Beiträge von TowerMaranhão

    Ich denke nicht und so möchte ich auch weiter leben inkl. Autofahren, vor der Tür parken, Steak essen und mehrmals pro Jahr mit dem Flugzeug Fernreisen unternehmen, falls ich Zeit und Geld dafür habe und die Pandemie zu Ende ist. Also ganz normal ohne Radikalität und Bevormundung. Ob jemand sich bewusst auf das Alles verzichten möchte, ist seine eigene Entscheidung und ich habe gar nichts dagegen.

    Das Problem ist, dass der Klimawandel schleichend und mit Verzögerung kommt, viele Menschen reagieren jedoch nur auf das, was sie mit den eigenen Sinnen wahrnehmen können. Ein Bekannter von mir war bis vor kurzem ein vehementer Kritiker der Corona-Maßnahmen, meinte das sei völlig übertrieben und diene nur dazu, die Menschen zu gängeln und gefügig zu machen. Bis er dann einen schweren Corona-Fall in der Familie hatte und seine Meinung völlig geändert hat. Heute macht er sich selbst schwere Vorwürfe. Mit dem Klimawandel ist es ähnlich, nur dass die Folgen hier noch später kommen, langfristiger sind und jeden Einzelnen betreffen. Da es zu mühselig ist, jeden Einzelnen von der Ernsthaftigkeit der Problematik zu überzeugen, ist ein CO2-Preis das Mittel der Wahl, der die tatsächlich verursachten Schäden für die Allgemeinheit berücksichtigt. Dieser Preis wäre wissenschaftlich fundiert und für jeden nachzuvollziehen. Es kann nicht sein, dass der eine überlegt, wo er sich noch einschränken kann und der andere weitermacht wie bisher. Da dieses Problem die ganze Gesellschaft betrifft, ist es auch die Verantwortung der gesamten Gesellschaft, aus der sich niemand stehlen kann.

    Das Ding sieht aus wie etwas, was sich der geschmacksresistente Otto Durchschnittsmöchtegernitaliener auf sein Grundstück im Neubaugebiet stellen würde, eingefriedet mit schottergefüllten Gitterbox-Steinmauern. Unter Frau Lüscher schafft es so etwas gar an eine der sensibelsten Stellen im Zentrum Berlins, als Höhepunkt einer Orgie architektonischer Fehlleistungen in diesem Gebiet.

    Vom ästhetischen Gesichtspunkt her wäre der ideale Standort für die Wippe vor dem Alexa. Vor dem Rechstag sieht es zwar aus dem gezeigten Blickwinkel schon passender aus als vor dem Schloss, aber wenn ich mir nun vorstelle, dass man den Reichstag nur noch mit diesem Scheusal davor zu sehen bekommt, graust es mich auch. Schön wäre eigentlich ganz einfach ein Denkmal klassischer Art, für das man überall schnell einen passenden Ort findet, das letztendlich auch zeitlos ist und nicht in ein paar Jahren verschämt entsorgt werden muss.

    Neu nicht, aber aufregend kann es durchaus sein.
    TowerMaranhão, mich würde interessieren, wie du das gegenüberliegende L40 bewertest?


    Du hast Recht, es gibt wirklich sehr ästhetische und spannende Beispiele des Brutalismus, aber eben auch ziemlich entsetzliche. Das L40 gefällt mir sehr gut. Es ist ein markanter Bau an einer markanten Stelle. Es schließt den Block zur Vorderseite hin. Mir gefällt auch das raue und zerklüftete. Definitiv ein spannender Bau, der eine völlig andere Wirkung entfaltet als der Suhrkamp-Bau.

    ^^ Es macht in meinen Augen wenig Sinn zu diskutieren, wenn sich die Wahrnehmung so fundamental unterscheidet. Das ist so, als spräche man unterschiedliche Sprachen und macht es sehr mühselig, wenn man immer bei Adam und Eva anfangen muss um eine Verständigung hinzubekommen.


    Warum ist Ruhe schlecht? Das hatte ich zwei Posts zuvor wohl vergeblich versucht dir klarzumachen. Aufgrund der Lage und der Baustruktur in der näheren Umgebung hätte ich hier eine horizontale Gliederung bzw. weniger langestreckte Fassade bevorzugt. Urbanität bedeutet für mich auch Spannung und nicht Ruhe.


    Warum ist es schlecht, dass der Riegel in die Kreuzung hineinragt? Ein Riegel wirkt erstmal wie eine Barriere, hier wirkt er wie ein Keil der in den Raum hineinschneidet. Besser wäre es daher gewesen, die Bebauung hätte sich weniger weit vorgewagt und stattdessen den Block geschlossen. Dann hätten wir auch keine langgestreckte Fassade sondern drei gleich lange Seiten. Den restlichen Platz hätte man auch blockweise überbauen oder als Platz anlegen und pflastern können. Das kleine Fleckchen grün das wir jetzt bekommen ist überflüssig und nicht mehr als Dekoration.


    Ob Brutalismus einem nun gefällt ist wohl Geschmackssache. Mein Fall ist er nicht. Es gibt wohl ganz interessante uns spannende Beispiele, was man von den Anleihen hier nicht sagen kann. Neu und aufregend ist dieser Stil seit den 70ern aber ganz sicher nicht mehr.

    Mir wird es jetzt auch zu blöd mit dir. Du spielst dich hier auf als der große Intellektuelle, der sich als Einziger um eine anspruchsvolle Argumentation bemüht. Ich habe jetzt mit reichlich Argumenten und mühevoll versucht, dir nahezubringen, was mir an diesem Gebäude nicht gefällt. Ich habe das Gefühl, dass du mich eigentlich ganz genau verstehst, darum auch deine Wortklauberei, während du das, was ich eigentlich sagen will, konsequent ignorierst und dich nicht damit auseinandersetzt. Du kannst es gerne anders sehen als ich, aber mir vorzuwerfen, meine Argumente wären illegitim oder unzureichend, ist ziemlich billig. Ich fasse nochmal zusammen: Der Bau ragt als L-förmiger Riegel in die Straßenkreuzung hinein. Er hat deutliche Anleihen zum Brutalismus, was du selbst zugegeben hast (aber es stört dich nicht, ok!). Die Ausrichtung und Gliederung ist horizontal, dadurch wird Ruhe statt Spannung erzeugt. Dabei belasse ich es jetzt.

    ElleDeBE:


    Wie UrbanFreak schon richtig anmerkte, reitest du auf Formalitäten herum, um meine Argumentation bequem zurückweisen zu können. Es geht hier um die optische Wirkung des Gebäudes. Nein, es zerschneidet nichts, es gibt hier keinen Städtebau der 60er Jahre. Dieser Städtebau spiegelt sich aber auch in der Architektur der einzelnen Gebäude wieder und damit haben wir es hier zu tun: Die Wirkung eines L-förmigen, liegenden Riegels wie er typisch war für diese Zeit. Das ist doch hier mal wieder so ein "herausragender" Bau, womit ich meine, dass es um Repräsentation geht und dass sicherlich nicht wenig Geld investiert wird. Man wage einmal den Blick über den Tellerrand und schaue sich an, was im übrigen Europa in vergleichbaren Fällen gebaut wird (Rottderdam, Kopenhagen, Hamburg, London, Paris, ...). Durchaus erfrischende, spannende moderne (!) Architektur. Hier in Berlin entsteigt momentan die plumpe Nachkriegsmoderne wie ein Zombie ihrer Gruft, von der unsere Städte ohnehin schon vollgestellt sind und erzeugt mit langgestreckten Fassaden, Wiederholung und riegelförmigen Bauten eine Monotonie, die ihre Umgebung erstickt. Das Kottbusser Tor ist nicht urban, weil Urbanität nicht gleichbedeutend ist mit starker Frequentierung. Dann wäre die Zufahrt zum Opel-Werk auch "urban".

    Ja ich merk schon, dass dich dieses primitive Niveau unterfordert. Halten wir fest: Deine Feststellung, dass der Bau auf seine Umgebung eingeht ist korrekt, auch wenn du bewusst und konsequent ausblendest, worauf ich hinauswill. Du hältst dich mit Details auf und verlierst das große Ganze aus dem Blick. Wenn ich einen Roman lese, dann weil ich unterhalten werden und nicht, weil ich eine Textanalyse schreiben will. Für mich zentral ist, dass die Umgebung zentral und urban ist, der Bau ist es nicht. Du willst oder kannst das wohl nicht sehen. Wahrscheinlich hielten die Planer der 60er Jahre ihre Städte auch für urban aber diese Gebiete sind tot, dort findet kein städtisches Leben statt und dort fährt niemand hin, der nicht muss. Dieser Bau gehört eindeutig in diese Kategorie und kein noch so "raffiniertes" Detail kann darüber hinwegtäuschen.