Beiträge von PhilippLE

    Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) (was ein Name) zeigt jetzt by the way "einen massiven Stimmungseinbruch" bei den deutschen Immobilienunternehmen. Die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate erreichen einen Negativrekord, viele Unternehmen würden ein Kippen des Marktes mit entsprechendem Abschwung befürchten. Den größten Einbruch gibt es bei den Erwartungen zum Bürosektor, den tiefsten Wert erreicht das Wohnsegment.


    Problematisch empfunden werden vor allem die Finanzierungs- und die Kostenseite, also der Mix aus höheren Kreditzinsen und höheren Baukosten. Sicher nur ein Frühindikator und beim eher trägen Immobilienmarkt wird es dauern, bis sich zeigt, ob und wie sehr sich diese negative Stimmung auch konkret auswirkt - speziell natürlich dann hier auf den Leipziger Immo-Markt.


    https://www.iwkoeln.de/studien…er-stimmungseinbruch.html

    ^ Die Angebotsprobleme spielen sicher eine Rolle - sie treffen aber schon auch auf eine expansive Geldpolitik mit extremem Geldmengenwachstum und exzessivem Anleihenkaufprogramm. Ich befürchte eher, dass die letzten Krisen+Angebotsverknappung jetzt nur die Tropfen sind, die das Fass zum Überlaufen bringen.
    Gerade für den Euro-Raum wäre es trotzdem natürlich sehr wünschenswert, dass die Inflationsdynamik schnell nachlässt. In den USA wird ja für 2023 bereits mit einer terminal rate (maximalem Leitzins nach den aktuell erwarteten Anhebungen) von 4 Prozent gerechnet. Wie Cowboy schon schrieb - was ein vergleichbares Level für den Euro-Raum bedeuten würde, mag man sich kaum vorstellen.

    Gestern wurde übrigens die Rietzschke-Aue eröffnet:


    https://www.l-iz.de/politik/br…er-osten-eroeffnet-449038

    Wir waren am letzten Wochende mal in der Aue. Die L-IZ hat das ganz geschickt fotografiert - der einzige Abschnitt, an dem dort wenigstens auf ein paar Metern Wasser zu sehen ist (so geschätzte 5 m...), ist das Areal direkt am Abfluss. Ansonsten ist der Gewässerlauf bereits jetzt im Mai weitgehend trocken gefallen. So richtig "sichtbar und erlebbar" ist die Östliche Rietzschke da also nicht gerade. Wobei das jetzt nicht überraschend kommt - auch im oberen Verlauf (z.B. Richtung Holzhausen) fällt der Bach gerne trocken.

    4 oder 5 Prozent, wie sie noch in den 00er-Jahren üblich waren, wird es auch langfristig nicht geben, so dass auch hier die Preise weiter ansteigen werden.

    Zufällig gerade in einem aktuellen YouTube-Börsenvideo auf die Aussage gestoßen, dass die Zinsen 30-jähriger Hypoteken in den USA auf über 5 Prozent gestiegen sein sollen. Bei der Bank of America liegen sie hier bei 4,75 % (bei fixem Zinssatz), bei anderen Banken durchaus in ähnlichen Größenordnungen.

    https://www.bankofamerica.com/mortgage/mortgage-rates/

    15-jährige zumindest bei 3,75 %. Rechnet man die Kosten für anstehende Gebühren wie Hypothekenversicherungen mit, dann liegen die Zinssätze noch etwas höher. So völlig unrealistisch sind Zinsen in dieser Größenordnung (auch zu meiner Überraschung) wohl bereits nicht mehr.

    Wie geht es mit den Immobilienpreise in Leipzig weiter? Ich schätze, weiter steil nach oben, auch wenn die Crash-Propheten nicht müde werden, davor zu warnen, dass die Immobilienblase bald platzen wird. Aber das haben sie auch schon zu Beginn der Corona-Krise vor zwei Jahren vorhergesagt, und die Preise sind gerade in den letzten beiden Jahren explodiert wie noch nie. Ich sehe künftig keine nennenswerte Änderung der Geldpolitik der EZB [...].

    Die US-Notenbank hat gerade letzte Woche die Zinswende eingeläutet - allein in diesem Jahr soll es dort bis zu sieben Zinserhöhungen geben. Und schon heute hat Jerome Powell gleich noch mal verbal nachgelegt und weitere/stärkere Maßnahmen angekündigt, weil die Inflation zu extreme Ausmaße annimmt. Sollte die Inflationsdynamik in Europa weiter anziehen (zumal sie in einigen EU-Staaten noch ausgeprägter als in Deutschland ist), wird die EZB sich schon noch bewegen müssen. Einige zarte Signale gab es ja auch da schon.
    Die Interessenslage für ein möglichst langes Hinauszögern der Zinswende gibt es bei beiden Notenbanken (in den USA wohl vor allem motiviert aus Angst vor Rezession und einbrechendem Aktienmarkt, im Euroraum vor allem aus Sorge um die Staatsfinanzen einiger Länder) - aber sowohl Fed als auch EZB müssen früher oder später doch eingreifen und in Richtung Preisstabilität arbeiten.
    Mit Blick auf die weiterhin enormen Probleme bei den Lieferketten, explodierende Erzeugerpreise (https://www.tagesschau.de/wirt…preise-inflation-101.html) und die schwierige Situation mit Pandemie/Krieg wird es zunehmend unwahrscheinlicher, dass das Inflationsthema einfach so ausgesessen werden kann.
    Die großen Bauträger sind aber wohl extrem von Niedrigzinsen abhängig - kommt die Zinswende, dürfte bei vielen Projekten ganz schnell Schicht im Schacht sein. Und auch die privaten Häuslebäuer sind bei den aktuellen Preisen und den entsprechend langen Kreditlaufzeiten auf die aktuellen Minimalzinsen angewiesen. Das sieht mir insgesamt schon sehr nach einer Gemengelage aus, die mit einiger Verzögerung auch bei den Immopreisen zur Trendwende führen könnte. Ob man das dann als Crash oder längst überfällige Korrektur wahrnimmt, hängt sicher von der jeweiligen Perspektive ab.

    Nach Jahrzehnten der Verrohrung fließt die Östliche Rietzschke wieder oberirdisch durch den Leipziger Osten:

    ©555Farang

    Wobei Fließen vielleicht etwas relativ ist. Ich habe übers Jahr eher zufällig den Füllstand der östl. Rietschke bachaufwärts beobachtet (Holzhausen/Mölkau) und war überrascht, dass das Bächlein da phasenweise sogar trockengefallen ist. Aber vielleicht gibt es bis zur neuen Rietschke-Aue ja auch noch Zuflüsse, die für ein verlässlicheres Fließgewässer sorgen.

    Klagen ist ja legitim und das OVG wird den Bebauungsplan nicht ohne Grund für unwirksam erklärt haben (Urteilsbegründung konnte ich noch nicht finden, auch die LVZ wurde nicht konkret). Erstaunlich finde ich als Laie, dass die Klage erst verhandelt wird, als die Grundstücke schon verkauft und einzelne Bauprojekte bereits angelaufen sind.

    Die LVZ berichtet darüber, dass der Bebauungsplan für das neue Wohngebiet Harthweide am Zwenkauer See laut Oberverwaltungsgericht unwirksam ist. Geklagt hatten Anwohner mit ganz vielschichtigen Gründen. Der Projektentwickler Sächsische Seebad Zwenkau GmbH (SSZ) versucht zwar zu beruhigen, die privaten Bauherren und die ebenfalls betroffene Wohnungsbaugenossenschaft Böhlen zeigen sich aber betroffen bis panisch - nicht zuletzt auch, weil die Baupreise massiv anziehen und weitere Verzögerungen gerade bei den privaten Bauherren drastische Auswirkungen haben könnten.
    https://www.lvz.de/Leipzig/Lok…am-Familien-sind-entsetzt
    https://www.lvz.de/Leipzig/Lok…rthweide-am-Zwenkauer-See

    Das bestätigt meine subjektive Wahrnehmung bzw. auch, was wir von jungen Familien so mitbekommen: Leipzig ist für junge Familien in den letzten Jahren sehr viel unattraktiver geworden, da setzen regelrecht Fluchtreflexe ein. Große Wohnungen sind rar bzw. für viele unbezahlbar, Eigenheime ohnehin so gut wie unerreichbar. Dazu die leidigen Probleme mit Kindergärten- und Schulplätzen und generell das Gefühl einer immer weiter verdichteten und überlasteten Großstadt.

    Wobei der häufig genutzte Lösungsversuch aus Eigenheim im Umland + Einpendeln nach Leipzig in meinen Augen nun auch nicht gerade Erfüllung verspricht - weder für die Pendler, noch für die Stadt, deren Infrastruktur nur noch stärker strapaziert wird.

    Sanierung vom Lokschuppen wäre sicher ein Gewinn. Allerdings frage ich mich, ob der Lene-Voigt-Park mit dem wuchtigen Neubau an dieser Ecke und dem Neubau von Schule, Turnhalle und Kita auf der anderen Seite (Kitas und Schulen) nicht doch zumindest optisch eingeengter wirken wird.