Wilhelmstraße - Plattenbaumoderne vs Neubebauung

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Heute schreibt die BILD-Zeitung, dass das Grundstück mit dem Imbissbuden am Mahnmal verkauft worden ist an "zwei Familien, die dort langfristig investieren wollen. Sie planen Mietwohnungen und im Erdgeschoss gehobene Geschäfte."
    Kaufpreis soll 75 Mio betragen haben (ganz schön viel für 2 Familien :lach:)

    Heute steht im Tagesspiegel etwas Neues zu diesem Projekt. http://www.tagesspiegel.de/berlin/exklusi…n/12990150.html Es sollen 125 hochwertige Mietwohnungen für einem dreistelligen Millionenbetrag errichtet werden. Über die Architektur wird nicht viel geschrieben, nur dass das Gebäude 29 Meter hoch werden soll.

  • Es wird jedoch berichtet, dass es ein klassisches Gebäude in der Tradition des steinernen Berlin von gediegener Zurückhaltung werden soll. Das hört sich ganz gut an.

    Interessant wird die Frage ob Richtung Osten Brandwände abschließen, so dass der Block später geschlossen werden kann, oder nicht.

  • Der Artikel des Tagesspiegels erweckt den Eindruck, als gäbe es bei dem Projekt Wilhelmstraße 56-59 noch eine Möglichkeit, den geplanten Bau zu verhindern. Was soll das ? Das Thema ist gottseidank bereits seit Monaten zugunsten der Neubebauung entschieden !

  • Je eher hier was passiert umso besser! Ich bin hier heute langgelaufen und es war wirklich beschähmend. Auf der einen Seite interessierte Leute die sich in der Schlange eingereiht hatten die zum Informationsort des Holocaust Mahnmals führt, auf der anderen Seite mampfende, trinkende laute Menschen in diesen mittlerweile ziemlich runtergekommenen Holzverschlägen kauernd. Draussen Anpreiser oder Animateure die mit wörtlich: „Willst du Bier, Alkohol, Kaffee?“ versuchen Passanten in diese Verschläge zu bugsieren. Ein wirklich unhaltbarer Zustand in dieser Nachbarschaft. Da bin ich jetzt mal stock-konservativ.

  • The Wilhelm

    Der letzte Mieter hat noch Silvester im Plattenbau gefeiert (das war sicher eine richtige Sause, so allein in einem Bau der abgerissen werden soll, da kann man so richtig abfeiern, zumal wenn man gerade eine Abfindung von 200.000 Euronen in den Hintern geschoben bekommen hat).
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    So kann es jetzt losgehen mit dem Bau von 165 Wohnungen, die dann gediegen, teuer und luxeriös werden sollen. Für den Service in dem Luxus-Bau soll dann nach Fertigstellung im Sommer 2018 Raffaele Sorrentino sorgen, seines Zeichens ehemaliger Chef-Concierge im Adlon. Link

  • Eine andere Wohnung in der Wilhelmstraße für "ähnlich günstige Konditionen" und 200.000 Euro Abfindung - da hätte ich auch ordentlich Silvester gefeiert. Ich hoffe aber, dass die Linkspartei auch weiterhin zu diesen gepeinigten Opfern der radikalen Vertreibungspolitik von profitgeilen Großinvestoren steht.

  • Tja. Am Ende sind selbst die eingefleischtesten Antikapitalisten käuflich. Wer hätte das gedacht:lach:. Da werden sich die Nachbarn in den anderen Riegeln wohl wünschen dass die Dinger doch noch fallen. Man kann da ja scheinbar richtig Kohle abgreifen:lach:

  • Das bedeutet doch, dass man die restlichen Bauten dort ebenso leer und damit zum Abriss frei bekommen kann => Money makes the world go round ...

  • Ich habe das ja schon vor Jahren gesagt. Spätestens mit der Mall of Berlin wird der Druck auf das gesamte Areal so groß dass irgendwann das Gesetzt des Marktes hier durchschlägt. Wenn sich es ein Investor leisten kann 200.000 Euro Ablösung zu zahlen dann wird deutlich was für ein Wert in diesem Areal liegt.

    Da es sich sowieso in weiten Teilen nur noch um Ferienwohungen handelt sehe ich auch den Gentrifizierungsvorwurf nicht. Letztlich werden die noch verbliebenen Mieter teuer entschädigt. Städtebauliche wäre sowieso jede Veränderung ein Gewinn.

    Und irgendwann stellt sich die jetzt aufgeschobene Grundsatzfrage vor der man sich aktuell drückt sowieso. Denn in spätestens zehn Jahren müssen die Bauten entweder umfangreich saniert werden oder man reißt sie eben ab. Und eigentlich kann man nicht wirklich wollen dass hier auf einer derart großen Fläche eingepackte Dämmmonster entstehen. Wie verheerend das aussieht haben wir ein paar hundert Meter weiter ja erst gesehen.

    Ich finde es einfach schade dass man sich um das gesamte Areal nicht mal wirklich Gedanken macht und die Verantwortung feige in die Zukunft verschiebt. Es stellen sich so viele grundsätzliche fragen bezüglich des Areals. Leider will man seitens der Politik keine davon beantworten. Ähnliches findet ja auch beim rathausforum statt. Einfach den leichtesten Weg gehen statt mal Rückgrat zu zeigen und mutig zu sein. Am Kulturforum sehen wir ja das gleiche. Ich persönlich halte diese völlig visionslose Herangehensweise für völlig falsch.

  • Das ist der Bausenatorin wohl zu banal, da hier keine "Solitäre der Moderne" gefragt sind, sondern funktionale, aber dabei identitätsstiftende und kleinteilige Kiezentwicklung zu möglichst nicht astronomischen Preisen. Das ist Frau L. wohl einfach zuviel "klein klein". Und im Vakuum der fehlenden politischen Steuerung machen dann halt Mampfbuden und Ferienwohnungen und wer sonst noch alles die Sache unter sich aus. Die Gegend wird dadurch sicher nicht besser werden.

    Bald sind in Berlin wieder Wahlen. Vielleicht kriegen wir dann auch mal einen Personalwechsel im Senatsbaudirektorat. Nach 9 Jahren (voller verpasster Chancen und ungeordnetem Wildwuchs in Kiezen wie diesem) wäre es höchste Zeit.

    PS: um aus einem gestern in der Welt veröffentlichen Artikel zum Kulturforum zu zitieren, wobei das Zitat hier ebenso passt.

    (http://www.welt.de/kultur/kunst-u…und-Pannen.html)

    Hinweis der Moderation: Die Einbindung des Zitats wurde editiert. Grund: Unerlaubtes Pressezitat.
    Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Texten achten. Vielen Dank.
    Bato

    Vielleicht überfordert es eine Architektin aus Zürich (400.000 Einwohner) auch einfach die Dimensionen Berlins (3.500.000 Einwohner) zu handhaben. Aber solch ein Ordnungsvakuum können wir uns an dieser zentralen Stelle einfach nicht leisten. Camondo hat mit seiner Kritik (s. o.) ja eher noch untertrieben, dieser zentrale Bereich entwickelt sich langsam zur Peinlichkeit für Berlin.

  • Vielleicht sollte man sich erst einmal informieren, bevor man hier völlig abwegige Behauptungen aufstellt.
    Die Fakten sind so, dass das Bezirksamt Mitte am 6.10.2015 eine Erhaltungsverordnung für das Gebiet westlich der Wilhelmstraße beschlossen hat. Dieser Beschluss wurde sorgfältig vorbereitet und im völligen Einvernehmen zwischen SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und den Linken gefasst. Frau Lüscher hat mit diesem Beschluss nichts zu tun. Die Behauptung, dass hier mal wieder Frau Lüscher undurchdachte Dinge getan hätte, ist daher völlig abwegig. Und die ständigen Pöbeleien gegen Frau Lüscher zeugen eher Ideenlosigkeit von als von argumentativer Tiefe.

    http://www.berlin.de/ba-mitte/polit…sp?VOLFDNR=6963

    Natürlich sollte die Erhaltungsverordnung nur ein erster Schritt sein, wünschenswert wäre eine Rückführung des ganzen Gebietes in das Eigentums der Wohnungsbaugesellschaft Mitte.

    Ansonsten sollte es nicht das Ziel von Politik sein, die Marotten eines kleinen Grüppchens von Historisten zu befriedigen, sondern Wohnraum in der Innenstadt zu sichern.

  • Ich muss Klarenbach zustimmen.
    Manche entwickeln geradezu eine Paranoia wenn es um Frau Lüscher geht und lassen dabei jegliche Rationalität vermissen.
    Die Wilhelmstrasse ist ein reines Politikum, das hat mit Architektur herzlich wenig zu tun was da geschieht.
    Es wird noch mindestens zehn oder zwanzig Jahre dauern bis diese Plattenbauten verschwinden denke ich und solange werden wir wohl auch die Diskussionen über deren Sinn oder Unsinn hier führen.

  • Gunnar Schupelius hat nachgeforscht wer neuer Eigentümer des Grundstückes am Holocaust-Denkmal ist und ob und was er dort gebaut bauen will.

    Weiterhin scheint hier Patzschke federführend zu sein. Der aktuelle Entwurf basiert im Wesentlichen auf den etwas älteren bereits bekannten::

    Hier nochmal der ältere Entwurf:

    Dekoratives Anführungszeichen


    (C) Patzschke & Partner Architekten GbR


    Im Vergleich dazu wurde das Staffelgeschoss erweitert. Das Gebäude wird 110 Wohnungen zur Miete haben.
    Schupelius sieht in dem Entwurf eine deutliche Verbesserung zum IST-Zustand und findet ihn der Gegend angemessen. Dem kann ich zustimmen.

  • Patschkes scheinen im Alter immer erfolgreicher zu werden - Hut ab. Das würde schon ein prägendes Bauwerk werden und wie ich finde kein schlechtes. Die Staffelung der Dachgeschosse gefällt, zumal es hier dauerhaft einen Fernblick geben wird.

    Mit einer Erhaltungssatzung für die Wilhelmstraße sollte man sich meines Erachtens zurückhalten. Das ist unsinnige Symbolpolitik. Mit den Eigentümern sollte man reden und Lösungen finden, sonst riskiert man eine böse Hängepartie mit Leerstand oder anderen Kapriolen. Investoren sind bei so etwas geduldig. Durch die herausragende Lage und den Faktor, dass es nunmal Privatbesitz ist, sind die Wohnungen als Sozialwohnungen sowieso tot. Ein Rückkauf wäre Schwachsinn, da man für das Geld ein vielfaches an Wohnungen neu bauen könnte, z.B. auf dem Tempelhofer Feld .... ach so, geht ja nicht. :nono2:

    Dann eben auf den Rieselfeldern ohne U-Bahn - Pech gehabt. Aber es gibt ja Autos.

  • @ Jack000

    Du meinst den Abriss dieser Holzbaracken, denn eine Platte fällt hier ja nicht für den ”Neubau” direkt am Manhnmal für die ermordeten Juden Europas.

    @ Rotes Rathaus

    Vielleicht werden sie erfolgreicher die Patzschkes aber das bedingt nicht unbedingt, dass sie auch besser werden.
    Ich sehe da nur Stagnation. Null Entwicklung in stilistischer Hinsicht über all die Jahrzehnte muss man ja jetzt schon sagen.

    Aber wie ich schon schrieb, hauptsache diese schändlichen Holzbarracken verschwinden endlich.

  • ^ Sehr viel Entwicklung sehe ich zugegeben auch nicht und ich halte es auch nicht für herausragend; aber immerhin ansprechende Kost. Ich bin froh, wenn dort nicht so gerastert wird wie in der Europacity.

    Ich würde mir mehr Bauten von Mäckler in Berlin wünschen; auch z.B. gerne an dieser Stelle.

  • Immerhin ist es für dieses Bauvolumen schon ein recht abwechslungsreicher und fast schon
    leichter Entwurf. In meinen Augen würde ein auffälligerer und weniger angepasster Entwurf auch nur schwer an diese Stelle passen. Insgesamt bin ich doch sehr zufrieden und hoffe auf eine baldige Umsetzung.

  • Falls der Staat die Platten in der Wilhelmstrasse dauerhaft schützt, so nehme ich folgendes Szenario an:

    Man wird sie maximal luxuriös sanieren und umbauen sowie ergänzen. Vielleicht wird es sogar ein interessantes Experiment oder halt total daneben. Günstige Wohnungen sind dort jedoch nicht denkbar wegen der Lage und dem Privatbesitz.