Beiträge von ElleDeBE

    ^ Mich überzeugen die Visus gar nicht, denn erstens scheinen sie mir zutiefst verlogen: Sie simulieren eine Vision, wie sie in Wohnvierteln wie Xberg oder am Prenzlberg eingermaßen realistisch wäre (Familien mit Kindern, Kids mit Skateboard, Frauchen mit Hund...), aber doch nicht hier!

    Vor allem aber finde ich selbst das, was man sich hier als Optimum vorstellt, piefig und belanglos: Die Rückkehr in die spießige "Fußgängerzone".

    ^ Danke, sehr interessant, aber auch: sehr enttäuschend. Ein vierstöckiges (und architektonisch auch wenig ambitioniertes) Gebäude ergibt hier städtebaulich überhaupt keinen Sinn, weder angesichts der viel höheren Nachbarn noch angesichts der geplanten sehr viel höheren (und architektonisch anspruchsvolleren) Neubauten gegenüber. Auch angesichts der überbreiten Straße ist das Gebäude viel zu flach. Ich bin ratlos.


    An diesem Bild lässt sich die Maßstablosigkeit deutlich erkennen:


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    (© Adonum)

    In der FAZ findet sich ein großartiger Artikel von Peter Stephan (er lehrt Architektur und Kunstgeschichte an der Fachhochschule Potsdam) über die Bauakademie. Er ist zugleich ein überzeugendes Plädoyer für den Wiederaufbau.


    Stephan liest die Bauakademie, wie auch andere Bauten Schinkels, als eine "Interventionsarchitektur" (...), mit der das bis dahin monarchisch geprägte Umfeld des königlichen Schlosses neu [nämlich bürgerlich] codiert wurde." In der Bauakademie habe Schinkels Auseinandersetzung mit dem Schloss seinen "krönenden Schlusspunkt" gefunden. In überraschender, aber durchaus überzeugender Weise zieht Stephan einen städtebaulicher Bogen, der "von der Neuen Wache bis zum neuen Einheitsdenkmal" reiche und in dem die Bauakademie, zusammen mit einem zu bauenden Denkmal für die Bewegung von 1848, "ein gedankliches Bindeglied" darstellten, mit dem die Bauakademie in der Lage sei, die Monumente der DDR einzubeziehen. Freiheitskämpfe des Sozialismus und des Liberalismus rücken hier enger zusammen und könnten – losgelöst aus dem Kontext der SED-Propaganda, in ein gesamtdeutsches Narrativ integriert werden.


    "Ein solches Narrativ, das städtebaulich wie geistig über Stilformen, Epochen und Ideologien hinweg integrierend wirkt, braucht unsere Gesellschaft mehr denn je. Eine ökologische Standards berücksichtigende, zugleich aber auch authentische Rekonstruktion von Schinkels Bauakademie kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Schließlich sollte uns nicht nur das meteorologische, sondern auch das geistige und das soziale Klima ein Anliegen sein."


    Der Artikel ist nicht zuletzt auch deswegen so lesenswert, weil er über die Bauakademie hinaus hochinteressante und (für mich) überraschende Einsichten bietet: Etwa, dass der Ansatz, das Schloss mit einer bürgerlichen Interventionsarchitektur einzuhegen, nach Schinkels Tod nicht nur durch den Bau des Roten Rathauses, sondern auch mit dem Neptunbrunnen fortgesetzt worden sei: Mit ihm habe der Magistrat den Platz unmittelbar vor dem Schloss und damit genau jene Stelle, wo Berlin und Preußen ihren gedanklichen Mittelpunkt hatten, symbolisch in Besitz genommen. „Hier kreuzten sich die beiden Magistralen von Alt-Berlin und Cölln, hier lag der Nullpunkt der preußischen Meilenzählung. Allerdings hatte der Meergott dem Schloss (und damit dem Kaiser) den Rücken zugewandt. Gelassen blickte er über die Breite Straße zum Cöllner Rathaus, die hinter ihm aufragende Architektur mit ihren Riesensäulen als Staffage nutzend.“


    Ich belasse es dabei, damit dieser Beitrag nicht zu lang wird, und verweise stattdessen auf den Artikel selbst. Wer kein Abo hat, wird hier fündig.

    ^ Ich weiß nicht, ob sich eine solche Radikalisierung und Verhärtung der Fronten tatsächlich ereignet, aber wenn so, wäre dies gerade hier doch einigermaßen absurd, denn im Grunde genommen könnten sich gerade in diesem einen Fall auch und gerade Anhänger der architektonischen Moderne freuen, wenn ein Vorläufer der Moderne wieder aufgebaut würde.

    ^^ Die architekturgeschichtliche Bedeutung des Kurhauses in Bad Homburg ist mit jener der Schinkelschen Bauakademie nicht vergleichbar. Das aber ist für mich der entscheidende Punkt: Die Bauakademie stellt ohne Zweifel eines der wichtigsten architekturgeschichtlichen Zeugnisse Berlins und ein wichtiges Zeugnis über die Grenzen Deutschlands hinaus dar. "The building [...] is considered one of the forerunners of modern architecture due to its hithertofore uncommon use of red brick and the relatively streamlined facade of the building." (WIkipedia)


    Hinzu kommt: Im ganzen Umfeld wurden Fassaden rekonstruiert, schon zu Zeiten der DDR, auch von weniger bedeutenden Gebäuden. Das, für sich genommen, architektonisch gar nicht so üble „Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten“ wurde gerade aus städtebaulichen Gründen abgerissen, "um Platz für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses unter Neuanlage des Schinkelplatzes und Wiederaufbau des Gebäudes der Bauakademie zu schaffen". (Wikipedia) Alles ist erfolgt, der Platz ist angelegt – nur damit doch wieder ein moderner Bau "eine Chance bekommen soll"?


    Anders als in den Innenstädten von Wien, Rom oder Paris, hat die „moderne" Architektur (ein unpräziser Ausdruck der BZ, man sollte von „zeitgenössisch“ sprechen) noch genug Chancen, zumal es in meinen Augen kaum noch relevante Rekonstruktionskandidaten, wohl aber Abrisskandidaten und auch noch viele Brachen im Zentrum Berlins gibt. Von der übrigen Stadt ganz zu schweigen. Daher ist nicht nur die Formulierung „modern“ unpräzise, sondern die der „Chance“ bei genauerem Hinsehen doch ziemlich hinterfotzig. Es sei denn, dass damit die Schinkelsche Bauakademie sebst gemeint ist, denn diese ist ein Prototyp der Moderne und hätte tatsächlich nur hier eine Chance. ;)

    Die Unterbrechung aller Hochhaus-Baustellen am Alexanderplatz ist deprimierend, aber wenn wir ehrlich sind, ist hier nur etwas zum Stillstand gekommen, was, anders als die Kollhoff-Idee in den 90er Jahren, kein bisschen inspirierend ist. Man wollte es nur deswegen, weil es besser als der Status quo ist, nicht weil es aus eigener Kraft glänzen würde. Weder die Einheitshöhen um 130 Meter noch der Ausreißer mit 150 Meter gerade dort, wo die zusätzliche Höhe eine wichtige Sichtachse (KMA) zutiefst beeinträchtigt noch die Architektur der einzelnen Gebäude sprechen für sich. Selbst bautechnisch scheinen sie den Gegebenheiten nicht angemessen. Das Ganze ist wie die gerade zu Ende gegange Klimakonferenz in Ägypten: Das trostlose Ergebnis tausender Kompromisse, ein kleinster gemeinsamer Nenner ohne jede Stimmigkeit und Strahlkraft, dem berühmten Namen des Platzes unwürdig.


    Statt sich in unfruchtbaren Schuldzuweisungen zu verlieren oder in Depression zu versinken, scheint es mir fruchtbarer, den Baustopp als Chance zu nutzen, um noch einmal einen radikalen Neuanfang zumindest zu denken: Was, wenn die vollkommen vermurksten gegenwärtigen Pläne noch einmal grundsätzlich überdacht und stattdessen konsequent zukunstsweisende und innovative Holzhochäuser in unterschiedliche Höhen errichtet würden, die durch das deutlich geringere Gewicht vermutlich auch besser zum schwierigen Baugrund passten? Was, wenn Berlin sich hier (und nicht in der Schinkel-Bauakademie) neu erfinden würde als ökologische "Innovationsstadt"? Ich bilde mir nicht ein, dass eine soche Umstellung zu diesem Zeitpunkt realistisch ist, aber vielleicht könnten die jetzigen baulichen Schwierigkeiten, das offenkundig Unbefriedigende der jetzigen Pläne und das gemeinsame Interesse an einer internationalen Sichtbarkeit und Strahlkraft sowohl für die Politik als auch für die Bauherren und Architekten einen gemeinsamen Neuanfang interessant erscheinen lassen?

    ^^ Bemerkenswerter Weise funktioniert die Friedrichstraße nördlich von UdL auch mit Autoverkehr ausgezeichnet. Trotz der vielen Gründe, die man anführen kann, bleibt es ist für mich bis heute etwas rätselhaft, warum sie zwischen UdL und Leipziger Straße (mit dem wunderschönen Gendarmenmarkt daneben) und sogar darüber hinaus bis zum Attraktor Checkpoint Charlie nie richtig angenommen wurde und warum selbst von der Mall of Berlin keinerlei belebende Wirkung auf diesen Teil der Friedrichsstraße ausgegangen zu sein scheint.

    ^^ Es ist gut, dass Du (mich) auf die Kritik am Steuerzahlerbund aufmerksam machst, das ist wichtig zu beachten und war mir nicht bewusst.


    Gleichwohl ist das Argument, dass mit dem Geld viele Hallenbäder saniert werden könnten, nicht falsch. Mich haben aber besonders die ökologischen Einwände beeindruckt, auf die ich vor andertshalb Jahren hier im Forum aufmerksam gemacht wurde. Ich hatte daraufhin Flussbad-Berlin in einer Mail eingeladen, sich hier an der Diskussion zu beteiligen und hatte gehofft, dass etwaige Verzerrungen klargestellt würden. Umso bedauerlicher fand icht es, dass keine Antwort kam. So bleiben die Vorwürfe leider im Raum und seitdem stehe ich diesem Projekt, das ich lange begeistert unterstützt hatte, reservierter gegenüber.

    Der Bund der deutschen Steuerzahler hat sich in ihrem vor einigen Tagen veröffentlichten Schwarzbuch schon wieder gegen das Projekt Flussbad Berlin

    ausgesprochen. Von den veranschlagten 77 Millionen Euro ließe sich rund die Hälfte des Sanierungsrückstaus bei den Berliner Bädern beseitigen, das käme dem Schul- und Vereinsschwimmen zugute.

    Da auch schwerwiegende ökologische Bedenken bestehen (3700 Tonnen CO2 nach Berechnungen von Prof. Wemhoff, vgl. auch die Diskussion im Gefolge des Beitrags #124) und auch Fragen mit Bezug auf den Denkmalschutz bestehen, bin ich mir nicht mehr sicher, ob man dieses (an sich charmante) Projekt weiter verfolgen sollte, zumal nur ca. 10% des dafür veranschlagten Geldes reichen würden, um den Bau der Freitreppe zu finanzieren. Das scheint mir vorrangig.

    Der WBM/Blauraum Neubau ist ein absoluter Tiefpunkt, so ziemlich das Schlimmste seit dem Moxy Berlin am Ostbahnhof und das Meininger am Hauptbahnhof. Dabei ist das Licht auf den Fotos sogar noch günstig. Die Fischerinsel und die Gertraudenstraße sind natürlich kein tolles Umfeld, aber der Bau schafft es, dieses hässliche Umfeld noch zu unterbieten, was schon fast wieder eine Leistung ist. Und dabei befinden wir uns hier kaum 500 Meter von Humboldt Forum entfernt! Dass so etwas möglich war, ist deprimierend und ein Armutszeignis für die Verantwortlichen.

    ^^und ^:

    Mit ähnlichen Argumenten könnte man auch für die restlose Beseitigung der Berliner Mauer plädieren.


    Hier sollen zwei Bauzeugnisse der Nachkriegsmorderne in West- und Ostberlin, die In den 1950er-Jahren um die Architektur der Zukunft konkurrierten, gemeinsam Weltkulturerbe werden. Diese Systemgegensätzlichkeit und Vergleichbarkeit in einer Stadt ist das Interessante, nicht die Qualität einzelner Wohnriegel. Wer daher sagt: Dieses Haus oder dieser Straßenabschnitt entspricht nicht meinen Geschmacksvorstellungen, oder wer das östliche Gegenstück zum Hansaviertel aus politischen oder ethischen Gründen auschließen will, hat offenbar das Konzept nicht verstanden.

    Der Vergleich krankt schon darin, dass vollkommen unklar bleibt, was unter "latent faschistoid" zu verstehen wäre. Le Corbousier war, wie viele andere, von der "faschistischen" (nicht: faschistoiden) Architektur beeindruckt, aber eben auch, weil diese deutlich vielfältiger war als die nazistische und häufig vom Bauhaus inspiriert war ("razionalismo"). Ich war vor einigen Monaten in der unter Mussolini errichteten Stadtneugründung Sabaudia und fand es interessant, dass Le Corbousier sich für das Projekt beworben hatte und dann, als er nicht zum Zuge gekommen war, das Projekt als "zu verträumt und romantisch" bezeichnete. (Vgl. https://www.nzz.ch/feuilleton/…a-ld.1417864?reduced=true) Zu der Beziehung von Le Corbousier und dem Faschismus vgl. auch https://www.deutschlandfunk.de…ier-und-der-duce-100.html

    Das ist doch unglaublich, dass dieses Projekt immer noch im Sand steht, obwohl alle Fachmänner einstimmig die Rekonstruktion befürworten !


    [...]


    Mein lieber Karl Friedrich ! Wie lange sollst du noch warten, bis dein einmaliges Objekt wieder steht ?


    Das ist ein Zitat aus dem allerersten Post dieses Strangs #1, geschrieben vor 19 Jahren (!), also noch vor der Amtszeit Merkels. Inzwischen wurde das Schloss wiederaufgebaut, der Flughafen fertig gestellt, Chinas BIP verdoppelte sich in dieser Zeit... Is es da nicht tröstlich, dass in einer Welt des beschleunigten Wandels und der Ungewissheiten man sich wenigstens auf eines verlassen kann: dass der Wiederaufbau der Bauakademie nicht vom Fleck kommt?

    ^ Darüber, ob Rossis Nachbildung des Palazzo Farnese überzeugend ist, mag man diskutieren können, aber das Argument, "Berlin habe einen Mangel an..." öffnete der Willkür Tür und Tor: Wer entscheidet, wonach "Mangel" herrscht? Hat Berlin nicht einen "Mangel" an Pagoden, an Obelisken, an brutalistischen Kirchen, an gotischen Kathedralen, an repräsentativen Moscheen, an Pyramiden?

    Auf architektonischem Feld wird hier ein Konflikt ausgetragen, der sich religionsgeschichtlich immer wieder zwischen "orthodoxen" Bewahrern des "Buchstabens" und jenen abspielte, die auf den "lebendigen" "Geist" verwiesen.

    Eine (nur in Grenzen mögliche) Rekonstruktion würde Schinkel dem Buchstaben nach (einigermaßen) gerecht werden. Sie böte, was Schinkel selbst für seine Zeitgenossen gerade nicht bot: Die Geborgenheit des Vertrauten und der Wiederholung.

    Hier den Prototypen eines zukunftsträchtigen Gebäudes zu errichten würde dagegen dem Geist Schinkels gewiss mehr entsprechen. Das Neue und Zukunftsträchtige könnte, im besten Fall, das Enthusiasmierende des Zukünftigen in sich bergen, die Verheißung, gegenwärtige Probleme im Feld der Architektur zu lösen.

    Weder dem Geist noch dem Buchstaben entspricht eine Fassadenreko mit "innovativem" Inhalt. Hier stünden Form und Inhalt in eine Spannung, das Innovative würde durch die Fassade gehemmt, begrenzt, gezähmt, in eine ihm nicht gemäße Form gepresst. Und dass die Verbindung von neu und alt unerwartete Nebenwirkungen mit sich führen kann, zeigt das benachbarte HF in aller Deutlichkeit.

    So sehr ich dem Gedanken, hier Schinkels "Geist" wieder zu beleben, reizvoll finde, so wenig glaube ich, dass das eine gute Idee wäre. Selbst ohne Begrenzung auf eine bestimmte Fassade schränkt der hervorgehobene städtebauliche Ort die Möglichkeiten in jeder Hinsicht ein und limitiert von Anfang an Potentiale und Phantasie. Zudem wäre ein neuer Schinkel im Geiste der Last des Innovativseinmüssens ausgesetzt, der Schinkel selbst gar nicht ausgesetzt war. Mit scheint es sehr unwahrscheinlich, dass gerade hier das ohnehin Unwahrscheinliche und nur begrenzt planbare, ein architektonischer Geniestreich, ein zweites Mal gelingen würde.

    Vor diesem Hintergrund finde ich den geltenden Bundestagsbeschluss von 2016 („so viel Schinkel wie möglich“) vernünftig, am besten so, dass eine Rekonstruktion das Innovative des Baus selbst durchsichtig macht, also im besten Sinne des (häufig falsch verwendeten) Wortes "dekonstruktiv" vorgeht.

    Ich denke, die Lage ist etwas widersprüchlich. Richtung Norden sind die Bahntrassen, das ist also nix. Auch direkt nach Osten, von den M&M aus betrachtet, sieht es zunächst nicht gut aus, das benachbarte Umfeld mit den Zalando-Bürobauten ist ziemlich öde, das Entertainment District nicht jedermanns Sache. Aber dann wird's, auch durch die neuen Hochhäuser, doch gleich wieder spannender.

    Die urbanistische Situation sowohl Richtung Westen als auch Richtung Süden (Spree) dagegen ist jetzt schon gut oder scheint mir vielversprechend. Und die Sicht auf den Fernsehturm ist auch ziemlich attraktiv.


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    (Bild von mir.)

    ^^ Wir hatten vor Jahren schon sehr lange Debatten darüber, ich fand das schon damals etwas anstrengend und will das keineswegs wiederholen, zumal ich auch gar keine Zeit dazu hätte. Grundsätzlich ist mein Eindruck, dass Du in der Kritik eine elitäre, geschmäcklerische ("naserümpfende") Haltung vermutest und vielleicht gerade dies dazu beiträgt, dass Du kritische Positionen, wie Du selbst sagst, nicht wirklich nachvollziehen kannst. (Das gilt auch für den Beitrag von UrbanFreak darunter.) Ich denke aber, es gibt durchaus gute Argumente gegen dieses Entertainment District (ED) und gegen EDs im Allgemeinen. (Einige Argumente gegen ED findest Du z.B. hier.) Ich werde sie hier nicht ausführen und wiederholen, sondern stattdessen auf Dein Argument des Zuspruchs näher eingehen.


    Zunächst: Ich war vor einigen Tagen dort und hatte auch den Eindruck, dass das Areal – zumindest bei schönem und warmen Wetter – sehr gut angenommen wird. Vielleicht trägt auch das Ende der langen Corona-Restriktionen dazu bei. Aber selbst wenn dieser Zuspruch anhaltend wäre – der bloße Zuspruch kann ja in einem Architekturforum höchstens ein Kriterium sein. Ein Bestseller oder Blockbuster wird nicht schon durch den Massenerfolg zu einem guten Buch oder Film. Natürlich ist der Anklang bei den Menschen ein wichtiges Kriterium, gerade wenn es um die Beurteilung von Plätzen geht. Aber die Architektur am Mercedes-Benz-Platz ist nicht gut ist, und sie wird durch diesen Anklang auch nicht besser. Im Winter, wenn weniger Menschen unterwegs sind und die Bäume kahl sind, werden die Schwächen der schlechten Architektur schmerzhaft sichtbar.


    Hinzu kommt ein urbanistischer Grund: Eine Shopping Mall kann viele Leute anziehen, aber die städtebaulichen Gründe, warum man dagegen sein kann, sind damit nicht vom Tisch. Eine punktuelle Lebendigkeit kann auf Kosten der Umgebung gehen. Und wenn man, wie ich, ein Kritiker der Idee der Charta von Athen ist, in der die moderne Stadt so vorgestellt wurde, dass sie in getrennte Funktionsbereiche aufgeteilt sein sollte, dann wird man Tendenzen, die in diese Richtung weisen, auch dann nicht begrüßen und nicht bejahen, wenn sie, punktuell betrachtet, erfolgreich erscheinen.

    Nach Angaben der taz hat Verkehrssenatorin Bettina Jarasch am Mittwoch neue Pläne für die neue Gertrauden- und die Mühlendammbrücke vorgestellt. Nach heftiger Kritik an den Plänen ihrer Vorgängerin Regine Günther, die eine Verschmälerung der jetzt 45 Meter breiten Brücke um gerade einmal vier auf 41 Meter vorsahen, soll die Mühlendammbrücke nun auf 36,20 Meter Breite verschälert werden. Möglich werde dies durch den Verzicht auf eine Spur für den Autoverkehr. Die geplanten Kosten belaufen sich auf 46,5 Millio­nen Euro.