Beiträge von PhilippLE

    Die Sparkasse Leipzig hat Anfang des Monats ihren Wohnmarktbericht 2023 für Leipzig und das Umland vorgestellt. Im letzten Jahr sind die mittleren Angebotspreise für Häuse in Leipzig demnach um 7,3 %, die für Eigentumswohnungen um 5 % gefallen (jeweils Bestandsimmobilien). Die Mietpreise sind hingegen um 5 % gestiegen. Man gliedert das im Bericht auch noch für einzelne Teile der Stadt und unterschiedliche Wohnlagen auf, dabei werden jeweils auch Preisspannen angegeben. Bei Wohnungen wird zudem nach Wohnfläche untergliedert. Also durchaus auch als grobe Orientierung für Kauf- und Mietinteressenten nützlich.


    Den Bericht gibt es hier als PDF:
    https://www.sparkasse-leipzig.…ht.pdf?stref=imagetextbox


    Bodenrichtwert laut BORIS ist dort aktuell 1.800 €/m². Das Grundstück ist in zahlreiche Flurstücke unterteilt, wie groß es genau ist, konnte ich deshalb auf die Schnelle im Geoviewer.Sachsen nicht klären. Aber laut LVZ sollen es etwa 1,5 ha sein, also 15.000 m². Bei 27 Millionen Kaufpreis käme man dann tatsächlich exakt auf 1.800 €/m², die Artikelaussage ist also nachvollziehbar.

    Laut LVZ wurden jetzt vier Schulgebäude aus der DDR-Zeit unter Denkmalschutz gestellt: Die Kurt-Biedermann-Schule in Schönau, die 100. Schule in Lausen-Grünau, die 120. Schule in Großzschocher und die Medizinische Berufsfachschule am Klinikum St. Georg in Eutritzsch. Drei davon entsprechend dem Leipziger Gangbautyp, die in Großzschocher dem Dresdner Atriumtyp. Dabei sieht man den Denkmalschutzwert besonders in der "baugebundenen Kunst". Die med. Berufsfachschule zeigt so beispielsweise ein Glasmosaik von Arno Rink, die Kurt-Biedermann-Schule hingegen ein abstraktes Betonplattenmosaik. Zumindest die im LVZ-Artikel abgebildeten Plattenbauschulen sind unsaniert - bei der Modernisierung wird dann also der Denkmal-Status zu berücksichtigen sein.

    https://www.lvz.de/lokales/lei…TLCFFMPIQOSD37A2S44I.html

    Der oben verlinkte LVZ-Artikel war mir gestern wegen der Bezahlschranke nicht vollständig zugänglich, wir hatten nur die Infos der Schulleitung mit Stand vom Wochenende. Mittlerweile lässt sich ergänzen, dass die Brandschutzabnahme am Neubau des Gymnasiums gescheitert ist, weil Kabel in den Decken falsch verlegt wurden - damit könnte es einen Verzug bis zum Beginn des neuen Schuljahres geben. Ursprünglich war die Betriebsaufnahme für letzten Herbst geplant (https://www.leipzig.de/news/ne…-der-prager-spitze-gelegt).

    Da weht schon ein Hauch von BER durch Leipzig.

    Das Gymnasium an der Prager Spitze ist zwar äußerlich fertig, die Schüler müssen aber aber erst jetzt erstmal eine Woche ins Homeschooling - und unter Umständen danach erstmal wieder zurück in das Oberschulgebäude, dass sie bisher genutzt haben.

    Die Brandschutzabnahme in den Winterferien hat wohl Mängel zu Tage gefördert. In erster Linie ist es ja erfreulich, dass solche Mängel auffallen und behoben werden - aber in meinen Augen schon etwas merwürdig, dass der Brandschutz bei einem Gebäude dieser Art nicht schon während der Bauphase adäquat kontrolliert wird. Das Gymnasium musste jetzt praktisch mitten im Umzug den Betrieb pausieren, wird bei einer denkbaren Rückkehr in das Oberschulgebäude aber nicht mehr oder nur sehr begrenzt auf Unterrichtsmaterialien zurückgreifen können, die bereits umgezogen sind.
    https://www.lvz.de/lokales/lei…4YJZGJNGQZRZE6B57GBQ.html

    Die LVZ hat hier noch einmal einen Artikeln zu Vorteilen des LIS-Neubaus:

    https://www.lvz.de/lokales/lei…OBVBGO3AJ5YRH2EVNMZM.html

    Demnach sieht die Stadt mittlerweile in dieser Lage keinen eigenen Bedarf mehr. Neben dem engl. internationalen Abitur wird auch das europ. Abitur in anderen Sprachen möglich sein. Der Campus in Schleußig soll in Zukunft anderweitig für Bildungszwecke genutzt werden, ein Rückkauf durch die Stadt sei im Gespräch.

    Größtes Problem für den neuen Standort soll die Verkehrsanbindung sein. Es gibt zwar die StraBa 14, aber man rechnet auch mit vielen Elterntaxis.

    Seit 2017 ist die Stadtverwaltung laut L-IZ mit der Frage beschäftigt, wie man mehr Grün in die Innenstadt bringen könnte - konkret ins das Umfeld des LWB-Carrés. Nun scheint die Planung (auch angestoßen durch eine Petition) konkreter zu werden: Es soll insgesamt zehn neue Baumstandorte geben - zwei in der Reichsstraße, drei im Salzgäßchen und fünf im Böttchergäßchen. Gepflanzt wird in zwei Abschnitten - und zwar so, dass dann bis 2025 alle zehn Bäume vor Ort sein sollen. Das wären dann "nur" acht Jahre Planung + Umsetzung für zehn Bäume. :thumbup:
    https://www.l-iz.de/politik/br…ty-zehn-neue-baume-575972

    Ich hoffe, es sind entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen geplant.

    Laut L-IZ in Mockau, also in einiger Entfernung. Da haben Vögel und Co., die in den Altbäumen leben, nicht wirklich was von. Ganz zu schweigen von den Jahrzehnten, die Neupflanzungen brauchen, bis sie die Funktion abgeräumter Altpflanzungen übernehmen können.


    Zur Artenvielfalt: Die ist mittlerweile ja gerade in den Städten höher als in weiten Teilen der Umlandes:"Städte zeigen heute einen höheren Artenreichtum als viele Flächen außerhalb der Stadt, gerade im Vergleich zur modernen Agrarlandschaft, weil in der Stadt viele unterschiedliche „Nischen“ verfügbar sind, die unterschiedliche Arten nutzen können."

    https://www.bpb.de/themen/stad…en%20nutzen%20k%C3%B6nnen.
    Das alte Bild - wir verdichten die Stadt maximal, weil wir außerhalb unberührte Natur haben, passt nicht mehr. Sicher ist es herausfordernd, Artenvielfalt als zusätzlichen Aspekt in der städtischen Planung/Entwicklung zu berücksichtigen - aber eigentlich gibt es dafür ja etablierte Verfahren.

    Wenn wir nun bei jeder Fläche die Biotop-Frage stellen, oder als neuer Klassiker eine Frischluftschneise definieren, kommen wir in der Stadt und intelligenten Wachstum nicht weiter.

    Als Bürger möchte ich mich erstmal darauf verlassen können, dass die Ämter bei Erteilung von Baugenehmigungen zuverlässig und sauber arbeiten - und das Bauherren sich dann auch an Vorgaben halten.


    Und als Gesellschaft müssen wir natürlich ausdiskutieren, wo wir Prioritäten setzen und Kompromisse eingehen wollen. Natürlich kann man sich einfach hinstellen und argumentieren: Ok, wir haben in der Ecke den Friedenspark, den Botanischen Garten und die Grünflächen an der Str. des 18. Oktobers - das muss an Natur reichen, der Rest kann weg und die Fläche muss dann auch maximal zugebaut werden ( "7-geschossiges Gebäudeensemble aus sechs Mehrfamilienhäusern sowie drei Wohn- und Geschäftshäusern"). Aber vielleicht würden sich bei einer bewussteren Planung auch Kompromisse anbieten. Warum nicht mal schauen, dass man vorrangig die alten Parkplatzflächen bebaut und möglichst viele der vorhandenen Bäume erhält? Die meisten zukünftigen Bewohner dürften den Blick in einem Baum wohl auch dem auf die nächste Hauswand vorziehen.

    Die LVZ berichtet ausführlicher über die Hintergründe der Baumfällung. Demnach muss es dort ein massives Versagen im Zusammenspiel von Ämtern und LWB gegeben haben. Die LWB waren davon ausgegangen, dass ihre Baugenehmigung vollständig ist. Die Stadt meint, dass die Naturschutzbehörde noch hätte eingebunden werden müssen - wobei wohl nur ",ggf.‘ erforderliche Einbindung“ ausformuliert war.

    Jetzt geht es um bis zu 0,5 Millionen Bußgeld gegen die LWB - die haben einfach mal so ein besonders geschütztes Biotop zermatscht. Einschätzung der Stadt besagen zudem, dass das Gelände nach Bundesnaturschutzgesetzt wohl höchstwahrscheinlich eine geschützte Ruhestätte sei - und dort sind Eingriffe generell verboten. Insgesamt scheint das ein hochgradig peinlicher und vor allem ärgerlicher Vorgang (besonders mit Blick auf die (Teil-)Zerstörung eines geschützten Biotops durch ein kommunales Wohnungsunternehmen mit scheinbarem vorhergehendem Bürokratieversagen) zu sein.

    https://www.lvz.de/lokales/lei…2D45FZTDADYQ7B2QSCWA.html

    Mir war nur im Hinterkopf, dass es da schon ursprünglich eine Auto-Nutzung gab. Ein paar Informationen gibt es hier:

    https://www.leipziger-industri…e/autohaus-johannisplatz/

    1923 bis 1931 wurde am Johannisplatz ein Gebäude für die „Autohaus am Johannisplatz GmbH“ errichtet. Für damalige Verhältnisse ein hochmoderner Stahlbeton-Skelett-Bau mit großzügiger Verglasung. Mit einem Aufzug konnten die Wagen in die einzelnen Etagen gebracht werden. Eine Tiefgarage und eine eigene Waschanlage gehörten zum Gebäude. Die Gesamtnutzfläche betrug 7500 m². Auf dem Dach gab es unter einer Glaskuppel sogar einen Tennisplatz. Vor dem Gebäude befand sich eine öffentlich nutzbare Tankstelle, eine der wenigen Tankstellen in der DDR-Zeit, die auch nachts geöffnet waren. Zu Ferienzeiten bildeten sich lange Warteschlangen bis zurück in die Talstraße.

    Zu DDR-Zeiten befand sich in dem Gebäude die Zentrale des VEB Taxi. Nach 1990 übernahm wieder ein Opel-Händler die Einrichtung. Die Tankstelle wurde geschlossen, in einem Gebäude der Tankstelle befindet sich heute ein Imbiss.

    Ende August 2017 hat der Opel-Händler die Einrichtung verlassen, weil sie nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt. Künftig sollen Wohn- und Geschäftsräume in das Gebäude kommen.

    Das zweite Beispiel ist ganz klar viel zu farbenfroh. Schulen müssen grau und trostlos gestaltet werden. Am besten auch innen mit Sichtbeton, der auf keinen Fall bunt übergestaltet werden darf, weil das sonst dem kreativen Genie des Architekten zuwider ist (so sinngemäß kürzlich der Kommentar einer Lehrerin, als ich meine alte, zwischenzeitlich erweiterte Schule besichtigt habe). 8o


    Im Ernst: Ich habe es mal von einer Architekturstudentin mitbekommen, dass sie für eine Studienarbeit tatsächlich Kinder gefragt hat, wie sie sich eine Schule vorstellen würden. Wenn man auch nur einen Bruchteil davon umsetzen würde, wären banale Würfelschulen Geschichte.

    Macht ja irgendwie auch Sinn, die Hauptnutzer einzubeziehen. Aber von den Schulbauverantwortlichen scheint da keine auf so eine naheliegende Idee zu kommen. Man könnte ja mal beim Farbkonzept anfangen und die Einbeziehung von Schülern und Lehrern dann peu à peu ausweiten.

    Möglicherweise lässt sich aber beides kombinieren: reichlich Bäume wie sie französische Boulevards säumen (das kann auch sehr "geordnet" bspw. in Doppelreihe rings um den länglichen Platz erfolgen) und eine sonnige Fläche für Veranstaltungen und Sonnenanbeter im Winter in der Mitte.

    Die Phasen, in denen wir in Leipzig eher mediterranes Wetter haben, dürften in Zukunft zunehmen - also ist es wirklich naheliegend, sich an den Erfahrungen von Mittelmeerländern zu orientieren. Ich war im Juli für ein paar Tage in Barcelona. Große, unbeschattete Plätze will man da lieber nicht betreten. Am angenehmsten war es in der eng bebauten, verwinkelten Altstadt - oder eben unter Bäumen. Nach ein paar Stunden am Strand war der Rückweg durch die platanenbeflanzte Straße im Bild ein Segen. Ganz nebenbei lassen die Bäume die baulich schlichte Straßen auch optisch gleich viel angenehmer wirken - ein Effekt, der sicher auch am Wilhelm-Leuschner-Platz nützlich sein dürfte... .

    Mindestens einige schattige Baumachsen würden in Zukunft jedenfalls für deutlich mehr Aufenthaltsqualität auf dem Platz sorgen. Und die sollte man besser jetzt schon anlegen - die Bäumchen brauchen schließlich ihre Zeit, bis sie ein nützliches Format erreichen.

    Platanen-Barcelona.jpg

    Aktuelle Zahlen zu Leipzig: Die LVZ berichtet über die Immowelt-Daten zu Immobilien in Ostdeutschland - konkret zu den Angebotspreisen von Bestandswohnungen (die wirklichen Kaufpreise können natürlich von den Angebotspreisen abweichen und Bestandswohnungen sind natürlich nur ein Marktsegment). In allen 32 untersuchten Stadt- und Landkreisen Ostdeutschlands sind die Kaufpreise im Vergleich zum Vorjahr (jeweils mit Blick auf Juni) gesunken, und zwar in den Städten tendenziell stärker als auf dem Land. In Schwerin um über 14 Prozent, in Erfurt um über 12 Prozent und in Dresden um über 10 Prozent. In Leipzig war der Rückgang moderater, hier gaben die Preise um 6,3 Prozent nach - von 2.651 auf 2.484 Euro pro m².


    https://www.lvz.de/lokales/lei…OGTNC57MNTP2G6FDMGVA.html

    https://www.immowelt-group.com…ten-um-bis-zu-14-prozent/

    Das statistische Bundesamt hat heute über die Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien im 1. Quartal 2023 informiert. Demnach gab es bundesweit den stärksten Rückgang seit Beginn der Zeitreihe (immerhin im Jahr 2000). Gegenüber dem Vorjahresquartal ein Rückgang um 6,8 Prozent, allein -3,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

    In den Städten gingen die Preise dabei sogar stärker zurück als auf dem Land, mit den größten Preisrückgängen in den Top-7-Metropole. Die Hauspreise (Ein- und Zweifamilienhäuser) gingen da zweistellig um 10,4 % zurück. Separate Zahlen für Leipzig (keine Top-7-Metropole) habe ich allerdings nicht gefunden.

    https://www.destatis.de/DE/Pre…23/06/PD23_245_61262.html


    Gestiegene Finanzierungskosten und Inflation schlagen bundesweit betrachtet also sehr deutlich zu - wenn auch wie es zu erwarten war mit einer gewissen Verzögerung. Bei absehbar weiter steigenden Zinsen wäre es überraschend, wenn sich dieser Trend schnell umkehren würde.

    Die Stadt hat heute mitgeteilt, dass der Bebauungsplan für den Leuschnerplatz steht. Der OB hat ihn bestätigt, im Juli ist noch der Stadtrat dran.
    https://www.leipzig.de/presse/…3411846d2450b5065e1d12077
    Verwiesen wird darauf auch noch auf eine Extra-Seite zum Platz, die aber wohl schon länger online ist:

    https://www.leipzig.de/bauen-u…e/wilhelm-leuschner-platz

    Auch die LVZ berichtet heute zum Thema:

    https://www.lvz.de/lokales/lei…ZDNRCVTEAEHYP3KJVGPQ.html

    Dabei kommt auch der OB zu Wort: Ihm zufolge wird die weitere Entwicklung des Platzes sich noch etwa "zehn, zwölf Jahre" hinziehen. 20 Prozent der Geschossfläche sollen Wohnraum werden, bei den KFZ-Stellplätzen visiert man 25 Prozent der sonst üblichen Stellplätze an. Der westliche Teil bleibt wie bekannt unbebaut als mindestens 3000 m² große "Klimainsel". Max. 3.500 m² gibt es für das Freiheits-und Einheitsdenkmal - der künstlerische Wettbewerb dafür ist für Q1 2024 geplant. Im besten Fall könnte es zum 9. Oktober 2024 das Wettbewerbsergebnis geben.

    Vielmehr sollte darüber nachgedacht werden (und das wird es sicher auch), welche Personen für welche Situationen einen PKW benötigen.

    Wer soll das und nach welchen Kriterien festlegen? Es wird da immer Grenzfälle geben. Wir haben z.B. in der Familie eine Person, die eigentlich jung und fit ist, nach einem Wirbelbruch aber nur noch max. 10 kg tragen darf. Da wird der Wocheneinkauf dann eben mit dem Auto erledigt - und die Fahrt zur Arbeit, bei der oft auch einiges an Arbeitsmaterialien transportiert wird, genauso.

    Man darf imho auch nicht zu sehr aus der eigenen Bubble denken und das Konfliktpotenzial unterschätzen (und das sage ich als jemand, der für sich ganz klar die autofreie Stadt befürwortet - mir ist aber eben klar, dass das meine subjektive Perspektive ist).
    Dieser LVZ-Artikel zum "Superblock" (https://www.lvz.de/lokales/lei…KKKNA3DFI6KZAYXXVNC4.html) hat das imho ganz gut exemplarisch ausgeleuchtet. Da gab es zwar eine Initiative vor Ort, ein beachtlicher Teil der Bevölkerung wurde aber vor vollendete Tatsachen gestellt und entsprechend kommt es nun zu Konflikten - z.B. weil Händler Probleme mit Belieferung haben oder um einen Teil ihrer Kunden bangen. Wobei hier auch die Verwaltung eine Mitverantwortung trägt, die das ganze Vorhaben erst auf Eis zu legen schien und dann regelrecht über Nacht doch genehmigt hat. Zeigt imho deutlich, wie wichtig es ist, möglichst große Teile der Bevölkerung einzubeziehen und mitzunehmen.

    Ich wiederhole es nur, vielleicht fällt den Vieren dann noch auf, dass wir die letzten Jahre sehr niedrige Zinsen hatten und sie auch aktuell niedriger sind als in noch früheren Zeiten.

    Ja, natürlich waren die Zinsen die letzten Jahre extrem (eigentlich absurd) niedrig. Aber genauso klar ist doch auch, dass sich die Bauwirtschaft daran gewöhnt hat und diese nun überholte Zinssituation auch als Grundlage für Kalkulationen genutzt hat. Mit "Verzocken" hat das weniger zu tun - zumal der Zinsanstieg gerade in dieser Schnelligkeit schon ungewöhnlich ist. Dass daraus mindestens Anpassungsprobleme entstehen, liegt auf der Hand.

    Gilt genauso für private Häuslebauer, deren Finanzierung jetzt platzt bzw. die bei laufender Finanzierung Probleme bekommen, wenn die Zinsbindung endet (wobei es für mich nicht sehr weitblickend wirkt, wenn man sich die Zinsen in einer Niedrigzinsphase nicht möglichst für die gesamte Rückzahlzeit sichert).


    Dass Gröner natürlich in eigener Sache argumentiert und die Lage wohl auch zugespitzt beschreibt, sollte klar sein. Klappern gehört halt zum Handwerk. Größere Teile seiner Argumentation finde ich aber durchaus nachvollziehbar und zumindest bedenkenswert. Die Frage, die sich mir stellt, ist dann eher, wie notwendig es für die Gesellschaft ist, Wohnungsbau zu forcieren (mit entsprechendem finanziellem Engagement des Staates/Steuerzahlers) oder ob man nachlassende Bauaktivitäten nicht doch hinnehmen sollte und darauf setzt, dass sich so das Leerstandsproblem in Kleinstädten/im ländlichen Raum abschwächen könnte.


    Mit Blick auf das Grundstückthema: Wer als Investor dafür einen (zu) hohen Preis bezahlt hat, wird vermutlich erst einmal abwarten, ob bzw. wann Bauen wieder attraktiver wird. Was diese Grundstücke in Zeiten des (lokalen) Wohnungsmangels längerfristig dem Markt entzieht und damit zum Problem werden kann. Der Staat kann dann versuchen, Bauen attraktiver zu machen - oder aber den Besitz von unbebauten Baugrundstücken so zu verteuern, dass ein Verkauf regelrecht erzwungen wird. Wobei sich auch danach erst einmal jemand finden muss, der dann wirklich baut.