Beiträge von Adama

    Kanzleitor und ehemalige Burganlage

    Direkt oberhalb des König-Adolf-Platzes beginnt der frühere Herrschaftsbezirk. Das Kanzleitor bildet einen eindrucksvollen Übergang von der bürgerlichen Stadt zur ehemaligen Burganlage. Der Bau wurde 1497 als gräfliche Kanzlei errichtet und erfüllte später sehr unterschiedliche Aufgaben, unter anderem als Wachlokal, Speicher und Gefängnis. Über dem mächtigen steinernen Unterbau sitzt ein weit auskragendes Fachwerkobergeschoss. Besonders reizvoll ist der Blick von unten auf die wehrhaft wirkende Durchfahrt, die massiven Mauern und die sorgfältig ausgeführten Bauteile.

    In unmittelbarer Nachbarschaft stehen weitere Gebäude der einstigen nassauischen Verwaltung. Die ehemalige Neue Kanzlei, später Altes Amtsgericht genannt, entstand 1588. Die Mischung aus Bruchsteinmauerwerk, Renaissanceformen und Fachwerkaufsatz zeigt, wie fließend die Übergänge zwischen Burg-, Verwaltungs- und Wohnarchitektur hier waren.

    Idstein_61.jpg  Idstein_70.jpg  Idstein_78.jpg  Idstein_82.jpg
    Idstein_86.jpg  Idstein_87.jpg  Idstein_118.jpg

    Der Hexenturm: Wahrzeichen mit mittelalterlichem Kern

    Der Hexenturm ragt überall wieder zwischen den Dächern hervor. Das älteste erhaltene Bauwerk Idsteins entstand in mehreren Abschnitten um 1170, um 1240 und um 1500; nach weiteren Veränderungen erhielt es 1810 im Wesentlichen sein heutiges Erscheinungsbild. Besonders schön lässt sich der Turm aus den engen Gassen fotografieren, wenn seine runde Silhouette neben den steilen Schieferdächern und dem Turm der Unionskirche auftaucht.

    Der Name ist übrigens irreführend. Er kam erst im 19. Jahrhundert auf und bedeutet nicht, dass der Hexenturm Schauplatz der Idsteiner Hexenprozesse gewesen wäre. Die Verfolgungen im 17. Jahrhundert sind ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte, aber nicht der Ursprung dieser Turmbezeichnung. Die Bilder zeigen den Turm aus ganz verschiedenen Richtungen, außerdem den Weg entlang der historischen Mauern und die Grünanlagen des Burgbereichs.

    Idstein_15.jpg  Idstein_26.jpg  Idstein_27.jpg  Idstein_31.jpg
    Idstein_33.jpg  Idstein_39.jpg  Idstein_48.jpg  Idstein_62.jpg
    Idstein_72.jpg  Idstein_73.jpg  Idstein_74.jpg  Idstein_75.jpg
    Idstein_76.jpg  Idstein_80.jpg  Idstein_124.jpg

    Das Residenzschloss und der Schlossbereich

    Nördlich der alten Burg erhebt sich das Idsteiner Residenzschloss. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen zwischen 1614 und 1634 unter Einbeziehung älterer Teile. Anders als die kleinteiligen Bürgerhäuser der Altstadt setzt das Schloss auf eine großflächige, symmetrischere Architektur mit verputzten Fassaden, markantem Dach und repräsentativen Fensterachsen. Nach dem Ende der Linie Nassau-Idstein 1721 folgten sehr unterschiedliche Nutzungen; seit 1946 dient das Schloss schulischen Zwecken.

    Zum historischen Ensemble gehören die terrassierten Außenräume und der Schlossgarten, dessen Geschichte mindestens bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Gerade im Wechsel zwischen hohen Mauern, grünen Böschungen, Schlossfassade und den Ausblicken auf die Altstadt zeigt sich die besondere Topografie Idsteins.

    Idstein_77.jpg  Idstein_79.jpg  Idstein_81.jpg  Idstein_83.jpg
    Idstein_84.jpg  Idstein_85.jpg

    Die Unionskirche

    Die Unionskirche zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Idsteins. Die mittelalterliche Stiftskirche wurde im 17. Jahrhundert unter Graf Johann von Nassau-Idstein zu einer prachtvoll ausgestatteten evangelischen Hofkirche umgestaltet. Besonders bemerkenswert sind die 38 großformatigen Deckengemälde mit biblischen Darstellungen. Auch die nassauische Fürstengruft befindet sich hier. Leider hatte ich kein Stativ dabei, denn der Innenraum der Kirche ist stockdunkel. Deshalb konnte ich dort nicht fotografieren. Nun eben ein Link zur Wikipedia-Seite.

    Idstein_40.jpg

    Der untere Marktplatz und die Kreuzgasse

    Am Marktplatz im Bereich der Kreuzgasse zeigt sich eine weitere reizvolle Facette der Idsteiner Altstadt. Besonders auffällig ist das historische Gebäudeensemble mit seinem verschieferten Turm. Die unterschiedlich gestalteten Fassaden, steilen Dachflächen und engen Straßenräume verdeutlichen, wie abwechslungsreich die Bebauung selbst auf wenigen Metern sein kann. Gerade an den Übergängen zwischen Platz und Seitengassen entstehen reizvolle Perspektiven auf die historische Architektur.

    Idstein_92.jpg   Idstein_93.jpg   Idstein_94.jpg

    Über die Kreuzgasse in die östlichen Altstadtgassen

    Der heutige untere Marktplatz ist nicht mit dem König-Adolf-Platz zu verwechseln. Er entstand erst um 1700 durch die Erweiterung der Stadt nach Osten, nachdem das Himmelstor und Teile der Befestigung gefallen waren. Hier wirkt die Bebauung offener und stellenweise schlichter, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Der Brunnen, die begrünten Hauseingänge und die schmalen, gepflasterten Nebenstraßen prägen ein ausgesprochen angenehmes Stadtbild.

    In diesem Bereich zeigt sich besonders gut, dass Denkmalschutz und Alltag kein Gegensatz sein müssen. Hinter den restaurierten Fassaden wird gewohnt und gearbeitet; zwischen den Häusern liegen kleine Plätze, Geschäfte und Gaststätten. Vieles wirkt sorgfältig gepflegt, ohne übertrieben zu wirken.

    Idstein_89.jpg  Idstein_90.jpg  Idstein_91.jpg  Idstein_95.jpg
    Idstein_96.jpg  Idstein_97.jpg  Idstein_98.jpg

    Die barocke Vorstadt: Weiherwiese, Kreuzgasse und benachbarte Straßenzüge

    Besonders interessant fand ich die langen, vergleichsweise geraden Straßenzüge der östlichen Stadterweiterung. Ab 1685 ließ Fürst Georg August Samuel auf dem Gelände vor der älteren Stadtmauer planmäßig neue Wohnquartiere anlegen. In der Weiherwiese, der Kreuzgasse und angrenzenden Straßen entstanden Reihen kleinerer Handwerker- und Bürgerhäuser. Im Gegensatz zu den großen Renaissancebauten rund um den König-Adolf-Platz sind die Fassaden hier meist zurückhaltender. Die regelmäßigeren Parzellen, ähnlichen Traufhöhen und wiederkehrenden Haustypen verraten den planmäßigen Ursprung.

    Die zahlreichen Aufnahmen dieser Straßenzüge zeigen vor allem langgezogene Hausreihen, Haustüren, Hofeinfahrten, Zwerchhäuser und kleine Veränderungen am Fachwerk. Gerade das macht die Fotoserie auch städtebaulich interessant. Während man im Zentrum oft die Pracht einzelner Gebäude bestaunt, entsteht hier der Gesamteindruck aus der Wiederholung vieler einfacher Häuser. Einige Gassen knicken leicht ab; an den Kreuzungen öffnen sich plötzlich neue Blicke auf die dicht stehenden, meist zweigeschossigen Bauten.

    Idstein_99.jpg  Idstein_100.jpg  Idstein_101.jpg  Idstein_102.jpg
    Idstein_103.jpg  Idstein_104.jpg  Idstein_105.jpg  Idstein_106.jpg
    Idstein_107.jpg  Idstein_108.jpg  Idstein_109.jpg  Idstein_110.jpg
    Idstein_111.jpg  Idstein_112.jpg  Idstein_113.jpg  Idstein_114.jpg
    Idstein_115.jpg  Idstein_116.jpg  Idstein_117.jpg

    © Adama / Deutsches Architekturforum

    Die in diesem Beitrag bereitgestellten Texte, eigenen Fotos, Recherchen und exklusiven Informationen sind geistiges Eigentum des Autors. Einer Verwertung, Vervielfältigung oder systematischen Übernahme (inkl. Content Mining, automatisiertem Scraping oder dem redaktionellen Umschreiben ohne Quellenangabe) durch kommerzielle Online-Magazine, Blogs oder Nachrichtenportale wird ausdrücklich widersprochen. Jede ungenehmigte gewerbliche Nutzung stellt eine Urheberrechtsverletzung dar. Verstöße werden zur Beweissicherung dokumentiert und ohne weitere Vorwarnung rechtlich sowie honorarpflichtig abgemahnt.

    Alle Bilder in diesem Fotothread werden als Vorschaubilder (Thumbnails) angezeigt. Durch Anklicken öffnet sich die jeweilige Aufnahme in höherer Auflösung.


    Idstein im Taunus: Ein fotografischer Rundgang durch die ehemalige nassauische Residenzstadt

    Idstein_10.jpg


    Ende August habe ich Idstein besucht, rund 30 Kilometer nordwestlich von Frankfurt. Schon auf dem Weg zur Altstadt fallen die unterschiedlichen Schichten des Stadtbildes auf: ältere Wohn- und Geschäftshäuser, aufwendiger gestaltete Bauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts und die Architektur der einstigen Schulstadt. Doch das eigentliche Erlebnis beginnt dort, wo die Straßen enger werden und sich die Giebel der historischen Altstadt staffeln.

    Idstein entwickelte sich im Schutz einer mittelalterlichen Burg zum Herrschafts- und Verwaltungsort der Grafen von Nassau. Die Stadt erhielt 1287 Stadtrechte und war über Jahrhunderte eng mit der Geschichte Nassau-Idsteins verbunden. Diese Vergangenheit ist bis heute sichtbar, vom romanischen Kern des Hexenturms über die Renaissancebauten der Residenz bis zu den weitgehend einheitlichen Handwerkerhäusern der barocken Stadterweiterung. Mir fiel besonders auf, wie gepflegt und lebendig sich die Stadt präsentiert. Die liebevoll restaurierten Fassaden wirken keineswegs wie eine Museumskulisse: Die Gassen sind bewohnt, die Geschäfte geöffnet und die Gastronomie belebt die Plätze.

    Wiesbadener Straße und die Kirche St. Martin

    Der Rundgang beginnt an der Wiesbadener Straße, wo ältere Wohn- und Geschäftshäuser noch vom Idstein außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns erzählen. Neben verputzten Fassaden und erhaltenem Fachwerk fällt vor allem der ungewöhnliche Glockenturm der katholischen Kirche St. Martin ins Auge. Der skulptural wirkende, freistehende Turm gehört zu einem Kirchenneubau des Frankfurter Architekten Johannes Krahn, der 1965 geweiht wurde. An seiner Stelle hatte zuvor die neugotische Magdalenenkirche von 1888 gestanden, die 1963 abgebrochen wurde. Gerade dieser Kontrast zwischen historischen Straßenhäusern und der markanten Kirchenarchitektur der Nachkriegszeit macht die Wiesbadener Straße interessant.

    Idstein_1.jpg  Idstein_2.jpg  Idstein_3.jpg  Idstein_4.jpg  Idstein_5.jpg

    Hochschule Fresenius: Idstein als Schul- und Hochschulstadt

    Nicht weit vom historischen Stadtkern steht das große Backsteingebäude der heutigen Hochschule Fresenius an der Limburger Straße. Es wurde einst für die Idsteiner Baugewerkschule errichtet, die 1869 gegründet worden war und den Ruf der Stadt als Ausbildungsstandort prägte. Nach dem Wegzug der bisherigen Einrichtung nach Wiesbaden 1993 übernahm die Hochschule Fresenius 1995 die Liegenschaft. Die monumentale Architektur des Hochschulbaus bildet einen reizvollen Gegenpol zu den kleinteiligen Fachwerkhäusern der Altstadt.

    Idstein_123.jpg

    Obergasse: Renaissance, Bürgerhäuser und der Höerhof

    Die Obergasse gehört zu den eindrucksvollsten historischen Straßenzügen Idsteins. Hier stehen Fachwerkbauten sehr unterschiedlicher Entstehungszeiten dicht beieinander, manche mit breiten, ruhig gegliederten Fassaden, andere mit vorspringenden Erkern, geschwungenen Giebeln und fein geschnitzten Balken. Interessant ist gerade dieser Wechsel. Man sieht, dass Fachwerk keineswegs eine einheitliche Bauform war, sondern sich über Jahrhunderte in Konstruktion, Dekor und repräsentativem Anspruch veränderte.

    Ein besonders auffälliger Bau in diesem Bereich ist der Höerhof. Sein Bauherr Henrich Heer, der am Idsteiner Schlossbau beteiligt war, erhielt 1620 von Graf Ludwig II. ein Grundstück geschenkt. Das Anwesen mit massivem Sockel, Fachwerkobergeschossen und Erker samt Welscher Haube erinnert bewusst an die Formen der herrschaftlichen Architektur. Die Detailaufnahmen der farbig gefassten Balken, Erker und Schnitzereien zeigen, wie viel Handwerkskunst hier auf wenigen Quadratmetern steckt. Auch schlichtere Häuser mit Bruchsteinsockeln und hohen Schieferdächern gehören zum besonderen Reiz der Obergasse.

    Idstein_6.jpg  Idstein_11.jpg  Idstein_12.jpg  Idstein_13.jpg
    Idstein_14.jpg  Idstein_16.jpg  Idstein_17.jpg  Idstein_18.jpg
    Idstein_19.jpg  Idstein_20.jpg  Idstein_21.jpg  Idstein_22.jpg
    Idstein_23.jpg  Idstein_24.jpg  Idstein_28.jpg
    Idstein_29.jpg  Idstein_30.jpg  Idstein_32.jpg  Idstein_34.jpg
    Idstein_35.jpg  Idstein_36.jpg  Idstein_37.jpg  Idstein_38.jpg

    Abseits der Hauptstraße: kleine Gassen und historische Hofanlagen

    In den Nebenstraßen wird Idstein fast dörflich. Schmale, gepflasterte Wege führen zwischen niedrigen Fachwerkhäusern hindurch, die Häuser folgen kleinen Grundstücken und stehen oft in überraschenden Winkeln zueinander. Auf einigen Bildern sind statt aufwendig dekorierter Schauseiten vor allem einfache Wohnhäuser, Toranlagen, Natursteinsockel und rückwärtige Höfe zu sehen. Gerade diese unspektakulären Bauten machen den historischen Stadtkern glaubwürdig. Hier ging es einst weniger um Repräsentation als um das Wohnen und Arbeiten auf engem Raum.

    Auffällig sind die schmalen Parzellen, die wechselnden Dachhöhen und die begrünten Fassaden. Manchmal genügt schon ein einzelner Erker oder ein farbig abgesetztes Fachwerkfeld, um einer ganzen Gasse ihr Gesicht zu geben. Die genaue Hausnummer lässt sich aus den Aufnahmen allein nicht überall zweifelsfrei bestimmen; deshalb verzichte ich bei diesen Motiven bewusst auf vermeintlich exakte Adressen.

    Idstein_41.jpg  Idstein_42.jpg  Idstein_43.jpg  Idstein_44.jpg
    Idstein_45.jpg  Idstein_46.jpg  Idstein_47.jpg  Idstein_49.jpg
    Idstein_50.jpg  Idstein_52.jpg  Idstein_53.jpg
    Idstein_54.jpg  Idstein_55.jpg  Idstein_56.jpg  Idstein_57.jpg
    Idstein_58.jpg

    Der König-Adolf-Platz: Idsteins historische „Gut Stubb“

    Kaum ein Platz in Hessen bietet eine derart eindrucksvolle Kombination aus reich verziertem Fachwerk und herrschaftlicher Architektur. Der König-Adolf-Platz ist seit Jahrhunderten das Zentrum der Altstadt. Seinen heutigen Namen trägt er seit 1946 zu Ehren des römisch-deutschen Königs Adolf von Nassau, der von 1292 bis 1298 regierte. Hier standen Handel, Verwaltung und öffentliches Leben stets in unmittelbarer Nachbarschaft.

    Das 1615 von dem gräflichen Amtsschreiber Johann Conrad Killing und seiner Ehefrau Anna Margarethe Loeber errichtete Killingerhaus gehört zu den herausragenden Renaissance-Fachwerkbauten der Stadt. An den geschnitzten Balken, Brüstungen und dem prächtigen Mittelerker finden sich Wappen, Figuren und symbolische Darstellungen. Heute sind hier das Stadtmuseum und die Tourist-Information untergebracht. Bei genauerem Hinsehen erschließt sich erst der enorme Aufwand dieser Fassadengestaltung.

    Dem gegenüber steht das ungewöhnlich hohe "Schiefe Haus", 1727 für den Major Johann Jacob Nicolay erbaut. Seine Neigung geht auf konstruktive Veränderungen und Mängel im Fachwerkgefüge zurück. Gleich daneben liegt das 1698 fertiggestellte Rathaus, ein bemerkenswerter Brückenbau über der früheren Durchgangsstraße. Die Durchfahrt ist bis heute ein besonders markantes Motiv. Die unterschiedlich hohen und verschiedenfarbigen Gebäude wirken dabei gerade nicht monoton. Selbst die kleinen Fassadendetails, Wappen und die Gastronomie unter den Giebeln lohnen einen zweiten Blick.

    Idstein_7.jpg  Idstein_8.jpg  Idstein_9.jpg  Idstein_10.jpg
    Idstein_60.jpg  Idstein_63.jpg  Idstein_64.jpg  Idstein_65.jpg
    Idstein_66.jpg  Idstein_67.jpg  Idstein_68.jpg  Idstein_69.jpg
    Idstein_71.jpg  Idstein_88.jpg  Idstein_119.jpg  Idstein_120.jpg

    Idstein_59.jpg


    Die Alte Feuerwache in der Schulgasse

    Ein ganz anderes Kapitel der Idsteiner Baugeschichte zeigt die Alte Feuerwache in der Schulgasse 6. Das markante Feuerwehrgerätehaus mit seinem Schlauchturm wurde 1927 fertiggestellt und greift mit seinem Fachwerk bewusst die Gestaltung der historischen Altstadt auf. Die Freiwillige Feuerwehr Idstein, bereits 1876 gegründet, nutzte das Gebäude bis zum Umzug in den neuen Feuerwehrstützpunkt 1982. Seit 2004 beherbergt die ehemalige Feuerwache ein Brauhaus. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich historische Zweckbauten durch eine neue Nutzung erhalten lassen.

    Idstein_121.jpg  Idstein_122.jpg


    Urheberrechtshinweis & Nutzungsausschluss:

    © Adama / Deutsches Architekturforum

    Die in diesem Beitrag bereitgestellten Texte, eigenen Fotos, Recherchen und exklusiven Informationen sind geistiges Eigentum des Autors. Einer Verwertung, Vervielfältigung oder systematischen Übernahme (inkl. Content Mining, automatisiertem Scraping oder dem redaktionellen Umschreiben ohne Quellenangabe) durch kommerzielle Online-Magazine, Blogs oder Nachrichtenportale wird ausdrücklich widersprochen. Jede ungenehmigte gewerbliche Nutzung stellt eine Urheberrechtsverletzung dar. Verstöße werden zur Beweissicherung dokumentiert und ohne weitere Vorwarnung rechtlich sowie honorarpflichtig abgemahnt.

    Die Überlegungen von OllaPeta und MathiasM finde ich sehr interessant. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass am Ende keiner der angebotenen Standorte alle Anforderungen der Bundesbank erfüllt. Allerdings würde ich daraus nicht automatisch schließen, dass man dann wieder zum bisherigen Standort zurückkehrt. Gerade das offenbar ausgesprochen umfangreiche Anforderungsprofil könnte vielmehr dafür sprechen, dass ein maßgeschneiderter Neubau die sinnvollere Lösung ist. Genau darauf zielte auch mein vorheriger Beitrag ab. Ob die Bundesbank ihre Kriterien möglicherweise bewusst so formuliert hat, lässt sich natürlich nicht beurteilen, aber ganz abwegig finde ich diesen Gedanken nicht.

    Auch Ziegels Einwände kann ich gut nachvollziehen. Er hat natürlich recht damit, dass CA Immo ein derart wertvolles Grundstück nicht auf unbestimmte Zeit für ein Projekt freihalten kann, für das sich bislang offenbar keine ausreichende Nachfrage gefunden hat. Und ja, man kann von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen nicht verlangen, wirtschaftlich interessante Alternativen allein aus städtebaulichen Überlegungen auszuschlagen. Insofern ist seine Argumentation durchaus schlüssig. Meine Sorge betrifft vielmehr den möglichen dauerhaften Verlust eines der wenigen Standorte in Frankfurt, an denen ein Hochhaus dieser Größenordnung überhaupt sinnvoll realisiert werden könnte. Dass sich bei entsprechender Nachfrage einfach ein anderer geeigneter Standort finden ließe, sehe ich allerdings etwas skeptischer. Aber natürlich muss man auch akzeptieren, dass sich städtebauliche / DAF‑Wünsche und wirtschaftliche Realitäten nicht immer miteinander vereinbaren lassen.


    Um wieder auf die eigentliche Standortsuche der Bundesbank zurückzukommen: Welche anderen Standorte in Frankfurt könntet ihr euch denn vorstellen, die angesichts der umfangreichen Anforderungen tatsächlich infrage kämen?

    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch nach Berlin! Es freut mich wirklich, dass es nach der langen Hängepartie nun endlich mit dem Hochhaus weitergeht. Gerade am Alexanderplatz ist jeder zusätzliche Turm, der auch etwas mehr Höhe mitbringt, ein Gewinn für die künftige Skyline. Die 150 Meter sind jedenfalls eine erfreuliche Nachricht und helfen hoffentlich dabei, dass am Alex keine allzu gleichförmige Hochhauswand entsteht.

    Ein wenig hatte ich allerdings darauf gehofft, dass die lange Baupause vielleicht noch für eine behutsame Überarbeitung des Entwurfs genutzt würde. Mit der Formensprache des Turms werde ich nämlich bis heute nicht ganz warm. Je nach Blickwinkel wirkt er im oberen Bereich recht kopflastig, aus anderen Perspektiven erscheint die Mitte wiederum breiter oder deutlich schlanker (Stichwort: Knochen). Diese ausgeprägte Asymmetrie und insbesondere die tiefen Aussparungen bringen für meinen Geschmack etwas zu viel Unruhe in die Silhouette. Hätte man diese Einschnitte etwas zurückgenommen, wäre der Turm in meinen Augen deutlich ausgewogener und eleganter geworden. Aber das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Freude darüber, dass Berlin nun tatsächlich ein weiteres 150 Meter hohes Hochhaus bekommt, überwiegt bei mir ganz klar. Der Alex kann Skyline und braucht Skyline.

    Ich habe mir die bisherigen Veröffentlichungen und die Anforderungen der Bundesbank an ihren künftigen Hauptsitz noch einmal genauer angesehen. Dabei komme ich zunehmend zu der Einschätzung, dass wir am Ende eher einen Neubau als die Übernahme eines bestehenden Frankfurter Bürohochhauses sehen werden. Gesucht wird bekanntlich eine schlüsselfertige Immobilie für rund 2.500 Arbeitsplätze sowie zusätzliche 15.000 Quadratmeter Nutzfläche für besondere Anforderungen. Interessant finde ich dabei die Gewichtung der Bewertungskriterien: Der Preis macht 35 Prozent aus, die Gebäudequalität immerhin 32 Prozent, die Lage 20 Prozent und die Projektabwicklung 13 Prozent. Die Qualität des Gebäudes wird also fast ebenso stark gewichtet wie der Preis.

    Genau darin sehe ich einen wesentlichen Vorteil eines Neubaus. Sicherheitskonzept, Gebäudetechnik, Erschließung und Arbeitsplatzorganisation lassen sich von Anfang an auf die besonderen Anforderungen der Bundesbank ausrichten. Bei bestehenden Hochhäusern wie dem Trianon von 1993 bleiben dagegen trotz einer umfassenden Kernsanierung wesentliche Gebäudestrukturen vorgegeben. Gerade die Integration spezieller Sicherheitsbereiche dürfte dort deutlich aufwendiger sein. Dazu passt auch die hier bereits erwähnte Aussage eines Branchenvertreters (im Vorbeitrag), wonach allein die Bewerbung angesichts der umfangreichen Anforderungen der Bundesbank einer Doktorarbeit gleichkomme. Je komplexer diese Vorgaben sind, desto mehr spricht aus meiner Sicht für ein maßgeschneidertes Gebäude statt für die Anpassung eines bestehenden Hochhauses.

    Natürlich muss ein Neubau nicht zwangsläufig günstiger sein. Angesichts des langfristigen Nutzungshorizonts und der hohen Gewichtung der Gebäudequalität halte ich diese Variante inzwischen aber für plausibler. Ich würde deshalb eher auf einen Neubau tippen, möglicherweise auch als Hochhaus oder Hochhausensemble. Welche der diskutierten Standorte dafür letztlich infrage kommen, bleibt abzuwarten.

    Du musst mich übrigens nicht in jedem Beitrag mehrfach zitieren, um anschließend erneut an meinem eigentlichen Thema vorbeizuschreiben. Meine Aussagen sind auch ohne diese ständigen Wiederholungen verständlich.

    Jetzt erklärst du mir erst, dass meine Kritik an CA Immo eigentlich nicht in diesen Strang gehöre, um unmittelbar danach selbst festzustellen, dass beide Themen durchaus miteinander zusammenhängen. Na also. Genau deshalb habe ich die mögliche Entwicklung des Millennium-Areals hier angesprochen. Schließlich ist CA Immo selbst diejenige, die eine Nutzung des Grundstücks für die Bundesbank öffentlich ins Gespräch gebracht hat. Und damit sind wir unmittelbar beim Thema.

    Was deine Ausführungen zu den Sanierungskosten betrifft, wird es allerdings zunehmend abenteuerlich. Du glaubst den Berechnungen der Bundesbank "keinen einzigen Cent", vermutest irgendwelche anderen Hintergründe, von denen du selbst einräumst, dass du sie nicht kennst, und bist trotzdem felsenfest davon überzeugt, dass ein Neubau am Ende teurer würde. Das ist eine Menge Gewissheit bei ausgesprochen dünner Faktenlage. Auch deine ursprüngliche Selbstbezeichnung als "alter Immobilien-Hase" ersetzt nun einmal keine nachvollziehbare Kostenrechnung (*auch wenn du diese Formulierung inzwischen offenbar wieder aus deinem Beitrag editiert hast). Du kannst die Standortentscheidung der Bundesbank selbstverständlich für ein Trauerspiel halten. Ich kritisiere hingegen die Entwicklungspolitik von CA Immo in Frankfurt und insbesondere die mögliche Aufgabe des Millennium Towers. Beides ist legitim, aber du widerlegst meine Kritik nicht dadurch, dass du immer wieder deine eigene Sichtweise auf die Bundesbank wiederholst. Deine Argumente werden durch ständiges Zitieren meiner Beiträge schließlich auch nicht überzeugender.

    Und ganz offen gesagt: Ich finde es inzwischen ziemlich ermüdend, immer wieder dieselben Punkte erklären zu müssen, weil sich die Diskussion regelmäßig vom eigentlichen Thema entfernt. Ich möchte mich hier über Architektur und Stadtentwicklung austauschen und nicht jeden meiner Beiträge zum Ausgangspunkt einer endlosen Grundsatzdiskussion machen. Vielleicht wäre es deshalb sinnvoller, wenn wir unsere unterschiedlichen Auffassungen künftig einfach stehen lassen, statt uns ständig gegenseitig zu kommentieren. Ich werde es jedenfalls dabei belassen.

    Du machst hier gerade eine ganz andere Diskussion auf, die mit der eigentlichen Kritik nur am Rande zu tun hat. Und hier wird auch niemand ungerechtfertigt "gebasht". Eine kritische Auseinandersetzung mit den Entscheidungen eines Immobilienunternehmens ist schließlich kein Bashing, nur weil einem die Kritik nicht gefällt.

    Es ging mir weder um die Tradition der Bundesbank noch um die Frage, ob sie ihren bisherigen Standort aufgeben sollte. Darüber kann man reden, war aber nicht mein Thema. Interessant finde ich allerdings, dass du meine Kritik an CA Immo als "Bashing" bezeichnest, das Verhalten der Bundesbank selbst aber als "absolutes Trauerspiel" bewertest. Offenbar sind deutliche Worte durchaus erlaubt, solange sie sich gegen die richtige Institution richten. Auch deine Äußerung, eine denkmalgerechte Sanierung des bisherigen Bundesbankgebäudes würde kaum mehr kosten als ein Neubau an anderer Stelle, bleibt ohne entsprechende Zahlen oder belastbare Belege reine (und deine) Spekulation. Kann man so einschätzen, hat aber mit meinem eigentlichen Kritikpunkt ohnehin nichts zu tun.

    Ich bemängle vielmehr, dass CA Immo offenbar bereit ist, das Millennium-Areal entweder an die Bundesbank zu verkaufen oder dort selbst im Auftrag der Bundesbank deren neue Zentrale zu errichten. Zumindest verstehe ich die bisherigen Veröffentlichungen so. Beide Varianten dürften letztlich das endgültige Aus für den seit Jahrzehnten geplanten Millennium Tower (-Komplex), in einer ohnehin schon geschrumpften Option, bedeuten. Und das wäre sehr wohl eine Entscheidung von CA Immo, die man entsprechend kritisieren darf. Die Bundesbank zwingt schließlich niemanden, dieses Grundstück anzubieten oder dort für sie zu bauen.

    Es geht mir auch nicht ausschließlich um das Millennium-Areal. Der Verkauf des Campanile-Areals am Hauptbahnhof zeigt doch, weshalb ich inzwischen den Eindruck habe, dass CA Immo sich zunehmend aus Frankfurt zurückzieht. Genau diese Entwicklung habe ich kritisiert. Ob die Bundesbank mit einem Standortwechsel ihrer Tradition gerecht wird oder ob eine Sanierung ihres bisherigen Gebäudes günstiger wäre, ist eine völlig andere Frage und ändert an meiner Kritik an CA Immo überhaupt nichts.

    Deine Argumentation kann ich aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehen, allerdings greift sie mir etwas zu kurz. Natürlich kann CA Immo selbst entscheiden, in welchen Märkten das Unternehmen investiert und wo es sich zurückzieht. Das habe ich auch überhaupt nicht infrage gestellt. Mir geht es vielmehr darum, wie sich dieses Unternehmen gegenüber einem Standort verhält, von dessen Entwicklung es über viele Jahre erheblich ! profitiert hat.

    Man sollte dabei auch nicht vergessen, woher CA Immo einen großen Teil ihrer Frankfurter Grundstücke überhaupt hat. Die heutige CA Immo Deutschland ging aus der früheren Vivico Real Estate hervor, die ihren Sitz in Frankfurt hatte und ursprünglich aus der Verwertung ehemaliger Bahnliegenschaften entstanden war. Mit der Übernahme von Vivico hat sich CA Immo 2007/2008 riesige, teilweise hervorragend gelegene Grundstücksreserven gesichert, darunter große Teile des Europaviertels. Das waren Flächen, deren Wert auch durch die gesamte städtebauliche Entwicklung Frankfurts über die Jahre erheblich gestiegen ist.

    Und genau deshalb sehe ich das etwas anders als du. Nur weil ein Unternehmen seinen Aktionären verpflichtet ist, bedeutet das doch nicht, dass man seine Geschäftspolitik nicht auch aus städtebaulicher Sicht kritisieren darf. Im Gegenteil. Gerade bei Unternehmen, die über Jahrzehnte ganze Stadtquartiere mitentwickelt haben und über derart bedeutende Grundstücke verfügen, finde ich diese Diskussion mehr als berechtigt. Deine Aussage, dass die städtebauliche Perspektive dabei keine Rolle spiele, kann ich deshalb überhaupt nicht teilen. Für uns hier im Architekturforum sollte sie sogar eine ganz wesentliche Rolle spielen.

    Auch die schwierige Lage am Büromarkt ist mir durchaus bewusst. Nur erklärt sie für mich nicht, weshalb man offenbar gleich mehrere langfristige Entwicklungsperspektiven in Frankfurt aufgibt. Ein Millennium Tower ist schließlich kein Projekt, das man ausschließlich nach der aktuellen Büromarktlage beurteilen sollte. Solche Grundstücke und ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind auf Jahrzehnte angelegt.

    Und wenn CA Immo inzwischen tatsächlich der Meinung ist, dass sich Investitionen in Frankfurt nicht mehr lohnen und die Musik künftig woanders spielt, dann darf man das auch entsprechend kritisieren. Das Unternehmen hat hier über viele Jahre sehr gutes Geld verdient und von der Entwicklung Frankfurts erheblich profitiert. Jetzt entsteht bei mir zunehmend der Eindruck, dass man die verbliebenen Grundstücke möglichst gewinnbringend veräußert und sich aus Frankfurt verabschiedet. Besonders beim Millennium-Areal fände ich das ausgesprochen bitter.

    Dass das aus Sicht der Aktionäre möglicherweise sinnvoll ist, mag ja sein. Aber deshalb muss ich es als jemand, dem die städtebauliche Entwicklung Frankfurts am Herzen liegt, noch lange nicht gutheißen. Und genau darum ging es mir in meinem Beitrag.

    CA Immo hat jetzt auf LinkedIn erneut mitgeteilt, dass man für das Millennium-Areal auch eine mögliche Nutzung als neue Zentrale der Deutschen Bundesbank prüft. Sollte das Grundstück tatsächlich an die Bundesbank verkauft werden, wäre das wohl endgültig das Aus für den Millennium Tower. Dass die Bundesbank dort einen 300 Meter hohen Wolkenkratzer errichten würde, halte ich für vollkommen ausgeschlossen. Never ever. Damit würde Frankfurt eine der letzten Möglichkeiten verlieren, einen Wolkenkratzer dieser Größenordnung an einem dafür geradezu idealen Standort zu realisieren. Ich verstehe ohnehin nicht, weshalb man für die Bundesbank nicht das Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums in Betracht zieht. Das wäre aus meiner Sicht für eine solche Nutzung wesentlich besser geeignet. Inklusive sehr repräsentativem Altbau als Entree beispielsweise.

    Leider habe ich inzwischen ohnehin den Eindruck, dass CA Immo nicht mehr wirklich hinter dem Standort Frankfurt steht. Anders kann ich mir diese Entwicklung kaum noch erklären. Erst verkauft man das Campanile-Areal und begründet das damit, dass dort angeblich keine wirtschaftlich tragfähige Hochhausentwicklung mehr möglich sei. Dabei besteht für diesen Standort weiterhin entsprechendes Baurecht. Dass CA Immo selbst dort nicht mehr bauen möchte, bedeutet schließlich nicht, dass ein anderer Investor das nicht könnte. Und jetzt stellt man offenbar auch noch die Zukunft des Millennium Towers infrage.

    Für mich sieht das zunehmend danach aus, als würde sich CA Immo komplett aus Frankfurt zurückziehen und den Standort weitgehend aufgeben, während man sich lieber auf andere Märkte, vor allem im Osten Europas, konzentriert. Besonders ärgerlich finde ich dabei, dass CA Immo über viele Jahre in Frankfurt ausgesprochen gut verdient und erheblich von der Entwicklung dieser Stadt profitiert hat. Jetzt scheint man die verbliebenen Grundstücke möglichst gewinnbringend verwerten zu wollen und überlässt Frankfurt die Folgen. Das finde ich schon ziemlich bemerkenswert und sagt für mich einiges über dieses Unternehmen aus.

    Ich halte von CA Immo inzwischen jedenfalls herzlich wenig. Wer über Jahrzehnte von einem Standort profitiert hat und sich dann offenbar zunehmend aus der Verantwortung für dessen weitere Entwicklung verabschiedet, verspielt auch Vertrauen. Und wenn am Ende sogar das Millennium-Areal für eine Bundesbank-Zentrale geopfert wird, wäre das aus meiner Sicht ein städtebaulicher Offenbarungseid. Ich sehe diese Entwicklung mittlerweile mit erheblicher Sorge.

    Unser bekannter Mitforist Skyliner war heute zufällig vor Ort, entdeckte die ersten Arbeiten und bat mich, seine dabei entstandenen Aufnahmen hier einzustellen. Dem komme ich natürlich gerne nach, zumal die Bilder die ersten sichtbaren Vorboten des noch in diesem Jahr geplanten Baubeginns dieses spannenden Bauprojekts zeigen. Sehr erfreulich, dass es hier nun endlich losgeht, auch wenn es zunächst nur der Aufbau des ersten Baugerüsts ist. Solche Meldungen könnten wir hier wirklich wieder viel häufiger gebrauchen!

    Bild: https://i.ibb.co/23QX70VC/rossmarkt02.jpg Bild: https://i.ibb.co/Pvm2LxZF/rossmarkt03.jpg Bild: https://i.ibb.co/3ymQFR28/rossmarkt01.jpg

    Bilder: © Skyliner (im Auftrag)

    ^

    Da hätte ich mich tatsächlich präziser ausdrücken sollen. Mich stört nicht grundsätzlich der Hochhausstandort hinter dem Literaturhaus (auch wenn es bessere Standorte gibt), sondern das Schwesternhochhaus in seiner jetzigen, ausgesprochen unansehnlichen Form. Gerade meine Visualisierungen sollten ja zeigen, dass sich an dieser Stelle mit einer eleganteren, auf das klassizistische Literaturhaus abgestimmten Architektur ein durchaus reizvoller Kontrast zwischen Alt und Neu schaffen ließe.

    Das geplante 60 Meter hohe Hochhaus auf dem Kepler-Areal am Ludwigsburger Bahnhof liegt vorerst auf Eis. Der Projektentwickler Pflugfelder Immobilien hat die Grundstücksreservierung nach vier Jahren nicht verlängert. Der 2024 aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf von KSP Engel sah ein 14-geschossiges Hochhaus mit Büros, Gastronomie, Kita und einer neuen Unternehmenszentrale vor. Geschäftsführer Felix Epple begründet den Rückzug mit den schwierigen Marktbedingungen. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die schwache Nachfrage nach Büroflächen machten das Millionenprojekt derzeit wirtschaftlich nicht tragfähig. Man wolle kein Vorhaben aus Prestigegründen weiterverfolgen und damit eine mögliche Bauruine riskieren. Epple bedauert die Entscheidung, hält sie aber für richtig.

    Das Projekt ist momentan de facto gescheitert. Leider.

    Die Stadt muss nun nach neuen Lösungen für das brachliegende Gelände suchen. Diskutiert werden unter anderem eine Basketball-Trainingshalle oder ein Gründerzentrum. Konkrete neue Pläne gibt es bislang nicht.

    Ganz aufgegeben hat Pflugfelder das Kepler-Areal allerdings nicht und schließt einen neuen Anlauf gemeinsam mit der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt ausdrücklich nicht aus.


    Quelle: LKZ und LinkedIn

    So, dann will ich auch mal. Die meisten können es sich ja schon gewiss denken, für welches Hochhaus ich mich entschieden habe.

    Bei den Hochhäusern der älteren Generation fällt mir die Entscheidung ziemlich leicht. Mein eindeutiger Kandidat ist das hier bereits mehrfach genannte Schwesternhochhaus an der Langen Straße. Für mich eines der schlimmsten Beispiele dafür, wie man mit einem einzigen Gebäude ein ganzes städtebauliches Umfeld beeinträchtigen kann. Diese extreme Kopflastigkeit, die auskragenden oberen Geschosse und die umlaufenden Balkon- und Laubengangbänder ergeben eine derart unförmige und abweisende Erscheinung, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man das Gebäude mit einer herkömmlichen Fassadensanierung noch retten sollte. Sehr schwierig, aber möglich, wenn man klassizistische Elemente einfließen lassen würde und man erheblich in die gesamte Gestaltung eingreifen würde:

    2 Ideen von mir, erstellt mit Zuhilfenahme von KI---> Design 1, Design 2

    Besonders ärgerlich ist natürlich die Lage unmittelbar hinter der wunderschönen, rekonstruierten Alten Stadtbibliothek, dem heutigen Literaturhaus. Vorn die elegante klassizistische Architektur und dahinter dieser monströse Klotz. Ein schlimmerer Kontrast ist kaum vorstellbar.


    Bei den neueren Hochhäusern fällt mir die Entscheidung wesentlich schwerer. Hier liefern sich für mich The Spin und ONE ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen.

    Beim Spin stört mich interessanterweise weniger die viel kritisierte Auskragung im oberen Gebäudedrittel. Das eigentliche Problem ist für mich bereits der Grundriss. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, weshalb man ausgerechnet an dieser exponierten Stelle am Güterplatz einen derart lang gezogenen Baukörper verwirklicht hat. Bei gerade einmal 128 Metern Höhe wirkt der Turm dadurch noch breiter, gedrungener und unförmiger, als er ohnehin schon ist. Ein kompakter, möglichst quadratischer Grundriss, der sich an der Grundstücksspitze elegant in die Höhe entwickelt, hätte hier nach meinem Geschmack wesentlich besser funktioniert. Stattdessen steht dort nun dieser merkwürdig proportionierte Baukörper, dessen Gestaltung auch durch die Drehung der oberen Geschosse nicht überzeugender wird, zumindest nicht für mich. Die horizontalen Glasbänder und die insgesamt wenig hochwertige Fassadenwirkung machen es für mich nicht besser.

    Was mich übrigens an beiden Hochhäusern ganz grundsätzlich stört, ist ihre ausgeprägte Asymmetrie. Ich gehöre zu den Menschen, die klare, ausgewogene Proportionen und eine gewisse Symmetrie in der Architektur besonders schätzen. Und damit stehe ich sicherlich nicht allein. Unser Auge empfindet symmetrische Formen häufig als harmonisch, ruhig und angenehm, während hier offenbar ganz bewusst mit diesem Prinzip gebrochen wurde. Natürlich kann auch asymmetrische Architektur ausgesprochen schön sein, wenn sie gut komponiert ist. Aber bei Spin und ONE fehlt mir genau diese gestalterische Balance. Überall Verschiebungen, Auskragungen und Brüche in der Formensprache, die für mich keinen ästhetischen Mehrwert erzeugen. Man vermisst geradezu die Selbstverständlichkeit eines eleganten, in sich stimmigen Baukörpers, der seine Wirkung aus guten Proportionen bezieht und nicht aus möglichst auffälligen geometrischen Kunstgriffen. Nicht umsonst begeistern die frühen amerikanischen Wolkenkratzer bis heute so viele Menschen. Man denke nur an das Chrysler Building oder das Empire State Building in New York, mit ihren schlanken, nach oben gestaffelt zurückspringenden Baukörpern, ihren eleganten Verjüngungen und ihrer konsequent symmetrischen Gestaltung. Auch das Rockefeller Center mit seinem berühmten Hauptturm zeigt, welche zeitlose Eleganz aus klaren Proportionen, vertikaler Betonung und einer ausgewogenen, symmetrischen Formensprache entstehen kann. Und selbst hierzulande findet sich mit dem Borsigturm in Berlin-Tegel ein wunderbares Beispiel aus der Frühzeit des Hochhausbaus. Schon 1924 fertiggestellt, zeigt er mit seiner klaren vertikalen Gliederung, seinen ausgewogenen Proportionen und dem gestaffelten oberen Abschluss, wie eindrucksvoll ein vergleichsweise kleiner Hochhausbau wirken kann, wenn die Gestaltung in sich stimmig ist. Diese Gebäude sind teilweise rund hundert Jahre alt und haben von ihrer architektonischen Ausstrahlung nichts verloren. Ganz im Gegenteil.

    Mein finaler "Sieger" unter den neueren Hochhäusern ist allerdings das ONE.

    Und daran hat sich seit seiner Fertigstellung nichts geändert. Gerade bei diesem Gebäude ärgert mich besonders, dass es für den Standort einmal wesentlich bessere Entwürfe gab. Ich denke vor allem an den fantastischen, 212 Meter hohen Entwurf des Ateliers Jean Nouvel zusammen mit ABB Architekten aus dem Jahr 2000. Ein schlanker, eleganter und in meinen Augen vollkommen zeitloser Hochhausentwurf, der auch heute noch hervorragend aussehen würde. Auch der spätere Wettbewerbsbeitrag von schneider+schumacher hätte mir an dieser Stelle erheblich besser gefallen. Stattdessen hat man sich für eine Gestaltung entschieden, die sich mit ihren Auskragungen unbedingt als stilisierte Eins inszenieren muss. Solche formalen Spielereien mögen in Rotterdam oder anderen niederländischen Städten ihren Platz haben, aber in der Frankfurter Skyline, die für mich gerade durch ihre vergleichsweise klassischen, klaren und eleganten Hochhausformen überzeugt, empfinde ich das als ausgesprochen störend und als Marktschreierei. Ein Gebäude muss nicht durch solche architektonischen Verrenkungen Aufmerksamkeit erzwingen. Und genau das tut es, da es visuell sonst nichts zu bieten hat.

    Dabei möchte ich dem ONE durchaus zugestehen, dass mir seine schlanken Proportionen aus bestimmten Blickwinkeln gefallen. Auch die Fassade ist für mich gerade noch akzeptabel, wenngleich weit davon entfernt, wirklich herausragend zu sein. Mit den ursprünglich einmal vorgesehenen 212 Metern hätte man an diesem Standort allerdings eine wesentlich elegantere Höhenentwicklung erreichen können. Und selbstverständlich wäre auch in einem solchen Turm eine attraktive Hotelnutzung denkbar gewesen.

    Was mich am realisierten ONE aber beinahe noch mehr stört als seine eigentliche Architektur, ist die Gestaltung seines unmittelbaren Umfelds. Damit meine ich ausdrücklich nicht den Platz am östlichen Zugang zum Skyline Plaza, sondern vor allem das seitlich angeordnete Parkhaus mit seiner entsetzlichen Streckmetallverkleidung. Wie konnte man so etwas an dieser prominenten Stelle überhaupt genehmigen? Dieser plumpe, abweisende Klotz wirkt wie ein lieblos abgestelltes Zweckgebäude und verschandelt für mich den gesamten Bereich. Gerade bei einem Hochhaus dieser Größenordnung und an einer der wichtigsten Schnittstellen zwischen Messe, Bankenviertel und Europaviertel hätte man eine gestalterisch anspruchsvolle Einbindung in den Stadtraum erwarten dürfen. Stattdessen bekommt man eine kalte, wenig einladende Umgebung und ein Parkhaus, dessen äußere Erscheinung ich bestenfalls bei einem Gewerbegebiet am Stadtrand akzeptieren würde.

    Da kann man anschließend noch so großzügig mit DGNB-Platin, SmartScore-Platin, WiredScore-Platin und sonstigen Auszeichnungen um sich werfen. Diese Zertifizierungen mögen ihre Berechtigung haben, sie machen aus einem architektonisch misslungenen Hochhaus aber noch lange kein schönes Gebäude. Und sie können schon gar nicht über eine derart enttäuschende Gestaltung des öffentlichen Raums hinwegtäuschen. Gerade wenn man sich vor Augen führt, welche architektonischen Möglichkeiten an diesem Standort bestanden hätten, empfinde ich das Ergebnis als ausgesprochen bitter. Für mich ist das ONE deshalb der verdiente Gewinner des Preises für das hässlichste neuere Frankfurter Hochhaus. Nicht wegen seiner technischen Qualitäten oder seiner Nutzung, sondern schlicht wegen seiner Architektur und der extrem missratenen Einbindung in das städtebauliche Umfeld. Ein dauerhaft verschenktes Potenzial an einer der prominentesten Stellen der Frankfurter Skyline. Gestaltungsrat? Ubi es?

    ^

    Ich halte diese Entscheidung für ausgesprochen bedenklich. Natürlich ist die Privatsphäre ein schützenswertes Gut. Aber wenn inzwischen selbst gewöhnliche Luftaufnahmen von Grundstücken als unzulässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte gelten sollen, frage ich mich schon, wohin diese Entwicklung noch führen soll. Google Earth und Google Maps haben unsere Möglichkeiten, die Welt zu erkunden, grundlegend und ins Positive verändert. Gerade für Menschen, die sich für Architektur, Stadtentwicklung, Geografie oder Landschaften interessieren, sind diese Dienste von unschätzbarem Wert. Ganze Städte lassen sich in ihrer baulichen Entwicklung nachvollziehen, räumliche Zusammenhänge erkennen und Veränderungen dokumentieren. Das ist weit mehr als die bloße Befriedigung eines sog. "Abenteuergeistes", wie es das Gericht offenbar sieht.

    Besonders befremdlich finde ich das Argument, Luftaufnahmen könnten zur Vorbereitung von Einbrüchen dienen. Nach dieser Logik müsste man irgendwann auch öffentlich zugängliche Stadtpläne, Immobilienanzeigen oder Fotografien von Gebäuden, letztendlich sogar die gesamte Panoramafreiheit infrage stellen. Mit nahezu jeder Information lässt sich theoretisch Missbrauch betreiben. Daraus kann aber nicht folgen, dass man sie vorsorglich der Allgemeinheit vorenthält. Mich würde in diesem Zusammenhang ohnehin interessieren, ob sich seit der Einführung von Google Maps und Google Earth tatsächlich eine Zunahme von Einbrüchen nachweisen lässt, die auf die Verfügbarkeit solcher Luftaufnahmen zurückzuführen ist. Ich bezweifle das ganz erheblich. Mir ist jedenfalls kein belastbarer Beleg für einen solchen Zusammenhang bekannt.

    Besonders absurd wird die Angelegenheit, wenn man sich die Konsequenzen dieser Argumentation vor Augen führt. Schließlich betreiben auch die Bundesländer und die großen Städte eigene, öffentlich zugängliche Geodatenportale, deren amtliche Luftbilder teilweise erheblich höher aufgelöst sind als die Aufnahmen von Google Maps oder Google Earth. Dort lassen sich Grundstücke, Gebäude und Gartenanlagen mitunter bis ins kleinste Detail betrachten. Wenn bereits die Darstellung eines privaten Gartens aus der Luft einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre darstellen soll, müsste man konsequenterweise auch diese Angebote infrage stellen. Warum sollte eine Aufnahme bei Google die Privatsphäre verletzen, während dasselbe Grundstück auf einem staatlichen Geoportal weiterhin für jedermann sichtbar bleibt? Das Urteil verpflichtet diese Dienste zwar keineswegs automatisch zur Löschung, aber die dahinterstehende Argumentation wirft genau diese Frage auf. Und was geschieht erst, wenn Hunderttausende Grundstückseigentümer die Unkenntlichmachung ihrer Grundstücke verlangen? Dann verwandeln sich digitale Stadtansichten allmählich in einen Flickenteppich verpixelter Flächen. Gerade in dicht bebauten Städten wäre das grotesk.

    Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig, und ich hoffe sehr, dass die nächste Instanz hier zu einer vernünftigeren Abwägung kommt. Selbstverständlich müssen tatsächlich intime Einblicke in die Privatsphäre geschützt werden. Aber aus dem berechtigten Schutz der Privatsphäre darf kein allgemeiner Anspruch auf Unsichtbarkeit entstehen. Wer ein Grundstück besitzt, erwirbt damit schließlich nicht das Recht, die öffentliche Darstellung eines Stücks Erdoberfläche nach seinen persönlichen Vorstellungen zu kontrollieren. Wenn sich am Ende jeder aus der digitalen Weltkarte herauspixeln lassen kann, brauchen wir Google Earth und die staatlichen Geodienste irgendwann gar nicht mehr. Dann können wir die Welt gleich abschaffen, zumindest ihre öffentliche Abbildung. Was für eine absurde Vorstellung von Datenschutz.

    Und noch zwei Bilder von heute aus leicht versetzten, ähnlichen Perspektiven. Der Neubau wirkt schon jetzt sehr wuchtig, wie befürchtet (und da fehlt ja noch einiges). Um die beiden Bäume davor bin ich wirklich froh. Andererseits ist es gut, dass der Opernplatz nun endlich wieder eine bauliche Fassung bekommt.



    Bilder: © Adama

    Im Grunde widersprichst Du mir ja gar nicht, denn genau das habe ich geschrieben: Hier wird eine städtebauliche Chance vergeben. Dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heute andere sind als 2009, steht ja außer Frage. Damals hat man eine solche Erweiterung um einen 140 Meter hohen Turm immerhin ernsthaft in Betracht gezogen. Dem dürften entsprechende Wirtschaftlichkeitsberechnungen zugrunde gelegen haben. Und natürlich merkt man inzwischen deutlich, dass das Geld bei den Investoren längst nicht mehr so locker sitzt.

    Dass wir beide politisch völlig konträre Ansichten haben und in grundlegenden politischen Fragen kaum weiter auseinanderliegen könnten, ist uns ja bekannt. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Allerdings machst Du es Dir meiner Meinung nach ziemlich einfach, wenn Du die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands immer wieder auf bestimmte Wahlergebnisse und die Politik einzelner Parteien zurückführst und daraus einen vermeintlich unaufhaltsamen Niedergang ableitest. Die weltweiten Verwerfungen durch Putins Angriffskrieg und Trumps zunehmend unberechenbare und psychopatische Wirtschafts- und Außenpolitik tragen schließlich ebenfalls erheblich zur Verunsicherung bei. Was ich dabei besonders schade finde, ist, dass Du diese politischen Untergangsszenarien offenbar immer wieder in Diskussionen einfließen lassen musst, selbst wenn es eigentlich um ganz andere Themen geht. Denn in der Sache selbst liegen wir mit unseren Einschätzungen oftmals gar nicht so weit auseinander. Und gerade unterschiedliche Sichtweisen können eine Diskussion durchaus bereichern und den eigenen Horizont erweitern. Dafür müsste allerdings nicht konstant dieser dramatische Untergangston mitschwingen. Für politische Grundsatzdiskussionen über die allgemeine Weltlage gibt es schließlich entsprechende externe Politikforen. Hier würde ich mich lieber auf Architektur und Stadtentwicklung konzentrieren.

    Was Deine Einschätzung des Standorts betrifft, widerspreche ich Dir allerdings deutlich. Die unmittelbare Nähe zur Messe, die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die benachbarten Bürostandorte im Westend und Europaviertel sprechen nun wirklich nicht für eine periphere Lage. Wir reden hier schließlich nicht über irgendeinen abgelegenen Bürostandort am Stadtrand, sondern über einen etablierten Standort innerhalb des Frankfurter Stadtgefüges, mit einer ausgesprochen guten Verkehrsanbindung. Dass die Lage nicht mit dem Bankenviertel gleichzusetzen ist, kann man verstehen. Aber daraus gleich eine mangelnde Eignung für ein höheres Hochhaus abzuleiten, halte ich für nicht überzeugend.

    Entscheidend ist doch letztlich, ob es einen entsprechenden Ankermieter gibt, der an genau diesem Standort größere zusammenhängende Büroflächen benötigt und bereit ist, sich langfristig zu binden. Dann sähe die Wirtschaftlichkeitsrechnung vermutlich schon wieder ganz anders aus, und auch ein z. B. 140 Meter hoher Neubau könnte durchaus wieder interessant werden. Natürlich muss eine solche Investition solide finanziert und entsprechend abgesichert sein. Eine Bauruine wie den Elbtower möchte schließlich niemand. Nur ist der Elbtower für mich kein Argument gegen ambitionierte Hochhausprojekte an sich, sondern vielmehr ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Finanzierung und wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht ausreichend gesichert sind. Dass man sich angesichts der derzeitigen Marktlage für die kleinere Lösung entscheidet, kann ich wirtschaftlich durchaus nachvollziehen. Architektonisch und städtebaulich bleibt sie für mich trotzdem eine herbe Enttäuschung.


    Hier der entsprechende Entwurf mit dem 140 m hohen Hochhaus:

    Citrus3d-Referenz-981.jpg

    Bild: PBS-Architekten, Visualisierung: Citrus3d