Beiträge von Golden Age

    Der Maßstab muss ja nicht gleich Bryant Park sein, also die 5-Sterne Deluxe Ausführung. Frankfurt kann, wenn es will. Ich halte den Hafenpark mit den erstklassigen Skaterparks und dem Brückencafé neben der EZB bspw. für eine besonders gelungene urbane Gestaltung. Es ist zurecht der neue Place To Be in Frankfurt und wird jetzt mit dem Honsell-Dreieck komplettiert.


    Zu Opernplatz 2: Seitdem Signa das Sagen über das Grundstück hat, geht es wirklich aufwärts mit der Liegenschaft. Mir hat schon der gut gemachte Sommergarten mit dem Food Truck Kontingent äußerst gut gefallen. Nach Jahren des Zerfalls und der Verwahrlosung ist der Beachclub wirklich "Balsam für die Seele." Man erinnere sich an den letzten Sommer als feiernde Horden tagelang den Opernplatz besetzten. Jetzt bietet man wenigstens echte Alternativen und schicke Locations mitten in der Stadt, so dass der öffentliche Raum etwas entlastet werden kann. Das ist wirklich vorbidlich von Signa. Eine Weiterführung des Zwischennutzungs-Konzepts mit Schlittschuhbahn und 2-3 Buden würde ich sogar als Sensation bezeichnen.


    Diese erfreulichen Entwicklung rund um diese einstige Ekel-Bauruine verheißt Gutes für die Architektur dieses Baus. Es dürfte eher in die wertige und stilvolle Richtung gehen, wenn man von den bisherigen Zwischennutzungs-Konzepten ausgeht. Ich bin ebenso der Meinung, dass dem Platz an dieser Stelle eine Einfassung gut tut und besonders gastronomisch gut bespielt werden kann. Eine Mixtur aus Büro, Wohnen, Hotel, Gastro und Einzelhandel täte der Innenstadt an dieser Stelle gut, besonders da es sich ja um Frankfurts Vorzeige-Platz schlechthin handelt.

    Es gibt einige bekannte Problemstellen im Frankfurter Radnetz und diese werden auch in den Frankfurter Medien gerade im Sommer thematisiert.


    Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte hierzu eine Serie, bei denen Leser Problemstellen im Ostend, in Sachsenhausen, im Nordend, in Höchst und in Rödelheim benannten. Hierzu nahm die Stadtverwaltung direkt Stellung und es wird deutlich, dass einige Machbarkeitsstudien und Radverkehrskonzepte in der Mache sind.


    Bzgl. der gefährlichen Situation an der Schloßstrasse wäre vielleicht ein Hinweis an die Frankfurter Rundschau oder direkt im Mängelmelder/Ideenplattform der Stadt nötig?


    Update: Hier ist auch gleich ein Artikel aus der heutigen FR zu dem letzten Aggro-Showdown zwischen Auto- und Fahrradfahrern an der Schloßstraße.

    Beeindruckendes Projekt zur richtigen Zeit, die den schwer getroffenen Kultur-Einrichtungen in Frankfurt wie der Volksbühne wieder unter die Arme greifen dürfte. Glückwunsch an alle Beteiligten.


    Der klassische "Globe Theater" Look ist gelungen und dürfte für einige entspannte Outdoor Kultur-Events sorgen.


    Die Oper Frankfurt hätte in Erwägung ziehen sollen auch hier einige Aufführungen vorzuführen anstatt in der schlecht klimatisierten Oper zu spielen.


    In diesem Zusammenhang möchte ich das gelungene staatliche Förderprogramm "Ins Freie" des hessischen Kunst-Ministeriums loben. Gerade das Rhein-Main Gebiet dürfte als Kultur-Hotspot hiervon profitieren. Auch das Rheingau Musik Festival fiel in diesem Zusammenhang mit innovativen Ideen auf (bspw. mobiler Konzertsaal-Kubus bei Schloss Johannisberg mit Lichteffekten, auch wenn dieser kein Open Air anbietet).

    Die vertikale Fassadenbegrünung des Eden-Towers wurde von der Hessenschau begleitet:

    • Durch den vertikalen Garten entstehen insgesamt 2.000 qm Grünfläche mit rund 200.000 Pflanzen, welche 20% der Fassade bedecken werden.
    • Die begrünten Matten hängen an insgesamt 10 Säulen mit 15 verschiedenen Pflanzenarten (u.a. Bergenie, japanische Segge, kriechende Günsel).
    • Ein Tropfensystem wird die regelmäßige Bewässerung sicherstellen.
    • 60% der Wohnungen sind bereits verkauft und weitere 15% sind reserviert.
    • Die Fertigstellung wird weiterhin zum Jahresende möglich gehalten.


    Videos und Hintergrundberichte der Hessenschau hierzu gibt es hier, hier und hier.


    Fazit: Ich finde es hervorragend, dass der nach wie vor beeindruckende Mailänder Bosco Vertikale (2014) immer mehr Anhänger in Europa findet. Diese Art von Architektur passt sehr gut in die immer heißer werdenden und flächendeckend versiegelten Städte. Aus meiner Sicht würde diese Art Bepflanzung sehr gut zum breiten Intercontinental Gebäude am Main passen und die kahle Platte wesentlich freundlicher erscheinen lassen. Auch das leer stehende Union Investment Hochhaus könnte auf diese Weise ganz neu in Szene gesetzt werden.

    Ein großes Dankeschön an Herrn Forster und der Frankfurter Bürgerstiftung. Dieser Vortrag sprach mir aus der Seele, da ich mir auch sehr oft die Frage stelle warum sich so viele Menschen mit unterdurchschnittlicher bis schlechter Stadtgestaltung abfinden. Auch ich wünsche mir Plätze und Straßenzüge, die vor allem dem Menschen gewidmet und in den städtischen Kontext integriert sind. Ich teile ebenso die Meinung, dass Gestaltung nicht nur funktional, sondern vor allem menschennah sein muss.


    Forsters Ausführungen waren vor allem sehr anschaulich dargestellt anhand der gut gemachten Bildnachweise und Beispiele in Frankfurt. So erhält man ein klares Bild wie es nicht laufen sollte, aber gleichzeitig auch wie es aussehen kann, wenn’s gut läuft (Alte Oper Platz, Walter von Cronberg Platz, Deutschherrnufer, Frankenallee) und den vielen Bildern von gelungener Gestaltung in anderen Städten. Pikanterweise kritisiert Forster mit den Goethehöfen gerade den Architekten-Kollegen Christoph Mäckler, der sich ebenfalls kritisch mit Stadtbildern in Deutschland auseinander setzt und hierfür auch im Jahr 2008 das Deutsche Institut für Stadtbaukunst (DIS) gründete. Hier sollte man vielleicht doch lieber am selben Strang ziehen?


    Ich teile seine Kritikpunkte:

    • Zu viel Fläche für Autos in beliebten/belebten Straßen (80% der Raum-Fläche auf dem Sandweg zwischen den Häusern) und zu schmale Bürgersteige
    • Generell viel zu wenig Grün und wenn dann Bepflanzung mit viel zu jungen Bäumen, die 30 Jahre benötigen um voll auszuwachsen und oft keinerlei räumlichen Bezug haben (d.h. keine Schattenspendung, keine Raumwirkung)
    • Zu viel versiegelte Fläche besonders auf Plätzen, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind, sowie eine zu starke planerische Fokussierung auf die Nutzung als Event-Flächen von private Nutzen (hierdurch entstehen bspw. die unansehnlichen Taubenduschen Brunnen)
    • Sitzflächen, die tatsächlich zum Sitzen einladen (d.h. Instandhaltung, Sitze mit Rückenlehne)
    • Aufwertung von oft abweisenden Erdgeschoss-Ebenen und Eingangsbereichen von Gebäuden, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind
    • Eindeutig zugewiesene Flächen zum Abstellen von Fahrrädern und e-Scootern wie in London/Paris anstatt wildes Abstellen im öffentlichen Raum
    • Visuelle Verschmutzung und permanente Reizüberflutung durch großflächige Werbung (auch auf Straßenbahnen oder im Eingangsbereich des Hauptbahnhofs)
    • Rückkehr zur informativen Litfaßsäule anstatt der überdimensionierten und störenden Ströer-Mono-Werbesäulen wie auf dem Merianplatz
    • Nutzbarkeit von omnipräsenten Pollern, auf die man sich bspw. Auch setzen kann (wie in Paris)
    • Banale Verbund- bzw. Hundeknochen-Pflaster anstatt einer Durchmischung von Pflastern, die dieselbe Funktionalität besitzen
    • Wiederbelebung von echten Vorgärten und Schutz von privaten Räumen, die ebenfalls in vielen modernen Wohnkomplexen weg-rationalisiert wurden

    Nun da die gesellschaftliche Wiedereröffnung nach dem Pandemie-Lockdown voran schreitet, kündigen sich einige neue Flugverbindungen auf der BER-Webseite an:


    Quelle: https://www.berlin.de/tourismu…lughafen-ber/neue-fluege/


    Zuvor wurde der erwartet drastische Rückgang im Flugverkehr verkündet.


    Der Flughafen BER verzeichnete insgesamt 571.000 Fluggäste in Q1 2021. Das sind 89,7% weniger als im Vergleichszeitraum 2020 (Starts und Landungen mit minus 81%, Fracht und Post mit minus 30%). Damals waren es noch 5,6 Millionen Flugreisende an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Der Gesamtverlust im letzten Jahr lag 2020 bei 1,06 Mrd. Euro.


    Quelle: https://www.rbb24.de/wirtschaf…ueckgang-coronakrise.html


    Als Ausblick für 2021 verkündete Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, am 04.05.: „In unserer Prognose für das Jahr 2021 gehen wir von 10,7 Mio. Passagieren aus. Diese Zahl ist nur zu erreichen, wenn die Impfstrategie greift, Reisebeschränkungen aufgehoben oder gelockert werden und dadurch der Reiseverkehr im Sommer wieder anzieht.“


    Quelle: https://www.airportzentrale.de…265-000-passagiere/70441/

    Ja, die Hafencity samt Elbphilharmonie ist sicherlich ein städtebauliches Meisterstück, das muss man neidlos anerkennen, da hat Hamburg einfach alles richtig gemacht. Ich wollte mit meinem Beitrag aber darauf hinweisen, dass es wenig Anlass für Zukunfts-Pessimismus am Main gibt, denn wir jammern hier manchmal auf sehr hohem Niveau. Die vielen laufenden Projekte sind Ausdruck hiervon.


    Ein Wort zur angeblich "wirtschaftfeindlichen" Stadtregierung, zu der auch die FDP gehören wird (auch wenn die Verhandlungen nun wieder ins Stocken geraten). Wo sind denn die großen Erfolge der wirtschaftsnahen Frankfurter CDU, die hier alle so gerne am Ruder gesehen hätten? Markus Frank und Jan Schneider hatten in ihren einflussreichen Ämtern viele Möglichkeiten sich auszuzeichnen und Dinge voran zu bringen in den letzten Jahren. Stattdessen sehe ich ein CDU-verursachtes Komplettversagen in Alt-Sachsenhausen, bei den Arena-Verhandlungen, beim Demokratiezentrum Paulskirche, großflächige Vermüllung der Innenstadt unter dem (Un)-Ordnungsdezernat von Frank (ganz zu schweigen vom teilweisen Rückfall in alte Krankfurt-Zeiten im Bahnhofsviertel). Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das ist eben nicht mehr die großstädtische CDU der Petra Roth. Das ist die Quittung für eine besonders un-urbane, wenig erfolgreiche und unterkühlte CDU in Frankfurt der letzten 10 Jahre. Es ist kein Wunder, dass die Mehrheit der Frankfurter Bürger Boris Rhein (42% der Stimmen 2012) oder Bernadette Weyland (25,4% der Stimmen 2018) nicht wollte. Bitte mal nachfragen bei den ehemaligen CDU-Stammwählern in Sachsenhausen-Süd. Sobald die CDU wieder besseres politisches Personal und vor allem politische Kompetenz anzubieten hat, werden die Bürger sich auch wieder "umstimmen" lassen.

    Das sind zwar keine erfreulichen Neuigkeiten, aber ich wehre mich gegen die übertriebene Untergangsstimmung, das passt nicht zu dieser vorwärts denkenden Stadt. Die Europäische Schule soll von mir aus im neuen Offenbacher Hafenviertel entstehen, das wäre dann auch nicht das Ende der Welt.


    Ich blicke eher mit Zuversicht, aber nicht mit rosaroter Brille auf die aktuelle städtebauliche Entwicklung der Stadt. Die Neue Frankfurter Altstadt aus der Ära Roth hat neue Maßstäbe gesetzt und wirkt sich auf die Innenstadt nachhaltig positiv aus. Im jahrzehntelang vernachlässigten Allerheiligenviertel wird gerade erstklassige Stadtreparatur betrieben. Eine Arena am Flughafen, die gerade ein drittes Terminal erhält, steht in Aussicht, auch wenn es nicht mein bevorzugter Standort ist. Mit Michael Guntersdorf hat der richtige Mann beim Thema Oper- und Theaterstandort das Sagen (Variante 2 please). Um die EZB herum entsteht mit dem Honsell-Standort ein schmucker neuer Kiez am Main. Mit dem neuen 90 Mill. Euro teuren Rebstockbad erhält Frankfurt ein bemerkenswertes Prestige-Objekt (das Panoramabad wird ebenfalls komplett neu entstehen). Am Bahnhof wird die ekelhafte B-Ebene als Eingangsstor zur Stadt gerade erheblich aufgewertet, gefolgt vom Bahnhofsvorplatz. Mit dem "FOUR Frankfurt" erhält Frankfurt eines der spannendsten städtebaulichen Innenstadt-Aufwertungen des Kontinents. Die potentiellen Hochhaus-Projekte aus der Pipeline (inkl. Millenium, Polizeipräsidium und Fraspa) zeugen ebenfalls nicht gerade von einer Stadt, die stagniert. Gibt es Luft nach oben? Das ist sicherlich unbestritten, aber den neuen Magistrat so negativ zu sehen, finde ich nicht in Ordnung. Eine Bewährungs-Chance sollte schon noch eingeräumt werden.


    Die Ära Feldmann, der sich zweimal gegen schwache Gegenkandidaten durchsetzte, wird auch bald vorüber sein. Wie Stepi einst sagte, Lebbe geht weidder.

    Lieber Gerald, der "Käse-Beitrag" des Users Criso war eine Antwort auf den Beitrag von lexibexi und war keine Antwort auf einen Beitrag von mir. Ganz nebenbei hat ein anderer User außer Criso das Wort "Käse" nie in den Mund genommen, so kann also auch nicht von "Usern" die Rede sein, die Du hier auf Deiner Seite wähnst. Du scheinst also einige Dinge absichtlich durcheinander zu kriegen.


    Ich erkenne an, dass das Europaviertel einen gewissen Rückhalt im Forum (aber auch außerhalb davon) genießt und Deine (zu) emotionale Reaktion ist ein Ausdruck hiervon. Wie gesagt, das will ich hier auch niemanden in Abrede stellen. Ebenso solltest Du aber auch anerkennen, dass die Kritik am Europaviertel ebenfalls vollkommen zurecht geübt wird und keine Majestätsbeleidigung ist. Der Beitrag von Rohne oben fasst sehr schön zusammen, wo es überall hakt. Die Kritik wird geübt um das Viertel besser zu machen und künftige Fehler zu vermeiden, nicht um es herunter zu ziehen. Das möchte ich an dieser Stelle nochmal betont haben.


    Apropos Fake-News: Wäre schön, wenn heute der Mann, der diesen bescheuerten Begriff erst so richtig hoffähig gemacht hat, von den US-Wählern aus dem Amt gewählt wird. Vielleicht können wir uns ja zumindest auf diesen Punkt einigen, gell? ;)

    Zitat Criso:

    "Was ein Käse"


    Da "Käse" ein sehr interpretationsfähiger Begriff ist (;)), wäre es hilfreich, wenn man erfährt, aus welchen Gründen Du zu dieser Einschätzung kommst.


    Es besteht hier sicherlich kein Rechtfertigungsdruck, aber es ist auch nicht uninteressant zu wissen welche Argumente sich hinter einer Sichtweise verbergen.

    Ich kann mich nicht erinnern das Europaviertel als "Katastrophengebiet" berzeichnet zu haben, sondern wohl eher völlig zurecht als verbesserungswürdig. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Unterschied und ein hysterischer "Untergangsprophet", der alles schlechter sieht als es wirklich ist, bin ich ganz sicher auch nicht.


    Ein Wort zur eigenen Sache: Da ich selber 2,5 Jahre in der Nähe des Skyline Plazas gearbeitet habe, meine ich schon mir ein relativ gut informiertes Bild über den bekagenswerten Zustand des Skyline Plazas machen zu können. Die Wiedereröffnung des "Laube Liebe" war mir tatsächlich neu und ist eine hervorragende Nachricht. Ich will den Bewohnern des Europaviertels nichts Böses, sondern ich will, dass sich die dortige Lebens- und Aufenthaltsqualität entschieden und nachhaltig verbessert.


    Das Wichtige ist doch, dass man aus dem Europaviertel die richtigen "Lehren" zieht, so dass dieselben Fehler nicht ständig wiederholt werden. Die gebaute graue Sterilität wie am Tel-Aviv-Platz (davor schon am furchtbaren Martin-Elsässer Platz und am Roßmarkt) soll und darf es in Frankfurt so nicht mehr geben.


    Wentz' Idee des großstädtischen Boulevards mit Anlehnung an die Avenida da Liberdade in Lissabon (d.h. Raumgliederung) ist aus meiner Sicht nicht umgesetzt worden. Die Leblosigkeit der Erdgeschoss-Ebene, eigentlich das Markenzeichen europäischen Städtebaus, ist besonders bedrückend und die Achilles-Verse des Viertels. Hier konnte die Skyline Plaza die Lebendigkeit eines Boulevards eben auf keinste Weise ersetzen. Das Skyline Plaza war als "Anziehungspunkt" für Messebesucher ohnehin viel zu lukrativ und so war es längst ein "Fait accompli" für das gesamte Viertel bevor es überhaupt gebaut wurde. Leider hat sich aus den hohen Erwartungen an das Zentrum aber nur die Gastronomie und vielleicht noch der Rewe und das gelungene Meridian Spa als echte Belebung erwiesen.


    Zum Skyline Plaza: Es war schon lange vor dem überflüssigen Bau des Skyline Plazas bekannt, dass die große Zeit des Shopping Malls in Europa (wie auch in den USA) längst vorbei war und nun durch Corona und Amazon endgültig nicht mehr "zeitgemäß" sind, da sich ohnehin nur Ketten die hohen Mieten in solchen Zentren leisten können (durch einen "Gerry Weber" oder "Street One" entsteht eben keine urbane Lebendigkeit). Bereits vor der Corona-Krise und vor dem breiten Angebot des Online Shoppings standen Shopping Malls in den USA en masse vor der Schließung (Quelle 1, Quelle 2). Diese Entwicklung wird sich nun weiter fortsetzen und viele Malls stehen mehr denn je auf dem Prüfstand.


    Das Zentrum muss aus meiner Sicht umgebaut werden (Ausbau des Essbereichs, Halbierung des Einkaufsbereichs, Vergrösserung des REWE, leichter zugängliche Toiletten) damit es weiterhin wirtschaftlich betrieben werden kann. Und nochmal eine "sehr gewagte These" für alle Stadtplaner: Shopping Malls schaffen oder ersetzen keine Lebendigkeit bzw. Urbanität, eher schaffen sie Ödnis und Austauschbarkeit.


    Apropos Buzzword-Bingo: Die Phrase "wir müssen dem Viertel / Bau / Platz mehr Zeit geben" fällt dann wohl auch unter diese Kategorie. :)

    Ich finde es nicht trivial Ideen zur Verbesserung des Viertels hier anzudiskutieren, über den Tellerrand zu blicken und etwas mehr Substanz rein zu bringen als "was ein Käse" (ohne jegliche Begründung warum). Damit wir uns nicht an Semantik aufhängen, habe ich "Gegenvorschlag von Wentz" in "Idee" abgeändert. ;)


    Aus meiner Sicht muss hier kein Endergebnis abgewartet werden, wenn "Würfelhusten"-Bauten wie das furchtbar langweilige "Zebra" die Eintönigkeit nur weiter verstärken werden. Das Fiasko um den Tel-Aviv-Platz (inkl. nicht gebauter Kita), die komplett menschenleere Skyline Plaza (das Europaviertel scheint es als Fremdkörper wahrzunehmen) und besonders der gesperrte Europa-Garten (sowie die Schließung des "Liebe Laube Hoffnung") sind die letzten Anzeichen, dass sich hier einige Dinge in eine negative Richtung entwickelt haben. Das Europaviertel stellt derzeit eine vertane Chance für Frankfurts Städtebau dar, daher sind planerische Verbesserungsvorschläge keine "Nice to Haves", sondern unerlässlich.


    Außerdem würde es mich interessieren warum eine High-Line "die Aufenthaltsqualität vollends auf "O" killen würde", denn dieses Statement schein mir nicht selbsterklärend zu sein. Dir wird wahrscheinlich nicht entgangen sein, dass die High Lines in den USA mit großem Erfolg angenommen worden sind. Da wir den USA sowieso früher oder später das Meiste nach machen, könnte gerade das weltoffene Frankfurt die erste Stadt in Deutschland sein, die diesen Trend im Städtebau aufgreifen.

    Das Europaviertel wird natürlich wie jedes andere Viertel in Frankfurt auch nachträglich aufgewertet werden (müssen).


    Allerdings stimme ich überein mit Martin Wentz, Ex-Planungsdezernent und derzeitiger IHK-Vizepräsident, der über das Viertel sagt: „Diese Fassaden entlang der Europa-Allee sind eine Katastrophe. Räumliche Qualitäten, Aufenthaltsflächen und Gestaltung wurden zudem schlicht ignoriert.“


    Die größte Schwäche ist die viel zu breite Europa-Allee mit der spaltenden U-Bahn Trasse, welche zudem die Gleichförmigkeit der Architektur viel zu sehr betont. Ebenfalls sind zu viele Erdgeschosse privat genutzt und versperren den Weg für belebende Cafés, Läden oder öffentliche Einrichtungen (mehr Kitas wären nett gewesen). Als Abhilfe hierzu fand ich den absolut überlegenswerten Vorschlag des Architekten Christian Schmidt im letzten Jahr einen wichtigen Denkanstoß. Die Idee einer 5-Meter hohe „High Line“ mit Begrünung von Skyline Plaza, angedockt an Emser Brücke und bis zum Europagarten finde ich absolut überlegenswert.


    Die Idee des „New Urban Infrastructure Parks“ ist nicht neu, sondern wird bereits in vielen US-Städten als urbane Belebungsmaßnahme erfolgreich umgesetzt:

    Da das Europaviertel die Idee der „amerikanischen Stadt“ mit Shopping Mall, Office Parks und Wohn-Hochhäusern etc. zu eigen gemacht hat, wäre die anglosächsische Idee einer "High-Line“ als belebende Aufwertungsmaßnahme ein folgerichtiger Schritt. Selbstverständlich müssten sich die Kosten einer solchen Baumaßnahme in einem vertretbaren Rahmen bewegen, was in Zeiten knapper öffentlicher Kassen wohl eher unwahrscheinlich sein dürfte.


    Eine vermutlich kostengünstigere Idee von Martin Wentz ist da realistischer: Umsetzung der ursprünglichen Planung (aus Ende der 90er Jahre), d.h. ein Boulevard mit jeweils 6m breiten Bürgersteigen, dazu einspurige Fahrbahnen mit Tempo 30 und einem Radweg daneben. In der Mitte zwei Fahrspuren, getrennt durch zwei Grünflächen mit je 12m Breite mit dem Vorbild „Avenida da Liberdade“ in Lissabon.


    Aus meiner Sicht sollten die Vorschläge von Wentz und Schmidt dem Magistrat hoffentlich als wichtige Hinweise dienen wie man der Verödung des Viertels entgegen wirken kann.

    Glückwünsche zur BER-öffnung


    Glückwünsche nach Berlin zur lang ersehnten BER-öffnung des Flughafens. ;-D. In den überregionalen Medien war das Interesse natürlich sehr groß. Ein besonders interessanter Artikel zu den positiven wirtschaftlichen Folgen war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Diese fasste die bereits entstandenen städtebaulichen Auswirkungen für den Südosten Berlins sowie deren Aussichten am 23.10. in diesem Artikel („Die Neue Achse“) gelungen zusammen:

    • Der Grundtenor: Ein Real Estate Boom um den Flughafen sei derzeit ungewiss, allerdings sind die Synergie-Effekte schon jetzt unübersehbar und deuten auf eine vielversprechende Entwicklung hin.
    • Bislang sichert der Flugverkehr in Berlin ca. 40.000 Arbeitsplätze laut „diversen Rechnungen“ mit dem Ziel diese bis zum Jahr 2035 auf 85.000 Jobs zu erhöhen, allerdings macht Corona nun einen Strich durch diese Rechnung.
    • Das Bauland rund um den Flughafen sei bereits teurer geworden. Laut einer Studie von PRS Family Trust sind die Baulandpreise allein in der Gemeinde Schönefeld seit 2018 um 60% gestiegen.
    • Nach Voraussagen von Marcus Buder, Immobilienexperte der Berliner Landesbank, dürfte sich Schönefelds Einwohnerzahl von derzeit 17.000 in den nächsten Jahren fast verdoppeln.
    • Im Bezirk Treptow-Köpenick rechnet der Bürgermeister mit ca. 40.000 neuen Einwohnern im Radius von 30 bis 35 Kilometern um den Flughafen.
    • Im Einzugsgebiet befinden sich insgesamt 34 Gewerbe-Standorte, für die ebenfalls mit Wachstum gerechnet wird.
    • Aktuell sind etwa 2.400 Firmen im Umfeld des Flughafens angesiedelt, Tendenz steigend.

    Gute Beispiele für den wirtschaftlichen Aufschwung im Südosten Berlins im Dunstkreis des Flughafens:

    • Große Profiteure sind bereits jetzt die Landkreise Teltow-Fläming oder Dahme-Spreewald (LDS).
    • Als Wachstums-Hochburge gelten hierbei Königs Wusterhausen (40.000 Einwohner), sowie die Kommunen Schönefeld und Wildau mit Wirtschaftsmotoren aus Luft- und Raumfahrt, Logistik, Tourismus und Metallverarbeitung sowie Forschungsinstitute und zwei Hochschulen sowie der Wissenschafts- und Technologiepark in Wildau.
    • Der nicht allzu weit entfernte Bau der Tesla-Gigafactory in Grünheide wird erwähnt (Baustart Q1 2020 – Juli 2021; 12.000 Beschäftigte), welche eigene wirtschaftliche Synergien mit sich bringen würde.
    • Entwicklung der Wissenschaftsstadt bzw. Technologie-Park Adlersdorfmit 1.200 Unternehmen und 23.500 Beschäftigten und 6.500 Studenten.
    • Als weiterer wichtiger Meilenstein gilt die Entwicklung des Oktogon-Campus für Gewerbe und Technologie bis 2025.
    • Viele Unternehmen hätten aus logistischen Gründen die Nähe zum Flughafen gesucht, teilweise schon 10 Jahre vor der Eröffnung.

    Flughafengesellschaft als Projektentwickler:

    • Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup erwartet, dass die Flughafengesellschaft nicht nur Flächenanbieter, sondern auch eigenständiger Projektentwickler sein wird.
    • So sollen nicht nur Flächen verkauft oder zur Pacht angeboten, sondern Projekte auch über Joint Ventures mit entwickelt werden.
    • Im strategischen Leitbild "Masterplan 2040" ist von den Quartieren „Airgate“ und „Midfield Gardens“ zwischen den Start- und Landebahnen die Rede (eine Mixtur aus Büro-, Hotel- und Gastronomie, sowie Corporates und Wohnbereiche).

    Trotz Corona und der leidigen Vorgeschichte sind das doch eine verheißungsvolle Aussichten für die Hauptstadt und zu Corona-Zeiten ein Impuls zur richtigen Zeit.



    Es ist zunächst mal höchsterfreulich, dass für solche Projekte, die der breiten Öffentlichkeit zugutekommen, so viel Geld in Frankfurt in die Hand genommen wird. Mit 90 Millionen Euro handelt es sicherlich um eines der ambitionierteren Hallenbad-Projekte Deutschlands (zeitgleich entsteht gerade in Bad Vilbel für 200 Millionen Euro ein Thermal-Bad, das wesentlich höheren Eintritt nehmen wird). Erwähnt sei an dieser Stelle auch das neue Panoramabad, das für 40 Millionen Euro neben der Eissporthalle entstehen soll (auch wenn man seit 2019 nichts mehr Neues gehört hat). Das ist alles nicht so selbstverständlich in Zeiten der Budget-Engpässe und Kosteneinsparungen und daher ein tolles Signal zur richtigen Zeit.


    Auf den ersten Blick gefällt mir der großzügige parkähnliche Außenbereich und die helle Innengestaltung mit viel Deckenlichtäußerst gut. Auf die modernen (hoffentlich heller und großzügiger gestalteten) Umkleiden und Duschanlagen freue ich mich ebenso. Leider ist mir nicht geläufig, ob es ein längeres 50-Meter-Becken (bzw. Langbahn) geben wird. Für sportlich ambitionierte Schwimmer und Schwimmerinnen wäre das ein Quantensprung. In München finde ich es immer besonders imposant das 50 Meter Becken des Olympiabads zu benutzen, in Hamburg hat die Alster-Schwimmhalle ein 50-Meter Becken, Berlin gleich mehrere 50 m Hallenbäder. Wäre Zeit, dass Frankfurt nachzieht.


    Die etwas zu harsche Kritik an der Modul-Architektur des Baus kann ich nicht nachvollziehen. Wer von Europaviertel, Messe und Rebstockviertel vor allem von Mondernität und Gegenwarts-Architektur umgeben ist, darf auch mal mit der Zeit gehen und Neues ausprobieren. Insofern fügt sich das Bad sogar gut in seine Umgebung ein.



    Zum Projekt Berger Strasse / Ringelstrasse: Gut, dass es hier weiter geht. Mit 3.800 qm handelt es sich um eine besondere prominente Brache. Nachdem nun schon die zwei vorherigen Bauherrn nichts machen konnten oder wollten, sieht es nun unter "Ozean Horizont" aussichtsreicher aus.


    Zur Nutzung: 67 Wohnungen und die dringend benötigte Kita sind grundsätzlich zu begrüßen, aber die Retail-Fläche sehe ich kritisch. Mit einem weiteren Supermarkt (wahrscheinlich ein Discounter) wird es wohl zu einem der höchsten Supermarkt-Dichten in Deutschland kommen (mit den benachbarten Strassenbahn Depot Rewe, dem großen Penny-Markt, dem recht großen Denn's Biomarkt und Tegut, sowie dem 2x wöchentlich stattfindenden Bauernmarkt in Bornheim Mitte). Man erinnere sich, dass hier einst vor allem regionale Restaurants (das legendäre "Klabunt" sei hier erwähnt) standen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Projektplaner sich ein bisschen mehr mit der Beschaffenheit dieser bunten, fröhlichen Umgebung befasst hätten.


    Zur Architektur: Die Gleichförmigkeit der Gebäude wäre etwas weniger betont (Europaviertel Reloaded), wenn man zumindest unterschiedliche Fassaden oder auch Farbgebungen ausprobieren würde. Hier wurde ein gutes Ergebnis auf dem Ex-Saturn Hansa Areal bzw. "Berger-Village" Areal erzielt.

    Die Oper Frankfurt ist in diesem Jahr zum fünften Mal zur "Oper des Jahres" von der Fachzeitschrift "Opernwelt" (bzw. 43 Kritikern) gekürt worden. Im Jahr 2020 teilte man sich den Titel zusammen mit dem Grand Théâtre de Genève.


    Es ist der vierte Titel seit der Intendanz von Bernd Loebe, eine beeindruckende Leistung, besonders da man den letzten Titel erst vor zwei Jahren gewann. Die Innovationsfreude und die Qualität der Sänger an dieser Oper sind in der Tat erstaunlich.


    In dieser Wikipedia-Rangliste ist schön zu erkennen, dass dieser Titel schon seit dem Jahr 1992 vergeben wird und hierbei Opern aus dem deutschsprachigen Raum sowie aus Frankreich und Belgien bewertet werden.


    Quellen:

    Oper Frankfurt

    Journal Frankfurt


    Das Oper-Angebot in Frankfurt ist und bleibt also auf Weltklasse-Niveau. Dennoch sei erwähnt, dass in Frankfurts Kulturangebot noch eine bedeutende Lücke klafft, denn es gibt seit dem Jahr 2003 keine richtige Ballett-bzw. Tanz-Sparte mehr (Quelle). Während es Ballett- und Tanz-Ensembles in beinahe allen größeren Städten Deutschlands gibt (so auch in Wiesbaden, Darmstadt), hat Frankfurt seltsamerweise kein eigenes Ensemble im Angebot (Quelle). Die Forsythe Company, welche früher deutlich regelmäßiger das Bockenheimer Depot bespielte, ist mittlerweile nur noch sehr selten in Frankfurt tätig (zwischen September und Ende März insgesamt nur sehr wenige Auftritte). Im Zuge der Diskussion um neue Gebäude für das Schauspiel und die Oper sollte unbedingt auch wieder über ein permanentes Tanz-Ensemble nachgedacht werden.


    Die organische Optik der weißen Decken-Verkleidung gefällt mir sehr gut. Endlich wird die B-Ebene hell sein, so dass das Tageslicht quasi simuliert wird. Auch die grünen Sitzecken finde ich ansprechend und für wartende Bahnfahrer eine gute Option.


    Das ist die Modernität und Urbanität, die eine Stadt wie Frankfurt seinen ersten Besuchern vermitteln sollte.


    Dieses Projekt wird ein wahrer Meilenstein für die Stadt.

    @ Kaiser97: Ich verstehe die Kritik, dass man in Berlin/Wiesbaden/Frankfurt hätte mehr machen müssen um die EBA nach Frankfurt zu holen. Ich verstehe ebenso, dass die lokale Politik nun aufmerksamer agieren sollte, so dass die EBA nicht zu einem neuen Gegengewicht der EZB aufgebaut wird. Dennoch geht mir die Kritik nun an vielen Stellen zu weit.


    Ich wage zu bezweifeln, dass Macron sich ernsthaft mit einem „Anti-Frankfurt Pakt“ beschäftigt und Lagarde eine Art "Trojan Horse" Taktik aus der EZB heraus plant. Das Denkmuster Deutschland (Merkel / Wiedmann) vs. Frankreich (Macron / Lagarde) geht viel zu sehr in die eindimensionale „Us vs. Them“ Sichtweise der Welt. Es ist einfach nicht richtig, dass jede Entscheidung einem generischen Nullsummenspiel oder mittelalterlichem Kirchturmdenken (in diesem Fall – „Officeturm“ Denken) unterfworfen wäre. Hat das deutsch-französische Duo nicht beim 1,8 Billionen EUR schweren Corona-Hilfspaket oder der European Vaccine Initiative (EVI) zuletzt bewiesen, dass es alles andere als zerstritten ist? Letztlich kann man jedem Menschen niedere Machiavellische Instinkte nachsagen, aber die Realität ist, dass Macron als Vollzeit-Corona-Krisenmanager derzeit alle Hände voll zu tun hat und hieran bei den Wahlen in zwei Jahren gemessen werden wird und nicht an Klientelpolitik für Paris, die genau den "urbanen Globalisierungsgewinnern" zugute kommt, die in Frankreich ohnehin schon sehr kritisch gesehen werden.


    Als Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IMF) von 2011 bis 2018 hat Christine Lagarde ihre Unabhängigkeit bereits zu Genüge unter Beweis gestellt und spielte bei der Griechenland-Hilfe eine wichtige Rolle und ermöglichte die umstrittene Austerity-Sparpolitik, die vor allem im Sinne Deutschlands und nicht gerade im Sinne Frankreichs war.


    Die EBA gibt es nun erst seit dem Jahr 2011 und beschäftigt laut ihrer Webseite 159 Angestellte aus 25 Nationen. Diese gerade erst umgezogene Mini-Organisation soll nun den „800 Pound Gorlla“, also den Single Supervisory Mechanism (bzw. EZB-Bankenaufsicht) mit 1.000 Mitarbeitern, schlucken? Selbst wenn hier eine Möglichkeit bestünde, stehen die Chancen auf eine wesentlich leichtere Einverleibung der EBA in den SSM ebenfalls nicht schlecht.

    Dass der Nationalist Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde, geht daher meiner Ansicht nach auch über die Kausalkette "Ungleichheit Stadt - Land --> Trump" hinaus. Kein Widerspruch also, sondern vielmehr eine Erweiterung deiner Aussage ;)

    Hier sind wir m.E. beim Kern der Diskussion. Die Kausalkette "Ungleichheit London - Rest des Landes--> Brexit", "Ungleichheit Mailand & Rom - Rest des Landes -> Salvini / Berlusconi" oder "Ungleichheit Paris - Rest des Landes-> Gillets Jaunes" sollte bei dieser Betrachtung aber keinesfalls ausgeklammert werden. Wir sehen doch hier ein gewisses Muster in vielen (nicht allen) Ländern der OECD, besonders in Ländern mit zentralistischen Ansätzen und in denen politisches / wirtschaftliches Zentrum überein stimmen. Andere Länder wie Deutschland, Japan oder Schweiz, die keineswegs fehlerlos geblieben sind, haben es da besser verstanden den Rest des Landes nicht zu sehr abzuhängen.


    Der berühmte Länderfinanzausgleich (LFA) soll "No Go Areas" verhindern und "gleichwertige Lebensverhältnisse" im ganzen Land ermöglichen. Wer heute das strukturell sehr schwache Bremerhaven besucht, wird überrascht sein, dass es dort trotz der offensichtlichen Armut dank enormer Investitionen sogar relativ gut aussieht. Sicherlich hat auch die Wiedervereinigung dabei geholfen die Sinne für abgehängte Regionen zu schärfen. Der Turnaround den Städte wie Leipzig, Potsdam, Jena oder Erfurt in nur 29 Jahren geschafft haben (Dresden klammere ich mal aus), ist erstaunlich und dieses Know-How kann auch in Städten wie Duisburg, Wuppertal oder Offenbach angewandt werden. In Duisburg sieht man ja auch schon enorme Fortschritte. Wichtig in Deutschland (sowie Japan / Schweiz / Skandinavien) ist die starke Fokussierung auf die Exportwirtschaft, die vor allem einer mittelständigen Unternehmenslandschaft zugute kommt, die sich oft in ländlichen Regionen befindet. Besonders die Lehre / Ausbildung im Werk ermöglicht auf diese Weise Karrieren (auch Dank des zweiten Bildungswegs), die in US, UK oder Frankreich undenkbar wären. Auch die höhere Bildung bleibt in den sozialen Marktwirtschaften wesentlich zugänglicher und ist in den anglosächsischen Ländern vor allem ein Privileg für die "Globalisierungsgewinner" (also Städter), die sich die absurd hohen Studiengebühren leisten können (der Rest verschuldet sich bis zum Lebensende). Im Vergleich sind die offensichtlichen Schwächen des anglosächsischen Sozial-Darwinismus ("Survival of the fittest" bzw. "Survival of the richest") und einem selbstgerechten "Metritocracy"-Kult im Zuge der Globalisierung (d.h. Konkurrenz aus Asien) besonders stark zutage getreten und äußern sich bei der Ungleichheit zwischen Stadt und Land.


    Die USA und UK sind als Treiber der Globalisierung sicherlich gewillt dazu zu lernen und ihre Wirtschaftssysteme gerechter zu machen. Die Präsidentschafts-Wahl in vier Wochen wird wahrscheinlich zur wichtigsten Abstimmung der US-Geschichte werden. Meine Vermutung ist, dass eine gerechtere Wirtschaft unter Biden nicht (mehr) als sozialistisches Schreck-Gespenst taugen und eine Rückkehr zur Obama-Ära als positiv gewertet wird.


    Die Wahl Trumps und besonders der Brexit waren hoffentlich ein Weckruf an alle Demokratien große Teile ihrer Länder nicht zu "No Go Areas" verkommen zu lassen. Das Erfolgsmodell "Home Office" wird zumindest dabei helfen den 100km Radius um die grössten Städte weltweit zu stärken. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung um die erheblichen Vorteile der Globalisierung breiter zu verteilen als nur auf die 5-6 grössten Städte / deren Vororte des jeweiligen Landes.