Rahmenplan "Innenstadtkonzept Frankfurt"

  • Architektonisch und städtebaulich überzeugen die Anregungen der Karl Richter Architekten. Hier mal direkt der Vorschlag für die Ecke Fahrgasse und Berliner Straße nördlich des MMK (heute):



    Und der Vorschlag für ein Gebäude nördlich des Rathaus-Nordbaus (links im Bild) und die Neubauung des Rechnungshof-Areals (rechts). Ob man den derzeit für den Verkehr ziemlich bedeutenden Kornmarkt südlich der Berliner zu einem baumgesäumten Sträßchen wird machen können, wie auf der Visualisierung dargestellt, darf freilich bezweifelt werde.



    Bilder: Karl Richter Architekten

  • Die Ideen von Karl Richter zur Umgestaltung der Berliner Strasse und zur Neubebauung des BRH Areals finde ich durchweg gelungen, da eine Umsetzung endlich wieder etwas verlorene Urbanität zurückbringen würde und sich dadurch ein paar grausame Fehler der damaligen Stadtplanung korrigieren ließen.


    Aber auch die Entwürfe an sich gehen in die richtige Richtung. Die 5- bzw 6-geschossige Bauweise lässt diesen zentralen Teil der Stadt viel dichter wirken. Durch diese Verdichtung wird die Stadt in diesem Bereich auch wieder als City wahrgenommen werden können, und nicht nur als beliebige Ausfallstraße in einem x-beliebigen Außenbezirk. Die Kollonaden dürften ebenfalls das ihrige dazu beisteuern und auch dafür sorgen, dass die Flächen für Einzelhändler wieder attraktiv werden. Wenn dann auch noch der Rückbau der Berliner Strasse auf zwei Spuren und die Schließung des Theatertunnels dazukommen würde, wären wir hier auch wieder ein richtig gutes Stück vorangekommen. Ich gebe die Hoffung jedenfalls nicht auf ... ;)


  • - Verzicht auf den Theatertunnel? Schlachten einer heiligen, frischoperierten Kuh? Nun... meiner Meinung nach zumindest überlegenswert.


    Der Verkehr vom Bahnhofsviertel in die Innenstadt und das Ostend lässt sich wohl wirklich problemlos anders organisieren.
    Umgekehrt wird es ein bisschen schwieriger


    Das sehe ich genau umgekehrt. Es gibt vom Tunnelausgang in der Berliner Straße nur einen Zugang in die Innenstadt, das ist der Linksabbieger Richtung Parkhaus Konstabler, ansonsten ist der gesamte Verkehr, der durch den Tunnel kommt darauf aus, sich an der Konrad-Adenauer-Straße im Schwerpunkt nach Süd und Ost zu verteilen.


    Daher sollte man den Tunnel als Einbahnstraße nach Osten nutzen und die Rampe zwischen Hasengasse und Konrad-Adenauer-Straße legen. (Mein ursprünglicher Vorschlag, den Tunnel bis hinter die K-A-S zu ziehen, mit Ausgang in der Battonstraße müsste Warten, bis die Tram in die Allerheiligenstraße umgezogen ist). Der Rest der Berliner wird auf nur noch zwei Fahrbahnen zurückgebaut.


    Für den Durchgangsverkehr von Ost nach West ist die dann schmale Straße mit den vielen Abbiegemöglichkeiten schon erledigt, denn der weitere Weg nach Osten ist durch den Umweg über die neue Mainzer nur für den interessant, der aus der Innenstadt raus will - man fährt aber nicht mehr (freiwillig) zum Durchqueren der Stadt hinein.


    - außerdem würde die Gutleutstraße ihre Berechtigung als dreispurige Rennstrecke verlieren, was zu einer Entspannung der Verkehrssituation am Baseler Platz führen würde... jemand (aber wer?) muss am großen Rad drehen wollen, wenn der Tunnel wirklich obsolet gemacht werden soll.


    Das eigentliche Problem ist doch, dass es für den nun einmal bestehenden Ost<->West-Verkehr, der so nah an der Stadt entsteht und/oder endet, dass ein Umfahren über den noch unvollständigen Autobahnring selbst bei einem Innenstadttempo von effektiv nur 20km/h unwirtschaftlich ist, keine Alternative gibt.
    Wer von Osten, also Offenbach, Maintal an die Stadt herankommt und nach Höchst oder Griesheim will - oder umgekehrt - dem wird keine sinnvolle Wegeführung aufgezeigt.


    Der Verkehr wird sich neue Wege suchen. Ich traue mir nur nicht zu vorherzusagen, welche.


    Genau dieses Problem muss man vor einem Umbau der Berliner Straße klären. Und eben nicht den Verkehr sich Wege suchen lassen, sondern dem Verkehr Wege vorgeben - auch wenn das Planen von MIV alles andere als attraktiv ist.

  • Ob man den derzeit für den Verkehr ziemlich bedeutenden Kornmarkt südlich der Berliner zu einem baumgesäumten Sträßchen wird machen können, wie auf der Visualisierung dargestellt, darf freilich bezweifelt werde.


    Wie ich den Vorschlag lese, würde durch den Wegfall der Hafentunnelrampe der Verkehr von der Weißfrauenstraße in die Berliner Straße geleitet, sodass der Umweg über den Kornmarkt obsolet würde. Dies böte die Möglichkeit zum Rückbau dieser Straße.


    Insgesamt finde ich die Ansätze, wie bereits von den meisten geäußert, sehr interessant und würde mir wünschen, wenn diese von der Stadt aufgegriffen würden.


    Eine Verlängerung des Theatertunnels, deren Realisierung ich allein aus finanziellen Gründen ausschließen würde, brächte lediglich eine Verlagerung des Rampenproblems.


    Zum Thema Einbahnstraßenregelung sei auf das Eixample in Barcelona hingewiesen. Die dort schachbrettartig angeordneten Straßen werden mit zwei Ausnahmen allesamt in Nord oder Südrichtung (respektive Ost/West) befahren. Wenn man also wie angedacht den Mainkai in West/Ost-Richtung befahren läßt und die Gegenrichtung über die Berliner Straße führt, sollte dies problemlos möglich sein.

  • Man kommt den Ost-West Pendlern schon längst entgegen

    Das eigentliche Problem ist doch, dass es für den nun einmal bestehenden Ost<->West-Verkehr, der so nah an der Stadt entsteht und/oder endet, dass ein Umfahren über den noch unvollständigen Autobahnring selbst bei einem Innenstadttempo von effektiv nur 20km/h unwirtschaftlich ist, keine Alternative gibt.


    Die Pendler, die zwischen Höchst und Hanau mitten durch die Innenstadt im hohen Tempo fahren wollen, sollten keine Priorität vor den innerstädtischen Nutzern haben. Mit dem 173 Mill. Euro teuren Riederwaldtunnel kommt man den Ost-West Pendlern zudem schon SEHR entgegen. Bis 2015 ist der Tunnel fertig, also möglicherweise zeitgleich zu einem potentiellen Umbau der Berliner Strasse, daher ist hier kein Nullsummenspiel erkennbar. Zudem können Fahrradfahrer am Verkehr an der Berliner Strasse bislang überhaupt nicht teilnehmen.


    Für Ost-West Pendler gibt es zudem Alternativen:

    • Die Hanauer Landstrasse verteilt viele Autos auf den Mainkai (später Gutleutstrasse) oder schickt sie über die Wallanlage in Richtung Bockenheimer Landstrasse/Mainzer Landstrasse.
    • Die Gerbermühlstrasse bzw. Offenbacher Landstr. wird benutzt um dann u.a. den Schaumainkai zu befahren. Danach weichen viele auf die Kennedyallee oder Mörfelder Landstrasse aus.
    • Die Niebelungenallee ist nach dem überstandenen Umbau der Friedberger Landstrasse wieder deutlich schneller geworden. Der Riederwaldtunnel bringt dann in drei Jahren den nächsten Schub.


    Die Renderings von Karl Richter machen Hoffnung und dienen hoffentlich als Anschauungsmaterial für die städtischen Planer Schwarz bzw. Cunitz. Es möge sie inspirieren und einige Unentschlossene in ihren Fraktionen überzeugen. Allerdings setzen die Pläne einen Abriss des Bundesrechnungshofs voraus, der wohl für alle Ewigkeit als leerstehendes Geisterschloß präserviert werden soll.


    Leider wurden die Pläne nur in der Neuen Presse und scheinbar nicht in der FAZ, FR oder im Journal veröffentlicht, somit ist das mediale Echo sehr begrenzt. Wieder einmal zeigt sich, dass die unterbesetzten Lokalredaktionen zu bequem und wenig neugierig auf zentrale Fragen der städtebaulichen Zukunft der Innenstadt reagieren. Das steht im krassen Missverhältnis zum öffentlichen Interesse an diesem Projekt.

  • Und warum muss man um den Straßenraum der Berliner umzugestalten das ganze umliegende Gebiet neu bebauen???
    Die Idee den Velauf der Häuserflucht am BRH-Areal an die gegenüberliegende Seite der Berliner anzugleichen kann man auch realisieren ohne den Theatertunnel zu schließen. Man könnte den Rampenbereich auch noch deutlich schmaler machen und etwas nach Süden verschwenken und dann mit einem Teil des neuen Gebäudes überbauen z.B. mit einer erweitereten Arkade. Hat den Vorteil, dass man vielleicht gleich noch eine Tiefgaragenzufahrt unterbringen könnte.


    Wenn man einfach alles platt macht mit dem man nicht zurecht kommt als Architekt / Städteplaner ist das nicht gerade der große Wurf wie hier getan wird. Da kann ich auch zu einem Fünfjährigen gehen und ihm sagen: "Mal mir mal ein Haus". Die Ideen wirken ein wenig übers Knie gebrochen und daher bin ich auch ganz froh, dass das nicht unnötig in der Presse aufgebauscht wird.
    Aber bitte nicht falsch verstehen, ich bin mit der Ist-Situation auch mehr als unzufrieden.

  • Die Pendler, die zwischen Höchst und Hanau mitten durch die Innenstadt im hohen Tempo fahren wollen, sollten keine Priorität vor den innerstädtischen Nutzern haben. Mit dem 173 Mill. Euro teuren Riederwaldtunnel kommt man den Ost-West Pendlern zudem schon SEHR entgegen.


    Für einen Hanauer lohnt sich die Umfahrung der Innenstadt noch, aus Maintal oder auch für Pendler aus Enkheim, Riederwald nicht.


    Zudem können Fahrradfahrer am Verkehr an der Berliner Strasse bislang überhaupt nicht teilnehmen.


    Dafür haben sie mit der Töngesgasse eine Fahrradstraße und mit der Braubachstraße noch eine Alternative. Und wenn ich mir ansehe, wie viele mit (zu) hoher Geschwindigkeit über die Zeil radeln, scheint das außerhalb der Haupt-Einakufszeiten auch noch eine gute Strecke zu sein.


    Für Ost-West Pendler gibt es zudem Alternativen:

    • Die Hanauer Landstrasse verteilt viele Autos auf den Mainkai (später Gutleutstrasse) oder schickt sie über die Wallanlage in Richtung Bockenheimer Landstrasse/Mainzer Landstrasse.
    • Die Gerbermühlstrasse bzw. Offenbacher Landstr. wird benutzt um dann u.a. den Schaumainkai zu befahren. Danach weichen viele auf die Kennedyallee oder Mörfelder Landstrasse aus.
    • Die Niebelungenallee ist nach dem überstandenen Umbau der Friedberger Landstrasse wieder deutlich schneller geworden. Der Riederwaldtunnel bringt dann in drei Jahren den nächsten Schub.


    1. Der Mainkai soll nach den Ideen einiger Leute ja ebenfalls für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Fällt mittelfristig aus.


    2. Mit dem Rückbau des Südufers auf eine Fahrbahn (=Steigerung der Attraktivität des Museumsufers) ist die Durchfahrt auf dieser Seite deutlich langsamer geworden als noch in den 80ern. Die Mörfelder Landstraße ist als West-Ost-Strecke nutzbar, um vom Kaiserleikreisel dahin zu kommen muss man entweder durch Oberrad schleichen oder im Zickzack über Frankensteinerplatz (Stau!) und Dreieichstraße sich durch den Nord-Süd-Verkehr von Ignatz-Bubis- und Alter Brücke quetschen. Letzteres macht keiner, ersteres zu viele für Oberrad. Zu eng, fällt aus
    Das Mainufer geradeaus führt nur über den Main zum Baseler Platz - die Möglichkeit über die Gartenstraße an der Uniklinik vorbei nach Westen zu kommen wird demnächst durch Umbau der Straßenbahnhaltestelle an der Ecke Gartenstraße/Stresemanallee wegfallen. Fällt damit auch aus.


    3. Vom Riederwald z. B. zum Postverteilzentrum Gutleut über den Alleenring ergibt eine sinnvolle Pendlerstrecke?
    Der Riederwaldtunnel bringt etwas für diejenigen, die ohnehin schon auf der A66 sind oder weiter im Osten konmfortabel drauf fahren können. Das Geschrei über die mit dem Tunnel kommende, zusätzliche Verkehrsbelastung für Friedberger Landstraße und Rat-Beil-Straße von der AUA ist aber bereits jetzt zu hören.


    Nein, ich bleibe bei meiner Aussage: Man macht sich von Seiten der Stadt ganz bewusst keine Gedanken, wo man den Verkehr hin haben will und man plant daher die Verkehrsströme nichht sondern lässt sie mal laufen. Jede Planung würde ja Proteste von irgendeiner Seite hervorrufen, den Planer als ewiggestrigen Autodenker brandmarken und "völlig überflüssige" Diskussionen lostreten.
    Dafür lieber Utopien der schönen Stadt, die dann mangels Verkehrsplanung nicht umgesetzt werden.

  • Ich bin seit kurzem Pendler vom Gallus nach Maintal und zurück. Ich habe schon alle Varianten durch (Über Alleenring und Friederberger, über Berliner Straße, nördliches Mainufer oder A5/A3/A661). Nur südliches Mainufer macht vom Gallus aus keinen Sinn.


    Am besten funktioniert das Mainufer, da man dort recht gut durchkommt. Persönlich fände ich es aber schön, wenn das Mainufer beruhigt aber nicht geschlossen würde. Eine Aufpflasterung im Bereich des Eisernen Stegs fänd ich nicht schlecht und es sollte durchgängig nur 2 Streifig sein, also keine Abbiegespuren mehr, vielleicht nur vor den Brücken.


    Auch die Berliner sollte zurückgebaut werden, damit die trennende Wirkung verschwindet.


    Was als West-Ost Achse bleibt ist die Miquelallee/Friedberger. Wäre der Durchstich der A66 noch ein Thema, wäre das die beste Lösung, so wird der Verkehr auf dem Stück wohl am meisten zunehmen, zumal mit dem Riederwaldtunnel es dann Richtung Osten eine deutliche Entlastung kommen würde. Vielleicht würde die Alleenspange schon reichen, da die Miquelallee bis Deutsche Bib recht gut fliesst.


    Die beiden Innenstadtstrecken sollten dann eher so umgebaut werden, das sie nicht ganz so attraktiv für Durchgangsverkehr sind und die Nördlichen Strecken dafür ertüchtigt werden.

  • Als reine Abkürzungsstrecke ist die Innenstadt zu schade

    @ Xalinai


    Ich kann die Einwände nachvollziehen, ABER


    1.) Wir reden bei Frankfurt immer noch von der pendlerfreundlichsten Verkehrsinfrastruktur in der Bundesrepublik. In diesem Konzept sollten aber "kleinere Strecken" wie zwischen Maintal und Höchst eine entsprechend geringere Priorität geniessen. Alternativ kann man dann immer noch die A661 bis zur Eckenheimer oder Friedberger Landstr. nehmen um danach den Reuterweg zu befahren (das machen z.B. die Enkheimer, Bad Vilbeler, Riederwälder). Die Priorität muss heissen: Die direkte Frankfurter Innenstadt darf nicht länger als reine Abkürzung dienen. Dasselbe Thema wurde auch an der Hauptwache diskutiert, da auch dort der ständige Durchgangsverkehr keine Daseinsberechtigung hatte. Der Verkehr an der Berliner Strasse kann gerne weiter existieren, aber nicht in diesem hohen Maße. Es ist zudem reine Spekulation, dass der Mainkai mittelfristig ausfällt, besonders wenn die Berliner Strasse schmaler wird.


    2.) Das Tempo am Mainkai und der Berliner Strasse ist unangemessen hoch. Das mindert die weichen Standortfaktoren "Mainufer" und "Römer" ungemein. Besonders das MMK, das Karmeliterkloster oder die Paulskirche sind geradezu verkehrsumtost. Das Degussa Areal und das Goethehaus suchen ebenso vergeblich nach Anschluss. Angesichts dieser Umgebung sollte für Taxis, UPS-Trucks, firmeneigene Kastenwagen oder eben ortsfremde Pendler kein Naturrecht auf hohe Geschwindigkeiten bestehen. Sie reizen so lange das Maximum aus bis man ihre "Schleichwege" wieder etwas einschränkt (Aufpflasterungen, Blitzer, Ampeln, Verengungen). In Städten mit grossen Altstädten wie Nürnberg, Dresden oder Bremen hat man besonders stark darauf geachtet, dass Pendler den Fussgängerverkehr im Stadtkern nicht entscheidend stören. In München, Hamburg und Berlin sind die touristischen Highlights auch deutlich besser miteinander verbunden. Hier hat Frankfurt hohen Nachholbedarf und die Berliner Strasse und der Mainkai haben daran einen hohen Anteil.


    3.) Fahrradfahrer wurden auf der Berliner Strasse schlichtweg vergessen. Die chaotische Töngesgasse müssen Radler oft gegen den Verkehr befahren und es ergeben sich bei den Buchten viele blinde Winkel. Die relativ enge Braubachstrasse ist aufgrund der Strassenbahnen auch nicht gerade optimal. Die Fahrradspur auf der Kaiserstrasse (Höhe World Coffee) wird gerne von Touristen in Anspruch genommen. Eines ist klar, schnelle Radler auf der Zeil sind ein Ärgernis und sollten mit Bußgeldern genauso bestraft werden wie zu schnelle Autos am Mainkai oder an der Berliner Strasse. Beides geschieht aber z.Z. leider nicht.


    4.) Investoren benötigen die richtigen Rahmenbedingungen. Wenn die Stadt auf große Investitionen am Degussa Areal und am Bundesrechnungshof hofft, muss man diesen auch entgegen kommen. Zur Zeit sind beide Areale aber relativ schlecht erreichbar und sind von vielen Seiten aus regelrecht abgehängt. Das verschlechtert die Attraktivität der Lage immens. Die daraus resultierende Hinterhof-Siedlungsbebauung mit Hängeleinen im Zentrum der Stadt ist angesichts der Geltung als Finanzzentrum Kontinentaleuropas geradezu grotesk.

  • Ich kann die Einwände nachvollziehen, ABER


    ... wir widersprechen uns doch nicht.


    Der einzige Punkt den ich zusätzlich für notwendig halte, ist dass vor einem Umbau, welcher Art auch immer, geplant wird, wo man mit dem Verkehr hin will.
    Und das bitte vollständig, unter Einbeziehung aller anderen "Unser Dorf soll Schöner werden"-Projekte, die man für die nächsten zwei Legislaturperioden angedacht hat.


    Wie gesagt: MIV-Planung ist nicht sexy aber wichtig.

  • Freiraum der Straße "Roßmarkt"

    Zufällig bin ich auf ein Thema gestoßen, dass ich gerne hier poste. Es geht um den Straßenbereich "Roßmarkt".


    Das Innenstadtkonzept der Stadt Frankfurt sagt aus, dass die Häuserflucht der Liegenschaften Roßmarkt 10-14 nach Süden vorgezogen werden könnten.


    Unter anderem auf diesem Wikipedia-Bild ist die Breite der Straßenflucht gut zu erkennen. Historisch betrachtet war es kein solch gewaltiger Korridor, sondern eine verspringende Bebauung, die die Plätze Roßmarkt und Hauptwache besser aufteilte, gut zu hier sehen, ohne zu tief ins Detail zu gehen.


    Mit dem Neubau des Rossmarkt 10 und der benachbarten vermeintlichen Fassadensanierung wird eine Wiederherstellung der historischen Baugrenzen weiter unrealistisch bleiben, der Zustand ist für mindestens eine Generation zementiert.


    Nun habe ich heute im Stadtmodel im Atrium des Stadtplanungsamtes zufällig gesehen, dass nun "mitten auf der Straße" losgelöst von der umliegenden Bebauung ein Gebäudekörper platziert ist. In diesem Foto von Gizmo, ziemlich genau in der Mitte kann man ihn sehen. Jetzt ist der Klotz schon seit bestimmt zwei Jahren im Modell und man hört gar nichts über eine Planung oder Weiterverwendung dieses konzeptuellen Gedankenguts. Dabei wäre es doch eine brilliante Möglichkeit, Geld in die Stadtkasse zu bekommen und damit, nennen wir es vorsichtig "Stadtreparatur" zu betreiben. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist wohl das an der Spitze der Fressgass.


    Einmal abgesehen von der Baulandgewinnung von bestimmt 1.500 qm Grundfläche und der damit verbundenen Summe könnte man die beiden Plätze Roßmarkt und Hauptwache gut abtrennen. Ich würde sogar soweit gehen, dass ich das neue Gebäude so weit verbreitern würde, dass nördlich und südlich davon nur noch Gassen übrig bleiben oder die eine Fahrspur, die benötigt wird, um die Hauptwache zu bedienen. Für mich wäre die wichtigste Errungenschaft, dass die Plätze wieder Fassaden bekommen und nicht "unfassbare/ ungefasste" Freiräume sind.

  • Heute wurde bei einer Pressekonferenz das "abgestimmte Innenstadtkonzept" vorgestellt. Offenbar eine Weiterentwicklung dessen was bisher Grundlage für die Diskussion in diesem Thread war. Viel Konkretes ist dabei wohl nicht herausgekommen. Dafür meines Erachtens wie gewohnt viel ideologisch Verkopftes, wobei sich in dieser Hinsicht einmal mehr die Umweltdezernentin mit "mikroklimatischen Studien" zu "bioklimatischen Verhältnissen" hervortut. Da frage ich mich schon, ob die Herausforderung einer wachsenden Stadt wie auch der zunehmende Wettbewerb der Großstädte im Hinblick auf Attraktivität bereits in den Köpfen angekommen ist.


    Auszüge aus einer aktuellen =24374959"]Pressemitteilung:


    [INDENT]Bürgermeister Olaf Cunitz, Verkehrsdezernent Stefan Majer und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig haben der Presse am Mittwoch, 9. Juli, das abgestimmte Innenstadtkonzept der Stadt Frankfurt vorgestellt. „Das Innenstadtkonzept ist ein Rahmenplan für die langfristige städtebauliche Entwicklung der Innenstadt. Es soll die Richtung für die Entwicklung der Innenstadt für die Funktionen Handel, Dienstleistung, Wohnen, Kultur und Freizeit aufzeigen“, erläuterten die drei Dezernenten. „Da die Innenstadt ein wichtiger Identifikationspunkt der Menschen in Frankfurt und der Rhein-Main-Region ist, wollen wir die Attraktivität dieses lebendigen Zentrums erhalten und nach Möglichkeit weiter steigern. Ein vorrangiges Ziel ist dabei, die Innenstadt als Wohnstandort aufzuwerten und eine sozial ausgeglichene Bevölkerungsstruktur zu schaffen.“


    [...]


    Exemplarisch stellte Verkehrsdezernent Stefan Majer konkret das Projekt Berliner Straße vor: „Dort wollen wir die trennende Wirkung reduzieren, indem wir den Straßenraum fußgänger- und fahrradfreundlich umgestalten und damit auch die Nord-Süd-Wegeverbindungen in der Innenstadt insgesamt deutlich verbessern. Schließlich ist gute Erreichbarkeit und angenehme Aufenthaltsqualität für eine attraktive Innenstadt entscheidend. Ein breites Angebot und bequemes Wechseln zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln sind hierfür eine notwendige Voraussetzung.“


    Weitere mögliche Projekte sind der Quartiersplatz Breite Gasse und der Bereich zwischen Rathaus Nordbau (Kämmerei), Berliner Straße und Paulskirche: Zur Aufwertung des Stadtquartiers soll die derzeit noch als Parkplatz genutzte Fläche an der Breiten Gasse zum Quartiersplatz umgestaltet werden. Der Platz soll durch Erhalt der Bäume und Neupflanzungen stadtklimatisch aufgewertet werden. Nördlich der Kämmerei wäre eine gestalterische Neuordnung der Freiflächen unter Einbeziehung der Planungen zur Umgestaltung der Berliner Straße zu prüfen, eventuell auch eine Ansiedlung von publikumsintensiven Nutzungen im Rathaus Nordbau.[/INDENT]


    Darüber hinaus gibt es an dieser Stelle ein streckenweise interessantes PDF zum Innenstadtkonzept, ursprünglich wohl eine Powerpoint-Präsentation.

  • Ich hatte ja mal einiges an Hoffnung in dieses Konzept gesetzt, das Ergebnis ist aber nichts als eine riesige Enttäuschung, geprägt maximal von Nimbyismus und grüner Ideologie. Von den Grundannahman ja durchaus nicht ganz verkehrt, hat das Konzept seine große Schwachstelle beim beim Gestaltungsplan Bebauung für das Gebiet des Stadtteils Altstadt. Keinerlei Vision wie denn wirklich - und sei es zur Not auch nur langfristig - das in den letzten 70 Jahren vor allem dort extrem geschundene Zentrum der Stadt zu einem attraktiven Ort verwandelt werden kann. Mit Schwerpunktsetzung fast nur auf (teils berechtigt, teils aber auch ziemlich überflüssiges) Straßenbegleitgrün und ohne jegliches übergeordnetes Verkehrskonzept so nur stauverursachende Straßenquerschnittsreduzierungen wird das auf keinen Fall gelingen.
    Nicht die geringsten Ansätze im Altstadtbereich wenigstens stellenweise wieder zum historischen Grundriss zurückzukehren. Stattdessen in diesem Bereich die meisten vorgeschlagenen neuen Bebauungskanten so angelegt dass eine Wiederherstellung des alten Grundrisses noch mehr erschwert würde, und zu allem Überdruss alle regelrecht antiurbanen stadtbildschädigenden Nachkriegssiedlungen im Vorstadtstil als "wichtige 50er/60er-Jahre-Bebauung" markiert. Von der an anderer Stelle bereits umfänglich kritisierten Farce am Bundesrechnungshof ganz zu schweigen.
    Und wer auf diese völlig sinnbefreite Idee der planlos über die östliche Innenstadt verteilten Hochhäuser an keinsterweise dafür geeigneten Orten gekommen ist, möchte ich lieber nicht wissen. Man tue sich nur die Grafik mit der Unterschrift "Ziel: Quartiersplatz mit Wohnhochhaus" an, da fühlt man sich in schlimmste 70er-Jahre-Zeiten zurückversetzt.

  • Kann mir jemand erklären, wieso ausgerechnet heute auch genau solche schöne Skizzen und Diagramme wie oben von Schmittchen verlinkt im München Strang (Neue Wohngebiete im Münchener Osten) und im Hamburg Strang (Wohnen stromaufwärts) auftauchen. Gibt's da ein neues Bearbeitungsprogramm für Stadtplanung oder wie muss man das verstehen?

  • Erstaunlich wie in Frankfurt künstlich und total unnötig Staus erzeugt werden. Und das soll dann die Lebensqualität verbessern? Verkehrswege die noch flüssig liefen, werden durch die grüne Ideologie verschandelt. Das macht die Infrastruktur kaputt und stellt Frankfurt vor ein baldiges Verkehrschaos.

  • Nicht die geringsten Ansätze im Altstadtbereich wenigstens stellenweise wieder zum historischen Grundriss zurückzukehren.


    Das würde bedeuten, dass man einige Verkehrsschneisen quer durch die Altstadt zurückbaut. Direkt vor mir ruft jemand schon wieder nach einer autogerechten Stadt - und obwohl das Scheitern des Konzepts seit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt ist, ohne den Namen zu nennen ruft bei Ort X garantiert jemand danach: Aber es wird autogerecht?


    Ein Quartiersplatz mit Wohnhochhaus gehört nicht in die Altstadt, in den anderen Innenstadtbereichen ergäbe es mehr Sinn.


    Ich habe die PM und die Präsentation danach durchsucht, was eigentlich ideologisch Verkopft auf bioklimatischer Front verkündet wird. Der öde Parkplatz an der Breiten Gasse soll zum Quartiersplatz aufgewertet werden, dass ist doch gut? Parkplätze sind keine Altstadt-Zierde. Ferner soll hier und da eine Straße begrünt werden, auch das kann nicht verkehrt sein. Ich fand nichts über freie Windentfaltung, die jeder Wolkenkratzer über 6 Etagen angeblich stören sollte, was diverse Bioklimatologen einiger Städte immer wieder vorschieben - der Verdichtung und dem Wachstum in die Höhe stellt man sich nicht in den Weg. Aber bitte nicht in der Altstadt.

  • Berliner Strasse ist ein Relikt aus alter Zeit

    Erstaunlich wie in Frankfurt künstlich und total unnötig Staus erzeugt werden. Und das soll dann die Lebensqualität verbessern? Verkehrswege die noch flüssig liefen, werden durch die grüne Ideologie verschandelt. Das macht die Infrastruktur kaputt und stellt Frankfurt vor ein baldiges Verkehrschaos.


    Was heisst hier grüne Ideologie?


    Die ach so kompetente CDU hat gerade in Düsseldorf die Bürgermeisterwahl verloren und somit in den 10 grössten deutschen Städten kein einziges Stadtoberhaupt mehr in Regierungsverantwortung. Das liegt vor allem daran, dass die wirtschaftsfreundliche Ideologie der "autogerechten Stadt" gnadenlos gescheitert ist (in Frankfurt war darüberhinaus noch Ideologie der "flughafengerechten Stadt" am Werk). Wo sind die Vertreter die CDU, die Politik für urbane Stadtbevölkerungen machen? Genau richtig geraten, es gibt sie nicht (mehr).


    Städte sind eben nicht mehr dazu da möglichst schnell und bequem durch Pendlerverkehr aus Friedberg und Hintertuftingen durchfurcht zu werden. Mehr als jede andere Straße Frankfurts, ist die viel zu breite und schnelle Berliner Strasse ein Relikt aus alter Zeit in der das Auto als das Statussymbol der Wirtschaftswunderjahre galt. Man sollte schnell rein und raus aus der Stadt. Heute ist es wichtiger den Stadtkern zu stärken, die Umweltbelastung zu mindern und die Lebensqualität der dort wohnenden Familien zu fördern. Die Berliner Strasse teilt die Innenstadt in zwei Hälften, daher ist eine Einengung und bessere Überquerung absolut essentiell für die Stadtreparatur Frankfurts. Wer Sitz der EZB und mehrerer DAX-Unternehmen sein will, muss eben etwas mehr tun als andere Städte um den völlig gerechtfertigten Anforderungen nach weichen Standortfaktoren gerecht zu werden. Es reicht eben nicht mehr aus, Verkehrskonzepte aus den 50er Jahren als zukunftsfähig zu verkaufen.