Memi - Wohnkomplex Memhardstraße

  • ^die billigste Variante zu einer Verbesserung wäre wahrscheinlich ein verputzen des Gebäudes und ein Glasaufbau insofern die Struktur das aushält. Unter Umständen könnte auch eine Beleuchtung den Gesamteindruck verbessern (siehe Motel One).

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    Mit Beleuchtung im Sinne einer akzentuierten Fassade/Krone/Dachabschluss o.ä. ist das bei Wohngebäuden sehr schwierig in Deutschland. Wer möchte Nachts schon von außen einscheinendes Kunstlicht in der Wohnung haben? Hotels haben da weniger Restriktionen. Und ja, weißer Putz klingt ganz nach typischen WBM-Sanierungen. Leider. Ich sag ja, der Impuls für eine wirkliche Aufwertung muss vom Senat kommen. Der muss das ganze auf irgendeine Art bezuschussen, wenn da was vernünftiges rauskommen soll und sich eine Begründung aus den Fingern saugen, die sich aus der speziellen Örtlichkeit in Kombination mit dem Millieuschutz geriert. Unmöglich ist das nicht. Warten wir erstmal ab welche Personen da jetzt nachrücken.

  • Ich würde mich ja eher für eine gut gemachte Begrünung und Berankung der Fassade aussprechen. Komplett überwuchtert wäre es ein Hingucker, müsste nur nachgerüstet, aber nicht abgerissen werden, und nachhaltig und ökologisch wäre es auch. Dann noch Balkons auf der Rückseite, und es wäre ein super Wohnhaus.

  • Ein großer Elefant im Raum ist auch die städtebauliche Situation vor dem Gebäude.


    Oder direkt ausgedrückt:

    Warum muss die Memhardstraße eigentlich auf die 100 Meter, bevor sie im Kiez versickert, so ausgebaut sein wie eine Magistrale?


    Sehr gut könnte man sie in eine Fußgängerzone umwandeln und mit etwas angenehmen Mobiliar bestücken, sowie ggf. einem kleinen Solitär als Nachfolger der leicht trübseligen jetzigen Bebauung – vgl. z.B diesen beliebten Ort in Hamburg:


    https://www.google.com/maps/@5…bfov%3D100!7i13312!8i6656


    wo das schön den Platz gliedert.


    Zusätzlich könnte man das Memi selbst im ersten Stockwerk an den Blockrand rücken und dieses für Publikumsverkehr nutzen.


    Die entstehenden dreieckigen Dachflächen könnten den dort Lebenden exklusiv als Dachgärten und/ oder Begegnungsflächen überlassen werden und sie so ein bisschen ins Boot holen, was die Veränderungen betrifft.


    Ungefähr so:


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    (c) ich

  • Danke für deine Mühe, aber so wirklich zielführend finde ich das jetzt nicht. Fußgängerzone mit Mobiliar grundsätzlich gerne, aber wie man in der Gegend um den Alex sieht reicht das alleine nicht aus um Tristesse zu vertreiben.

    Die Sache mit dem Blockrand im Erdgeschoss plus verschachteltes Hochhaus obendrüber gab es schon öfter (ähnlich z.B. Hofbräu Eck Stuttgart) und so wirklich funktioniert hat das afaik nie. Es ist halt nichts halbes und nichts ganzes, den zugigen, diffusen Eindruck des Stadtraumes repariert es jedenfalls nur unzureichend, und es ist im Endeffekt viel verschwendete Fläche. Ich frage mich auch ob die Dachgärten dann für die doch vielen Bewohner genug Fläche bieten würden, oder ob das dann nicht doch eventuell Reibereien verursachen würde. Beleuchtung würde nur in der Nacht was bringen. Ob die Plattenfassaden für eine Begrünung haltfähig wären weiss ich jetzt nicht. Die sauberste Lösung wäre halt ein Abriss, wenn man das irgendwie einigermaßen sozialverträglich gestalten kann. Dann könnte man an der Stelle sogar mehr Wohnraum schaffen.

  • Noch mal ein Foto zum Memi. Es fällt in dieser Stadtwüste gar nicht groß auf. ;)


    Wie an anderer Stelle geschrieben und auch hier schon mehrmals diskutiert, muss sich einfach die Stadtplanung mit dem Areal beschäftigen - und zwar radikal und grundsätzlich, bevor wieder etwas saniert oder neu gebaut wird. Der Vorschlag von Bonteburg hier geht schon in die richtige Richtung und würde auch dem neugestalteten Pressecafé eine deutliche Aufwertung bescheren.


    16400988698909lj0q.jpg


    Bild von mir.

  • ^ Wobei man sagen muss, dass man das Haus des Berliner Verlags aus dieser Perspektive nicht mehr (oder so gut wie nicht mehr) sehen wird, wenn der neue Blockrand am Rand der jetzigen Grünanlage entlang gehen wird.


    Dennoch – eine sehr wichtige und interessante Ecke...

  • Das ist interessant. Ich kann mir noch erklären, warum das Ding wie eine Platte aussehen sollte, auch wenn es keine ist – baupolitische Leitlinien, verabschiedet auf dem X. Plenum des ZK der SED, oder so. Aber warum solche Platten – einfachste Fertigungsqualität, billig verarbeitet und nahezu ohne gestalterische Elemente? Wenn man sich das ältere Haus des Berliner Verlags (als Stahlbetonbau) oder die zur gleichen Zeit entstandenen Edelplatten am Gendarmenmarkt anschaut – es liegen Welten dazwischen.


    Diese Obeflächenform mit den Riffelungen ist Abrissbeton! Das ist aufwendig und teuer. Man legt in den feuchten Beton Stahlstäbe rein und muss den Moment abwarten bevor es angetrocknet ist aber noch flexibel und "reißt" die Stäbe aus den Beton. Die Durchfallquote, zu frühes rausziehen sowie Fehlmischungen (das geht nur mit guten Abbindern die richtig gut verrührt sein müssen) sowie der hohe Abeitszeitansatz ist enorm und daher ist diese Fassade teuer und wurde selten verwendet. Die Architekton wollte ja eigentlich das man die Fassade mit den Kranitzer Spaltkeramik komplett belegt; das gaben die Kontigente allerdings nicht mehr her (sie ist heute noch Sauer auf diesen Umstand und findet ihr Gebäude doof). Auch handelt es sich beim Memi um viele "Eigenheimadequate" Maisonettewohnungen (daher die doppelthohen Fassadentafeln). Eine seltene Anwendung in der DDR, man plante diese Form nach britischen Vorbild seit den späten Sechzigern konnte dies aber selten verwirklichen und noch weniger in Platte (überwiegend wegen Statik im Verhältnisse zum Materialaufwand). Daher ist dieser Ortbetonbau in Tunnelschalbauweise, eine aus Schweden importierte Baukonstruktion (damals für die Scheiben in Halle Neustadt), zusammen mit den Abrissbetonfassaden und den Maisonettwohnungen eher Denkmal würdig. Und das geplapper hier über Städtebau ... sorry aber diese geschichtsrevisionistische Stimmansche Ideologie welche man hier drauf projiziert ist einfach nur Peinlich. Der Bau ist genauso gut wie er dort steht und gehört vernünftig saniert ohne Fassadenänderungen. Und da die WBM gerade viele Platten in der ehem. Wilhelm-Pieck Straße nicht mehr dämmt, scheint man das langsam kapiert zu haben. Die Plattenbauten in der späten "Nationalen Tradition" (Postmoderne so ein quatsch - der Begriff funktionierte in den 80ern nicht und tut es immer noch nicht oder wenn dann nur für 1% der Phänomene auf die man die britische Sichtweise aufoktroyieren möchte) sind inkrementeller Bestandteil dieser Gegend und gehören geschützt, dazu gehören auch die übergangsleitenden Gebäude welche vermitteln zwischen Swinging Siexties und der späten Nationalen Tradition wie halt das Memi.

  • Aha, laut dir ist man also Plapperer und Revisionist wenn man städtebauliche Verbesserungen fordert. Gleichzeitig lieferst du aber keine Argumente, warum der der Städtebau, wohlgemerkt nicht die Architektur, hier so toll und erhaltungswürdig sein soll. Stadtreparatur kann halt auch mal einen Schritt zurück bedeuten um dann den nächsten gehen zu können. Den geplanten Autobahnrückbau wird hier ja auch kaum jemand als Revisionismus bezeichnen, nur, ja: das ganze DDR Bau Erbe ist halt auch politisch überfrachtet, was aber nicht gleich bedeutet dass alles erhaltenswert ist. Abrissbeton mag teuer sein, aber es gab ja doch einige Gebäude, einzigartig finde ich das nun nicht. Vorallem verstehe ich nicht, was an dem Teil der Nationalen Tradition sein soll, das könnte genau so gut auch im Kosovo, Libanon oder Russland stehen...

  • Das Gebäude ist nicht selber in der Nationalen Tradition sondern wie beschrieben Städtebaulich ein vermittelndes Gebäude zwischen den 60ern und den 80ern. Wenn man sich den originalen Raum anschaut so macht es eine Überleitung und vermittelt in den alten Stadtraum mit Rekonstruierten Stadtstrukturen (Rekonstruiert im DDR-Sinne; denn die Innenhöfe wurden aufgeräumt) und den großzügigen Bewegungsraum welcher ein reines Spiel der Körper im Raum ist. Die Nachwende-Gestaltung hat zwar vieles Verändert durch das entfernen von Kunst; Landschaftsarchitektur (und Pflege), der Erdgeschoß-Kurartierung sowie den Autogerechten Stadtumbau. Das ins Stimmansche Vorkriegsmittelalter weiter zurückzuverfrachten ist unsinng. Lieber solche Räume die in der DDR gute Ansätze hatten aber nie ausformuliert waren einfach mal weiter entwickeln; da geht es um Raum und wie zu DDR-Zeiten ein geringe Rolle des Auto´s (man beschloss ja nicht umsonst 1960 aus unerfüllbarkeit und geringen Nutzen das die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Autos keine Bedetung hat). Wir müssen zurück zu Raum und Gestaltung; das heißt nicht das man Vorkriegsräume rekonstruieren oder seltsame zeitgenössische Investoren-Stadt-Ausstopf-Vorstellungen nachkommen muss.

  • ^Zu DDR-Zeiten wurden rund um den Alex fast alle Gebäude abgerissen die den Krieg überstanden hatten und breite, autogerechte Verkehrsschneisen gebaut. Einen guten Ansatz kann ich da nicht erkennen.


    Zurück zu Raum und Gestaltung heißt den Mensch als Maßstab zu nehmen und nicht leere öde Flächen wie auf dem letzten Foto oben von KaBa1 zu erhalten wo sich niemand aufhalten mag.

  • So wie ich Whywolf_Larry verstanden habe, geht es ja auch nicht um die Erhaltung des Ist-Zustands, sondern um eine Weiterentwicklung - die kann durchaus lebenswert erfolgen. Vorschläge dazu (einführen eine Fußgängerzone etc) sind hier ja bereits unterbreitet worden.


    Damit wir uns hier nicht in Strohmannargumenten verfangen: Ich glaube nicht gelesen zu haben, dass jemand entweder


    a) den Status-Quo museal erhalten möchte

    b) jemand auf eine kleinteilig rekonstruierende Blockrandbebauung an dieser Stelle setzt

  • So recht gelingt es mir nicht den Erklärungen von Whywolf_Larry zu folgen. Der Umgang mit Städtebau auf sollte vom menschlichen Masstab und menschlichen Bedürfnissen ausgehen. Nichts davon ist meines Erachtens im Städtebau der DDR erkennbar. Oder zumindest nicht viel. Denn was waren denn die Treiber des DDR-Städtebaus im Lauf der Jahre:

    - Grossflächige Beseitigung des preussischen/bürgerlichen Bauerbes - weil es für das "schlechte Deutschland" stand. Hätte man mehr Geld gehabt, wäre noch viel mehr abgerissen worden.


    - Breite Schneisen um Platz für Paraden zu schaffen oder im Sinne der Ideologie der autogerechten Stadt. Gelassen hat man das dann nur, weil irgendwann klar war, dass man sich die Zahl der Autos für diese vielen breiten Schneisen gar nicht leisten kann. Nicht etwa aus der Einsicht, dass öffentlicher Massenverkehr besser sei.


    - Trennung von Arbeit, Kultur/Unterhaltung und Wohnen - weil der Bau von anonymen Arbeiterschliessfächern am Stadtrand günstiger war als die Sanierung des historischen Bestands. Und weil die hochverdienten Gründerzeitviertel eine schwer zu überblickenden Brutstädte des Widerstands gegen das Regime waren.


    - Über all dem Stand Kostendruck. Folge: Wegwerf-Lösungen, Billig-Lösungen und Einheitslösungen wo immer es ging. Der Spielraum von Architekten und Städtebauern war schon aus diesem Grund massiv eingeschränkt. Diesen Punkt kann ich noch am besten verstehen.


    Es gab also alle Möglichen Gründe dafür, dass die DDR-Städtebau aussah wie er aussah - aber bestimmt nicht, dass dabei der Mensch als Masstab im Mittelpunkt stand.


    Im Übrigen: Schon Umweltaspekte (CO2-Footprint, Versorgungskosten etc) sprechen für eine massive Nachverdichtung der Innenstädte. Wer sich den Grünen nahe fühlt, muss sich tendenziell gegen und nicht für die vielen Leerflächen zwischen den Punkt und Scheibenbauten aussprechen. Ein Stück weit ist das ja auch im Planwerk Innenstadt ebenso wie im Planwerk Innere Stadt reflektiert.

  • Hier sind ein paar Fotos zur Erläuterung des DDR-Städtebaus:

    Der Memi-Vorgänger:


    pastvu.com/_p/a/p/1/9/p1974nrgas5ud8nw4c.jpg


    Dann wurde alles umgebaut, man sieht noch das schöne Minol-Haus am linken Rand:


    pastvu.com/_p/a/q/p/k/qpkv5fhgow7p3elxhp.jpg


    Und als es fertig war mussten Fußgänger in den Tunnel, Platz war nur noch für Autos:


    pastvu.com/_p/a/i/3/w/i3wnjlmo9itz21zayg.jpg

  • < .... Danke für die interessante Zeitreise mit Hilfe der Fotos Rainer Tee. Man kann nicht leugnen, dass die DDR zumindest einen allumfassenden städtbaulichen Plan hatte und diesen auch umgesetzt hat. Wenn auch nicht absolut, so doch in grundlegenden Zügen. Das ist genau das woran es heute mangelt. Es gibt keine oder nur noch sehr wenige städtebauliche Wettbewerbe. Alles ist ganz klein, nur auf die jeweils zu bebauende Parzelle beschränkt. So gehen die grossen Zusammenhänge und Synergien, die eine gute Planung eigentlich bestimmen sollten verloren. So spiegelt sich ein sehr individuelles, vereinzeltes Abbild unserer Gesellschaft in dem was und wie heutzutage gebaut wird. Wo ist die grosse städtebauliche Diskussion? Wo ist der intellektuelle Diskurs ? Wo ist die Vision, wie Berlin zukünftig aussehen soll hier an diesem wichtigen Ort und überhaupt und wie es funktionieren soll? Von einem künftigen Senatsbaudirektor erwarte ich nicht weniger als das Angehen dieser entscheidenden Fragen.

    Auf das Memi bezogen bedeut das immer noch für mich, obwohl hier einige sehr interessante Entwürfe für eine Umgestaltung etc. gezeigt wurden, einer zum Positiven hin veränderten Raum- und städtebaulichen Situation steht es allerdings im Wege, denn über ein Mehr als das Herumdoktern an einer verfahrenen Situation kommen auch die vorgeschlagenen Veränderungen am Bestandsbau nicht hinaus.

  • Das Memi ist aus heutiger Sicht eine Fehlkonstruktion, weil es auf der Fehlannahme basiert, dass "der ganze alte Kackdriss dahinter" sowieso bald kurz und klein geschlagen und durch Plattenbauten ersetzt wird.


    Inzwischen aber hat sich das gewachsene Quartier dahinter als besonders geschätzter Lebensraum bewiesen, während die in diesem Forum von manchen gepriesene Ladenzone des Memi von den Menschen ebenso verschmäht wird wie auch der zur selben Zeit entstandene Straßenraum Richtung Mollstraße.


    Wer also fordert, die Weiterentwicklung des sog. "Memhardknoten" (dieses Wort allein) solle auch in Zukunft vom Memi aus gedacht werden, macht sich eines handfesten Zynismus verdächtig, weil er Städtebau mit der selben Hybris betreibt wie jene Männer, die in den Sechziger und SiebzigerJahren angeblich genau wussten, was eine lebenswerte Stadt ergibt.

  • Leider ist nichts davon wahr.

    Das Memi wurde Anfang der achtziger Jahre ganz klar mit der Maßgabe entworfen, dass die Altbauten an der Rosa-Luxemburg-Straße zu erhalten sind. Nur deshalb gibt es die abgestuften Gebäudehöhen, die sich an die Bestandsgebäude an der Rosa-Luxemburg-Straße anpassen, nur deshalb gibt es die Ecke an der Rosa-Luxemburg-Straße. In einem Artikel in der Zeitschrift Bauplanung - Bautechnik (Heft 3/1983) zum Memi heißt es: "Beide Gebäudekomplexe, sich wie ein Tor zum Altstadtgebiet zwischen Münz- und Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) öffnend, mußten mit ihrer Gebäudegestalt die vorhandenen Gebäude vermittelnd aufnehmen." In der Berliner Zeitung vom 15.9.1982 konnte man lesen: "Um einen harmonischen Übergang zu den Altbauten an der Rosa-Luxemburg-Straße zu finden, wird das Wohnhaus auf der Seite des Berliner Verlages abgestuft errichtet."

    Das Memi hat weder etwas mit Hybris noch mit der Geringschätzung von Altbauten zu tun.

  • ^Das steht aber auch nur auf Papier. Es ist doch allgemein bekannt, dass Stadtplaner um diesen Zeitraum, am liebsten den Altbaubestand den Erdboden gleichgemacht hätten. Ein harmonischer Übergang ist demnach auch nur ein Lippenbekenntnis auf Papier.

  • Wir wissen ja auch, in welcher Breite die Memhardstraße ins Scheunenviertel hinein angelegt wurde. Warum öffnet sich denn der Straßenraum am Memi so sehr? Der DDR ist nur mal wieder der Schotter ausgegangen, um nördlich der Rosa-Luxemburg weiter zu machen.