In der kommunale Bevölkerungsvorausberechnung 2026 (https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/12_Statistik_und_Wahlen/Stadtforschung/Bev%c3%b6lkerungsvorausberechnung_2026_Leipzig.pdf ) wird die Neubautätigkeit betrachtet, wenn auch nicht direkt in die Berechnungen einbezogen:
"5.6 Neubautätigkeit
Neben den bisher dargestellten Komponenten wird das Modell der Bevölkerungsvorausberechnung für eine gesteigerte Aussagekraft um die Abbildung des Neubaugeschehens in Leipzig ergänzt. Zwar stellt die Neubautätigkeit an sich im strengen Sinne keine selbständige Komponente innerhalb der demografischen Grundgleichung (Gans, 2018) dar, aber die durch ein Bauprojekt neu geschaffenen Wohnkapazitäten können – durch das entsprechende Wanderungsgeschehen – für einzelne Ortsteile bedeutende Auswirkungen haben. Die Anzahl der durch Neubau zusätzlich geschaffenen Wohnkapazitäten mit deren angenommener zeitlicher Realisierung (vgl. Abbildung 5.12) wird vom Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig für die vorliegende Bevölkerungsvorausberechnung auf Ebene der Ortsteile zur Verfügung gestellt.
Abbildung 5.12: Angenommene jährliche Anzahl der durch Neubau geschaffenen Wohneinheiten
2026 bis 2045: Auf und Ab zwischen ca. 1.600 und knapp über 2.500 (in den Jahren 2038 und 2039) Wohneinheiten pro Jahr
Für die Bevölkerungsvorausberechnung wird die Anzahl der im Neubau erzeugten Wohneinheiten in Haushaltsgrößen übersetzt und diese mit den demografischen Gruppen besetzt (vgl. Abbildung 5.13). Grundlage hierfür sind Daten im Melderegister zum Bezug von Neubauadressen in den Jahren des Stützzeitraums. Die Bezugsstruktur von Neubauadressen ist dabei demografisch stark auf tendenziell junge Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit (und deren Kinder) konzentriert. Zwei Drittel des Erstbezugs von Neubauadressen geht durch Binnenwanderung auf die Leipziger Bevölkerung zurück, das übrige Drittel speist sich folglich aus dem Zuzug von außen (4,8 Prozent Leipziger Umland; 21,7 Prozent übriges Deutschland; 6,7 Prozent Ausland).
Leerstand in durch Neubautätigkeit erzeugten Wohnkapazitäten findet im Berechnungsmodell keine Berücksichtigung. Übersteigt der Wanderungssaldo die im Neubau geschaffenen Wohnkapazitäten, werden diese modellbedingt durch erhöhte Binnenwanderungen ausgefüllt. Um eine so induzierte Abhängigkeit der Binnenwanderung von der Außenzuwanderung zu vermeiden, wird – separat nach Variante der Bevölkerungsvorausberechnung – die Anzahl der durch Neubau geschaffenen Wohnkapazitäten dem jeweiligen Wanderungssaldo angepasst. Dabei werden die Wohnkapazitäten (proportional nach Jahr und Ortsteil) so skaliert, dass deren Mittelwert mit dem Mittelwert des Wanderungssaldos übereinstimmt. Die (Anpassung der) Neubautätigkeit hat keinen Einfluss auf die stadtweiten Ergebnisse.
Ansonsten spielt Wohnungsleerstand in der kommunale Bevölkerungsvorausberechnung keine Rolle, also auch keine Wiederinbetriebnahme leerstehender Wohnungen in Bestandsgebäuden.
Tabelle 4.1: Szenariobeschreibung Wanderungen: untere Variante
Beschreibung des unteren Szenarios
Bauen und Wohnen: Steigende Baukosten bremsen den Neubau, Sanierungen dominieren. Die Wohnraumnachfrage bleibt hoch, der Markt angespannt. Suburbanisierung hält an, doch sinkende Lebensqualität im ländlichen Raum erhöht langfristig Leipzigs Attraktivität. Hohe Mieten und fehlende Flächen führen zu mehr Wegzügen und begrenzen Zuzüge.
Gesamtentwicklung: Leipzig bleibt attraktiv, verliert jedoch an Dynamik: Eine schwächere Wirtschaft, steigende Baukosten, ein angespannter Wohnungsmarkt und geringere Zuwanderung dämpfen das Wachstum. Hochschulen verzeichnen rückläufige Studierendenzahlen, und politische wie strukturelle Unsicherheiten verstärken Ausweichbewegungen ins Umland.
Tabelle 4.2: Szenariobeschreibung Wanderungen: obere Variante
Beschreibung des oberen Szenarios
Bauen und Wohnen: Neubau und Sanierungsprojekte werden umgesetzt; die Bautätigkeit steigt, bleibt aber unter dem Bedarf. Wohnungsknappheit bleibt bestehen, wenn auch weniger stark als heute. Familien wandern teilweise ins Umland ab. Sonderregelungen im BauGB erleichtern bis 2030 zusätzliche Bauvorhaben; ab 2040/2045 ist der Markt weitgehend gesättigt, Fokus auf Bestandserhalt.
Gesamtentwicklung: Moderates, stabiles Wachstum; positive wirtschaftliche und wissenschaftliche Rahmenbedingungen; anhaltende, wenn auch schwankende Zuwanderung; Entspannung, aber keine vollständige Lösung der Wohnungsmarktlage; langfristige Konsolidierung mit weiterhin positiven Impulsen.
Die Expertinnen und Experten entwickelten auf der Grundlage dieser oberen und unteren Wanderungsannahmen anschließend die Wanderungsannahmen für die Hauptvariante. Dabei erfolgte eine fachlich begründete Einordnung des erwarteten Wanderungsgeschehens zwischen den beiden Varianten. Die Hauptvariante bildet folglich einen plausiblen mittleren Verlauf ab. Eine gesonderte verbale Ausformulierung dieses mittleren Szenarios wurde nicht vorgenommen, da dessen Positionierung unmittelbar aus der Spannbreite zwischen oberer und unterer Variante hervorgeht. Die Wanderungserwartungen für die Hauptvariante verorten die Expertinnen und Experten dabei in etwa mittig zwischen der unteren und der oberen Variante (vgl. Abbildung 4.1).