Kanzleitor und ehemalige Burganlage
Direkt oberhalb des König-Adolf-Platzes beginnt der frühere Herrschaftsbezirk. Das Kanzleitor bildet einen eindrucksvollen Übergang von der bürgerlichen Stadt zur ehemaligen Burganlage. Der Bau wurde 1497 als gräfliche Kanzlei errichtet und erfüllte später sehr unterschiedliche Aufgaben, unter anderem als Wachlokal, Speicher und Gefängnis. Über dem mächtigen steinernen Unterbau sitzt ein weit auskragendes Fachwerkobergeschoss. Besonders reizvoll ist der Blick von unten auf die wehrhaft wirkende Durchfahrt, die massiven Mauern und die sorgfältig ausgeführten Bauteile.
In unmittelbarer Nachbarschaft stehen weitere Gebäude der einstigen nassauischen Verwaltung. Die ehemalige Neue Kanzlei, später Altes Amtsgericht genannt, entstand 1588. Die Mischung aus Bruchsteinmauerwerk, Renaissanceformen und Fachwerkaufsatz zeigt, wie fließend die Übergänge zwischen Burg-, Verwaltungs- und Wohnarchitektur hier waren.
Der Hexenturm: Wahrzeichen mit mittelalterlichem Kern
Der Hexenturm ragt überall wieder zwischen den Dächern hervor. Das älteste erhaltene Bauwerk Idsteins entstand in mehreren Abschnitten um 1170, um 1240 und um 1500; nach weiteren Veränderungen erhielt es 1810 im Wesentlichen sein heutiges Erscheinungsbild. Besonders schön lässt sich der Turm aus den engen Gassen fotografieren, wenn seine runde Silhouette neben den steilen Schieferdächern und dem Turm der Unionskirche auftaucht.
Der Name ist übrigens irreführend. Er kam erst im 19. Jahrhundert auf und bedeutet nicht, dass der Hexenturm Schauplatz der Idsteiner Hexenprozesse gewesen wäre. Die Verfolgungen im 17. Jahrhundert sind ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte, aber nicht der Ursprung dieser Turmbezeichnung. Die Bilder zeigen den Turm aus ganz verschiedenen Richtungen, außerdem den Weg entlang der historischen Mauern und die Grünanlagen des Burgbereichs.
Das Residenzschloss und der Schlossbereich
Nördlich der alten Burg erhebt sich das Idsteiner Residenzschloss. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen zwischen 1614 und 1634 unter Einbeziehung älterer Teile. Anders als die kleinteiligen Bürgerhäuser der Altstadt setzt das Schloss auf eine großflächige, symmetrischere Architektur mit verputzten Fassaden, markantem Dach und repräsentativen Fensterachsen. Nach dem Ende der Linie Nassau-Idstein 1721 folgten sehr unterschiedliche Nutzungen; seit 1946 dient das Schloss schulischen Zwecken.
Zum historischen Ensemble gehören die terrassierten Außenräume und der Schlossgarten, dessen Geschichte mindestens bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Gerade im Wechsel zwischen hohen Mauern, grünen Böschungen, Schlossfassade und den Ausblicken auf die Altstadt zeigt sich die besondere Topografie Idsteins.
Die Unionskirche
Die Unionskirche zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Idsteins. Die mittelalterliche Stiftskirche wurde im 17. Jahrhundert unter Graf Johann von Nassau-Idstein zu einer prachtvoll ausgestatteten evangelischen Hofkirche umgestaltet. Besonders bemerkenswert sind die 38 großformatigen Deckengemälde mit biblischen Darstellungen. Auch die nassauische Fürstengruft befindet sich hier. Leider hatte ich kein Stativ dabei, denn der Innenraum der Kirche ist stockdunkel. Deshalb konnte ich dort nicht fotografieren. Nun eben ein Link zur Wikipedia-Seite.
Der untere Marktplatz und die Kreuzgasse
Am Marktplatz im Bereich der Kreuzgasse zeigt sich eine weitere reizvolle Facette der Idsteiner Altstadt. Besonders auffällig ist das historische Gebäudeensemble mit seinem verschieferten Turm. Die unterschiedlich gestalteten Fassaden, steilen Dachflächen und engen Straßenräume verdeutlichen, wie abwechslungsreich die Bebauung selbst auf wenigen Metern sein kann. Gerade an den Übergängen zwischen Platz und Seitengassen entstehen reizvolle Perspektiven auf die historische Architektur.
Über die Kreuzgasse in die östlichen Altstadtgassen
Der heutige untere Marktplatz ist nicht mit dem König-Adolf-Platz zu verwechseln. Er entstand erst um 1700 durch die Erweiterung der Stadt nach Osten, nachdem das Himmelstor und Teile der Befestigung gefallen waren. Hier wirkt die Bebauung offener und stellenweise schlichter, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Der Brunnen, die begrünten Hauseingänge und die schmalen, gepflasterten Nebenstraßen prägen ein ausgesprochen angenehmes Stadtbild.
In diesem Bereich zeigt sich besonders gut, dass Denkmalschutz und Alltag kein Gegensatz sein müssen. Hinter den restaurierten Fassaden wird gewohnt und gearbeitet; zwischen den Häusern liegen kleine Plätze, Geschäfte und Gaststätten. Vieles wirkt sorgfältig gepflegt, ohne übertrieben zu wirken.
Die barocke Vorstadt: Weiherwiese, Kreuzgasse und benachbarte Straßenzüge
Besonders interessant fand ich die langen, vergleichsweise geraden Straßenzüge der östlichen Stadterweiterung. Ab 1685 ließ Fürst Georg August Samuel auf dem Gelände vor der älteren Stadtmauer planmäßig neue Wohnquartiere anlegen. In der Weiherwiese, der Kreuzgasse und angrenzenden Straßen entstanden Reihen kleinerer Handwerker- und Bürgerhäuser. Im Gegensatz zu den großen Renaissancebauten rund um den König-Adolf-Platz sind die Fassaden hier meist zurückhaltender. Die regelmäßigeren Parzellen, ähnlichen Traufhöhen und wiederkehrenden Haustypen verraten den planmäßigen Ursprung.
Die zahlreichen Aufnahmen dieser Straßenzüge zeigen vor allem langgezogene Hausreihen, Haustüren, Hofeinfahrten, Zwerchhäuser und kleine Veränderungen am Fachwerk. Gerade das macht die Fotoserie auch städtebaulich interessant. Während man im Zentrum oft die Pracht einzelner Gebäude bestaunt, entsteht hier der Gesamteindruck aus der Wiederholung vieler einfacher Häuser. Einige Gassen knicken leicht ab; an den Kreuzungen öffnen sich plötzlich neue Blicke auf die dicht stehenden, meist zweigeschossigen Bauten.
© Adama / Deutsches Architekturforum
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