^ Danke für Deine Wortmeldung. Ich kann mich dem negativen Urteil zwar nicht anschließen – aber mit "angeschnittenen Geigenkasten" hast Du mir ungewollt etwas eigentlich Naheliegendes erschlossen: Dass es sich bei vielen der so genannten liebevollen volkstümlichen Bezeichnungen ("schwangere Auster", "Goldelse", "palazzo prozzo") zunächst doch wohl eher um polemische, hämische oder kritische Kommentare handelte, um Diskreditierungsversuche.
Beiträge von ElleDeBE
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^ Danke, interessant.
(Zur Präzisierung, auch weil "an der Museumsinsel" bei oberflächlicher Lektüre als "auf der Museumsinsel" gelesen werden könnte: Dieses AI-Center ist in den historischen Räumlichkeiten im Gropius-Ensemble in Berlin angesiedelt, an der Tucholskystraße 2.)
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Für mich unnachvollziehbar, dass diese riesenhaft-plumpe und lächerliche Allegorie auf Berlin offenbar Wiedererrichtungsphantasien weckt.
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^ Das Klosterviertel ist sehr heterogen, daher kann ich nicht sagen, dass das Gebäude auf mich wie ein Fremdkörper wirkt, zumal es sich ja in Höhe (zumindest in der Stralauerstr.) und Blockrand der Umgebung anpasst. Mit etwas Wohlwollen lässt sich sogar der Fensterbereich an der Klosterstraße so sehen, dass er, indem er die Höhe nicht ausschöpft, den weniger hohen Nachbarbauten visuell entgegen kommt.
Das bedeutet nicht, dass mir das Gebäude gefiele, nur "Fremdkörper" scheint mir nicht ganz passend. Ich störe mich sehr viel mehr an der mehrspurigen, kaum begrünten und abweisenden Stralauer Straße. Hier müsste m.E. etwas geschehen.
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Ich bestaune die rationale Nüchternheit von Bauhherren und Politik, ein Gebäude zu planen oder zu bewilligen, das 98 Meter hoch werden soll. Denn ich selbst könnte der Versuchung kaum widerstehen zu sagen: Wenn schon, dann doch gleich 100 Meter! Dann tauchen wir auch auf einer Liste mit berliner Gebäuden 100+ auf.
Genauso wundere ich mich, dass man beim Berlinian bei 146m stehen geblieben und damit knapp unter der Wolkenkratzer-Grenze geblieben ist. Natürlich kann man sagen, solche Dinge seien unwesentlich und bloß symbolisch, und man sollte die eigenen Entscheidungen nicht davon abhängig machen. Daher bestaune ich ja auch diese rationale Nüchternheit. Aber irgendwie ist sie mir auch fremd.
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Interessante Neuigkeit: Für das "Alexander Berlins Capital Tower" wurde heute die Baugenehmigung erteilt.
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^ Ich vermute, dass Unterschiede in der polizeilichen und institutionellen Erfassung eine wichtige Quelle der Unterschiede sind, insbesondere zwischen München und den anderen Städten. Die Zahlen sagen wahrscheinlich ebenso viel über Ordnungspolitik, Verwaltungspraxis und Anzeigeverhalten aus wie über unterschiedliches Sprühverhalten.
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^ Auch wenn es generationelle Eigenarten und blinde Flecken gibt, finde ich die Schmähformel "Alter weißer Mann" etwas billig, ebenso wie ich Arty Decos Polemik billig fand. Mehr noch störe ich mich aber daran, dass hier (und nicht nur hier) gleich die Admins auf den Plan gerufen werden und ich halte es für möglich, dass sich auch und gerade darin eine generationelle Eigenart zeigt. Das möchte ich etwas begründen.
Jonathan Haidt und Greg Lukianoff haben (in: The Coddling of the American Mind, 2018) eine Generation beschrieben, die in der Kindheit systematisch vor Konflikten geschützt wurde. Erwachsene griffen früh ein, schlichteten, regulierten Emotionen und verhinderten, dass Kinder Auseinandersetzungen selbst austrugen. Was als Fürsorge gemeint war, hatte einen ungewollten Effekt: Konfliktfähigkeit verkümmerte.Auf dem Campus setzt sich dieses Muster fort. Statt Konflikte auszuhalten, auszuhandeln oder als Teil sozialer Reifung zu begreifen, werden sie institutionalisiert: Studierende wenden sich rasch an Autoritäten, verlangen Intervention, Schutz oder Sanktion. Der Konflikt wird nicht mehr als etwas erlebt, das man bewältigt, sondern als etwas, das delegiert werden muss. Wer nie lernt, Konflikte selbst zu regulieren, erlebt Widerspruch später nicht als Herausforderung, sondern als Bedrohung. Das Bedürfnis nach Sicherheit ersetzt die Fähigkeit zur Auseinandersetzung.
Eben diese Tendenz scheint sich auch hier im Forum zu verstärken, und mir scheint das eine Fehlentwicklung zu sein. Aber vielleicht sehen das andere anders? -
^^ Naja, nicht erhebend, würde ich sagen. Wirkt ein wenig wie ein nachträglich gedämmter Plattenbau. Anderswo hätte ich keinen Anstoß daran genommen, hier schon: Warum keine größeren Fenster und Balkone, angesichts der Sicht zum Landwehrkanal? Warum keine Eckfenster, an Stelle dieser fensterlosen Eckesituation? Und warum, wenn ich es richtig sehe, nur relativ kleine Balkone auf dem Dachgeschoß, statt einer durchgehenden Terasse? Unbefriedigend.
^ Nachtrag: Der neue Entwurf hat einige Punkte aufgegegriffen, die mir am ersten Entwurf nicht gefielen, aber begeistern tut mich das Projekt auch jetzt nicht.
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^ Ich denke, gemeint ist diese Brandwand.
Mir gefällt Kleihues auch am besten, auch wenn es schade ist, dass hier eine andere Perspektive eingenommen wird und man die Entwürfe dadurch etwas weniger gut vergleichen kann. Henn hat das Problem mit der Brandwand, Sauerbruch Hutton finde ich belanglos und uninteressant. Nur die Anpassung der Geschosshöhen an den Bestandbau unterscheidet ihn, den Renderings nach zu urteilen, von einer 0815 Schule.
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Dieser Streit hier scheint mir ein gutes Beispiel für ein Kippbild zu sein. Es kann unterschiedlich gesehen werden (z.B. als "Ente" oder als "Hase" beim "Ente-Hase-Kippbild"), und der Streit entflammt dann, wenn die jeweiligen Streitparteien sich auf eine Sichtweise festlegen. Mit geht es hier anders – ich kann beide Sichtweiten ohne Mühe nachvollziehen: Sehen, dass dieses Gebäude ansprechend ist, sich am Bestand orientiert und sich hier gut einfügt, genauso wie ich nachempfinden kann, dass es bieder wirkt, an dieser städtebaulich prominenten Ecke, auch angesichts der geplanten Veränderungen im Umfeld, enttäuschend und unangemessen erscheinen kann.
Bin ich der einzige, der beide Perspektiven einnehmen und daher beide Seiten partiell verstehen kann?
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Frank Gehry ist tot. Damit stellt sich die Frage, ob das Auswirkungen auf das Hines-Projekt am Alexanderplatz hat.
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^^ Ja, romantsiert trifft es: Keine Autos, Verkehrsspuren, Verkehrsschilder, Ampeln etc. Dazu traägt aber auch bei, dass die Grunerstraße hier schmaler wirkt, als sie ist, und ich vermute, dass die Art, wie die Bäume gezeichnet sind, zu diesem Effekt beiträgt: Durch die dünnen Stämme erwecken sie den Eindruck, jung und frisch gepflanzt, also klein zu sein. (Tatsächlich sind sie, gemessen an den Fußgängern, ziemlich hoch, ausgewachsen.) Weil wir die Straßenbreite unwillkürlich in Verhältnis zu scheinbar kleinen Bäumen setzen, wirkt auf uns auch die Straße relativ schmal.
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^ Ich fand die Friedrichstraße vor 25 Jahren auch gut, hatte damals ähnliche Assoziationen wie Du. Aber gerade Nöfers Vergleichsbilder haben mir deutlich gezeigt, dass die Straße gealtert ist. Baumlose Straßen beginnen aus der Zeit zu fallen, die baumarme, überasphaltisierte Stralauer Straße ist ein besonders trauriges Beispiel dafür.
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^ Ja, Postmoderne trifft etwas, man könnte vielleicht spezifizieren: Postmoderne ohne Ironie.
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Neben dem Sockel störte mich immer auch der plumpe Dachaufbau mit der biederen Inschrift. Sie passt nicht zur Strenge der Fassade. Da scheint mir mehr möglich zu sein, vielleicht auch, warum nicht, mit einer Erhöhung.
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^ Mir gefällt das auch. Ich denke aber, es ist weniger der Kontrast alt-neu, der die Ursache für die besondere Attraktivität solcher Kontraste ist, sondern die Tatsache, dass durch die kleineren Altbauten im Vordergrund die Höhe des Fastwolkenkratzers fasslich wird. In der Ästhetik spricht man vom "Erhabenen". (So wie in der berühmten Eingangsszene von Krieg der Sterne, wo das große Rebellenraumschiff den Maßstab für das noch ungleich größere imperiale Raumschiff bildet und dieses dann etwas später wiederum einen Begriff der Größe des Todessterns vermittelt.)
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^ Das Ziel, den ParkInn zum Maßstab der übrigen Hochhausbebauung (mit Ausnahme des Alexandertowers) zu machen, hätte tatsächlich zu einer zu großen Homogenität geführt. Mit dem Höhenunterschied zwischen Park Inn und The Berlinian scheint mir diese Gefahr aber nicht mehr so relevant. Ob noch mehr Vielfalt durch drei unterschiedliche Höhen die Lage weiter verbessert, kann ich nicht ganz abschätzen. Im Zweifel ist es mir wichtiger, dass das Covivio möglichst gut aussieht. Das können 130 bzw. 134 m sein, aber vielleicht auch 140 oder 150m.
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^ Interessant auch eine andere Angabe: Während für das "MYND" (merkwürdiger Weise nicht "The Berlinian") und für den Alexandertower jeweils genaue Zahlen angegeben werden (146m bzw. 150 m), sind die Angaben für das Covivio weniger präzise: "Der Gebäudekomplex wird aus einem ca. 36 m hohen Block sowie einem ca. 130 m hohen Hochhausturm an der Alexanderstraße bestehen." Offenbar hält man sich auch hier Veränderungen nach obe offen.