Beiträge von Friedward

    Eine recht gelungene Restaurierung, eines der besseren Bauten seiner Zeit (und an seinem Ort) in einem Umfeld mit viel Optimierungspotenzial. Klar einem Abriss und Neubau vorzuziehen. Die Werbetafeln verpassen dem Ganzen meiner Meinung nach sogar etwas mehr Urbanität. LED-Video-Fenster würde hier etwas zu dick aufgetragen wirken - noch.


    In Sachen Memi und Pressecafé stimme ich meinem Vorredner jedoch zu.

    Über alles wird geredet: die hemmenden Bauvorschriften, die zögerlichen Investoren, die Traufhöhe usw. -aber dass es allein in Berlin 16.000 ausreisepflichtige abgelehnte Asylbewerber gibt? - nix ist.

    In Berlin gibt es geschätzt 20.000 illegale Ferienwohnungen ... nehmen wir mal an, dass diese etwa 2 Räume beinhalten so haben wir hier Wohnungen für 40.000 Menschen - und das ist vorsichtig geschätzt.


    16.000 Asylbewerber verteilen sich dagegen oft auf entsprechende Sammeleinrichtungen - diejenigen, die in Wohnungen unterkommen leben oft in sehr beengten Verhältnissen - 3, 4 oder 5 Menschen in einer kleinen Unterkunft sind keine Seltenheit. Was gewinnen wir hier? 500 Wohnungen? 1000 Wohnungen? Und zu welchem Preis?


    Bevor ich dort jemanden nachts aus der Wohnung schleife und in ein Flugzeug stecke, schleife ich lieber den Vermieter einer derartigen Ferienwohnung vor den Richter.

    Aber eigentlich auch gleich die Antwort mitgeliefert, denn es handelt sich eindeutig um Luxusfaktoren. Noch dazu (bis auf das fußläufig) Dinge die man durch eine kurze Anreise auch als Vorortbewohner gleichermaßen genießen kann.

    Schwierig - Ich verstehe deine Argumentation, möchte jedoch widersprechen.


    Klar - Wartenberg ist S-Bahn-technisch gut angebunden, aber es macht eben einen gewaltigen Unterschied ob ich, wie hier in Mitte in 10 Minuten an der Oranienstraße oder in 20 Minuten zum Fuß Simon-Dach-Kiez bin oder ob ich, wenn ich abends mal ausgehen möchte (und es nicht das Le Prom sein soll :)) eine Anreise von, Fußwege inklusive, 45 Minuten einrechnen muss um dann abschließend in den Genuss zu kommen nachts gefühlt allein durch Wartenberg zu schlendern - mag bei mir vielleicht noch gehen - meiner Frau würde ich es nicht empfehlen.


    Sicherlich unterscheidet sich dabei jedermanns Empfinden - Auf den genannten Umstand verzichten zu wollen, würde zumindest ich persönlich nicht als Luxus empfinden. Ist es überlebswichtig? Sicher nicht - aber ich finde auch nicht, dass das "unser" Anspruch sein sollte.


    Deiner Ausführung bezüglich des gestörten Verhältnisses von Städtebau und Dichte in Berlin stimme ich jedoch vollkommen zu!

    Mhm, hab ich jetzt auch gesehen. Aber irgendwie kann das doch nicht sein. Wohin verschwinden denn die gebauten Wohnungen bei konstanter Bevölkerungszahl?

    Gute Frage! - Einerseits werden jährlich viele Wohnungen vom Mark genommen - gleichzeitig werden viele Wohnungen verkauft, ohne dass sich die Eigentümer je als Einwohner anmelden - Zweitwohnungen, Spekulationsobjekte etc...


    Zudem kehrt sich der Trend seit der Bevölkerungsstagnation ja ganz zaghaft um.


    In 5 Jahren können diese Werte schon wieder ganz anders aussehen.

    Kannst du das mal näher ausführen inwiefern sich hier die Lebensqualität "deutlich" verschlechtert? Karow ist vielleicht nicht Dubai - aber auch nicht Afghanistan oder hab' ich was verpasst? Es soll sogar Leute gehen die ein Plätzchen "im Grünen" schätzen (in den 70ern war das ja der Traum der damaligen Hipster)...

    Ganz wichtig und vorab: Ich sagte "Vieler" - nicht "Aller"! Oder willst du absprechen, dass jemand den Schritt nach "draußen" als Verlust von Lebensqualität empfinden kann?


    Sicher zieht es ebenfalls viele raus ins Grüne - das ist jedoch in der Regel ein bewusster Schritt. Niemand wird durch hohe Mieten aus der Innenstadt ins Dorfidyll im Oderbruch vertrieben.


    Wenn man unter Lebensqualität all jene Segen von Urbanität und Dichte versteht - eine große Auswahl und Dichte an fußläufig erreicharen kulturellen und gastronomischen Einrichtungen, gestalterische Vielfalt im Umfeld - die gefühlte Lebendigkeit einer höheren Bevölkerungsdichte und jede dieser kleinen Stadtpartikel, die das Leben interessanter gestalten können, dann reduziert sich die Lebensqualität schon spürbar je weiter man sich vom Zentrum entfernt.


    Die steigenden Mieten in der Innenstadt entspringen ja zum größten Teil genau dieser Logik - die Leute wollen in der Innenstadt wohnen... so schlecht kann es da doch nicht sein ;)

    Das Problem liegt doch hauptsächlich in der Anspruchshaltung der Menschen die denken sie hätten ein Anrecht darauf innerhalb des S-Bahn Rings wohnen zu können. Als ob es ein Verstoß gegen die Menschenwürde wäre wenn man am Stadtrand oder in Brandenburg lebt.

    Ein Umzug nach Karow, Helle Mitte oder gleich Wildau ist für viele eben mit einem deutlichen Rückgang an Lebensqualität verbunden.

    Dass man einer solchen Zäsur im eigenen Leben nicht freudstrahlend entgegenmarschiert kann ich gut nachvollziehen - ein wahrgenommenes Anrecht erkenne ich daraus nicht.

    Wobei ich beim Alexa sagen muss, dass ich es nicht so schlecht finde und zum Alex wie die Faust zum Auge passt.

    Wird zwar leicht off-Topic aber ich kann hier nur komplett beipflichten. Ja, über das Alexa lässt sich geschmacklich sehr streiten.


    Ist es ansehnlich? Nach ein, zwei Bier vielleicht.


    Wenigstens hatte man hier aber den Mut etwas aus der Reihe zu tanzen - ein bisschen Mut zur Hässlichkeit eben.


    Ich habe meinen Frieden mit ihm gefunden - finde es dort gut, wo es ist - wünsche mir aber kein zweites.

    Um es mit Mao zu halten - "Baue und sie werden kommen" ... aber Spaß beiseite - In Berlin gibt es immernoch einen recht großen demographischen Ausdehnungspuffer. Noch immer gibt es Familien oder andere Wohngemeinschaftsformen, welche in sehr beengten Verhältnissen leben. Alles anekdotisch, ich weiß: Wenn ich jedoch daran denke, dass allein unter den jüngeren meiner Kollegen sich einzelne noch mitte zwanzig Zimmer mit ihren Geschwistern teilen...


    In einem staffelartigen Bewohnerwechsel können diese sich noch immer ausdehnen.

    Konsumorientiert: der Ort fühlt sich für mich wie ein urbaner Spielplatz für Erwachsene an - mit Gastro- und Feiermöglichkeiten. In dem Punkt ist der Holzmarkt dem Mercedes Benz Platz nicht so unähnlich. Sowas lässt sich natürlich auch genossenschaftlich organisieren.


    Das ganze war auch absolut nicht abwertend gemeint - mir gefällt der Mix dort. Ich finde es nur immer erstaunlich wie negativ belegt "Konsum" mittlerweile ist - fast schon ein Reizwort.

    So wirklich widersprechen sich eure Aussagen doch nicht - Der Ort ist konsumorientiert: unstrittig.


    Süffisant fand ich die Aussage gar nicht - eine vereinfachende Zusammenfassung - ich würde sogar mal davon ausgehen, dass viele Besucher des Holzmarkt augenzwinkernd zustimmen würden.


    Und jetzt hackt doch mal nicht so auf der Mercedes-Benz-Platz-Gastro rum - auch das kann süffisant ankommen ;)

    Ja, aber die Assoziation von Popper das es sich bei den Sichtbetonfans zum großen Teil um eine Architekten Bubble handelt, da gehe ich schon mit.

    Irgendjemand bestellt die Gebäude aber auch. Irgendjemand trifft entscheidungen. Irgendjemand wählt und zahlt diese Entwürfe.


    Ich denke nicht, dass ein Architekten-Kongress über den Kopf des Suhrkamp-Verlags hinweg entschieden hätte, wie der Bau auszusehen hat. Gleiches lässt sich über so ziemlich jeden anderen Bau sagen, welcher zu großen Teilen in Sichtbeton ausgeführt wurde.


    Ja, den Geschmack der Masse mag es nicht unbedingt treffen, die Klagen nehmen hier mit der Zeit aber schon verschwurbelte Ausmaße an - kleine elitäre Zirkel, welche die stilistisch treffsicheren Mehrheit ihrem Geschmack unterjochen...

    Wie schließen Sie darauf?


    Ich habe die Ausschreibung zwar nur überflogen (Danke am K-1 für den Hinweis auf Seite 523!) und kann hier nichts finden, das auf eine minderwertige einfallslose Bebauung schließen lassen würde... das Konzept scheint sehr offen für Vielfältigkeit. An anderer Stelle wird von einer möglichst kleinen Parzellierung gesprochen, was doch auf Abwechslungsreichtum hindeuten und solche Riegel wie im Lehrter Stadtquartier verhindern würde.


    ... einzig das Einhalten der Traufhöhe sorgt bei mir für Stirnrunzeln aber hey - wachsen wir halt weiter in die Fläche - das wird uns sicher nie auf die Füße fallen.