Beiträge von JimmyMcGill

    Ich finde es total merkwürdig (und etwas verdächtig), dass keine detaillierteren Pläne und Visualisierungen veröffentlicht wurden, obwohl man schon mit dem Erdaushub begonnen hat (oder kommt sowas häufiger vor..?).


    Letztendlich handelt es sich bei der Coral World Gruppe - ähnlich wie bei Sea Life - um einen Betreiber kommerzieller Großaquarien. Natürlich sammelt man fleißig Zertifikate und schreibt sich ökologische und didaktische Beweggründe auf die Website, aber am Ende des Tages ist es Entertainment für Berliner und besonders für Touristen.


    Das ist ja per se erstmal nichts schlechtes, sollte man aber bei diesen extrem vagen Visualisierungen und der merkwürdigen Kommunikation im Hinterkopf behalten. Es wird ja öfters eine blühende Phantasie und Kreativität an den Tag gelegt, um einen Fuß in die Tür zu kriegen. Ich gehe davon aus, dass dieser ominöse Wasserpark in Größe und/oder Funktionsumfang noch erheblich zusammenschrumpfen wird, bis zum wie auch immer vertraglich festgelegten Minimum. Coral World muss Geld verdienen und das geht Indoor mit Nemo und Dorie besser als mit einem teils öffentlichen Wasserpark, der die Hälfte des Jahres kaum Anziehungskraft hätte.


    Am Ende des Tages ist's gut, dass dort was passiert, aber wirklich begeistern kann ich mich dafür nicht.

    Zur Erinnerung hier nochmal der Entwurf:

    https://jems.pl/en/projects/se…sh-embassy-in-berlin.html


    Ich sehe darin weder ein ganz normales Bürohaus, noch glaube ich, dass die "metallenen Lüftungspaneele" großartig ins Auge fallen werden. Ich bin optimistisch und hoffe, dass diese Art Tiefenstaffelung einen interessanten, zumindest aber einen sonst selten gesehenen Effekt erzeugen wird. Wie tief die Doppelfassade vermutlich reicht, kann man auf dem ersten Bild von Theseus erkennen. Schließlich wird die vorgesetzte Fassade laut Visu plan mit der Fassade des Nachbarbaus abschließen.

    Alles ist letztlich immer eine Frage der Perspektive.

    Genau so ist es. Der Fußgänger am Frankfurter Tor wird dazu sicherlich eine andere Meinung haben, wenn der Monarch direkt vor den Fernsehturm gesetzt wird, bzw. beide zu einem merkwürdigen Etwas verschmelzen. Das ist für mich alles andere als gute Gestaltungsarbeit am Stadtbild. Also ganz trivial ist die Angelegenheit nicht und ein Photo aus dem Flieger halte ich nicht für geeignet um die Diskussion abzufrühstücken.


    Glücklicherweise ergibt sich die Problematik beim EDGE viel weniger. Im Gegenteil, mir gefällt besonders die Perspektive auf den Turm bei der Zufahrt vom Frankfurter Tor über die Warschauer Straße. Da kann ich mir auch eine wirklich beeindruckende Torsituation (ja... ich weiß... überbenutzte Floskel) mit einem kommenden Hochpunkt auf dem RAW-Gelände vorstellen.

    ^Wenn die A100 ein PR-Projekt ist, dann von der Autolobby.


    Die geballte Sinnlosigkeit dieses Vorhabens wurde vor ein paar Tagen in der Zeit hervorragend aufgedröselt, inklusive der Negativurteile von Verkehrsplanern und anderen Sachverständigen (Intensiviert bestehende Probleme, verlagert nichts, schafft nur mehr PKW-Verkehr. Hatten wir hier letztens der Länge nach durchgekaut, auch wenn das einige gerne ignorieren) Leider mittlerweile hinter einer Paywall:

    Verkehrspolitik: Bis das Monster dann da ist | ZEIT ONLINE


    Ich hoffe, der Senat bedient sich hier aller ihm zur Verfügung stehenden Tricks um diese kontraproduktive Dummheit zu verhindern.

    Der heutige Lustgarten war Exerzierplatz, Aufmarsch- und Paradenplatz diverser Staatssysteme. Zwischendurch erinnerte man sich immer wieder daran, dass er auch etwas mit Garten zu tun hat und dann erlebte er diverse Phasen als Grünfläche.

    Auf dem Gebiet des heutigen Lustgartens wurde 1573 ein Küchengarten angelegt. 1645-46, zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, wurde das Areal umgestaltet und ist seitdem als Lustgarten bekannt. 1713 wandelte Friedrich Wilhelm I. den Lustgarten zum Exerzierplatz um, bis er 1798 wieder zur abgesperrten Rasenfläche gemacht wurde. In den 1820ger Jahren erfolgte entsprechend der Pläne von Schinkel die Fassung des heutigen Lustgartens mit dem Bau des Königlichen Museums und der erneuten Herrichtung zur Parkanlage. Zwischen 1936 und 1989 folgte ein erneutes Intermezzo als Aufmarschplatz für Nazis und Kommunisten und die Nutzung als Parkplatz, bis der Lustgarten in 1998 in seine heutige Form und Nutzung gebracht wurde.


    Sowohl der historische Ursprung, als auch die mit Abstand längste Zeit seiner Nutzung liegen in seiner Funktion als Garten- bzw. Parkanlage, nicht als Exerzierplatz. Der heutige Lustgarten funktioniert, eignet sich hervorragend zum verweilen und betrachten der umliegenden Sehenswürdigkeiten, ist bei Touristen extrem beliebt und besonders im Sommer proppenvoll. Ich sehe da 0,0 Gründe für eine Veränderung. Und ganz sicher nicht für eine Rückbesinnung auf die Stein- und Kieswüsten vergangener militaristischer oder faschistischer Zeiten.


    Möchte man den heutigen Lustgarten logisch zu Ende denken, müsste die Grünfläche über die Straße UdL bis an die Hauswand des "Stadtschlosses" herangeführt werden.

    Die Logik erschließt sich mir nicht ganz. Kannst du das bitte mal ausführen?

    Richtig, und trotz der Fallrohre und Berliner Wintergrau bleibe ich bei meinem Urteil.


    Mit "durchaus ansehnlich" impliziere ich ja nicht das gelbe vom Ei, aber für mich ist das solider Wohnungsbau und vernünftig umgesetzte Nachverdichtung. Neben dem bereits genannten, fügt sich das Gebäude auch noch gut in die Umgebung ein. Kann sich qualitativ sicherlich etwas abheben, ohne mit zu starken Stilbrüchen Verwirrung zu stiften (da hat natürlich - wie immer - auch die Anforderung an den Energie-Effizienzstandard mit reingespielt).

    Tja... so schnell kann es gehen.


    Durch die (sicherlich nur äußerliche) Betonung eines Sockels, Balkone und Staffelgeschoss wir aus einem modernen Klotz ein durchaus ansehnliches Wohnhaus. Mit der Asymmetrie der weißen Rahmen um die Fenster werde ich nicht ganz warm, aber an sich trägt auch diese farbliche Akzentuierung zum positiven Gesamtbild mit bei.

    Sorry aber das ist doch Korinthenkackerei.


    Ich glaube dir, dass das der Status quo ist, aber nächstes Jahr kann es schon wieder ganz anders aussehen und all das, was du oben als unmöglich beschreibst, wird dann plötzlich möglich gemacht. LH krempelt ja gerne mal spontan die internen Strukturen um. Alles schon mehrfach gehabt.

    Ich bin da bei UrbanFreak: "If you can't hide it, accentuate it"


    Betonflächen Schwarz und Technik im BER-Rot. Wäre vielleicht zu duster und schwer. Dann Betonflächen Weiß und Technik BER-Rot..?


    Wie auch immer. Das sind wohl müßige Gedankenspiele, da die Umsetzung und Pflege wesentlich teurer wäre, als einfach eine Decke einzuhängen. Sind so Sachen, bei denen man davon ausgehen kann, dass auf absehbare Zeit nichts passieren wird. Die Flughafengesellschaft hat andere Sorgen.

    Ich bin ganz sicher kein BER-Experte, aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe.


    Der LH-Konzern hat bereits etliche Hubs zu bedienen und etliche interne Probleme zu lösen und drängt traditionell eigentlich nur in den Berliner Markt, um der Konkurrenz Marktanteile abzuzwacken und deren Wachstum zu stören. Die eine der andere Tourihotspot-Langstrecke mag vielleicht möglich sein, aber sicherlich nichts, was auch nur den Anschein eines Drehkreuzes erwecken würde.

    Hingegen bin ich mir sicher, daß die BVG damit nichts zu schaffen hat, weil es unter dem Lustgarten keine U-Bahn gibt und es demnach auch keine U-Bahnbaustelle gab

    Okay... ein paar Meter weiter halt... Der Wunsch zur Neuordnung des Straßenraums hat ja erst vor ein paar Jahren konkretere Formen angenommen. Leider zu spät um mit dem Bau der U5 koordiniert zu werden. Also musste die BVG den Ursprungszustand wieder herstellen und man hat den Abschnitt dann bis Höhe Neue Wache vorübergehend einheitlich mit diesem aufgemalten, provisorischen Mittelstreifen versehen. Nun wartet man wohl den Prozess der Neugestaltung der Linden ab.

    Der Mittelstreifen resultiert meines Wissens nach aus der Vorgabe, dass die BVG nach Abschluss der U5-Bauarbeiten den Ursprungszustand wiederherstellen musste und man dann schonmal den Straßenraum entsprechend der bereits laufenden Neugestaltung der Verkehrsführung der Linden neu aufgeteilt hat.

    ich hätte es hier sehr wichtig gefunden die Strasse zwischen Schloss und Lustgarten wie das übrige Schlossumfeld zu pflastern

    Den Wunsch kann ich aus ästhetischen Gesichtspunkten zu 100% nachvollziehen, nur hätte man dann eine erheblich höhere Lärmbelastung, die sich an der Schlossfassade auch wunderbar spiegeln würde.


    Hier wird im Zusammenspiel mit der Neugestaltung der Linden sicherlich noch was passieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass man einen Mittelstreifen mit breiten Fußgängerüberwegen einzieht. Nur leider kann man sich ausmalen, dass bis dahin noch viel Wasser die Spree runterfließen wird.

    tegula Vielen Dank für die interessante Zusammenfassung. Bei dem Kommentar von Richard Schröder in der NZZ kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Für mich offenbart er ironischerweise die Schwäche der eigenen Argumentation, wenn er den Kritikern des Kuppelspruchs die Verleugnung der eigenen Geschichte unterstellt. Denn bspw. wäre eine künstlerische Akzentuierung alles andere als eine Verleugnung, sondern eben aktive Auseinandersetzung, das Einbringen unterschiedlicher Perspektiven. Dass das Puristen ein Dorn im Auge ist, ist nachvollziehbar. Aber mit einer rein positivistischen Reproduktion und möglichst kleingehaltenen Reflexion (die Hinweistafel, die dann irgendwo hängen soll) wird er aufgrund der Bedeutung dieses Ortes, dieses Bauwerkes und dieser Inschrift nicht durchkommen. Hoffe ich...


    Eine Reduktion auf den Streisand-Effekt übersieht daher einen erheblichen Teil der Dynamik.

    Mal ganz davon abgesehen, dass die Prophezeiung des Streisand-Effektes aufgrund der Kritik von Roth & Co. hier völlig unpassend ist. Schließlich sind Aufmerksamkeit und öffentliche Debatte genau das, was angestoßen werden soll. Das "unter den Teppich kehren" der Kontroverse scheint mir eher ein inniger Wunsch von Richard Schröder zu sein.

    Frau Roth müsste dann konsequenterweise auch an alten Kirchen Schmuckelemente abmeißeln, in Museen Bilder und Kunstwerke verhängen, in Schlössern Bilder und Symbole aus feudaler, undemokratischer Zeit „umkontextualisieren“ und bilderstürmerisch vernichten.

    Ich finde es zunehmend sinnlos hier zu diskutieren, wenn Schleife um Schleife um denselben Denkfehler gedreht wird. Entweder wollen oder können mache hier den Unterschied zwischen einem Original und einer Rekonstruktion nicht verstehen. Aber darin liegt nunmal der Kern der ganzen Schloss-Reko-Kontroverse, nämlich, dass wir dort aktiv Symbolik einer längst überholten und antidemokratischen Herrschaftsform REPRODUZIEREN. Dabei ist es völlig irrelevant wie originalgetreu der Neubau ist.

    ^^Ich empfehle dir und allen anderen interessieren die letzten sechs Seiten dieses Threads. Hier wurde die Thematik anhand des Kuppelspruchs und der Bronzetafeln ausführlich diskutiert. Zuletzt losgetreten von meiner Wenigkeit ab Kommentar #659.


    (Für die Untergang-des-Abendlandes-Theatralik bitte ich dich aber andere Foren aufzusuchen, danke)

    Solch ein Widerspruch offenbart für mich, wie unausgewogen am Ende doch der Blick vieler ist, wenn sie sich besonders woke gerieren.

    Da wäre ich beim Austeilen etwas vorsichtiger. Grade wenn du dich auf einen so stark hinkenden Vergleich stützt.


    Das Fries am Haus des Berliner Verlages ist nunmal ein restauriertes Original und auch noch Teil eines denkmalgeschützten Gebäudes. Der Spruch an der Schlosskuppel wurde im Rahmen der Rekonstruktion einfach 1:1 auf Beton bzw. vorgehängten Naturstein gepinselt. Sorry... auch wenn es nervt, aber das ist nun mal ein grundlegender Unterschied, der auch deinen vermeintlichen Widerspruch erklärt.


    Die Schlossgegner haben ihren Kulturkampf über den Wiederaufbau verloren, das Schloss ist zu ihrem Entsetzen Realität geworden (wie konnte das nur passieren?..). Nun setzen sie ihren Kampf mit anderen Mitteln fort.

    So dramatisch würde ich es nicht sehen. Die Schloss-Rekonstruktion hat eine interessante und nötige Debatte angestoßen und ist gleichzeitig Mittelpunkt derselben. Über Aspekte der deutschen Geschichte und unseren Umgang damit. Das geht ja mit der Fertigstellung erst richtig los und wird bleiben.

    Als Befürworter der Maßnahme an sich, kann ich die Frustration mit und die Kritik an der Berliner Politik und Verwaltung völlig nachvollziehen, auch wenn die Bedingungen komplexer und schwieriger sind, als es in gewohnt provokanter Manier in Presseartikeln und Forumsbeiträgen dargestellt wird. Zu der ohnehin schon lahmen Verwaltung kamen ein Wahlkampf und coronabedingte Krankenstände und Prioritätenverschiebungen, was die Prozesse natürlich nicht einfacher gemacht hat.


    Aber das man es zwei Jahre lang nicht hinbekommt, mehr umzusetzen als Baustellenmarkierungen und behelfsmäßige Sitzgelegenheiten, ist ein Armutszeugnis. Prozesse hin oder her, man kann eine solch zentrale und prestigeträchtige Straße nicht über so lange Zeit vor sich hin gammeln lassen. Ich wage zu behaupten, dass man sowas an vergleichbarer Stelle in Paris, Kopenhagen oder Wien nicht sehen würde. Und ein glasklarer Indikator für die schlechte Arbeit aus dem Hause Jarasch ist, dass man die Einzelhändler vergrault hat. Deren Kooperation ist nun mal ganz zentral und obwohl sie anfangs der Maßnahme offen gegenüber standen, haben sie sich mit der Zeit abgewandt, was nachvollziehbar ist.


    Für mich zeigt sich hier nicht ein Scheitern des Vorhabens und ganz sicher nicht der oben so genannten "grünen Verkehrswende", sondern nur ein weiteres, deprimierendes mal die Ineffizienz der Berliner Politik und Verwaltung. Nicht das es umgesetzt wurde sondern wie es bisher umgesetzt wurde, ist das Problem. Es gibt Beispiele ohne Ende, dass Verkehrsberuhigung und PKW-Sperrung zu Belebung und steigenden Umsätzen im Einzelhandel führt, aber das geht halt nicht mit Europaletten, globaler Pandemie und Berliner Verantwortungsdiffusion.


    Das ganze Gaga der grünen Verkehrswende wird daran sichtbar, dass man sich an ein paar hundert Meter Friedrichstrasse abarbeitet - aber die Leipziger links liegen lässt

    Das ist nicht richtig. Auch an der Leipziger Straße ist man schon länger dran, wobei die aktuellen Brückendiskussion zeigt, dass der Drops noch lange nicht gelutscht ist:

    Straßenbahnneubaustrecke Alexanderplatz – Potsdamer Platz/Kulturforum - Berlin.de

    Es gibt im ganzen Stadtgebiet etliche Verkehrsprojekte im Rahmen der Verkehrswende, in unterschiedlichen Umsetzungsstadien. Der Eindruck des "Abarbeitens" an einzelnen Konfliktthemen ergibt sich aus der medialen Ausschlachtung derselben.


    "Verkehrswende" wird als plakatives Wort in die Arena geworfen, aber außer werbeträchtigen Inszenierungen habe ich bis heute nicht verstanden was dieses Wort beinhalten soll. Hier fehlt das Fundament, worauf es sich bezieht (z. B. pro dies oder gegen das, dann aber mit alternativem Angebot)

    Das ist schwer nachzuvollziehen. Schließlich werden Art und Weise sowie das Für und Wider seit Jahren rauf und runter diskutiert. Vielleicht als grober Einstieg:

    Verkehrswende – Wikipedia

    Wie das laut Meinung der gegenwärtigen Regierung in Berlin umgesetzt werden soll, steht auf 13 Seiten im aktuellen Koalitionsvertrag:

    Koalitionsvertrag 2021 - 2026 - Berlin.de


    Wo ich dir allerdingst zustimme, ist beim Thema Öffentlichkeitsarbeit. Mobilität ist zum identitätspolitischen Schlachtfeld geworden. Das liegt aber nicht nur daran, dass Springer & Co. in gewohnt billig-polemischer Art und Weise dagegen wettern, sondern auch an einer zu positivistischen, konfrontativen und besserwisserischen Kommunikation mancher Verfechter der Verkehrswende. Es bedarf einer größer angelegten Kommunikationskampagne die die diversen Vorhaben anschaulich darstellt, die Leute mitnimmt und die, die sich nicht mitnehmen lassen wollen, zumindest informiert.

    Städte, die seit Jahrhunderten mit hohen Temperaturen klarkommen, sind ausnahmslos hocherdichtet

    Dieses Argument bezieht seine Legitimation ja nicht aus den modernen Teilen Cairos und Casablancas, sonder aus historischen Altstädten in denen angepasste Bewohner im kleinen Maßstab ein völlig anderes Leben geführt haben, als wir es heute führen. Die Architektur wurde auf clevere Art und Weise den lokalen ariden bis wüstenartigen Bedingungen angepasst, die trotz Klimawandel wenig mit den Unseren gemein haben. An sich hoch interessant, aber als Orientierung für die Stadtplanung einer 3,5 Millionen-Stadt in unseren Breiten nicht wirklich geeignet.


    In den moderneren Teilen von bspw. Cairo oder Casablanca herrschen eher westliche Stadtstrukturen mit breiten Straßen, renditenoptimierten Wohnhäusern und ausgeprägter Versiegelung vor, in denen man sich das "Klarkommen" energieintensiv mit Klimaanlagen erkaufen muss. Die Bevölkerung dieser Städte ist zudem über Generationen an die Hitze angepasst, was nicht nur die persönliche Gesundheit , sondern auch des gesellschaftliche Leben insgesamt betrifft. Hier wieder: als Vorbild nicht wirklich geeignet.


    Das Thema kann man noch erheblich vertiefen (bei uns kommt z.B. auch noch die deutlich höhere Gefahr von Überflutungen durch Starkregen hinzu), aber klar ist, dass die Gleichung hochverdichtet=klimafreundlich so nicht zu machen ist. Ganz besonders, wenn man von Großstädten spricht.


    Nachverdichtung hingegen lehne ich überhaupt nicht ab und es wäre mir auch neu, wenn die Grünen das per se tun würden (siehe Molkenmarkt). Aber es gibt wie immer ein gesundes Maß. Grünflächen erfüllen eine Reihe wichtiger Funktionen und sind nunmal nicht komplett wegzudenken. Fairerweise muss man sagen, dass wir ein Berlin vergleichsweise gut aufgestellt sind und der Ruf nach Grünflächen und Luftschneisen nicht immer sachliche Hintergründe hat, sondern auch als Hebel zur Verhinderung genutzt wird.