Beiträge von Civitas fortis

    Die Gestaltungskommission hatte bzgl. des vorherigen Entwurfs (der städtischen Grund mit beplante - offenbar soll hier nun nur noch auf dem Privatgrundstück gebaut werden) u. a. die Erwartung formuliert, wertige Materialien (ausdrücklich weder Blech noch WDVS) zu verwenden und dass der Hochpunkt an der Rosenstraße niedriger auszufallen sei (jetzt sieben statt zuvor sechs Vollgeschosse).

    Dieser neue Entwurf ist an Ignoranz und Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Er fügt sich mit nichts in das Umfeld, geschweige denn in die Zielstellung, den Freiberger Platz als Stadtraum irgendwie hochwertig zu fassen, ein - im Gegenteil: das Gebäude schottet sich mit einer Grundstücksmauer, bzw. einem Zaun von der Platzfläche vor der Annenkirche ab.

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    Den Dachbereich (gern ohne die beiden dicken Schwulstgiebel) könnte man heutigen Ansprüchen gemäß formen, gern auch was gläsern-modenes, aber das Eckhaus kann jeder Bauherr in der ihm gewünschten Form wiederaufbauen, es wäre ein "Neubau" - auch wenn er (fast) wie die Ex-Handelsbank ausschaut), der Denkmalschutz dürfte diesbezüglich nicht hineinreden.

    Das ist zwar nur eine Geschmacksäußerung (die ich absolut nicht teile - die Zwerchgiebel sind integraler Bestandteil der beiden hervorstehenden Teilfassaden am Eckgebäudeteil), aber da der linke Gebäudeflügel sowie das Erdgeschoss des Eckteils noch stehen und als Gesamtheit unter Denkmalschutz stehen, reden wir hier doch baurechtlich nicht von einem potentiellen Neubau. Wie der Denkmalschutz eine bauliche Erweiterung nach oben beurteilt, ist natürlich deren Ermessen.

    Warum eigentlich "kritisch"? Das Gebäude steht zu mehr als einem Drittel noch (der erhaltene Flügel an der Robert-Blum-Str. gehört dazu), es besteht v. a. wegen der Fassadengestaltung Denkmalschutz, es ist ein ortsbildendes und herausragendes Beispiel der frühen Dresdner Reformarchitektur, und die kostenintensiven Bauteile (Sockelgeschoss aus Sandstein) sind noch vorhanden und nutzbar. Eine Komplettrekonstruktion (bzw. je nach Sichtweise Reparatur), sollte also kein Problem, bzw. sogar geboten sein.

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    Vielleicht triggert genau das Spekulationen und fantasierte Unterstellungen.

    Niemand unterstellt hier unbegründet irgendwem irgendetwas, schon gar nicht aufgrund von Oberflächlichkeiten. Und wir sind uns doch anscheinend einig, dass die Kommunikation von verwaltungsintern in Richtung öffentlich bei so einem Thema wie dem Neubau der Carolabrücke absolut minderoptimal gelaufen ist. Das kann man natürlich so machen als Verwaltung oder in deren Auftrag, weil das übliches Vorgehen ist und bei anderen Vorhaben auch kein weiterer Hahn danach kräht, aber bei der Carolabrücke war von Anfang an klar, dass das ein Thema ist, das die Stadtgesellschaft und alle Akteure breit und offen diskutieren wollen. Da braucht man sich auch bei der Bewertung der Kommunikation von Verwaltungsauffassungen nicht hinter Dienstordnungen o. ä. verstecken; es wurde einfach nicht hinreichend informiert und diskutiert, ganz einfach. Die Carolabrücke wurde von Anfang an zum Politikum gemacht und dann wurde versucht, den Schein zu wahren es wäre eigentlich doch ein Bürgerprojekt. Wenn schon die teilnehmenden Büros jetzt juristische Geschütze auffahren, ist etwas im Verfahren schiefgelaufen; das kann man, ohne Schuldzuweisungen (auch wenn es in der Tat qua Amt Verantwortlichkeiten bei Einzelpersonen gibt), ohne Spekulationen konstatieren.

    Natürlich hat das enormen Einfluss, wenn der Baubürgermeister sich immer und immer wieder, auch ohne konkreten Anlass, dazu hinreißen lässt, offensichtlich ohne nötige Detailkompetenz, aber mit viel "Verwaltungshintergrund" alles mögliche öffentlichkeitswirksam ein- oder auszuschließen und damit als Instanz in der Öffentlichkeit wirkt; genauso die in der Zusammenfassung oberflächliche und im Vergleich mit Details nicht nachvollziehbare Einschätzung des Expertengremiums oder auch oft wiederholte Vorwürfe oder Befindlichkeiten prominenter Einzelpersonen. Das hatte und hat Einfluss auf die Abstimmung, auf Stadträte, auf die öffentliche Meinung.

    Warum hat sich denn z. B. statt dem Baubürgermeister nicht die eigens eingesetzte Brückenkoordinatorin öfter mal zu Wort gemeldet, wenn sie doch diejenige mit mehr Fachhintergrund ist, und schlussendlich ja bspw. auch den Beteuerungen bzgl. genehmigungsrechtlicher Risiken ihrem Chef widersprochen hat? Sicher ist Kühn kein Schwarzer Peter, aber die gesamte Kommunikation seitens der Verwaltung ist mindestens zu hinterfragen, zumal in wesentlichen Punkten, die die Verwaltung vertreten hat, eben auch politische Verhältnisse zum Tragen kommen und man sich hier in ein Lagerdenken begeben hat. Die Beigeordneten sind eben immer noch auch Parteipolitiker und werden auch so wahrgenommen. Kühn hat übrigens mit seiner persönlichen Meinung auch nicht hinterm Berg gehalten, und diese auch mit angeblichen Selbstverständlichkeiten begründet. Dass er als Repräsentant der Verwaltung und als öffentliche Person entsprechend kommentiert wird, muss er sich dann auch gefallen lassen.

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    Außerdem ist der Aufwand beim carolaVote mitzumachen deutlich höher als eine Petition zu unterschreiben.

    Dafür sind die Stimmen einer Petition verifiziert, mit Adresse und Unterschrift (bzw. Bestätigung), und es gab drei solcher Petitionen - CarolaVOTE ist hingegen eine nicht repräsentative Online-Umfrage gewesen, die man auch nicht vollständig ausfüllen musste - die angegebenen Zahlen beziehen sich auf lediglich eine Frage (nämlich die nach der bevorzugten Reihenfolge der Entwürfe).

    Da keiner der Entwürfe für sich gesehen an die Forderung der Petitionen herankommt, ist die Gegenüberstellung durchaus berechtigt.

    Das ist genau der Zeitraum, in dem sich Stadtplanung mit der Aufstellung und Fortschreibung von Flächennutzungs-, Rahmen- und Bebauungsplänen bewegt. Der B-Plan 079 ist zum Beispiel fast eine Generation alt und das erste Bauvorhaben startet jetzt. Also keine Angst, Ihre Großeltern wird das sowieso nicht mehr betreffen.

    Diese Bebauungspläne wurden damals ja überwiegend zur Sicherung der städtebaulichen Grundlagen beschlossen, um Wildwuchs vorzubeugen. Das betreffende Grundstück ist demnach ein Eckgrundstück, weil die ehemalige Kamelienstraße laut B-Plan teilweise wiederhergestellt werden soll. Stattdessen sehen wir in der Visualisierung eine Brandwand. Ergo wurden hier wieder einmal geltende Satzungen sowie die architektonischen und städtebaulichen Leitlinien ignoriert, die der Stadtrat eigentlich wegen eben solcher ignoranten Entwürfe beauftragt hatte.

    Die Plattenbauten werden irgendwann ihre Lebensdauer erreicht haben und stehen auch bzgl. Hochhausleitbild langfristig zur Disposition. Hier sollte also städtebaulich vorgesorgt werden. Im Blockrand bebaut hatte die Johannstadt ungefähr genauso viel Geschossfläche, wie mit Plattenbauten. Warum sollte also nicht wieder kleinteilig und in menschlicherem Maßstab gebaut werden? Der Neubau an der Lili-Elbe-Straße macht wenigstens das schon richtig - mehr aber auch nicht.

    Diese Modellansichten sind viel zu wenig detailliert, um wirklich die Optik und Ästhetik der Entwürfe beurteilen zu können - insofern würde ich der "richtigerweisen Reduzierung" widersprechen. Der LAP-Entwurf hat interessanterweise im Modell viel mehr Farben bekommen, als die anderen und wirkt dadurch "filigraner" oder weniger "plump", obwohl die LOD-Stufe des Modells eigentlich gar keine Texturen hergibt. Außerdem lässt sich mit dem Modell die Belichtung überhaupt nicht realistisch einschätzen. Es taugt eigentlich nur zur realistischen Abschätzung von Blickbeziehungen, und da hätte eine Ansicht von der Brühlschen Terrasse aus dazugehört. Dann hätte man nämlich u. a. gesehen, dass die größere Höhe des FHECOR-Entwurfs sehr wohl relevant ist beim Blick ins Elbtal.

    Die LAP-Brücke ist keine Bogen-, bzw. Sprengwerkkonstruktion, sondern hat, wie die eingestürzte Brücke, einen Durchlaufträger, der an den Pfeilern lediglich leicht gevoutet ist. Er hat auch keine durchgehenden Pfeiler (wie bei allen anderen Dresdner Innenstadtbrücken und insgesamt den meisten Dresdner Elbbrücken - sogar der eingestürzten Brücke), sondern Stützen. Die so hochgelobte "Transparenz", die sich daraus angeblich ergibt, ist nur von sehr wenigen Perspektiven aus sichtbar und hat meistens überhaupt keine Auswirkungen. Da die Brücke bei allen Entwürfen enorme Spannweiten haben wird, ist das auch gar kein Argument, weil das Verhältnis von Spannweite zu Pfeilerscheibenbreite bei der Carolabrücke viel größer ist, als bei allen anderen Brücken; zumal es v. a. um die Fernsicht und die Fußgängersicht auf der Brücke selbst geht, und nicht darum, vor einem Pfeilerstandort zu stehen.

    Letztlich muss man bei der Betrachtung überlegen, welcher Entwurf das meiste Potential hat und am ehesten aus der Königin-Carola-Brücke hervorgeht (das ist jedenfalls unsere Bewertungsgrundlage und offenbar auch die sehr vieler Dresdner und anderer). Und das ist dann ganz klar und einzig der vom Team Grassl. Es sprechen ja auch andere Dinge dafür und man sollte sich bei dieser Entscheidung wirklich ein umfassendes Bild machen, was jeder Entwurf insgesamt bedeuten würde - angefangen von den Kosten, der Instandhaltung, der städtebaulichen Einbindung, dem Anpassungspotential (und auch dem Anpassungswillen der Verfasser!), usw.

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    Hat mal jemand noch bessere Detailbilder von den Verschwenkungen an den alten Auffächerungsbereichen bei wenigen der 4 Entwürfe?

    Für alle Entwürfe sind mittlerweile die Präsentationspläne und vergleichende Rundflüge im digitalen 3D-Stadtmodell auf der Website der Stadt einsehbar, inklusive der Anbindungen an den Brückenköpfen.

    Direktlinks:

    Übrigens hat sich auch die Reihenfolge geändert und bildet jetzt die Einschätzung des Expertengremiums ab - hätte man nicht unbedingt so machen müssen.

    Ernst gemeinte Frage an Arwed was eine Bürgerinitiative, die sich mit dem expliziten Ziel einer neuen Brücke nach dem Vorbild der historischen Königin-Carola-Brücke gegründet hat, sonst tun soll, als genau das einzufordern (übrigens mit großem Rückhalt in der Bevölkerung - andere Aspekte haben ja nicht zu anderen Bürgerinitiativen geführt)?

    Zu betonen, dass der Grassl-Entwurf gut ist, ohne auf die Ziele der Initiative hinzuweisen (die übrigens von den Planern von Anfang an als relevant betrachtet wurden) - dafür bräuchte es keine Bürgerinitiative.

    Und woher kommt die Gewissheit, dass es "ganz sicher keine historisierenden Elemente" geben wird? Im Übrigen finde ich die abschätzige Wortwahl ("schnörkelig", "funktionslos", "herumpfuschen", "absolut daneben") … nunja, mindestens ebenso daneben. Die Initiative vertritt ein legitimes Anliegen, das einem nicht gefallen muss, das man aber anerkennen kann, und ist damit ein relevanter und respektierter Akteur bei den anderen Beteiligten.

    Die Visualisierungen von der Website der Stadt eingebunden:

    Carola_TSSB_F-CAROLA-Perspektive-01-Fhecor-TSSB.jpg
    Bildnachweis: © FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft

    Carola_Grassl_V1_Perspektive_v_Albertbruecke.jpg
    Bildnachweis: © Ingenieurbüro GRASSL GmbH

    Carola_Schuessler_SP-DKFS_P3_Albertbruecke_Cine-Crop.png
    Bildnachweis: © Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS

    Carola_LAP_L_V_15.1.1.3_von_Albertbruecke.jpg
    Bildnachweis: © Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects

    Zum Vergleich:
    cabrz006.jpg
    Bildnachweis: Alfred Hartmann in: altesdresden.de

    Mir persönlich erscheint ebenfalls der Grassl-Entwurf am vielversprechendsten, v. a. weil die elegante flache Bogenform zwischen eigenständigen Pfeilern der historischen Königin-Carola-Brücke dort am ehesten abgebildet ist, und daher der Entwurf am meisten Potential hat, noch in Richtung historisches Vorbild verbessert zu werden. Die anderen Entwürfe sind mir zu technisch, bzw. erscheint der Überbau jeweils immer als ganzes, und wirkt damit zu grob. Bei Grassl gibt es hingegen eine angenehme Rhythmisierung, die auch die anderen Dresdner Innenstadtbrücken auszeichnet.

    Umfassendes Meinungsbild zum damaligen Woba-Verkauf unter den damals Beteiligten im Stadtrat in der Sächsischen Zeitung:

    • der damalige OB Ingolf Roßberg (damals FDP) im separeten Interview: die angesichts der damals mehr als angespannten Haushaltslage bevorstehenden Kürzungen bei Kultur, Sport, Jugend (u. a. stand die Möglichkeit der Schließung der Operette im Raum) rechtfertigten die Schuldenfreiheit durch den Komplettverkauf, v. a. weil die damals vereinbarte Sozialcharta heute übliche Regelungen vorweggenommen habe und weiterhin positive Effekte im Dresdner Wohnungsmarkt habe.
      Interessant, wie schnell alles ging:
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    Ich habe das an einem Freitag mit Pressesprecher Kai Schulz und dem Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann besprochen, die sofort für den Verkauf waren, aus fiskalischen Gründen. Am Wochenende bin ich mit dem damaligen Woba-Geschäftsführer Rainer Seifert zusammengekommen. Zunächst wollten wir ja nur 74,9 Prozent der Woba-Geschäftsanteile verkaufen und den Rest wegen möglicher Einflussnahme behalten. Der Geschäftsführer riet mir jedoch, alles zu verkaufen, weil wir so einen besseren Preis erzielen würden.

    [...] Rainer Seifert hatte am Montagvormittag seinen Betriebsrat informiert, ich sämtliche Fraktionsvorsitzenden und den Ältestenrat, dass wir vorschlagen, sämtliche Woba-Geschäftsanteile zu verkaufen.

    Zur Rathaus-Pressekonferenz am Mittag waren alle informiert, aber zugegeben, die hatten einfach zu wenig Zeit, um Gegenargumente aufzubringen.

    • André Schollbach (LINKE) bringt v. a. steigende Mieten und Mietnebenkosten an, und sieht den Verkauf deshalb nach wie vor kritisch
    • Steffen Kaden (CDU) sieht "Luft zum Atmen" und v. a. die umfassenden Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten als Resultat positiv; effektiveren Einfluss auf Wohnkosten habe die Schaffung von Grundlagen für Neubauten, als kommunale Wohnungen
    • Jens Genschmar (Frei Wähler, damals FDP): z. B. Kraftwerk Mitte und Stadtforum wären ohne den finanziellen Handlungsspielraum nicht möglich gewesen; Mietsteigerungen seien durch andere Markteffekte begründet, u. a. dass lange viel Wohnraum abgerissen wurde
    • Silke Schöps (AfD, damals CDU) sieht das ebenso
    • Torsten Hans (Grüne) sieht die Hauptursache der Schuldenlage vor 20 Jahren bei der "verfehlte[n], CDU-geführte[n] Verkehrspolitik mit überdimensionierten Verkehrsbauten" (angeführtes Beispiel die teure Sanierung des Tunnels Wiener Platz) und hätte bei einem nur teilweisen Verkauf Einsparungsmöglichkeiten z. B. bei der Unterbringung Geflüchteter in den letzten Jahren gesehen
    • Johannes Lichdi (Dissidenten, damals Grüne): der Preis sei das "optimale Ergebnis" gewesen, aber man habe Handlungsspielraum aus der Hand gegeben
    • Peter Lames (SPD) findet nach wie vor, dass der Verkauf ein Fehler gewesen sei, weil das Unternehmen Woba Gegenfinanzierungen hätte bieten können und weil man mit der WiD weniger Fördermittel akquirieren könne. Er bezeichnet den Verkauf als "Strohfeuer"

    Erwartungsgemäß überwiegend wenig reflektiert und auch nichts neues, daher ohne weiteren Kommentar.

    Passend dazu Aufnahmen von den Abnahmefahrten nach Beendigung der Baumaßnahme. Weiß jemand, warum gerade der MAN-Zug des Straßenbahnmuseums für Abnahmefahrten (in Laubegast auch schon) verwendet wird - hat das mit Achsabstand/Lichtraumprofil zu tun?

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    Alle Dinge der letzten 20 Jahre aufzuzählen, führt ohne Infos zu nichts. Die meisten von Civitas fortis aufgelisteten Projekte sind aus anderen Töpfen finanziert worden und haben mit einer WOBA-Verkaufswirkung nichts zu tun.

    Das sind letztlich alles Projekte, denen der Stadtrat zustimmen musste und die dafür eine solide Finanzierung benötigten und zumindest teilweise aus dem Haushalt bezahlt wurden. Ohne diesen Anteil hätte sich bei einigen Vorhaben sehr wahrscheinlich keine Ersatzfinanzierung aufgetan. Daher finde ich es schon legitim, das alles aufzuzählen. Die Stadt konnte großzügig sein und das hat mindestens psychologische Effekte gehabt.

    Der Finanzbürgermeister Lames hatte 2019 den Komplettverkauf als Fehler bezeichnet, OB Hilbert konterte daraufhin mit genau diesen Spielräumen, v. a. auch im Bezug auf die Schulsanierungen (die ich in meinem obigen Beitrag vergessen hatte, aufzuzählen, die aber einer der positivsten Effekte des Woba-Verkaufs waren):

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    Das nun aufgelegte Schulbauprogramm der Leipziger entspricht mit einer halben Milliarde Euro bis 2023 sogar in etwa auch unserem Volumen. Aber: Zum einen konnte es erst Jahre später beginnen. Zum anderen muss diese halbe Milliarde für die Leipziger Schulen mit neuen Schulden finanziert werden, weil es nicht anders geht. Die Vorausberechnungen sagen Leipzig wieder einen Schuldenstand von rund 900 Millionen Euro voraus. Dresden hat derweil noch ein Kraftwerk Mitte und einen Kulturpalast gebaut.

    Die Schuldenfreiheit hat wohl einige Großprojekte ermöglicht bzw. vergünstigt, die so vielleicht heute noch nicht umgesetzt wären. Da fallen mir auf Anhieb ein: die Sanierung der Augustus- und Albertbrücke sowie der eingestürzten Carolabrücke, der Umbau des Kraftwerks Mitte, die Sanierung des Kulturpalastes, die Straßenbahnneubaustrecken zur Messe und nach Pennrich sowie die Erneuerung des Fuhrparks der DVB, der Umbau des Rudolf-Harbig- und des Heinz-Steyer-Stadions, Aus- und Neubauten im Messegelände, umfassende Sanierungen im Straßen- und Schienennetz, der Neubau des Verwaltungszentrums, und nicht zuletzt der Bau der Waldschlößchenbrücke fallen in den Zeitraum der letzten 20 Jahre.

    Dresden hat die Spielräume also genutzt, aber langfristig nachhaltig scheint ein Verkauf von Tafelsilber nicht zu sein, wenn man sich die Finanzierungsprobleme der vielen noch ausstehenden Projekte ansieht. 20 Jahre sind für den Effekt keine lange Zeit. Ob man beide Städte im Bezug auf die Infrastruktur so gut vergleichen kann, würde ich mal bezweifeln. Alleine Dresdens viele Elbbrücken sind eine dauerhafte Großaufgabe, auch ohne den jetzt angestrebten Neubau der Carolabrücke. Die Sanierungen von Blauem Wunder und Marienbrücke stehen ja immer noch aus. Welche Infrastrukturmaßnahmen sind in Leipzig denn damit ungefähr vergleichbar? City-Tunnel? Elster-/Pleißemühlgraben? Wahrscheinlich muss man das viel genauer bilanzieren, um eine Aussage bzgl. des Woba-Verkaufs treffen zu können.

    PS: Mit der Situation auf dem Wohnungsmarkt befasst sich 20 Jahre nach dem Woba-Verkauf der DGB mit einer Veranstaltung im Mai.