Beiträge von Novaearion

    Ganz kann ich die Kritik nicht verstehen: Es handelt sich ja quasi in der Tat um eine überdachte Straße und nimmt die Flucht der Schellingstraße auf:


    https://goo.gl/maps/zAjj8dM44MUAjtvo6


    Es kann also als Übergang einer einst geschlossenen Mall hin zur Einkaufsstraße verstanden werden, die vielleicht in Zukunft tatsächlich öffentliches Straßenland werden könnte, mit Büros oder Wohnungen. Insofern hat man hier städtebaulich nichts dauerhaft zerstört und eine ganz andere Struktur als bspw. der East-Side-Mall, beim Forum Köpenick oder dem Ring-Center II & III, bei denen eine Umwandlung für eine andere Nutzung aufgrund der solitären Kubaturen deutlich schwieriger umzusetzen wäre.

    Wenn man für "weniger Fliegen" fliegen ist, ist es aber egal wo die Flüge stattfinden, oder? Transatlantik und viele europäische Flüge können auch weiterhin nicht mit der Bahn durchgeführt werden, es gibt also schlichtweg keine Alternative dazu.


    Warum man in Berlin ein Drehkreuz "braucht"? Weil Berlin mit Abstand die größte Metropole Deutschlands ist, formal die einwohnerstärkste Stadt der EU und nebenbei die Hauptstadt der viertgrößten Industrienation der Welt? Weil nahezu alle Behörden und Botschaften in Berlin ansässig sind und nach Bayern das Bundesland mit den meisten ausländischen Touristen in Deutschland ist?
    Liegt es da nicht vielleicht nahe, dass man von Berlin aus direkt nach Tokyo, Rio oder Hanoi (man denke an die hiesige große Community) fliegen kann und nicht erst nach Frankfurt oder München fahren muss, was aus praktischen Gründen eben dann auch mit dem Flugzeug passiert?


    Und überhaupt: Wir haben einen Wettbewerb der Metropolen, seit vielen Jahrzehnten. Die Staaten verlieren im internationalen Kontext an Bedeutung gegenüber den Wirtschaftszentren. Berlin war bis vor Corona auf einem sehr guten Weg gerade in Bezug auf Zukunftstechnologien und Forschung. Ich bin absolut dafür, auf unnötige Flüge zu verzichten, gerade auf der Kurzstrecke. Aber gerade dann benötigt man Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die Dank A321 XLR künftig auch mit kleinerem Fluggerät möglich sein werden.

    Für dieses schmale Grundstück perfekt. Klar, zur Bahntrasse wäre mehr Differenzierung optisch ansprechender, aber wer hält sich dort schon gerne auf.

    Schon krass - In wenigen Jahren fährt man vom Ostkreuz bis Alex bis auf wenige Ausnahmen entlang geschlossener Bebauung. Ich kann mich noch gut an die S-Bahn-Fahrten vor 20 Jahren erinnern - Nichts als Brachen, Tristesse, Parkplätzen, flachen Gewerbebauten, Abstandsgrün, Autohändlern.

    Egal wie man zur Architektur steht, aus städtebaulicher Sicht ein kleines Wunder. Fehlt eigentlich nur noch eine Bebauung des Baumarkt-/Metroareals nördlich der Bahn zwischen Ostbahnhof und Warschauer sowie südlich zwischen Modersohnbrücke und Ostkreuz.

    Es gibt aber ja faktisch keinen Baustopp bzw. wurde dieser wieder aufgehoben. Der Turm ist ja eindeutig "im Bau". Das vier Untergeschosse länger brauchen als der eigentliche Hochbau, der bald beginnen dürfte, ist ja auch Laien verständlich. Die letzten Wochen war ja auch wieder ordentlich Betrieb. Den Bau jetzt für Jahre abzubrechen, mit ungewissem Ausgang, mitten in der Innenstadt, wäre wohl für alle Seiten die unglücklichste Lösung.


    Blöd gefragt: Was passiert, wenn 90% des Turms fertig wären, aber der Terminplan gerissen wird? Gilt der Rückkauf nur bis zu einem bestimmten bauzeitlichen Fertigstellungsgrad? Ersteres wäre ja Wahnsinn. Welcher Investor würde eine solche Vereinbarung unterschreiben?

    Städtebaulich sehr urban, architektonisch - Bisher fiel doch jeder Patzschke-Entwurf stark gegenüber dem Entwurf ab. Der Styroporvorwurf war bisher leider auch nie polemisch, sondern entspricht meistens genau der Anmutung, die gepaart mit 2,55m Geschosshöhe (natürlich auch im EG!) und Fassaden im Retrolook am Ende herauskommen.

    Ich mag durchaus den Ansatz, traditionell zu bauen, aber wenn Rekonstruktionen Disneyland sind, dann sind Patzschke-Entwürfe für mich Legoland - Von weitem ganz okay, von nahem ein 0815-Nöfer nur ohne Riemchen, der etwas vorgaukelt, was eben nicht ist.

    Ich hoffe, die Qualität wird bei diesem Projekt hier besser.

    Das wird der Ecke gut tun. Man beachte - Jahrzehntelang befand sich dort nichts außer einem riesigen Autohaus samt entsprechender Freiflächen.
    Die Anbindung stimmt auch, zu Fuß ist man in ca. acht Minuten am Bahnhof Köpenick, in zehn Minuten in der Köpenicker Altstadt sowie in fünf Minuten an mehreren Straßenbahn- und Buslinien.

    Danke für das Bild. Es zeigt aber aus meiner Sicht lediglich einen profanen Mietskasernenbau wie er eben für die 20er so typisch ist. Wie gesagt, ich finde es immer schade wenn Altbaubestand nicht renoviert wird, aber in diesem speziellen Fall: Die Wohnhäuser waren seit Jahren verwahrlost und heruntergekommen. Die originale Gestaltung war ebenfalls eher schlicht. Aus einer Perspektive der Stadtentwicklung ist hier nichts verloren gegangen.

    Sorry, dann kennst du den Siedlungsbau der 1920er Jahre wenig bis gar nicht. "Mietskasernen" sollten genau damit abgelöst werden. Die damals neuen Wohnungen hatten keine engen Innenhöfe, stattdessen Bäder, Küchen und oftmals sogar moderne Heizungen.

    Die Wohnungen waren eben bis zuletzt auch nicht "verwahrlost", sondern zum Teil noch bewohnt.

    Aus Perspektive ist hier eine Menge verloren gegangen: Bezahlbarer Wohnraum da relativ kleine aber praktische Grundrisse, Stadtgeschichte, eine Menge graue Energie.

    Warum "schlichte" Gestaltung ein Negativkriterium sein muss, gerade im Vergleich zur 0815-Architektur die überall gebaut wird, bleibt auch ein Rätsel.

    "Extrem heruntergekommen", mit der Logik hätte man Ende der 1980er Jahre den gesamten Altbaubestand Ost-Berlins abreißen müssen. Die Gebäude in der Hauptstraße waren bis zuletzt bewohnt und hätten selbstverständlich saniert werden können. Es wäre sogar problemlos möglich gewesen, diese im Blockrand einzubinden. Stattdessen entsteht dort jetzt ein geschichtsloses Quartier vom Reißbrett. Sehr schade und ja, auch hier, alles andere als nachhaltig, Bestandsgebäude abzureißen. Gerade die Bauten der 1920er Jahre mit ihren relativ kleinen Grundrissen hätten auch ein adäquates Angebot für kleine Familien oder Singles bieten können, mit perfekter Anbindung am Ostkreuz.


    Übrigens war der Bau Teil einer viel größeren Wohnanlage, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde:


    https://www.tagesspiegel.de/im…21043880/4-format1012.jpg

    Bei einem meiner Lieblingsprojekte passiert weiterhin gar nichts. Auf der Homepage von Consus ist das Projekt ganz verschwunden, bei Kondor Wessels weiterhin zu finden.


    Ich habe Mal bei einer Bürovermietungsfirma angefragt, die Büroflächen bewerben und folgende Antwort erhalten:


    "Leider erhalten wir vom Projektentwickler aktuell auch keine verlässlichen Daten. Vermutlich ist das Projekt auf unbestimmte Zeit zurück gestellt."


    Das wäre natürlich sehr schade. Vielleicht wurde das Projekt verkauft? Hat jemand Kontakte, ggf. direkt beim Amt in Pankow?

    Lüscher gab zwar vor, sie wolle in der Sache vermitteln; als bekennende Sympathisantin der Partei Die Linke hat sie aber das Gegenteil getan.

    Und das sollte man akzeptieren. Frau Lüscher ist nicht mehr Senatsbaudirektorin. Vermutlich war sie es sogar ein paar Jahre zu lange. Ihr Vermächtnis ist es aber, genau die Debatten, die dich (und manchmal uns) jetzt nerven, ins Bewusstsein zu rücken. Unter der Ägide Stimmanns wurde sich auf die Zeit vor 1933 bezogen. Oft sogar mehr schlecht als recht, oft war das Rückbesinnen auf die Vergangenheit mehr Selbstzweck denn argumentativ untersetzt. Für die Phase nach der Wiedervereinigung mag das sogar richtig gewesen sein, brach aber mit der dynamischen Entwicklung Berlins als junge dynamische Kulturmetropole, die einerseits weltweit wieder ins Rampenlicht rückte, gleichzeitig aber wirtschaftlich am Abgrund stand. Ging es bei Stimmann weniger um die Sache, denn um künstlerischen Duktus, bliebt Lüscher zunächst zurückhaltend und analysierend, ehe sie vor allem Ende der 2010er Jahre ihre eigene Handschrift durchzusetzen begann. Und da zuvor die baukulturelle Entwicklung der 1960er bis 1980er Jahre aus dem Stadtbild getilgt werden sollte, war die Spätphase von Lüschers Arbeit davon geprägt, jene Epochen (wir reden hier immerhin im Osten vom Bruch mit dem Heimatstil über die internationale Moderne hin zur Postmoderne) nicht als verlorene Zeit zu brandmarken, sondern den baukulturellen und -historischen Wert zu diskutieren. Ja, oft zu akademisch, vielleicht sogar mit einem zu starken Fokus auf die ehem. Hauptstadt der DDR.

    Natürlich hatte sie eine Agenda. Jeder in der Position hat eine Agenda. Auch Frau Kahlfeldt wird eine haben und diese werden wir frühestens in zwei, drei Jahren verstehen können. Der Posten der Senatsbaudirektorin ist grundsätzlich politisch.


    Und um deine Unterstellung zurückzukommen: Ich glaube schon, dass Lüscher vermittelt hat. Nur eben nicht in deinem Sinne. So wie Kahlfeldt vermutlich nicht im Sinne von Camondo oder Klarenbach "vermitteln" wird. Es liegt auch an ihr, ob sie die Gräben zwischen den offenbar entstandenen Lagern wenigstens ein Stück schließen kann oder weiter vertieft. Für mich kann die rekonstruierte Bauakademie neben Leitbauten am Molkenmarkt, einem unbebauten Rathausforum und Hochhäusern am Alexanderplatz funktionieren. Das muss alles kein Widerspruch sein.

    Frau Kahlfeldt hin oder her - Sie ist auch (jetzt) Politikerin. Sie wird einen Teufel tun und sich am Anfang ihrer Karriere als Senatsbaudirektorin gleich in die Nessel zu setzen und einen unnötigen Streit zwischen Land Berlin, Kulturschaffenden und einem privaten heraufzuschwören. Der Abriss des Bestandsgebäudes kann auch in zehn oder zwanzig Jahren erfolgen. Es tut dort nicht weh, anders als das Memi. Und auch der Theaterdiscounter aka TD mag nicht der einzige Mieter sein und trotzdem ist es lobenswert, wenn in einem noch gesichtslosen zu entwickelnden Quartier Bestandsnutzer bleiben, die das Areal mit kulturellem Leben füllen.

    Außerdem: Man wird auf den Investor angewiesen sein, wenn es um eine Durchwegung vom neuen Jüdenhof zur Klosterstraße geht. Dieser kann hoffentlich verwirklicht werden und verlangt Kompromisse. Offensichtlich gehört der BATO Group ja auch ein direktes Grundstück am Jüdenhof. Dortige (von mir aus auch kritische) Rekonstruktionen und eine Ruheoase mitten in Berlin mit Gastronomie und kulturellen Nutzungen sind wichtiger als ein Plattenbau, der noch ein paar Jahrzehnte Lebenszeit hat. Und ja, graue Energie ist wichtig. Die Baubranche ist ein irrsinniger CO2-Emittent.

    Mein Eindruck ist auch nicht, dass die lautesten Verfechter der Moderne dieser Generation angehörten, viel eher derjenigen in ihrem Schatten sozialisierten (also von Leuten, die ca. 1975-1990 erwachsen geworden sind), mithin den sogenannten "Boomern". Die 68er-Generation ist eigentlich mit Gerhard Schröder und Konsorten weitgehend abgetreten.

    Auch wenn es ein bisschen Off Topic ist, aber die Boomer sind ja eben genau NICHT die ab 1975 geborenen, sondern die Generation davor. Die letzten geburtenstarken Jahrgänge waren die ganz frühen 1970er, danach kommt die Generation X und ich glaube, genau auf diese zielst du ab.


    Den Abriss in der Lietzenburger finde ich auch einen Skandal, eben aus den genannten Gründen: Vor ein paar Jahren saniertes Dach, sehr solide Bausubstanz und bei Sanierung gehen die Wohnungen weg wie warme Semmeln. Allein aus Nachhaltigkeitsaspekten reißt man solch ein Haus heute NICHT mehr ab, ganz unabhängig davon, dass auch baukulturell jeder Abriss eines mehr als hundert Jahre alten Hauses sehr kritisch gesehen werden muss.

    Minimal Off-Topic: Diese Baustelle und die Teilsperrung der Elsenbrücke zeigen, dass selbst mit einer deutlichen Reduktion der Fahrspuren und der Geschwindigkeit eben nicht der Verkehr komplett zusammenbricht, sondern sich neu verteilt. Vielleicht steigt sogar der ein oder andere Autofahrer vom Auto auf das Fahrrad oder die Bahn um, die in beiden Bauvorhaben parallel staufrei verkehren.

    Mal ein Zwischenruf aus dem Off - hört doch bitte auf, von einem nicht vorhandenen "Bauhaus-Stil" zu sprechen. Jeder, der auch nur im Ansatz etwas von der Materie versteht, wendet sich bei sowas dann gerne von der Debatte ab, weil sich offenbar Blinde über Farben zu unterhalten scheinen. Der Mythos, dass die Architektur ein bis 1919 ungebrochenes ästhetisches Kontinuum dargestellt hat, wurde ja dankenswerterweise bereits zerstört.

    Ansonsten empfehle ich jedem, der es nicht schon längst getan hat, sich über die unglaubliche Vielfalt und den hohen Gestaltungswillen und handwerklichen Anspruch in der Architektur insbesondere der frühen Moderne (und nicht nur des "Bauhaus'", welches sich als Schlagwort so schön nutzen lässt) zu informieren. Nur dann lassen sich auch gesellschaftliche und historische Entwicklungen nachvollziehen, die zum auch von mir kritisierten Dilemma im Städtebau heute geführt haben.

    Erster Gedanke: Oh je. Zweiter Gedanke: So schlecht wird es bei guter Materialität vielleicht gar nicht. Und mit dem "runden Spitzdach" kommt es deutlich klassischer daher als die auf dem Bild rechts zu erkennenden Rasterfassaden mit Flachdach, die das ganze Neubauareal rund um den Hauptbahnhof dominieren. Insofern, als Fazit ;) - Ein guter Kontrast, verbunden mit einer gewissen Reminiszenz an die Architektur der 1920er und 1950er Jahre, ohne diese zu kopieren.