• Das Innere der Dachetage ist in der Tat sehr altbacken und muss dringend umgestaltet werden. Allerdings sind die Pläne von Koolhaas absolut furchtbar. Aktuell hebt sich das KaDeWe mit seiner zeitlos eleganten Architektur wohltuend von den restlichen Ramsch-Gebäuden am Tauentzien und Wittenbergplatz ab. Mit dieser komischen bling-bling-Konsumarchitektur des geplanten Dachs, die so aussieht wie jede zweite asiatische Mall, wird das KaDeWe komplett verunstaltet und verliert seinen Ausdruck als (das einzige in Berlin noch existierende) Traditionskaufhaus. Ich hoffe, dass das Design nochmal revidiert wird, aber ich wäre wohl naiv zu glauben, dass Kohlhaas auf einmal mit einem kontextbezogenen, sensiblen Entwurf um die Ecke kommt.

  • Der Dachumbau ist Geschmacksache. Mein Fall ist es nicht. Die grösste Chance für den Erhalt des Dachs: Selbst das KaDeWe kämpft seit Jahren um Kunden und Rendite. Covid hat die Entwicklung weg vom stationären Handel beschleunigt. Im internationalen Vergleich war das KaDeWe vor 30 Jahren noch etwas ganz Besonderes. Heute gibt es solche Einkaufserlebnisse im rauen Dutzend rund um den Globus. An Benkos Stelle würde ich die Millionen nicht mehr ausgeben - und statt dessen einen Interior-Designer das Restaurant ein wenig aufhüschen lassen. Weg von SPD (Typ Esken) und mehr hin zu SDP (Typ Marin).

  • Kann mich den beiden Vorrednern nur anschließen, empfinde diesen Glasdachentwurf auch als einen furchtbaren Fehlgriff. Weiß denn wer ob die Pläne noch verfolgt werden? Hab seit dem Abschluss der Umbauarbeiten im Innenbereich immer mal wieder explizit danach recherchiert, aber nie was aktuelles gefunden. Insofern hatte ich gehofft dass die Pläne doch klammheimlich wieder beerdigt wurden, aber das klingt ja nun offenbar leider nicht so. :(

  • Ich kenne das KaDeWe noch aus den 80ern und 90ern, meine Oma hat mich dort hingeschleppt.

    Das KaDeWe war seit dieser Zeit mit dem angeflanschten gläsernen Dachwintergarten nur ein teureres Karstadt und verströmte bis mindestens 2015 die miefig-provinzielle Aura des alten West-Berlins. Null Klasse, null Eleganz. Allein die Rolltreppen waren über 3 Jahrzehnte nicht besser gestaltet als bei Poco Domäne. Die Feinschmeckeretage hatte den Charme einer gekachelten Metzgerhalle.

    Auch die äußerlich klassischen Proportionen der Vorkriegszeit wurden weitgehend zerstört mit dem Anbau des Schaufenster-Rundbogens auf dem Dach.

    Neeneenee, mir sind die Umbaupläne deutlich lieber als alles was in den letzten 3 Jahrzehnten die Dachsituation ausmachte.

  • ^Das KaDeWe IST strukturell eine Art teures Karstadt. Ein Quartier 206 hat schon immer eleganter und exklusiver aufgetrumpft - und trotzdem nie den auch bei Berlin-Touristen legendären Status des KaDeWe erreicht. Ich finde nicht, dass man sich komplett neu erfinden muss. Aufräumen und aufwerten reicht völlig aus.

    Das Stichwort "angeflanscht" passt mE eher zu den Modernisierungsplänen der Dachzone (auch wenn ich diese an sich nicht komplett ablehne). Dagegen findet sich das Motiv des bestehenden Rundbogens sehr ähnlich auch in den Schaufenstern auf Straßenebene sowie auch in Form der kleinen Gauben- oder Erkerfenster wieder (beides übrigens in dieser Form historisch). Letztlich ist und bleibt es natürlich Geschmacksache. Für mich jedenfalls wirkt es durchaus harmonisch und fast schon ein wenig ikonisch. Jedenfalls schafft es mE Wiedererkennungswert, was mE eine Menge wert sein kann. Bei dem ressourcenintensiven (und oft schon recht dekadenten) globalen Höher, Weiter, Größer wird eine Stadt wie Berlin ohnehin nicht mithalten können. Da sollte man mehr mehr auf Einzigartigkeit und Originalität/Authentizität setzen.

  • Eine gewisse "Miefigkeit" hatte die alte Gourmetetage tatsächlich. War teilweise etwas aus der Zeit gefallen. Kenne den Stand der Etage vom letzten Sommer, und da muss ich sagen: Die Restaurants und Bars sind in ihrer aktuellen Form ein Schritt nach vorne. Der Verkaufsbereich samt all den Theken hat mir aber tatsächlich früher besser gefallen, trotz der "Miefigkeit". Kann gar nicht genau artikulieren, warum ich das so empfinde. Aber früher hat es mich mehr beeindruckt.

  • (Ich weiß nicht ob es hier richtig ist das Thread.)

    [mod]Nein, hier ist es richtig. Die DAF-Karte oder die Suche können gern genutzt werden. Kran und Container stehen da auch schon ewig und sind auch in Googel Earth zu sehen.[/mod]

    Am KaDeWe wird zzt. Am (Dach vlt .) Saniert.

    An den Baucontainer waren kein Info ( Plakat) zu sehen und ein großer Kran wurde gebaut. 2021 wurde ja das KaDeWe ja saniert was schon eigentlich fertig Ist.

    © Johannes_9065 ( gestern)

    dsc_051822pfbk.jpg

    &

    dsc_051629kdee.jpg

  • Nein es ist noch nicht fertig - es fehlt noch die schon lange angekündigte (und für mich sehr attraktive und definitv fehlende) Veränderung des Daches in einen Glasaufbau. Die oberste Etage lässt schon lange nicht mehr zum schnieken Erst des Kaufhauses und ich finde der moderne Touch passt besser als der Status quo. Etwas historisoerendes, feingliedrigeres werden wir ja leider nicht bekommen.

    Hoffe es geht jetzt los - weiss jemand mehr?

  • Wie das RBB heute Abend berichtet hat, möchte das Singna das KaDeWe an thailändischen Handelskonzern verkaufen für fast 1 Milliarden Euro. So das Handelsblatt Link ( Bericht)

    Vor ca. 1 Jahr hatte der neue Besitzer über den Kauf verhandelt. Das Unternehmen ist im Besitz des Milliardärs Tos Chirathivat und dessen Familie.

    RBB


    @ Moderator , wenn es Hier falsch ist, dann bitte in Thread:

    Luxuskaufhäuser, Kaufhaussterben, Probleme des Einzelhandels

  • Weil Sie so schön sind.

    Die spiralförmig, ineinander verdrehten Rolltreppen vom Architekturbüro OMA (u.a. Rem Koolhaas)
    verkleidet mit Walnussholz:

    hjs86b6n.jpg
    Bild von mir © Merlin

  • Ja netter Einfall - von denen hatte das KaDeWe zum Umbau leider recht wenig. Für mich ist dieses Kaufhaus leider strukturell, organisatorisch und gestalterisch komplett unattraktiv geraten und ich habe den Verdacht dass so ziemlich jede nachträgliche baul. Intervention der Genießbarkeit des Haus seit seiner Entstehung nur geschadet hat - erst recht weil man nach meinem Eindruck stets gegen die Architektur und deren gestalterischer Konzeption gewirkt hat.
    Der Innenausbau hat heute eine entsetzliche Ordnung - das Erdgeschoss versprüht eher den Charme einer möligen Duty Free Meile und die aktuelle Schaufensterwirkung wirkt dank der hässlichen Bündigkeit mit der Steinfassade verstörend billig für das angebotene Hochpreissegment. Im Vergleich zu La Fayette, Liberty, Harrods oder GUM wirkt das KaDeWe wie ein ärmlicher, geschmackloser Parvenü, der sich bereitwillig dem degenerierten Level seiner gebauten Umgebung angepasst hat

  • Ich finde das KaDeWe durchaus schön innen, aber furchtbar unübersichtlich - es ist mir fast nicht möglich mich nicht zu verlaufen. Nur Harrods fand ich da noch schlimmer.

    Was absolut fehlt ist der Dachumbau. Die Pläne waren toll. Und Tauentzien und die Ungebung ist halt leider absoluter Trash. Das Pleite gegangene Signa Vorhaben mit den Rubdbögek anstelle des Schuhladens sowie der Ellington Unbau wären genau die Art Projekte gewesen die es hier bräuchte…

  • Nunja es stimmt schon, dass in so einigen Ecken des KaDeWe‘s das Gefühl aufkommt, man befinde sich in einem schnöden Provinz-Karstadt. Ich finde bei dem bekannten Namen ist es fair, nichts Geringeres als ein weltstädtisches Niveau zu erwarten. Die 6te und einige kürzlich renovierte Ecken im KaDeWe werden dem auch gerecht, aber dieses Niveau muss auch im ganzen Haus aufrecht erhalten werden.

    Schade finde ich vor Allem den Wegfall eines zentralen Atriums (ich bin mir ziemlich sicher, dass der Originalbau - wie damals üblich - eines besaß). Das würde dem ganzen Haus mehr Luft, Licht, Übersichtlichkeit und nicht zuletzt Grandesse verleihen. Die geringere Verkaufsfläche wird bestimmt durch die verbesserte Zirkulation ausgeglichen.

    Der ein oder andere mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich bereits ein Atrium. Es ist nur so versteckt und abseits der üblichen Wege, dass es kaum jemand zu Gesicht bekommt. Durch eine Verengung des Atriums in den obersten Etagen ist der Raum leider auch dementsprechend düster. Schade, dass eine Aktivierung dieses Raumes in den Umbauplänen nicht angestrebt wird - im Gegenteil ist sogar eine partielle Schließung vorgesehen, wenn ich die Pläne von OMA richtig interpretiere.

  • Das KadeWe wirkt einfach, und da retten die Umbauten nichts – bzw. sie machen es noch schlimmer – nicht wie das Luxuskaufhaus einer europäischen Kapitale. Das könnte so im Inneren praktisch überall stehen. Wenn man wirklich die Kunden – vor allem die kaufkräftigen – anziehen will, zu einer wahren Attraktion werden will, wie Harrods (London) oder Galeries Lafayette (Paris), dann muss das Haus und seine Hallen auch was von dem alten, noblen Charme versprühen.
    Beim KadeWe wüde ich auf Umbauten im Stil der 20er Jahre setzen, ein zurückhaltendes aber elegantes Art déco. Viel gemaserter, polierter Stein, goldenes Messing, große, hohe glasüberdachte Atrien, alles sehr symmetrisch und kubisch...
    Ernsthaft, als ich jung war und zum ersten Mal von Berlin gehört habe, und mich darüber belesen habe, galt das KadeWe als Legende. Als angeblich so elegant, als eine Touristenattraktion. 20 Jahre später habe ich praktisch ganz vergessen, dass es das Kaufhaus noch in Berlin gibt. Es ist komplett unter den Radar abgetaucht. Ich dachte nach langer Zeit erst wieder daran, als ich diesen Strang gesehen hab.
    Wenn man Traditon und Luxus versprühen will, dann muss man das auch so bauen. So einfach kommt mir das vor. Aber was weiß ich schon. ;)

  • Der Innenausbau, inclusive Markensortiment, ist schon recht hochwertig geworden. Etwas vergleichbares findet man in Deutschland nicht. Insbesondere im Vergleich der 1980er bis 2000er Jahre, wo das KadeWe nur ein knapp besseres Karstadt war.

    Äußerlich wirkt jedoch die Dachkonstruktion aus der Nachkriegszeit mit dem gläserenen Rundbogen nachwievor besonders piefig und provinziell. Hier wäre eine Aufbesserung dringend nötig.

    Das Flair des Kaufhauses wird auch von seiner Umgegebung mitgeprägt. Der Wittenbergplatz und der Tauntzien sind mit ultrabilligen zu Westberliner Zeiten gebauten Klötzchen zugestellt. Das wirkt kaum anders als in einer kleinstädtischen Fußgängerzone.

    Einmal editiert, zuletzt von Arty Deco (12. Juli 2026 um 17:26)

  • Der Galeria am Alexanderplatz ist innenarchitektonisch schöner, großzügiger, und Weltstädtischer. Das Galeries Lafayette wirkte exklusiver. Beide hätten/würden/könnten mit einem bisschen Investment deutlich edler daher kommen als das KaDeWe.

    Im deutschen Vergleich ist das Oberpollinger und das Ludwig Beck in München schöner, das Alsterhaus ebenfalls erwähnenswert.

    Und jeder Corte Ingles in Madrid ist innen mindestens ein ebenbürtig.

    In London wird immer das enge und unattraktive Harrods angeführt, wirklich toll ist jedoch das Liberty.

    Und mit Paris kann sowieso nichts mithalten.

  • Puh, beim Oberpollinger würde ich widersprechen, KaDeWe und Oberpollinger leiden innen am selben Problem, sie wirken wie ein in den 90ern umgebauter, hübscherer Karstadt (was vmtl. auch das Konzept war). Ordentlicher ist auf jeden Fall der Beck, schöner war innen früher für mich nur das alte Karstadt/Hertie Haus am HBF mit Atrium und Glaskuppel.

    Ich hab in den letzten 4 Wochen beide besucht... Decken zu niedrig, Boden abgeranzt, Toiletten übel (OP) bis okay (KaDeWe) wobei der Zustand bei beiden generell beschämend ist, kein beeindruckendes Atrium... für beide müsste der thailändische Investor massiv Geld in die Hand nehmen. Die laufen eigentlich nur noch mangels Alternativen und weil arabisch/asiatische Touris irgendwo ihr Geld lassen wollen, ohne für drei Läden von Pontius nach Pilatus laufen zu müssen...

    Btw. finde ich beim KaDeWe die oberste Etage unter dem Glas eigentlich sehr beeindruckend, da finde ich eher das Angebot "provinziell" und nicht die Location.