Rahmenplan "Innenstadtkonzept Frankfurt"

  • Rahmenplan "Innenstadtkonzept Frankfurt"

    Die Stadt hat ein Konzept für die Entwicklung der Innenstadt erarbeitet. Einem Bericht der FR zufolge hat die Erstellung des Innenstadtkonzepts acht Jahre in Anspruch genommen. Nun liegt der Entwurf vor.


    Nach einer Pressemitteilung der Stadt fasst der Rahmenplan bestehende Planungen in dem Gebiet innerhalb der Wallanlagen zusammen und unterbreitet weitergehende Vorschläge für mögliche Projekte. Planungsdezernent Edwin Schwarz erläutert: "Mit dem Innenstadtkonzept möchten wir die Attraktivität der Frankfurter Innenstadt erhöhen und sie zu einem lebendigen Zentrum für Handel, Dienstleistung, Wohnen, Gastronomie, Kultur und Freizeit weiterentwickeln. Das soll beispielsweise durch eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, eine Stärkung des innerstädtischen Wohnens, mehr Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer und eine klarere Wegeführung geschehen."


    Der Konzeptentwurf soll in einem offenen Planungsprozess mit möglichst vielen Beteiligten fortentwickelt, konkretisiert und ergänzt werden. Dabei soll der Rahmenplan als Diskussionsgrundlage dienen und zunächst nur grob die möglichen städtebaulichen Ziele und Strategien vorgeben. Öffentlichkeit, "gesellschaftlich und fachlich relevante Gruppen" und die städtischen Gremien werden in einen sich über etwa neun Monate erstreckenden Prozess eingebunden. Vorgesehen sind themenbezogene "Workshop-Veranstaltungen", auf diese Weise sollen auch Anregungen der Bürgerschaft in die städtische Beschlussfassung aufgenommen werden.


    Hier die Grundlagen (im PDF-Format):



    Die Unterlagen werden voraussichtlich reichlich Stoff für Diskussionen bieten. Weil die Sache komplex ist, möchte ich auf eine weitere Erläuterungen verzichten. Statt dessen bitte ich darum, dass ihr jeweils kurz die Grundlagen aus dem Entwurf vorstellt, wenn einzelne Bereiche angesprochen werden.


    Im Bereich Dom-Römer gibt es Überschneidungen mit dem entsprechenden Strang und dem Altstadt-Salon. Ich schlage vor, diesen Bereich hier auszunehmen. Entsprechend diejenigen Bereiche, für die es ebenfalls eigene Threads gibt, das Maintor-Projekt beispielsweise.

  • Definitiv der richtige Ansatz, vor allem wenn man bedenkt wie verödet weite Teile der Alt- und Innenstadt abseits von Zeil und Römerberg heute sind. Auch dürften große Teile der Nachkriegsbebauung in den nächsten Jahrzehnten ersetzt werden, daher ist es durchaus wichtig, dass ein gestalterischer Rahmen verhindert, dass Bausünden durch Bausünden ersetzt werden. Für den unmittelbaren Altstadtbereich (d.h. innerhalb der Staufermauer) würde ich mir folgende Punkte wünschen:


    - Grundlegende Gestaltungssatzung wie im Dom-Römer-Bereich, gerne auch weniger strikt in den Details, aber mit klaren Vorgaben zur Kubatur, Dachform, Materialwahl und Farbgebung - von Romanik bis Neue Sachlichkeit war in der Altstadt alles vertreten, das sollte auch heutigen Bauherren genug Anregungen für interessante Neubauten geben können.
    - Wiederherstellung des historischen Straßengrundrisses wo möglich und sinnvoll, evtl. mit verbreiterten Straßen wo wirklich erforderlich, aber für mehr Licht und Luft statt Autokompatiblität.
    - Klassische Blockrandbebauung zur Straße hin, gerne mit Innenhöfen, aber durchgehenden Häuserfronten.
    - Ausdrückliche Möglichkeit zur Rekonstruktion einzelner bedeutender Baudenkmäler.
    - Weitestgehende Verbannung des Durchgangsverkehrs aus dem Gebiet, Kanalisierung durch den Mainufertunnel oder alternativ die von mir vorgeschlagene Verlängerung des Theatertunnels zum Börneplatz.


    Ich denke, ich bewege mich mit diesen Forderungen an der Obergrenze dessen, was mit politischem Willen ohne ein Übermaß an finanziellem Aufwand möglich ist. Die Architekten sind gefragt, einen Stil zu entwickeln, der dem Ort gerecht wird, dabei auch innovativ wirkt, aber die bekannten Vorwürfe gegen traditionelles Bauen entkräftet. Lassen wir uns überraschen :)

  • Eine Untertunnelung der Berliner Strasse wäre die absolute Ideallösung. Dies würde den Durchgang von Ex-Degussa Areal zum Frankfurter Hof/Goethehaus oder vom Mainufer/Römer zur Kleinmarkthalle deutlich verbessern.


    Die fußgänger- und fahrradfeindliche Verkehrsführung an Berliner Str und auch Kurt-Schumacher Str. gehört zu den größeren Ärgernissen im Innenstadtbereich. Fußgänger verirren sich nur sehr vereinzelt an die Wege entlang dieser Stadt-Autobahnen. Das kann natürlich auch an der fast durchweg uninspirierten Bebauung entlang der Berliner liegen (Stichwort Bundesrechnungshof).

  • Innenstadtkonzept

    Nur ein Entwurf? Welche Personen oder auch externe Planungsspezilisten stehen eigentlich dahinter?

    Nun ja, wirklich längst überfällig. Nach acht Jahren zugeknöpftem Planen, darf sich die Öffentlichkeit jetzt endlich einbringen. Dass an so etwas wohl gearbeitet wurde war natürlich schon an bestimmten Merkmalen abzulesen und zu erahnen.
    Nun läuft es aber prinzipiell darauf hinaus, dass das Planungsamt in die Phase eintritt, in der sie ihre Arbeit wohl überwiegend nur noch gegen die nun unvermeidlichen Nörgler und Besserwisser verteidigen möchte, um ihren Entwurf natürlich weitestgehend beibehalten zu können. Sonst wäre ja die Arbeit dieser langen Zeit bei den evtl. in Frage stehenden Teilen ungenügend und damit umsonst gewesen. Dieses strategische Vorgehen ist in gewisser Weise mit dem Mediations-Verfahren bei der Planung der neuen Landebahn am Flughafen vergleichbar, wo das Ergebnis eigentlich am Anfang für die Planer schon feststand und die Debatten und Verfahren letztlich nur zur Einbindung und Ruhigstellung der Kritiker und Gegner dienten.

    Es ist jammerschade. Ehrlicher, aber sicher auch mühevoller wäre es gewesen, die Öffentlichkeit in einer frühen Phase schon einzubinden, so müsste man nicht gegebenenfalls wieder Teile oder Details rückgängig machen bzw. dagegen ankämpfen müssen. Nun allerdings wird sich das Planungsamt mit aller Kraft gegen Änderungen ihrer Arbeit zur Wehr setzen wollen.

    Trotz allem ist es natürlich grundsätzlich sehr zu begrüßen dass so eine Planung überhaupt in Angriff genommen wurde und nun endlich auch öffentlich weitergeführt werden soll.
    Wir werden uns nach Studium der Unterlagen damit auseinanderzusetzen haben. Ich hoffe auf rege Beteiligung aus der Bevölkerung, sowie weise Einsichten und Kooperation in Magistrat und Stadtparlament.


    Postet von RKWF am 09.12.2009 im DAF Strang "Innenstadtkonzept Frankfurt" direkt hinter Golden Age #3

    ________________________________________________________________
    Anonyme Rote-Lämpchen-Bewertung am 10.12.2009, 00:12: "Ohne Gehalt und Sinn"

    2 Mal editiert, zuletzt von RobertKWF () aus folgendem Grund: Bewertung

  • Naja, das Planungskonzept ist nun wirklich nicht so konkret, als da dort genug Gestaltungsspielraum übrig bleibt. Es sind doch dann eher Leitlinien für bestimmte Innstadtbereiche, wie sie sich die Stadtplanung vorstellt.


    Insgesamt gefallen mir die Vorschläge. Über die einzelnen Bereiche wird bestimmt noch genug diskutiert werden. Einen möchte ich schonmal herausheben: Der Versuch, die Stadttore auch wieder stadtplanerisch hervorzuheben. Mit doppelten Baumreihen soll eine Verengung der Torsituation dargstellt werden, soweit es die aktuelle Verkehrssituation zulässt. Bespielhaft sind hier Taunstor und Allerheiligentor. Gefällt mir, die Idee.

  • Ein Bericht der FNP vom 06.01.2010 greift nochmals das Innenstadtkonzept auf. Die wichtigsten Eckpunkte:


    • Die Innenstadt solle künftig deutlich dichter und lebendiger bebaut sein
    • Aufenthaltsqualität und Wegeführung sollen verbessert werden
    • Es solle mehr Wohnungen und Geschäfte geben
    • Straßen und Plätze sollen deutlich attraktiver werden
    • Man orientiere sich künftig am Zustand der Vorkriegszeit


    Besonders heikel sei laut FNP das Gebiet zwischen Zeil und Berliner Straße. Der "Hinterhof der Zeil" (Holzgraben und Töngesgasse) solle ein Schwerpunkt der Innenstadt-Neustrukturierung darstellen. Baulücken seien zu schließen und neue Passagen anzulegen.

  • Autos gehören auch in die Stadt, diese Lehre sollte man aus den Experimenten der vergangenen 30 Jahre gezogen haben. Den Hozgraben aber in einem Satz mit "Leistungsfähigkeit" zu nennen, wird eher nicht im Sinne der Autoren gewesen sein - hier werden sich schon Alternativen ergeben, wenn eine Verbesserung des "Zeil-Hinterhofs" (sehr passend, IMHO) ansteht.


    Eine Bebauung des Paulsplatz wird sich meine Meinung nach nicht durchsetzen lassen, zu sehr haben sich die Bürger an den Platz gewöhnt. Ich zumindest halte einen offenen Platz an dieser Stelle für sinnvoll und schön.


    Wenn wir aber schon beim Wünschen sind: Die Berliner Straße - wirklich ein Problem. Nicht nur wegen der Paulskirche, sondern im gesamten Verlauf. Die Randbebauung hat wirklich Potenzial, selbst der Einzelhandel ist nicht schlecht aufgestellt und sollte für Urbanität sorgen können, doch NICHTS da. Vier Spuren sind meiner Meinung nach eindeutig zu viel. Wäre nicht eine teilweilse Untertunnelung für den Durchgangsverkehr (2 Spuren Oberirdisch, 2 "im Keller") bis zum Börneplatz - oder sogar über die Kreuzung hinaus - eine Chance, die Innenstadt wieder zusammen wachsen zu lassen?

    Einmal editiert, zuletzt von mahlzeit () aus folgendem Grund: typo

  • Untertunnelungen scheinen als das Maß aller Dinge in Sachen Verkehr und Städtebau in Frankfurt zu gelten. Nichts für ungut, mahlzeit, aber die Vorschlagenden scheinen sich wenig Gedanken über die Kosten dieser Lösung zu machen (neben den reinen Bau- auch die Folgekosten!). Was man an anderer Stelle bzw. oberirdisch mit diesem Geld alles erreichen könnte - sofern es überhaupt vorhanden ist - lässt die Tunnellösung in keinem rechten Verhältnis stehen. Zudem sind die Ein- und Ausfahrtsbereiche dieser Tunnel i.d.R. alles andere als urban und angenehm.

  • Wäre das der Fall, gäbe es dann nicht mehr als einen einzigen Autotunnel in der Innenstadt? Mit den Rampen hast du natürlich Recht - nur gibt es die beim Theatertunnel bereits. Die östliche Einfahrt würde verschwinden, was dem Bereich Bethmannstraße / Großer Hirschgraben äußerst gut tun würde. Das Gegenteil gälte natürlich für die Battonnstraße oder wo auch immer die neue Rampe liegen würde. Neben den Baukosten entstünden Unterhaltskosten für eine rund dreimal so lange Tunnelstrecke wie bisher, richtig, im Bereich des Möglichen sollte das aber liegen.


    Die auf beiden Seiten des Mains vorgeschlagenen Tunnel sind, die Frage nach der Sinnhaftigkeit mal beiseite gelassen, voraussichtlich unbezahlbar. Aber eine leistungsfähige West-Ostverbindung im Bereich der südlichen Innenstadt muss schon sein. Im Sinne einer Vision für die künftige Gestaltung der Innenstadt, darum geht es hier schließlich, ist der Gedanke einer Verlängerung des Theatertunnels schon sehr verlockend, denkt man an den zu gewinnenden Gestaltungsspielraum für den Bereich der heutigen Berliner Straße.

  • Der Sinn einer weiteren Untertunnelung mag mir an dieser Stelle auch am sinnvollsten erscheinen.


    Das südliche Mainufer braucht nun wirklich keine Untertunnelung. Der Verkehr dort ist eher mäßig (oder halte ich mich stets zur falschen Zeit dort auf?) und der Streckenverlauf mit der Perlenkette an Museen auf der einen Seite und der Skyline sowie dem Mainufer auf der anderen Seite aus dem Auto schön anzusehen. Des weiteren liegt das herabgesetzte Mainufer spürbar abseits der Verkehrsstraße.


    Wohl eher auf nördlicher Mainseite. Hier könnte man im Falle einer Untertunnelung dann ungeachtet einer Verkehrsstraße vom Römer bzw. der Altstadt zum Mainufer "flanieren" (Düsseldorf hats vorgemacht). Aber auch hier ist der Bedarf in meinen Augen doch eher gering.


    Auch wenn eine Untertunnelung bis zur Kurt-Schumacher-Straße am sinnvollsten erscheint, verschwindet deswegen ja nicht die Architektur auf der Berliner. Zusätzliche Ein- und Ausfahrten für die Domstraße/Hasengasse & Fahrgasse müssten wohl angelegt werden, da diese die Berliner kreuzen.


    Nichts desto trotz gibt es international durchaus gelungene Beispiele für "urbane und angenehme" innerstädtische Ein- bzw. Ausfahrten. Nämlich indem man am Anfang und am Ende des Tunnels je ein Gebäude auf die Ein- bzw. Ausfahrten baut. Sprich die Randbebauung einer Straße über die Ein- bzw. Ausfahrt verlängert. Die Gebäude dienen als Schall- und Sichtschutz, von außen betrachtet fährt der Verkehr über Bürogebäude mit "überdimensionalen" Tiefgaragen (wirkt großstädtisch) herein und heraus und der Raum dazwischen ist ruhig und verkehrsfrei.

  • Wegen der beiden Punkte a) Ein- und Ausfahrten und b) Kosten kam ich auf die Idee einer nur zweispurigen Untertunnelung. Diese kommt mit einer einzigen Tunnelöffung aus (oder eventuell zwei: Ausfahrt vor dem Börneplatz, Einfahrt für den Durchgangsverkehr zusätzlich schon gegenüber) und wäre wahrscheinlich mit wesentlich weniger statischen Problemen und somit geringerne Kosten verbunden. Nebenbei würde während der Bauphase nicht die komplette Innenstadt im Chaos versinken. Der gesamte oberirdische Bereich könnte so gestaltet werden, dass sich urbanes Leben entwickeln kann, Kreuzungen (Kreisverkehre?) müssten/könnten mit überschaubarem Aufwand neu eingerichtet werden - und zusätzlich würde die Stadt ein Sahnegrundstück an Stelle der bisherigen Tunnelöffnung gewinnen - das ganz nebenbei das Bundesrechnungshofsareal in seiner Attraktivität gewaltig aufwerten könnte.


    Von dem Mainuferideen halte ich persönlich nicht so viel, das Geld wäre in und um die Berliner Straße besser "vergraben".

  • Ich habe das Konzept durchgelesen und finde es wirklich gut, was dort geschrieben steht. Ein großes Lob an den Magistrat.


    Besonders wichtig finde ich eigentlich zwei Dinge. Zum einen, dass man betont, dass Frankfurt einfach sehr kriegsgeschädigt ist und dass es noch heute unter diesen Schäden leidet. Dies und nicht eine Auseinandersetzung um Reko / Nichtreko sollte am Anfang einer Stadtplanung stehen. Dass der Magistrat dies tut, ist sehr löblich.
    Das zweite ist die Idee der behutsamen Umgestaltung mit Bezugspunkt auf den Vorkriegsgrundrisses der Stadt. Genau dies ist denke ich richtig, da eine radikale Änderung die Gefahr läuft, nochmals schief zu gehen.


    Persönlich fände ich noch folgendes gut:


    Weniger Straßendurchquerungen der Wallanlagen im Bankenviertel. Umgestaltung der Strasse am Taunustor Richtung Bankenviertel oder vielleicht Tunnel.


    Einebnung der Wallanlagen im Bankenviertel und Umgestaltung. Die Wallanlagen werden dort nicht als Park empfunden, vielleicht ließe sich durch eine Randbepflanzung mit Bäumen und einer Ebenen Fläche mit weniger Straßen was erreichen.

  • Tunnel sollten eher auf die U-Bahn beschränkt bleiben, und da können gern auch noch mehr gebaut werden. Von Riederwaldtunnel und Alleenspange (nicht Alleentunnel) abgesehen, die mit dem Thema hier aber nichts gemein haben, halte ich aber rein gar nichts davon irgendwelche Straßen in den Keller zu verlegen. Am südlichen Mainufer sehe ich überhaupt keinen Bedarf und am Nördlichen müsste ein Tunnel eine Länge haben die tatsächlich unbezahlbar wäre - die gegenwärtig herumgeisternde Version mit den Rampen auf Höhe des Saalhofs wäre jedenfalls ein Schildbürgerstreich erster Güte.
    Bezüglich Theatertunnel wäre es eigentlich am Besten wenn es ihn gar nicht gäbe, dann würden die beiden Rampen auch nicht mehr stören, weil nicht vorhanden. Verkehrsaufkommen auf der Berliner Straße liegt zwischen 20- und 40000, im Theatertunnel bei ca 15000. Vier Fahrstreifen sind also durchaus gerechtfertigt und in meinen Augen auch nicht wirklich das Problem. Das Problem ist eher die Bebauung, und daran würde sich auch nach Verlängerung des Theatertunnels nichts ändern. Das fängt bei den Kammgebäuden südlich der Kleinmarkthalle an, und hört beim städtebaulich katastrophalen Bundesrechnungshof noch lange nicht auf.

  • Untertunnelungen scheinen als das Maß aller Dinge in Sachen Verkehr und Städtebau in Frankfurt zu gelten. Nichts für ungut, mahlzeit, aber die Vorschlagenden scheinen sich wenig Gedanken über die Kosten dieser Lösung zu machen (neben den reinen Bau- auch die Folgekosten!).


    Das jüngste Beispiel wie das Geld oberirdisch ver(sch)wendet wird, sieht man am Technischen Rathaus. Dieses wurde 1972 für astronomische Summen (56 Mill. DM) erbaut, dann von der Stadt zurück gekauft, abgerissen (für 20 Millionen Euro) und nun keine 38 Jahre später für noch viel mehr Geld neu bebaut. Eine kolossale Geldverschwendung, die an (damaliger) Kurzsichtigkeit und Geldvernichtung nicht zu überbieten ist. Guter Artikel hierzu in der Rundschau: http://www.fr-online.de/frankf…-Ende-eines-Vorbilds.html


    Eine Untertunnelung der Berliner Str. hingegen ist kein Luxusprojekt, sondern eine dringende Notwendigkeit wie der Riederwaldtunnel. Dieser Keil durchtrennt die Stadt wie keine zweite Strasse. Eine viel besser vernetzte Verbindung zwischen Neu- und Altstadt und Mainufer muss endlich geschaffen werden und sollte bei der Stadtpolitik eine Top-Priorität besitzen.


    Die Vorteile sind immens:
    1.) Die Commerzbank Zentrale, Goethehaus, Kleinmarkthalle, Frankfurter Hof und MMK enden derzeit in der trostlosen Stadtautobahn Berliner Strasse und sind vom Main nicht nur "psychologisch" abgeschnitten (u.a. auch durch die gnadenlos hässliche Fußgängerbrücke verbunden). Es würde endlich richtig zusammenwachsen, was zusammen gehört.


    2.) Eine deutlich bessere Verbindung zum Degussa Areal würde geschaffen. Unter der fehlenden verkehrstechnischen Verbindung zur Innenstadt leidet beispielsweise die "Frankfurter Welle" immens. Wenn Gastronomie und Einzelhandel hier Erfolg haben wollen, muss eine Verbindung zur Hauptwache problemlos zu bewältigen sein, ansonsten wird man Leerstand ernten.


    3.) Der Bundesrechnungshof würde für Käufer attraktiver werden. Nach 10 Jahren Stillstand ist diese Narbe in der Innenstadt das perfekte Beispiel für das Desinteresse der Investoren an dieser "Traum-Gegend".


    4.) Die Durchwegung von Zeil zum Römer ist ein Hindernislauf entlang schmaler Fußgängerwege. Für Fahrradfahrer gibt es ausnahmslos "verkehrstechnisch unsichere" Wege um aus der Innenstadt ans Mainufer zu gelangen (es sei denn man kreuzt die Zeil und gefährdet dadurch die Fußgänger).


    5.) Es wäre eine Chance die Gegend deutlich aufzuhellen, zu beleben und begrünen. Die dunkelgraue Rückseite des Frankfurter Hofs spottet beispielsweise jeder Beschreibung.


    6.) Der komplett ausgestorbene und architektonisch charakterlose westliche Teil der Altstadt (von Römer bis Degussa) würde endlich mehr Publikumsverkehr erhalten. Im Moment fungiert die "Berliner" wie ein Prellbock. Kein Teil der Innenstadt hat solch ein Aufwärtspotenzial wie diese Nachbarschaft, eine "Renaissance" kann aber nur durch mehr Durchwegung für alle Verkehrsteilnehmer entstehen.

  • Ich habe mir mal den Übersichtsplan angesehen. Hier wird ja unterschieden zwischen Bebauung geplant und abgestimmte/beschlossene Bebauungsplanung, also die schon konkreteren Projekte, die hier auch schon fast alle irgendwie in diesem Forum diskutiert wurden. In der selben Farbe erscheint auch das AOK Gelände in der Battonstr.. Weiß jemand was hier bereits beschlossen wurde bzw. abgestimmt geplant wurde?

  • Innenstadtkonzept

    Um später niemanden allzu sehr zu erschrecken, hier meine Vorhabstellungnahme zu den Themen Tunnels unter der Berliner Straße, unter dem nördlichen Mainufer im Bereich der Altstadt, unter dem südlichen Mainufer vor den Museen:

    Das in diesen drei Straßen-Abschnitten bald etwas geschehen muss ist wohl allgemeiner Wunsch derjenigen, die an der Frankfurter Innenstadt nur irgendwie interessiert sind.
    So werden bereits seit sehr langer Zeit immer wieder von verschiedenen Seiten Vorschläge gemacht und auf die jeweils nachteilige Situation hingewiesen.

    Untertunnelungen sind eine Lösungsvariante, um deren Betrachtung man kaum herumkommt, wenn man eine für Frankfurt einigermaßen konventionelle Lösung finden will. Für alle drei Bereiche sollte man also immer noch eine Tunnellösung im Auge behalten.

    Bestimmt wurde das hier jetzt von irgendjemand schon mal angedacht. Für einige wird es aber jetzt vielleicht doch abstrakt, utopisch oder spinnert klingen mögen. Mein Vorschlag (besser Konzept für die Attraktivität der Innenstadt) ist aber, nach und nach – also bei der Planung des Innenstadtkonzeptes – zunächst zumindest die Innenstadt vom Main bis zur Zeil, von der Untermainbrücke, neue Mainzer Straße, Friedenstraße, Roßmarkt und Hauptwache bis zu Alten Brücke, Kurt-Schumacher-Straße, insgesamt vom Durchgangsverkehr zu befreien. Daneben/danach sollten weitere Straßen innerhalb des Anlagenrings (Innenstadt) für die Schließung des Durchgangsverkehrs ins Visier genommen werden. Mit der Süd/Nord-Schließung der Hauptwache wurde ja bereits Exemplarisch ein lobenswerter Anfang gemacht. Als ersten Schritt empfehle ich, die Straße Untermainkai von der Alten Brücke bis zur Untermeinbrücke für den Durchgangsverkehr zu schließen.

    (Aufschrei)

    Das ist kein Vorschlag einfach nur mal so ins Blaue hinein. Ich bin mir dabei der Widerstände von Verkehrsplanern oder von Geschäftsleuten durchaus bewusst, die erstmal nur Probleme sehen werden, lasse aber gleich schon so einfache Einwände, wie "das geht nicht", nicht gelten. Obwohl ich kein Verkehrsplaner bin, mute ich mir aber zu, bei allen damit zusammenhängenden scheinbar unlösbaren Problemen entsprechend wirkungsvolle Anregungen geben zu können.

    Habe mir für später vorgenommen, auf weitere Details einzugehen und dann auch Vorteile und Gründe anzuführen.



    Postet von RKWF am 07.01.2010 im DAF Strang "Innenstadtkonzept Frankfurt (Rahmenplan 2009)" direkt hinter
    Rohne #15

  • Mainufertunnel wären ein echter Traum vor allem auf der Innenstadt-Seite des Mains.
    Es gibt ja auch hervorragende Beispiele aus anderen Städten. Düsseldorf hat z.B. gute Erfahrungen mit dem Rheinufer-Tunnel gemacht.


    Soweit ich weiß gab es auch FFM bereits Überlegungen dazu, aber meines Wissens wurden sie wegen der zu erwartenden Kosten nicht weiter verfolgt.

  • Der Tunnel auf der "Frankfurter Seite" und die daraus enstehende neue Uferpromenade hätte allerdings einen nicht unerheblichen Pferdefuß- es ist halt die Nordseite und daher sehr früh vollständig verschattet!
    Die Aufenthaltsqualitäten auf der Sachsenhäuser Seite sind halt daher stets besser.
    In Düsseldorf hat man dagegen entlang des Promenade die Sonne von Westen, also optimale Belichtung...:cool:

  • Ich kann mich mit einer Mainuferuntertunnelung wirklich überhaupt nicht anfreunden.


    Beide Ufer haben einen breiten Park mir reichlich Entspannungsmöglichkeiten - weit mehr als die allermeisten deutschen Städte mit Flussufer, daher passen die Vergleiche nicht recht. (z.B. in Saarbrücken wäre ein Saarufertunnel ein gewaltiger Gewinn, dort geht es allerdings um eine Autobahn (!), die unmittelbar am Fluss entlang führt. Auch in Düsseldorf war vorher - wenn ich mich recht erinnere - nicht viel Platz am Rhein).


    Die Südseite ist wenig befahren und verfügt zusätzlich über den schönen und kaum genutzten Raum unter den Platanen - was sollte man denn mit der zusätzlichen Fläche machen?


    Die Nordseite ( Palatino : Diese versinkt erst recht spät im Schatten, der Unterschlied ist nicht gewaltig) ist tatsächlich durch die Straße verunstaltet. Aber auch hier stellt sich mir die Frage nach dem Nutzen. Der einzige Bereich, der gewinnen könnte, wäre wohl innerhalb der Wallanlage - aber dort ließe sich schon mit klassischen verkehrsberuhigenden Maßnahmen einiges gewinnen: Keine Abbiegespuren, ein gepflasterter Mittelstreifen, Tempo 30.


    Mir graut etwas vor der Vorstellung eines zu ruhigen Mainufers - Außengastronomie wird sich dort nicht zahlreich ansiedeln, unterstelle ich nach meinen eigenen Präferenzen, und ein zusätzlicher Streifen Park - also ich weiß nicht. Dem abendlichen Sicherheitsgefühl wird das nicht gut tun. Außerdem... eine jahrelange Baustelle am Main, nur ein paar Jahre nachdem das Ufer zum ersten mal seit Jahrzehnten wieder richig schön und lebenswert geworden ist? Nein, dann lieber ein paar Autos, die mich daran erinnern, dass ich trotz des Mainuferidylls noch mitten in einer Großstadt bin :-)


    Und wieder den Bogen zurück zur Berliner Straße: Außer einem soliden Verkehrschaos eine Baustelle, die kaum stören würde...