Beiträge von TowerMaranhão

    Die Investoren werden geschont und das Politik-Bashing ergötzt man sich

    Die Politik wäre aber die Instanz, die die Interessen der Stadtbewohner gegenüber Investoren zu vertreten hätten. Es gibt hier gegensätzliche Interessen: Ein attraktives Lebensumfeld und Profitmaximierung. Man kann die Investoren nicht dafür kritisieren, wenn sie ihre Interessen durchdrücken, weil die Politik es ihnen leichtmacht oder sie sogar dabei unterstützt.


    Diese Verweigerung von Bezügen, diese nahezu totalitäre Brutalität im Umgang mit Ort und Zeit, ist übrigens echt einzigartig in der Architekturgeschichte. Und aus meiner Sicht die Wurzel für die Umstrittenheit dieser Bewegung.

    Dazu kommt der schlichte Wunsch, als Mensch nicht Teil einer Tabellenkalkulation zu werden. Es scheint heutzutage so viel Zeit für die Kostenkalkulation draufzugehen, dass man anschließend die Excel-Tabelle einfach für den Entwurf übernimmt. So auch hier. Gut, das Ganze dann hier und da noch ein bisschen geneigt oder verformt plus winzige Details, die man erst bei genauer Betrachtung entdeckt. Na warten wir mal auf die Fertigstellung, der bessere Teil steht ja noch aus. Aber dass das insgesamt kein gelungenes Projekt wird, steht in meinen Augen nach dieser neuerlichen Rasterorgie fest. Eine weitere riesige vertane Chance in zentraler Lage (MIchels Unfug Nummer 325)...

    Gut, dass Expertise und Erfahrung im Bereich Stadtentwicklung und Architektur immer weiter zunehmen, sich in Leuchttürmen wie Frau Lüscher manifestieren und unsere Städte immer schöner und lebenswerter werden lassen. *hust*

    "Früher" ist keine gute Kategorie des historischen Vergleichens. Wann, wo, wer? Die stehende Gesellschaft gerät in Europa gegen Ende des 18. Jahrhundert aus den Fugen.

    Ich würde sagen, dass dieser Prozess vielmehr bis heute andauert. Meine Mutter hat, als sie klein war, noch mit ihren Großeltern zusammen im Haus gewohnt. Meine Oma hat ihr Leben lang in diesem Haus gewohnt, das ihre Vorfahren Ende des 19. Jhd. erbaut hatten. In Großstädten gab es sowas sicher seltener als in ländlicheren Gebieten. Vielleicht hat die Entwicklung der Architektur ja auch erst mit Verzögerung stattgefunden. Wenn das überhaupt ein Faktor ist, was schwer zu sagen ist. Heute stellen sich selbst Häuslebauer die primitivsten Kisten in die Neubaugebiete, mit Gabionen-Schallschutzmauer um den Schottergarten oder gleich einem Kunststoffzaun mit aufgerucktem Mauerwerk. Lieber investiert man in Flugreisen und ständig neue Elektrogeräte und dicke Autos, als in solch bleibende Werte. Das ist Ausdruck des Elends unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, die Kollhoff auch kritisiert und da bin ich ganz bei ihm.

    Wieso, ich finde den Gedankengang zumindest interessant. Früher haben Familien über Generationen hinweg ein Haus bewohnt. Heute ist es normal, dass Menschen regelmäßig umziehen, sich an keinen Ort mehr binden, oft alleine und isoliert wohnen. Auch seine These mit der Verantwortungsdiffusion finde ich plausibel. Das sehen wir ja auch zunehmend in anderen Bereichen.

    ^ Apropos Dauervorwurf "kulturpessimistisches, ressentimental durchfinstertes und latent aggressives Dauerlamento". Ich erinnere an das Wehklagen, das nach den Beschlüssen zum Wiederaufbau des Dresdner Neumarktes, des Berliner Stadtschlosses oder der Frankfurter Altstadt anhob, als die Wiederkehr des Kaiserreiches oder von noch Schlimmerem in Aussicht gestellt wurde, weil mal kein moderner Entwurf zum Zuge kam. Mein Eindruck ist, dass auf dieser Seite die Schmerztoleranz weit geringer ist als bei leiderprobten Anhängern traditionellem Städtebaus und Architektur.

    Die Flut an gehässigen Kommentaren, die alle sehr ähnlich klingen, überrascht mich auch. Neubauten die wie neu aussehen. Geht ja gar nicht! Und dann versuchen die Investoren, nachdem sie das ganze Geld in die hochwertigen Fassaden gesteckt haben, auch noch Geld damit zu verdienen. Und wo bleibt der nette Frankfurter von nebenan, der seine Fäkalien auf die Straße kippt? War doch früher auch so. Anstatt dass die mal Geld in die Schulen stecken.


    Hier wurde der Stadt und all ihren Bewohnern wirklich mal ein Geschenk gemacht. Die Fassaden sind der Teil eines Gebäudes, der für alle erfahrbar ist, unabhängig vom Geldbeutel.

    Da hat man da schon ein schönes altes Fabrikgebäude, das man nur noch umbauen muss... Eigentlich ein No-Brainer möchte man meinen. Und dann klatscht man da einen lieblosen Kasten drauf und schafft es so noch das ganze irgendwie zu verschandeln. Man hätte den Aufbau (wenn er schon sein muss) nur unauffällig in das bestehende Bauwerk integrieren müssen, so dass er nicht sofort aufällt oder gar den vorhandenen Stil nach oben hin fortsetzt. und hätte ein schönes Wohngebäude erhalten. Aber nicht einmal zu dieser kleinen Anpassungsleistung ist man bereit / in der Lage.

    Frage mich ohnehin, wie ein Bau mit reiner Glasfassade nachhaltig sein kann. Da geht doch total viel Energie verloren. Und was bringt ein bisschen Gestrüpp an der Fassade außer grünem Schein? Für frischere Luft wird's nicht reichen und gestalterischen Anspruch ersetzt man damit auch nicht (wobei ich hier schon welchen erkennen kann).

    ^ Boddien wirkte ziemlich aufgebracht bzw. emotional, ich denke nicht, dass er das nur kühl strategisch vorgebracht hat.


    Das glaube ich auch nicht. Die Gegenseite ist ja in ihrer Wortwahl auch nicht gerade zimperlich. Da gibt es eine zunehmend lautstarke Gruppe, die am liebsten sämtliche deutsche Geschichte ausradieren will. Sie meinen mit Verweis auf das Grundgesetz sei die Sache erledigt. und wettern ziemlich undifferenziert und einseitig gegen alles Christliche, Westliche, Deutsche. Dazu zählen auch nicht enden wollende Angriffe auf die Schloss-Reko, Versuche sie unmöglich zu machen oder im Nachhinein zu sabotieren. Auch wenn ich Herrn Boddiens Äußerung nicht zustimme und auch das Spruchband nicht wiederhaben möchte, kann ich verstehen, wenn sich bei ihm inzwischen Wut aufgestaut hat.

    Als Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper, davon hörte, war seine erste Reaktion schallendes Gelächter

    Hast Recht, Freude und Gelächter sind nicht ganz das selbe. Aber er hätte sich ruhig mal freuen können...