Beiträge von lguenth1

    Bei der "Neuen Johannisvorstadt" (Bebauungsplan hier, seitdem immer wieder Thema gewesen) wird es jetzt langsam ernst (Freie Presse). Ab Montag nächster Woche (24.02.) wird der Parkplatz am Tietz mit bisher 130 Stellplätzen gesperrt. Bereits ab Samstag werden an der Bahnhofstraße Bäume gefällt. Damit können ab nächstem Monat die archäologischen Grabungen beginnen. Die eigentlichen Bauarbeiten beginnenEnde dieses Jahres oder Anfang 2021.

    Die Treppen am Kunstgewerbehaus sollen bunt angemalt werden (Tag 24), das dürfte im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung laufen und finanziert werden. Es stehen fünf Varianten zur Wahl, zu denen sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Eine Internetabstimmung halte ich für so eine prägnante Lage nicht wirklich für geeignet, zumal damit der Sieger praktisch schon im Vorfeld feststeht, aber gut. Abgestimmt werden kann unter diesem Link:


    Variante 1:

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    Variante 2:

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    Variante 3:

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    Variante 4:

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    Variante 5:

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    Die Freie Presse vermeldet heute (Link), dass sich die erwarteten Baukosten für den neuen Bausbahnhof mittlerweile von 5,3 Millionen Euro auf 11,5 Millionen Euro verdoppelt haben. Ein (vermutlich eher kleiner) Teil der Mehrkosten resultiert aus der Sanierung des denkmalgeschützten Wasserturmes. Ein Fördermittelantrag ist mittlerweile eingereicht. Dass das neue Fernbusterminal an der Dresdner Straße weitere 1,7 Millionen Euro kosten wird, kommt noch dazu.


    Leider ist wohl auch diese Kostenexplosion für ein völlig sinnloses Projekt ohne wesentliche Verbesserung der Situation immer noch kein Argument, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Es könnte ja sein, dass der Freistaat irgendwann in den nächsten 100 Jahren die Fläche des jetzigen Busbahnhofes für irgendwelche ominösen Bauvorhaben haben wollen könnte, die er genausogut in der direkten Umgebung oder den Bestandsgebäuden der TU unterbringen könnte... Das erinnert mich irgendwie an das Regenrückhaltebecken in der Brückenstraße, wo man jahrelang unvermeidliche Millioneninvestitionen geplant hat, bis man es kurz vor knapp als komplett überflüssig erkannt und gestoppt hat. Dass irgendjemand im Stadtrat sich zu sagen traut, dass der Kaiser keine Kleider anhat, glaube ich aber nicht.

    Natürlich hat nicht jede innerstädtische Kaufhalle große Parkflächen, das ist dort aber wegen der großen Laufkundschaft auch nicht nötig. Der Simmel im Chemnitzer Zentrum wird aber jede Menge Parkplätze im Gebäude haben, was bei der Sanierung eines Denkmals nicht möglich ist.


    Zu den eingezeichneten Flächen:

    - Fläche über die Gleise: Viel zu weit weg. Niemand läuft so weit mit seinen Wochenendeinkäufen oder den Getränkekästen. Der Fußweg unter der Brücke wäre für die Kundenströme ungeeignet.

    - Kleinere Kreise: Viel zu kleine Parkflächen.

    - Kleines Oval unten: Offensichtlich im Eigentum eines Autoverkäufers. Wer sagt denn, dass der überhaupt verkaufen will? Und wenn, dass er sich nicht eine goldene Nase verdienen will? Zudem wird Edeka niemals investieren, wenn mit dem aktuellen Gebäudebestand hunderte Leute ihren EInkaufswagen über einen zwei Meter breiten Fußweg schieben müssen.

    - Großer Kreis: Genau dort sehe ich die beste, wahrscheinlichste und einzige Möglichkeit, siehe meinen vorherigen Beitrag. Dann muss aber die Blockade der Wegeverbindung durch Abriss der Zwischenbauten beseitigt werden, was unter Erhalt der wichtigen Denkmalbestandteile möglich sein dürfte.


    Die Margen im Supermarktgeschäft sind sehr gering, und die Kunden haben Alternativen an jeder Ecke. Man kann sich zwar alles schönreden, aber eine Investitionsentscheidung wird nur fallen, wenn alles passt. Gegen ein mehretagiges Parkhaus sprechen ganz einfach die Kosten.

    Ich weiß gar nicht, ob die letzte Erwähnung der Bibliothek der Technischen Universität in der Alten Aktienspinnerei wirklich schon so lange her (zuletzt wohl hier), aber laut heutiger Freier Presse (Link) darf man mit der Eröffnung am 1. Oktober 2020 rechnen. Damit wird der zuletzt genannte Übergabetermin April eingehalten und die TU kann dann mit dem aufwändigen Aufbau der Möbel und vor allem Umzug der Bücher beginnen.

    Es gibt für jede andere Nutzung genügend Parkplätze in unmittelbarer Nähe, aber nicht für eine Kaufhalle. Dafür ist eine zu überquerende Straße ein KO-Kriterium. Auch der Abriss des benachbarten Gebäudes wäre für mich völlig inakzeptabel - dazu braucht man sich nur das Foto unten anschauen. Was ich mir vorstellen könnte, wäre ein Abriss der nicht denkmalgeschützten Bauten zwischen Kontor- und rückwärtigem Fabrikgebäude (von dem ich kein brauchbares Foto gefunden habe), wohl inklusive der abgebrannten Bauteile hinter dem straßenseitigen Kontorgebäude (siehe 3D-Luftbild). Dann könnte man östlich eine ein kleines bisschen weiter entfernte, aber ausreichend große Parkfläche schaffen. Die paar barrierefrei überbrückbaren Meter kann man jedem Einkäufer zumuten.1024px-Zwickauer_Stra%C3%9Fe_219.jpg

    EIgenes Bild

    Es ist zwar schön, dass man sich immerhin Gedanken zur Nutzung der Wanderer-Werke macht, aber bei mir überwiegt die Skepsis. Ich lasse mich natürlich gerne positiv überraschen, aber aus folgenden Gründen sollte man solche Meldungen nur mit sehr gebremster Euphorie betrachten:


    - Der im Artikel genannte Eigentümer Falstaf aus Berlin (=Falstaf Vermögensverwaltung Berlin) hat nicht einmal eine eigene Webseite und auch sonst im Internet wenig Spuren hinterlassen, schon jemals ein Projekt einer solchen Größenordnung (oder überhaupt irgendein Sanierungsprojekt) abgeschlossen zu haben. Wer etwas anderslautendes findet, kann das gerne teilen.


    - Was man findet, ist eine Meldung zu einem Schloss in Nidda, welches von Falstaf jahrelang ohne Aktivitäten gehalten und letztlich verkauft wurde (Link).


    - Für die Finanzierung einer so gigantischen Investitionssumme, wie sie hier in Chemnitz nötig würde, bräuchte es meines Erachtens ein Unternehmen mit nachgewiesenen Referenzen.


    - Vor allem halte ich aber eine große (Edeka)-Kaufhalle für einen sehr unwahrscheinlichen Ankermieter. Denn dafür braucht man eine ebenfalls große Zahl von Parkplätzen unmittelbar vorm Eingang, die auch noch ebenerdig erreichbar sein müssen. Beides ist bei den Wanderer-Werken nicht der Fall, siehe Luftbild und Foto. Edeka wird nicht investieren, wenn die Kunden ihre Einkaufswagen bergauf und bergab schieben müssen und keine ausreichende Anzahl von Parkplätzen geschaffen werden kann. Die dafür nötigen Abrisse im Denkmalbestand dürften weder wünschenswert noch (hoffentlich) genehmigungsfähig sein.


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    Eigenes Bild

    Schon erstaunlich, dass es an der Ahornstraße 36 so lange gedauert hat, das dürfte eines der absoluten Top-Sanierungsobjekte auf dem Chemnitzer Immobilienmarkt gewesen sein. Im Vergleich mit den Bildern von (dwt), aus dem Winter 2014 zeigt sich auch, dass die Bausubstanz zumindest äußerlich trotz des urwaldartigen Bewuchses nicht gelitten hat.


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    Tag24 bietet verwertbare Informationen zum Bauvorhaben im früheren Verwaltungsgebäude der Fettchemie (Tag24 mit vielen historischen Bildern und einer Visualisierung, Freie Presse). 63 Mietwohnungen sollen im Hauptgebäude entstehen (Investitionsumme allein dafür 18 Millionen Euro), sechs weitere in der ehemaligen Fabrikantenvilla südwestlich davon. Geplant sind vor allem Drei- und Vierzimmerwohnungen mit Fußbodenheizung und Schallschutzfenstern zur Straßenseite. Zur Gartenseite hin bekommt jede Wohnung einen knapp 17 Quadratmeter großen Balkon, von wo man dann den Blick auf den originalgetreu wiederhergestellten Garten genießen kann. Die fünf Treppenhäuser werden mit Fahrstühlen ausgestattet. Verantwortlich ist die Dresdner Projektentwicklungsgesellschaft Jacob Grundbesitz GmbH. Die Fertigstellung ist für 2022 geplant. Trotz der umfangreichen Arbeiten im denkmalgeschützten Bestand soll die Kaltmiete nur 7,50 Euro betragen.


    In der mittlerweile zugänglichen sächsischen Denkmalliste kann man sogar nachlesen, dass es in dem Verwaltungsgebäude einen Paternoster gibt. Der wird der Sanierung leider garantiert zum Opfer fallen, weil die Vorschriften den Betrieb mittlerweile nahezu unmöglich machen. Ich kenne das aus einem Fabrikgebäude in meinem Umfeld, wo der Paternoster jahrelang die Attraktion schlechthin für Besucher aus aller Welt war, jetzt aber abgerissen werden musste - und das in einem industriellen Umfeld mit Zugangsbeschränkung, nicht in einem Wohnhaus.

    Auf der Webseite von Hildebrand und Partner ist es jedenfalls aufgeführt (Link), die Sanierung dürfte unzweifelhaft sein. Die Webseite enthält aber keinerlei weitere Informationen, auch bei den anderen Bauvorhaben nicht. Es ist mir rätselhaft, wie bei denen der Verkauf läuft.

    Das verfallene Verwaltungs- und Laborgebäude, welches sich hinter der ehemaligen Firmenzentrale der Auto-Union in der Scheffelstraße 110, befindet, wird bei der Frühjahrsauktion der SGA angeboten (Katalog). Der Mindestpreis beträgt 75.000 Euro. Zum Vergleich: 2009 wurde es für lediglich 8.500 Euro ersteigert (LInk). Die Frage ist, ob das eine Chance ist oder weitere verlorene Jahre als Spekulationsobjekt bedeutet.


    Man müsste wirklich mal alle über solche Auktionen versteigerten Gebäude aufsuchen und schauen, was aus denen geworden ist. Meine Liste zeigt immerhin 58 Objekte mit nachgewiesenen Sanierungstätigkeiten, was aber sehr lückenhaft sein dürfte und das Schicksal hunderter weiterer im Dunkeln lässt.


    Foto von 2014:

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    Bild: (dwt).


    Versteigert wird auch die Hauptstraße 138 in Euba mit einem Mindestgebot von 12.000 Euro.

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    Bild: (dwt).

    Die Stadt möchte an der Ecke Martin-/ Jakobstraße eine Grundschule samt Sporthalle errichten und hat dazu von der GGG ein 2.700 m2 großen Grundstück gekauft, wie die FP heute meldet: https://www.freiepresse.de/che…hulneubau-artikel10716922


    Erste Ergebnisse des Wettbewerbs gibt es ebenfalls. Der Gewinner ist O+M Architekten aus DD: https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/340561

    Ein weiterer Teilnehmer war Fried.A. Architekten: https://www.fried-a.de/portfol…ule-jakobstrasse-chemnitz

    Laut Beschlussvorlage B-017/2020 müssen noch zwei weitere Flurstücke erworben werden, die Grunderwerbskosten werden also noch über die 214.320 € steigen. Zumindest beim ersten Flurstück schiebt sich die Stadt das aber nur von der linken Haushalts- in die rechte GGG-Tasche. Ist da vom Siegerentwurf wirklich nur die Innenaufnahme zu sehen? Da der andere verlinkte Entwurf sehr ansehnlich ist, gäbe das Anlass zur Sorge, dass man bei der Preisverleihung mal wieder dnaben gelegen haben könnte.

    Mit der Errichtung einer neuen zweizügigen Grund- und Oberschule soll ein Campus nach dem Vorbild des Chemnitzer Schulmodells etabliert werden, auch eine Zweifelderturnhalle wird geplant. Als erster handfester Schritt dazu wird eine Fläche vom Bethanien-Krankenhaus erworben (Beschlussvorlage B-003/2020), die neben der Körperbehindertenschule liegt. Letztes Kahr wurde mit Beschlussvorlage B-237/2019 auch bereits die nötige Änderung des Bebauungsplanes in die Wege geleitet.

    Ich hatte keine Lust, das hier zu erwähnen, weil es sich ausschließlich um Plattenbausanierungen ohne jeden architektonsichen Anspruch handelt. Das kann und muss die GGG gerne machen, aber für die Stadtentwicklung ist es nicht wirklich erfreulich, dadurch bei absehbar stagnierenden oder zurückgehenden Bevölkerungszahlen das Angebot billiger Wohnungen weiter auf einem hohen Niveau zu halten. Es wird höchste Zeit, parallel zu nötigen Sanierungen auch wieder über Rückbau in den GGG-Plattenbaubeständen nachzudenken und damit dem ganzen Immobilienmarkt neue Möglichkeiten zu eröffnen. Ebenso wie die niedrigen Löhne in Sachsen nie ein positiver Standortfaktor waren, sind es auch die niedrigen Mieten in Chemnitz nicht. Dass es Fördermöglichkeiten für Rückbauten geben muss, zeigt das nahegelegene Frankenberg, wo aktuell überflüssige Plattenbauten vom Markt genommen werden (Beispiel 1, Beispiel 2).

    Heute habe ich im Vorbeifahren gesehen, dass an dem Industriedenkmal Neefestraße 119 ein Bauzaun stand, auch die Durchführung kleinerer Arbeiten war offensichtlich. Es wäre wirklich toll, wenn an dieser stadtbildprägenden Lage etwas passiert, das Gebäude wäre schon lange mein Wunschkandidat Nummer eins für eine Sanierung und neue Nutzungsperspektive gewesen. Aber selbst eine Sicherung wäre schon schön.


    Ein Bild von 2014:

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    Eigenes Bild

    Das hättest Du besser nicht einstellen sollen - jetzt muss ich mich wieder über eine vertane Chance ärgern. Speziell der Anschluss ans Schocken wäre durch archlab überragend gelöst worden, aber auch der Eckbau hätte einen großstädtischen Blickfang dargestellt.