• ^ Die Flughäfen müssen Entgelte erheben (§ 19b LuftVG), die von der Aufsichtbehehörde genehmigt werden müssen, die Airlines müssen konsultiert werden. Die Luftfahrtaufsicht führen die Länder im Auftrag des Bundes durch (Auftragsverwaltung), im Fall BER ist es die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg. Da die örtlichen Verhältnisse und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich erheblich voneinander unterscheiden, werden die Entgelte für jeden Flughafen gesondert kalkuliert, es gibt also keine deutschlandweiten, geschweige denn einheitliche Entgelte. Sollte sich der BER bzw. die GOLBB von den gesetzlichen Anforderungen nach § 19b LuftVG abwenden und Dumping-Entgelte festsetzen, käme das einer irregulären Beihilfe für den (noch) stark verschuldeten BER gleich, was sofort die EU-Kommision auf den Plan riefe (auf wessen Betreiben auch immer). Ich würde sagen, ein bißchen Spielraum gibt es, aber der Grat ist schmal.

    Und überhaupt, es ist eine komplexe Materie, zu der es viel Rechtsprechung gibt, überwiegend von Airlines angestoßen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Man müsste Emirates dazu bringen nur dann die Landerechte zu bekommen, wenn sie vom BER auch nach Tokio, Sao Paulo, Singapur, Delhi fliegen.

    Dass Tokio, SIN und DEL geografisch völliger Unsinn sind, muss dir nicht erklärt werden, oder?

    Dekoratives Anführungszeichen

    Direktflüge in Drittstaaten sind von dem Luftverkehrsabkommen nicht umfasst und werden von Emirates (und Etihad) auch von anderen deutschen Flughäfen nicht angeboten.

    Spannender Weise gab es mit HAM-JFK ja mal einen 5th-Freedom-Flight von Emirates nach JFK, der aber 2008 nach recht kurzer Verweildauer eingestellt wurde.

  • Für Berlin als Wirtschaftsstandort ist es eher wurscht. Für den einzelnen Bürger der interkontinental ostwärts fliegt und in Dubai umsteigt gibt es vermutlich ein paar klitzkleine Preis- und Zeitvorteile. Deutschland (FRA und MUC) verliert etwas Zubringerverkehr.

  • ^Formell korrekt. Emirates und BER sind aber ein offenes Geheimnis und inzwischen u.a. von gut iinformierten Kreisen wie Brandenburger Politikern aber auch der ILA bestätigt.

    Ansonsten vermute ich, dass es dem BER u.a. mehr Prestige einbringen dürfte und gerade bei einem großen Jet auch schöne Bilder für Nerds. Für die Passagiere bringt es eine nochmal verbesserte Konnektivität durch eine große, renommierte Hub-Airline an einem der größten Hubs der Welt.

  • Ja, das ist gut für weite Teile im Osten Deutschlands, nicht allein für Berlin und Brandenburg. Natürlich wird sich diese Verbindung nicht zahlenmäßig in einem realen Wirtschaftswachstum darstellen lassen, außer in den Bilanzen des BER. Aber jede Form einer besseren Konnektivität stärkt den Wirtschaftsstandort. Haben ist besser als Brauchen.

  • Konkurrenz und Entfaltung belebt das Geschäft, es wird dem BER erstmal sehr gut tun und Werbung für andere sein.

    Wie die LH damit umgeht, muss sie dann entscheiden. Condor könnte sich durchaus auch am BER ein 2. Standbein eröffnen und Asienflieger anbieten z.B. Manila, Cebu, Denpasar.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ^Formell korrekt. Emirates und BER sind aber ein offenes Geheimnis und inzwischen u.a. von gut iinformierten Kreisen wie Brandenburger Politikern aber auch der ILA bestätigt. ...

    Das ist nicht nur formal korrekt. Die Entscheidung, welche Airline nach Berlin fliegen wird, steht noch aus. Somit können Brandenburger Politiker oder die ILA auch noch nicht informiert sein. Es warten in den VAE, einer Föderation von sieben Emiraten, noch Entscheidungen und man kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als abwarten. Bestätigt ist, dass neben Emirates auch Etihad Interesse daran hat, die Verkehrsrechte zu nutzen, bzw. zuletzt auf ein Abkommen drängte, dass mehreren Airlines erweiterte Streckenrechte zugestanden hätte. Selbst die Berliner Zeitung schreibt darüber.

    Für Berlin bzw. das fünfte Ziel im Abkommen dürfen im Übrigen keine Codeshare-Verbindungen für Zubringerflüge aus Drittstaaten genutzt werden.

    Ich persönlich hoffe, dass Emirates die Streckenrechte nutzen wird.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wie die LH damit umgeht, muss sie dann entscheiden. Condor könnte sich durchaus auch am BER ein 2. Standbein eröffnen und Asienflieger anbieten z.B. Manila, Cebu, Denpasar.

    Condor hat meine ich aktuell keine Flugzeuge die diese Strecken direkt bedienen könnten. Das müssten also 5th-Freedom Verbindungen ähnlich wie nach Hainan sein (was die Sache deutlich verkompliziert). Zumal man die Strecken vermutlich zuerst ab Frankfurt testen würde, wenn man da schon ein Zubringernetz + neues Terminal aufbaut...

    Was Emirates angeht, würde ich erstmal abwarten. Sicher nicht schlecht für den BER, nur ob das jetzt wirklich so gigantischen Mehrwert bringt, schaun mer mal. Das Thema scheint mir immer etwas emotional überhöht zu werden, aber deswegen gut dass es jetzt auch mal vom Tisch ist.

  • Die Anbindung durch Emirates wird wahrscheinlich den Preiswettbewerb in Richtung Süd-, Südostasien, und Ozeanien verschärfen und hoffentlich zu niedrigeren Ticketpreisen führen.

    Die Verbesserung der Anbindung Berlins an genau diese Regionen kommt m.E. hauptsächlich durch eine Frequenzerhöhung zustande. Bis auf Auckland und Mauritius gibt es nach meiner kurzen Recherche Richtung Asien und Afrika kaum ein Ziel, das man nicht auch aus Berlin mit Qatar erreichen könnte. Im Gegenteil ist es sogar so, dass man einige Orte in z.B. Südindien nur über Doha und nicht über Dubai erreicht.

    Allerdings macht es für den Berliner Tourismus halt einen Unterschied, ob Australier dreimal täglich von Sydney nach Dubai und weiter nach Berlin mit einer A380 fliegen können (Emirates) oder ob man von Sydney nur einmal pro Tag nach Doha fliegen kann (Qatar) und dann von Doha weiter nach Berlin. Für den Frachtverkehr ist es ebenfalls entscheidend, ob mit Emirates eine 777 oder ein A380 nach Berlin fliegt, und dies erst erlaubt, bestimmte Fracht überhaupt zu transportieren, statt wie bei Turkish eine A321 oder A330 zu verwenden.

    Mir scheint es so, dass das Verkehrsministerium gezielt zwei der größten Vorteile, die Emirates für Berlin bedeuten könnten, eingeschränkt hat. Am Ende wird der Frequenzvorteil von Emirates gegenüber anderen Airlines wieder etwas dadurch aufgehoben, dass Emirates nur einmal pro Tag nach Berlin fliegen darf. Der Emirates-Flug könnte es für kleinere amerikanische Airlines außerhalb von Star Alliance (z.B. Jetblue oder Alaska) attraktiver machen, nach Berlin zu fliegen. Laut Dunning-Kruger wurde Code-Sharing aber scheinbar ausgeschlossen.

    Was Direktflüge nach Südostasien angeht, wäre ich zunächst nicht so optimistisch. Viele genannte Orte sind von Deutschland aus nur mit einem sehr langen und entsprechend teuren Flug machbar, während die Zielgruppe preissensibel ist. Aus diesem Grund gibt es selbst aus München oder Frankfurt keine Direktflüge nach Manila oder Denpasar.

    Ich denke, Bangkok hingegen wäre etwas, was Condor in einigen Jahren, wenn diese noch mehr Flugzeuge erhalten hat, aus Berlin machen könnte. Allerdings glaube ich auch, dass die aktuelle Strategie, Berlin mit Bangkok über Abu Dhabi anzubinden, und nun auch noch die Konkurrenz durch Emirates auf der Strecke Berlin-Dubai-Bangkok erstmal nicht dafür sprechen, dass Condor zeitnah etwas in die Richtung plant.

  • Ein Codeshare wäre für Emirates (falls sie die Streckenrechte nutzen und nicht eine andere Airline aus den VAE) aus einem Drittland laut der Vereinbarung ausgeschlossen. Also zum Beispiel bei einem Flug von JetBlue aus den USA.

    Brego

    Dadurch, dass Emirates mit flydubai kooperiert gibt es ein Reihe von Umstiegsverbindungen in Dubai über das Netzwerk von Emirates hinaus, die entsprechend unkompliziert im Codeshare gebucht werden können. Dadurch ist die Zahl der Ziele, die mit einem Umstieg in Dubai erreicht werden können noch einmal signifikant größer als in Doha mit Qatar Airways.

  • Dunning-Kruger

    Vielen Dank. Das erklärt nochmal deutlich besser, warum ein Emiratesflug als eine deutliche Verbesserung der Anbindung von Berlin nach Süd- und Südostasien darstellt, trotz der bestehenden Anbindungen von Berlin an Doha und Istanbul.


    spandauer

    Das war eine etwas spekulativere Aussage von mir. Emirates hat oder hatte bis vor Kurzem mit beiden US-Airlines Codeshareabkommen bzw. Interline-Agreement. Scheinbar wurde das Codeshareabkommen zwischen Emirates und Jetblue mittlerweile beendet. Ein Codeshareabkommen würde ermöglichen, dass Passagiere DXB-BER-BOS fliegen. Die Frage ist, ob das jemand macht, wenn gleichzeitig auch DXB-BOS-Direktflüge existieren.

    Condor macht aber zum Beispiel in meinen Augen etwas Ähnliches im Winter. Obwohl man direkt aus Frankfurt nach Bangkok fliegen kann, haben sie für den Winter auch eine Condorstrecke Frankfurt-Abu Dhabi-Bangkok eingeführt, bei der das Flugzeug aus Frankfurt in Abu Dhabi zwischenlandet, Passagiere aus Abu Dhabi neu aufnimmt und anschließend weiter nach Bangkok fliegt. Dauert viel länger als die existierende Strecke Frankfurt-Bangkok, aber wenn es einen Preisvorteil gibt, scheinen das Leute zu buchen, sonst würde Condor das nicht anbieten.

    Mein Gedanke war, dass wenn Codeshares erlaubt wären, könnte ein ähnliches Modell eingeführt werden, bei dem Passagiere aus Dubai nach Boston oder Seattle in Berlin umsteigen und dabei der BER-BOS Flug sowohl ein Teil der Nachfrage aus Dubai als auch die lokale Nachfrage aus Berlin abgreift.

  • Emirates könnte heute schon DXB-BER-BOS fliegen, vollkommen ohne Codeshare. Wenn das nicht gemacht wird, gibt es zwei mögliche Gründe: Entweder haben sie in den USA nicht die entsprechenden Landerechte oder es ist wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll. Das Abkommen wird daran nichts ändern.