Beiträge von Novaearion

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    Denkmalschutz sagt dir was? Außerdem fehlt südlich davon noch das 1xx-Meter-Hochhaus, welches hoffentlich bald kommt.

    Ich finde das ist ein - für Berliner Verhältnisse - außergewöhnlich gut gelungenes Ensemble, welches so auch in Skandinavien oder den USA stehen könnte.

    Eigentlich hat es jeres1993 schon geschrieben:

    Wenn man den B-Plan anpasst, kann man sicher auch bundestagsfremde Nutzungen in der geplanten Kubatur unterbringen.

    Ansonsten ist das Band des Bundes bei 99% der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt. Man kennt die Gebäude, Touris wie Berliner, aber die städtebauliche Geste wird nur aus der Luft deutlich.

    Weite Teile westlich des Bundeskanzleramtes sind auch eher Städtebau aus der Hölle. Abweisend, mit hohen Mauern. Allein wenn man vom Bundestag zum Haus der Kulturen der Welt läuft, wäre es ohne die Menschen ein Unort, den es kaum ein zweites Mal in dieser zentralen Lage in Berlin gibt.

    Kurzfassung: Die Idee war Anfang der 1990er Jahre vielleicht verständlich, muss aber nicht vierzig Jahre später auf Teufel komm raus finalisiert werden. Schon gar nicht, wenn außer unserer Bubble niemand davon Kenntnis hat.

    Gegenfrage: Wie kann ein Baustoff, der nachwachsend ist und CO2 bindet, *nicht* nachhaltig sein, wenn man ihn bestenfalls auch noch aus Deutschland bzw. dem nahen EU-Ausland gewinnt? Stahl, Beton, Klinker, alles ist ressourcenintensiver.

    Das hat nichts damit zu tun, dass es in der Pflege tatsächlich schwieriger sein kann. Nicht mur Skandinavien und die Schweiz zeigen aber erfolgreich, dass Holzgebäude sehr wohl Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte überdauern kann.

    Natürlich ist die Kritik (bewusst!) überzogen. Denn wir befinden uns hier immer noch in der historischen Mitte Berlins, an einer wichtigen Straßenkreuzung, mit Blick auf und von der Stadtbahn. Das Gebäude wäre selbst in Marzahn oder Schwedt oder Bochum bestenfalls "nicht auffällig". Der Bezug zur Ostmoderne ist herstellbar, aber ohne die Kacheln schon nicht mehr verständlich. Tatsächlich bleibt aber auch dabei die Frage, warum man hier - 60 Jahre nach der Erbauung - eine Adaption herstellt, an anderer Stelle aber große Probleme damit hat, eine behutsame Nachverdichtung zu ermöglichen. "Ehrlich" ist beides nicht und eine städtebauliche Weiterentwicklung der Holzmarktstraße 66 ist auch nicht ersichtlich. Da ist bspw. der Neubau des Rathauses Mitte vielleicht kein großer Wurf, aber er greift die Elemente der klassischen Moderne auf und entwickelt diese weiter, ohne sie zu kopieren. Die Holzmarktstraße 66 wirkt hingegen wie ein Oberstufenzentrum am Stadtrand, welches als einziges Element die Kacheln und vielleicht auch noch die aus der Zeit gefallene Farbe eben jener als Reminiszenz an die Umgebung aufnimmt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, auf jeden Fall nicht schmackhaft.

    Und ehrlich, welche Weiterentwicklung gibt es gegenüber bspw. diesem Schulbau mitten in einem Plattenbaugebiet in Köpenick:

    https://cdn.imago-images.de/bild/st/0064512718/s.jpg

    Ich kann absolut die Verfechter moderner Architektur verstehen, die sagen, dass wir nicht die Stile vergangener Jahrhunderte kopieren sollten, sondern neue Architektur schaffen. Aber ausgerechnet hier geht es komplett daneben, während parallel gegenüber das Jaho entfernt eine konstruktivistische Formsprache (ebenfalls mehr schlecht als recht) nach 100 Jahren aufgreift. Städtebaulich zementiert man dort den Nicht-Ort, auch wenn er allein durch die Dichte und mehr Passanten gegenüber der Zeit davor profitieren wird. Mehr aber eben auch nicht, das ist bedauerlich.

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    Wunderschön. Noch in mehreren Jahrhunderten werden sich interessierte Architektinnen und Architekten dorthin begeben, um dieses ausgefallene, revolutionäre und stilprägende Gebäude anzuschauen. Besonders die zu zwei Drittel mit gelben Riemchen versehenen Säulen werden in einem Atemzug mit den korinthischen Säulen des Pantheons genannt werden.

    In naher Zukunft wird es viele Architekturpreise gewinnen, so viel ist sicher. Vielleicht meldet man jetzt schon vorsorglich Denkmalschutz an?

    Ohne Polemik gefragt: Warum ist eigentlich der Breitscheidplatz seit dem Anschlag mit diesen hässlichen Barrieren abgesperrt, aber z.B. der Potsdamer Platz nicht? Mir fallen zig Orte mit Menschenansammlungen ein, wo jeden Tag jemand mit einem LKW oder Auto Leute zu Dutzenden überfahren könnte.

    Wie absurd ist es denn bitte, diese seit Jahren den Breitscheidplatz verunstalten zu müssen?

    ^ Das ist mir auch völlig unklar. Das Gebäude ist jetzt weder eine originalgetreue Wiederherstellung noch eine mutige Sanierung mit neuer Gestalt. Dabei gab es doch auch gute Vorschläge, die die Substanz erhalten, aber gleichzeitig die Fassade deutlich aufgewertet hätten:

    https://aln.la/de/berlin-haus-der-statistik-wettbewerb/

    Stattdessen ist das Ergebnis weniger abwechslungsreich als der Originalzustand der DDR. Dadurch, dass die Fassade energetisch ertüchtigt wurde, sind nun auch noch die Fenster nicht mehr Plan wie ursprünglich, was die Horizontale zusätzlich betont und die Monotonie noch verstärkt als ursprünglich:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_der_…erlin-mitte.JPG

    Eigentlich der Worst Case: Viel Geld investiert, städtebaulich bleibt die Ecke verhunzt und die Architektur ist schlechter geworden als zu DDR-Zeiten.

    [mod]Überflüssiges Zitat des Vorposts gelöscht. [/mod]

    Rechtlich ist mir das klar, danke trotzdem für die detaillierte Ausführung.

    Mir ging es eher um die wirtschaftliche Perspektive aus Sicht des Bauherren: Ist es nicht viel sinnvoller, frühzeitig in die Vermarktung zu gehen - so wie auch bei dem einen Turm erfolgt? Immerhin zahlen die Käufer bzw. deren Kreditgeber ja nicht erst bei Einzug, sondern sukzessive nach Fertigstellungsgrad des Projektes. Welchen Nutzen hat es also, mit der Entscheidung - ob Verkauf oder Vermietung - so lange zu warten, bis das Projekt fast abgeschlossen ist?

    Dafür scheint man die Hochhäuser jetzt etwas stärker zu akzentuieren.

    Ansonsten prophezeie ich Mal, dass man spätestens in 20 Jahren die Fassade des Sockelgebäudes neu gestalten wird bzw. diese als eine Bausünde verstanden werden wird.

    Das ist mir jedes Mal auf's Neue unbegreiflich: Da setzen sich studierte Expertinnen und Experten zusammen und sagen dann: Komm, wir nehmen mit Abstand die hässlichste / langweiligste Fassade und nehmen das als Entrée für unsere gewerblichen Nutzer? Im Ausland sehen oft Sozialwohnungen deutlich hochwertiger aus, in Berlin scheint auch die Privatwirtschaft anzustreben, dass es möglichst billig und versifft aussieht? Ist das kulturell bedingt? Ich verstehe es wirklich nicht.

    ^ Pro-Tipp: Man hätte die Fenster noch kleiner machen können und das EG noch niedriger. ;)

    Aber wirklich absurd. Der Entwurf davor war schon absoluter Mainstream, aber hätte sicherlich attraktive Wohnungen geboten. Auch die Ecksituation war besser gelöst als bei dieser Vollkatastrophe.

    [mod]Überflüssiges Zitat des Vorposts gelöscht. [/mod]

    Spannend wird sein, was nach dem Auszug der Komödie sowie der Blue Man Group passiert. Gerade letztere hatten ja viele Jahre ein Gebäude für sich allein, welches sich aufgrund der speziellen Nutzung (ursprünglich als Kino) kaum nachnutzen lässt, ohne Komplettumbau.

    Da fallen also zwei weitere Anker weg.

    Was irgendwie immer untergeht: Am Potsdamer und Leipziger Platz leben auch Tausende (u.a. unser Bundeskanzler). Es sind eben nicht nur Touris, die eine gute Infrastruktur brauchen. Wichtig wäre, dass die Erdgeschosse noch besser bespielt werden. Da fehlt auch ein bisschen die Berliner Mischung.