Beiträge von million

    Ballsaal im Westflügel des Weißen Hauses

    Das weiße Haus hat den Bau eines neuen Westflügels zur Nutzungs als Ballsaal angekündigt. Verantwortlich für den Entwurf sei das Büro McCrery Architects.

    Ich stell die Bilder mal hier ein, auch wenn es eigentlich ein Foto-Strang ist. Zuletzt ging es ja auch um ein anderes zukünftiges Projekts der US-amerikanischen Regierung.


    Quelle: Weißes Haus Briefings & Statements

    Das ist auch ein interessanter Beitrag zu den vielen Diskussionen hier im Forum zu Thema "klassische contra moderne Architektur".

    ^ Naja, Stefan Simon ist Konservierungswissenschaftler und damit nicht unbedingt Fachmann für HLS oder Elektro. Daher wüsste ich gern genauere Zahlen. Seine Kern-These zu dem Thema verstehe ich aber zumindest so, dass alte Gebäude robuster gebaut sind und einen großteil des Jobs (Temperatur- und Feuchteregulierung) von allein und ohne (im Betrieb teure) Technik bewerkstelligen. Da würde ich persönlich voll zustimmen. Diese Prinzipien (neu: "Einfach bauen") stehen leider nur bei wenigen großen Büros oben auf der Liste. Einzige Ausnahme ist vielleicht Baumschlager Eberle ("2226") oder hier lokal ZRS, die aber wiederum relativ klein sind. Wie dem auch sei: Erstaunlich, wenn die Neue Nationalgalerie bei dem imensen Aufwand hinsichtlich Gebäudetechnik und energetischer Optimierung von Details wirklich nicht sparsamer ist als vorher.

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    Van der Rohes Neue Nationalgalerie verbraucht übrigens nach der Sanierung noch mehr Energie als vorher... kein Wunder, wenn man sich dessen Architektur anschaut.

    Das sagt Stefan Simon vom Rathgen-Forschungslabor, aber ich kann keine konkreten Zahlen dazu finden. Hast du eine Quelle mit mehr Hintergrund? Von anderen Projekten weiß ich, dass die Einstellung der Haustechnik oft mehrere Jahre braucht, um wie gewünscht zu funktionieren. Meiner Meinung nach, sollte ein Neubau wie das berlin modern aber tatsächlich anders funktionieren (dazu gibt es ja viel Forschung in der Haustechnik -TU Braunschweig- und auch in der Architektur -TU München-).

    In Stumpfs Wikipedia-Eintrag gibt es ja ein aufschlussreiches Zitat zum Millenium Tower, das er wohl in einem Interview mit der NZZ aussprach:

    Stumpf sagte zu seinem Projekt:

    „‚Der Millennium Tower ist heute in Wien auf jeder zweiten Postkarte zu finden, aber es war nie meine Absicht, ein Wahrzeichen zu bauen‘, sagt Stumpf. Der Bau war ein Geschäft, und bei Geschäften zählt nur eines: Geld.“

    Die Frage wird sein: Was kostet der Spaß? Wer kann das refinanzieren/sich die Mieten leisten? Wie will diese Person sich/ihr Unternehmen repräsentiert sehen? Danach richtet sich die Architektur. Bzw. richtet sich natürlich nicht die Architektur nach irgendwas, sondern der Investor gibt dem Architekten eine Richtung vor bzw. holt sich einen Architekten, der seine Vorstellungen bedient.

    ^ Fragen wir doch tegula , ob er sich darüber freut ;) . Ich meine, dass der Unterschied zur Vergangenheit darin besteht, dass viele Bilder (siehe tegulas verlinkter Artikel) vorgeben, die Realität darzustellen. Das macht sie für uns ja auch so verführerisch. Und zudem, wie schon oben geschrieben: Die schier unendliche Masse, die auf Knopfdruck entsteht. Könnte Fettucine uns seine Ideen als Skizze oder gar Kupferstich präsentieren, käme man schnell auf die Idee, dass der Autor da eigene Eindrücke eingebracht hat. Durch die Eingabe verfremdender Elemente (bspw. promt: Skizze) vor der Veröffentlichung, könnte man zumindest den Trugschluss der Echtheit ausschließen. Patschkes haben bestimmt auch nicht alle Skizzen mit Hand gemacht, selbst in Sketchup gab es ja damals einen Skizzenmodus.

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    Als ich diesen Satz las, war mein spontaner Gedanke, dass man dies über die Anfänge der Eisenbahn, über die Mobiltelefone, über den Computer, das Internet, quasi über fast alle neuen Technologien gesagt hat. [...] Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Architektenschaft diese Möglichkeiten längst selbst einsetzt, um ihre Ideen umzusetzen.

    Ich verstehe deinen Ansatz und ich glaube wir denken in die gleich Richtung, was den Einsatz in Architekturbüros angeht. Mir geht es auch eher darum, dass wir mithilfe von LLMs und bildgebender KI "künstliche" Informationen schaffen, die am Ende nicht mehr als solche erkennbar sind. Fälschungen gibt es natürlich auch ohne KI, aber die Schwemme, die wir momentan erleben ist eben doch besorgniserregend und alles was einmal da ist, geht so schnell nicht weg. Eins der oben stehenden Bilder aus dem Zusammenhang gerissen, vermittelt bei Unwissenden den Eindruck die Carolabrücke (danke für deinen Artikel) wäre längst wieder in ihren alten Ausmaßen aufgebaut (oder noch schlimmer: Die stand doch 2025 noch). Die Bilder sind ja über Suchmaschinen (KI) ggf. auch ohne Zusammenhang auffindbar. Bei unseren Architekturfantasien hier ist das sicherlich alles halb so wild. Ich bleibe aber trotzdem bei der Mahnung zur Vorsicht. Mindestens im Sinne unserer Nachfahren, die die Masse künstlich erschaffener Information irgendwann mal einordnen müssen.

    Vielleicht noch zu deinem ersten Satz: Sind wir uns nicht einig, dass die eigentlich ja wundervolle Erfindung des Autos unseren Städte große Probleme bereitet, die wir heute kaum loswerden. Ich wünschte unsere Vorfahren wären mit Ihrer Erfindung vor-/umsichtiger umgegangen.

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    KI wird das Gros der derzeitigen Arbeitsplätze überflüssig machen, erst recht, wenn man sie eines Tages in Roboter verbaut. Klingt herzlos, aber Architekten sind sehr bald schon überflüssig.

    Wäre interessant zu erfahren, welche Vorstellung von der Arbeit eines Architekten dahintersteckt. Sie deckt sich vermutlich nicht mit meiner. Kann denn die KI Abstimmungen zwischen den Fachplanern, Ämtern, Bauherrn und Nutzern vornehmen (oder sind die dann auch obsolet)? Welchen Zugriff hat der KI-Index auf Normen und Verordnungen, die für Geld gekauft werden müssen und ständig wechseln? Wie geht die KI ins (sicher noch auf Jahrzehnte analoge) Bauarchiv, um den letzten genehmigten Stand eines Bestandobjektes zu analysieren? Wie überzeugt die KI die Firma, bitte doch noch ein Angebot abzugeben, damit eine Ausschreibung nicht aufgehoben werden muss und sich das Bauvorhaben wieder einen Monat verzögert? Wie koordiniert die KI eine Baustelle und zeigt dem Maler, dass er an dieser einen prägnanten Stelle noch mal drüber gehen muss? Nach meinem Verständnis ist ein Architekt ein "Mädchen für alles" im Bauwesen. Dass er Computer in allen Facetten zu seinem Nutzen einsetzt, ist klar. Vielleicht können Besprechungsprotokolle in Zukunft automatisch verfasst werden. Aufmaße lassen sich sicher auch automatisieren. Aber überprüfen muss die Arbeit dann trotzdem noch jemand, der die Materie versteht. Dass der Architekt also obsolet werden sollte, dafür fehlt mir die Fantasie. Das sind ja keine Bauzeichner.

    Interessant wäre ja dann auch die Frage, ob der Bauherr nicht durch KI ersetzt werden könnte. Aber dann können wir uns eigentlich auch (fast) alle in die Nährlösung legen und das Hirn von der KI bespaßen lassen...

    Als Anregung verlinke ich noch einen Artikel von NewsGuard, wo die Aussagen von textbasierter "KI" über längere Zeit auf Falschaussagen geprüft wurden. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden (momentan teilweise dramatisch) schlechter. Sehr aufschlussreich: https://www.newsguardtech.com/de/ai-monitor/…-informationen/

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    Wie ist es eigentlich entstanden dass irgendwann seit den vierzigern horizontale Bänder und horizontale Gliederung Vertikale Gliederung abgelöst haben?

    In erster Linie ist das eine konstruktive Frage. Im Mauerwerk lassen sich große Öffnungen nur durch Bögen herstellen. Da kann man eine Fassade eigentlich nur vertikal gliedern. Erst mit dem Aufkommen von Stahl und später Stahlbeton, wurden große Spannweiten ermöglicht. Das war eben genau die Zeit ab den 20er Jahren. Möglich wäre es vielleicht schon früher gewesen, aber die ersten Autos sahen ja auch noch aus wie Kutschen. Autos sind ein gutes Stichwort. Der aufkommenden Beschleunigung wollten manche Architekten mit geschwungenen, horizontalen Formen Rechnung tragen (streamline gab es ja als Mode auch in der Architektur). Daher findet man in dieser Zeit auch oft diese abgerundeten Ecken. Auch Glasbiegung kam meines Wissens in dieser Zeit im großen Stil auf. Passte dann gut zusammen.

    Am 18. und 19. Oktober kann man sich für 6€ über die Baustelle führen lassen. Hier gehts zu mehr Infos und zur Buchung der Zeitfenstertickets.

    Edit: Ah, das wurde schon von Merlin gepostet, habe ich beim Bilder-schauen wohl übersehen. Dann kann der Post hier weg.

    Auf deine erste Frage muss man sich vermutlich mal wieder die Gegenfrage stellen: Cui bono? Wer profitiert von der schlechten Architektur und in welcher Hinsicht? Als Antwort kann da nur der Gewinn beim Entwickler stehen. In seltenen Fällen auch der verhältnismäßig günstige Wohnraum.

    Hier mal die Meinung eines Budapesters zum Thema Rekonstruktion in seiner Stadt. Er mag den Stil auch, aber die Umstände sind nicht gut...:

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    ^ Hatte ich schon ;). Hier noch mal mit OSM-Ausschnitt:

    72o49wec.png

    Quelle: OpenStreepMaps

    Der Umweg beträgt also eher 250 m als die 60 m die Schupelius suggeriert. Naja, ist ja auch Bild... Ob die Brücke bei 250 m geeignet ist, hängt wohl vom Radfahrer ab. Auf jeden Fall wird die Fahrt durch den S-Bahn-Zugangstunnel inkl. Rampe nicht gerade für Begeisterung bei den Betroffenen sorgen.

    ^ Der Kommentar von Gunnar Schupelius in der Bild-Zeitung zielt eigentlich "nur" auf einen Punkt ab: Etwa 60m östlich der Elsenbrücke gibt es die Parkwegbrücke. Diese könnte den Radverkehr zumindest in Teilen aufnehmen und somit könnte die Radspur für Autos freigegeben werden. Der Umweg für Radfahrer hielte sich in Grenzen, die Autospuren wären aber für Räder natürlich weiterhin nutzbar, was bei Tempo 30 auch keine allzugroße Gefahr darstelle.

    Grundsätzlich erstmal schlüssig, finde ich. Und da das Kind nun schon mal in den Brunnen gefallen ist, wäre es wohl pragmatisch das auch so zu handhaben. Für mich aber verständlich, dass Jarrasch damals die Radspuren vorgesehen hat, ist ja schließlich Kernthema ihrer Partei, dafür wurde sie gewählt. Naja, am Ende können alle auf die Politik meckern, aber jeder weiß heute, dass da Stau herrscht, also ist jeder, der die Autobahnabfahrt dort nimmt auch ein bisschen selbst dafür verantwortlich. Oder fährt man als Autofahrer in Zeiten von GoogleMaps noch sehenden Auges in einen Stau?

    ^^ Das klingt nach der typischen Erzählung von der gespaltenen Gesellschaft, hier postuliert am Beispiel der Architektur. Zum Glück ist diese Erzählung von der Empirie in Deutschland nicht belegt, weshalb ich mich mit "klar herausgebildeten Lagern" zurückhalten würde.

    Welchem Lager würde ich denn angehören, frage ich mich...und finde mich in beiden wieder. Ja, zur klassischen Stadt und einer Architektur der tektonischen Sinnhaftigkeit (die aus meiner Sicht zur Schönheit führt), aber auch ja, zu modernen (und zum Teil ja auch nur wiederentdeckten) Erkenntnissen über Hygiene, Bauphysik, "Design for all" etc.. Aber nein, zu vorgehängten Fassaden aller Arten und potemkimschen Dörfern. Und da dreht sich die Diskussion dann im Kreis, weil doch irgendwie im Detail jeder seine eigenen Vorstellungen hat.

    Zur Versöhnung empfehle ich allen mal eine Reise nach Tel Aviv und nach Bukarest.

    Beide Städte sind ein einziges Chaos, aber mit einem ganz wichtigen Faktor: Sie hatten noch keinen echten Stadtkern, als die (klassische Moderne) einsetzte und waren auch nicht hochgradig industrialisiert. Es gab also keinen Anlass, wie bei uns, eine Funktionstrennung innerhalb der Stadt vorzunehmen. In beiden Städten hat man also erstmal ein "typisch europäisches", multifunktionales Zentrum gebaut. Das geschah aber mit Architektur, die zu dieser Zeit, also den 20er und 30er Jahren, aktuell war. Bukarest hat sicher noch ein paar mehr historische Gebäude, wie wir sie in unseren Breiten kennen, ist aber an einigen Stellen maßgeblich "modern" geprägt (z.B. Bulevardul General Gheorghe Magheru). Die Architekten, die dort gebaut haben, haben oft auch eine klassischere Linie verteten (z.B. George Matei Cantacuzino, oder hier kostenlos), waren in der Formensprache aber letztlich auf dem Stand der Zeit. Durch Ihre Durchmischung sind aber eben beide Städte tolle Orte. Es herrscht ein ganz klassisches Gefühl von Stadt, es gibt öffentliche Orte, an denen man sich gern aufhält und die man erlaufen kann, Cafés, Museen, Büros, Wohnungen - alles was dazu gehört.

    Das ist aus meiner Sicht viel entscheidender, als die konkrete Formensprache. Denn nur wo Menschen sind, können sie sich auch aufhalten. Eine Schlafstadt ist halt tagsüber leer, ein Büroviertel am Wochenende. Und der Mensch ist, bei allem Streit, am Ende ja doch ein soziales Wesen.

    Das ist ein absolut falsches Bild der Architekturlehre! Bitte nur einmal einer der vielen öffentlich zugänglichen Präsentationen der Semesterabschlussarbeiten beiwohnen. Dort geht es quasi nie um effizienz sondern immer um einen qualitativen Anspruch, der nur vermutlich nicht deinem/eurem und oft auch nicht meinem Anspruch entspricht.

    Es stimmt, dass moderne Bauweisen und Materialien an den Unis gelehrt werden und schon allein klassische Konstruktionen fast gar keine Rolle spielen (von deren Ausgestaltung zu Architektur ganz zu schweigen). Deshalb ist es natürlich schwer ein Gebäude mit der Anmutung von vor 120 Jahren zu erhalten.

    Aber um mal beim Beispielbild von Fettucine zu bleiben: Die Tiefgarage (oder Anlieferung oder was das ist) und deren Auswirkungen hat nicht der Architekt zu verantworten. Ebenso die kläglichen Schilder von "Einfahrt verboten" bis "Fußgängerzone". Ich will die Architekten nicht aus der Verantwortung nehmen, aber es ist, wie Murmeltier schreibt, eben kein schwarz oder weiß. Es sind viele Beteiligte von der Verwaltung die Bebauungspläne aufstellt (die oftmals politisch motiviert sind), über die Stadtplanungs- und Bauämter, die sie auslegen bis zu den Bauherren und ihren Architekten, unterstützt von Tragwerksplanern und Haustechnikingenieuren. Nicht zu vergessen die Energieberater, die maßgeblich Fenstergrößen und die davon abhängige Haustechnik "mitbestimmen".

    Guckt mal, was hier an der TU-München in der Lehre rauskommt: https://www.arc.ed.tum.de/lek/entwerfen/…and-und-dichte/

    Oder hier an der FH in Berlin: https://studiengang.bht-berlin.de/fileadmin/stud…_2024-25_BA.pdf

    Die Bandbreite ist riesig und spannend!

    Lasst uns doch die guten Sachen in unseren Städten sehen und weiterbauen. Und die schlechten Bauten umso mehr umbauen.

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    Zum Rendering geht’s hier.


    Dein Rendering hat augenscheinlich leider zwei Geschosse weniger als der "original" Entwurf. Das würde bei einem wirtschaftlich (bzw. kapitalistisch) denkenden Menschen leider durchfallen.