Beiträge von Querido

    Das geht mir genauso. Ich mochte den bisherigen Bau auch immer sehr. Er hatte eine sehr eigene Charakteristik und mit seiner dunklen Symmetrie immer eine Art souveräne, aber nicht aufdringliche Monumentalität. Der Bau auf der Visualisierung gefällt mir dagegen nicht. Glatte Glasfassaden auf Fußgängerebene und noch dazu bei einem solch langen Gebäude wirken immer abweisend, auch wenn sie im Rendering noch so transparent daherkommen. So was gehört in ein Gewerbegebiet, in dem es keine Fußgänger gibt, aber nicht mitten in die City. Der Architekt sollte daher noch mal in sich gehen. Wenn schon eine neue Fassade, dann vielleicht doch eher etwas mit Natursteinanteil.

    ^

    Echt? Finde ich in diesem Fall überhaupt nicht. Erstens kann ich dem Bau mit seiner ganzen brutalistischen Monumentalität und seiner Symmetrie eine gewisse Ästhetik nicht absprechen und zweitens: Wenn dieses Gebäude nicht eine - zumindest institutionelle - Denkmalwürdigkeit hat, welches dann?

    Im Übrigen finde ich, dass der Bundesbank ein Sitz mit einer gewissen Repräsentativität und einem Wiedererkennungswert gut zu Gesicht stehen würde (wie bei der EZB auch). Ob das bei einem angemieteten oder angekauften Gebäude (oder sogar mehreren) der Fall sein kann, bleibt abzuwarten. Das Beste wäre eigentlich, wenn die Bundesbank - wenn sie ihren alten Sitz denn schon aufgeben will - in Frankfurt neu baut. Wie wär's denn z.B. mit einem schicken Türmchen unweit der EZB auf dem Raab-Karcher-Areal? (Na ja, wahrscheinlich zu klein und Risiko, dass Main-Wasser in den Gold-Tresor läuft...)

    Ich möchte noch etwas zum Thema Setzungen/Statik/Baustopp/Höhe beisteuern, da mir scheint, dass hier einiges durcheinander geraten ist (oder der Laie es vielleicht nicht besser weiß). Hier ist nämlich wie folgt zu differenzieren:

    a) Setzung des Gebäudes/Statik: Setzungen gibt es bei jedem Gebäude, sie sind nur unterschiedlich stark. Dies ist wiederum abhängig vom Baugrund, der deshalb im Vorfeld gründlich untersucht wird (durch Bohrungen, Bodenaufschlüsse, Versuche im Labor etc.). Das daraus resultierende Boden- oder Baugrundgutachten bildet dann die Grundlage für die Wahl der Gründung und die weitere statische Berechnung. Man kann im Millimeterbereich berechnen, wie stark sich ein Gebäude setzen wird. Der Elbtower und seine Gründung sind für die ursprünglich geplante Höhe ausgelegt, Überraschungen sind praktisch ausgeschlossen. Das heißt, der Baustopp hat nichts mit dem Baugrund oder der Statik zu tun!

    b) Auswirkungen der Baumaßnahme auf benachbarte Gebäude oder bauliche Anlagen: Gerade weil es immer zu Setzungen kommt, kann es immer passieren, dass dadurch die Nachbarbebauung Schaden nimmt. Diese Schäden kann man nicht genau voraussagen - auch, weil man den genauen Zustand der benachbarten Bausubstanz nicht kennt. Um Schäden zu vermeiden bzw. sie hinterher eindeutig auf das Setzungsverhalten des Neubaus zurückführen zu können (der dann die Sanierungskosten trägt), wird in der Nachbarschaft immer ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt, d.h. vorhandene Schäden werden vorher dokumentiert, an Rissen Marker angebracht etc. Nach Beendigung der Baumaßnahme schaut man sich dann an, was sich verändert hat und lässt diese Schäden beheben oder zahlt eine Entschädigung.

    Die Deutsche Bahn ist bei Baumaßnahmen in der Nähe ihrer Gleise besonders pingelig, da jede Setzung im Gleisbereich Auswirkungen auf die Sicherheit des Bahnbetriebs haben kann. Da geht es um Millimeter (während Setzungen bei großen Gebäuden sich im Zentimeter- bis Dezimeter-Bereich bewegen) Daher wird die Gleislage bei solchen großen Nachbarbaustellen permanent überwacht. In Abstimmung mit dem Bauherrn wird vereinbart, was bei übermäßigen Setzungen der Gleise geschieht (Baustopp, Einstellung des Betriebs, Nachstopfen der Gleise etc.). Dies ist hier wohl passiert. Das eine hat also mit dem andern nichts zu tun.

    c) Auswirkungen der Umnutzung des Gebäudes auf die Statik: Bei der Berechnung der Statik eines Gebäudes bilden die Lasten die Eingangsparameter. Neben den Eigenlasten der verwendeten Baustoffe sind das auch die übrigen Einwirkungen, insbesondere die anzusetzenden Nutzlasten, aber auch Windlasten, Erdbebenlasten, Einwirkungen aus dynamischen Beanspruchungen (z.B. bei Brücken) etc.

    Die Nutzlasten sind - wie der Name schon sagt - wiederum abhängig von der geplanten Nutzung des Gebäudes. Nach Eurocode 1 wird bei Bürogebäuden normalerweise eine Nutzlast von 3 kN/m², bei Museumsbauten eine von 5 kN/m² angesetzt (das entspricht einem Gewicht von 500 kg pro m²; zum Vergleich: bei Parkhäusern, die von Pkws mit max. 3 t genutzt werden, werden nur 2 kN/m² angesetzt). Somit könnte es hier theoretisch passieren, dass die Umnutzung zu Problemen führt, praktisch glaube ich das aber nicht. Einerseits könnte es sein, dass die Büros ohnehin schon mit 5 kN/m² gerechnet wurden (um bei der späteren Nutzung flexibler zu sein). Andererseits sind die Sicherheiten i.d.R. so groß, dass es bei einer Umnutzung nur weniger Etagen dieses so großen Gebäudes keine Probleme geben sollte, jedenfalls nicht auf die Gründung. Man wird das nachrechnen und gut ist. Und falls es hier und da vielleicht mal eng werden sollte, dann schränkt man eben die Nutzung ein - dann muss man eben die 17 Aquarien auf mehrere Räume aufteilen. Oder im äußersten Notfall stellt man irgendwo eine Stütze darunter. Wenn Umbauten vorgesehen sind, muss ohnehin nachgerechnet werden.

    Im Prinzip gefällt mir der Gewinner-Entwurf, was vor allem an der braunen Farbe liegt. Farbe ist wichtig, sie bringt Vielfalt in die Skyline. Es gibt nichts langweiligeres als nur Glastürme.

    Man muss aber auch sagen, dass der Entwurf schon sehr konventionell ist, auch im Vergleich mit einigen der anderen Wettbewerbsbeiträge. Im Grunde genommen ist das ein International-Style-Bolzen, wie er schon in den 1950ern gebaut wurde, wenn auch mit ein paar moderneren Raffinessen. Das muss nichts Schlechtes sein. Ich mag auch den Omniturm sehr, selbst wenn er keinen Hüftschwung hätte. Solche Hochhäuser sind diejenigen, die eine Skyline tragen, es müssen nicht nur extravagante Stars sein. Und vielleicht passt diese Konventionalität ja auch zu Frankfurt.

    Bzgl. der Höhe muss ich Adama aber beipflichten. Die vorgegebene Beschränkung auf 170 m ist nicht nur völlig beliebig und objektiv in keiner Weise begründet, sondern sie schadet der Skyline extrem. Die 3 benachbarten Türme Silberturm, Skyper und nun dieser sind optisch aus der Entfernung praktisch gleich hoch, sie wirken wie abgeschnitten und daran würden auch 10 m mehr oder weniger nichts ändern. Eigentlich müsste man den quadratischen Teil des Gewinner-Entwurfs um ganze 40 % erhöhen. 240 m wären durchaus angemessen; das würde weder die Skyline sprengen noch wäre es so utopisch, wie man in Frankfurt mitunter meint. Im internationalen Vergleich wäre das immer noch kein besonders hohes Türmchen. Und es würde auch viel besser mit den Türmen auf der anderen Seite der Taunusanlage korrespondieren. Klar muss sich das auch rechnen, aber wenn die Stadt schon vorgaben macht, dann soll sie bitteschön sinnvolle machen. Wenn jemand 240 m bauen will, dann soll er es doch tun an dieser Stelle. Ferdinand Heide packt sicher gerne noch was drauf - das erhöht schließlich auch die anrechenbaren Kosten...

    An einem Erweiterungsbau der Kunsthalle an dieser Stelle würde mich stören, dass er die Sicht vom Jungfernstieg auf die Dachlandschaft des Hotel Atlantik verdecken würde (auch, wenn dieses derzeit teilweise schon von Bäumen verdeckt ist).

    Ein direkter Zugang vom Kunsthallen-Plateau zur Binnenalster und auch eine Erweiterung der dortigen Grünfläche ist ja grundsätzlich begrüßenswert, aber das ginge auch ohne Verkleinerung der Wasserfläche, nämlich indem man die Verkehrsführung in diesem Bereich ändert. Warum nicht eine Einbahnstraßen-Regelung oder besser Kreisellösung über Kennedybrücke (Richtung Westen) und Lombardbrücke (Richtung Osten)? Dann könnte man die überdimensionierten Kreuzungen an beiden Enden wegen reduzierter Fahrbeziehungen deutlich zurück bauen und so Fläche gewinnen (auf die Straße Ferdinandstor und den Kreisel nördlich davon könnte man verzichten, die Straße zwischen Lombardbrücke und Ferdinandstor näher nach Norden an den Bahndamm heranziehen und auch westlich der Brücken am Neuen Jungfernstieg Verkehrsflächen reduzieren). Vergleichbar wäre das mit dem Frankfurter Forsthauskreisel, da reichen auch 3 Fahrspuren plus Abbiegespur aus.

    Auf der Lombardbrücke ließe sich dann der südliche Gehweg verbreitern und ein Abstandsstreifen zu den Fahrspuren schaffen. Für den Kfz-Verkehr wäre der Hauptnachteil dieser Verkehrsführung die längere Fahrbeziehung von An der Alster Richtung Ballindamm/Glockengießerwall, aber das halte ich für verkraftbar, denn der, den es stört, wird sich im Zweifel einen anderen Weg über Gorch-Fock-Wall oder Mühlendamm suchen, was den Verkehr in der Innenstadt nebenbei noch reduziert. Außerdem verringert eine Kreisellösung vermutlich die Ampelzeiten an den Kreuzungen, d.h. weniger Stillstand und Abgase.

    Als Erweiterungsfläche für die Kunsthalle sehe ich ebenfalls das Gleisvorfeld, das man zumindest teilweise überbauen könnte - wenn auch sicher verbunden mit höheren Baukosten aufgrund notwendiger Anpassungen an Eisenbahnanlagen (OLA) und Sperrpausen.

    Hinsichtlich Lage und Begehbarkeit hat der Entwurf ja viele Gemeinsamkeiten mit der Osloer Oper und beide Eigenschaften werden sie zu einem ebensolchen Besuchermagneten machen wie das norwegische Vorbild.

    Hinsichtlich Architektur übertrifft der Entwurf m.E. das nordische Vorbild sogar noch - die abgerundeten Formen, die schlanken auskragenden Dächer und die hölzernen Innenverkleidungen wirken sehr elegant. Hinzu kommt die wirklich ansprechende und fast natürlich wirkende Begrünung, die im Übrigen Ähnlichkeiten hat mit der erst kürzlich geschaffenen um die ebenfalls von einem Mäzen gestifteten und auch am Wasser gelegenen Oper von Kopenhagen - angesichts der Herkunft des Architekturbüros sicher kein Zufall.

    Auf Schmittchens 2. und 3. Rendering sieht man auch, dass das Ding wesentlich massiver bzw. dominanter werden wird als das erste Vogelperspektiven-Rendering suggeriert.

    Ich bin sehr angetan von dem Entwurf. Die Oper wäre auch nicht die erste Landmark, die das dänische Büro setzt.

    Mit den naheliegenden Bad Vilbel (36 k), Eschborn (22), Schwalbach (15), Sulzbach (9), Kelsterbach (17), Neu-Isenburg (38), Dreieich (41) und Maintal (39) wäre die Million schon voll - auch ohne Offenbach. Und mit 425 qkm (davon alleine Dreieich 53) wäre Frankfurt dann auch flächenmäßig ähnlich groß wie Köln (405) und nur etwas mehr als halb so groß wie Hamburg (755).

    Fragt sich nur, ob das auch die genannten Gemeinden wollten.

    Es ist immer die Frage, wie es statisch gerechnet ist, aber ich würde hier von einem Doppelkern sprechen.

    Der Hochhauskern hat ja eine aussteifende Funktion, das heißt, die Wandscheiben des Kerns wirken wie Fachwerkkreuze, die sich nicht verschieben lassen.

    Man kann sich das so vorstellen: Wenn man ein Rechteck, bestehend aus Stäben, nimmt, und es vertikal aufstellt, dann kann ich das durch seitlich in den oberen Ecken angreifende horizontale Kräfte (Wind) zu einem Parallelogramm verschieben. Wenn man aber eine oder besser zwei Diagonalen einzieht, dann wird diese Verschiebung verhindert, weil sich ansonsten die eine Diagonalstrebe verkürzen und die andere verlängern müsste, was praktisch nahezu unmöglich ist. Eine Wandscheibe wirkt genauso. Das heißt, der Hochhauskern verhindert mit seinen Wandscheiben die horizontale Verschiebung des Turms und erfüllt somit eine aussteifende Funktion; der Rest des Hochhauses, "hängt" gewissermaßen nur an dieser Konstruktion, da weitere Diagonalen fehlen (manchmal werden zusätzliche angeordnet, wenn der Kern nicht ausreicht).

    Anhand von Schmittchens Grundriss kann man erkennen, welche Wandscheiben die aussteifende Funktion übernehmen, nämlich die dicken. Auf eine "lange" Seite im Grundriss benötigt man auch längere Wandscheiben, auf der kurzen Seite entsprechend kürzere.

    Hier dienen folgende Wände als aussteifende Wandscheibe: kurze Seite: die jeweils hintere Wand mit den WC-Zugängen; lange Seite: die äußeren Wände der beiden Kernhälften sowie die insgesamt 4 kurzen seitlichen Wände der Aufzugsschächte, d.h. insgesamt also ein Rechteck um diesen Doppelkern, bestehend aus jeweils einem U um die beiden Kernhälften, ergänzt um die kurzen Aufzugswände. D.h. die Aufzugsschächte gehören statisch zum Kern. Wahrscheinlich sind auch noch die beiden inneren kurzen Treppenhauswände zu den Aufzügen mit eingerechnet und dienen ebenfalls als Wandscheibe.

    Das Problem ist einfach, dass diese Planung weder mit einer Neugestaltung des Bahnhofsplatzes noch mit einem übergeordneten Fahrradwegekonzept korrespondiert. Ich war gerade in den Niederlanden, da können sich die Planer was letzteres betrifft eine Menge abschauen.

    Folgende Verbesserungsvorschläge sehe ich:

    a) Warum den Radverkehr dort überhaupt entlang führen? Wer will da fahren? Das ist zu eng, die Autos zu nah, zu viel Verkehr, zu viele Passanten auf den Gehwegen. Und solche Fahrradweichen wie am Platz der Republik sind ohnehin Mist, weil gefährlich.

    Man sollte stattdessen den Fahrradverkehr dort einfach komplett herausnehmen und als Alternative eine großzügige Kfz-freie Verbindung vom Holbeinsteg über Windmühl- und Moselstraße und weiter durch die Westendstraße in Form einer Fahrradstraße mit Ost-West-Verbindungsfunktion schaffen, ebenso in der Kaiserstraße als Querverbindung mit direkter Anbindung an Hauptbahnhof und Hauptwache. Vielleicht böte sich ja auch ein Teilbereich der B-Ebene als Fahrradparkhaus an - das vorhandene an der Mannheimer Straße findet ohnehin kaum jemand.

    b) Der Bahnhofsplatz gehört aufgeräumt: die Taxis müssen dort nicht stehen, zumindest nicht in dieser Anzahl, sie können ebenso auf Post- und Mannheimer Straße aufgeteilt werden auf jeweils einem Taxistreifen. Auch den Parkplatz vor dem Bahnhof braucht man nicht. Damit könnten auch die jeweiligen Zufahrten entfallen.

    c) Wenn die Radwege und die Taxi- und Parkplatzzufahrten weg sind, hätte man genügend Platz für 2 durchgehende Kfz-Fahrbahnen je Richtung mit je 2 Fahrspuren (die derzeitige zusätzliche 3. Spur ist ohnehin sehr verwirrend).

    d) Die Zugänge von den Straßenbahn-Bahnsteigen in die B-Ebene sollte man schließen, sie stören nur das Gesamtbild, brauchen Platz und sind nicht unbedingt erforderlich.

    e) Schließlich sollten die Fußgängerüberwege deutlich ausgebaut werden, insbesondere der Hauptweg Richtung Innenstadt vom Hbf-Haupteingang zur Kaiserstraße, d.h. ordentlich breit und durch entsprechende Pflasterung vom Straßenbelag optisch abgehoben. Zusätzliche direkte Überwege vom dann komplett den Fußgängern und Radfahrern vorbehaltenen Bahnhofsvorplatz zur Münchner/Wiesenhüttenstraße und zur Karlsstraße/Taunusstraße wären ebenfalls wünschenswert.

    Eine Verlegung der Tram-Gleise Richtung Hbf, wie einst, scheitert dagegen wahrscheinlich an der Statik der B-Ebene.

    Der Entwurf ist im Grunde in Ordnung, weil nicht die erwartete Katastrophe und auch nicht schlechter als Mäcklers Opernturm-Sockelbebauung: die gelbe Natursteinverkleidung entspricht der übrigen Platzbebauung, der doppelgeschossige Sockel wirkt großstädtisch und die runden Ecken korrespondieren mit dem "Flatiron" an der Ecke Goethestr./Fressgass, dem Mäckler-Sockelbau und auch mit der abgeschrägten Ecke des gegenüberliegenden Gründerzeitlers.

    Trotzdem ist das m.E. für den Platz zu wenig.

    Und was überhaupt nicht geht - und hier hätte die Stadt eingreifen müssen, weil es dem Investor am meisten weh tut - ist die Höhe. Alle anderen Gebäude am Platz besitzen über einem doppelgeschossigen Sockel max. 4 Geschosse + Mansarddach oder Staffelgeschoss, dieser Bau hat sechs! Das geht nicht und das scheint sogar der Architekt zu wissen, sonst hätte er die Ecke zum Opernplatz nicht zurückgesetzt. Leider wird dieses Zurücksetzen aber nur wirken, wenn man unmittelbar davor steht, von weiter weg wird das Gebäude alle anderen überragen. Insofern kann man diese Visualisierung schon als irreführend bezeichnen, weil sie a) diese Zurücksetzung des Obergeschosses zu deutlich zeigt und b) als einziges weiteres Gebäude dasjenige zeigt, nämlich Goethestr. 31-37, welches von der o.g. Regel abweicht und mehr als 4 Obergeschosse über dem Sockel besitzt. Allerdings steht dieses auch nicht unmittelbar am Opernplatz und ist daher - zumal nach dem Bau von Opernplatz 2 - als maßstabsgebend nicht relevant.

    Also: Zwei Geschosse weniger und obendrauf ein Mansarddach oder Staffelgeschoss und ich könnte damit leben. Kann das zur Veranschaulichung jemand der KI erzählen?

    Ich war immer Befürworter des Projektes und bin es immer noch. Wir brauchen in Deutschland mehr Mut, um solche Großprojekte umzusetzen. Sie sind dringende Investitionen in die Zukunft. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, ist klar, und dass es in Deutschland zu lange dauert, auch. Aber ich bin überzeugt, dass das Ding ein voller Erfolg werden wird, wenn erst mal die anfänglichen Kinderkrankheiten abgestellt sind. In fünf Jahren sind die Kritiker verstummt und in zehn Jahren will den neuen Bahnhof keiner mehr missen. Das ist wie bei allen vergleichbaren Projekten - sei es die Elphi oder der BER und wenn man sich mit der Geschichte vergangener Großprojekte beschäftigt, dann wird man sich wundern, dass es auch dort sehr häufig große Diskussionen, massive Kostenüberschreitungen und lange Bauzeiten gab - und heute kann man sich nicht mehr vorstellen, dass es mal ohne sie gegangen sein soll.

    Ist ja alles noch Konzeptphase (Leistungsphase 0 bzw. 1 HOAI), die Vorplanung (Leistungsphase 2) hat ja noch nicht mal begonnen. Man wird es aber mit Sicherheit so planen, dass von der Querpassage jeder einzelne oberirdische Bahnsteig und auch die S-Bahnsteige direkt erreichbar sind; alle Fahrgäste über den östlichen Ausgang und über den Querbahnsteig zur S-Bahn zu schicken, wird nicht funktionieren.

    Dass man den südlichen Teil des Empfangsgebäudes abreist und wieder aufbaut, so wie man das bei der S-Bahn in den 70er Jahren im Norden gemacht hat, glaube ich nicht, man wird ihn untertunneln. Die Fernbahnsteige beginnen ja erst westlich des Querbahnsteigs in der Halle. Entscheidet man sich aber für die Variante offene Bauweise (oder auch nur teilweise offene Bauweise), gehe ich davon aus, dass es ohne den Rückbau des südlichen Längsbaus am Gleis 1 und vielleicht auch der südlichen (oder sogar der 2 südlichen) Gleishalle(n) nicht gehen wird.

    Habe mir das Ganze in der letzten Woche auch angeschaut. Ich finde, die Pflasterung ist in Ordnung, die gelbliche Farbe ist freundlich und durch die unterschiedlich ausgerichteten Diagonalschnitte kommt etwas Abwechslung hinein. Einige der Dreiecksplatten sind zudem geriffelt. Auch Bodenbeleuchtung ist vorhanden, bestehend aus langen Rechteck-Leuchten mit Milchglas, die zwischen den Platten eingelassen sind. Die Bäume werden sicher auch zur Aufenthaltsqualität beitragen. Auch die Baumscheiben besitzen (runde) Bodenleuchten.

    Was mich aber stört, ist, dass der Platz - eigentlich ohne Not - nicht ebenerdig ist. Geht man vom Hauptplatz vor der Comba-Treppe in Richtung zwischen die 4 Türme, dann bildet der Weg eine ansteigende Rampe. Auf Schmittchens erstem Bild kann man das erahnen. Links am Bauzaun ist eine Mauer (grau) zu erkennen, links daneben befindet sich noch eine Treppe, um den Höhenversatz auszugleichen. Ich gehe davon aus, dass die Mauer auch noch ein Geländer erhält. Das wirkt auf mich nicht so wirklich einladend. Und was überhaupt nicht geht, sind diese großformatigen Gitterroste auf dem Hauptplatz - zu sehen auf Schmittchens viertletztem Foto. Was hat man sich dabei bloß gedacht? Wenn das tatsächlich so bleiben soll, kommt man sich auf diesem Platz vor wie in einem Hinterhof mit U-Bahn-Abluftschacht. Darum hoffe ich sehr, dass das nur ein Provisorium ist (Wasserbecken oder Beete stattdessen wären gut - ich glaube aber nicht daran).

    Der Witz ist ja, dass der Bethmannhof praktisch das einzige (Privat-) Gebäude in der gesamten westlichen Altstadt ist, dass zumindest nach Altstadt anmutet und den ehemaligen Charakter des ganzen Viertels noch erahnen lässt (ansonsten gibt es nur noch 2 Gründerzeitler an der Bethmannstr. und die 3 östlichen Nachbarn von St. Leonard am Mainkai). Eigentlich müsste sich die komplette Umgebungsarchitektur an diesem Gebäude orientieren und nicht umgekehrt. Und genau dieses Gebäude will man nun zerstören und durch einen modernistischen Klotz ersetzen. Damit reißt man dem Viertel gewissermaßen das Herz heraus. In Ländern wie den USA, Großbritannien, Italien oder Frankreich würde man nicht im Ansatz auf diesen Gedanken kommen.

    Was ist denn auch so schwer daran, das Gebäude zumindest in seiner Kubatur zu erhalten (oder in gleicher Form neu zu bauen) und ihm einfach ein Mansarddach aufzusetzen - dann hätte man auch die nutzbare Fläche erhöht. Wenn das nicht reichen sollte, dann sollte man die Vorgaben ändern und nicht den Entwurf. Es kann einfach nicht sein, dass man direkt daneben den Langen Franz rekonstruiert und dann dieses historische Gebäude zerstört.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wie gesagt hier wurde niemand übers Ohr gehauen,

    Doch, und zwar die Stadt und damit der Steuerzahler. Die Summe, die die Stadt hier bereit ist zu zahlen, ist einfach unfassbar hoch.

    Der offizielle Bodenrichtwert liegt bei 17.000 EUR/m². Das macht bei 5.500 m² eine Gesamtsumme von 93.500.000 EUR. Billigt man der Sparkasse noch etwas mehr zu und zahlt ihr die Umzugskosten, so wäre realistischerweise eine Gesamtsumme von 100 Mio. EUR angemessen - also weniger als die Hälfte des im Raum stehenden Betrages. Allerdings wäre das auch der tatsächliche Kaufpreis! Hier soll jedoch nur eine Erbpacht abgeschlossen werden, d.h. nach 199 Jahren fällt das Grundstück (mit Gebäude!) wieder an die Sparkasse zurück!

    Es kann zwar sein, dass die Stadt dann für das Gebäude eine Entschädigung erhält (da bin ich mir aber nicht ganz sicher; außerdem wäre der Buchwert des Gebäudes nach 199 Jahren ohnehin bei 0 EUR). Dennoch muss man bei einem solchen Konstrukt auch den Zinseszinseffekt berücksichtigen - und der ist bei dieser immens langen Laufzeit extrem hoch, das wurde ja weiter oben schon beschrieben.

    Kleines Rechenbeispiel: Angenommen, die Stadt würde die 210 Mio. EUR nicht am Stück zahlen, sondern pro Jahr, verteilt auf die 199 Jahre, jeweils 1 Mio. EUR, dann ergebe das bei einem (niedrigen) Zinssatz von 2 % rund 2,5 Mrd. EUR, die die Sparkasse insgesamt am Ende erhält. Rechnet man aber auf den tatsächlich gezahlten Betrag von 210 Mio. EUR über 199 Jahre dieselbe Verzinsung von 2 %, dann ergibt sich ein Gesamtbetrag von über 10 Mrd. EUR! Nach 199 Jahren hat die Sparkasse also aus den 210 Mio. 10 Mrd. EUR gemacht und das Grundstück gehört ihr wieder. Was ein absurd glänzendes Geschäft für die Bank und was ein absurd schlechtes für die Stadt!

    Oder anders gerechnet: Angenommen, die Stadt nimmt die 210 Mio. EUR am Kapitalmarkt auf. Realistischerweise liegt bei 30 Jahren Laufzeit und 2 % Zinsen die jährliche Kreditrate bei rund 9,5 Mio EUR. Wenn die Kreditlaufzeit aber 199 Jahre betrüge, dann läge die Jahresrate bei rund 4 Mio. EUR. Das ist 4 mal soviel wie die o.g. 1 Mio EUR (genauso wie bei der anderen Rechnung: 2,5 Mrd. zu 10 Mrd.).

    Das heißt insgesamt: Die Stadt zahlt nicht nur doppelt soviel wie das Grundstück eigentlich wert ist, sondern sie zahlt zusätzlich durch den Einmalbetrag auch 4 mal mehr als sie das bei jährlichen Raten täte! Bei einem höheren Zinssatz wären es noch mehr. Und dabei ist die laufende Wertminderung des Grundstücks durch die immer kürzer werdende Restlaufzeit der Erbpacht noch gar nicht berücksichtigt.

    Man kann annehmen, dass die Bänker das sehr wohl wissen und rechnen können. Positiv formuliert, kann man also sagen, dass die Stadt hier ziemlich über den Tisch gezogen wurde, negativ, dass es sich hier mindestens um eine unerlaubte Beihilfe handelt. Darum bin ich sehr gespannt, was die EU dazu sagen wird. Und es ist unfassbar, welche Stümper hier bei der Stadt Steuergeld verwalten.

    ^ Bei der Planfeststellung nicht direkt. Aber du musst u.a. die Vorgaben der EIGV (Eisenbahn-Inbetriebnahmegenehmigungsverordnung), die auf der EU-Richtlinie 2016/797 basiert, bei der Planung berücksichtigen und die entsprechenden Prüfungen durch die sog. Benannten Stellen und die Inbetriebnahmegenehmigung (IBN) durchführen lassen. Das steht dann natürlich auch so im Planfestellungsbeschluss. Die Inbetriebnahmegenehmigung läuft über das EBA; welche Unterlagen dort einzureichen sind, ist hier nachzulesen. Das ganze Verfahren ist ziemlich kompliziert, aufwändig und teuer. Darüber hinaus ist auch noch die VV Bau anzuwenden, das ist aber "nur" eine nationale Regelung.