Wirtschaft, Politik, Forschung, Gesellschaft

  • Mal wieder ein paar gemischte Dinge


    1) BIP wächst wohl absehbar (moderat) weiter

    Wie schon erwähnt, ist das Berliner BIP in 2023 um gut 1 Prozent gewachsen. Für 2024 geht die Landesbank IBB inzwischen von ca. 1,5 Prozent aus. Die Ratingagentur Scope glaubt zudem, dass Berlin das BIP von Ende 2023 bis Ende 2030 insgesamt 11 Prozent steigern kann. Damit läge man bundesweit noch vor Bayern an der Spitze. Ich hatte neulich erst ein Doppelinterview mit dem Präsidenten der IHK und der Präsidentin der Handwerkskammer gelesen, nach denen die reale Lage längst nicht so schlecht sei wie die Stimmung. In der Summe sind das ja doch recht hoffnungsvolle Signale, auch wenn es sich erst bestätigen muss und die echten Boom-Zeiten wohl so oder so vorbei sind.

    Quelle Tagesspiegel

    Quelle manager magazin


    2) BMG wächst wieder zu einer wahrnehmbaren Größe

    Neben Universal Music und Sony Music ist ja inzwischen auch Warner Music mit ihrer größten deutschen Niederlassung in Berlin angekommen (anders als bei den Konkurrenten ist hier aber weiter Hamburg der formelle Hauptsitz). Was ich nicht auf dem Schirm hatte und nun nebenbei lesen durfte: Die 2008 (nach diversen Verkäufen an die Konkurrenz) in Berlin wieder neu gegründete Bertelsmann-Abteilung BMG sei inzwischen auch wieder ein "großer Player auf dem globalen Musikmarkt" und gleich hinter den 3 genannten Toplabels die viertgrößte "Plattenfirma" der Welt. Durch diverse Zukäufe und radikal flexible Orientierung am Markt hat man wieder eine Schar an relevanren Künstlern sowie Musikrechten angesammelt und in den letzten 7 Jahren ihre Umsätze verdreifachen konnte, 2022 waren es schon rund 870 Mio (und irgendwo las ich auch, dass die Rendite aktuell bei starken ca. 20 Prozent liegt). Spannende Entwicklung.

    Quelle backstagepro.de


    3) Nach BVG eröffnet auch DB neuen Ausbildungscampus in Berlin

    Nicht einmal ein halbes Jahr nach der feierlichen Eröffnung des ambitionierten Ausbildungsareals der BVG legt die Deutsche Bahn nun also nach. In Treptow direkt beim S-Bf Johannisthal wurde ein bahneigenes Gebäude recht aufwändig umgebaut. Auch wenn es mit 5.000m² und nur 1 Mio Umbaukosten einige Level unter der BVG-Investition (20.000m², 68 Mio) anzusiedeln ist, sollen in der bundesweit größten Ausbildungwerkstatt für gewerblich-technische Berufe sogar 500 Azubis Platz finden. Und genau wie bei der BVG will man möglichst alle davon auch langfristig halten (relativ hohe Ausbildungsvergütung, Übernahmegarantie, Diensttablet direkt zum Ausbildungsstart usw.). Dabei stehen beide Unternehmen in direkter Konkurrenz zueinander. Gute Fachkräfte sind nach wie vor rar auf dem Markt.

    Quelle Tagesspiegel


    4) Berliner MAN-Werk erfolgreich gerettet und neu aufgestellt

    Vor einigen Jahren galt das MAN-Werk in Berlin noch als akut gefährdet. Inzwischen baut man dort gewaltige Kompressoren für hoch effiziente Großwärmepumpen (aktuell versorgt eine einzige solche Wärmepumpe 25.000 dänische Haushalte mit Wärmeenergie, derzeit entwickelt man eine mit doppelt so hoher Kapazität). Und das offenbar erfolgreich. Der Standort sei wegen der starken Nachfrage nun sogar umgekehrt wieder im Aufwind.

    Quelle Tagesspiegel

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    Bei den Ausbildungszentren wird es in Zukunft auch um die Schaffung von Wohnheimplätzen für Azubis gehen müssen. Bereits jetzt ist es für Jugendliche aus strukturschwachen Regionen eine gute Option in Berlin eine Ausbildung zu machen, wenn es daheim an Plätzen mangelt. Der mangelnde Wohnraum ist da ein großes Hindernis.

  • 2023 über 12 Mio Gäste und knapp 30 Mio Übernachtungen

    Der Tourismus erholt sich langsam aber sicher. Gab es 2019 noch über 34 Mio Übernachtungen, erreichte man nun immerhin wieder 29,6 Mio. oder rund 87 Prozent. Zum direkten Vergleich: Bei den Fluggästen erreichte die Hauptstadt nur 23 Mio statt wie vor 4 Jahren noch 36 Mio (also nur 64 Prozent). Die größten Einbrüche gab es im innderdeutschen Flugverkehr, wobei die Deutschen Berlinbesucher aber oft einfach auf Alternativen wie Zug und Auto umgestiegen sind. Auch international wäre nach wie vor mehr Nachfrage da, ohne Flugverbindungen kommen die Menschen aber nicht so gut her. In Europa etwa waren es 2023 nur noch 82 der einst 103 Städteziele direkt erreichbar. In Großbritannien kamen neue Angebote hinzu und direkt stiegen hier auch die Übernachtungen um über 35 Prozent! Insgesamt kamen aber nur gut 40 Prozent oder knapp 5 der 12 Mio Gäste aus dem Ausland. Trotzdem bedeutet das bereits einen kleinen Zuwachs bei dieser Quote.

    Für 2024 rechnet man übrigens so oder so mit deutlich über 30 Mio Übernachtungen. Es stehen u.a. 5 EM-Spiele plus EM-Finale an, ferner 50. Berlin-Marathon und 35. Jahrestag des Mauerfalls. Auch die Messen sollen teilweise wohl schon komplett ausgebucht sein. Es dürfte also ziemlich wahrscheinlich auf über 90 Prozent der alten Übernachtungszahlen hinaus laufen.

    Beim BER wird die Erholung wohl weiter schleppend verlaufen. Die Fluggesellschaften decken erst lukrative Lücken ab und erst mit zunehmenden Jet-Auslieferungen werden ziemlich sicher auch wieder mehr Flieger in der Hauptstadt landen. Zumindest erhöhen einige Gesellschaften auf diversen Verbindungen die Frequenz (DACH, Skandinavien, Dubai).

    Sueddeutsche Zeitung

    Morgenpost zum ersten...

    ...und zum zweite


    Dem BIP wird dieses Wachstum sicher gut tun. Es werden sonst wohl nur wenige Sektoren entsprechend dynamisch zulegen. Und gerade die Einnahmen mit ausländischen Gästen wirken für die Volkswirtschaft bekanntlich wie ein erfolgreicher Export.

  • Zwischen Inkubation und Sabotage - Berliner Trends Anfang 2024


    1) Berlin-Brandenburg auf dem Weg zur wachstumsfeindlichen Revolte-Region?

    Die Medien sind voll vom Brandanschlag auf einen Strommast nahe der Tesla-Fabrik. Kurz nach dem negativen Bürgervotum nun der zweite empfindliche Rückschlag gegen das Projekt, das gerade auch für den Berliner Arbeitsmarkt einen wichtigen Impulsgeber darstellt: Rund 60 Prozent der Beschäftigten sind bisher Berliner und zuletzt war (ohne große Medienresonanz) zu vernehmen, dass man derzeit umgerechnet ca 375.000 Teslas pro Jahr und somit rund 75% der Soll-Kapazität der aktuellen Ausbaustufe erreicht hatte (langfristig seien 1 Mio oder gar 2 Mio möglich). Zugleich geht von der Investition und Expansion aber auch der Ablehnung eine wichtige Signalwirkung für den gesamten Wirtschaftsstandort aus.

    Politik, Gewerkschaften und Betriebsrat hatten zuletzt schon die Blockadehaltung kritisiert und selbst die Medien haben einige Mythen wie den vermeintlich hohen Wasserverbrauch (vergleichsweise zu anderen Verbrauchern der Region und des Landes eher ziemlich gering und weit unter der erlaubten Menge) sowie die Rodung angeblich wertvoller "Waldfläche" (ohnehin sehr problematische Kiefernplantagen, die durch ökologisch weit wertvolleren Mischwald überkompensiert werden) entlarvt. Der Anschlag hat endgültig die Widerstandskräfte wachgerüttelt.

    Nun haben auch rund 2.000 Tesla-Angestellte gegen den Anschlag auf ihren Arbeitgeber demonstriert. Die Ermittlungen diverser Behörden zeigen zudem, wie ernst man das Ganze nimmt. Und Analysen prognostizieren: Der Anschlag schadet der Region sehr viel stärker und anhaltender als Tesla alleine. Ich hoffe, dass spätestens hier einigen die erschreckende Radikalität und (Fakten-)Ignoranz von Teilen der Tesla-Gegner bewusst wird. Immerhin haben sich laut taz wohl auch Umweltschützer und Anwohnerinitiativen deutlich gegen die Anschläge positioniert.


    Das ist jetzt natürlich ein Extremfall. Allerdings gibt es ja auch (u.a. direkt in Berlin) diverse weitere Projekte (inkl. Wohnprojekten) wo sich ebenfalls eine zähe (wenngleich meist deutlich weniger radikale) Blockadehaltung offenbart und teils auch noch von der (Bezirks-)Politik gezielt hofiert wird (siehe u.a. hier und hier). Mir kommt da immer wieder das Bild einer riesigen Käseglocke in den Sinn: Wenn wir die nur immer schön fest drauf drücken, dann bleibt alles wie es immer schon war. Dass darunter irgendwann eine toxische Atmosphäre erzeugt und alles Mögliche an Leben und gesundem Wachstum erstickt wird, nimmt man halt in Kauf. Überspitzt: Hauptsache ICH habe meine Wohnung und meine Miete zahlt im Zweifel eh das Amt; Strom kommt immer direkt aus der Steckdose, Wasser frisch aus dem Hahn und mein Essen wächst ja gleich um die Ecke beim Aldi...


    2) Hoffnungsvolle Impulse

    Auf den zweiten Blick ist die Sache hoffentlich doch nicht ganz so dramatisch. Gemeckert und blockiert wurde schon immer viel und zumindest bislang gab es trotzdem auch immer erfreuliche Signale:

    - Es wird nach wie vor in der Region investiert: Alleine die Berliner Wirtschaftsförderung unterstützte 2023 ganze 269 Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp 900 Mio Euro, zusätzlich eingeworbenen Drittmitteln von rund 200 Mio (+42%) sowie gut 10.000 (+21%) zusätzlichen Arbeitsplätzen (die beiden letzteren Werte stellen dabei neue Rekorde dar). Gut zwei Drittel des Volumens entfällt auf Bestandsunternehmen, die in Berlin expandieren. Das restliche Drittel sind neue Ansiedlungen (insgesamt 75 oder knapp 1,5 pro Woche, davon 33 aus D, je 18 aus Europa und aus Asien/Afrika/Ozeanien und die restlichen 6 vom amerikanischen Kontinent. Besonders erwähnt wurden einerseits Warner Music (Musikindustrie) und Jenoptik (Fertigung optischer Instrumente) und anderseits Nio (Autokonzern) sowie China Energy (der größte Energieproduzent der Welt, der in Berlin mit 50 Mitarbeitern an Wegen zur nachhaltigeren Energieerzeugung bzw. Übertragbarkeit u.a. deutscher Ansätze forschen will) aber auch der Bahn-Konzern Alstom mit seinem neuen Deutschlandsitz und seiner Digitalisierungseinheit (300 Jobs alleine für letzteres) am Ernst-Reuter-Platz.

    Insgesamt sollen durch diese Projekte in den Jahren 2023-2025 etwa 250 Mio zusätzliche öffentliche Einnahmen sowie rund 2 Mia zusätzliche Wertschöpfung (BIP-Wachstum) entstehen.

    - Auch die Gesamtbilanz für 2023 wurde Ende Februar kommuniziert: Das BIP wuchs wie zuletzt prognostiziert um 1 Prozent (Bund: -0,3) die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 20.000 oder 1,6 Prozent. Ob die 10.000 von Berlin Partner da bereits voll einfließen oder aber ggf. teils erst in den nächsten paar Jahren entstehen, weiß ich nicht. Sicher ist dagegen, dass in den letzten Jahren zusätzlich zu den internen Zahlen auch rund 8.000 Berliner Arbeit bei Tesla gefunden haben.

    - Für 2024 wird nach wie vor mit 1,5 Prozent BIP-Wachstum gerechnet.

    Quelle Tagesspiegel

    Quelle Tagesspiegel zum zweiten

    Quelle Morgenpost

    Jahresbericht von Berlin Partner (PDF)

  • Das verprassen von 900(!) Millionen Euro Steuergeldern an Unternehmen ist keine Investition, sondern eine Subvention ergo ein Minusgeschäft. Es ist also ein sehr teures BIP-Wachstum, welches nicht von selbst kommt.

  • Naja! Immerhin fließen ein Teil der Subventionen ja in die Staatskasse zurück. Ohne Arbeitsplätze gibt es auch keine Steuereinnahmen, die 900 Millionen hättest du auch anderst ausgeben können, aber eben nur einmal! Alle regen sich immer drüber auf das Deutschland seine Solarindustrie vor die Hunde gehen ließ und alles nach China gewandert ist. Warum ist das passiert? Weil Subventionen bei uns ausgelaufen sind und China eben massiv subventioniert – Solarindustrie wie auch e-Auto Produktion!

  • Regent Danke, das ist das eine.


    Hinzu kommt ein Missverständnis:

    - Die Unternehmen "verprassen" bzw. investieren diese rund 900 Mio.

    - Die Drittmittel (von Land, Bund und EU) betragen dagegen 200 Mio.

    - Wie Du schon ausführst, sind diese Mittel aber nicht verschwendet: Mit den geförderten Investitionen entstehen direkt 10.000 Arbeitsplätze sowie in den nächsten paar Jahren weitere 1.600 als Folge. Dazu werden bereits bis 2025 rund 250 Mio zusätzliche Steuereinnahmen erwartet (evtl. Wegfall von Sozialleistungen noch nicht mal mitgerechnet) und dazu ein BIP-Zuwachs von 2 Mia.


    Die Ausgaben rentieren sich also bereits sehr kurzfristig.

  • Empirisch ist die Sache abgehakt und eindeutig: Staatliche Industriepolitik funktioniert langfristig nicht. Sie zerstört Wachstumspotenzial und vernichtet Wert. Es gibt allerdings ein paar sehr grosse Ausnahmen - Airbus dürfte die beeindruckendste sein.

    Was der Staat jedoch exzellent kann, ist die Grundlagen für Wachstum zu schaffen. Ohne staatliche Investionen gäbe es kein Internet etc. etc. Wobei der Staat sich damals nicht anmasste zu sagen: "Jetzt erfinde mir mal das Internet" - sondern einfach nur Freiräume geschaffen hat.

    Schlauer wäre es mE daher, in Berlin in Bildung und Forschung zu investieren. 200 Mio für einen neuen Lehrstuhl in "Material Science" an der TU würde mehr bringen. Berlin hat hier eine grossartige Tradition, auf der man aufbauen könnte. Ist aber natürlich politisch extrem schwer durchzusetzen. Lieber streitet man sich über die Ausschilderung von Toiletten an der Uni.

  • ^Nur spannend, dass u.a. die drei größten Wirtschaftsnationen USA, China und Deutschland noch gar nichts von diesen eindeutigen empirischen Ergebnissen mitbekommen haben und solche Instrumente nach wie vor verwenden. Wenn das so eindeutig wäre, dann müssten sie ja ziemlich blöd sein. Schulden haben sie alle genug und Investitionsbedarf in Sachen Bildung ohnehin.


    Wobei ich da sagen muss, dass ich bei letzterem völlig bei Dir bin. Man kann dabei aber nie wieder einen größeren Ertrag erzielen als in den frühesten Jahren. Da formt sich schon unheimlich viel. Eigentlich müssten wir zunächst einmal ganz andere Kitas entwickeln, wo die Kindheit nicht verdrängt aber doch angereichert und bezüglich Neugier und Tatendrang gefördert wird. Dann müsste man die Vorschule wieder einführen, mit den Grundschulen weiter machen und zuletzt aber zugleich nicht zuletzt auch die Hochschulen stark aufstellen. Sind aber alles Maßnahmen, die erst sehr langfristig Früchte tragen und sich nicht in einzelne Legislaturperioden einfügen.

  • Wir sind uns nicht uneinig. Industriepolitik ist, nachdem sie jahrzehntelang verpönt war, wieder weltweit im Kommen. Es ist wie mit einem Subventionswettlauf. Gibt es ihn erstmal, kann man sich dem kaum noch entziehen. Sicher haben die Chinesen das Schwungrad in grossem Maßstab in Gang gebracht. Spätestens mit dem Inflation Reduction Act der USA ist das Kind im Brunnen.

    Den Preis werden - wie immer - die "Normalos" zahlen. Gerade wenn ich links wäre, würde ich auf die Barrikaden gehen. Statt dessen gibt es von da Applaus. Es ist wie mit Instrumenten wie Mietendeckel. Da ist die Datenlage genauso eindeutig. Aber man kann halt so herrlich damit Punkte sammeln - bei den "Normalos" - auch wenn man denen de facto damit ins Gesicht schlägt.

    Was Berlin angeht, man muss sich nur mal die Industriepolitik zum Thema Medien und Mode ansehen. Medien sollten mal das grosse Zukunftsthema sein, Kann sich noch jemand an "Mediaspree" erinnern? Wieviele Arbeitsplätze sind denn entstanden - mit welchem Aufwand - sowohl an Personal als auch Sachmitteleinsatz? Noch schlimmer ist bei Mode. Seit Jahren vom Senat gepampert - und jedes Jahr schrumpft die Bedeutung Berlins.


    Dort wo Berlin erfolgreich ist, wie zB bei Commerce-Plattformen, wurde es das ohne oder gegen die offizielle Politik. Das was Berlin ausmacht, ist die Verfügbarkeit von "Talent". Berlin hatte sogar im Weltmaßstab mal "Top-Talent". Das ist sicher vorbei - aber immer noch ganz gut.

    2 Mal editiert, zuletzt von Oranien ()

  • Restaurant im Fernsehturm wird "Sphere by Tim Raue"


    Sternekoch Tim Raue übernimmt die Gastronomie im Fernsehturm.

    Ab November bis Februar wird das Restaurant oben geschlossen und umgebaut.

    Im März 2025 ist die Wiedereröffnung geplant.


    Die Küche oben wird von 13 auf 40 qm vergrößert.

    Aus Brandschutzgründen befindet sich die eigentliche Küche (und die Umkleidekabinen des Personals)

    im Fuß bzw. Keller des Fernsehturms.


    https://www.bz-berlin.de/berli…ehturm-gastro-speisekarte


    Aussichtsplattform und Restaurant werden betrieben von Magnicity.

    Genauso wie in den Städten Paris, Chicago und Rotterdam.

    https://www.magnicity.com/

    Einmal editiert, zuletzt von Merlin ()

  • Es gibt mal wieder ein paar erwähnenswerte Neuigkeiten und Entwicklungen in Berlin und der Region:


    Tesla stellt neue Pläne für Werkserweiterung vor - Ausbau der Fahrzeug-Produktion - Model 2 und Semi angekündigt

    Beim Besuch von Elon Musk gab es auch ein Treffen mit Herrn Woitke und Herrn Wegner, die sich auf die Seite des Investors gestellt haben. Der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach hat eindrücklich an sein Bundesland appelliert, Veränderungen nicht pauschal abzulehnen und statt möglichen Problemen auch die Chancen stärker wahrzunehmen. Auf kommunaler Ebene kündigte der Bürgermeister von Grünheide nun bereits enorm schnell veränderte Bebauungspläne an.


    Von Tesla kommen umgekehrt nämlich versöhnliche aber zugleich auch entschlossene Signale. Der Güterbahnhof soll nun sogar noch größer werden (was entsprechend die Straßen entlasten würde) und trotzdem sollen deutlich weniger Flächen bebaut werden. Für die benötigte bzw. wünschenswerte Lager- und Logistikinfrastruktur wird dafür eine Verlagerung innerhalb des Geländes geprüft. Geplante Mitarbeiterräume werden nun gar nicht gebaut. Indessen betreffen diese Entwicklungen gar nicht den gewünschten Kapazitätsausbau bei der Fahrzeugproduktion. Musk kündigte nun an, dass dieser Ausbau auf jeden Fall kommen werde. Ferner sagte er fest zu, dass neben dem Weltauto Model Y künftig auch das kleine Model 2 in Grünheide gefertigt werde (nicht neu aber eine deutliche Bestärkung). Zudem sei auch der Bau des Sattelschleppers Semi geplant (völlig neu). Damit wird Tesla voraussichtlich nicht nur auf die Nachfrage nach deutlich preiswerteren Elektroautos reagieren, sondern auch noch den Trend bei den LKW-Flotten adressieren. Diese müssen ihre Flottenbilanz deutlich senken und werden dafür zunehmend auch in großem Stil auf Akku- und Wasserstofftechnologie setzen müssen. Apropos Wasser: Der bisher bereits sehr niedrige Verbrauch soll durch den Ausbau nicht weiter steigen und weiter deutlich unter der genehmigten Menge bleiben. Man will einen geschlossenen Kreislauf aufbauen und das Wasser so noch effizienter nutzen.


    Dass es sich hierbei insgesamt um hervorragende Neuigkeiten für die Wirtschaftsregion handelt, muss ich wohl nicht näher ausführen. Im besten Fall könnten so 1 Mio PKW und Nutzfahrzeuge produziert werden (angeblich wären ja sogar 2 Mio möglich), was hohe Investitionen, eine ganze Menge an zusätzlicher Infrastruktur und Technik sowie entsprechend viele Arbeitsplätze und Wertschöpfung mit sich bringen würde.

    Quelle rbb24

    Quelle rbb24 zum Zweiten

    Quelle handelsblatt.com

    Quelle Wirtschaftswoche


    Strominfrastruktur weiter im Ausbau - Pläne für neue Rechenzentrum und Hydrolyse in der Region

    Nach zähen 15 Jahren wurde ein wichtiges 75km langes Teilstück des sogenannten Berliner Nordrings geschlossen, durch welches die Infrastruktur sukzessive von Hochspannung auf Höchstspannung mit bis zu 380kV umgestellt werden soll. Insgesamt investierte 5o Hertz für den Lückenschluss 200 Mio Euro, um Berlin und der Region so ein noch leistungsfähigeres Stromnetz zur Verfügung zu stellen und bspw. an windstarken Tagen schneller bei den Verbrauchern zu sein.


    Auch bzgl. Verbraucher zeigen sich nun spannende Entwicklungen. So sollen neue Rechenzentren entstehen, die vor allem an den windstärksten Tagen ein Bremsen der Stromerzeugung vermeiden könnten. Umgekehrt soll die erzeugte Abwärme der Rechenzentren dann wiederum als Heizenergie ins Wärmenetz eingespeist werden. Zudem setzen sich Berlin und Brandenburg dafür ein, dass die Erzeugung von Wasserstoff zunehmend regional (i.e. in direkter Nähe zur Energieerzeugung) stattfinden soll. Bis 2027 soll Berlin dann an das entstehende deutsche Wasserstoffnetz angekoppelt werden.


    Faszinierend und mE erfreulich: Die Grüne Ortsvorsitzende von Brieselang begegnet Bedenken, dass man für Rechenzentren auch Bäume fällen müsse wie folgt: Es handle sich hier um Kiefern mit Unterholz, in denen ohnehin kein wertvoller, schützenswerter Tierbestand vorkomme. Als Ausgleich müsse der Investor zudem woanders Laubbäume pflanzen, die ökologisch sehr viel wertvoller seien. Etwas schade, dass gerade die Grünen woanders teilweise nicht so pragmatisch (und mE rational einfach nur zutreffend) argumentieren. Dann könnte man die Reformation einer nachhaltigeren aber zugleich leistungs- und wettbewerbsfähigen Industrie deutlich besser vorantreiben und faktenfrei argumentierenden Gegeninitiativen den Wind aus den Segeln nehmen. Vielleicht braucht dann auch der Prozess zur Errichtung von dringend hierfür benötigten neuen Stromleitungen keine 15 Jahre mehr.

    Quelle Sueddeutsche Zeitung

    Quelle Tagesspiegel

    Quelle rbb24

    Quelle rbb24 zum Zweiten


    Erfreuliche Signale für überparteiliche Kooperation in Berlin - Kommt die Demokratie in Berlin aus der Krise?

    Einige mE extrem erfreuliche und für mich überraschende Signale diesbezüglich habe ich übrigens unlängst in Berlin wahrgenommen. Vor wenigen Monaten konnten sich ja nicht einmal die Regierungsparteien zusammenraufen. Dann war ich kürzlich sehr überrascht, wie überschwänglich die Grüne Verkehrsexpertin Antje Kapek die Ankündigung einer neuen S-Bahnverbindung im Ostteil der Stadt aufnahm (ähnlich auch hier) : Die neue Tangente sei nicht weniger als "ein Meilenstein für den Ausbau des Berliner Schienennetzes" sowie "die Grundlage für den zweiten S-Bahn-Ring", der die Außenbezirke erschließe und Radial-Strecken von der Innenstadt zum Stadtrand mit einer Nord-Süd-Strecke verbinde. Und in noch größerem Stil scheint das nun auch bei der lange ganz oben auf der Liste von Wirtschaftsvertretern geforderten Verwaltungsreform zu klappen: Die Regierung holt neben den Bezirken auch explizit die Oppositionsparteien Grüne und Linke dazu und auch letztere beschwören nur Monate nach dem großen Krach und Ende von RGR den Geist der Einigkeit. Damit haben beide aber gerade auch die zuvor katastrophal agierenden Grünen (die Linken hatten sich mE von den 3 Parteien ja noch am besten benommen) eine ganze Menge Respekt bei mir (zurück-)gewonnen. Und das enorm wichtige Projekt könnte so vielleicht doch noch der benötigte große Wurf werden (nur mal schauen, was den Bezirken ggf. noch so einfällt). Das wiederum würde die Leistungsfähigkeit der demokratischen Prozesse enorm verbessern. Ich freue mich noch nicht zu früh, verfolge das aber gespannt.


    Weltgrößter Mittelstands-Kongress macht Abstecher nach Berlin

    Zuletzt noch eine etwas kleinere aber doch erfreuliche Meldung. Nachdem in jüngerer Vergangenheit ja schon die Wirtschaftsweisen den Umzug nach Berlin bekannt gaben und dazu das renommierte Weltwirtschaftsforum von Davos und die weltgrößte Technmesse Gitex aus Dubai wichtige Berliner Ableger bekannt gaben (hier ein Update zu letzterem) , hat nun auch der Mittelstandskongress immerhin einen einmaligen Abstecher nach Berlin gewagt. Dabei soll es u.a. um die Förderung von kleineren Unternehmen sowie um die Vernetzung von Start-Ups und Mittelständlern gehen.

    Quelle presseportal.de

  • In einer Welt von Polarisierung und Schlechtmacherei bzw. endloser Kritik an allem sind deine immer bewusst positiv optimistisch gehaltenen Wirtschaftsnachrichten immer gut fürs Gemüt und den Glauben, dass alles gut wird in Berlin...Und das ist nicht polemisch gemeint!

    Was allerdings nun die Verwaltungsreform betrifft ist es wohl nur der kleinste gemeinsame Nenner, der hier verwirklicht wird.

    Das Grundproblem, nämlich die Macht der Bezirke, die schon der Geburtsfehler des 'Grossberlins' der 20ger Jahre war - das allerdings ohne diese Konzessionen sowieso niemals entstanden wäre - wird dadurch nicht gelöst.

    Und nicht nur diese strukturellen Defizite der Macht- bzw. Verantwortungsaufteilung erschweren eine effiziente Verwaltung und Politik für Berlin als Ganzes.

    Das Ganze wird meines Erachtens auch noch zusätzlich verkompliziert durch das angewandte Proporzsystem innerhalb der Bezirke bei der Besetzung der Stadtradtsposten, das vordergründig vielleicht demokratisch erscheint, allerdings in der Praxis eher zu zahlreichen intransparenten Absprachen und Mauscheleien, endlosen Kompromissen und Blockadehaltungen führt und zu noch längeren Prozessen, Abläufen, mehr Bürokratie und letzlich höheren Kosten.

    Und der wohl angedachte Sinn des Ganzen, nämlich das Gefühl der Partizipation von möglichst vielen und damit Einbindung bei Entscheidungen wird in der Praxis oftmals überlagert durch Unzufriedenheit, gefühlt ewigen Streit, Kuhhandel, Blockadehaltungen und daraus resultierend immer längeren Umsetzzeiten und Kosten.


    Vor diesem Hintergrund ist die Bezeichnung Verwaltungsreform, die Berlin als Ganzes stärken würde eher eine irreführende Bezeichnung und wenn man realistisch ist, de facto nicht machbar.


    Was den Vorschlag zu Sbahn Tangentialline betrifft, ist das sicherlich ein guter Ansatz, letztlich entscheidend wird aber die Umsetzung sein. Dass die Grünen endlich S- und Ubahnausbau begrüssen und vielleicht erkennen, dass diese für eine wirkliche Verkehrswende prioritär notwendig sind, wäre doch sehr zu begrüssen, ich glaube aber eher, dass Frau Kapek versucht, den von den Grünen ignorierten Aussenbezirke etwas positiever rüberzukommen. Und von Frau Jarasch hört man gerade gar nichts mehr, sie scheint irgendwie auf Tauchstation zu sein. Von möglicher überparteiliche Kooperation kann man also bei einer singulären positiven Äusserung zu einem spezifischen Thema wohl auch kaum sprechen, aber zu wünschen wäre es. Abgesehen davon liefern zuverlässig die Kreuzberger Grünen in der schrillen Auseinandersetzung über diesen Görlizaun die Schlagzeilen. Von Kooperation sehe ich da gar nichts. Die Grünen in Berlin sind mehr gespalten denn je zwischen Realos und Fundis, Innen- und Aussenbezirken, Pragmatismus und reinen Lehre, Verweigerung und Kooperation, noch nicht so klar zu erkennen, wie das ausgehen wird.

    Und weil du die Linken so lobst, so schienen mir die eher irgendwie paralysisiert und nur mit sich selbst beschäftigt. Der Absturz von der bestimmenden Kraft in Berlin vor nicht mal fünf Jahren, die alle vor sich hergetrieben haben unter Lompscher und Lederer zur möglichen Splittergruppe nach den nächsten Wahlen in Berlin und Bund, ist schon bemerkenswert. Sie werden wohl durch Frau Wagenknecht ersetzt werden, dem aktuellen Shootingstar im zunehmend grösseren Feld der Parteien, die sich einen Überbietungswettbewerb an Populismus und schlichten Lösungen und Wahrheiten um die potentiell 25 Prozent der Bevölkerung liefern, neben Afd, der angekündigten Maaßenpartei, den (Rest)Linken und sonstigen Sektiererparteien, die verborgen unter Sonstigen vertreten sind.

  • Start des Tesla-Zugshuttle von Lichtenberg nach Grünheide


    Seit gestern Dienstag fährt der Zugshuttle von Tesla vom Bahnhof Lichtenberg über Erkner

    nach Grünheide. Der Zug gehört der Niederbarnimer Eisenbahn.


    Dieser Zug kann von allen (also auch Nichtbetriebsangehörigen) kostenlos genutzt werden.

    Bezahlt wird die Verbindung von Tesla.


    Die Fahrtzeit von Lichtenberg nach Grünheide beträgt 40 Minuten.


    Das nächste Ziel ist eine Verbindung bis Berlin-Ostbahnhof.


    Dazu ein zweiminütiges Video der rbb-Abendschau:


    https://www.rbb-online.de/aben…Gruenheide-gestartet.html

    Einmal editiert, zuletzt von Merlin ()

  • Die Fahrtzeit von Lichtenberg nach Grünheide beträgt 40 Minuten.

    Der Zug pendelt von Montag bis Freitag ca. 26 Mal am Tag auf der Strecke.


    Kleine Korrektur: Der Zug ab Lichtenberg fährt nur ein mal am Tag am frühen morgen. Die anderen Fahrten aufs Werkgelände fahren alle ab Erkner.

  • Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass Tesla in Grünheide etwas mit der hiesigen Wirtschaft zu tun hat ?


    In Brandenburg wird eine Fabrik von einem US-Unternehmen betrieben um US-Fahrzeuge herzustellen und zu verkaufen.

    Das wars dann auch. Sicherlich, ein paar Tausend Hilfs-Arbeitsplätze wurden geschaffen. Substanziell, in puncto Wertschöpfung trägt Tesla nichts zur Region bei.


    Ist es das krass unterentwickelte Ökonomieverständnis in der regionalen Medien- und Politikszene, das hier Irrerweise herrscht ? Und dazu führt, dass außereuropäische Importeure wie die eigentlich Ansässigen gefeiert werden ?


    Brandenburg täte gut daran die Milliardensubventionen in eigene Firmen- und Technologie-Entwicklungen zu stecken. Bsw im Aufbau von IT Zentren rund um das HPI in Potsdam.

  • Substanziell, in puncto Wertschöpfung trägt Tesla nichts zur Region bei.

    Reichlich unterkomplex erscheint es mir, die Wertschöpfung einer großen Fabrik auf Null zu setzen, weil der Firmensitz im Ausland ist. Folgende Aspekte unterschlägst Du meines Erachtens:

    • Tesla stellt keineswegs nur Hilfsarbeiter ein, sondern auch gelernte Arbeiter, Techniker, Verwaltungs- und Führungskräfte, das Management. Die zahlen ihre Steuern und Abgaben in Deutschland und geben ihr Geld in Berlin und Brandenburg aus.
    • Tesla kauft zunehmend bei regionalen Zulieferern, die teils ihre Kapazität ausbauen, sich teils neu ansiedeln (etwa in Fredersdorf/Vogelsdorf Cockpit-Armaturen oder in Ludwigsfelde Batterieteile). Die kaufen ihrerseits Fertigteile und Rohstoffe, zahlen Gewerbesteuern und beschäftigen Leute, die Steuern zahlen und Geld ausgeben. Inzwischen soll das alte Gewerbegebiet Grünheide ausgebaut werden, um für neue Betriebe Platz zu schaffen.
    • Tesla beschäftigt Logistik-Unternehmen – Lkw und Güterbahn – für den Transport von Teilen und fertigen Autos. Die vergrößern Fuhrpark und Belegschaft, zahlen Steuern, beschäftigen Leute, usw. usf.
    • Tesla baut neu und baut aus. Davon profitiert die Baubranche, die ihrerseits...
    • Tesla zahlt Gewerbesteuer – was allerdings vor allem der Gemeinde Grünheide zugute kommt.

    Ich habe einige Kritik an Tesla (betreffend u.a. die Bezahlung der Angestellten, den mangelnden Naturschutz, die Überwachungstechnik in den Autos und die Person des Firmengründers) – aber der Fabrik einen ökonomischen Nutzen für die Region abzusprechen, halte ich für eine ganz steile These. Das Bruttoinlandsprodukt in Brandenburg wuchs 2023 um 2,4 Prozent, der bundesweiten Rezession von -0,3 Prozent zum Trotz. Ich bin ziemlich sicher, dass die genannten Aspekte daran einen entscheidenden Anteil hatten.

  • Sicherlich, ein paar Tausend Hilfs-Arbeitsplätze wurden geschaffen.

    Jeder, der schon mal eine Autofabrik von innen gesehen hat, weiß dass diese technische Komplexität nicht von Hilfsarbeitern bewältigt werden kann, sondern zahlreiche Ingenieure und Techniker vielfältiger Fachrichtungen erfordert.

  • Reichlich unterkomplex erscheint es mir, die Wertschöpfung einer großen Fabrik auf Null zu setzen, weil der Firmensitz im Ausland ist.

    Daran ist nichts unterkomplex.

    Die Wertschöpfung von Tesla findet in den USA statt und weder in Berlin-Brandenburg, D oder EU. So einfach ist es. Dass der Konzern in B-B eine Wirkung auf dem Arbeitsmarkt auslöst ist unbestritten. Auch dass gewisse Steuerabgaben für das Land herausspringen ist nicht unwesentlich.


    Aber Wertschöpfung im kreativen, technologischen oder wirtschaftsgeographischen Sinne ist hier halt nicht vorzufinden.