Neubebauung am Schinkelplatz/Werderscher Markt

  • Wenn das tatsächliche Fassadenmaterial nicht aus Beton ist, wie ich annehme und hoffe. Dann müssten die Platten aber eine recht ordentlich Stärke haben um das Muster reinzubekommen ohne die Platten zu zerlegen. Ich denke 40-60 mm sollten es dann schon sein.

  • Was die Betonfassadenteile von Staab betrifft hatte ich erst auf die nächste Modeoberfläche getippt. Jetzt aber sehe ich in Potsdam, dass die Stadt die Oberfläche dort als Graffitischutz an der Humboldtbrücke einsetzt:

  • Die Stadtverwaltung sagt, eine reliefierte Oberfläche sei graffitiabweisend, da man Tags oder größere "Gemälde" vulgo Streetart nicht mehr gut erkennt.

  • In diesem prominenten städtischen Bereich gibt es fast keine Tags oder Grafittis an Gebäuden, ich denke die Sorge hierüber ist unbegründet.
    Ich habe mir die Modellsteelen letztes Wochenende näher angesehen und leider muss ich meinen positiven Eindruck den ich auf den hier geposteten Fotos gewonnen hatte, reviedieren. In Beton sieht es wirklich billig aus. Wie getrockneter Modellbaukleber. Es gibt auch verschiedene Farbvarianten aber keine konnte mich dann überzeugen. Interessant wäre eine Ausführung in Natursteinfräsung zum Vergleich gewesen.

    Einmal editiert, zuletzt von Camondo (22. August 2014 um 10:46)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Stadtverwaltung sagt, eine reliefierte Oberfläche sei graffitiabweisend, da man Tags oder größere "Gemälde" vulgo Streetart nicht mehr gut erkennt.

    Und wovon träumt die Stadtverwaltung nachts? Das führt allerhöchstens dazu, dass statt künstlerisch interessanten Graffitis nur Tags oder Dilettantengraffiti gesprüht wird. Ansonsten ist es den Sprayern wurscht, ob die Oberfläche glatt, geriffelt oder genoppt ist.

    Es ist in erster Linie die Lage, die darüber entscheidet, ob und wieviel Graffiti/Schmierereien kommen. Und da sehe ich es wie Camondo - am Schinkelplatz wird diesbzgl. eher kaum was passieren.

  • Nöfers wunderschöner Wettbewerbsentwurf aus dem Jahr 2013, auf den ich zufällig im Netz gestoßen bin, wird leider nicht realisiert:


    © Nöfer Architekten

  • ^
    Finde ich jetzt nicht so dramatisch, dass Nöfer nicht gewonnen hat:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Nöfers Entwurf, der dort zu sehen ist, kann ich bspw. nicht viel abgewinnen. Sieht für mich zu gedrungen, fast schon klötzchenartig aus. Und das helle Weiß ist mir für den Schinkelplatz etwas zu grell.

  • ^ Die Ecke von Chippie ist doch tausendmal besser und die wird realisiert. Es freut mich wirklich sehr, dass er in dieser Gegend weiterhin so aktiv ist und hoffe, dass Chipperfield am französischen Palais auch die Nachbarbauten übernimmt.

  • Huh? Chipperfield baut doch gar nicht am Schinkelplatz. Frank Schultes Entwurf wird dort realisiert:

    http://images.cdn.baunetz.de/img/1/7/1/5/5/…c8a077943b.jpeg
    http://www.baunetz.de


    Einer von Chipperfields Entwürfen wird aber einen Steinwurf weiter bei den Kronprinzengärten realisiert.


    http://www.eilmes.com/

    Das Backsteingebäude...ihr wisst schon welches. ;)

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    Bato

  • ein riesen desaster....Erinnert mich an den Bunkerbau des amerikanischen Konsulat am Brandenburger Tor. Wie kann man diesem Entwurf von Nörfer dagegen ablehnen. Ich habe immer das Gefühl, Berlin und DE ist nicht frei und kein unabhängiger Staat und das zeigt oft die Architektur. An so einem historischen Platz gehört auch historische Architektur.

  • ^
    Was ist denn an den Nöfer-Entwürfen "historisch"?

    Das sind schlichte Stahlbetonbauten mit neo-klassizistischer Allerweltsfassade, die mit der historischen (Vorkriegs-)Bebauung nicht das Geringste zu tun haben und so in jeder deutschen Stadt stehen könnten.

    Persönlich finde ich die jetzt zur Ausführung kommenden Entwürfe um einiges eleganter, auch wenn mir eine stärker an der Vorkriegsbebauung orientierte Neubebauung an dieser Stelle lieber gewesen wäre.

  • Mir gefällt Schultes Entwurf ziemlich gut. Obwohl der Stelle auch eine historisiernde Bebauung gut stehen würde, mag ich den Entwurf von Nöfer nicht. Die Fassade wirkt auf mich unruhig, die Farbe ist öde und das EG sieht auch so aus als wenn es doppelt so hoch hätte ausfallen müssen. Wirkt auf mich außerdem "zu sehr" gegliedert.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich habe immer das Gefühl, Berlin und DE ist nicht frei und kein unabhängiger Staat und das zeigt oft die Architektur.

    Dem kann ich nicht folgen.

  • ^^historisch natürlich nicht, sind ja keine Rekonstruktionen. Auch "neo-klassizistisch" würde ich nicht sagen und genau genommen könnte derlei, wenn man Neo-Klassizismus als Bezeichnung wählt, gerade nicht überall in Deutschland stehen. Der Neo-Klassizismus war der bislang letzte Baustil, der sich noch regional deutlich wahrnehmbar unterschied. So wie in Berlin wurde weder in Hamburg, noch München oder Frankfurt gebaut. Und ich erkenne in Nöfers Entwurf eine ganz gehörige Portion berliner Regionalarchitektur wieder, neu interpretiert freilich. So wird für mich ein Schuh draus.

    Ich denke, man muss anders an solche Entwürfe herangehen. Nicht mit der Haltung, das jemand "historisierend" bauen möchte, sondern mit der Haltung, dass ein Architekt eine Formensprache mag, die sicherlich schon in früheren Zeiten verwendet wurde, man ihm aber zugesteht, daraus was eigenes zu machen. Architektur ist nun einmal eine Kunst, sonst bräuchten wir nur Bauingenieure und keine Architekten mehr. Architekten sind Künstler, zumindest ihrer Ausbildung nach. Die künstlerische Freiheit sowie die Offenheit, die wir anderen Künsten entgegen bringen, genießen Architekten heutzutage leider nicht mehr. Daran ist die Architektenschaft großteils sicherlich selbst schuld, nachdem sie sich voll vom Diktum der Zweckmäßigkeit hat vereinnahmen lassen und durch den freiwilligen Verzicht auf Üppigkeit und Vielfalt künstlerischen Ausdrucks, zu Gunsten von Sichtbeton und rechtem Winkel, vielfach gar nicht mehr als bildende Künstlerschaft wahrgenommen wird. Architektur ist aber eine der ältesten Künste Europas und wenn wir Musik oder Malerei beurteilen, dann machen wir das auch nicht indem wir alles kurz mit dem Kommentar "gabs alles schonmal" abfrühstücken. Na klar gab es alles irgendwie so ähnlich schon einmal, nach 3.000 Jahren europäischer Kulturgeschichte wird nicht plötzlich einer etwas ersinnen können, auf das in all der Zeit niemand zuvor kommen konnte, sollen wir deshalb das Ende aller Künste und Kreativität ausrufen? Oder aus purer Ängstlichkeit, dass etwas was wir erschaffen irgendwie etwas ähneln könnte, was jemand vor uns erschaffen hat, quasi die Flucht nach vorne antreten indem wir dann einfach gar nicht mehr gestalten? Wer nix macht, der macht auch nix falsch, das scheint das Credo zeitgenössischer Architektur überwiegend zu sein. Ich mag Nöfers Entwürfe alleine schon dafür, dass er daraus ausbricht, sicherlich wohlwissend, dass er damit weder von Kollegen noch Architektur-Afecionados (die ja wie die Architektenschaft zu 99% ganz auf Bauhaus und Sichtbeton gepolt sind) Beifall erhalten wird.

    Und gegen den Strom der seit den 1920ern in der Architekturszene als gefällig geltenden Stilmittel zu schwimmen ist in meinen Augen durchaus ein Prädikat - Anno 1924 mag Purismus noch "Punk" gewesen sein, heute sind aber Pilaster "Punk". Ersteres ist heute nämlich absoluter Mainstream und letzteres, wie soviele andere architektonische Stilmittel, quasi ausgestorben und außerhalb vom Denkmalschutzbereich auch gar nicht mehr im Repertoire der ausführenden Gewerke. Gäbe es nicht die, vielen Architekten scheinbar lästige, Notwendigkeit in Gebäude Fenster einzubauen, dann wären wir schon längst beim geschlossenen Betonkubus angekommen. Siehe die Straßenfront der Deutschen Oper, die bis heute von Fans der Architektur des 20. Jh. als eine Ikone gefeiert wird.