Zur Versöhnung empfehle ich allen mal eine Reise nach Tel Aviv und nach Bukarest.
Beide Städte sind ein einziges Chaos, aber mit einem ganz wichtigen Faktor: Sie hatten noch keinen echten Stadtkern, als die (klassische Moderne) einsetzte und waren auch nicht hochgradig industrialisiert. Es gab also keinen Anlass, wie bei uns, eine Funktionstrennung innerhalb der Stadt vorzunehmen. In beiden Städten hat man also erstmal ein "typisch europäisches", multifunktionales Zentrum gebaut. Das geschah aber mit Architektur, die zu dieser Zeit, also den 20er und 30er Jahren, aktuell war. Bukarest hat sicher noch ein paar mehr historische Gebäude, wie wir sie in unseren Breiten kennen, ist aber an einigen Stellen maßgeblich "modern" geprägt (z.B. Bulevardul General Gheorghe Magheru). Die Architekten, die dort gebaut haben, haben oft auch eine klassischere Linie verteten (z.B. George Matei Cantacuzino, oder hier kostenlos), waren in der Formensprache aber letztlich auf dem Stand der Zeit. Durch Ihre Durchmischung sind aber eben beide Städte tolle Orte. Es herrscht ein ganz klassisches Gefühl von Stadt, es gibt öffentliche Orte, an denen man sich gern aufhält und die man erlaufen kann, Cafés, Museen, Büros, Wohnungen - alles was dazu gehört.
Das ist aus meiner Sicht viel entscheidender, als die konkrete Formensprache. Denn nur wo Menschen sind, können sie sich auch aufhalten. Eine Schlafstadt ist halt tagsüber leer, ein Büroviertel am Wochenende. Und der Mensch ist, bei allem Streit, am Ende ja doch ein soziales Wesen.