portale zugleich sehen. Ich finde das aber nicht problematisch. Im Gegenteil – es ist sichtbarer Ausdruck einer bewegten (Stadt-)Geschichte.


    Ich verstehe nur nicht, wieso einige Leute vorher gemeint haben, die Doppelansicht ergäbe sich nicht. Das erkennt man doch mit einem Blick auf den Plan. Mögliche Erklärung: Damals wurde noch mit der Konzern-Repräsentanz vor dem Staatsratsgebäude gerechnet. Die würde den Blick auf das versetzte Poral tatsächlich verstellen.

  • Man kann historische architektonische Epochen ja kritisch sehen, in einem sind sie heutiger Planung aber weit überlegen und das ist die Planung von Sichtachsen. Auch wenn die Gründerzeit und der Historismus nicht jedermanns Geschmack ist, so hat man aber in dieser Zeit die Inszenierung des Stadtraums perfektioniert. Nie mehr davor und nie mehr danach wurde Stadtraum so gut auf Sichtachen und Wirkung geplant.
    ...


    Das verstehe ich nicht.


    Nichts an den ursprünglichen Sichtachsen rund ums Schloss ist aus der Gründerzeit oder dem Historismus. Die originalen Sichtachsen, der Gänsefuß, sind aus der Zeit des Barock.
    Dabei beziehen sie sich ja im Grunde nicht auf das Schloss, wie es heute empfunden wird, sondern sie führen vom Schloss weg und das auch nicht beliebig, sondern vom damaligen Zimmer des Großen Kurfürsten aus, dort wo später unter Schlüter der Rittersaal, also in Portal V, angelegt wurde.

    Daher hat man das Schloss auch nicht "quer zu den Linden" in die Stadt gebaut, sondern die Stadt an das Schloss angepasst, was sich ja auch in der bekannten Aussage: "Das Schloss lag nicht in Berlin, Berlin war das Schloss" wiederspiegelt. Und auch die jüngere Sichtachse vom Portal II zur Breiten Straße ging vom Schloss aus.


    Am deutlichsten wird es aber, bei der Kuppel, die wohl im Historismus tatsächlich an anderer Stelle entstanden wäre, vielleicht im Schnittpunkt der Sichtachsen von UdL und ehemaliger Königstraße, so aber in keiner der barocken Sichtachsen steht und dennoch gleich einer Krone des Schlosses das Stadbild weithin prägte.