Berliner Baupolitik

  • Senator Geisel äußert sich in der Morgenpost ausführlich zu seinem Ansatz auch in klarer Abgrenzung von der Politik seiner Vorgänger von der Linken. Er betont vor allem, dass nach allem partizipativen Sprechen mehr Handeln kommen muss, bei dem das bisherige Gegeneinander durch ein Miteinader ersetzt wird. Er plädiert auch für kürzere Planungsprozesse und schnellere Entscheidungen.


    Geisel sagt, die Baudichte in den Quartieren müsse erhöht werden. Damit meint er sicher auch, dass man mehr in die Höhe gehen will. Er meint, Berlin sei eine der grünsten Städte Europas, und wenn man wolle, dass das so bleibt, dürfe man nicht zu viel Flächen verbrauchen. An den Stellen, an denen man baue, müsse deshalb dichter gebaut werden als bisher.


    Deshalb will Geisel wohl an der Traufhöhe rütteln: Bisher sei die Traufhöhe mit 22 Metern beschrieben, weil das die Höhe der Feuerwehrleiter Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sei. Man werde diese Höhe aber überdenken müssen. Es heiße nicht, dass man jetzt jeden Innenhof bebaue. Aber grundsätzlich dürfte man die Stadt nicht versiegeln und wertvolles Bauland in lockerer Bauweise verbrauchen, ohne dass man genügend Wohnungen bekomme.


    Geisel nennt in diesem Zusammenhang auch die Elisabeth-Aue. 2016 habe man von 5000 Wohnungen gesprochen. Der Bezirk Pankow habe ihm jetzt mitgeteilt, man könne sich 2000 Wohnungen vorstellen, vielleicht auch nur 1000. Da ist nun mit Geisel wohl nicht das letzte Wort gesprochen.

    https://www.morgenpost.de/berl…ermel-hochzukrempeln.html

  • Find die symphatisch, die Kahlfeldt!


    Hab ein paar Interview Passagen mit Kahlfeldt gesehen. Sie macht einen sehr engagierten und geschulten Eindruck.

    Am besten gefallen mir einige biographische Details von ihr. Studien- und Lehr-Stationen waren Florenz und Bologna.

    Sie hat offensichtlich eine Liebe für italienische Architektur. Nach dem Interview steigt meine Hoffnung, dass mit ihr mehr Qualitätsanspruch in Berlin einzieht.


    Auch Bausenator Geisel, den ich als Innensenator geschätzt habe, lässt jetzt ehrgeizige Ziele vom Stapel. Vielleicht wird mit dem Tandem Geisel/ Kahlfeldt doch noch ein Turbo gezündet....

  • Stadtplaner und Professer der TU Harald Bodenschatz fordert heute in der Berliner Zeitung mehr konstruktive Kritik und weniger Ideologie.

    Auch betrachtet er Kahlfeldts Spezialität der zukunftsorientierten Sanierung von Gebäuden im Lichte ihrer neuen Aufgaben und Herausforderungen.


    "Bauen in Berlin - geht's vielleicht auch ein wenig konstruktiver":

    https://www.berliner-zeitung.d…g-konstruktiver-li.205536

  • ^Der in meinen Augen sehr lesenswerte Artikel ist inzwischen leider hinter der Paywall verschwunden. Ich hatte ihn aber zum Glück noch geöffnet und kann so die wichtigsten Stichpunkte nennen:


    Formaljuristische Ebene:

    - Das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Staatssekretärinnen und -sekretäre besagt eindeutig, dass der zuständige Senator beruft und die Regierende Bürgermeisterin ernennt. Höchstens dIe Forderung einer beratenden Kommission wäre somit noch legitim gewesen; die Forderung einer Kommission mit Entscheidungsbefugnis jedoch bereits rein rechtsstaatlich problematisch.

    - Die Presseerklärung mit dem Titel "Die Ernennung von Petra Kahlfeldt - eine Kampfangsage an eine soziale und ökologische Stadtpolitik" habe dann auch nachträglich noch einmal die Legitimität der Ernennung angezweifelt und diese als eine "Ad-hoc-Ernennung" tituliert. Auch hier wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen nochmals verkehrt.

    -Man kann nur vermuten, dass viele der Unterzeichner gar nicht genau wussten, was sie damit eigentlich ausdrücken.

    (meine Anmerkung: zumindest die Initiatoren der Kampagne sollten das aber sehr wohl gewusst haben)


    Fachliche Ebene:

    - Der eher traditionelle Gestaltungsstil diverser Projekte muss den Kolleginnen und Kollegen nicht zusagen.

    Die fachliche Eignung bezieht Frau Kahlfeldt aber ohnehin mehr aus ihren diversen Erfahrungen:

    -als Jurymitglied in nationalen wie internationalen städtebaulichen Wettbewerben

    -als Gestaltungsbeirätin diverser Städte

    -im Berliner Landesdenkmalamt

    -beim sehr erfolgreichen Umbau diverser (durchaus oftmals moderner) Gebäude wie dem Amerikahaus, dem Berlinpavillon der Interbau, dem Kunsthaus Dahlem, dem Metahaus, dem Museum für Fotografie, der Berliner Philharmonie sowie dem Hochhaus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

    - Frau Kahlfeldt kann Vorhandenes in die Zukunft überführen, energetische Belange berücksichtigen und sehr unterschiedlichen Bauten jeweils gestalterisch gerecht werden. Somit ist sie in ihrer Arbeit vorzüglich geschult und gerade auch für die praktischen Aspekte eine echte Fachfrau.

    - In Anlehnung an einen zitierten Fachartikel: Gerade das Umbauen kann Frau Kahlfeldt und sie beherrsche auch die denkmaltheoretische Betrachtung. Und das Umbauen sollte schon aus Gründen des klimagerechten Bauens die erste Wahl darstellen.

    - Aber auch das eigenständige Entwerfen gelingt Frau Kahlfeldt.

    - Niemand ist vom Amtsantritt an sofort bereit für alle Aufgaben und somit benötigt jeder eine gewisse Einarbeitungszeit. Jedoch bringt Frau Kahlfeldt durchaus zahlreiche einschlägige Erfahrungen mit und kann sollte somit unbedingt als geeignet für das Amt bezeichnet werden.


    Menschliche und kommunikative Ebene:

    - Frau Kahlfeldt steht vor großen Herausforderungen für die Zukunft der Stadt und es ist zu hoffen, dass sie darin brilliert. Eine Kampagne, die sie vorab vor Ideologie, Debatten der Vergangenheit, mangelnder Integrationskraft etc warnt und dabei all dies selbst praktiziert, bringt hierbei keinerlei produktiven Beitrag.

    - Zudem wurde Frau Kahlfeldt aufgrund fachlicher Differenzen sehr persönlich angegriffen und sogar verleumdet. Wie der bekannte Architekt Arno Lederer schreibt, schadet eine derartige Diffamierung allen Architekten. Dies ist zu unterstreichen. So ist die immens wichtige fachliche Auseinandersetzung nun bereits vorgeschädigt. Auch der öffentliche Ruf aller Architekten hat so unnötig gelitten, was ihre Rolle in der zukunftsgerechten Transformation der Stadt nur erschwert.

    - Für die Zukunft ist nun daher zu wünschen, dass Frau Kahlfeldt fortan konstruktiv-kritisch unterstützt wird.