Beiträge von Civitas fortis

    F6-Fabrikbau nebenan, Gottleubaer-/Glashütter Strasse

    Auf der Suche nach Fotos der Wohnungen von innen (weil die Oberlichter über den Fenstern eine enorme Raumhöhe vermuten ließen) bin ich auf dieses (beendete - also wahrscheinlich nicht mehr lange einsehbare) Inserat einer solchen Wohnung gestoßen, in dem u.a. folgende Fotos zu sehen sind:


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    Bildnachweise: B. Nemitz in: eBay Kleinanzeigen

    Schade, dass die freie Sicht auf dieses schöne Gebäude zukünftig von Neubauten verstellt sein wird.

    Dieses Argument verkennt immer wieder, dass solche Gebäude für eine dichte Blockstruktur entworfen und gebaut wurden, d.h. eine Freistellung ist städtebaulich und architektonisch nie vorgesehen gewesen und wird der Funktion auch nicht gerecht. Solche Gebäude entfalten ihre Wirkung als Solitär innerhalb der dichten Blockstruktur eines gemischten Gebietes dadurch umso stärker. Dafür braucht es allerdings vielfältige Fassadengestaltung und sichtbare Mischnutzung im direkten Umfeld solcher Gebäude und einen Stadtgrundriss, der beim plötzlichen Erblicken dieses Gebäudes einen Überraschungseffekt auslöst (siehe dieses Bild; Herkunft). Im Kontext von ganze Blöcke einnehmenden gestaltungsarmen Klötzen oder hervorstechenden Solitären geht diese Wirkung jedoch verloren. Zudem ist eine Freistellung durch große Plätze im Kernbereich von Innenstädten aus anderen Gründen nicht sinnvoll (fehlende Verschattung und Aufheizung der großen Platzfläche, notwendige Platzfassung durch passende hochwertige Architektur, Verschwendung von bebaubarer Fläche mit allen Folgen, etc.).

    Die Wiederaufbau des Kirchenschiffs war keinesfalls ausgemacht. Richtig ist, dass die Stiftung Garnisonkirche und die Initiative Mitteschön den originalgetreuen Wiederaufbau angestrebt haben und auf den Teil-Abriss des Rechenzentrums bestanden. Aber deren Wünsche spiegeln nicht die Wünsche der Stadtgesellschaft wieder. Das hast das jahrelange Ringen in der Stadtpolitik deutlich gemacht.

    Der Wiederaufbau des Kirchenschiffes und der Abriss des Rechenzentrums sind derzeitige stadtpolitisch(!) beschlossene Rechtslage, die sich in einem rechtsverbindlichen Bebauungsplan ausdrückt:

    Im südwestlichen Planbereich soll der Wiederaufbau zunächst des Kirchturms und längerfristig auch des Kirchenschiffs der Garnisonkirche erfolgen

    Siehe auch die Planzeichnung.

    Durch das Traufblech auf dem vorletzten Geschoss an der Freiberger Straße kommt der Bau teilweise daher, wie ein altes Fabrikgebäude, dem nach dem Krieg ein Penthousegeschoss aufgesetzt wurde. Ich bin auf die Materialität der Verkleidung der Arkaden gespannt, damit kann noch einiges rausgerissen werden. Ich finde das Gebäude aber trotz vieler guter Aspekte zu groß und eintönig. Wenn es doch nur ein bisschen Kunst am Bau, z.B. Reliefs, Mosaike o.ä., gäbe, um die riesige Fassade etwas zu individualisieren.

    Das Gebäude folgt Traufhöhe, vollkommen normal.

    Das stimmt nicht, in der Laurinstraße gibt es, am Anschluss zum Bestand, zwei Geschosse mehr, als im ursprünglichen Entwurf, und nichtmal ein Staffelgeschoss. Die Traufkante wird am Neubau eineinhalb Geschosse höher, als am Bestand, siehe hier. Auch an der Könneritzstraße wird die Traufkante höher als am Bestand liegen, weil die ursprünglich vorgesehene Mansarde zum Vollgeschoss, ebenfalls kein Staffelgeschoss, verändert wurde.


    Der Verzicht auf Mansard- und Staffelgeschosse nimmt dem Projekt die Anpassung an den Bestand, der jeweils eines von beidem aufweist.


    Mir fehlt außerdem eine gestalterische Parzellierung - das Gebäude wird wie ein einziger riesiger Baukörper wirken, weil es zu wenige unterschiedliche Fassadenabschnitte gibt.Auch das ist bei der Bestandsbebauung anders, mit Ausnahme des Eckgebäudes Könneritz-/Jahnstraße, das die Ausnahme im Gebiet bildet.

    Eine Stadtlandschaft und Stadtgesellschaft lebt ja vor allem auch durch die Brüche. [...] Es gibt keinerlei Grundkonsens [...].

    Es ist bei Weitem ein Unterschied, ob Brüche Geschichte erzählen, weil sie durch Unwägbarkeiten entstanden sind (wie z.B. Zerstörung, Ideologie, Unfälle, etc.) oder ob sie als Planungsmaxime künstlich hergestellt werden. Selbst bei Ersterem ist es ggf. legitim, sie zu hinterfragen; bei Zweiterem kann ich allerdings nur eine persönliche Meinung erkennen, die genauso zeitgenössisch ist, wie der Wunsch nach Harmonie und Reparatur, den allerdings nachweislich die Mehrheit der Bevölkerung dem künstlichen Bruch vorzieht.


    Architektur als Baukunst ist nicht nur, wie andere Künste, individueller Ausdruck des Künstlers oder Abbildung des gewünschten Motivs des Auftraggebers, sondern Teil des öffentlichen Raumes und unterliegt somit der Mitbestimmung der Öffentlichkeit. Deswegen gibt es ja auch Bürgerbeteiligungen, Bauausschüsse und Gremien zur gestalterischen Beratung. Man kann es nämlich in der Architektur tatsächlich der Mehrheit recht machen, was die angeblich so absolut im Auge des Betrachters liegende Schönheit angeht.


    Ergo: den abgestrittenen Grundkonsens gibt es in Form einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung, jedenfalls im Bezug auf harmonische Einfügung in die Umgebung. Das ist übrigens auch (wenngleich stark interpretierbar) Rechtslage. Und aus dem häufigen Ignorieren des Wunsches dieser Mehrheit einen Trend abzuleiten, dem als Selbstzweck zu folgen sei, finde ich ehrlich gesagt wenig einleuchtend. Denn damit würde die Ansicht einer Minderheit als gebaute Geschichte abgebildet, was aus meiner Sicht erst recht keinen sichtbaren Dialog darstellt, sondern allenfalls einen Monolog.


    Dass eine gebaute Umgebung ohne Brüche auch ökonomisch und ideell einen großen Wert darstellt, zeigt die hohe Akzeptanz der bekannten Projekte, die sich an die weitestgehende Vermeidung von Brüchen gehalten haben, aber das hatte ich ja woanders schon ausgeführt.

    Hofkirche.

    Aktuell werden mind. 4 Statuen der Balustraden bearbeitet. Genauere Infos wie immer erwünscht.

    p14102497okn1.jpg

    Dazu aus diesem Beitrag des Nachbarforums:

    Zitat

    Der hl Ludwig (XIX) (linkes Gerüst) und der hl. Benedikt (LXIII) (rechtes Gerüst)

    sowie weiterhin

    Zitat

    Die hl.Barbara (XXXVI)

    und

    Zitat

    Der hl Judas Thaddäus (XXXIV)

    In dem Thema werden übrigens alle Statuen ausführlich vorgestellt.

    Nenne bitte Ross und Reiter.

    Im Fall der WiD ist das doch ganz klar und wurde mir gegenüber durch selbige u.a. beim Projekt Florian-Geyer-Straße, als aktiv nach Bürgermeinungen gefragt wurde, geäußert: Wenn die WiD ein Grundstück entwickelt, gibt es eine "Beratung" beim Stadtplanungsamt. Da kommt entweder direkt die Meinung des Amtes oder es gibt eine "Variantenuntersuchung", zu der Architekturbüros eingeladen werden. Die wählt üblicherweise der Bauträger aus, also die kommunale WiD - also wahrscheinlich auf Anraten der Verwaltung als Eigentümer. Dann wird eine Auswahl getroffen, entweder offenbar durch den Bauträger selbst, in Abstimmung mit dem SPA oder durch eine Jury, in der all diese Vertreter zusammen mit Stadträten und evtl. der Gestaltungskommission vertreten sind. Die Bürger wurden im Fall Johannstadt erst danach "gefragt", Wünsche konnten nicht mehr eingebracht werden. Und dort geschah das sicherlich auch erst, nachdem es Protest von Anwohnern gab (wenn auch dort aus anderen Beweggründen).


    Ob die Entwicklung des Entwurfs beim Projekt Schäferstraße auch so ablief, weiß ich nicht und man könnte ja bei der WiD nachfragen, wie das unbefriedigende Ergebnis zustande gekommen ist. Mir ist z.B. nicht bekannt, dass die Gestaltungskommission gefragt wurde. Immerhin wird hier direkt neben Kulturdenkmalen gebaut.


    Wenn das einem aber anscheinend egal ist, braucht man in einem Diskussionsforum auch nicht Gegenpositionen abwerten. Manche Leute haben eben mehr Anspruch an Baukultur, und nur darum ging es hier offensichtlich. Der Bürger hat nur den Protest als Mittel bei solchen Entscheidungen. Diesen öffentlich kundzutun ist weder Polemik, noch anstrengend oder "dummdödeliges Rumgeraune". Wenn das bei einem doch so ankommt und unsachliche Äußerungen gegen andere Diskussionsteilnehmer oder -gruppen bei sich auslöst, sollte man mal seinen eigenen Diskussionsstil hinterfragen, statt den anderer auseinandernehmen zu wollen.

    Ein begrüntes Mansarddach also? Ist doch mal eine Herausforderung!

    Wäre gar nicht so schwer, wenn man ein Plattformdach verbaut, wie z.B. hier am Volksschulgebäude Oberkötzschenbroda.

    Tut sie aber, wenn sie begrünte Flachdächer "von Amtes Wegen" vorschreibt

    Dazu müsste es eine Gestaltungssatzung oder einen Bebauungsplan geben. Beides ist hier nicht vorhanden, weshalb die Stadt sich auch nur Dinge wünschen kann. Eine Baugenehmigung darf meines Wissens dann nicht verweigert werden, wenn ansonsten alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden (z.B. Abstandsregelungen, Gehölzschutz, Niederschlagswasser, Stellplatzsatzung, etc.). Die Richtlinie "Dresden baut grün", nach der Hochbauten generell Dachbegrünung und möglichst Fassadenbegrünung erhalten sollen, gilt nur für kommunale Bauvorhaben.

    Mich würde eine Begründung interessieren, wodurch das hier (zwar wurde die Platzfläche seit der Street-View-Aufnahme verändert aber an der Architektur der Gebäude des Schwimmhallenkomplexes hat sich ja nichts verändert)

    herausragende Architekturen

    sein sollen und v.a. wie man da eine gestaltete Platzkante erkennen kann.


    Die Schwimmhalle zeigt ihre ungestaltete Seitenwand, quasi eine Brandwand, daneben gibt es einen völlig belanglosen Flachtrakt mit dem Eingangsbereich, vor dem im Schatten der (zumindest zum Platz hin durch den Tribünenanbau) fensterlosen Sprunghalle eine mittlerweile gepflasterte Abstandsfläche liegt. Der Freiberger Platz wird dadurch überhaupt nicht gefasst, sondern franst undefiniert aus. Da bildet die sandsteinerne Grundstückseinfassung auf der gegenüberliegenden Platzseite eine deutlichere Fassung aus.


    Ein Stadtplatz ist ja gerade deswegen ein solcher, weil er klar durch dichte Bebauung gefasst ist, die durch eine harmonische gemeinsame Architektursprache dem Platz sein Gesicht gibt. Das ist am Freiberger Platz eigentlich nirgends der Fall, denn die Annenkirche steht streng genommen nicht am Freiberger Platz in seinen ursprünglichen Ausmaßen.


    Und deshalb kann ich auch nicht zustimmen, dass die parkähnliche Gestaltung dem Platz gut täte, denn sie ist eine Weiterführung der zerfließenden Abstandsflächen auf den Platz selbst, wodurch er erst recht kein Stadtplatz mehr ist, sondern nur noch eine Grün-/Parkfläche an einer Straße, die "Freiberger Platz" heißt. Die "individuelle" Gestaltung der Fläche identifiziert sie übrigens schon dadurch nicht mehr als Platz im Straßengefüge der Stadt, weil ansonsten das Gestaltungshandbuch durchgehend Anwendung gefunden hätte.

    Die zum Verkauf und zur Bebauung in Rede stehende Fläche beinhaltet den gestalteten Vorplatz der Annenkirche gar nicht; der Lageplan in der Vorlage zeichnet eine Linie entlang des Randes der gepflasterten Fläche und auch die genannte Flächengröße von 826 m² kann den Vorplatz nicht einschließen. Es geht also um eine bauliche Fassung zwischen Einmündung Rosenstraße und Annenkirche (hier). Die Kirche bleibt somit vom gesamten Platz aus vollständig sichtbar. Der genannte Eingriff in die Platzfläche wird sich vermutlich auf die Baustelle und/oder Erschließung des Gebäudes beziehen.


    Die geforderte Fassadenbegrünung als Ersatz der wegfallenden Wiese und 8 Bäume (laut Stadtbaumkarte im Themenstadtplan) und extensive Dachbegrünung bedeutet allerdings, dass es wohl eine Flachdachkiste ohne architektonischen Bezug zur Annenkirche oder gar der Vorgängerbebauung wird.


    die sonstige Randbebauung des Platzes [...] gibt es einfach nicht. Eine zu planende mögliche Bebauung vor der Annenkirche müsste selbstverständlich auf die heutige Bebauung des Platzes Bezug nehmen

    Freudscher Versprecher? Wenn der Platz heute keine Bebauung aufweist, kann darauf auch nicht Bezug genommen werden. Wenn der Vorplatz nicht wieder bebaut wird, ist und bleibt die Annenkirche die einzige städtebauliche Dominante am Freiberger Platz und die Bebauung an allen Platzkanten sollte sich architektonisch daran orientieren. Die Schwimmhalle orientiert sich in ihrer Gestaltung ohnehin eher zur Freiberger Straße und nicht zum Platz. Sie stellt somit auch keinen Bezugspunkt dar, oder ist das etwa eine beispielhafte Platzansicht?

    Sind die Platten nicht unter Denkmalschutz gestellt worden?

    Richtig, das ist aber kein Ergebnis der Bürgerbeteiligung oder der jahrzehntelangen Planungsprozesse gewesen, sondern eher im Gegenteil ein Ignorieren derselben.

    Warum sollte ich den Anschein eine kleinteiligen Bebauung vermitteln, wenn diese dahinter überhaupt nicht existiert?

    Weil es möglicherweise von der Bürgerschaft gewünscht sein könnte, siehe Studie der Stiftung Baukultur:

    64 % sprechen sich auch dann dafür aus, wenn das neue Gebäude nicht mehr für den ursprünglich gedachten Zweck genutzt wird.

    Was ist denn überhaupt eine "kleinteilige Bebauung"? Bestimmt das die Nutzung oder bestimmt das die Gestaltung? Es war auch in der Geschichte üblich, mehrere Gebäude mit einer einheitlichen Nutzung zu versehen - man denke nur an Kaufhäuser, die als, zunächst kleine, expandierende Geschäfte oftmals einen ganzen Block (mit mehreren Fassaden) einnahmen, bevor tatsächlich ein neues Großgebäude entstand, und auch da gibt es Beispiele für größere Neubauten mit mehreren Fassaden.


    Rekonstruktionen sollten aus meiner Sicht weder als "Notnagel" (so interpretiere ich die Einlassung bzgl. Ideenlosigkeit) von vornherein als gesetzt gelten, noch von vornherein aus den genannten diskutablen Gründen verworfen werden. Sie sind aus meiner Sicht (in welcher Ausprägung auch immer) vielmehr ein gleichwertiger Ansatz für eine Bebauung, der wie jedes andere Konzept eine Betrachtung wert ist, v.a. wenn Neuschöpfungen durch angesprochene Ideenlosigkeit die Akzeptanz der Bevölkerung fehlt. Und genau deshalb hatte ich die ursprüngliche Frage mit den genannten Fakten beantwortet, weil mir dieser Aspekt immer wieder zu wenig Beachtung zu finden scheint.

    Ich habe schon richtig gelesen, und im Übrigen auch nur eine Frage beantwortet, die mir mit

    Das sind individuelle Eindrücke

    nicht adäquat beantwortet erschien. Ein messbarer Fakt oder die Meinung einer überwiegenden Mehrheit ist für mich kein individueller Eindruck mehr.


    Wenn die Bürger mitreden sollen, sind Rekonstruktionen (und wenn es nur der Stadtgrundriss ist, der rekonstruiert wird) eben immer eine Option, die bedacht werden kann. Das war u.a. auch beim Neustädter Markt in Dresden so, mit bekanntem Ergebnis.

    Da die öffentlichen Nutzungen vermutlich eher großformatig sein werden, wird eine kleinteilige Bebauung höchstwahrscheinlich nicht erfolgen.

    Großformatige Nutzung ist übrigens auch kein unvereinbarer Gegensatz zu kleinteiliger Gestaltung. Ein Gebäude kann auch zwei Fassaden haben.

    Wer sagt denn, dass der Dresdner Neumark ein Riesenerfolg ist?

    U.a. die Zahlen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung bereits 2010 festgestellt hat (Hervorhebung durch mich):

    Die Frage, warum gerade der Mythos Dresden als aktiver Teil des Stadtimages vermarktet wird, erklärt sich durch seine Wirkmächtigkeit, die sich an der bereits erwähnten Steigerung der Marketingstatistik[5] ablesen lässt. Deren Auswertung zeigt, dass besonders das Weihejahr der Frauenkirche, 2005, in allen Bereichen hervorsticht und der Stadt ein enormes Wirtschaftswachstum bescherte: Sowohl die Tourismuswerte als auch der damit verbundene Umsatz wurden gesteigert, ebenso die Zahl der Einwohner, die durch die zunehmende Attraktivität der Stadt angezogen wurden. Ähnliche Entwicklungen lassen sich bei der Zahl der Firmenniederlassungen und der damit einhergehenden Umsätze und Steuereinnahmen feststellen. Die angewandte Marketingstrategie hat Erfolg, der Mythos Dresden und seine Vermarktung haben sich für die Elbmetropole als finanziell sehr einträglich erwiesen. Auf diesen mit der Entscheidung zur Frauenkirchenrekonstruktion zusammenhängenden Effekt dürften auch andere Städte hoffen, was deren Entscheidung zur Rekonstruktion beeinflusst.

    Auch generell betrachtet stoßen Rekonstruktionsprojekte und die Bewahrung oder Wiederherstellung alter Stadtbilder überwiegend auf Zustimmung in der Bevölkerung, wie z.B. der Baukulturbericht 2018/19 der Bundesstiftung Baukultur auf Seite 52 darlegt:

    Die Sehnsucht der Gesellschaft nach einem alten Stadtbild führt zudem zu einer ausgesprochen positiven Haltung gegenüber Rekonstruktionsmaßnahmen. Die Bevölkerungsbefragung zum Baukulturbericht ergab, dass 80 % der befragten Bevölkerung Rekonstruktionen historischer Gebäude befürworten. 64 % sprechen sich auch dann dafür aus, wenn das neue Gebäude nicht mehr für den ursprünglich gedachten Zweck genutzt wird.

    Was hätte man sich denn in Dresden an dieser Stelle gewünscht?

    Eine ernst gemeinte Antwort (zumindest von mir) wäre z.B. das, was die vorherige Entwurfszeichnung (wenn auch nur ansatzweise) zeigte: Das vorherrschende Motiv "Großer Bogen, kleine Bögen" harmonisch weiterführen. Wenn's unbedingt Stahl und Glas sein sollen, zeigt ja der Hauptbahnhof selbst, wie das geht (z.B. hier und hier). Ein Zitat oder eine Interpretation dieses Motivs hätte schon gereicht für ein bisschen mehr Harmonie.


    Zudem würde dem riesigen Baukörper eine stärkere optische Fragmentierung der Fassaden in Parzellengröße die Massigkeit nehmen. Man hätte z.B. im westlichen Teil die Kubaturen der früher dort existierenden Villen wieder aufnehmen und auch mal ein echtes Dach zumindest andeuten können. Außerdem könnte wenigstens im Sockelgeschoss Naturstein Verwendung finden.


    In völlig traditioneller Architektursprache und mit "mehr Verzierungen" würde der Klotz ohnehin dem Hauptbahnhof die Schau stehlen, aber so ganz als Fremdkörper muss sich das Gebäude ja nun auch nicht in den Vordergrund drängen.

    [...] wird eher der Hauptbahnhof als Fremdkörper wahrgenommen werden können.

    Wenn das mal nicht ein Zeichen für behutsame Stadtgestaltung ist. Architektur bedeutete einmal, Neues harmonisch in das Stadtbild einzufügen und nicht es zu konterkarieren.

    Man denke sich bitte mal den grünen Anstrich (im physischen Wortsinne) weg und überlege dann, wo die dann gar nicht mehr so üppig visualisierte Fassadenbegrünung entspringen soll. Da ist ja nur Platz für ein paar Blumenkästen. Das wird ein Glas-Stahl-Beton-Monster ohne nennenswerte Gestaltung und noch weniger Begrünung. Wenn auf dem "Dach" großzügige Terrassenflächen und Technikaufbauten platziert werden, wird sich auch dessen Begrünung in Grenzen halten. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber ich traue der Visualisierung und Beschreibungen bzgl. Begrünung überhaupt nicht.


    Im Übrigen schwindelt die Visualisierung dreist mit der Sonne. Wenn sie so tief, wie am linken Bildrand angedeutet, steht, wäre so gut wie alles Abgebildete im Schatten, also auch der für seinen "Effekt" auf Beleuchtung angewiesene Nachbarbau, und zwar durch die Lage (nördlich des neu zu bauenden Riegels) ganztägig und ganzjährig, außer in wenigen Vormittagsstunden im Sommer. Man kann das z.B. hier simulieren, z.B. mit folgenden Näherungswerten (per "Import" eingeben):

    Das Architekturbüro setzt, wie beim Simmel-Bau, auf unrealistische Visualisierungen und fragliche Versprechungen bzgl. ökologischer Effekte.

    Immer noch ziemlich klotzig das Ganze.

    Mir will es auch einfach nicht gefallen. Durch die einheitlichen Geschosshöhen wirken auch die (nur geringfügig) unterschiedlichen Fassaden nicht als eigenständig. Wenigstens die Eckgebäude hätten jeweils eine individuelle betonende Gestaltung benötigt. Wenn aber Flachdächer im B-Plan Voraussetzung sind, kann man auch nach oben hin nicht variieren (z.B. an den Ecken eine Mansarde und ein Vollgeschoss aufsetzen). Dabei wäre auch auf einem Plattformdach immer noch genügend Platz für die geforderte Begrünung.