Leipziger Kaffeeklatsch

  • Na also, ich finde 3:35 von Leipzig nach Paris kurz genug und keinen Grund, unzufrieden zu sein. Mit der Bahn statt nach Frankfurt nach Berlin und von dort nach Paris wäre sinnvoller, das hieße eine Stärkung des BER. Das genügt, von Leipzig aus muss nicht nach Paris geflogen werden, lohnt sich ja offensichtlich auch nicht.

    Per Zug von Leipzig Hbf nach Frankfurt Flughafen zu fahren dauert etwa so lange, wie mit dem Flugzeug inkl. Umsteigen von LEJ bis nach Paris zu fliegen(also um die 3:30 h).

    Wenn ich dann auf der Bahnseite sehe, was da aktuell auf dieser Strecke schon wieder an "Es liegen Meldungen vor" aufploppt und mit welchen Verspätungen gerade gefahren wurde/wird (allein bei den letzten Verbindungen mehrfach um und über 2 h) und dass eine einzelne Verbindung heute Abend auch mal spontan ausfällt, ist der Zug keine ernstzunehmende Alternative.

    Es ist ja schon spannend genug, ob die S-Bahn-Verbindung hier in Leipzig bis zum/ bzw. vom Flughafen funktioniert (ich stand in diesem Jahr auch schon vor einer S5(X), die schlicht zu voll war, um sich noch hineinquetschen zu können) - aber das noch mit Bahn-Fernverkehr zu koppeln, wäre Russisch Roulette für Fortgeschrittene.

    Mit Blick auf die aktuelle Lage der DB dürften die Chancen für CO2-freie Flugzeuge langsam besser stehen als die für einen zuverlässigen Fernverkehr auf der Schiene. :S

  • PhilippLE Meine Wunschvorstellung war ja der Zug nach Berlin und von dort per Flug nach Paris, das wären dann in Summe auch ungefähr 3,5 Stunden. Der BER ist allerdings mit der Bahn auch erstaunlich schlecht angebunden.


    Ja, in die Bahn muss massiv investiert werden, da sind sich ja eigentlich auch alle einig. Dafür dürfen gern die Subventionen für 20 der 40 deutschen Flughäfen gestrichen und auf die Schiene umgeleitet werden, das war mein Gedanke. Aber das wird ebenso wenig passieren wie engmaschige Linienflüge ab Leipzig oder Dresden nach Paris, London etc.


    Wie so oft wird weitergewurschtelt wie bisher und ohne klare Prioritäten verharrt alles im Mittelmaß.

  • Ich denke das das Angebot durch die Nachfrage geregelt wird, und insofern keine ausreichende Nachfrage (insbes. durch Geschäftsreisende) besteht wird LEJ primär ein Flughafen für Fracht- und Ferienflieger bleiben. Und mit Frankfurt, Wien und Istanbul ist der Flughafen ja immer noch relativ gut an internationale hubs angebunden.

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    Währenddessen scheint die Nachfrage nach Zielen im Osten zu steigen, mit neuen Direktverbindungen per EC nach Breslau, Krakau und zur ukrainischen Grenze ab Fahrplanwechsel:


    b3ff6tv6.jpg

    ©DB

  • Hatte ich hier schon mehrfach geschrieben. Leipzig wird FRA verlieren. VIE und IST sind Wackelkandidaten. Es kommt sehr wahrscheinlich die Zeit komplett ohne Linie.


    Dürfte für eine Messestadt ein europäisches Alleinstellungsmerkmal werden...

  • Dürfte für eine Messestadt ein europäisches Alleinstellungsmerkmal werden

    Die Menschen, die die Leipziger Messen besuchen, kommen aus der Region. Da reichen doch Parkplätze.


    Demnächst kann man doch mit dem Zug nach Wrocław fahren. 10 Millionen sollen dort zukünftig den Flughafen nutzen.

  • Ja, es ist tatsächlich bitter. Die französischen Flughäfen in Lyon, Toulouse oder Marseille eröffnen permanent neue Linien und haben ein größeres Angebot als vor Corona. Auch der innerfranzösische Flugverkehr ist gewachsen. Obwohl einem da in Deutschland gerne was anderes erzählt wird...


    Hier wird alles vor die Wand gefahren und die Stadt wundert sich, warum es der Wirtschaft schlecht geht und man sich selber eine Haushaltssperre verordnen musste. Immerhin fallen damit jetzt auch viele unsinnige Projekte unter den Tisch.


    Yup, und als Messestadt hat meine Heimatstadt in meiner Kindheit eine Rolle gespielt. Zu DDR-Zeiten war sie noch ein internationaler Begriff. Heute hat man die Messe tief in der Bedeutungslosigkeit versenkt und feiert sich dafür noch...

  • Oh ja, der Flugverkehr nach Leipzig war zu DDR-Zeiten höchst beeindruckend und die Messe daher so bedeutend. Oder vielleicht waren andere Faktoren viel ausschlaggebender? Eigentlich bezog die Leipziger Messe damals ihre Bedeutung nicht mehr daraus, wichtiger Handelsplatz zu sein, sondern Leistungsschau des Sozialismus. Eine politische Funktion, die nach der Wende naheliegenderweise wegfiel. Das alte Konzept der Universalmesse, sicherlich atmosphärisch besonders reizvoll, war schon seit Jahrzehnten überholt, als man sich in den 90ern davon verabschiedete.


    Messen verlieren generell an Bedeutung. Umso erfreulicher, dass die Leipziger Messe keineswegs "vor die Wand gefahren" wird, sondern 2024 einen Rekord-Umsatz verzeichnen konnte. Die Messegesellschaften selbst internationalisieren sich übrigens auch längst und sind nicht nur auf ihr eigenes Gelände beschränkt.


    Im Übrigen haben in letzter Zeit 800.000 Menschen das internationale Turnfest oder 300.000 Fans die Fußball-EM in Leipzig besucht. Wie haben die nur alle zu uns gefunden?


    Über Frankreich will ich nicht urteilen, aber Leipzig kommt ganz offenkundig auch ohne viele Passagier-Linienflüge gut zurecht, die letzten 20 Jahre hatte unsere Stadt einen beispiellosen Boom. Dass es aktuell "der Wirtschaft schlecht geht" (Stagnation) und es eine Haushaltssperre gibt, hat ganz sicher andere Ursachen als mangelnde Flugverbindungen.

  • Wir wollen mal nicht erwähnen, dass eine Studie aus dem Jahr 2024, an der u. a die Universitäten Leipzig und Jena beteiligt waren, ergeben hat, dass der Anteil an Führungskräften mit ostdeutscher Biographie in diesem Land im einstelligen Prozentbereich liegt.


    Der Blick auf die gebürtigen DDR-Bürger ist nach wie vor abwertend... Und als in der DDR geborener Leipziger weiß ich, wovon ich rede. Auch wenn einem da aus westdeutscher Sicht auch heute noch immer ein klein wenig Dummheit im Alltag unterstellt wird...

  • Dazu gibt es neue Zahlen: Weniger ostdeutsche Wirtschafts-Bosse: Elitenmonitor zeigt Ungleichheit | MDR.DE


    Vielleicht ist das Problem viel grundlegender und so alt wie die Menschheit selbst: zum Zuge kommen eben oft nicht die Besten, sondern nur jene mit den besten Netzwerk-Talenten. Der Mensch ist und bleibt eben ein Rudeltier.


    Den Ostdeutschen, die in Top-Unternehmen Führungspositionen haben wollen, kann ich nur sagen: baut solche Unternehmen auf! Denn daran fehlt es in erster Linie im Osten.

  • Die mangelnden Linienverbindungen ab LEJ (und auch ab DRS) haben ihre Ursachen zu größten Teilen außerhalb Leipzigs.

    - Konzentrationsprozess der Airlines durch Übernahmen. Man vergleiche die Anzahl der Airlines in den 90ern und heute

    - Konzentrationsprozess der Airlines in den beiden globalen Gruppen (Star Alliance und SkyTeam)

    --> In Leipzig deckt die Star Alliance mit FRA / VIE / IST alle Ziele weltweit ab.

    --> eine Zeitlang war AF mit der Route CDG - LEJ aktiv, damit das SkyTeam Netzwerk. Diese Strecke florierte sogar, damals mit EMB Jets beflogen. Doch AF zog die Flugzeuge ab, als eine andere Regionalstrecke besseren Yield versprach. Das müssen die machen, denn AF-KLM geht/ging es wirtschaftlich sehr schlecht

    --> eine Zeitlang war auch KLM mit der früheren Eurowings im Codeshare hier aktiv, dito

    - Flüge gen Moskau, als der Herrscher sich dort noch friedlicher gab, scheiterten stets am Equipment und dessen Verfügbarkeit:

    --> In den 90ern flug 2 x Woche Aeroflot TU134, die hatte dann Verbot wegen zu laut

    --> Lufthansa verlängerte in den 90ern einen Düsseldorfflug nach SVO, zog das wieder zurück

    --> dann versuchte sich Sibir mit TU154, bis diese Route dem Jetbedarf ex Berlin geopfert wurde

    --> dann kam Bluewings mit A320 2 x Woche, bis diese nach wenigen Flügen pleite war

    --> dann kam eine russische Regionalairline mit CRJ200 Winzlingen, bis diese nicht mehr sinnvoll waren

    --> dann kam Pobeda mit 737-800 und endete im Überfallkrieg

    - weitere Linienflüge hatten keine wirtschaftlichen, sondern Slotgründe, wie Vueling nach Paris ORY. Nach lahmen Start wurden die A321 richtig voll, aber die Linie war nur Platzhalter um dortige Slots nicht zu verlieren

    - Vueling nach BCN wurde wieder eingestellt

    - in den 90ern flog mal SK nach Kopenhagen, da saßen manchmal nur 10 Leute drin, kurz noch MUC Air mit einer kleinen Prop-Maschine, nach einer handvoll Flügen wollte sich das keiner mehr antun

    - EL AL hatte hier richtig gute Angebote gen Tel Aviv, aber dort ist eben öfter Krisenzeit

    - Ryanair ist chronisch unzuverlässig, außerhalb deren Basen fliegen die nur, solange der Steuerzahler diese reich beschenkt

    - Darwin Air hatte sich mal versucht und mit Saab 2000 Propellerkisten ein gutes Europanetzwerk aufgebaut mit Genf, Bern, Zürich und Amsterdam. Die liefen auch gut, dann stieg Etihad ein und killte sämtliche Ambitionen, Darwin Air machte dem Namensgeber alle Ehre.


    innerdeutsch gab es in den 90ern ein dichtes Linienangebot, Kiel, Münster, Paderborn, Dortmund, Düsseldorf, Mönchengladbach, Saarbrücken, Hamburg, Bremen, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Freiburg/(Basel), Hannover, Nürnberg, Augsburg, München und Dresden wurden mehrmals täglich angeflogen. Dann besserten sich die Bedingungen auf Autobahnen und Schienen und heute ist eben nur noch Frankfurt übrig


    Im Feriensegment bleiben die Rennstrecken. Nischenziele sind alle weg, da die Airlines alle weg sind. Ohne AeroLloyd, Germania, Eurocypria und anderen kommt halt nichts besonderes. Die interkontinentalen Ziele in Kenia und der Karibik sind alle weg. Condor fliegt Fernstrecke nur noch ab Frankfurt, die LTU, welche die Karibik anbot, sehr erfolgreich, wurde von AirBerlin geschluckt und AirBerlin ging selbst pleite. Eine andere Airline gibt es nicht, welche Dtl- Karibik anbieten kann.


    Diese Liste ließe sich lang fortsetzen: Gefundene Airlines waren allzuoft selbst Problemkinder, politisch instabile Länder bringen es nicht und die Billigheimer kommen ohne Steuergeldgeschenke nicht her.


    Kleiner Trost: Für Messen usw. ist das alles nicht schlimm. Denn genau wie zu DDR-Zeiten werden dann Flugzeuge für Delegationen gechartert.

  • Die Überfallenen können das auch nicht mehr lesen, die leiden einfach darunter.


    stimmt, mit Corona war vieles weg, WIZZ nach Kiew damals ebenso.

  • ^^

    Ob das jemand hören kann/will oder nicht - es war und ist ein Überfallkrieg, nämlich von Putin auf die Ukraine. Ich denke allerdings, dass dieses Thema hier nichts verloren hat.

  • Update Bevölkerungszahl Leipzig und Stuttgart zum 30.06.2025 laut Statistischen Landesämtern:

    Stuttgart: 610.117

    Leipzig: 610.939


    Beide Städte haben bis zur Jahresmitte Einwohner verloren, Leipzig allerdings weniger, so dass Leipzig jetzt mehr Einwohner hat, was zum Jahresende sicherlich noch deutlicher vom Abstand wird.

  • ^ Dann sag das mal der Politik aber auch den Bürgern der Stadt, die z.B. am Flughafen ständig rumheulen, wenn es um Erweiterungen bei DHL beispielsweise geht. Aber auch dämliche Bundesgesetzte, die es der Wirtschaft fast unmöglich machen zu wachsen!!

  • Update Bevölkerungszahl Leipzig und Stuttgart zum 30.06.2025 laut Statistischen Landesämtern:

    Stuttgart: 610.117

    Leipzig: 610.939


    Beide Städte haben bis zur Jahresmitte Einwohner verloren, Leipzig allerdings weniger, so dass Leipzig jetzt mehr Einwohner hat, was zum Jahresende sicherlich noch deutlicher vom Abstand wird.



    Bei der Stadt selbst, ist man mittlerweile bei 631.509 EW in Mitte 2025. Diese großen Unterschiede sind ja nichts neues. Aber es sollte mal eine rechtliche Grundlage geschaffen werden. Einige Kommunen haben ja gegen den letzten Zensus geklagt. In der Argumentation gegen den Zensus, kommen schon einige Zweifel an dessen Datenerhebung auf.

  • Bis jetzt läuft es allerdings eher so mittelprächtig für die klagenden Kommunen.


    https://www.hessenschau.de/pol…nerzahlen-klagen-100.html

    https://www.ndr.de/nachrichten…tistikamt,zensus-120.html

    https://www.stadt-koeln.de/pol…ervice/klage-gegen-zensus

    https://halle.de/verwaltung-st…nd-widerspricht-landesamt

    ....


    Aber dank des wunderbaren Registerzensuserprobungsgesetzes wird der nächste Zensus 2031 aller Voraussicht nach ein Registerzensus.

    https://www.destatis.de/DE/The…gisterzensus/_inhalt.html



    30.09.2025: 631.736 Einwohner*innen mit Hauptwohnsitz laut den Daten des Leipziger Melderegisters.

    https://statistik.leipzig.de/s…le.aspx?cat=2&rub=1&per=q

  • Ach ja, das kommunale Einwohner*innenregister in Stuttgart weicht weniger stark von den offiziellen Zahlen des Landes- und Bundesamtes für Statistik ab als in Leipzig und anderswo:


    Ende September 2025: 605.417


    In den ersten neun Monaten 2025 hat Stuttgart über 3900 Einwohnerinnen und Einwohner verloren. 2024 waren es im selben Zeitraum nur 1800. Dabei betrug der Wanderungssaldo - 3597. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum - 1705.


    https://www.domino1.stuttgart.de/web/komunis/komunissde.nsf/fc223e09e4cb691ac125723c003bfb31/4e6620005e228f76c12584d300483532/$FILE/bs701_.PDF