Naja. Es ist ja nicht so, dass heute immer besonders kostengünstig entworfen würde. Hier im Forum weise ich immer wieder darauf hin, wie häufig sinnlose und teure Spielereien geplant werden. Ob unsinnig große Atrien oder Einschnitte, übergroße Glasflächen (die mit Hebebühnen geputzt werden müssen und energieineffizient sind), teure Materialien oder auch nur elektrische Rollläden... An vielen Stellen könnte man wirklich sparen. Auch an Tiefgaragenstellplätzen, wofür die Stellplatzsatzungen geändert werden müssen.
Und das Thema Flächennutzung ist wirklich differenzierter zu betrachten als es auf den ersten Blick scheint.
Die Rekonstruktion der Kulturstiftung Historisches Bürgerhaus Dresden ist das flächeneffizienteste Gebäude am Neumarkt. Es hat ein innenliegendes Treppenhaus und einen relativ kleinen Lichthof, der aber so bemessen ist, dass ein Kamineffekt entsteht (Stichwort Belüftung). Ich finde es total spannend, dass diese barocke Architektur effizienter ist als die ganz neu entworfenen Bauten und kann bestätigen, dass es darin echt angenehm ist.
Mansarddächer wurden erfunden, um höher bauen zu dürfen und erfüllen diese Funktion auch heute noch. Sie sind optimal, um Raum und Licht zu nutzen und Verschattung zu minimieren. Spitzböden eignen sich als günstige Alternativen zu teuren Kellern und fungieren als Klimapuffer. Schrägdächer lassen das Wasser besser abfließen und lassen sich mit natürlichen Materialien errichten, anders als Flachdächer.
Stattdessen werden heute Staffelgeschosse als Nonplusultra des rücksichtsvollen Städtebaus angesehen. Dabei sind sie m. E. meistens hässlich. Schon oft habe ich gedacht, dass der Bauherr stattdessen gern auch die obere Etage voll schließen dürfte, wenn dafür die Fassade detailfreudiger und untergliedernd gestaltet wäre. Es gibt ja zig Beispiele, wie man auch ganz einfache Baukörper mit Bauschmuck aufwerten kann.
Und neben der Architektur zählt natürlich der Städtebau. Einen richtigen Aha-Effekt hatte ich mal durch einen Vortrag von Prof. Mäckler. Dabei führt er aus, dass unter Anwendung klassischer Entwurfskriterien bei gleicher Nutzfläche bedeutend weniger Erschließungsfläche und damit weniger Versiegelung und mehr Grünanteil erreicht werden kann.
Dagegen sind Hochhäuser gar nicht so flächeneffizient, wie oft vermutet wird. "Die Grundfläche des Fundaments eines Gebäudes lässt sich nicht immer weiter reduzieren, nur weil man in die Höhe geht. Ganz im Gegenteil", heißt es in einem BR-Artikel, der auch andere Nachteile von Hochhäusern gegenüber dem klassischen Blockrand benennt.
#Faktenfuchs: Nein, Beton-Hochhäuser sind nicht nachhaltig | BR24
Aber die Unbelehrbarkeit im Architekturbetrieb verblüfft mich immer wieder auf's Neue. Das betrifft ja so viele Themen. Es ist eben ein selbstreferenzielles System, das hauptsächlich von Außen Veränderung erfahren kann.


