"Forum an der Museumsinsel" (Freiberger Holding)

  • Aber der Weg war doch schon bisher nicht versifft! Das ist hier eine ganz andere Situation als im Alex. Auch habe ich dort nie (!) auch nur einen "Straßenmusiker, Trinker, Zettelverteiler, Bettler oder feiernden Jugendlichen" erlebt, ...


    Keine Sorge, ich auch nicht. Ich habe nur versucht, die Frage beantworten, welche Rechte Freiberger hätte und welche Einschränkungen möglich wären.


    Ich habe auch geschrieben, dass man bei der Privatisierung öffentlicher Wege (und Plätze) skeptisch sein kann. Nur sind die genannten Beispiele, wo es so gekommen ist, nicht gerade angsteinflößend. Es kann also auch völlig problemlos werden, wenn Freiberger das Uferstück bekommt.


    Übrigens: Die "herabgewirtschaftete B-Lage (Bolle damals)" hatte seinerzeit keinen Uferzugang. In diesem Fall ist durch den Investor daraus eine atttraktive A-Lage geworden, die tagtäglich von wirklich sehr vielen Passanten zu Fuß und per Rad frequentiert wird.


    Dennoch würde ich es im Falle des Uferwegs an der Mobijoubrücke bevorzugen, dass der Weg in öffentlicher Hand bliebe. Ich sehe bloß kein Katastrophenszenario aufziehen, falls das Ufergrundstück doch verkauft wird.

  • ^ Gerade wenn man die Privatisierung öffentlicher Wege und Plätze grundsätzlich für problematisch hält, sollte man, denke ich, in irgendeiner Weise aktiv werden, wenn an einem der schönsten Uferwege im Zentrum Berlins so etwas unter offensichtlich vorgeschobenen Begründungen ("Reinigungs- und Pflegekosten" sparen) versucht wird. Da ich nicht möchte, dass wertvolle öffentliche Wege und Plätze peu à peu in die Hände weniger fallen, habe ich diesbezüglich eine Anfrage an den Berliner CDU-Direktkandidaten Lengsfeld geschickt, - eine Antwort steht noch aus.


    Übrigens bemüht sich Freisinger offenbar seit Jahren hartnäckig um den Kauf dieses und anderer öffentlicher Wege, nach Angaben des Tagesspiegel will er auch die Ziegelstraße kaufen, vgl. http://www.tagesspiegel.de/ber…te-ufert-aus/8714516.html. Ihm geht es offenbar um möglichst umfassende Kotrolle über das gesamte Arreal.

  • ^ die Diskussion ist sicher berechtigt, aber den Investor, der seine berechtigten Interessen im Rahmen seiner Möglichkeiten vertritt, als Bösewicht darzustellen, finde ich nicht in Ordnung.


    Angesichts einer verbreiteten Tendenz zur Verwahrlosung im öffentlichen Raum Berlins, verstehe ich sein Interesse ganz gut. Berlin tut sich doch immer schwerer seine Innenstadt nicht zum Jahrmarkt verkommen zu lassen. Der Bezirk könnte ja alles für fünf Monate im Jahr mit Buden zustellen um etwas Geld einzunehmen oder so.


    Mir wäre ein verbleib in der öffentlichen Hand auch lieber.


    Das sehr geringe Tempo bei diesem Projekt finde ich allerdings ärgerlich. Worauf wartet Freiberger? Wenn die Stadt hier z.B. mit Verzögerungen erpresst würde, wäre es ein Skandal.

  • ^ Es geht in der Tat nicht darum, Freiberger als Bösewicht darzustellen, er wird seine Interessen haben, aber das sind eben nicht unbedingt die Interessen der Bürger dieser Stadt.


    Wir können doch nicht wollen, (und sollten das entsprechend artkulieren), dass schönste und begehrteste Innenstadtgrundstücke privatisiert und damit öffentliche Rechte mit der Begründung eingeschränkt werden, dass sie nicht genügend gereinigt werden. Ich denke, es ist nicht zuviel verlangt, dass sich die Stadt um eine angemessene Reinigung kümmert. Wenn es der Politik tatsächlich darum ginge, sich "keine Blöße" zu geben (Baustadtrat Carsten Spallek), dann sollte sie endlich den Alexanderplatz häufiger reinigen lassen, gerade am Wochenende, wo die Mülleimer regelmäßig überfüllt sind.


    Zumal, ich wiederhole und betone das, dieser Uferweg schon bisher gerade NICHT verwahrlost war! Wenn HIER das Argument der Ungepflegtheit für eine Privatisierung angeführt wird, dann kann es ÜBERLALL angeführt werden. Es geht also in der Tat auch darum, dass man nicht gleichmütig hinnimmt, wie vor unserer aller Augen Filetstücke mit fadenscheinigen Argumenten verscherbelt werden.


    Und wenn die Reinigung Freibergers einzige Sorge wäre, könnte er diese auch (billiger) haben, ohne Eigentümer des Uferwegs zu werden. Wer sich wie Freiberger solche Immobilien leisten kann, wird eine für wünschenswert erhaltene Sonderreinigung aus der Portokasse zahlen können.


    Und ja, auch ich konnte bislang nicht nachvollziehen, warum Freiberger, nachdem er endlich alle Grundstücke beisammen und endlich loslegen konnte, sich nun offenbar viel Zeit lässt. Es wäre in der Tat schlimm, wenn sich Dein Verdacht bewahrheiten würde. Ich wiederhole, ich habe nichts gegen das Freiberg-Arreal, im Gegenteil, bislang jedenfalls dachte ich, es sei ein Glücksfall für die Stadt. Erst diese obskure Geschichte macht mich misstrauisch.


    Vielleicht kann ich noch nachreichen, dass mein Direktkadidat für Mitte, Philipp Lengsfeld (CDU), der bis dahin vorbildlich auf alle 16 an ihn gestellten Fragen geantwortet hatte, selbst auf solche, die meilenweit von seine Zuständigkeiten entfernt sind, ausgerechnet auf meine diesbezügliche Frage bislang bevorzugte, nicht zu antworten.

  • Nachtrag: Herr Lengsfeld hat heute auf meine Frage ausführlich geantwortet. Der Investor, schreibt er, habe der Bedingung zugestimmt, dass die uneingeschränkte Durchwegung und Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit an 365 Tagen im Jahr, 24 am Tag, 7 Tage die Woche in geeigneter Form (dingliches Recht, grundbuchrechtliche Sicherung zu Gunsten des Landes Berlins) auf Dauer gewährleistet werden müsse. Den Zutritt nur zu bestimmten Zwecken zu erlauben käme somit nicht infrage. Nur unter dieser Bedingung sei Stadtrat Carsten Spallek bereit gewesen, über "andere Formen der Eigentümerschaft" an dieser Stelle nachzudenken und zu prüfen. Daher leuchte ihm die Argumentation des Stadtrats voll ein.

  • Danke für die Info ElleDeBE. Herr Spallek ist mir bisher eine Antwort schuldig geblieben, ein bisschen Zeit will ich ihm aber geben...
    Mir ist trotz der Durchwegung nicht wohl bei der Sache. Grundbucheinträge kann man ändern, es ist ja nichts Ungewöhnliches die öffentliche Widmung eines Grundstücks oder einer Straße rückgängig zu machen. Ich habe das zumindest schon (an zugegeben unbedeutenderer Stelle) erlebt. So oder so reicht mir das Argmuent der Säuberung im Leben nicht aus für irgendeine Form der Veräußerung.

  • ^ Dein Punkt der Möglichkeit einer nachträglichen Änderung von Grundbucheinträgen ist interessant (Freiberger wird für seine Kaufabsichten ja Motive haben). Ich wollte Lengsfelds Position unkommentiert wiedergeben, aber ich bin natürlich auch weiterhin strikt gegen die Veräußerung dieses wunderschönen Ufergrundstücks.

  • War nicht mal die Rede davon, dass die Fassade noch verputzt wird? Ich mein mir gefällts auch so sehr gut. Dachte nur immer eine Visualisierung mit grauer Fassade gesehen zu haben.

  • Sehr schön! Endlich geht es an meinem Berliner Lieblingsprojekt sichtbar weiter. Hoffen wir, daß das Gerüst tatsächlich abgebaut wurde und nicht aus Altersgründen von allein heruntergefallen ist. ;)

  • Diese runden Bögen sind ja ganz interessant, allerdings finde ich es schade, dass dadurch die Symmetrie des ursprünglichen Baus völlig zerstört wird. Andererseits: Jahrzehnte lang hat man sich für das Gebäude nicht interessiert, da kann man ja nur froh sein, dass wenigstens irgendwas passiert.


    Die Freiberger Holding scheint sich aber doch recht viel Zeit mit dem Areal zu nehmen, hoffentlich nicht aus finanziellen Gründen.

  • Ich bin fast überrascht, dass ich es richtig mag! Sieht interessant, wertig und sehr römisch aus (seh ich hier in Trier ja jeden Tag). Ein echter Hingucker!
    Eine Wiederherstellung/Rekonstruktion der alten Form des Gebäudes wäre mir natürlich viel lieber gewesen...

  • Daumen hoch. Ich finds schon darum begrüßenswert als neues Gebäude im Stadtbild, weil die erdrückende Monotonie/Dominanz der Rechtwinkligkeit mal durchbrochen wird. Die architektonische Formensprache hat ja wesentlich mehr zu bieten, hier wird mal ein prominentes Projekt mit runden Formen verwirklicht. Hoffentlich regt dies den ein oder anderen Architekt zu mehr Fantasie bei zukünftigen Bauprojekten an, Chipperfield hat ja doch einen sehr guten Namen in der Architekturwelt. Das selbe gilt für die Materialwahl, weil es mal kein Sichtbeton, Styroporputz oder lackiertes Blech ist wird die Fassade "würdevoll" mit Patina altern und "reifen". Hoffentlich regt auch das Nachahmer an.

  • ^"Römisch" trifft es ziemlich gut. Die Bogenanordnung erinnert an die Aquädukte. Lustige Idee, das – und derart klassisch, dass sich die ewigen Moderne-Kritiker diesmal wohl kaum beschweren können. ;)

  • Wenn schon der Vergleich mit Rom aufkommt, dann will ich doch nochmal daran erinnern, dass der Chipperfield-Bau irgendwie auch an den Palazzo della Civilta Italiana erinnert und meiner Meinung nach überhaupt nicht ans Spreeufer passt.
    Die einzig vernünftige Lösung wäre hier doch gewesen, dem historischen Gebäude seine ursprüngliche Form wiederzugeben. Chipperfield hätte seinen Palazzo della Civilta Berolinense ja auch woanders hinstellen können.

  • Wenn schon der Vergleich mit Rom aufkommt, dann will ich doch nochmal daran erinnern, dass der Chipperfield-Bau irgendwie auch an den Palazzo della Civilta Italiana erinnert und meiner Meinung nach überhaupt nicht ans Spreeufer passt...


    So ein Unsinn. wie kannst du diesen schönen Bau mit dem Faschistischen Gewaltarchitekturen Mussolinis vergleichen? Geschlemmter Ziegel ist der geniale Baustoff der eine Brücke schlägt zwischen alter und neuer Architektur.
    Chipperfield hätte die Bogen in der 2ten Ebene noch flacher gestalten sollen, so wie in den ersten Visualisierungen, dann wäre der Symmetriebruch noch etwas schöner ausgefallen. Für mich ein absolutes highlight. darum: :daumen:

  • Kubische Form, als Rundbögen gestaltete Fassadenöffnungen...Die starke Ähnlichkeit beider Gebäude lässt sich wohl kaum leugnen, Materialwahl und polit. Umstände hin oder her. Ich sehe es in diesem Fall nicht mal als Kritik an, wie wenn man sagen würde "Das sieht ja aus, wie die Neue Reichskanzlei" oder so. Der Palazzo ist mMn das geilste Gebäude seiner Zeit, auch in seiner Präsentation. Vielleicht von vorne etwas monoton, aber wenn man mal den Standort wechselt, sieht das schon ganz anders aus. Hier wird das sicher weniger der Fall sein, aber ich finds alles in allem auch gelungen. Könnte es mir aber besser in Hamburg zw. den Kontorhäusern oder so vorstellen...


    Mit ner anderen Materialwahl hätte ich das lieber am Schloss gesehen, als Stella :D.