Areal „Haus der Statistik“

  • ^ Stimme zu, etwas kleinteiliges, historisierendes würde da nicht hinpassen. Mir wären aber spontan noch zig andere Ideen einfallen, was man anstelle dieses für mich wirklich unzumutbaren Baus dorthinzustellen (ja, ich bin wahrlich kein Fan..).


    Wie sieht es denn für die Nordseite (Brachland / Baustelle) aus - ist da ein Hochhaus oder Ähnliches geplant, das etwas von dieser Abscheulichkeit ablenken wird? ;)

  • Das ist mir noch nie passiert aber ich finde die Rückseite des ganzen Komplexes interessanter und abwechslungsreicher als die Vorderseite, wenn da dann noch die Fläche gut begrünt wird und nicht wieder ein öder Parkplatz da hin kommt und die neu enstehenden Häuser das ganze gut einrahmen könnte es von der Seite aus eine enorme Verbesserung werden.

  • Ich wiederhole mich, aber das ist die wirklich liebevollste Rekonstruktion eines Baus, die ich bisher wahrgenommen habe. Aber da gibt man sich so viel Mühe mit dem Gebäude, den Fassaden samt Werbe-Kaffeetasse und dann verhunzt man die Eingangssituation mit unzähligen in Reih und Glied angebrachten Fahrradbügeln? Hätte man diese nicht etwas seitlich anbringen können, damit gerade diese (einzige Schau-)seite etwas wirken kann? Unweigerlich kommt mir bei diesem Anblick Daniel Libeskinds "Banalität der Ordnung" in den Sinn.

  • Ich wiederhole mich, aber das ist die wirklich liebevollste Rekonstruktion eines Baus, die ich bisher wahrgenommen habe.

    Das mag stimmen. Leider war und ist dieser Bau für die Mitte Berlins vollkommen uninspiriert und langweilig. Die einzige (uralte) Spur von etwas Kreativität ist diese jahrzehntealte Kaffeetasse aus DDR Zeiten, also einer biederen Diktatur.

    Vielleicht könnte man über dem gesamten Gebäudekomplex neben dem Schild "Allesandersplatz" noch eins anbringen "creative people inside".

  • Ich wiederhole mich, aber das ist die wirklich liebevollste Rekonstruktion eines Baus, die ich bisher wahrgenommen habe.

    Von welcher Rekonstruktion sprichst du?


    Die Baumaßnahmen beim Haus der Statistik bewegen sich im Bereich zwischen Sanierung und Restaurierung. Aber es ist definitiv keine Rekonstruktion.


    Rekonstruktion bedeutet Wiederaufbau. Um diesen Begriff verwenden zu können, müsste das HdS zwischendurch aufgehört haben zu exisiteren. Das HdS ist jedoch nie zerstört oder abgetragen worden. Wie soll es dann eine Rekonstruktion sein?


    Hier wird von den DDR-Fans mal wieder bewusst ein falsches Branding benützt, um die Entwicklung positiver darzustellen, als sie es in Wirklichkeit ist.

  • Weiß eigentlich jemand was die Sanierung nun gekostet hat - pro Quadratmeter Nutzfläche? Da die Fassade von außen nicht gedämmt wurde, müsste ja eine Innendämmung die Fassade mit den neuen Fenstern auf die zulässigen Dämmwerte bringen. Trittschall etc. hat vermutlich dazu geführt, dass die Raumhöhe sich verringert hat - ist darüber etwas bekannt?

  • ^ Die ehemaligen Fassadenelemente aus Beton-Fertigteilen wurden durch eine innengedämmte Konstruktion aus Zementbauplatten ersetzt. Der Estrich wurde ebenfalls entsetzt. Die Aufbauhöhe wird ähnlich wie zuvor sein. Die Kosten werden sicherlich bald kommuniziert.


    Zitat des Vorposts gelöscht.

  • Ah, das heißt, die Fassadenelemente wurden ausgetauscht, dann wird es für mich nachvollziehbar. Mir war das so nicht klar, da ich im Strang keine Bilder des Baus gefunden habe, die die Rückführung auf den Rohbau, also ohne Fassade, zeigen. Aber das kann ja hinter den Netzen stattgefunden haben.


    2023 wurde in den Medien kommuniziert, dass das HdS ca. 46.000 m² BGF habe und die Baukosten mit "knapp 200 Millionen Euro“ angegeben. Zudem habe das Land Berlin das Gesamtareal für 57 Millionen Euro gekauft. Da auf den Altbau etwa 45 % des Grundstücks entfallen, müsste man also 26,65 Millionen Euro anteilige Grundstückskosten auf die Baukosten hinzurechnen. Wie die Nettonutzfläche im Vergleich zur BGF bei dem Bau aussieht, kann ich nicht sagen, da müsste man mal in einen Mustergrundriss.

    https://www.berliner-zeitung.d…dr-erbe-saniert-li.261558


    2025 ist dann die Fläche der Bestandsgebäude etwas gesunken (45.000 BGF) und die Baukosten sind auf 245 Millionen Euro gestiegen, davon offenbar 20 Millionen für Schadstoffentworgung (welche Schadstoffe ist nicht genannt). Das summiert sich dann nach Angaben aus der Berliner Morgenpost auf 4.500 Euro/qm BGF allein an Baukosten, was zu ca. 6.000 Euro/qm Nutzfläche führen würde.

    https://www.morgenpost.de/berl…aus%2C%20so%20Hardinghaus.

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    Die Brüstungselemente wurden abgenommen, sofort durch schmalerer, neue Betonelemente ersetzt und dann gedämmt und verkleidet.

  • Mein im Vor-Post erwähntes Zitat "Ich wiederhole mich, aber das ist die wirklich liebevollste Rekonstruktion eines Baus, die ich bisher wahrgenommen habe." möchte ich etwas klären.

    Ich meinte dies zum einen Teil ironisch, da es Stimmen gibt, die jede (mögliche) Rekonstruktion eines verloren gegangenen Bauwerks oder nur seiner Fassade auf das Bitterste bekämpfen. Bei der Fassadenrekonstruktion hier (das Haus war jahrelang eine Ruine) werden solche Maßstäbe aber auffällig nicht anlegen.

    Zum anderen meinte ich dies aber wirklich ernst, da ich es selten erlebt habe, dass man sich in Berlin um Fassadendetails wie hier eine solche Mühe gibt.


    Den Erhalt des Baus finde ich persönlich jedoch als bauhistorisch folgerichtig. Er stellt mit dem Haus des Lehrers den Übergang von der Fertigstellung des 2. Bauabschnittes der Karl-Marx-Allee zur Zentrumsplanung am Alexanderplatz dar. Zudem dokumentiert die Setzung des Hauses der Statistik die Änderungen in der Straßenführung zum Zeitpunkt der Zentrumsplanung für den Alexanderplatz. Zunächst sollte die heutige Otto-Braun-Straße ja direkt bis an den Polizeiblock (heute Lernort Keibelstraße / SenVerw Bildung) heranreichen. Erst mit der Umplanung erhielt die Otto-Braun-Straße als Verlängerung der Grunerstraße flankiert von Haus des Lehrers und Haus der Statistik seine Spur.

  • Ich habe das Gefühl, dass ein „bauhistorischer Erhalt“ und „Denkmalschutz“ mittlerweile als „god given“ gilt – also als etwas, das selbstverständlich so sein muss, weil es einfach das Logischste sei. Weil man es die letzten Jahrzehnte so gemacht hat. Dabei ist es nichts als eine Idee, der man beipflichten kann oder eben auch nicht. Zu sagen, dass etwas erhalten werden muss, weil es einen historischen Wert hat, ist das eine – genauso logisch wäre es aber zu sagen: Ja, es hat einen historischen Wert, vielleicht sogar einen sehr bedeutenden, aber es ist einfach so hässlich und unmenschlich konzipiert, dass jegliche historische Bedeutung in den Hintergrund rückt.


    Das Haus der Statistik ist für mich genau so ein Exemplar, bei welchem es auch absolut logisch wäre, die historische Bedeutung zu vernachlässigen, weil das Gebäude als solches nicht einladend ist, nicht vom Volk angenommen wird und weniger Lebensraum als Angstraum schafft.


    Der Erhalt dieses Gebäudes verbaut im wahrsten Sinne des Wortes die Chance auf städtebauliche Entwicklung an einem der begehrtesten Plätze im Zentrum Berlins. Denkmalschutz könnte hier auch in Fortschrittsschutz übersetzt werden.

  • ^ Irgendwann wird's als Disneyland - Kinderland - abgebrannt entlarvt und kann dann weg. Denkmalschutz ist Zeitgeist und nicht ewig, es sei denn, was geschützt wird, ist beständig im Wandel der Zeit.

  • ^Das Volk nimmt diese Gebäude nicht an? Was für eine steile Behauptung. Das Volk der ewigen Dauernörgler hier im Forum etwa? Nein, das Volk nimmt dieses Gebäude genau so an, wie andere Gebäude auch und noch viel mehr. Das geht so gar so weit, dass Teile des "Volks" sich drum gekümmert haben, dass dieses Haus einer Nutzung zugeführt wird, mit dem das "Volk" viel anfangen kann.

  • ^ Die Entscheidung über den Erhalt des Hauses der Statistik hat das Baukollegium getroffen. Und nicht das Volk.


    Bitte nicht so tun, als ob das eine basis-demokratische Entscheidung gewesen wäre.

  • Ich habe das Gefühl, dass ein „bauhistorischer Erhalt“ und „Denkmalschutz“ mittlerweile als „god given“ gilt...

    Ich gebe ihnen voll und ganz Recht, der Denkmalschutz und auch das Feilschen um drittklassige Bauten hat groteskt Züge angenommen. Ich bin zur Klarstellung kein Abrissgegner, denn eine Stadt muss sich aus weiterentwickeln können.

    Aber bei dem konkreten Fall Haus der Statistik sehe ich den Erhalt und auch die überzeugende Rekonstruktion als sinnvoll an. Zumal ich vor der Alternative eines WDVS-Monsters mit Gestaltungsverzicht aus dem Hause WBM an diesem Ort schaudere. Der Erhalt konterkariert weder den Kollhoff-Plan, noch sperrt das Gebäude rigoros Straßen ab wie z. B. der TLG-Riegel. Der zweite Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee ist somit (wenn dann noch die restlichen Pavillons kommen) bauhistorisch stringent. Zudem ist ein Rathausturm, Wohnbauten an der Berolinastraße und das Voco-Hotel an der Mollstraße projektiert.


    Was aber die für mich undurchsichtige Rolle dieser "Künstlergruppen", der angekündigten "Experimentierhäuser" und was ein "Rathaus der Zukunft" genau sein soll angeht, kann ich die Vorbehalte durchaus verstehen.

  • ^ Die Entscheidung über den Erhalt des Hauses der Statistik hat das Baukollegium getroffen. Und nicht das Volk.

    ^ Das habe ich auch nicht behauptet. Was ich geschrieben habe: Leute haben sich für den Erhalt des Gebäudes engagiert. Das sind Teile des Volks.

    Auch wenn es Ihnen nicht passt.

    Andererseits gab es keine Bewegung die dafür gekämpft hätte, dieses Gebäude abzureißen. Es ist ganz einfach zu verstehen.


    Das HdS nicht abzureißen, wurde maßgeblich durch das Engagement der Initiative „Haus der Statistik“ und eine Allianz aus Kunst, Kultur und Stadtplanung herbeigeführt, die den Erhalt des Gebäudes der Ostmoderne gegen ursprüngliche Abrisspläne durchsetzte. Das Land Berlin erwarb daraufhin das Gebäude vom Bund.

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