• Da hast Du auf jeden Fall Recht. Mit kleinen Maßnahmen kann man bereits viel erreichen und ehe nichts passiert, wäre das erstmal eine wichtige Sache. Am Hardenbergplatz hakt eine Neugestaltung wohl ja sogar daran, dass diese nur vorläufig wäre, da hier irgendwann mal die Straßenbahn enden soll. Wenn man aber von einer grundlegenden Neugestaltung eines in die Jahre gekommenen Platzes ausgeht, inkl. baulicher Veränderungen, dann aber bitte mit stimmigen Gesamtkonzept.

  • Die Weiterentwicklung des Platzes, inclusive der Umgebung, muss getragen werden durch den Bürgerwillen, den politischen Anstrengungen und den marktgetriebenen Investitionen, die durch private Wirtschaft entstehen.

    Kurzfristige Maßnahmen mit geringem Finanzbedarf um den Platz zu verbessern:

    - Alle Poller und Barrikaden werden entfernt bzw. durch minimale oder ästhetische Sicherheits-Umrandungen ersetzt

    - Mehr Grün kreieren, sei es durch Pflanzungen oder durch mobile Kübel

    - Verzicht auf Kirmes-Buden außerhalb der Weihnachtszeit

    Mittelfristige Maßnahmen mit höherem Finanzbedarf:

    - Abbau des Weltkugelbrunnens und Schließung des unterirdischen Zugangs zum Europacenter

    - Aufbau von attraktiven Imbiss / Gastro Einheiten auf dem Platz

    - Abbau der vielen bunten Logos am Europacenter-Sockel

    Langfristige Maßnahmen:

    - Abbau des Glockenturms und nebenstehender Kapelle von Eiermann, nur der Kirchenraum bleibt

    - Neukonstruktion des Europacentersockels

    Umfeldentwicklung:

    - Neue Markenpositionierung durch Straßenumbenennung. Die Tauntzienstr wird zum Kurfürstendamm, ein ganzheitlicher Boulevard vom KaDeWe bis zum Adenauerplatz wird entwickelt.

    - Neubau von 50% der Gebäude an der heutigen Tauntzienstr.

    - Abbau von Karstadt, auf dem Areal entsteht Berlins erster 200m+ Turm. Es wird der erste Wolkenkratzer in Deutschland den man schön nennt.

    - Auf dem neuen Kurfürstendamm ziehen mehr hochwertige Restaurants, Clubs und Entertainmentbetriebe ein

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Versuch ein stimmiges Gesamtkonzept zu entwickeln bedeutet, die unterschiedlichen Belange untereinander abzuwägen, aber keines völlig unter den Tisch fallen zu lassen.

    Und manche Belange widersprechen sich, so dass sie nicht gleichzeitg realisiert werden können.

    So würden sich beispielsweise das Teilziel „Instandsetzung des Weltkugelbrunnens“ und das Teilziel „Herstellung einer eleganten Platzanlage“ innerhalb eines Gesamtkonzeptes widersprechen und somit das Gesamtkonzept konterkarieren.

    Wenn eine einzelne Maßnahme darin besteht, den Weltkugelbrunnen instandzusetzen (anstatt ihn zu entfernen), dann kann auch das beste Gesamtkonzept nichts mehr retten.

  • Na ja, sie haben eine Einzelmeinung zum Brunnen. Es geht aber nicht darum es jedem recht zu machen, sondern um Annahme durch die Bevölkerung durch Aufenthaltsbereiche mit Aufenthaltsqualität sowie eine Integration ins Umfeld durch Wege- und Sichtverbindungen. Darum auch ein Gesamtkonzept, Wird dann aber auch bei den schlüssigsten Konzepten Leute geben, die sagen: das find ich ja doof. Elegante Platzanlage fänd ich als Ziel etwas abwegig, da man sich ja am Bestand orientiert und diesen aufgrund der Identifikation der Menschen mit dem Bekannten und auch da die finanziellen Mittel meist nicht unbegrenzt sind weiterentwickelt.

  • Also ich wunder mich schon, wie beharrlich wiederholt z.B. der Abbau des Eiermann Glockenturms gefordert wird.

    Die Gedächtniskirche ist m.E. eine der wenigen wirklich gelungenen Symbiosen aus Alt und Neu, und der "spannende Bruch" hat zudem ja noch seinen historischen Hintergrund.

    Und selbst wenn man die Architektur so nicht mag (Eiermann war wohl auch nicht glücklich mit dem damaligen "Kompromiss"): die Gesamtkomposition ist so Mahnmal und zugleich ein Wahrzeichen Berlins geworden wie kaum ein anderes.

    Als ich vor vielen Jahren das erste mal am Breitscheidplatz war, enttäuschte mich auch nicht die Gedächtniskirche, sondern das Europa-Center. Für so einen hochtrabenden Namen eine doch sehr bescheidene, trviale Architektur.

    Daran ändert auch das übergroße Logo eines Automobilkonzerns nichts, zu dem wohl mancheiner nostagische Gefühle entwickelt hat.

    Der wichtigste, erste Schritt für mehr Aufenthaltsqualität am Platz wäre i.Ü. eine Zurückdrängung des MIV, um diesen Verkehrsinselcharakter zu durchbrechen. Wer gerne an mehrspurigen Straßen verweilt, kann doch landesweit auch an Autobahnraststätten seinen Kaffee trinken.

  • Der motorisierte Verkehr um den Platz herum ist übrigens das kleinste Problem. Die Fahrgeschwindigkeit ist auf beiden Seiten staubedingt gering, die Motorlautstärke ebenso (Freitags 15-18 Uhr). Der Busverkehr ist besonders leise. Der meiste Verkehr wird eh durch U-Bahn abgewickelt. Die wesentliche Geräuschkulisse entsteht durch die Menschenmenge. Durch die dichte und hohe Bebauung sowie die dominierenden Fußgängermassen fällt der Kfz Verkehr auch visuell in toto kaum auf. Und nebenbei: Die wertvollsten und schönsten Fahrzeuge in Berlin sind auf dem Tauntzien und dem Ku'damm gehäuft zu sehen. Es ist eine wesentliche Attraktion der Gegend.

    Es dürfte im Land vermutlich nur eine handvoll weiterer Standorte geben, wo deutsche Automobilkultur derart glanzvoll täglich vorgeführt wird.

    Der Rückbau des Eiermann Glockenturms und der angrenzenden Kapelle macht aus mehreren Gründen Sinn:

    1. Es entsteht ein unverstellter Blick auf die KWG Ruine, der symbolische Erinnerungswert der Ruine steigt

    2. Nach mehr als 50 Jahren Säkularisierung in Berlin fällt die religiöse Funktion gesellschaftlich kaum ins Gewicht, sie ist verzichtbar an dem Ort.

    3. Der Glockenturm im Stil des Brutalismus entwertet ästhetisch die Umgebung, die graue Aura wirkt depressiv, die Aufenthaltsqualität auf dem Platz ist gering, ein Abbau steigert die Lebensqualität. Abgesehen davon müsste die Kirche selbst ein Interesse haben, das in ihrem Namen negativ ausstrahlende Baukultur entfernt wird

    4. Vielleicht der wichtigste Grund: Offenbar stehen einer Sanierung des Turms erhebliche technische oder finanzielle Hürden im Weg, sonst wäre das Objekt nicht seit 10 Jahren eingerüstet. Ein Ende mit Schrecken, ein Verzicht auf das Objekt, wäre für alle das Beste

    3 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (26. August 2025 um 11:25)

  • Diplomatisch ausgedrückt: So eine optische Verbesserung muss vor allem "gewollt" sein. Was der Bürgerwille am Tegernsee zustande bekommt, gelingt nicht automatisch in Berlin.

    Einem Abriss der Kirche stünde ich ergebnisoffen gegenüber. Nicht alle Bauten müssen für die Ewigkeit konserviert werden.

  • ^ Genau! ... dann Bitteschön soll man die alte Ruine auch abreißen. Verursacht nur Instandhaltungskosten, kann nicht der eigentlichen Nutzung zugeführt werden, verherrlicht im Inneren eine Nichtverfassungskonforme Staatsform und frönt einem hedonistischen Personenkult! Auf geht's Forsten, vorwärts immer, Rückwärts nimmer! :P

    ... langsam wird's echt peinlich hier.

  • Das hatten wir doch schon mal: Welcher Staat auf deutschen Boden hat nach dem Krieg massenhaft Kirchen aus dem Stadtbild sprengen lassen? Petrikirche, Georgenkirche, Luisenstadtkirche, Versöhnungskirche...Dies sind ja nur Beispiele aus Berlin. Ach ja, die Taliban reißen auch Kirchen ab...Radikal und kulturlos. Ich bin überfordert: Soll hier provoziert werden oder ist dies ernst gemeint? Neu- und Altbau zusammen haben ein Alleinstellungsmerkmal und sind stark mit der Identität des Ortes verbunden und prägen die City-West. Eine alleinige Betrachtung unter architektonischen Gesichtspunkten ist nicht zielführend. Es handelt sich um ein Wahrzeichen Berlins.

  • Ich kann mich hier nur vehement OlympiaFlo anschließen: Bitte nicht noch ein Gesamtkonzept, das mit zig Akteuren und Shareholdern abgestimmt, von diversen Bestandsaufnahmen, Bedarfsanalysen und sonstigen Studien aller Art begleitet, in einer Reihe von aufeinander aufbauenden Workshops unter Berücksichtigung sämtlicher Partikularinteressen weiterentwickelt und in einem finalen politische Tauziehen auf den kleinesten gemeinsamen Nenner zurechtgestutzt wird, um dann in der tatsächlichen Umsetzung nur in Teilen berücksichtigt zu werden. So dreht sich das Hamsterrad ewig weiter.

    Neben dem altbekannten Zuständigkeitstheater zwischen Senat und Bezirken, zeigt sich hier (und auch an vergleichbaren Orten) für mich primär die schwierige Finanzlage der Stadt, die sich direkt oder indirekt auf alle relevanten Bereiche auswirkt. Es sind ja nicht nur die seit fast 10 Jahren bestehenden "temporären" Sicherheitsmaßnahmen, sondern auch die fehlende konsequente Reinigung, die ausbleibende Instandhaltung des Brunnens, die offensichtlich fehlenden Hilfsangebote für Suchtkranke oder die inkonsequente Polizeiarbeit. Dafür fehlt es an allen Ecken und Enden an finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen. Auch das die Stadt an vielen repräsentativen, zentralen Orten permanent Flächen für irgendeinen Buden-Bums vermieten muss, um noch den letzten schnellen Euro rauszupressen, wertet eigentlich jeden dieser Ort ab und ist einer Hauptstadt nicht würdig (Weihnachtsmärkte ausgenommen. Aber auch da gibt es mittlerweile wesentlich mehr Masse als Klasse).

    Unter einer oberflächlichen Schmuddel-Schicht steckt eigentlich ein gut strukturierter, großstädtischer Platz, der berlintypisch unterschiedliche Stile und Epochen vereint und an repräsentativen Gebäuden nicht arm ist, auch wenn die Einzelbeispiele nicht jedem gefallen mögen. Ich sehe eigentlich keinen großartigen Bedarf für eine Umstrukturierung, geschweige denn einen Umbau. Selbst der Sockel vom Europacenter mit seinen Reklameschildern ist doch fast schon eine historische Ikone Westberlins im Kalten Krieg, hat man mit dem Ensemble am Breitscheidplatz schließlich das "freie, kapitalistische Schaufenster" der westlichen Welt als Gegenstück zum Alexanderplatz hochgezogen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man es ein erheblicher langfristiger Verlust wäre, solche Gebäude abzureißen, weil sie dem aktuellen Zeitgeist weniger zusagen. Auch beim Thema Verkehrsführung sehe ich keinen zwingenden Bedarf und eine Umstrukturierung würde wieder das übliche Riesentheater verursachen. Da würde ich alleine schon aus Kapazitätsgründen seitens der Verwaltung frühstens rangehen, wenn die Tram-Pläne tatsächlich Realität werden.

    Aus meiner Sicht würde der Platz gar nicht als problematisch wahrgenommen werden, wenn man folgende Dinge angehen würde:

    • Eine konsequente Reinigung und Reinhaltung des Platzes und seiner Gebäude, inklusive der Pflasterung und der schnellen Entfernung von Graffiti.
    • Eine möglichst zügige Sanierung und Inbetriebnahme des Brunnens
    • Eine permanente Lösung für die Sicherheitselemente. Vielleicht mit einem Mix aus Pollern und Beeten in dem Stil, wie sie auf dem neugestalteten Mittelstreifen am Tauenzien zu finden sind.
    • Hoffen auf eine weitgehend überraschungsfreie Sanierung des Glockenturms (Hier kann gespendet werden). Auch hier schließe ich mich Vorrednern an. Alte und neue Kirche gehören zu den markantesten Wahrzeichen der Stadt, das nächtliche Erstrahahlen des Ensembles nach abgeschlossener Sanierung ein lohnenswertes Ziel.
    • Und zu guter Letzt die Sicherstellung der Ordnung auf dem Platz. Ist für manche wieder so ein Triggerthema, aber ich persönlich denke nicht, dass die Stadtgesellschaft es akzeptieren muss wenn Menschen oder Menschengruppen auf dem Platz verweilen und Alkohol und Drogen konsumieren und durch das damit einhergehende Verhalten die Atmosphäre, die Sauberkeit und das Sicherheitsgefühl (oder auch die tatsächliche Sicherheit) maßgeblich beeinträchtigen. Das kommt dort immer mal wieder vor und ich wünschte, man würde an solchen zentralen, repräsentativen Orten konsequenter dagegen vorgehen.

    Für all das braucht es nicht noch ein weiteres Konzept, sondern Geld und Pack-an.

  • Umbau der Turmruine der Gedächtniskirche

    zuletzt hier

    Umbau bis etwa 2027

    Erweiterung der Ausstellung auf zwei zusätzliche Ebenen, das

    bedeutet die Ruine wird begehbar gemacht.

    Die Gewinner des Architekturwettbewerbs, das Architekturbüro

    Heneghan Peng (Dublin) mit Ralph Appelbaum Associates (Berlin),

    haben Ihren überarbeiteten Entwurf vorgestellt.

    Darüber berichtet der Tagesspiegel am 14.09.25.

    Die bisherige Ausstellung wird nun größer, moderner und kostenpflichtig.

    Die Gedenkhalle und der Ausstellungsraum im Erdgeschoss:

    KW7.jpg

    © Evangelische Kaiser-Wilhelm-Kirchengemeinde | Michael Kamann

    Aus der Gedenkhalle geht es zukünftig über einen Treppenaufgang in die

    erste Ebene

    Hier soll nun statt dem hier abgebildeten runden Wasserbassin ein poliertes Metall das Licht reflektieren:

    KW4.jpg


    Über Treppen am Mauerwerk kommt man dann in die zweite Ebene, wo ein bronzener Ring

    die Turmöffnung umschließt:

    KW5.jpg

    Das Dach an der gebrochenen Turmspitze wird entfernt, damit öffnet sich der Blick zum Himmel.

    Hier der Blick von der ersten Etage nach oben:

    KW6.jpg

    Die Treppe soll bis hinauf zur Turmspitze führen, Bischoff Christian Stäblein

    bezeichnet Sie auch als begehbare Himmelsleiter.

    Hier ein Querschnitt der Turmruine:

    KW3.jpg

    Damit das Ganze barrierefrei wird, ist ein gläserner Fahrstuhl bis

    zur mittleren Ebene geplant.

    Für den Fahrstuhlturm muss der Souvenirladen weichen.

    Die bisher dunkle Ruine bekommt ein neues Lichtkonzept:

    KW1.jpg

    Bilder © heneghan peng architects | Ralph Appelbaum Associates

    Quellen:

    https://www.hparc.com/work/old-tower…memorial-church

    https://www.gedaechtniskirche-berlin.de/

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/die-tur…n-14319386.html

    Gedächtniskirche: Spektakulärer Umbau – Das wird aus dem Berliner Wahrzeichen

  • Die Umbaupläne wirken sehr hochwertig, gediegen. Die heutige etwas verschrammelte Konzeption im Innenraum wird wohl einen Quantensprung im Design erreichen. Da kann jetzt schon viel Vorfreude aufkommen.

    Das ganze Vorhaben für die Turmruine ist allerdings verlorene Liebesmüh. Denn das Umfeld am Platz ist derart unwürdig, miserabel verbaut und hässlich, dass jegliche Anstrengungen hier verpuffen. Es ist als würde man in einer Messiwohnung das Badezimmer Luxus-sanieren.

    Wenn man dem Platz wirklich helfen will, muss der Eiermann Glockenturm + Kapelle und der Weltkugelbrunnen abgebaut werden, dann kommt auch die Ruine der KWG als Gedenkort zur Geltung.

  • Also bei manchen Beiträgen hier habe ich ein deja-vu. Persönliche Vorlieben für und gegen einen Architekturstil gepaart mit talibanähnlichem Zerstörungswahn gegen ein herausragendes Berliner Wahrzeichen werden doch nicht dadurch überzeugend, indem man sie mantramäßig wiederholt wie eine Seitenbacher-Werbung.

  • Die Abrissfantasien ggü. Teilen der Kirchengebäude von Eiermann haben schon was ideologisches.

    Hier sollte eher auf die Vollendung der Sanierung gedrängt werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Baukörper (17. September 2025 um 14:02)

  • Die Gedächtniskirche soll aufgewertet werden und ein touristischer Anziehungspunkt werden.

    Ein Vorhaben dessen Scheitern vorprogrammiert ist. Denn selbst wenn die tatsächlich hochwertig erscheinenden Modernisierungen im Innern der GK umgesetzt werden bleibt das Desaströse Umfeld.

    Solange der graue Glockenturm aus dem Zeitalter des Brutalismus das dominierend sichtbare Element am Breitscheidplatz bleibt wird die GK auch kein profilierter Gedenk- und Anziehungspunkt werden können.

    Die Evanglische Kirche in Berlin täte gut daran, den Glockenturm abzubauen, denn das wohl unattraktivste Gebäude im gesamten Bezirk fällt mit seinem Negativ-Image auf die Kirche zurück.

  • ^ Dir ist bewusst, dass Du exakt das gleiche drei Beiträge weiter oben schon mal geschrieben hast? Woher kommt nur diese Obsession gegen ein zentrales Denkmal des Wiederaufbaus? Der Breitscheidplatz gehört saniert und aufgeräumt, keine Frage – aber doch nicht, indem man seine Wahrzeichen opfert!

  • Der Einzige, der sich an dem Glockenturm reibt ist Arty Deco. Und er liegt in mehrfacher Hinsicht falsch. Der Eiermannsche Glockenturm gehört zur Nachkriegsmoderne und wird nicht dem Brutalismus zugerechnet. Aber das schräge Einordnen kennt man ja schon von anderen Bauvorhaben.

    Der Glockenturm gehört jetzt endlich mal saniert! Der Platz aufgeräumt und endlich ein smartes Sicherheitskonzept instaliert.

  • Ich halte die sogenannte "Nachkriegsmoderne" in West- und Ost für eine architektonische Notlösung, die rein durch die Zerstörungen des Krieges und die anschließend notwendigen Wiederaufbaubemühungen zu erklären ist. Sie ist aus heutiger Sicht eine weitgehend menschenverachtende, unwürdige und vorallem unästethische Form der Bauweise.

    Beleg ? Die deutsche Nachkriegsmoderne hat es international nirgends in die Architekturfibeln geschafft, in Reiseführer sowie nicht. Wichtiger: Am Immobilienmarkt sind die nachkriegsmodernen Siedlungen zu 90% zu Ghettos mutiert. Warum ? Weil hier die vom Bürger und Mieter wahrgenommene Lebensqualität nicht vorhanden ist.

    Es hat einen Grund warum der Breitscheidtplatz heute einer der verwahrlosten Plätze Berlins ist. Es ist die als sehr hässlich eingestufte Bauqualität vor Ort. Der Sockel des Europacenters und die düsteren Eiermannbauten wirken quasi als Müllmagneten. Ähnlich der "Broken Windows Theorie". Wer das ändern will, darf sich vor harten Einschnitten nicht fürchten. Nebenbei: Das Schimmelpfenghaus wurde einst auch eliminiert zu gunsten der beiden Hochhäuser. Mit passablem Ergebnis für das Erscheinungsbild der Gegend.

    3 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (27. August 2026 um 21:01)

  • … ich habe die Eiermannbauten, hier Turm und Kirchengebäude absolut niemals als düster empfunden. Eher das Gegenteil und im Inneren ist der Kirchenbau eine Offenbarung des Lichts.

    Vielleicht einfach mal eintreten werter ArtyDeco man muss nicht unbedingt die Prinzipien und den Glauben teilen um einen Kirchenbau neutral und gerecht beurteilen zu können.

  • Stichwort Glauben: Ich habe den Eiermann Kirchenbau erstmals mit meiner Oma in den 80ern betreten und ihr verprochen 1o Mark monatlich dem lieben Gott zu spenden wenn ich mal Groß bin.

    :saint:

    Der Innenraum der Eiermann Kirche hat zweifellos sein Reiz. In erster Linie, weil er beheizt ist und die Lichtstimmung einmalig ist. Von außen ist tagsüber nur die brutale graue Betonfassade zu sehen. Deshalb kann ich hier Niemanden nachvollziehen, der das NICHT als düster einstuft.

    Der Glockenturm ist übrigens nicht begehbar. Er wirkt wie ein Abgasschlot einer Fabrik. Hier ist nichts geistliches oder religiöses zu erkennen.

    Man stelle sich vor gleich neben dem Colosseum in Rom würde eine 70 Meter hohe Parkgarage stehen. Es würde ähnlich unwürdig wirken.