JA, die Projektphase war sehr interessant:
- im Flächenutzungsplan 1992 wurden zwei getrennte TunnelröhrenSYSTEME dargestellt, eines Nahverkehr, eines Fernverkehr.
- Ab 1995 oder 1996 wurden die Planungen vertieft fortgeführt, schon damals auf ein Tunnelsystem (2 Röhren) eingedampft.
- Der in Aussicht gestellte dichte S-Bahntakt sorgte für Unglauben in weiten Teilen der Bevölkerung und Verwaltung ob des Bedarfs
- Das einzig tonangebende Medium, die LVZ, stellte die Verbindung (fast) immer nur als Abschnitt zwischen den beiden Kopfbahnhöfen dar, deren Grafikerin Frau Teske, bestärkte deshalb die irrige Annahme, es ginge um eine Pendel-U-Bahn. So dass der Sinn angesichts vieler Straßenbahnlinien konsequent infrage gestellt wurde.
- 1997/8 stellten Die Grünen und Die Linke unabhängig voneinander oberirdische Alternativen vor, basierend auf den Erfolgen in Karlsruhe und Saarbrücken. Die Spurweitenproblematik wurde als "wird noch zu lösen sein" und "kann mit speziell gedrehten Radsatzprofilen ignoriert werden" gelöst.
- Da der Ring straßenbahnseitig bereits voll war/ist, wurde für die Regio-Tram ein weiterer Ring entlang Goethestraße und ex-Strecke zwischen Uniriesen und Gewandhaus angedacht, zuzüglich komplizierter Kreuzungen mit der bestehenden Bimmel.
- Es wurde sachlich debattiert und die Planungsgesellschaft des S-Bahntunnels ließ die Ideen prüfen. Die Prüfung fiel erwartbar negativ aus. Vor allem die hochkomplexen Anlagen und die geringe Kapazität waren Gründe für das Aus
- Danach wurde das S-Bahnnetz weiter geplant und auch als Finanzierungsbaustein ein Fernverkehrszug stets mitgeschleift.
- 2001 wurde vom bis dato favorisierten Dosto-Triebwagen auf einstöckige Fahrzeuge umgeschwenkt, Normkapazität rund 500 Fahrgäste.
- 2002 wurde angesichts gestiegener Projektkosten eine Optimierung durchgeführt, zwischen Markt und Bayerischen Bf. die Gradiente um ca 2,5 m angehoben. Die Archiekten der Stationen waren stinksauer in nun niedrigeren Räumen einen Entwurf umzusetzen. Am Leuschnerplatz war ja ursprünglich ein flaches Tonnendach in Kurvenlage Wettbewerbssieger.
- Der Tunnelmund Süd wurde von der Brücke Semmelweisstraße in Höhe der Schwimmhalle Tarostraße verlegt
- Die Kostensteigerungen rührten von etwa doppelt so hohen Absicherungen gegen Bauschäden her (Hany Azer der DB setzte diese durch, wurde nach weiteren Kostenverdoppelungen wieder abkommandiert)
- Im Bauablauf traten fast keine Bauschäden auf.
- Die damalige Zeit (Ende 1990er/Nullerjahre) waren geprägt von schlechter Wirtschaftslage und maximalem Bevölkerungsverlust.
- Die S-Bahn-Planungen wurden deshalb mehrfach nach unten korrigiert und 2007 auf dem allerniedrigsten Stand ausgeschrieben
- Mit Betriebsaufnahme war diese minimalistische Fahrzeugausstattung bereits zu klein, wurde jedoch nie korrigiert
- Für kurze Zeit fuhr ein Fernzug gen Dresden durch, damit die Fördermittel nicht verfallen
- Mit Betriebsbeginn Dezember 2013 realisierten viele Leipziger erstaunt, dass die S-Bahnen über Hbf und Bayerischen Bf hinaus fuhren, die Anti-Kampagnie der LVZ hatte Früchte getragen
- Die Stadtverwaltung ignoriert die S-Bahn im Mindset noch immer, dito die LVB, welche erst Jahre brauchte, um den neuen Player im Nahverkehr Leipzigs akzeptierte. Erst in den letzten Jahren findet öfter eine Berücksichtigung statt.
Allerdings sollte niemand mehr auf Ideen oder Phantastereien kommen, außerhalb des Taktgefüges der S-Bahnen zusätzliche Fernzüge fahren zu lassen. So etwas geht bestenfalls nachts, wenn entsprechende Zeitfenster bestehen. Nur woher - wohin.