Beiträge von Sprenggiebel

    Ich dachte mit dem ausgerufenen Ende der Fußgängerzonen als reine Geschäftsstraßen kommt auch das Ende der reinen Glas-Schaufensterfront-Fassaden. Scheinbar nicht ;)

    Naja, schon ok, aber eine große Aufwertung oder besonders markant oder regionaltypisch ist das nicht.

    Hier macht immerhin der Fensterversatz zusammen mit der Plattenanordnung den Eindruck, dass man mal wirklich gestalterisch vorgegangen ist, und nicht wie bei anderen Projekten die Anordnung ausgewürfelt hat. Auch die versetzten Balkone finde ich interessant.

    Begeisterung löst das aber insgesamt nicht bei mir aus. Wie bei den meisten Neubauprojekten unserer Zeit krankt es an fehlender Abwechslung bei den Fassaden und wenig prägnanten Baukörpern. Speziell die Ecksituation im ersten Foto ist einfach nicht markant genug.

    Die Stadt fällt primär durch Desinteresse an der Baumpflege auf und gleichzeitig dadurch, dass sie sich dann wundert dass die keinen Sommer überstehen und dann gleich mal zur Axt greift. In der NZ wird dann meist kritiklos die offzielle Aussage abgedruckt dass Nachpflanzungen nicht möglich seien oder es eh schon genug Bäume vorort gibt. Na schönen Dank auch!

    Mittelalter und Weltkrieg heranzuziehen finde ich ebenfalls lachhaft. Die Oberflächen wurden ja schon oft genug erneuert, mit Sicherheit auch teilweise die Leitungen. Bei der Gelegenheit hätte man ja auch daran denken können die umzulegen. So aber ist nicht die Historie Schuld am wenigen Grün, sondern Stadt und Politik, die ihre Arbeit nicht machen!

    Das habe ich mir auch schon bei beiden Projekten gedacht, in Nürnberg gibt es aber kein Gefühl dafür, großzügige Plätze zu entwickeln. Das ist wohl die Kehrseite davon, dass man nach dem Krieg im Gegensatz zu anderen Städten meistens an den alten Parzellen festhielt und nicht die "aufgelockerte" und autogerechte Stadt umsetzte. In diesen beiden Fällen ist die Lage wohl auch (noch) zu gut dafür das einfach unbebaut zu lassen.

    Anders sieht es bei der AOK aus: da ist ja sogar der recht großzügige Vorplatz verschwunden. Ähnlich mau sieht's aus bei der Marienzeile. Da sollte man zumindest mal darauf pochen, dass die Baumasse nicht bis knapp an die Straße rangezogen wird.

    Auch Sandsteinfarben oder sogar aufgemalte Sandsteinquaderoptik (ja das geht, auch in der Südstadt!) hätte ich besser gefunden. Naja, die Kacheln vorher waren auch nicht der Hit, also für mich zumindest keine Verschlechterung. Aus den ockernen Klinkern hätte man aber mit einmal Sandstrahlen wohl mehr rausholen können als mit Überpinseln.

    Wie jetzt? Das Quergebäude will man abtragen? Uff! Auch wenn es ein Nachkriegsprovisorium ist... ich finde es an der Stelle deutlich passender als diese komische Mischung aus komplett modernen Versatzstücken und Ruinenarchitektur. Ein rekonstruierter Mauertorturm dürfte dagegen weniger auffallen und räumlich sicherlich auch schlechter nutzbar sein.

    Das alles erinnert mich etwas an den Aufgang vom Wespennest zur Bibliothek, und den finde ich nicht so toll. Nur die Grünflächen mit Bäumen und den Wegfall der Rechtsabbigerspur sowie dass es einen zusätzlichen Aufgang zum Zwinger gibt finde ich positiv. Frage mich eh warum es aus der angeblich verkehrsberuhigten Altstadt überall 2 bis 3 Spuren raus gibt... Die Freiräume hier machen mir aber einen sehr diffusen Eindruck, so können daraus auch ziemlich schnell Angsträume entstehen, gerade in der Nähe des Bahnhofs. Achso, dafür gibt es dann ja ein Tor um den Zugang zu beschränken. Bringt dann ja sehr viel *seufz*.

    Ja, das stimmt schon dass es dort Verdichtungen gibt, aber in so extremer Weise wie rund ums I-Living habe ich es dort jetzt noch nicht gesehen. Viele Innenhöfe sind komplett versiegelt. Ja, das war teilweise schon vorher so, aber Wohnqualität bietet das dann trotzdem eher nicht. Die EFH Zielgruppe zieht dann ganz bestimmt nicht dorthin und pendelt lieber weiterhin von den grünen Vororten in die Stadt. Damit sich das ändert, muss halt auch der Grünflächenanteil in der Südstadt geändert werden. Teils durch Programme zur Innenhofbegrünung (sind glaube ich teilweise schon angelaufen, aber eher zaghaft), teilweise aber eben auch durch Rückbau von Parkplätzen und Autospuren.

    Natürlich sind die Grünen wie alle anderen Volksparteien auch nicht immer in sich schlüssig, sondern von Kompromissen geprägt, was man u.a. an Kretschmann und der Autoindustrie besonders gut sehen kann. Dazu kommt natürlich dann auch das übliche parteipolitische Taktieren. Als Opposition Druck machen gegen das Hochhaus am Friedhof in Schweinau? Immer doch, da kann man ein paar Anwohnerstimmen abgreifen, ähnlich wie die Freien Wähler bei der Umgestaltung des Nägeleinsplatzes.

    Insgesamt haben sich aber eigentlich alle größeren Parteien für höhere und dichtere Bebauung in Nbg ausgesprochen, und für neue Einfamilienhäuser ist so weit ich weiss nur die CDU zu haben - ist dann halt nur die Frage wie es umgesetzt wird. Bis jetzt baut man in der Südstadt alle Lücken zu, in der Nordstadt wird hingegen (z.B. in der Avenariusstraße) kaum nachverdichtet...

    Es gibt konkrete Beispiele dafür, dass Stadtautobahnen zurückgebaut wurden und die Städte anschließend nicht im Verkehr erstickt sind - oder zumindest nicht mehr als vorher. Bekannt ist das Beispiel aus Seoul. Auch der hier erwähnte Utrecht Kanal gehört dazu, genauso wie einige Tunnel in Paris.

    Möglich ist es also in jedem Fall, LKW taugliche Straßen wie die Fuggerstraße gibt es dann ja trotzdem noch. Mir persönlich würden aber auch weniger Spuren auf dem Deckel mit intelligenterer Verkehrsführung und eine nur zweispurige Neue Kohlenhofstraße reichen.

    Der Schwerlastverkehr gehört imo eher auf den Ring, aber nicht hier durchgefädelt. So gut wie alle Vororte lassen sich über die Südwesttangente oder B4R erreichen ohne über den Frankenschnellweg zu müssen.

    Es geht nicht um eine autofreie Spaßgesellschaft, sondern um Lebensraum für Menschen. Platz ist nunmal nicht unendlich da, und Platz für Menschen sollte innerhalb bestehender Strukturen und nicht auf der grünen Wiese geschaffen werden.

    Schön dass das Viertel mal entwickelt wird. Aber auch hier gilt: wenig Berücksichtigung des Gründerzeit/Industrie Charakters des Umfelds, und diese drangeklatschten Betonbalkone direkt zur Straßenseite hin finde ich eigentlich überall unpassend. Immerhin hat man die Fassade hier überhaupt mal variiert. Die Erdgeschosszonen könnten auch mal etwas offener und kreativer gestaltet sein. Dieses typische Wand - Glasfläche - Wand mit Winzfenster bringt nicht viel für den öffentlichen Raum.

    Die Medienwerkstatt Franken hat einen Film über den Frankenschnellweg Ausbau gedreht.

    Dieser ist kritisch und zeigt BUND und VCD Verantwortliche, aber auch BefürworterInnen aus der Stadt kommen zu Wort (OB König z.B.).

    Es wird impliziert, dass zusätzliche Spuren nur gebaut werden, damit man auch Förderung für den Lärmschutz erhält (gibt es nur bei Ausbau). KA, ob das so stimmt.

    Der Aussage, dass der Frankenschnellweg das Ringstraßenkonzept konterkariert würde ich auch zustimmen. Den Rest hatten wir glaube ich mehr oder weniger schon in diesem Thread.

    Es gibt auch ältere Aufnahmen des Frankenschnellwegs zu sehen. Spannend sind hier die Visionen für eine Randbebauung aus den 1920ern (ab 2:42), die sehr urban wirken, aber auch keinerlei Grün und wohl auch keine Wohnqualität bieten würden...

    Weiss nicht ob die Fahne die angestrebte Fernwirkung haben kann... eventuell wäre das Fahnenmeer da auffälliger gewesen, aber müsig darüber zu diskutieren. Immerhin gibt's da überhaupt neue Kunst.

    In den Musiksaal, der wohl relativ roh gehalten wird, zieht das Zentralcafe ein, das man ja aus der schönen mittleren Säulenhalle vertrieben hat. In die zieht die Auguste, weil man wiederum ihre Räume zurückbaut für ein Foyer für... ja für was eigentlich?

    Puh, die Fassadenproben haben schon eine deutlich andere Anmutung als erwartet... deutlich gröber, deutlich modischer.

    Das wäre gut bei einem ergänzenden Neubau, aber als Ersatzneubau für einen der bedeutenderen Bauten der Moderne in Deutschland? Uff.

    Hm, die Architektur des 18 Jhd. ärmlich , die Moderne prosperierend - das ist mir etwas zu undifferenziert und erinnert mich an die Stadtplanung der 50er. Damals hat man auch ganze Altstadtstrukturen wie in Kiel oder Hannover (und eben auch zum großen Teil Stuttgart) ausradiert weil man die Bausubstanz für nicht wertvoll genug hielt und die Häuser in Trümmern lagen - und hat damit nicht nur Bausubstanz sondern auch alle gewachsenen Strukturen zerstört.

    Ich würde dir ja zustimmen dass man sich an der Moderne orientieren sollte wenn wir im Weissenhof wären. Wenn's die Mischung macht und nicht eine komplett moderne Stadt das Ziel sein sollte, dann muss man hier aber auch dem 18. Jhd. Tribut zollen, denn viel mehr Ensembles davon gibt es nicht.

    Abgesehen davon passte der Siegerentwurf imo auch nicht zum Tagblatturm und schon gar nicht zum organischeren, vollverglasten Schocken.

    Diese Turmreihung, die Strichcode Fenster - das ist doch alles total 20er Jahre untypisch. Nur durch das Rechteckige ist ein Bezug zum Tagblattturm zu erkennen - ich persönlich find's plump, du kannst das gerne anders sehen.

    Der Schocken wirkte aber auch eher als Solitär. Ich glaube kaum dass der Siegerentwurf eine Schocken-Reko gepusht hätte...

    ^^ Nürnberg hat ja sogar eine Architektur Fakultät - mit recht schlechtem Image. Eventuell könnte man da auch mal personell ansetzen.

    Profil verlieren d.h. etwas Eigenständiges verlieren ist in diesem Fall für mich gar nicht so sehr das Problem, denn wenn man ehrlich ist: das ist ein besserer Standard Gründerzeitler, nicht Neu-Nürnberger Stil. Eher ist das so etwas wie für die meisten ein gemeinsamer Nenner, wenn es um "schöne" Architektur geht. In jeder Stadt die etwas auf sich hält werden Gründerzeit Ensemble Viertel erwartet, und wenn man die nicht oder nur noch durchlöchert findet, wird das auf die gesamte Stadt übertragen: nicht hipp, nicht chic,...

    Es ist zum verzweifeln. In anderen Großstädten haben Bauherren auch ohne Denkmalschutz Anspruch auf Erhaltung von Historie und Stadtbildverträglichkeit, in Nürnberg muss unbedingt immer alles billig, schnell(lebig) und mit maximaler Flächenausnutzung sein. Was so entsteht ist keine Stadt, sondern eine Legebatterie. Der Imageschaden ist unermesslich!

    Was ist denn an einem überbreiten Gehweg so schlimm? Dass zwei Familien dann mal tatsächlich die Covid-Mindestabstände einhalten können? Oder dass dann nach der Pandemie auch mal zwei Junggesellenabschiede aneinander vorbei kommen? Zu breit in der Stuttgarter Innenstadt sind in erster Linie die Straßen, wie am HBF und - natürlich - die B14. Das ist viel größere Platzverschwendung.

    Verkrampfte Rechtecke sehe ich in erster Linie beim Siegerentwurf. Ich bin froh, dass man nicht den Irrweg geht und sich am wohl bald abgerissenen Kaufhof Klotz orientiert und damit jegliche Dimensionen sprengt. Vergleichen lässt sich das nicht mit der riesigen Freifläche Viktualienmarkt mit gründerzeitlichen Häusern am Rand, sondern wenn dann eher mit dem St.-Jakobs-Platz. Und die Neubauten dort haben ähnliche Dimensionen.