Beiträge von hedges

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    Wenn davon die Rede ist, man müsse endlich "aufwachen", wüsste ich schon gern konkret, wer da aufwachen soll und auf welche Weise.


    Im Übrigen werde ich nicht müde zu betonen, dass Leipzig auch schon mal gut 100.000 Einwohner mehr hatte als heute - bei weniger Eingemeindungen als heute. Natürlich ist es richtig und gut, dass der Wohnkomfort gestiegen ist, aber vielleicht ist es an dieser Stelle auch mal angebracht, manch Anspruchshaltung zu hinterfragen.

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    Gut, dass du nicht müde wirst drauf hinzuweisen. Nur werde ich müde, diesen Vergleich permanent zu hören. Durch das ständige argumentieren dessen, wird es nicht richtig.

    Ich frage mich halt, was der Vergleich mit der EW-Zahl von 1933 mit rund 750.000 so relevant für unsere heutige Zeit macht? Da liegen nicht nur 90 Jahre dazwischen sondern auch ein WK mit erheblicher Zerstörung an Wohnraum und ein sozialistisches Regime welches durch finanzielle Not die Jahrhundertwende-Viertel in Leipzig ausbluten ließ. Weder sind die Gebäude aus der Höchstzeit alle stehengeblieben und warten auf neue Mieter noch wäre die Stadt mit einer ähnlich hohen Bevölkerungsdichte, heute lebenswert und sozialverträglich.

    Dazu ist der Verweis zu den Eingemeindungen der 1990er und frühen 2000 Jahre immer recht merkwürdig. Das hat sicher Strukturdaten verändert, keine Frage. Es wurden mit den Eingemeindungen auch keine Agglomerationen dazu genommen welche mit der Fläche auch vergleichbare EW dazu gezogen haben. Sondern Vor-Ort-Strukturen welche der Zeit bis 1933 ähnelten. Kleinstädte und Dörflich sowie riesige Agrarflächen.

    Darüberhinaus der Fakt, dass da auch Eingemeindungen stattgefunden haben welche entweder erhebliche Industrie- und Verkehrsflächen mitgebracht haben oder dazu genutzt wurden. Mal ein paar Beispiele: Seehausen? Neue Messe und neue Industrie wie zB BMW-Werk. Böhlitz-Ehrenberg? Industrieviertel mitgebracht und neue Wohnviertel gebaut oder geplant. Lützschena/Radefeld (Südlich)? GVZ und neue Industrie sowie Porsche-Werk. Lindenthal? Neue Wohnviertel gebaut - direkte Nachbarschaft zu den Jobs rund um den Flughafen und sowie Porsche-Werk. Oder mal Holzhausen? Die größte Kardiologische-Intensivstation in Europa durch das Herzzentrum. Engelsdorf/Sommerfeld? mit dem Paunsdorf Center das zweitgrößte EKW in Deutschland. Oder mal Hartmannsdorf am Zwenkauer See? Könnte denn Leipzig die Entwicklung der Seen komplett auf zig kleine Kommunen verteilen und denen überlassen?


    Ich weiss also nicht, was das hin- und herschieben von 90 Jahren an Veränderungen dann irgendwie anders macht beim EW-Wachstum und die direkten Effekte für einzelne Familien oder Personen welche eine Wohnung brauchen diese aber nicht bekommen?

    Wobei der reine Vergleich von Anstieg der Einwohnerzahl und Entwicklung des Wohnungsbestandes irreführend ist, weil Leipzig 2010 noch einen beachtlichen Leerstand hatte. Und wenn im Wohnungsbestand auch die damals nicht marktaktiven Wohnungen enthalten waren, die seitdem massiv saniert wurden, wird es noch weniger verwunderlich.


    Und: Nicht jeder einzelne Mensch, der seit 2010 dazukam, braucht auch eine eigene Wohnung (Familien, Paare, Kinder...).

    Ich will den Mangel damit nicht kleinreden, sondern nur den Sinn für statistische Tücken schärfen.



    Sicher ist der prozentuale Anstieg von Bevölkerung und der Anzahl gebauter Wohnungen nicht 1 zu 1 übersetzbar. Klar! Dennoch ist der Faktor des Bevölkerungswachstums alleinig an einer Zuspitzung des Wohnmarkts verantwortlich. Die Dichte an EW steigt ja auch wieder merklich an.

    Ich habe selbst erlebt, wie in einigen Vierteln die Bewerbungen für eine Wohnung in den dreistelligen Bereich gehen. Oder wie mittlerweile selbst in Grünau Gruppenbesichtigungen für Einraumwohnungen nicht unnormal sind. Auch habe ich direkt von Wohnungsgenossenschaften bestätigt bekommen, dass sie in manchen Vierteln keine einzige freie Wohnung haben und nur regulärer Mieter*innen-Wechsel ein kurzes Fenster öffnen. Oder bestimmte Wohnungsgrößen generell sehr schwer zu bekommen sind.


    Es ist mitnichten eine vergleichbare Situation wie in München, Hamburg, oder Berlin. Aber dennoch gibt es mittlerweile stärkere Einflussfaktoren auf soziale Gruppen. Sicher bringt es auch nichts, die Situation so gegen den Baum zu fahren wie Berlin, was aus München und Hamburg gefühlt so ein gar nichts gelernt hat in den letzten 30 Jahren.

    ^ ja das hat mich tatsächlich auch überrascht. Klar war seit den letzten fünf Jahren, dass sich der Wohnungsmarkt in Leipzig ziemlich verschärft hat. Aber jetzt nahm das schnell mitunter schwierige Züge an.


    Das hat natürlich viel damit zu tun, dass der Wohnungsbau primär in privater Hand verbleibt sowie bei den großen Projekten fast gar nichts passiert. Die wenigen Wohnungen von Genossenschaften und der stadteigenen LWB bleiben mehr oder minder nur Lückenfüller. Und wenn solche neuen Stadtteile welche von der Stadt selbst geplant werden - wie Thekla - schon alleine wegen Genehmigungsverfahren nicht vor 2028 starten können, brauchen wir uns mittlerweile auch in Leipzig nicht mehr wundern. Oder auch kleine Grünflächen zwischen Straßen und Parkplätzen als Biotope verorten.

    Wird das einen Nachteil für die Wirtschaft und Zuzüge in der bzw. in die Stadt bedeuten? Nein, natürlich nicht. Aber es verschärft eben soziale Situationen für die Stadtgesellschaft. Und obendrein fördert es den Suburbanisierungsprozess, welcher durch den völlig unzureichenden ÖPNV im Ballungsraum eben auch primär vom Auto getragen wird.

    So etwas vermietet sich gut:


    "Bereits 80 [von 131] Wohnungen wurden innerhalb von lediglich drei Wochen vermietet, innerhalb von sechs Wochen sind wir nur knapp von der Vollvermietung entfernt"

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    Man muss sicher auch die Gegend betrachten. Eigentlich war/ist der daneben gehende Parkbogen-Ost als eine Reaktivierung und Initialisierung für eine Weiterentwicklung von Teilen des "Leipziger Ostens" und nun entwickelt sich da einiges auch so und die Nachfrage ist da.


    Die Bilder des sanierten Zustands zeigen aber auch klar die Notwendigkeit einer Veränderung der Platzsituation davor, was ja passieren wird.

    ^^ ja gut, es sind ja bei den Bildern nur vier sanierte Gebäude dabei. Wobei ich nur die Ungerstraße nicht gut finde, hier aber anscheinend auch kein Denkmalschutz besteht und ein ruinöser Vor-Zustand herrschte. Aber der Blockrand bleibt.


    Die Beuchaer-, Zwenkauer-, und Windorfer Straße sind allesamt detailliert saniert. Ich sehe da keine Traurigkeit. Die restlichen gezeigten Gebäude sind ja noch nicht saniert.

    Dass der Radweg beidseitig genutzt wird ist erlaubt. Ist aber vor allem ein Resultat der kaum vorhandenen Querungsmöglichkeiten - ganze zwei zwischen Kollwitz- und Karl-Tauchnitzstrasse.



    Das mit den vier Fahrstreifen nur für Autos im Zusammenhang mit einer Großstadt ist eigentlich Unsinn. Paris mit 12 mio. und London mit 9 mio. EW gehen ganz andere Wege bzw. haben wie London im Zentrum kaum Möglichkeiten zu vier Fahrstreifen. Das ist in der kleinen Großstadt Leipzig sicher kein Problem.

    Der eigentliche Westplatz, zwischen Westvorstadt und Bachviertel, wird erneuert. Neben Zerreiche und Judasbäumen sollen auch Rosen- und Bodendeckerpflanzen drauf kommen. Dazu Bänke. Damit soll der Platz mehr Aufenthaltsqualität erzeugen und für Verschattung in den Sommermonaten sorgen.


    Dennoch schade, dass hier nicht gleich eine bauliche Vorbereitung auf einen Eingang in die verkehrsberuhigte Zone der Kolonnadenstrraße erfolgt. Das betonierte Gleisbett der Tram sowie die Möglichkeiten der Überquerung vom Platz aus, sind eigentlich nicht vorhanden. Nur via Tram-Haltestelle, was absolut unzureichend ist.

    Tatsächlich bin ich immer noch nicht vom Siegerentwurf überzeugt. Die gewollte Kleinteiligkeit und kleinen Räume, mit zB. Spiel- und Sportplatz, machen den zukünftigen Platz eher zu einem Quartiersplatz. Dieser könnte genau so in einem Wohnquartier stehen. Was grundsätzlich natürlich eine Gestaltungsentscheidung ist. Ich aber nicht denke, dass es dort passend ist. Mir fehlen trotz genauerer Visualisierungen immer noch Beziehungen zur Lage des Platzes an der Ringstraße und den Gebäuden. Auch dabei ist der Bruch eine bewusste Entscheidung. Aber für mich nicht stimmig. Mir fehlt einfach eine Stadtraum bezogene Weite und Sichtbeziehungen.




    PS: die Baumgruppen-Bezeichnungen sind hoffentlich nur Platzhalter.

    [...] Dass Leipzig neben dem Augustusplatz weiteren Bedarf für einen großen steinernen Platz hat sehe ich nicht. [...]


    Was so überhaupt nicht korrekt ist. Es gibt einen sehr großen Bedarf an einem weiteren größeren Stadtplatz in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt bzw. in der erweiterten Innenstadt. Das wird so auch vom Marktamt bestätigt. Da durch die vielen Veranstaltungen etc., Märkte usw. immer wieder ausweichen müssen. Darüberhinaus ist es auch nicht unbedingt förderlich für ein Stadtgefühl, wenn eine unbestimmte Nutzung von öffentlichen Platzflächen durch die zigste Veranstaltungsphase verhindert wird. Der Markt zB ist ja gefühlt über Monate zugestellt. Mit dem Augustusplatz sieht es nicht so sehr anders aus.

    ^ die Zahlen basieren auf 2020 und es wird auch explizit davon gesprochen, dass es schwer valide ist durch unerwartete Dinge wie Konflikte etc. Basierend auf 2020 wäre ein 10% -iges Wachstum keine 680.000 EW bis 2040. Da wir gegenwärtig laut Kommune bei schon fast 630.000 sind, halte ich so ein Wachstum über die nächsten 15 Jahre für deutlich zu gering. Selbst wenn der suburbane Raum stärker wachsen sollte.

    ^ es gibt halt auch Stadtviertel in Städten der Niederlande, Belgien, und Frankreich welche ich zwar als durchsaniert aber völlig tot erlebt hatte. Weil durch die Not an Wohnungen selbst alle Ladeneinheiten zu Wohnungen wurden. Da wirken bauliche Strukturen, Grünanteil, Fahrradmobilität grundsätzlich stimmig und wohltuend. Aber es fehlt an Lebenssituationen die außerhalb des Privaten und der Notwendigkeiten stattfinden. Hier und da mal ein Café/Bar/Kneipe. Aber mitunter einmal unter etlichen Blocks.


    In Leipzig hat man sich ganz klar auf genau diesen Weg gemacht.

    ^ und ^^


    Einer nachträglichen Einordnung einer Fahrradstraße in dem Viertel stünde ja nichts im Wege. Schlimmer finde auch ich die Planung des Parthe-Radwegs. Keine Ahnung wie lange man noch versucht, Fahrradachsen innerhalb der Stadt so mit Hindernissen zu planen. Eine gute und schnelle und primär auf Radverkehr angezielte Lösung zwischen dem Nord-Westteil der Stadt und dem Nord-Ostteil der Stadt, sieht anders aus.

    Die Formulierung "ungenügende Arbeit" finde ich nicht recht passend, wenngleich auch ich mit den fehlenden Ladenflächen unglücklich bin. Wer soll hier eine schlechte Arbeit gemacht haben?

    [...]


    Naja "ungenügend" ist ja nicht durchgefallen. Ich kann deine Aufzählung auch nachvollziehen und vielleicht unter einer Art Realpolitik verorten. Aber dennoch ist der Entwurf in der Anordnung/Aufteilung des EGs und dementsprechend im Gesamtbild sowie städtebaulichem Kontext auf der Platzkante, eine entstehende Schwachstelle auf dem Waldplatz. Ohne Gastro- und Einzelhandelsflächen als das Optimum zu bezeichnen, ist eine dortige Fläche auf der Sonnenseite, mit einer gewissen Verkehrsberuhigung und als Anlauf des Viertels wie auch zu Events bei dem benachbarten Sportforum, diesbezüglich dann irgendwie ein "no-brainer".

    hedges ^^

    Die Kleinmesse soll erhalten werden, indem ein Parkhaus im Bereich der jetzigen RB Leipzig Geschäftsstelle gebaut werden soll. Dadurch wird die eigentliche Kleinmesse nicht für Parkplätze benötigt und kann dort verbleiben. [...]


    Die jetzige Kleinmesse soll ab 2025 maximal nur noch zu Spielpausen der Bundesliga stattfinden können. Das wäre also einmal pro Jahr und würde schon die traditionelle Namensgebung konterkarieren. Es müsste sicher ein anderer Standort gefunden werden.

    Die Zeppelinbrücke ist ein Denkmal. Sie ist stadtbildprägend und infolge ihrer Erstürmung durch die US-Armee von zeitgeschichtlicher Bedeutung (Capa-Foto „Last man to die“).


    Wünschenswert fände ich eine Rekonstruktion der Brückenhäuser und der Gestaltung der Pfeiler. Siehe hier.


    Eine ergänzende zweite Brücke ist vielleicht sinnvoll und möglich.



    Die neue Zeppelinbrücke war als eine Verbreiterung inklusive der Wiederherstellung der vorhandenen/historischen Außenseiten geplant. So wie es die damalige Planung der König-Albert-Brücke auf der Heine Straße vorsah. Beides wurde aus - einen Tusch - Kostengründen abgesagt.

    Ich finde eine weitere, eine Ergänzungsbrücke über das Elsterbecken am Stadion für kaum sinnvoll. Wäre man die Zeppelinbrücke konsequent und nach der ursprünglichen Planung angegangenen. Die Fußwege sind zu dort bisher viel zu schmal, auch jetzt mit der schon passierten Entnahme des zweiten KfZ Fahrstreifen je Fahrtrichtung. Außerdem hätte man die Einmündungen der Brücke auf den beiden Seiten verbreitert und als öffentliche Aufenthaltsflächen mit Ausblick gestalten können. Rekonstruierte Brückenhäuser mit Café/Verkauf hätten das Ensemble von weiten und öffentlichen Aufenthaltsflächen abrunden können. Ohne groß einen weiteren Eingriff in den Ufer- und Baumbestand vornehmen zu müssen. Außerdem hätte es dem Nutzungsanspruch der dortigen Flächen, welcher jetzt schon hoch ist, Rechnung getragen.

    Auch mich wundert der Ausgang des Wettberwerbs. Das ist ja nun tatsächlich eher eine Parkfläche als Fortsetzung der Lenné-Anlage als eine Platzfläche die die Freiflächen des Eingangs der Petersstraße fortsetzt. Ich dachte, dass die Stadt eigentlich eine weitere Platzfläche für Veranstaltungen braucht und hätte mir den Siegerentwurf in seiner Art eher an einem neuen Bayerischen Platz vorgestellt.


    Ich hätte mir hier dann doch eher eine große Platzfläche gwünscht, welche in Richtung Peterssteinweg mit mehr und mehr Bäumen bestückt verdichtet wird. Aber zB. vom Standort der neuen Bebauung eine Sichtachsenbeziehung des großen Platzes zum Neuen Rathaus und St. Trinitatis zulässt. Nun ist es eine völlige andere Interpretation und Umsetzung. Was nicht schlechter oder besser ist.

    ^ ja genau. Wenn mehrere Büros eingegliedert werden und sich auf einen bestimmtes Standort-Parameter einstellen und spezialisieren, dann wären passende Integrationen in den jeweiligen Stadtraum möglich.