Beiträge von JimmyMcGill

    Ich finde im Allgemeinen ist Kontext total wichtig. Mir fehlt das auch immer im Museum. In welchem Kontext stand die Figur, das Gemälde. Wie muss ich mir die Zeit, Musik, das Leben etc. vorstellen, damit ich die Wichtigkeit des Werks für den Zeitraum verstehen kann.

    Hä..? Aber genau das bietet ein Museum doch. Man muss sich halt etwas Mühe machen und etwas dazu lesen oder dem Audioguide zuhören.


    Und Hinweistafeln sind verkopft? Generell oder nur bei bestimmten Inhalten? Wie meinst du das?


    Der Vorschlag bzgl. Augmented Reality ist interessant. Ich würde es aber andersherum aufziehen. Nicht die wichtige Kontextualisierung in eine mehr oder weniger zugängliche Augmente-Reality-App verdrängen, sondern die geschichtlich interessante aber völlig unzeitgemäße Herrschaftssymbolik über Augmented Reality darstellen. Nicht nur das, man könnte die unterschiedlichen Entwicklungsstadien des Schlosses erlebbar machen.

    Die Spreekanal-Ansicht offenbart die Wirkung der James-Simon-Galerie als Fremdkörper in einer historischen Umgebung. Erneut stellt sich mir die Frage: Warum glauben viele zeitgenössische Architekten eigentlich, dass der Umstand des größtmöglichen Kontrastes zur benachbarten Bebauung die Qualität der Architektur steigert?

    Ein "größtmöglicher Kontrast" würde vielleicht bei einem Gehry'schen Verkehrsunfall zutreffen, aber doch nicht hier. Die James-Simon-Galerie greift mit den Kolonnaden und weit ausgelegten Treppen das Tempelartige der umliegenden (neo-)klassizistischen Gebäude - wie ich finde - sehr geschmackvoll auf. Sie bietet tolle Perspektiven und Sichtachsen, ohne sich zu sehr im Ensemble in den Vordergrund zu drängen.

    Es handelt sich dabei wohl um bis zur Unkenntlichkeit stilisierte Säulen einer Kolonnade. Doch weder die Proportionen noch ihre Ästhetik, schon gar nicht die nicht vorhandenen Detailformen zeigen Anklänge an Schinkels Klassizismus.


    Das sehe ich genau andersrum. Das Aufgreifen der klassizistische Formensprache ist nicht nur offensichtlich, sondern in ihrer Gestaltung auch mutig und konsequent durchgezogen. Ein stärkerer Kontrast ist unabdingbar, ihn optimal einzustellen die große Kunst. Für mich ist das bei der James-Simon-Galerie gelungen.

    campus_jungfernsee05.jpg

    Amerikanische Suburbia-Struktur mit deutschen Doppelhaushälften und beengtem Straßenraum - the worst of both worlds...


    Wir befinden uns im Speckgürtel, ohne Auto geht es nicht. Das ist völlig klar und auch völlig OK, aber das man hier in den 2020gern nicht mal einen Bürgersteig mit gebaut hat, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn sich Fußgänger, Fahrradfahrer, spielende Kinder und Autos die Straße teilen müssen, ist klar, wer den kürzeren zieht. Das zementiert die PKW-Dominanz und den "Durchgangscharakter" des öffentlichen Raum, selbst in einer ruhigen Wohnsiedlung.


    Sind denn auf der jetzigen Brache zumindest ein Spielplatz, Bouleplatz oder sonstige Begegnungsorte geplant? Oder sehen sich die Bewohner nur an der Supermarktkasse bzw. beim spannern durch die Hecke?

    Die Erwiderung zu Urbanfreaks Kommentar war richtig und nötig. Aber ich hoffe, dass es dabei bleibt und wir nicht in die bekannten und zu nichts führenden Grabenkämpfe abrutschen.


    Fakt ist, dass das Ding da mal stand und jetzt nicht mehr und nun ist dort eine (fast) freie Fläche, die bebaut werden darf.


    Fakt ist, dass die Bauakademie ein innovativer und wegweisender Bau von einem der wichtigsten Architekten der deutschen Geschichte war. So wie die Humboldt-Brüder die Wissenschaft und Lehre, Beethoven die Musik und Goethe die Dichtkunst und Literatur, hat Schenkel die Architektur revolutioniert (apropos "identitätsstiftend"...) und mit der Bauakademie einen Initialbau der Moderne geschaffen. Er schlägt eine metaphorische Brücke zwischen den vorangegangenen Epochen bis ins heutige Zeitalter. Proportionen und Formensprache finden sich selbst in den Neubauten der Gegenwart wieder. Die Bauakademie ist nicht der einzige Bau auf den diese Beschreibung zutrifft, aber wohl einer der wichtigsten. Er hat eine enorme kulturgeschichtliche Bedeutung.


    Fakt ist auch, dass wir hier im Gegensatz zu anderen Rekonstruktionsprojekten einen ganz entscheidenden Vorteil haben: Der Bau ist nicht politisch-ideologisch vorbelastet. Es handelt sich hier nicht um die Rekonstruktion eines absolutistischen Herrschaftsbaus, für den zunächst ein bestehender (partei-)absolutistischer Herrschaftsbau abgerissen werden muss. Es gibt generell keine relevanten Bestandsgebäude, die erstmal zerstört werden müssen. Von daher tun wir uns und dem Prozess keinen Gefallen, wenn wir die alten Reizthemen auch hier in die Diskussion eintragen. Wenn ich mir die bisherigen Beiträge im Forum anschaue, habe ich den Eindruck, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer zumindest die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade befürwortet.


    Vielleicht kein Fakt aber zumindest aus meiner Sicht offensichtlich ist die unschlagbare Ensemblewirkung. Natürlich mit Schloss, Dom und dem Alten Museum, aber auch dem Deutschen Historischen Museum, Kommandantenhaus und der Friedrichwerderschen Kirche. Kontrastreich ergänzt durch die moderne, aber der Umgebung doch Respekt zollenden Wohnbebauung am Schinkelplatz, dem mutigen und mMn sehr gelungenen Neubau des Außenministeriums, dem durchaus interessanten Staatsratsgebäude und der kommenden "Einheitswippe". Ein wilder Ritt durch die Architekturgeschichte, von Klassizismus bis Postmoderne (selbst die Ostmoderne lässt sich blicken)... Mehr Wandel und Bewegung, Zerstörung und Heilung, Neu- und Wiederaufbau geht kaum. Typisch Berlin! Gäbe es eine bessere Kulisse für einen Wegweiserbau wie die Bauakademie, welcher zwischen all diesen Stilen vermittelt?


    Das Motto "So viel Schinkel wie möglich" finde ich genau richtig. Aufgrund der architekturgeschichtlichen Bedeutung des Baus und der Bestandsbebauung im Umfeld, würde auch ich zumindest die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade befürworten. Keinen der bisher gezeigten Entwürfe von merkwürdig kontemporär interpretierten Fassaden finde ich auch nur ansatzweise überzeugend. Ich halte das auch generell nicht für realistisch - da ist die Originalfassade in Form und Proportion zu ausgereift und abgestimmt. Bis man hier ein harmonisches Gesamtbild erreichen würde, wäre der Charakter der ursprünglichen Bauakademie wohl nicht mehr erkennbar. Bei den Innenräumen wäre ich gegenüber einer modernen Auslegung offen. Das wäre einfacher und schneller umzusetzen, günstiger und damit realistischer. Oder man greift den fortschrittlichen Charakter des Gebäudes auf und erprobt wirklich innovative Raumkonzepte. Mit der rekonstruierten Fassade als äußeres Gewand und einem dynamischen inneren Körper. Besonders schön wäre es natürlich, wenn sich eine spätere Nutzung des Baus der Lehre, Vermittlung, Diskussion und Gestaltung von Architektur widmet.

    und befindet sich (wie meistens bei solchen Event-Locations) in einem ganz unspektakulären schlichten Gewerbegebäude

    Da wird hier einfach noch eine Schippe draufgelegt um sich von der Konkurrenz abzuheben, denn diese Hochzeitssäle sind ein riesiges Business. In vielen Kulturkreisen gehört es zum guten Ton so ziemlich jeden einzuladen, denn man irgendwie kennt, in erster Linie um auszuschließen, dass man jemanden vergisst. Entsprechend schwierig wird es dann, für die resultierende "Großhochzeit" eine passende und gleichzeitig bezahlbare Location zu finden. Seit geraumer Zeit machen sich Geschäftsleute mit größeren Gewerbegrundstücken diesen Umstand zunutze und betreiben Hochzeitssäle als Nebengeschäft. Ob in der nicht benötigten Lagerhalle oder einfach auf dem Dach der Kfz-Werkstadt. Sind wohl Selbstläufer... da wundere ich mich nicht, dass wir mittlerweile Deluxe-Versionen wie dieses Objekt sehen.

    Bei den ganzen Leverkusens, Hoffenheims, Wolfsburgs und co mit ihren 300 Auswärtsfans ist da natürlich nicht viel zu holen.

    Auswärtsfans sind das geringste Problem. Praktisch jeder deutsche Verein hat hier mindestens einen Fanclub und für Fans von Außerhalb ist der Wochenendtrip nach Berlin immer attraktiv. Das ist einer der Hauptgründe dafür, weshalb Hertha trotz mäßiger Leistungen einen Zuschauerschnitt von 40-50K in den letzten zehn Jahren hatte (ausgenommen Corona) und damit im Bundesliga-Ranking recht weit vorne liegt.


    Alles unter 50K im neuen Stadion wäre für mich nicht nachvollziehbar. Man sollte bei Hertha trotz aller Schwierigkeiten noch mit einem Fünkchen Optimismus und Mut in die Zukunft schauen können.

    Diese Debatten werden alle nicht dauerhaft sein.

    Debatten zu diversen architektonischen Einzelheiten nicht. Die Debatte um unsere Geschichte und unseren Umgang damit (Inklusive Kolonialismus und Raubkunst) wird bleiben. Die hat man mit der Rekonstruktion dieses Schlosses, zum Anfang des 21. Jh., in der Bundesrepublik Deutschland, im wahrsten Sinne in Stein gemeißelt und fest zementiert.

    Diese ganzen Themen sind unter normalen Touristen gar kein Thema, unter internationalen Themen überhaupt nicht thematisierenswert.

    https://entwicklungsstadt.de/pressestimmen-humboldt-forum/

    https://www.forbes.com/sites/n…n-berlin/?sh=6bd7d3cf444e

    https://www.nytimes.com/2018/1…m-berlin-deutschland.html

    https://www.theguardian.com/wo…nored-colonial-atrocities

    https://www.lemonde.fr/culture…nd-corps_918626_3246.html

    https://www.lefigaro.fr/cultur…-enfin-au-public-20210719


    etc. pp....


    Die hiesige Debatte ist sehr wohl auch international ein Thema - wenn auch weniger detailliert - und wird im Schnitt deutlich kritischer diskutiert als hier. So ist jedenfalls mein Eindruck.

    Auch die vorgesehenen Hochhäuser entschädigen dafür nicht, denn es sollten zunächst einmal die deutlich sinnigeren Cluster am Alexanderplatz und der Citywest weitergebracht werden, sowie das weniger sinnige Cluster am Gleisdreieck.

    Am Alex und in der City West ist man in unterschiedlichen Stadien tatkräftig dabei. Dafür ist das vorliegende Projekt gänzlich unbedeutend. Auch für den "weniger sinnigen Cluster am Gleisdreieck", von dem noch nichts zu sehen ist und gehört habe ich davon auch schon lange nicht mehr.


    Wenn wir von bestehenden und zukünftigen Cluster reden, dann ist der Bereich nördlich des HBFs aus meiner Sicht der mit dem größten Potential in der Stadt, auch was zukünftige Gebäudehöhen angeht. Die Verkehrsanbindung ist perfekt, die Bestandsbebauung vergleichsweise unproblematisch. Es gibt bereits Hochhäuser und weitere werden kommen (vorliegendes Projekt, "Europaplatz 1". Zusätzlich gibt es noch potentielle Baufelder deren Erschließung in Zukunft durchaus realistisch wäre. Z.B. die Laubensiedlung an der Lehrter Str. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass der Geschichtspark Ehemaliges Zellengefängnis Moabit in seinen jetzigen Ausmaßen auf ewig Bestand haben wird.

    Ja, den Kritikpunkt bzgl. fehlender Dichte im Westteil kann ich erstmal nachvollziehen. Interessanterweise stellen die Gutachter diesen Aspekt positiv heraus:

    Im Westen bekommt das Quartier einen grünen Auftakt - der Baumbestand in Alt-Moabit bleibt erhalten und der Wohnblock erhält im EG kleinteilige Einheiten, wie z.B. Gastronomie. Hier kann sich gut ein typisches Berliner Kiez-Leben entfalten. Dieser grüne Vorplatz wird gefasst durch den Schulbaukörper mit Hochpunkt. Hier befindet sich auch als klare Adresse der Eingang zu den Wohnungen im Hochpunkt
    Der Entwurf benennt viele Faktoren des Prinzips "Schwammstadt" und verzichtet zugunsten von Versickerungsflächen auf dem Grundstück auf großflächige Versiegelung. Insbesondere wir der Erhalt der Bäume eines größeren Grünraums durch das Zurückrücken der Wohnbebauung an der Straße Alt-Moabit als sehr positiv bewertet.

    https://ulap-quartier.berlin.de/docs/Protokoll-ISSSB.pdf


    In der Detailbetrachtung (Danke qin-root) zeigt sich nicht nur diverse Gastro, sondern auch eine Kita, Spielplätze, Sitzgelegenheiten, etc... Und wenn man sich die Verhältnisse mal auf Google Earth ansieht, ist zu erkennen, dass der Freiraum gar nicht mal so groß sein wird (Die zukünftige Bebauung schließt ungefähr auf Höhe der Gebäudekante des gegenüberliegenden Wohnblocks ab). Bäume und andere Vegetation sind nicht nur wichtig für das Stadtklima (für sich schonmal ein Faktor mit enormer Wichtigkeit), sondern sollten auch die Lärmbelastung durch Kreuzung und Tram-Kurve reduzieren. Letztere stelle ich mir als zusätzlichen Grund dafür vor, weshalb man die Wohnbebauung nicht weiter in die Westecke gerückt hat... da wird's ganz schön quietschen.


    Insgesamt überzeugt mich die Herangehensweise. Wenn man es wirklich schafft, hier eine solch diverse Nutzung aufzuziehen, wäre das alles andere als verlorener Raum.


    Trotzdem enthält das Gutachten eine Reihe von Kritikpunkten. Hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

    Anscheinend wurde der Wettbewerb entschieden. Gewonnen hat der gemeinsame Entwurf der Büros ISSS Research aus Berlin und bauchplan aus München.


    Neues Stadtquartier ULAP-Areal in Berlin: Hoch hinaus am Hauptbahnhof (berliner-zeitung.de)


    ISSS Research: ULAP re-connected – ISSS (isssresearch.com)

    bauchplan: bauchplan ).( ...


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    (c) ISSS Research: ULAP re-connected – ISSS (isssresearch.com)


    Ich freue mich! Das war mein Favorit. Mir gefallen besonders die Hochhäuser mit den begrünten Zwischenebenen.

    Aber wie sähe das Ganze aus, wenn der Neubau farblich an das Schadow-Haus und das Postscheckamt angenähert würde?
    Wenn ein hervorgehobener Eingangsbereich (Risalit?) die öde Fassade unterbräche?

    Bei den Vorschlägen vermute mal: nicht gut.


    Ich kann Endells Meinung trotz aller Überspitzung schon nachvollziehen, denke aber auch, dass es das Schadowhaus - unter Berücksichtigung der gegebenen Bedingungen - kaum besser hätte erwischen können. Klassizismus direkt neben Moderne funktioniert mMn dann recht gut, wenn letztere in Form von anspruchsvolleren Glasfassaden umgesetzt wird. Da stimmen mich die Visu recht optimistisch. Die plastisch hervorgezogenen Kastenfenster wirken außergewöhnlich und hochwertig, insbesondre auch durch die rahmenfreien, umlaufenden Eckfenster. Die Fassade wirkt durch die Planarität der großflächigen Fenster ruhig, aber durch die zwei versetzten Ebenen gleichzeitig interessant. Hoffentlich bestätigt sich der Eindruck "in echt"...


    Einen starken Kontrast hätte es hier eh gegeben, also sollte man nicht versuchen ihn zu verstecken, sondern zu betonen. Dieser Neubau wird das Schadowhaus nicht (auf irgendwas) reduzieren, sondern hervorheben. Viel mehr, als das ein Gebäude mit stilistischen oder farblichen Anknüpfungsversuchen könnte.

    Nur weil da (in der Umgebung) "was los ist", ist das für mich keine attraktive Wohngegend und ein lebhafter Kiez erst recht nicht. Ich befürchte, dass es zwischen all den Bürogebäuden und Frühstücks- und Mittagslokalen zum Abend hin ziemlich einsam wird. Diverse Geschäfte sehe ich dort jetzt zumindest noch nicht und ob die für die paar Wohnhäuser noch kommen, ist zweifelhaft. Da bleiben nur die Einzelhandels- und Gastrofilialen in der East Side Mall bzw. Mercedes Banz Areal.


    Aber egal... von mir aus können wir da gerne anderer Meinung sein. Und es werden sich sicherlich Menschen finden, die sich ganz explizit aufgrund der unmittelbaren Umgebung dort wohlfühlen. Is doch Knorke...

    Das was die meisten mit dem "puren Leben des quirligen Bezirks Fhain-Kreuzberg" assoziieren würden, ist dort mit Sicherheit nicht zu finden und die Wege dorthin werden durch Spree und Bahntrasse massiv erschwert. Hinzu kommt der Rummel der Media Spree und East Side Gallery, der für Touristen und Tagesbesucher vielleicht interessant, für Anwohner auf Dauer wohl eher anstrengend ist. Das Areal um den Ostbahnhof ist auch mehr ein Durchgangsraum. Von daher kann ich die Einschätzung von Oranien schon nachvollziehen, obwohl ich es nicht ganz so dramatisch sehe.


    Ich tippe da längerfristig eher auf viel Cooperate Housing und hochpreisige, möblierte Wohnungen für Leute mit viel Geld und wenig Ahnung von Berlin. So als erste Wohnung in der neuen Stadt, bevor man dann in attraktivere, weniger touristische, ruhigere Gegenden weiterzieht. Das sich dort zwischen den paar Wohnhäusern ein lebhafter kleiner Kiez etabliert, würde mich überraschen. Ebenso würde es mich aber überraschen, wenn die Investoren Probleme hätten, die Wohnungen loszuwerden. Und wenn es ein bisschen länger dauert, bis sie ihr Investment wieder reingefahren haben... tja... sie werden's überleben und mein Mitleid hält sich in Grenzen.

    Milliarden Stunden Zeitverlust

    Interessante Zahl, wie kommst du auf die?


    Es gibt Strecken, da ist das Fahrrad schneller. Es gibt Strecken, da ist das Auto schneller. Und es gibt Strecken, da ist der ÖPNV schneller. Das Auto wäre oft schneller, wenn die Straße frei und der Parkplatz vor der Tür garantiert wäre. Nur ist das in den allermeisten Fällen nicht gegeben und ließe sich flächendeckend im urbanen Raum auch nicht herstellen. Von daher ist diese Rechnung schwierig und die daraus abgeleitete Erwartungshaltung erst recht.

    bleibt die auch weiterhin notwendig wenn ab nächstem Jahrzehnt Verbrennungsmotoren gar nicht mehr produziert werden

    Natürlich, die Emission von Schadstoffen und klimaschädlichen Gasen ist ja nur einer der Gründe für die Verkehrswende. Grade in urbanen Räumen wie Berlin ist der Flächenverbrauch ganz zentral. Und da ist das Auto halt gnadenlos ineffizient.

    Ich habe nicht andere Meinungen als Volksverdummung bezeichnet sondern die Argumentation, ein Baustopp der A100 würde eine Verkehrswende darstellen.

    Da tanzt du aber Semantik-Ballet. Auch wenn Klarenbach mal salopp das Pronomen "einer" hat einfließen lassen, lese ich den entsprechenden Satz mitnichten so, als reduziere den Begriff Verkehrswende auf einzelne Ereignisse, wie den Baustopp der A100. Darauf sofort mit "Volksverdummung" loszupoltern... naja...


    Aber man kann sicherlich sagen, dass die Verhinderung unsinniger Baumaßnahmen und das Aufbrechen veralteter politischer und planungstechnischer Paradigmen sehr wohl wichtige Teile der Verkehrswende sind. Und zwar ziemliche Klopper!

    Es wird eher so sein, dass der Innenstadtverkehr entlastet wird.


    Davon ist leider nicht auszugehen. Wir hatten die Diskussion letztens erst, siehe Kommentar #667 und folgende.

    ^^Das sind grundsätzlich natürlich wichtige Punkte, die du ansprichst. Aber ich glaube, auf dem unmittelbaren Vorfeld des drittgrößten Berliner Bahnhofs sind die Prioritäten anders gesetzt.


    Hier ist weiträumige und solide gepflasterte Bewegungsfläche ohne Stolperfallen und Hindernisse entscheidend. Nicht nur zur schnellen Dispersion von Menschenmassen sondern auch als Evakuierungsfläche und Zufahrt für Rettungsdienste. Immerhin möchte man ja ein paar Bänke und Bäume setzten, wie man der Visu entnehmen kann. Aber mehr ist da wahrscheinlich nicht drin.


    Was mich bei den Plänen gewundert hat, ist der ziemlich zurückhaltende Ausbau der Fahrradstellplätze von 90 auf 200. Das ist für so einen wichtigen Bahnhof lächerlich wenig. Ich verstehe nicht, wie man in 2022 auf diese Zahl kommt. Auch ist nur von freistehenden (maximal vielleicht überdachten) Bügeln die Rede. Hier müsste es mindestens auch Fahrradboxen mit Lademöglichkeiten geben. Und eigentlich wäre das Ostkreuz doch ein idealer Standort für ein Fahrradparkhaus nach Holländischem Vorbild.


    Ebenso schafft man bewusst diese sozialen Brennpunkte, wenn Neubauten wie dieser hier - abgesehen davon, dass die Architektur unterirdisch ist - wieder nur als Sozialwohnungen baut. Wie soll eine dabei vernünftige Mischung entstehen?

    Sicherlich nicht durch die "unsichtbare Hand", wenn überhaupt, dann durch solche Projekte. Nicht alle, sondern die Hälfte der 210 Wohnungen sind gefördert, es gibt 49 möblierte Wohnungen für 16€ je Quadratmeter, z.T. Concierge-Service. Von der bewussten Schaffung sozialer Brennpunkte kann hier mitnichten die Rede sein. Ich finde es völlig richtig, dass man auch so zentrumsnah noch bemüht ist, der Mieten-getriebenen sozialen Segregation entgegenzuwirken.


    Und ihre Kampfhundanekdote in allen Ehren, aber seit wann ist die Fischerinsel eigentlich ein "sozialer Brennpunkt"? Wäre mir neu. Früher vielleicht? Ich würde wetten, dass mittlerweile auch ein nicht kleiner Teil der Wohntürme nicht mehr von dem Klientel bewohnt wird, welches sie in die Kategorie "poverty porn" einordnen.


    Eine Sanierung des Memi oder der Fischerinsel scheitern bestimmt nicht am fehlenden Geld.

    In erster Linie wohl an der Frage, ob überhaupt Sanierungsbedarf besteht oder? Des Weiteren stünde einer vorgezogenen Kernsanierung der Umstand im Weg, dass die Wohnungen in den Bestandsgebäuden vermutlich restlos vermietet sind, oft mit langjährigen und vergleichsweise günstigen Mietverträgen. Diese Leute rauszuschmeißen, weil sich Architekturfreunde wie Sie und ich an der Ästhetik der Gebäude stören, ist nicht so einfach zu rechtfertigen. Das wäre tatsächlich politisch nicht gewollt.


    Naja... hoffen wir mal, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft zumindest mal um die Fassade des Memi kümmert.