Beiträge von ReinhardR

    Wie gefallen Dir denn die bisher gestalteten Grünanlagen?

    Auf der Südseite des Schlosses ist leider gar nichts.
    Am östlichen Spreearm ist die Trauerweide, die ich so recht passend platziert finde aber die doch recht einsam ist.
    Das Grün auf der Lustgartenseite geht so, wenngleich mir die Bäume zu dicht an der Fassade gepflanzt wurden.
    Wie wird das wirken, wenn die Bäume gewachsen sind?
    Die Baumgruppe an der Nordost-Ecke läßt keine Blickbeziehung durch das Sanchi-Tor auf das Rote Rathaus zu - schade!
    Ansonsten empfinde ich Bäume an dieser Stelle als eine gute Idee.

    Und da wir kein feudales Schloß mehr haben, sondern ein der Wissenschaft und den außereuropäischen Kulturen gewidmetes Museum, ist ein neuer Brunnen mit neuen Allegorien (z.B. die betreffenden Kontinente oder deren größte Flüsse) naheliegend.


    Man sollte jedenfalls nicht so tun, als ginge es um den Untergang des Abendlandes oder eine existentielle Entscheidung. Wir werden mit beiden Varianten vermutlich gut leben können. :)

    Da ich etliche Male für die Schloss-Fassade gespendet und noch viel öfter in den letzten 30 (!) Jahren Leserbriefe in verschiedenen Berliner Zeitungen "pro Schloss" geschrieben habe, kann mir die Entscheidung über den Neptun-Brunnen nicht egal sein.
    Vor allem aber ist mir nicht egal, was vor das Portal II. bzw. die Einmündung der Breiten Straße kommt.
    Mit dem Neptun-Brunnen ist klar, dass etwas passendes Schönes den Platz einnehmen wird.
    Aber angesichts der Erfahrungen mit zeitgenössischer Kunst ist das eben NICHT bei einem anderen Brunnen gewährleistet.
    Daher bin ich gegenüber anderen Lösungen als der Rückkehr des Neptunbrunnens äußerst skeptisch.


    Eigenes Foto vom 15.09.2023

    Welches der insgesamt wohl Hunderten von Gebäuden und Arealen ist ein Magnet geworden im Sinne eines Orts der ästhetischen Inspiration, der Begeisterung, der Schönheit, des Staunens?

    Ja, da hast du natürlich recht. Interessante, beeindruckende moderne Architektur findet man eher außerhalb von Berlin.
    Gebäude wie "The Cube" sind leider Mangelware. Das Kanzleramt ist sicherlich auch etwas Besonderes und ich hoffe auf den stilsicheren Erweiterungsbau - aber sonst?
    Für mich sind die größten Errungenschaften die Fassade des Berliner Schlosses und die Stadtkommandantur.
    Gäbe es die "historischen Leuchttürme" zwischen Reichstag und Rotem Rathaus nicht - was würde Berlin vom Ruhrgebiet unterscheiden? :/

    Bellmann & BöhmArchitekten hat Ende der 90er am Hackeschen Markt ein Ensemble geschaffen, das unaufgeregt, zeitgemäß und typisch ist.
    Soetwas hätte ich mir am Tacheles gewünscht, wenn schon nicht das Büro Duany & Plater-Zyberk mit ihrem "New Urbanism" zum Zuge kamen.

    Bei GOOGLE in Berlin (und wohl nicht nur hier) ist man weiter:
    Es gibt keine festen Büroplätze, jeder sucht sich einen beliebigen Platz im gemütlich-hipp gestalteten Großraum und findet dort alles, was er braucht:
    W-LAN, Strom, seinen Rolli für Papier und Speicher, Getränke und Snacks sind in greifbarer Nähe - und doch:
    die Nerds hätten lieber ihren angestammten Platz vor dem Bildschirm.
    Der Mensch denkt - GOOGLE lenkt!

    ^^ Ruinenkult? Nein, danke!
    Wir haben doch mit den Stimmanns Townhouses an der Kurstraße bzw. Niederwallstraße ein Vorbild, das sich am Molkenmarkt variieren ließe.
    Auch der Hühnermarkt / Krönungsweg in Frankfurt ist ein seriöses Vorbild.
    Poundbury, Dorchester, Dorset, Vereinigtes Königreich ist zu dörflich und kann sicherlich nicht als 1 : 1 - Blaupause dienen - aber als Anregung.

    Aber bitte, bitte nicht noch so einen Kretin mit dem Charme einer Gefrierbox wie an der Gertraudenstraße!


    Mit der Adler-Kartusche (und den Nacharbeiten w/ Orden-Dödel und Goldketten-Schließung) ist die Dekoration noch lange nicht abgeschlossen.
    Als nächstes folgen erst einmal die acht Statuen von Propheten auf die Ballustrade an der Kuppel.

    Dann sollen die Portale eins, zwei, vier und fünf ihre Statuen auf die Traufe bekommen, das wären 4 x 4 = 16 weitere Statuen + 2 Statuen auf den Eckgesimsen zur Nordwestseite hin.

    Immerhin sind das 26 Figuren, die in der Pipeline sind.


    Ferner sollen noch die Durchgänge der Portale ausgestaltet werde, wo jetzt noch roher Beton vorherrscht.

    Es wird um Spenden gebeten! :saint:

    Einen Brunnen für das Andenken an dieses Ereignis von 48 zu nutzen halte ich jedoch für unsinnig und läuft Gefahr, egal in welcher bemühten Form und Stilistik in pathetischen schizophrenen Kitsch abzurutschen.
    (...)
    Der Brunnen würde in seiner Funktion viel zu überfrachtet und seinem Verhältnis zur Öffentlichkeit zu zwiespältig geraten.

    Eine angemessene Erinnerung an die 1848er Revolution würde tatsächlich am besten an jene Stelle passen, wo die Barrikade gestanden hatte:
    an die Breite Straße in Höhe des Ribbeck-Hauses samt einer Markierung auf der Staße wie bei dem Mauerstreifen.
    Vielleicht könnte man eine plastische Gedenktafel in die Fassade des gegenüber zu bauenden Hauses einbringen?

    Ich finde den Verweis auf die Eskalation der Märzrevolotion an diesem Ort überfällig und frage mich warum das nie mit mit den Elementen der Aussen-Gestaltung wie dem hierzu prädestinierten Einigungsdenkmal des neu entstandenen Schlossumfeldes zusammengedacht wurde.
    (....)

    M.m. Braucht es hier einen Brunnen der die notwendige Balance aus formaler Repräsentation mit Beziehungsfähigkeit zur umgebenden Architektur und positiv geladene Ansprache beim Publikum beherrscht.

    Danke für diesen differenzierten Beitrag, Endell.
    Könnte inhaltlich von mir sein! ;)
    Die Märzrevolution sowie die Paulskirchen-Konferenz 1848/49 gehören mindestens so sehr wie die friedliche 1989er Revolution zum Gründungsmythos der Bundesrepublik. Auch das 1871er Nationaldenkmal zu schleifen war ein Fehler, der dem linken/DDR-nostalgischen Zeitgeist geschuldet war und völlig unhistorisch.
    Link "Nationalismus vs Patriotismus": #1

    Ich kann mir auch gut etwas sinnentleertes poppiges irgendwie vielleicht sogar schrilles vorstellen.

    Ja, was "sinnentleertes, poppiges" kann ich mir wunderbar am Alex, am Spittelmarkt, am Görli oder in der City West vorstellen.
    Aber wir haben ja schon die Einheitswippe an exponierter Stelle in 1a-Lage vor dem Eosander-Portal.
    Da wäre es doch ein fairer Ausgleich, das Historische, Edele, Schöne wenigstens an die 1b-Lage an die Südseite des Schlosses zu setzen. 8)

    Patriotismus ist nichts anderes als eine Euphemismus für Nationalismus.

    Nein, da besteht ein klarer Unterschied:
    Der Nationalismus /Chauvinismus ist nach außen gerichtet und ist mit der Überhöhung des Eigenen verbunden sowie mit der gleichzeitigen Geringschätzung der anderen Nationen und Völker.
    Der Patriotismus ist die Liebe zum Eigenen, zur Tradition, zu den geschaffenen Werten, zur eigenen Kultur und Identität, ohne andere Nationen, Völker und Kulturen gering zu schätzen.
    Ich muß das wissen, schließlich bin ich Patriot - aber kein Nationalist! :saint:

    Im Gegensatz zum historisch kontaminierten Nationalismus hat der Patriotismus ("Andere Völker achten wir, Deutschland, unser Vaterland, aber lieben wir!" Johann Gottfried Keller) stets seine Berechtigung.
    Das gilt für die Architektur im Allgemeinen wie für die Denkmalpflege im Besonderen.

    Bezieht sich hierauf. Bitte keine Patriot-/Nationalismus im Projektthread führen. Danke.


    Ja, DAS ist eine gute Idee: ein Brunnen, der an die republikanische Barrikade vom 18.März 1848 in der Breiten Straße erinnert.
    Ein fast perfekter Standort.
    Dafür würde ich sogar spenden! :saint:
    Aber bitte keine wasserspeienden Kanonen, die die Revolutionäre nass machen. Das wäre doch wirklich ZU kitschig... :P

    Hierzu folgende kleine Annekdote:
    - 18. März 1998 -

    Den 150. Jahrestag der Märzrevolution von 1848 wollten meine Freunde und ich nicht einfach so verstreichen lassen.

    Wir planten die historische Barrikade vor dem Schloss auf zu bauen und für eine (wirklich!) freie Republik zu demonstrieren.

    Aktionen in Berlin haben wir sonst immer an Wochenenden durchgeführt.
    Aber hier ging es uns um das konkrete Datum - und das war ein Mittwoch, Werktag also.
    Für uns hieß das, sich Urlaub zu nehmen und auf die Teilnahme meiner Freunde aus NRW zu verzichten.

    Wir packten alles, was man für eine waschechte Barrikade braucht, in zwei VW-Bullis und fuhren mit denen und mehreren PKWs zur Breiten Straße in Berlin-Mitte.

    In Höhe des Ribbeck-Hauses türmten wir Bretter, Paletten und ein altes Wagenrad raumfüllend übereinander.
    Eine windgezauste schwarz-rot-goldene Fahne krönte das Ganze.

    Einer der Demonstranten hatte sogar eine Flinte dabei und trug neben einem schwarzen Mantel einen Zylinder.

    Wir sangen patriotische Lieder und auch das Deutschlandlied.

    Aber die Publikums-Resonanz war mau.

    Einige Autofahrer kurvten um das Hindernis, hielten aber nicht an und schauten nur wie die Kühe, wenn´s donnert.

    Tempreaturen knapp über Null°C und leichter Schneeregen taten ihr Übriges.

    Schließlich kam ein Streifenwagen der Berliner Polizei.

    Ob wir denn eine Genehmigung für diese Demonstration hätten?

    Natürlich nicht, denn erfahrungsgemäß sickert soetwas immer zu der Kreuzberger Szene durch und wir hätten uns dann etlicher Antifanten zu erwehren.

    Die Polizei reagierte verständnisvoll(!) mußte uns aber einen Platzverweis erteilen (Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!).

    Die Ordnungshüter gaben uns eine viertel Stunde Zeit, um alles ab zu bauen und die Staße zu räumen.

    Wenn sie später wieder kämen und wir immer noch da wären, müßten sie strenge Maßstäbe anlegen.

    Schade...

    Trotz des mäßigen Erfolges waren wir guter Dinge!


    Reinhard Rupsch, Münster