Der Hochhäuser-Spekulierstrang

  • Ein sehr spannendes Thema, finde ich auch, Adama, danke dafür! Du hast sicher recht, dass die Stadt sehr wahrscheinlich zu starre Vorgaben macht und auch zu langsam auf veränderte Marktentwicklungen reagiert.

    Ich bin aber der Überzeugung, dass man sehr klar zwischen Bürobauten und Wohnungsbauten unterscheiden muss, die Marktlage ist hier einfach eine völlig andere. Und genau das ist vielleicht das spezielle Frankfurter Problem: wenn man Mischnutzungen verlangt, dann lässt sich das bei solch unterschiedlichen Marklagen für Investoren einfach nur sehr schwer darstellen und hält sie deswegen womöglich von der Investition ab.

    Bei Büros hat sich seit Corona die vorher nicht absehbare Entwicklung zu einem viel größeren Anteil an Homeoffice ergeben. Unternehmen kalkulieren heute nicht mehr mit einem Verhältnis Büroarbeitsplätze zu Arbeitnehmern von 100 % wie das noch 2019 der Fall war, sondern inzwischen mit einem Verhältnis von 75, 66 oder 60 %. Viele Unternehmen haben das enorme Einsparpotential erkannt und wollen demzufolge Büroflächen abgeben. Da Mietverträge jedoch häufig langfristig sind und nicht selten 10, 15 oder gar 20 Jahre laufen, wird das erst nach und nach voll durchschlagen. Ergebnis wird sein, dass die Unternehmen die alten Mietverträge nicht verlängern und sich nach neuen, natürlich moderneren Büroflächen umsehen. Das bietet einerseits enormes Potential für Investoren, da der Bedarf an hochwertigen Flächen wachsen wird und zwar in stärkerem Maß, als das ohne diese Entwicklung der Fall gewesen wäre, da zuvor einfach viel mehr Mietverträge verlängert worden wären. Gleichzeitig wird aber der Bedarf insgesamt zurückgehen, das heißt die alten, nicht mehr zeitgemäßen Flächen am unteren Ende der Qualitätsskala müssen zwangläufig verschwinden und zwar in größerem Maßstab, als am anderen Ende der Skala neue, hochwertige Flächen entstehen. Wenn mehr gebaut werden soll, heißt dass somit, dass noch mehr alte Flächen zurück gebaut oder in Wohnflächen umgewandelt werden müssen. Für Investoren stellt sich dann die Frage, wo die größere Rendite zu erzielen ist - durch Modernisierung vorhandener Flächen oder durch Neubau. Trotzdem bleibt das Problem, dass der Markt nicht mehr wächst, sondern im Gegenteil stagniert oder sogar zurückgeht; es geht somit nicht mehr um die Frage, wie und wo neue Flächen zu schaffen sind, sondern nur noch darum, wie die Transformation von viel Fläche mit niedriger oder mittler Qualität zu weniger Fläche mit höherer Qualität gelingt. Und genau diese Entwicklung muss die Stadt steuern, nämlich indem sie Anreize schafft, möglichst viel alte, minderwertige Fläche "loszuwerden" um den Bedarf an hochwertigem Zubau zu erhöhen. Das bietet im Übrigen auch enormes Potential für die Stadtentwicklung, da sich der Einflussbereich der Stadt nicht mehr nur auf neue Flächen beschränkt, sondern nun plötzlich auch den Rückbau von für das Stadtbild weniger attraktiven Gebäuden steuern kann.

    Beim Wohnungsbau ist die Situation dagegen eine völlig andere. Wohnflächen werden dringend benötigt und im Prinzip in allen Preisklassen, trickle-down hin oder her. Für jede Wohnung, die nicht vollkommen überteuert ist, wird sich ein Käufer finden. Die Frage ist nur, ob sich auch ein Investor findet, diese Wohnungen zu bauen. Das heißt, im Wohnungsbau gibt es kein Nachfrageproblem, sondern ausschließlich ein Angebotsproblem - im Bürobau ist es dagegen genau umgekehrt. Das heißt, im Wohnungsbau ist ausschließlich die Frage zu beantworten, wie man diesen für Investoren wieder attraktiv gestalten kann und Mietendeckel oder angedrohte Enteignungen sind da sicher das letzte Mittel. Da man Mieten und damit die Einnahmeseite der Investoren aber nicht unendlich erhöhen kann, muss man zusehen, dass die Ausgabeseite für die Investoren sinkt, also das Bauen wieder billiger wird. Das ist ja auch hinlänglich bekannt und kein spezielles Frankfurter Problem, aber die Politik tut sich leider sehr schwer damit, dies auch umzusetzen. Es wird zwar versucht, Genehmigungsprozesse zu vereinfach und zu verschlanken, der enorme Umfang an Bauvorschriften, die das Bauen immer teurer machen, wird dagegen aber nicht wirklich verringert. Hier muss dringend etwas geschehen, allerdings kann das nicht oder nur in geringem Umfang auf Frankfurter Lokalebene geschehen.

    Für ein großes Problem halte ich auch den über allem stehenden Mieterschutz in Deutschland. Für einen Vermieter ist es heutzutage praktisch unmöglich, einem Mieter zu kündigen. Die einzige Krücke ist die Eigenbedarfskündigung, die aber für Investoren nicht in Frage kommt und auch für private Vermieter praktisch auch nur dann, wenn der Eigenbedarf tatsächlich besteht. Gleichzeitig ist die Möglichkeit zur Mieterhöhung sehr stark eingeschränkt und abhängig vom Mietspiegel, der sich am Durchschnittswert aller Mieten orientiert. Das hat in den letzten Jahrzehnen dazu geführt, dass sehr langzeitige Mieter relativ wenig Miete zahlen und bei Neuvermietungen sehr hohe Mieten verlangt werden, was einen Umzug sehr unattraktiv macht. Das hat uns letztendlich in die heutige Situation geführt, dass der Mietmarkt praktisch tot ist. Wohnungen werden kaum noch angeboten, weil niemand mehr auszieht, und wenn sie angeboten werden, dann ist die Nachfrage enorm hoch und die verlangte Miete für Viele unbezahlbar. Diese Freiheitsbeschränkung des Vermieters auf sein Eigentum - den alten Mieter mit geringer Miete kriegt er nicht raus und die Miete kann er praktisch nicht erhöhen - hat den Wohnungsbau für private Investoren vollkommen unattraktiv gemacht (ich will gar nicht wissen, wie viele tausende Wohnungen in Deutschland leer stehen, weil der Hausbesitzer keine Lust auf Mieter hat). Aber auch für Investoren ist das unattraktiv, da die Steigerung der Mieteinnahmen nicht mit der Steigerung der Baukosten mithalten kann. In den Statistiken werden ja immer nur die Neuvermietungen berücksichtigt, bei denen die Mieten immer - und zwar sehr deutlich - steigen. Ich weiß es nicht, aber ich gehe stark davon aus, dass bei Gesamtbetrachtung aller Mieten die Kurve der Mieten geringer ansteigt als die Kurve der Baukosten und das macht Wohnungsbau in Deutschland eben unattraktiv. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, wäre, eine Vermieterkündigung ohne Grund wieder zuzulassen, gerne mit sehr viel längeren Kündigungsfristen als umgekehrt. Leider traut sich die Politik das aber nicht und das ist natürlich auch verständlich, weil das (zumindest zunächst) enorme und nicht absehbare soziale Auswirkungen hätte. Im Ergebnis würde langfristigen Mietern mit geringen Mieten aber auf kurz oder lang gekündigt werden, damit würden viel mehr (dann frisch renovierte) Wohnungen auf dem Markt landen, wodurch wiederum das Angebot steigt und die Nachfrage pro Wohnung sinkt, wodurch perspektivisch die Neuvermietungsmieten sinken. Insgesamt würden die Mieten somit ausnivelliert, das heißt, sie würden sich überall auf einem einigermaßen gleichmäßigen Niveau einpendeln, der zwar über dem heutigen Mietdurchschnitt liegt, der Markt wäre jedoch wieder belebt, es wären wieder Wohnungen auf dem Markt und wenn ich umziehe, dann weiß ich, dass ich zu einem ähnlichen Preis etwas vergleichbares finden werde. Das funktioniert in anderen Ländern auch einwandfrei. In den USA oder UK etwa gibt es Internetseiten, auf denen man sich den Kaufpreis jedes beliebigen Hauses anschauen kann und nebeneinander liegende Häuser mit ähnlicher Ausstattung kosten praktisch genau dasselbe. Es gibt dort einen enormen Markt und man kann sich praktisch vor dem Rechner aussuchen, wo man gerne einziehen möchte. In Deutschland ist das praktisch unmöglich. Freier und bezahlbarer Wohnraum ist praktisch nicht vorhanden und das ist einfach nicht länger hinnehmbar. Hier muss die Politik dringend an die Strukturen ran und meiner Ansicht nach ist hier wahrscheinlich der beste Weg, den eingefrorenen Wohnungsmarkt wieder zu öffnen, etwa indem man den Mieterschutz lockert. Das schafft zwar soziale Härten, aber dann würde endlich wieder Wohnraum entstehen, was für alle attraktiver ist, auch in Form von Wohnhochhäusern wie in Rotterdam. In Frankfurt unter den gegenwärtigen Verhältnissen aber leider nicht.

  • Deiner Analyse des Büromarktes und insbesondere der Trennung zwischen modernen Spitzenflächen und zunehmend schwer vermittelbaren Beständen kann ich recht gut folgen. Auch der Hinweis, dass starre Mischnutzungsvorgaben bei völlig unterschiedlichen Teilmärkten Projekte zusätzlich erschweren können, ist berechtigt. Das deckt sich im Kern allerdings mit dem, was ich bereits geschrieben habe.

    Beim Mieterschutz ziehst du meines Erachtens jedoch eine völlig falsche Schlussfolgerung. Eine grundlose Kündigung durch den Vermieter schafft keine einzige zusätzliche Wohnung. Sie ersetzt lediglich einen bestehenden Mieter durch einen neuen, in aller Regel und in der Praxis wohl mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu einer deutlich höheren Miete. Das erhöht die unfreiwillige Fluktuation, aber nicht das Wohnungsangebot. Vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen würden dadurch ihre Wohnungen verlieren und auf einem ohnehin überteuerten Markt kaum noch Ersatz finden.

    Auch der Vergleich mit den USA oder Großbritannien überzeugt mich nicht. Ein schwächerer Mieterschutz hat dort keineswegs zu allgemein bezahlbarem Wohnraum geführt. Nach offiziellen Angaben des US-Wohnungsministeriums waren Anfang 2025 rund 745.652 Menschen ohne feste Unterkunft. Etwa 266.320 von ihnen lebten vollständig ohne Schutzraum, also direkt auf der Straße, in Zelten, Lagern oder Autos. Als zentrale Ursachen nennen US-Behörden stark gestiegene Mieten, den akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum und zu niedrige Einkommen. Dieses Modell als Beleg für einen funktionierenden Wohnungsmarkt anzuführen, halte ich deshalb für ausgesprochen gewagt. Dass Kaufpreise transparenter sind oder Wohnungen häufiger den Nutzer wechseln, sagt noch lange nichts darüber aus, ob sich normale Menschen diese Wohnungen auch leisten können.

    Quellen: https://www.hud.gov/news/hud-no-26-037, https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/23780231251338651 und: https://www.usich.gov/guidance-reports-data/data-trends

    Bei den Baukosten, den Genehmigungsverfahren und der notwendigen Flexibilität der Stadt bin ich bei dir. Das Wohnungsproblem aber dadurch lösen zu wollen, dass vertragstreue Mieter leichter aus ihren Wohnungen gekündigt werden können, halte ich für sozial absolut falsch und wirtschaftlich nicht schlüssig.

    Ich würde allerdings darum bitten, die allgemeine Debatte über Mietrecht und den normalen Wohnungsmarkt an dieser Stelle nicht weiter auszuweiten und wieder zu den Hochhäusern und Großprojekten zurückzukehren. Genau darum geht es in diesem Spekulationsthread. Danke!

  • Warum sollte es Frankfurt anders gehen als dem Rest des Landes. Deutschlands Wirtschaft steckt in der mit Abstand tiefsten Krise seit Ende des zweiten Weltkriegs. Durch Bürokratie, Steuern, die völlig desaströse Energiepolitik und die daraus resultierenden Energiepreise, etc wird systematisch die Wirtschaft und vor Allem auch mit der Industrie die Basis des gesamten deutschen Wohlstands abgewürgt bzw außer Landes gejagt. Und das einzige was der Regierung in Berlin (und der Kommission in Brüssel) einfällt sind noch mehr Schulden, noch mehr Steuern und schwachsinnige Regulierungen damit Herr Kliingbeil weiter seine linken Wohlfühlprojekte finanzieren kann. Bei bahnbrechenden Entwicklungen wie KI snd wir nichtmal mehr Zaungast, aber ergötzen uns in Regulierungsfantasien... Dass diese Situation auch im für den Frankfurter Hochhausbau wichtigen tertiären Sektor ebenfalls nicht für Grund zu Optimismus sorgt, erklärt sich von selbst. Ähnliches Trauerspiel ja am Frankfurter Flughafen: fast alle Konkurrenten haben längst wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreicht, Frankfurt dagegen hängt fehlen weiterhin gut 10 Milionen Passagiere. Langstrecken verschwinden eher als dass neue hinzukommen.

    Es ist schade, aber die Mehrheiit der Wähler wollten dass ja ganz offensichtlich so. Jeder der mal seinen eigenen Kopf benutzt hat wusste schon lange vorher dass bei den Sonderschulden nichts positives bei rumkommen wird, und dass eine Regierung mit dem ideologisch komplett in antideutschen Sozialismus abgedriften Haufen der heutzutage die SPD darstellt, niemals das wirtschaftliche Siechtum beenden können wird, sondern nur die wenigen verbliebenen Leistungsträger noch weiter ausplündert, bis auch diese entnervt das Land verlassen. Aber auch die CDU gibt sich nach außen hin zwar gerne wirtschaftsfreundlich, aber dass Wirtschaft keine "Förderungen" braucht sondern am besten dann funktioniert wenn der Staat sich raushält, wird in den noch verbliebenen Köpfen dieser Partei wohl nie mehr ankommen.

    Frankfurter Stadtpolitik hat natürlich auch eine große Mitschuld an der Situation ganhz konkret in Ffm. Die Starrheit des Planungsdezernants bei den Vorgaben wurde ja schon angesprochen. Da hatten wir in der Vergangenheit ganz andere Planungsdezernenten, die deutlich pragmatischer waren und damt der Stadt tatsächlich weitergeholfen hatten. Fürs Millenium-Areal sollte das Erreichen der 300m Marke (viel mehr als diese 300 Meter würde skylinetechnisch gar nicht so prickelnd sein, aber mit ordentlicher Verjüngung würden 300-310 Meter auf jeden Fall positiv wirken, und es ist nunmal der einzige 300m-Bauplatz in der Stadt) auf jeden Fall Vorgabe sein, weniger sollte auf keinen Fall akzeptiert werden.

    Wohnhochhäuser dagegen sehe ich keineswegs als der Allesretter zu dem sie von manchen hier stilisiert werden. Sie funktionieren nachweislich nur im Hochpreissegment, und auch das nur als Teil der beiden schon existierenden Cluster. Sinnfrei über die Stadt vertelte Hochhäuser, noch dazu "sozial durchmischt" (bedeutet in der Praxs dass mehr oder weniger schnell sich dort nur noch Sozialfälle ballen werden) - davon haben fast alle deutschen Städte nun wirklich schon mehr als genug mahnende Beispiele vA aus den 70er Jahren. Natürlich hat das Stadtbild immer oberste Priorität zu haben. Gerade Frankfurt hat da sowieso noch extrem viel Nachholbedarf. Wohnraum schafft man mehr und besser durch vernünftigen Städtebau so wie man ihn in den nicht ohne Grund so beliebten Gründerzeitquartieren betrieben hatte. Karl Richter glaube ich war es der in den letzten Jahren wirklich etliche hervorragende Ideen aufs Tablett gebracht hatte wie man recht qualitätvoll auf bereits mehr oder weniger bebauten Arealen neue Stadtteile mit zigtausenden Wohnungen errichten kann (Rebstock+Römerhof, Mainwasen, etc). Aber wir sehen ja was für einen unglaublich enttäuschenden Verlauf allein der mit nicht zu unrecht viel Vorschusslorbeeren gestartete Römerhof genommen hat.

  • Man darf nicht alles auf eine vermeintliche Krise der Wirtschaft schieben - gerade Büroflächen werden heut deutlich weniger nachgefragt, weil ein großer Teil der Mitarbeiter weiterhin zumindest einen Teil der Arbeitszeit im Homeoffice verbringt und die Firmen die feste Schreibtischzuordnung aufgegeben haben, so dass daraus tatsächlich geringerer Flächenbedarf resultiert.

    Wir haben eine (von der Branche selbst verursachte) Krise, deren Zentrum die Autoindustrie bildet, die mit einem BIP-Anteil von noch 18% in 2018 natürlich massive Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfung hat - außerhalb dieses Bereichs gibt es tatsächlich Wachstum, das aber wenig gegen den direkten Sog des sinkenden Schiffs tun kann.

    Träume von neuen (Büro-)Hochhäusern müssen wir, wenn wir die Bedarfsentwicklung verfolgen, noch für einige Jahre zurückstellen.

    Und Wohnungen müssen im Schwerpunkt über Nachverdichtung entstehen - mein Musterbeispiel ist Paris über die letzten 15 Jahre - so dass bestehende Infrastruktur, ggf. nach Optimierung, genutzt werden kann. Wenn man entscheidet, Siedlungsbau auf der (noch) grünen Wiese zu betreiben, muss ÖPN-Verkehrsinfrastruktur so umgesetzt werden, dass sie mit Bezug der Wohnungen verfügbar ist.

  • Mir scheint bei dem hier ausgebreiteten Szenario die Rolle der Planungspolitik über- und die der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterschätzt zu werden. Zinssteigerungen, gestiegene Baukosten, höhere Risikoeinstufung von Immobilienfinanzierungen, attraktivere andere Anlageklassen und Standorte, wirtschaftliche Unsicherheit bei den potenziellen Mietern: Das kann man auch mit einer maximal investorenfreundlichen Planungspolitik nicht ausgleichen.

    In das für den Frankfurter CBD üblichen und hier anscheinend ästhetisch als erstrebenswert bewerteten Kaliber von Hochhäusern investiert niemand, weil er Spaß daran hat, dass Hochhäuser gebaut werden. Da geht es um den Spread zu Staatsanleihen und um die Diversifizierung des Portfolios. Da sagt niemand in den USA oder Ostasien "Hochhaus in Frankfurt", sondern höchstens "Immobilie in Europa". Deren Investmentberater schauen dann auf die Marktdaten und werden sich derzeit eher für ein Objekt in Spanien entscheiden, wo die Wirtschaft boomt und im schlimmsten Fall auch keine russischen Raketen einschlagen werden. Wahrscheinlich werden die Entscheidungen irgendwann auch wieder anders ausfallen, aber derzeit sieht der Rahmen nun mal so aus.

    Weil relativ viel über die Bundesbank geschrieben wurde: Da scheint mir der zähe Prozess eher in der Bank selbst begründet zu sein. Ich habe mich urlaubszeitbedingt letztmals vor zwei oder drei Monaten intensiver mit Marktbeobachtern über das Thema unterhalten. Da hieß es, dass die gesamte Standortsuche deshalb feststecke, weil aus der Bundesbank keine ausreichend konkreten Kriterien für den neuen Sitz genannt würden bzw. noch nicht mal ein Zeitpunkt in Aussicht gestellt werde, zu dem man denn mit ausreichend konkreten Suchkriterien an den Markt gehen möchte.

  • Volker Thies


    Ich glaube, hier entsteht ein Gegensatz, den ich so gar nicht aufgemacht habe. Dass Zinsen, Baukosten, restriktivere Finanzierungen, wirtschaftliche Unsicherheit und konkurrierende Anlageklassen derzeit die wesentlichen Ursachen der Krise sind, habe ich in meinen Beiträgen ausführlich beschrieben. Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass das Planungsdezernat diese Entwicklung allein verursacht oder mit einer "maximal investorenfreundlichen“ Politik vollständig ausgleichen könnte.

    Mein Punkt ist ein anderer: In einer ohnehin extrem schwierigen Marktlage verschärfen starre Vorgaben, lange Verfahren und eine geringe Bereitschaft zur Nachjustierung das Problem zusätzlich. Planungspolitik ist nicht die alleinige Ursache. Sie kann aber sehr wohl darüber entscheiden, ob ein knapp kalkuliertes Projekt noch realisierbar bleibt oder endgültig kippt. Hinweis: Polizeipräsidium.

    Gerade dein Hinweis auf den "Spread" zu Staatsanleihen bestätigt das meines Erachtens sogar. Wenn Investoren Risiken und mögliche Renditen vergleichen, gehören Planungssicherheit, Verfahrensdauer, Nutzungsvorgaben und die Flexibilität einer Kommune selbstverständlich zur Kalkulation. Ein Investor mag zunächst Kapital für "Immobilien in Europa“ vorsehen. Am Ende investiert er aber trotzdem in eine konkrete Stadt, auf einem konkreten Grundstück und unter sehr konkreten politischen Bedingungen. Dass Spanien derzeit wirtschaftlich attraktiver erscheinen kann, ist sicherlich ein Teil der Wahrheit. Daraus folgt für mich aber nicht, dass Frankfurt die eigenen Rahmenbedingungen einfach als bedeutungslos betrachten sollte. Im Gegenteil: Wenn das Kapital ohnehin zurückhaltender geworden ist, müsste die Stadt umso genauer prüfen, welche Vorgaben unverzichtbar sind und an welchen Stellen man beweglicher werden muss.

    Deine Information zur Bundesbank finde ich interessant. Sollte der Prozess tatsächlich vor allem deshalb stocken, weil die Bank selbst noch keine belastbaren Suchkriterien formuliert hat, wäre das eine wichtige, uns bisher nicht bekannte Ergänzung. Es widerspricht aber nicht der Frage, wie Frankfurt reagieren wird, sobald ein konkreter Flächenbedarf und ein bestimmter Standort auf dem Tisch liegen. Genau dann wird sich zeigen, ob etwa beim GA8 eine Anpassung von Nutzung, Fläche oder Höhe möglich wäre. Ich überschätze die Rolle der Planungspolitik daher nicht. Ich halte es nur für ebenso falsch, sie praktisch aus der Verantwortung zu nehmen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erklären, warum derzeit wenig gebaut wird. Sie erklären nicht, warum Frankfurt zusätzlich Bedingungen schaffen sollte, die aus schwierigen Projekten unmögliche machen.

    Und genau deshalb macht mir die Entwicklung inzwischen ernsthaft Sorgen. Es geht längst nicht mehr nur um die Frage, ob einzelne Projekte wie Gloria, GA8 oder das Millennium Tower Projekt einige Jahre später kommen. Ich frage mich mittlerweile, ob wir in Frankfurt überhaupt noch Hochhausbau in dem Maßstab erleben werden, den wir über Jahrzehnte gewohnt waren.

    Natürlich ist jedes neue Hochhaus für sich noch kein Beweis wirtschaftlicher Stärke. In Frankfurt war eine rege Hochhausentwicklung aber immer auch ein sichtbares Zeichen von Prosperität, Investitionsbereitschaft und Vertrauen in den Standort. Wenn über Jahre keine neuen Großprojekte mehr beginnen, ist das deshalb mehr als eine Pause für die Skyline. Es wäre ein ziemlich deutliches Signal dafür, dass die Stadt wirtschaftlich an Dynamik und internationaler Anziehungskraft verliert. Genau diese Gefahr darf man nicht unterschätzen.

  • Rohne

    Einige deiner wirtschaftlichen Sorgen teile ich durchaus. Deutschland hat erhebliche strukturelle Probleme bei Energiepreisen, Bürokratie, Investitionen und internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die Behauptung, wir befänden uns in der mit Abstand tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, halte ich dennoch für maßlos überzogen. Die Einbrüche von 2009 und 2020 waren meiner Meinung nach deutlich heftiger.

    Auch beim Flughafen sollte man präzise bleiben. Der Rückstand gegenüber 2019 ist erheblich, aber kleiner als die von dir genannten zehn Millionen Passagiere. Und bei KI ist Deutschland sicher kein Spitzenreiter, deshalb aber noch lange nicht bloß „Zaungast“. Das Problem liegt eher darin, Forschung schneller in marktfähige Unternehmen und Anwendungen zu übersetzen. Unsere großen Chancen liegen gerade bei Schlüsseltechnologien wie Halbleitern, Chipproduktion und erneuerbaren Energien und E-Mobilität mit den typisch deutschen Qualitätsmerkmalen mit denen Deutschland ja global bekannt wurde. Mit "Gas-Kathi“ und der erneuten Fixierung auf fossile Energieträger dürfte daraus allerdings wenig werden.

    Bei der Frankfurter Planungspolitik und beim Millennium-Areal sind wir uns einig. Dieser Standort sollte nicht für einen weiteren Turm um 200 Meter geopfert werden. Ein Hochhaus um 300 Meter hätte für die Skyline eine völlig andere Bedeutung und Strahlkraft. Bei Wohnhochhäusern widerspreche ich allerdings klar. Sie funktionieren nicht zwangsläufig nur als Luxusprojekte, und soziale Mischung führt auch nicht automatisch zu einem Brennpunkt. Andere europäische Städte zeigen, dass hohe Dichte mit geförderten und mittelpreisigen Wohnungen verbunden werden kann. Da sind aber eben veränderte planungspolitische Vorgaben gefragt und einmal Mut zur Innovation.

    Aber lieber Rohne:

    Formulierungen wie "antideutscher Sozialismus“, "Ausplünderung der Leistungsträger“ oder die Behauptung, die Wähler hätten den "Niedergang gewollt", helfen bei der Analyse wenig. Man kann Bundesregierung, EU und Frankfurter Stadtpolitik hart kritisieren. Mache ich ja auch. Aber politische Kampfbegriffe erklären nicht, weshalb Gloria, GA8, Millennium, NION oder KAIA weiterhin nicht gebaut werden.


    @all:

    Nachdem wir die wesentlichen Ursachen inzwischen ziemlich klar benannt haben: Seht ihr ernsthaft Potenzial für den Baustart eines bedeutenden Hochhauses innerhalb der nächsten zwei Jahre? Ich bezweifle es inzwischen stark. Und falls doch: Welches Projekt könnte es sein?

  • Ich möchte mich nur kurz auf Adamas Anfang beziehen. Die beschriebenen Sorgen habe ich auch, aber ich vergleiche den Gloriaturm mit dem Taunusturm. Der sollte erst gebaut werden, war schon angekündigt und dann wurde das alles eingestampft. Nur um dann kurze Zeit später zu verkünden "wir bauen doch". Da sehe ich auf jeden Fall noch eine Chance. Auch wenn ich mir die fehlende Erwähnung auf der Homepage des Architekturbüros nicht erklären kann. Ich glaube auch, dass die Commerzbank langfristig in ihrem Turm bleibt. Er ist imageprägend für das Geldhaus und ich glaube in der Tat, dass sie andere Standorte einfach nur im CBT konzentrieren wollen. Denn manche Standorte, z.B. an der Mainzer Landstraße, sind einem DAX Konzern nicht würdig, wie ich finde.
    Ich bin wirklich kein Wirtschaftsexperte, aber ich glaube schon, dass es erst wieder bergauf gehen muss, damit wieder mehr passiert am Immobilienmarkt. Aber wann das sein wird, kann ich nicht mal in Ansätzen einschätzen. Ich meine aber irgendwo (ich glaube im Tagesspiegel) vor ein paar Tagen gelesen zu haben, dass der Geschäftsklimaindex wieder nach oben zeigt (vorsichtig).

  • Große Zweifel habe ich daran, dass ein neues Hochhausprojekt in den nächsten 2 oder mehr Jahren startet. Das hat aber in meinen Augen nichts oder nur wenig mit der Frankfurter Planungs-Politik zu tun sondern ist der, ich sage mal, allgemeinen deutschen Lethargie geschuldet. Warum das so ist, vieles hat Adama ab #474 erwähnt. Um die Lethargie zu untermauern mal Vergleiche mit meiner Heimatstadt Friedrichsdorf, von der ja einige Projekte auch hier im Forum dokumentiert sind.

    Die Stadt liegt nördlich von Frankfurt im Speckgürtel, hat Bebauungspläne erstellt und ein paar Neubaugebiete für Wohnungsbau die entweder in der Hälfte seit wenigen Jahren stecken blieben wie die Ökosiedlung oder auch gar nicht mehr vom Fleck kommen (Philipps Quartier, alter Güterbahnhof und Goers Gelände). Das neue Gewerbegebiet, in dem das Taunus Lab groß geplant war ist mittlerweile auch nur noch vergeudete Ackerfläche von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Nachbarstadt Bad Homburg, da ist es mit den Arealen des alten Krankenhauses oder am Marienbader Platz nicht besser. Die Gründe mögen verschiedene sein, aber der Wohnungsbaunotstand als solcher reicht nirgends aus zu bauen.

    Somit zurück zu den Hochhäusern um die es geht. Wenn der Optimismus fehlt wird einfach nicht gebaut. Es gab Zeiten, da wurde z.B. der St. Martin Tower komplett ohne Vorvermietung errichtet. Beim aktuell im Bau befindlichen CBT waren es mit Sicherheit bereits gut laufende Gespräche mit der Commerzbank die zum Baustart beigetragen haben. Wurde hier in dem Zusammenhang ja auch schon erwähnt, dass die Commerzbank die meisten außerhalb des Commerzbankturms liegenden Standorte im CBT zusammenziehen will. Hier gab es ein gutes Match, wie die Nutzung des Altbaus für die Filiale in der Junghofstraße als auch den CBT Turm selbst für die Konsolidierung. Man darf sich hier fragen, was wäre gewesen wenn die UniCredit mit der angestrebten Übernahme früher losgelegt hätte oder schlimmer noch, was passiert nach erfolgter Übernahme (aber dann steht der Turm bereits).

    Dann nochmal etwas Politisches. Die Hoffnungen, die mit der aktuellen Bundesregierung gehegt wurden sind im Keim erstickt worden. Bürokratieabbau, zu jeder Wahl ein Thema, wieder im Rohr krepiert. Gesetzesänderungen um den Wohnungsbau zu beschleunigen mit Vereinfachungen bei Wärmedämmung, Heizungen, Vorgaben etc. etc. alles Fehlanzeige. Das Wort Fachkräftemangel lähmt nur noch dabei werden fast wöchentlich hunderte Fachkräfte freigesetzt in den Unternehmen. Personalnebenkosten und die Alterspyramide, nur noch lähmende Themen. Das alles führt zu der eingangs von mir gemeinten Lethargie die sich dann auch im Bausektor wiederfindet. Alles sehr komplex, seit 20 Jahren gewachsen bzw. seit 20 Jahren auch sträflich vernachlässigt wie der Erhalt der Infrastruktur.

    Ach ja, da war noch die Frage welches Hochhaus als nächstes folgt. Pessimistisch gesehen wäre es ein Hochhaus auf dem alten Sparkassengelände der Neuen Mainzer Straße im Zusammenspiel mit Schauspielhaus und Oper.

  • Adama: 2009 war eine ganz normale Krise wie man sie immer hat wenn eine Blase platzt. Die wirtschaftliche Substanz des Landes war aber nach wie vor vorhanden, die Rahmenbedingungen zwar weit entfernt von optimal aber immer noch erträglich, vor Allem durch die Reformen von Schröders Agenda 2010 (schon paradox dass jemand aus der SPD diese dringend nötigen Reformen durchgezogen und sogar seine eigene politische Karriere dafür geopfert hat, in der CDU wusste man zwar um die Notwendigkeit aber niemand hätte sich dort dazu getraut). Entsprechend war die Krise nur kurz, und es gab bald darauf wieder einen deutlichen Aufschwung. In den Merkel-Jahren hat man aber ausschließlich von der Substanz gelebt. Null weitere Reformen, eher sogar Maßnahmen zurückgenommen und unzählige katastrophale Fehlentscheidungen. Und jetzt haben wir den Salat: seit 2020 praktisch gar kein Wachstum mehr, fast jedes Jahr in der Rezession, die wenigen Jahre seitdem wo es überhaupt mal ein leichtes Wachstum gab, blieb es trotzdem deutlich unter der Inflation und war vor Allem durch den immer weiter ausufernden Staatskonsum getrieben, wohingegen die Realwirtschaft kein einziges Mal mehr wieder zugelegt hat. Die Anzahl der Insolvenzen ist durchgängig auf Rekordhoch, kaum ein Tag vergeht ohne neue Nachrichten von Massenentlassungen deutscher Unternehmen. Besonders die Basis für den deutschen Wohlstand, nämlich die Industrie, steckt in einer nie dagewesenen - fast ausschließlich durch die Politik verursachten - Krise und die industrielle Substanz wird durch das "grüne Wirtschaftswunder" immer weiter und immer schneller zerstört bzw ins Ausland vertrieben.

    Und die Zahl deutscher Auswanderer erreicht seit 2015 jedes Jahr einen neuen Allzeitrekord und befindet sich bei mittlerweile ca 300000 im Jahr - so ziemlich aus den gleichen Gründen aus denen auch so gut wie keine tatsächlichen ausländischen Fachkräfte mehr nach Deutschland kommen: Bürokratie, Steuern, Neidgesellschaft, schlechte Zukunftsaussichten. Leistung lohnt sich in diesem Land einfach nicht mehr, und wenn man die Ideen der Regierungsparteien sich anhört soll das sogar noch weiter auf die Spiitze getrieben werden.

    Und erneuerbare Energien, sorry, welchen Blumentopf soll man damit gewinnen? Wir brauchen zuverlässigen Strom, der dann verfügbar ist wenn er gebraucht wird, und nicht dann wenn grade die Sonne scheint und der Wind weht! Speichermöglichkeiten allein um schon über die Schwankungen auch nur eines ganz normalen Tages zu kommen gibt es nicht, und wird es auch in absehbarer Zukunft allein schon aus physikaliischen Gründen schlicht nicht geben können. Wir bräuchten einen zweiten Bodensee in mehreren hundert Metern Höhe um mit Wind+Sonne+Speichern auszukommen. Und dann wollen diese Politiker ja auch noch den Straßenverkehr ohne Grund elektrifiizieren anstatt sowas allein und ohne Vorgaben den Markt regeln zu lassen, was den Strombedarf sogar nochmal vervielfachen würde.


    Und wenn man sich das anhört was aus Reihen der Parteispitze der SPD und allen potenziellen Nachfolgern kommt, dann sind Sozialisum und antideutsch nunmal leider die einzig passenden Begriffe.

  • Auf diese politische Generalabrechnung habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Dein Beitrag entfernt sich so weit vom eigentlichen Thema, dass von einer Diskussion über Frankfurter Hochhausprojekte kaum noch etwas übrig bleibt.

    Du springst von Agenda 2010 über Merkel, Auswanderung und Energiepolitik bis zum angeblich "antideutschen Sozialismus“. Das ist keine ordentlich Analyse der Frankfurter Situation mehr, sondern eine ideologisch aufgeladene Niedergangserzählung. Reale Probleme werden mit Übertreibungen, Kampfbegriffen und pauschalen Schuldzuweisungen vermischt.

    Man kann Energiepreise, Bürokratie und wirtschaftspolitische Fehler hart kritisieren. Aber Begriffe wie "antideutsch“ bringen uns bei GA8, Gloria, Millennium, NION oder KAIA keinen Schritt weiter. Auch ein sehr langer Beitrag wird dadurch nicht fundierter.

    Hier geht es um Frankfurter Hochhäuser und Grossprojekte, ihre wirtschaftlichen und planerischen Rahmenbedingungen sowie ihre Realisierungschancen. Dabei sollten wir jetzt bitte wieder bleiben.


    Und bitte fahre generell wieder etwas herunter, nicht nur hier, sondern auch in anderen Themen. Du nutzt inzwischen auffallend viele Diskussionen für dieselbe rechte politische Generalabrechnung, unabhängig davon, worum es im jeweiligen Thread eigentlich geht. Sorry to say. Irgendwann stellt sich schon die Frage, ob ein Architekturforum für solche ideologisch aufgeladenen Dauermonologe noch der richtige Ort ist, weil du damit am Ende ganzen Themen schadest und jede sachliche Diskussion verdrängst.

  • Also, ich sehe bei Rohnes Beiträgen ausschliesslich sachliche Argumente. Aber wenn die von den falschen politischen Richtungen kommen, werden sie mal grundlos als unsachlich deklariert und vom eigentlichen Thema abschweifend..

    Auch für mich ist, insbesondere die deutsche Politik, im kleineren Rahmen EU- und Stadtpolitik, DER Grund, warum sich wenig bis nichts in Sachen Wolkenkratzer bewegt ( wurde eigentlich alles schon gesagt, deshalb hier nur in Stichpunkten, wo uns die Politik der letzten 15 Jahre seit Fukushima ins Elend stürzte):

    -Klimawahn: komplett ausufernde Baukosten ohne persönlichen Ertrag

    -Atomausstieg ( und Kohle) : Strompreise explodieren

    -Arbeitskosten: immer höhere (Mindest-) Löhne und "Sozial"abgaben

    -Zwang: Die Kommune schreibt bis ins letzte vor, wie, was und wo ( gut, das macht noch halbwegs Sinn ) gebaut wird

    Unpolitische schwerwiegende Faktoren wie höhere Zinsen, gesättigtes Angebot und Stellenabbau machen die Situation nicht besser.

    Jetzt kann man das alles als "Schwarzmalerei" abtun oder von einer "angeblichen " Wirtschaftskrise in D. reden, aber die Zahlen der Vergangenheit und Gegenwart sind schwer zu leugnen. Fakten halt.

    Meine Prognose:

    An relevanten Hochhäusern höher 100m wird im Europaviertel in den nächsten 10 Jahren nix passieren. Bis 2030 wird Gloria in Angriff genommen, das wird´s gewesen sein

    Ich jedenfalls kann jeden potentiellen Investor verstehen, der derzeit nen großen Bogen um Ffm und D. macht! Ziel erreicht.

  • Was hier inzwischen offen zutage tritt, ist verstörend. "Klimawahn“, Deutschland sei "ins Elend gestürzt“, Mindestlöhne und Sozialabgaben als Übel: Das ist keine einfache Einordnung, sondern grenzt an politische Propaganda.

    Noch gruseliger ist, dass Rohnes Beiträge dabei ausdrücklich als ausschließlich sachlich verteidigt werden. Wer solche Tiraden für sachlich hält und jede Kritik daran bloß als Reaktion auf die "falsche politische Richtung“ abtut, zeigt ziemlich deutlich, welches Denken hier mittlerweile als normal durchgehen soll.


    Jetzt langt es!

    Ein Architekturforum ist kein Abladeplatz für rechte Untergangserzählungen. Und ich werde dies hier, als auch im echten Leben niemals akzeptieren.

    Besonders schade ist, wie ein eigentlich wichtiges und ja, auch Sommerlich füllendes Thema auf diese Weise zerstört wird. Die Krise des Hochhausbaus verdient eine ernsthafte, sachbezogene Diskussion und bietet dafür mehr als genug Stoff. Auf weitere ideologisch verbrämte Grundsatzdebatten dieser Art habe ich allerdings keine Lust mehr und bin somit leider raus.

  • Ich stimme deiner Analyse in vielen Punkten zu, Adama. Ich würde dem noch folgendes hinzufügen:

    Wir stagnieren beim inflationsbereinigten Bruttoinlandsprodukt seit 2019 in Deutschland. Wo soll also die Dynamik herkommen, um neue Büroflächen mit produktiven Arbeitnehmern zu bevölkern?

    Insgesamt sehe ich bis 2030 maximal ein neues Hochhaus, nämlich das Gloria. Der Rest wird erst kommen, wenn die Wirtschaft wieder nahhaltig anspringt, und das hat natürlich viel zu tun mit Reformen, Bürokratieabbau und den anderen Themen, die weiter oben schon von Dir und anderen angesprochen wurden.

  • Ist die Politik zum Großteil dafür verantwortlich dass aktuell keine Hochhäuser gebaut werden: Ja wahrscheinlich schon.

    Steht Deutschland vor dem Politischen Gesellschaftlichen Untergang: Sicherlich nicht. Auch wenn das viele gerne wahr haben würden. Ich denke davon könnten wir sprechen nach einer 8-12 Jährigen AfD Alleinregierung.

    Aber stand jetzt und auch wahrscheinlich in Zunkuft, bleibt Deutschland eines der Reichsten Länder der Welt, wo es sich mit Perspektive und relativ großer Sorglosigkeit leben lässt. Ein großteil der Weltbevölkerung schaut zu uns hoch. Viele Leute aus aller Welt kommen hier her zum Studieren, wollen sich hier ein Leben und eine Karriere aufbauen, weil sie sich in Deutschland und der EU mehr erhoffen. Und das sind Menschen denen es in ihrem eigenen Land auch gut geht.

    Also von wegen alles schlecht. Könnte es noch besser sein? Ja sicherlich. Haben wir immernoch eine der besten politischen Apparate und Regierungen der Welt. Ich würde sagen ja.

    Zum Hochhaus-Thema habe ich jetzt auch etwas den Faden verloren.

    Ich denke es wird sich in den nächsten 10 Jahren herausstellen wie es um uns steht. Die Welt entwickelt sich gerade schneller als es die meisten begreifen können. Viele merken, dass sich gerade alles wandelt. Auch investoren. Da hält man dann verständlicherweise erstmal die Füße still.

    Ich denke wenn sich herausstellt dass Europa auch in 10 Jahren oder 20 Jahren noch der Place to be sein wird. (Wovon ich persönlich stark ausgehe!) Auch mit KI und allem was noch kommt. Und wenn Europa seinen rechtsruck übersteht und danach auch Trump und Putin übersteht, werden Investoren auch gerne wieder selbstbewusst in Deutschland investieren.

    Das zumindest meine Ansicht aus Bundespolitischer und Globalpolitischer sicht. Weil das gerade Thema war.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ... “deshalb hier nur in Stichpunkten, wo uns die Politik der letzten 15 Jahre seit Fukushima ins Elend stürzte):

    -Klimawahn: komplett ausufernde Baukosten ohne persönlichen Ertrag

    -Atomausstieg ( und Kohle) : Strompreise explodieren

    -Arbeitskosten: immer höhere (Mindest-) Löhne und "Sozial"abgaben

    -Zwang: Die Kommune schreibt bis ins letzte vor, wie, was und wo ( gut, das macht noch halbwegs Sinn ) gebaut wird“ ...

    • Von Klimawahn zu reden, während die vom Menschen verursachte Erderwärmung bei einer überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler weltweit Konsens ist und gerade gefühlt halb Europa in Flammen steht, halte ich schon für ziemlich mutig bis ein wenig dreist.
    • Zum Thema mit dem Atomausstieg / Versorgungssicherheit: Aktuell werden Europaweit Meiler immer wieder wegen niedrigen Wasserständen (der „Klimawahn“ lässt auch hier grüßen) herunter gefahren. Die letzten Fälle waren das AKW Paks (Ungarn) diesen Monat und das AKW Cernavodă (Rumänien) gegen Ende Juli weil die Donau Rekord-Niedrigwasserstände hat. Aber auch in Frankreich werden bei anhaltenden Hitzewellen und niedrigen Flusspegeln (in Rhône oder Garonne) regelmäßig Meiler gedrosselt oder abgeschaltet. Versorgunssicher – my ass.
    • Die Mindestlöhne als Problem darzustellen ist ebenso fragwürdig – Menschen die Arbeiten sollten auch in der Lage sein davon zu leben. Der aktuelle Mindestlohn (gültig seit 1. Januar 2026) liegt bei lächerlichen 13,90 € brutto. Bei einer Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden liegt bei rund 173 bis 174 Stunden pro Monat. Ergo 174 Std. x 13,90 € = 2.418,60 abzüglich Lohnsteuer und Sozialabgaben bleiben davon schlanke 1.721,50 € / mtl. (trotz Vollzeitjob) – ich würde mal behaupten, das wird dann in einer Stadt wie Frankfurt schon mehr als knapp.
    • Zwänge beim Bauen: Ja, man kann über einige der Bauvorgaben ggf. streiten und da besteht sicher auch ein Optimierungsbedarf, aber viele der Vorgaben erfüllen ja auch einen Sinn – sorgen für Mindeststandards in Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Co.! Die Abschaffung von grundlegenden Regeln zu fordern (weil man persönlich einige für nicht so wichtig erachtet) und dann aber „first in line“ zu stehen und Gestaltungssatzung (hier kann es nur 'ne aufwändige und teure Reko geben!!!) zu schreien, wenn dann irgendwas gebaut wird, was dann nicht den eigenem ästhetischen Empfinden entspricht, ist halt auch nur bedingt glaubwürdig.

    2 Mal editiert, zuletzt von sweet_meat (6. August 2026 um 13:11) aus folgendem Grund: Vertipper entfernt. SRY!

  • Zurück zur inhaltlich-fachlichen Debatte:

    Die Niedrigzinsphase ist ja in Europa und den USA vorbei. Hat jemand einen Einblick wie der Entwicklungsstand/die Bautätigkeiten bzgl. Hochhäusern in diesen oder anderen Regionen ist? Ob es dort mehr Projekte gibt die deutlicher vorangetrieben werden?

    Daraus könnte man dann schon eher fundierte Rückschlüsse ziehen, ob es sich um ein deutsches bzw. frankfurterisches Phänomen handelt oder ob wir einfach aktuell in einer Zeit von weniger Bautätigkeit hinsichtlich Hochhäusern angekommen.


    Adama Vielen Dank für deine ausführliche Analyse.

  • Man muss ja dazu sagen, dass der Wolkenkratzer generell nie ein europäisches Phänomen war.

    Hier eine Übersicht wo in kontinental Europa gerade Hochhäuser über 190 Meter gebaut werden und deren Anzahl (Quelle Wikipedia)

    Frankfurt: 1
    Madrid: 4 + (1 in Benidorm)
    Athen: 2
    Tirana (Albanien): 3
    Sofia (Bulgarien): 1
    Pristina (Kosovo): 1

    Moskau: 48 + (1 in St.Petersburg)

    Auffallend ist dabei Moskau, Madrid und der Balkan.

    Die Liste gilt aber nur für Türme über 190 Meter. Ich bin mir sicher unter 190m passiert auch viel. Es ist also gewissermaßen nur die halbe Wahrheit.

    Interessant wäre jetzt zu sehen wie sich der Trend in den USA entwickelt bzgl. Hochhausbau.

    Am meisten Wolkenkratzer werden derzeit in Indien gebaut, gefolgt von China. (In Indien sind derzeit 760 Wolkenkratzer im Bau. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen.)

  • Nachdem ich mich auch auf skyscrapercity tummele...

    Außerhalb von New York, Miami und Toronto steppt in Nordamerika jetzt auch nicht gerade der Bär.

    In Chicago herrscht im direkten Vergleich eher eine Flaute, was von lokalen "Yimbys" bedauert wird.

    Gleichzeitig scheint Detroit den Turnaround geschafft zu haben, dort wird viel saniert und auch teilweise neu gebaut. Dauerhaften Niedergang kann man also sehr wohl auch umdrehen.

    In Asien geht die Party hauptsächlich im Nahen Osten, in China, Indien, Vietnam und Malaysia ab, während in Korea hauptsächlich Wohntürme gebaut werden, Japan bis auf The Torch auch kaum Bautätigkeit... Taiwan baut für seine Lage und Größe stabil vor sich hin...

    In Paris sträubt sich gerade der Hauptanteilseigner des Tour Montparnasse gegen die anstehende Generalsanierung und Aufstockung und neue Hochhausankündigungen sind mir in den letzten Monaten auch nicht mehr untergekommen...

    Rotterdam baut, aber auch da wurde es ruhiger, bzw. sind das ein oder andere Projekt über Visualisierungen auch nicht hinausgekommen...

    In München bekämpfen Lokalpolitiker unsere geplanten Zwillingstürme bis in die letzte Instanz...


    Ich denke nicht, dass Deutschland bezogen auf Hochhäuser in der westlichen Welt übermäßig schlecht da steht, aber die Zeiten waren auf jeden Fall schon mal rosiger.

  • Laut dieser Seite sind in Europa aktuell 13 Gebäude mit über 150 m im Bau:

    • Moskau: 3 (379 m, 240 m, 182 m)
    • London: 4 (178 m, 174 m, 153 m, 152 m),
    • Rotterdam: 2 (180 m, 158 m)
    • Athen: 2 (198 m, 197 m)
    • Frankfurt: 1 (CBT, 205 m)
    • Tirana: 1 (200 m)

    geplant sind darüber hinaus 25 (ab 200 m):

    • St. Petersburg: 2 (703 m, 555 m)
    • Grozny (RU): 1 (435 m)
    • Brande (DK): 1 (Bestseller Tower, 320 m, angekündigt 2019)
    • Madrid: 3
    • Ankara: 1
    • London: 6
    • Rotterdam: 2
    • Frankfurt: 1 (Millenium Tower, den Stand kennen wir)
    • Moskau: 1
    • Bratislava (SK): 1 (260 m)
    • Manchester: 1 (245 m)
    • Hamburg: 1 (Elbtower, den Stand kennen wir)
    • Zürich: 1 (Elysium, 240 m)
    • Den Haag: 2 (2 x 230 m)
    • Basel: 1 (Roche Turm 3, 221 m)

    Abgesehen von ein paar einzelnen Prestige-Projekten scheint sich das Geschehen - eigentlich wie gehabt - auf Moskau/St. Petersburg, Istanbul/Ankara, London, Warschau, Rotterdam, Frankfurt und Madrid zu beschränken.