Bahnhofsviertel auf Metaebene

  • Ich habe lange überlegt hier was zu schreiben, weil das Thema sehr emotional aufgeladen ist. Ich bin dann oft in einer Position, dass ich beide Seiten absolut verstehen kann und fühle mich da eher bemüßigt zu vermitteln, als konkret eine "Meinung" zu vertreten. Als Kind war die Welt noch einfach: Ich dachte, warum nehmen die Menschen Drogen, das ist doch ungesund und jeder rational denkende Mensch würde das nicht tun. Für mich war das einfach unlogisch und so auch jeder "selbst Schuld", der Drogen nimmt. Aus eigener Erfahrung im Erwachsenenalter mit viel harmloseren Dingen, als Drogen, bin ich mittlerweile da verständnisvoller. Emotionen und psychische Themen können (labile) Menschen sehr irrationale Dinge tun lassen. Natürlich ist es die eigene Verantwortung diese Themen anzugehen, aber mit einem pauschalen "selbst Schuld" kommt man bei Betroffenen nicht sehr weit. GLEICHZEITIG sehe ich es aber auch so, dass es möglich sein muss mit einer gewissen Härte die Gesellschaft, die durch das Verhalten dieser Menschen in ihrer Freiheit eingeschränkt wird, zu schützen. Ich vermisse auch konkrete Ideen, die Ursachen zu bekämpfen. Das fängt bei der Verfügbarkeit der Drogen an und hört bei der mangelnden Verfügbarkeit von Hilfseinrichtungen auf. Und vor allem vermisse ich Ideen, wie man vielleicht auch den Betroffenen Personen Anreize schafft, Hilfsangebote anzunehmen. Solche immer wieder vorgeschlagenen Maßnahmen, wie Fußgängerzone, Wochenmarkt, Trinkbrunnen drehen für mich die Kausalität um. Es muss doch umgekehrt sein: Wenn sich die Situation verbessert, dann haben wir auch eine gern genutzte Fußgängerzone oder einen Markt, der funktioniert. Aber umgekehrt wird das nicht klappen. Das ist wie wenn man unglücklich ist, dass im Garten nichts wächst, auch wenn man immer wieder neue Blumen pflanzt. Man ändert aber nichts daran, dass der Boden trocken ist. Gießen UND pflanzen, sonst bleibt alles wie es ist.

  • Günter Murr bringt es in der FAZ gut auf den Punkt: Das Bahnhofsviertel muss ein Kiez für ALLE sein – auch für die rund 23.000 Menschen, die dort arbeiten. Ihre Interessen und die ihrer ansässigen Arbeitgeber finden im Strategiepapier jedoch kaum Beachtung, ebenso wenig wie die der Familien, die ihre Kinder in die Kitas, Kindergärten und Schulen des Viertels schicken.

    Ich wäre bereits sehr zufrieden, wenn Frankfurt Zustände wie die Bahnhofsumgebungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Leipzig, Hannover, München oder Stuttgart erreichte. Auch dort ist nicht alles perfekt – Drogenprobleme, herumlungernde Gruppen und menschliches Elend existieren ebenfalls. Doch nirgends ist die Lage annähernd so zugespitzt wie in Frankfurt. Ein Blick dorthin könnte zeigen, was möglich wäre, wenn man es wirklich wollte.

  • Nicht nur die 23000. Jeder der 800000 Stadtbürger muss hier mal durch und hat ein Anrecht auf vernünftige Bedingungen, plus die ganzen Pendler und Gäste / Touristen. Es ist eine Schande, dass man sich so wenig bemüht.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Welchen Impuls hättest du denn gegeben?

    Wie versprochen komme ich darauf zurück. Tipps die ich gebe reflektieren die Sicht der Mehrheitsgesellschaft (Stadtbürger, Pendler, Touristen / Gäste etc.), legitime Spezialinteresse kleinerer Gruppen (Obdis, Drogenabhängige, Prostituierte etc.) werden an anderer Stelle behandelt, sind aber auch nicht Fokus dieser Initiative nach meinem Verständnis.

    In dieser Hinsicht gibt es zwei große Probleme im nördlichen Viertel, die man dringend angehen muss:

    1) Hygiene: überall Müll, Gestank, Extremente, versiffte Oberflächen usw.

    2) Disziplinlosigkeit/Verhalten: öffentlicher Drogenkonsum/Ticken, Lautstärke, Wildpinkeln (und Schlimmeres), Vandalismus usw.

    Das sind die zwei großen Probleme des Viertels und eben NICHT ein Mangel an Kunst, Kultur, Events, Freizeitmöglichkeiten usw.!

    Dabei verursacht natürlich 2) in erheblichem Umfang 1).

    Und am Lösen dieser beiden Probleme sollte sich eine Strategie für das Viertel ausrichten, nicht an Dingen, die vlt. ins ideologische Konzept von Frau Voitl und NIKA passen oder dem ein oder anderen Gastronomen oder Künstler Umsätze verschaffen, aber für die Menschen, die das Viertel nutzen und den ganzen Spass ja auch bezahlen dürfen, überwiegend nichts bringen!

    Was kann man also machen?

    Zu 1)

    a) Warnschilder vor den einschlägigen Ecken (keine Flipflops, keine Kinder, keine Tiere), die Ortsfremde auf die Probleme des nördl. Viertels hinweisen (Scherben, Spritzen, traumatisierende Erlebnisse). Wie oft habe ich schon entsetze ortsfremde Familien gesehen, die sich in die Niddastraße verirrt hatten. Dass die Stadt die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes in offene Messer laufen lässt, geht einfach gar nicht.

    b) Ordnungsamt das dafür sorgt, dass Mülleimer nicht permanent draußen stehen, sondern wie es sein soll nur am Vorabend der Leerung.

    c) Taskforce Oberflächenreinigung: öffentliche Oberflächen (insb. Siff, Graffitis, Tags, Aufkleber, Plakate etc.) können direkt gereinigt werden, bei Oberflächen in Privatbestand muss man die Besitzer einmal anschreiben und darauf hinweisen, dass sie sich in unserer Stadt eben an gewisse Hygiene-Mindeststandards zu halten haben, ggf. kann man Anbieten, dass die Taskforce bei der Reinigung hilft.

    d) Taskforce Uringestank: Was gibt es da für technisch/chemische Lösungen? Da muss doch etwas möglich sein, dass muss man dann mit den Besitzern der betroffenen Oberflächen ausverhandeln, wie man das umsetzt, vgl. c)

    e) Einrichtung robuster Mülleimer: da gab es Verbesserungen, aber gut ist das noch nicht, z.B. der Mülleimer am Schindler-Platz ist weiterhin dauerhaft kaputt. Auch andere liegen immer wieder defekt herum, auch die Anwohnermülltonnen sollten dahingehend angegangen werden.

    Zu 2)

    a) Drogenprävention: Flüchtlingen bei der Registrierung einimpfen, dass Crack, Fenta/H ihr Ende ist. Muss man evtl, Druck auf den Bund / das Land machen dass das geht. Überall (Straßenbahnen, Plakate usw.) plakatieren wie dramatisch die Folgen dieser Drogen sind und wie schnell und stark man abhängig wird.

    b) Sozialarbeiter: Scope erweitern, die sollen insb. den Drogenleuten Sozialverhalten beibringen, falls das nicht geht, brauchen wir spezielle Stewarts, die dafür sensibilisieren (insb. bzgl. Müll und Wildpinkeln). 80% der Menschen im Viertel sind meiner Erfahrung nach dafür erreichbar.

    c) Ordnungsamtsstreifen, die das Viertel permanent durchlaufen und b) etwas verbindlicher gestalten. Die sollen auch explizit Strafen aussprechen.

    d) angemessenes Ausleuchten von Angsträumen (Ponto-Brunnen, Ecke Mosel/Nidda beim Rewe, Niddasack ...).


    Das meiste davon sollte machbar und bezahlbar sein und würde die Zustände im Viertel für alle Menschen spürbar verbessern, da bin ich mir sicher. Ich habe nicht den Eindruck, dass das vorliegende Pamphlet in diese Richtung geht, es wird wieder primär eine Subventionsschleuder werden, die an den Problemen des Viertels nicht ansetzt.

  • Rud ab Seite 48 wird im Strategiepapier doch eigentlich genau das alles besprochen, im Unterthema Sicheres BHV:

    zB dass es Maßnahmen geben soll, die Angsträume auflösen bzw entschärfen; wobei am Beispiel des Niddasack auf das bisherige Desinteresse des privaten Gebäudeeigentümers hingewiesen wird.

    Dass die Reinigung der öffentlichen Bereiche u.a. mit den gewerblichen Anrainern enger abgestimmt wird (zB wegen Abfällen von Gastronomie, die offenbar durchwühlt würden). Und aktuell gehen offenbar bereits "Stewarts" mit den Reinigungsteams durchs Viertel, die Wohnungslose oder Berauschte temporär moblisieren, damit die Reinigung an allen Stellen stattfinden kann.
    Wildpinkeln: es werden neue Standorte für WCs und Pissoirs definiert

    Verursachende Gruppen: Drogenabhängige, Freier, Feiernde, Touristen

    bzgl. Drogenkonsum: deren Versorgung soll verbessert werden: zB sollen Subsitutionstellen mehr Ruhe- und Konsumplätze bekommen, ergo weniger müssten auf der Straße spritzen.

    Ich könnte mir die Mühe machen, noch mehr aus dem Papier abzutippen, mache ich aber nicht. Denn wir können es alle selbst darin nachlesen. Es wurde ja schließlich hier im Thread verlinkt.

    Ich will nicht sagen, dass das Papier komplett Ihren Vorstellungen entspräche, aber viele der von Ihnen offenbar vermissten Aspekte werden darin besprochen - und zwar wohlwollend.

    Abschließend noch zum NIKA: das wird auf gerade einmal 2 der 100 Seiten angesprochen.

    Adama Ich bin ein bisschen irritiert über Ihren mich maßregelnden Kommentar, in dem Sie mir einen schlechten Umgangston mit einem Mitforisten attestierten, aber nicht erkannten, dass ich meine Wortwahl dem vorigen mir geltenden Kommentar anpasste, der mich als dümmlich darstellte und mich gleichzeitig aber nicht verstanden hatte: Denn meine Google-Maps-Analyse galt dem gewerblichen Angebot des BHV, nicht der Drogenszene oder etwaigen Unsicherheit dort. Das sagte ich nie. Ich schrieb, man findet ein großstadtübliches Angebot. Also zB Rewe, Rewe to go, DM, Rossman, Zeit für Brot, Frittenwerk, (internationale) Hotelketten noch und nöcher, usw usf. Hätte ich natürlich präziser formulieren können. Ergo ist es mir (Ja, als Außenstehender) schwer vorstellbar, dass das BHV dieser unglaubliche Unort sei, der in anderen Kommentaren durchklang.
    Sie haben außerdem drei Absätze damit verbracht, ziemlich genau das zu sagen, was ich auch schon sagte: Die einzige wirklich nachhaltige Befriedung des Drogenproblems im Frankfurter BHV könne eigentlich nur eine umfassende soziale Betreuung der Abhängigen sein, die aber sehr viel kosten würde. (Ich verkürzte es mit "riesige Entzugsklinik", Sie gingen mehr ins Detail)
    Und verzeihen Sie mir, wenn ich sie eventuell missverstand, aber Ihre Worte wie "ich [bleibe] jetzt fassungslos (!) zurück": "Das BHV wird zum Drogenparadies und zur Spielwiese für Suchtkranke umfunktioniert" klingen derart alarmisierend, dass ich natürlich dahingehend beruhigen und aufklären wollte. Dass aus dem Papier und bisherigen Maßnahmen eben nicht hervorgeht, dass der Magistrat das BHV zum Drogenparadies machen will.

    Und zum Schluss noch etwas Allgemeines:
    Bei der Veröffentlichung handelt es sich um ein Strategiepapier, das aus diesem Think Tank hervorging. Dieses Papier wird nun offenbar als Grundlage hergenommen, um Maßnahmen zu entwickeln/konkretisieren und zu verwirklichen. Je nach Ansatz sollen verschiedenste Akteure dazu zusammenkommen: u.a. Drogenbeirat, diverse Dezernate, Polizei, und ja, auch mal Anwohner oder Unternehmen im Viertel. Als Zeitraum dieser Maßnahmen gilt alles von jetzt bis 2040. Die Veröffentlichung ist also wahrlich kein final abgesteckter Plan, es ist nur ein Überblick über anzugehende Maßnahmen.

    Hätte ich das Papier genauso veröffentlicht? Bestimmt nicht. Aber hier im Forum wurde es von manchen unverhältnismäßig harsch verrissen. Das aufzuzeigen, ist mein einziges Anliegen in diesem Thread gewesen.

  • ulayin

    Eines vorneweg: Hier im Forum duzt man sich normalerweise. Dass du plötzlich auf das Siezen umschwenkst, wirkt weniger als "Anpassung an den Ton“ und deutlich mehr wie eine bewusst gewählte Distanz, eine Art höflich verpackte Verachtung. Kann man machen, aber dann sollte man sich nicht wundern, wenn der Umgang als unangenehm empfunden wird.

    Und um das klarzustellen:

    Mein vorheriger Beitrag war keine Maßregelung. Ich habe dich weder persönlich angegriffen noch versucht, dich "zurechtzuweisen“. Ich habe auf inhaltliche Punkte reagiert, die aus meiner Sicht einer Korrektur bedurften, weil sie so nicht zutreffen oder aus der Perspektive eines Außenstehenden zwangsläufig unvollständig bleiben. Das ist in einer Diskussion normal und keine Frage von Hierarchie oder Tonfall. Dass du das als Maßregelung gelesen hast, war nicht gewollt.

    Zum Inhaltlichen:

    Du beziehst dich auf Google Maps und leitest daraus ab, wie "üblich“ das Bahnhofsviertel sei. Das mag als Beschreibung der Ladenflächen taugen, hat aber mit der tatsächlichen Lebensrealität im Quartier herzlich wenig zu tun. Wer die Situation nur aus der Distanz kennt, beurteilt zwangsläufig nur die Oberfläche. Für diejenigen, die hier leben und täglich mit den realen Herausforderungen konfrontiert sind, ergibt sich ein anderes, deutlich komplexeres Bild.

    Mein Beitrag war auch nicht "alarmistisch“, wie du es zwischen den Zeilen darstellst, sondern Ausdruck langjähriger unangenehmer Erfahrung und gewachsener Sorge. Dass du mich "beruhigen“ wolltest, zeigt eher, dass du die Grundlage unserer Kritik nicht nachvollzogen hast. Für viele Anwohner und Rest-Frankfurter ist die Situation seit Jahren belastend und nicht aus Sensibilität, sondern weil sie es erleben. Tagtäglich.

    Und nein: Wir haben nicht "dasselbe gesagt“. Soziale Betreuung ist wichtig; aber ohne eine entschlossene Bekämpfung der Dealerstrukturen bleibt jede Maßnahme ein bloßes Verwalten des Status quo. Diesen zentralen Punkt lässt du komplett außen vor.

    Du schreibst, das Strategiepapier sei lediglich ein Überblick über mögliche Maßnahmen bis 2040. Genau darin liegt das Problem:

    Schon der Überblick basiert auf einer geschönten, verkürzten Darstellung der Realität.

    Wenn das Fundament nicht stimmt, kann der Aufbau nicht funktionieren. Die Kritik richtet sich daher nicht gegen das Konzept an sich, sondern gegen den Umstand, dass der Magistrat bereits im Einstieg die Lage herunterspielt und Angsträume "minimiert“, die in der Realität längst größer geworden sind.

    Und ja, diese Diskrepanz macht fassungslos.

    Nicht alarmistisch, einfach wirklich fassungslos.

    Zum Schluss:

    Du bemängelst den "harschen Ton“ mancher Reaktionen. Klare Kritik ist jedoch notwendig, wenn ein Papier an den tatsächlichen Lebensumständen der Betroffenen vorbeigeht. Kritik ist kein Selbstzweck, sondern Verantwortung und in diesem Fall mehr als angebracht.

    Abschließend noch eines: Ich merke, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem sich unsere Perspektiven nicht mehr sinnvoll annähern lassen. Du hältst sehr stark an deiner Sicht fest, verdrehst wiederholt meine Aussagen und reagierst auf andere Erfahrungen eher mit belächelnder Relativierung als mit Offenheit. Das ist dein gutes Recht, aber unter diesen Bedingungen sehe ich für mich keinen Mehrwert in einer weiteren Diskussion mit dir. Ich respektiere deine Position, auch wenn ich sie nicht teile und belasse es daher an dieser Stelle dabei.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Natürlich wird da irgendwo auch das Thema Sauberkeit erwähnt, es ist zu offensichtlich um es komplett wegzuleugnen.

    Was fehlt ist eine ehrliche Evaluation der bisherigen Maßnahmen (die neuen teuren Klos haben überhaupt nichts gebracht), was fehlt ist eine ehrliche Einschätzung der Situation, was dem ganzen Dokument fehlt ist ein Bekenntnis zum Paradigmenwechsel, was fehlt ist eine ehrliche Einschätzung dessen, dass immer nur mit Freiwilligkeit und noch mehr Abermillionen für falsche Maßnahmen in das Viertel pumpen eben nichts gewonnen ist. Man tut so als sei das Viertel ganz dufte, mit kleinen Fehlerchen. Nein, das nördliche Viertel ist eine Katastrophe.

    Solche warmen, weichgespülten Worte hören wir hier seit Jahrzehnten, es ist immer nur noch schlimmer geworden.

    Was wir brauchen ist ein Konzept in dem steht: wir haben hier zwei primäre Probleme, Hygiene und Verhaltensdisziplin. Der Status Quo ist eine Katastrophe, hier wollen wir zivilisatorische Mindeststandards erreichen, denn so kann es absolut nicht bleiben.

    Bisher haben wir XYZ versucht, das hat nichts gebracht. Deswegen wollen wir alles auf den Prüfstand stellen und neu denken, dabei sprechen wir die Probleme klar an und verzichten auf Ablenkungsmaßnahmen und wir schonen uns auch nicht. Wir gucken was woanders funktioniert hat und warum die Dinge in Frankfurt so viel schlimmer sind als anderswo und wir lassen uns bzgl. der primären Probleme des Viertel und der Wirksamkeit von Maßnahmen EHRLICH evaluieren. Den Willen zur Veränderung unterlegen wir dadurch, dass wir kritische Stimmen einbeziehen und fördern und die Vergangenheit ehrlich aufarbeiten. Das ist auch als klares Bekenntnis gegen ein "Weiter so" zu werten.

    Und das allerletzte was wir brauchen ist noch mehr Schönrednerei:

    "Mit einer ausgewogenen Berichterstattung aller Beteiligter das Narrativ für das BHV aktiv gestalten und nachhaltig verbessern". Damit schicken die dann die ganzen Teilnehmer wieder in die Medien und töten jedwede kritische Berichterstattung ab. Statt um echte Veränderung geht es wie immer primär um Narrativsteuerung.

  • Adama

    Gesiezt habe ich übrigens weil ich erst seit Kurzem hier im Forum bin und ich mir nicht sicher war, ob der vertraute Umgangston per Du aufgrund langer Bekanntschaft der Foristen zustande kam. Ich werde jetzt also auch Du verwenden.

    ---

    Nun ist es aber so, dass das gewerbliche Angebot eben Rückschlüsse zulässt, auch wenn man selbst lange nicht mehr im BHV war. Wenn sich dort zB übliche Handelsketten niedergelassen haben, bedeutet dies, dass sich dort eben auch eine übliche Kundschaft rumtreibt. Ergo: Jedermann. Und dass diese Kundschaft es offensichtlich verträgt, im BHV zum DM zu gehen und nicht aus Angst eine andere Filiale frequentiert, sonst wäre der Laden im BHV nämlich schon dicht gemacht worden. Deinen Wunsch der Zerschlagung der Dealerstrukturen hatte ich vergessen; ich habe ihn nicht bewusst weggelassen. Natürlich wäre das auch Teil einer nachhaltigen Lösung der drogenbezogenen Probleme des BHV.

    Aber: gleich im Vorwort steht unter anderem: "Mit erhöhtem repressivem Druck soll gegen die Drogendealer

    vorgegangen werden." Also genau das, was du dir wünschst. Ich denke aber auch, dass die Drogendealerstrukturen nicht alleine aufs BHV begrenzt sind, daher hat dieses Papier sie vielleicht weniger als dir lieb ist besprochen. Das Zeug wird vllt in Tschechien oder sonstewo gekocht, aber wahrscheinlich nicht in einem Hinterhof auf der Taunusstraße. Diese Strukturen aufzuhebeln ist also eine weitaus größere Aufgabe, von eventuell internationaler Tragweite. Was nicht bedeutet, dass man sie außen vor lassen sollte, aber ich glaube die Stadt Frankfurt kann hier nicht allein die Lösung erbringen.

    Hier nochmal ein Auszug der Unterziele des Papiers im Bezug auf die Sicherheit im BHV:

    1. Notwendige repressive Maßnahmen der Stadtpolizei, der städ-

    tischen Verkehrspolizei sowie der Landes- und Bundespolizei

    ergreifen und je nach Entwicklung der Gefahrenlage anpassen

    2. Konflikte im öffentlichen Raum eindämmen

    3. Sicherheit von Frauen im BHV gewährleisten

    (sexualisierte Gewalt gegenüber allen Frauen bekämpfen,

    Prostituierte schützen)

    4. Das „Wildpinkeln“ unterschiedlicher Verursachergruppen

    (Freier, Partygänger, etc.) bekämpfen (z.B. mit Konzept und

    Aufstellung öffentlicher Toiletten/Pissoirs und Vereinbarungen

    mit Gastronomiebetrieben, Sanktionierungen durch Ordnungs-

    behörden)

    5. Müllerzeugung reduzieren und Müllentsorgung verbessern

    (z.B. Essensausgabe koordinieren, Taktung der Müllabholung

    anpassen)

    6. Intensive Reinigungsaktivitäten fortlaufend evaluieren

    und bei Bedarf anpassen!

    7. Angsträume reduzieren (Schlecht einsehbare Ecken

    baulich vermeiden und für gute Beleuchtung sorgen)

    Es wundert mich also, wenn dann in diversen Beiträgen etwas als beispielsweise fehlend moniert wird, was im Papier aber tatsächlich adressiert und als Problem anerkannt wird. Stattdessen hat irgendjemand über "Linke Politik in ihrer Reinform" gespottet, es wurde sich über den Vorschlag eines Rauschmuseums* relativ unsportlich lustig gemacht oder beispielsweise das Wohnprojekt NIKA der Antifa zugeschrieben und geschlussfolgert, dass die Veröffentlichung und ihre Zielsetzungen an der Realität vorbeigingen. Ein anderer Mitforist hat anschließend richtigerweise darauf hingewiesen, dass es seltsam sei, den Inhalt des Papiers derart zu verkürzen und sich ausgerechnet diesen Punkt von den zahlreichen herauszupicken. Das sehe ich genauso. Und deswegen habe ich mich entschlossen, auch einen Beitrag zu verfassen.

    Wie gesagt, ich selbst gehe mit den Ideen und Vorschlägen des Papiers auch nicht zu 100% mit. Zum Beispiel die möglichen Blumenkörbe an Laternen - als ob die jemanden im Rausch davon anhalten würden, fünf Meter weiter auf den Gehweg zu k*cken. Ich glaube dennoch, dass die Maßnahmen in ihrer Summe für wirkliche Verbesserung einiger Zustände im BHV sorgen können. Kritik zu äußern ist natürlich nichts verkehrtes, aber ich hatte einfach den Verdacht, dass hier manche Meinungen niedergeschrieben wurden, ohne sich vorher mit den Inhalten des Papiers wirklich vertraut gemacht zu haben.

    Und ich las einige dieser Beiträge so, als wollten manche Foristen das Papier aus persönlichen Gründen einfach nicht ernst nehmen oder gutheißen.

    Vielleicht, weil es aus einem "gegnerischen" politischen Lager kommt? Wundern täte es micht nicht, ich kenne solche Argumentationsdynamiken sehr gut aus meinem persönlichen Umfeld. Wen ich aber natürlich nicht persönlich kenne, sind die Menschen die hinter diesen für mich fragwürdig formulierten Posts stehen, daher will ich hier auch nicht weiter spekulieren. Aber wenigstens offen sein und es kundtun.


    Hiermit belasse ich es jetzt auch gerne dabei und lege es jedem Interessierten ans Herzen, das Papier zu lesen.

    Ich persönlich finde, das Strategiepapier schafft durchaus eine gute Grundlage! Es sind auch einige informative Karten darin enthalten, die Problemzonen lokalisieren und genauer definieren.

    *Dabei wäre ein Rauschmuseum wohl nirgends besser verortet als im BHV! Ich würde sofort hingehen. Das Auswandererhaus zum Beispiel, ein gutes und beliebtes Museum, steht auch nicht ohne Grund in Bremerhaven, in der Stadt, aus der damals die Schiffe nach Amerika ablegten.

    **Fun Fact: Durchs Strategiepapier lernte ich die Metzgerei Stürmer kennen, offenbar eine alteingesessene Gastwirtschaft im Viertel, auf der Ecke Nidda- und Elbestraße. Heute, laut den schlauen Karten des Strategiepapiers, mitten in einem Hotspot aller Probleme des BHV - Drogen, Sexarbeit, Kriminalität, Angstraum.

    Das schreibt jemand auf Google Maps: "Die direkt Umgebung ist von vielen Drogensüchtigen und Laufhäusern aber auch Banken geprägt.
    Das Publikum dort ist sehr gemischt. Viele Banker aus der unmittelbaren Umgebung und auch Handwerker schätzen das Essen dort. Ich empfehle diesen Betrieb." Wenn ich bald mal nach Frankfurt fahre, werde ich hier auf jeden Fall vorbeischauen.

  • Mal eine kleine Untermalung meiner Aussage zum Meinungskartell mit den Trägern, weil diese von der Stadt bezahlt werden und deswegen natürlich strategisch kommunizieren müssen um bei den Ausschreibungen berücksichtigt zu werden. Das macht sie zu bequemen Ansprechpartnern für die Medien die immer auf Linie sind.

    Der Verein Beratung Jugendhilfe war kürzlich in einer schwierigen Situation wo er sich zwischen Voitl und Josef entscheiden musste. Man hat sich für Josef entschieden, sofort werden die von Voitl abgestraft.

    https://www.fnp.de/frankfurt/trot…h-94087102.html

  • Sofortprogramm für das Bahnhofsviertel Frankfurt

    Das Innenministerium Hessens und die Stadt Frankfurt haben sich auf ein Sofortprogramm für das Bahnhofsviertel Frankfurt verständigt. Dazu erschien heute eine Pressemitteilung des Landes. Das sind die einzelnen Maßnahmen:

    • Verbesserung der Baustellensituation: Die bestehenden Baustellen im Viertel werden überprüft und idealerweise so schnell wie möglich abgeschlossen. Um die Verengung von Gehwegen und die damit verbundene Verdichtung der offenen Drogenszene zu verhindern, sollen die Flächen auf das notwendige Minimum reduziert werden. Künftig wird die Planung verstärkt dahingehend erfolgen und die Beratung der Polizei nicht mehr nur für verkehrliche Aspekte sondern generell mit einbezogen. Außerdem wird die Frequenz der Straßenreinigung nochmal erhöht und durch eine Verbesserung der Toilettensituation begleitet.
    • Gesichtserkennung durch KI im Strafverfahren: Wir werden Möglichkeiten für die KI-Sichtung von Massendaten vorantreiben (unter Beibehaltung des Human-in-the-loop Ansatzes) und eine Initiative für die rechtliche Zulassung biometrischer Echtzeit-Fernidentifikation (laut IMK-Beschluss) zur effektiveren Täterüberführung im Viertel starten.
    • Außerdem werden wir eine Intensivierung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Finanz- und Sozialkriminalität umsetzen und behördenübergreifende Aktionstage zur Aufdeckung von Sozialleistungsbetrug und verdächtigen Bargeldbewegungen sowie illegalem Glücksspiel prüfen und durchführen. Dealer-Bargeld werden wir beschlagnahmen, um Handelsstrukturen wirtschaftlich zu stören und den Straßenhandel unattraktiv zu machen.
    • Gemeinsame Kontrolltage für Hygiene- und Lebensmittelkontrollen, Schwarzarbeit und illegalem Glücksspiel: Behördenübergreifende Razzien (Polizei, Zoll, Ordnungsamt) werden im Sommer und darüber hinaus intensiviert, um die finanzielle Basis der Kriminellen auszutrocknen.
    • Wir werden intensiv prüfen, ob eine HSOG-Befugniszone rechtlich möglich ist, um Platzverweise, Aufenthaltsverbote und Ermittlungsverfahren gegen Dealer und Konsumenten harter Drogen rechtssicherer durchzusetzen.
    • Durch eine verschärfte Überprüfung der Einhaltung der räumlichen Beschränkung werden wir dazu beitragen, dass abhängige Personen der Erstaufnahme in den Gebieten ihrer Erstaufnahmeeinrichtungen verbleiben, und sich nicht im Bahnhofsviertel aufhalten.
    • Polizei vor Ort wirkt und stärkt das Sicherheitsgefühl. Die schon heute eingerichtete mobile Wache der Polizei wird verstetigt. Für eine im Bahnhofsviertel einzurichtende Polizeiwache werden Stadt und Land eine geeignete, gut sichtbare und exponiert gelegene Immobilie suchen und die Polizeiwache einrichten.
    • Gleichermaßen wird die Stadtpolizei Frankfurt ihre Präsenz vor Drogenkonsumräumen verschärfen.
    • Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte beschleunigen Strafverfahren (insb. bei geringer/mittlerer Kriminalität), gegenüber Kriminellen. Durch novellierte Abläufe, einen digitalen Kriterienkatalog und optimierte Strafbefehlsverfahren werden Verstöße gegen Aufenthaltsverbote (§ 43b HSOG) zügig sanktioniert. Ein fortlaufendes Monitoring ermittelt schon heute gezielt, ob in diesem Bereich bereits alle Effizienzpotenziale ausgeschöpft sind, um das Strafbefehlsverfahren und die Rechtsdurchsetzung noch weiter zu optimieren. Zu rechtlichen Fragestellungen werden wir den fachlichen Lenkungskreis nutzen und diese in eine justizinterne Taskforce zur Prüfung, Erörterung und gegebenenfalls Umsetzung geben.
    • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt legt durch die Bearbeitung in zwei in hohem Maße spezialisierten Abteilungen einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität. Die Bearbeitungszeit solcher Strafsachen und der Begleitkriminalität im Frankfurter Bahnhofsviertel durch Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Frankfurt ist daher bereits jetzt in hohem Maße zügig und effektiv. Zur weiteren Optimierung und konsequenten Sicherung der staatlichen Strafverfolgung wird die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft weiter in regelmäßigen Dienstbesprechungen („jour fixe“) intensivieren. Zudem wird weiterhin ein Fokus auf die Möglichkeiten der Effektivierung der Strafverfolgung mittels KI gelegt. Hierzu werden Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Frankfurt mit entsprechenden Werkzeugen ausgestattet werden.
    • Die Abstimmungen zur Initiierung der gemeinsam durch das Land und die Stadt finanzierten Crack-Substitutionsstudie laufen derzeit auf Hochtouren und die Studie startet zeitnah durch Einleitung des erforderlichen Genehmigungsverfahrens.
    • Mit Fallkonferenzen nach dem Psych-KHG soll der Informationsaustausch zwischen den Behörden mit Bezug auf psychisch betroffene Risikopersonen noch einmal intensiviert und gestärkt werden.
    • Drug-Checking umfasst die chemische Analyse illegaler Substanzen, direkt gekoppelt an eine gesundheitliche Risikoberatung. Um eine Normalisierung des Konsums zu verhindern, wird das Angebot streng auf die Testung stark abhängig machender Drogen und schwer suchterkrankte Personen begrenzt und ausschließlich in bestehende Drogenkonsumräume integriert. Ziel ist es, akute Gesundheitsgefahren zu reduzieren und Konsumenten direkt in das bestehende Suchthilfesystem zu vermitteln. Aufgrund der im Bahnhofsviertel vorherrschenden Konzentration schwerstabhängiger Menschen und der bereits etablierten Drogenkonsumräume eignet sich ein diesbezügliches kontrolliertes Modellvorhaben ideal als zukunftsweisender Ansatz für das Frankfurter Bahnhofsviertel und soll zeitnah umgesetzt werden.
    • Das volle Potential der Drogenkonsumraum Verordnung wird ausgeschöpft. Die Stadt wird als Überwachungsbehörde gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag kontrollieren, ob die Betreiber die rechtlichen Mindeststandards einhalten, wozu auch die Gewährleistung der Ausstiegsorientierung der Nutzerinnen und Nutzer, die Reduktion der Belastungen der Öffentlichkeit durch konsumbezogene Verhaltensweisen und die Zusammenarbeit mit Gesundheits-, Sicherheits- und Ordnungsbehörden zur Verringerung von Störungen vor oder in dem Konsumraum gehören.
    • Hessen fördert mit gut 1 Mio. Euro die Suchtprävention im Frankfurter Bahnhofsviertel. Wir werden prüfen, ob und inwieweit die Mittel noch zielgerichteter eingesetzt werden können, um zur Verbesserung der Lage im Bahnhofsviertel beizutragen.
    • Frankfurt nimmt bei der unmittelbaren Unterbringung und Versorgung wohnungsloser Menschen eine zentrale Rolle wahr. Das Land unterstützt die Stadt hierbei durch bereits zum Jahresbeginn auf den Weg gebrachte Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungslosigkeit. Diese können dazu beitragen, die Situation wohnungsloser Menschen im Bahnhofsviertel zu verbessern und die Strukturen vor Ort zu stärken. Hierzu zählen insbesondere die Vermittlung in eigenen Wohnraum im Rahmen von Housing-First-Ansätzen, die bessere Abstimmung der beteiligten Akteure durch ein Projekt zum Schnittstellenmanagement sowie Maßnahmen der Fachberatung und der Stärkung der Quartiersarbeit. Die Maßnahmen sind darauf angelegt, schrittweise Wirkung zu entfalten und die bestehenden Hilfestrukturen ergänzend zu unterstützen.
    • Die Stadt Frankfurt wird ein neues städtebauliches Förderprogramm für das Bahnhofsviertel auflegen, das den städtischen Gremien im Herbst 2026 zur Beschlussfassung vorgelegt wird.
  • Ist halt das, was man der grün-linken Wählerschaft verkaufen kann, ohne dass es zu Tumulten kommt.

    In konservativen Städten / Ländern würden Verstösse rigoros geahndet und die Probleme wären schnell gelöst. Aber wir haben ja gelernt, einfache Lösungen, wie überall auf der Welt erfolgreich praktiziert, gibt´s hier halt nicht.

    Gut, dass ich auf dem Land wohn ( wobei: Den "Spaß" muss ich trotzdem mitbezahlen )!

  • "Gut, dass ich auf dem Land wohn ( wobei: Den "Spaß" muss ich trotzdem mitbezahlen )"; wenn die Stadt Frankfurt nur noch Personen versorgen würde die einen Wohnsitz in Frankfurt haben würde sich das "Land" selbst um die Schwerkranken kümmern müssen, die überwiegende Anzahl ist nicht aus Frankfurt. Der größte Teil der Kosten liegt im übrigen bei der Stadt und Ihren Bewohnern.

  • Ich bin neulich mit dem ICE in Frankfurt angekommen und dachte, ich laufe mal zu Fuß zu meinem Büro im OpernTurm.

    Ja, was soll ich sagen? Es MUSS "politisch gewollt" sein, dass man denkt, man läuft durch einen Dritte-Welt-Slum. Anders kann ich mir das Gelump nicht erklären. Warum es in einer wichtigen Bankenmetropole so aussehen muss?

    Dann fliege ich halt wieder oder nehme das Auto. So, wie es vermutlich auch unsere lokalen Politiker, Funktionäre und Bahnhofsviertel-Immobilienbesitzer tun.

  • Ich hatte vor rund einem Jahr die Gelegenheit, abends im Dunkeln für mehrere Stunden die Zeit in Frankfurts Innenstadt totzuschlagen. Dabei bin ich bewusst nicht die Touristenhotspots, die ich gut kenne, angeschritten. Ich habe noch nie eine deutsche Stadt erlebt, in der Elend und zur Schau gestellter Reichtum räumlich so eng beieinanderlagen. Ganze Straßenzüge wurden unfreiwillig von Obdachlosen zu einer Schlafstätte gemacht, während nur eine Straße weiter Pelzmäntel und Perlenketten getragen wurden. Die soziale Schere ist wohl kaum in einer Stadt deutlicher zu sehen als in Frankfurt. Letztlich hat das auch Auswirkungen auf die Architektur und Bausubstanz.

    Ich empfinde es aber als extrem diskriminierend, wie mein Vorredner abschätzig pauschal von "Gelump" redet. Nicht jeder hat sich seine prekäre Situation ausgesucht.

    2 Mal editiert, zuletzt von tegula (6. August 2026 um 12:39)

  • Ja, man kann alles relativieren. ich empfehle einfach, besagte Strecke, die an sich ideal zum Zufußgehen wäre, einfach mehrmals, auch in den Abendstunden, abzumarschieren. Und dabei stets zu bedenken, dass Frankfurt ja eigentlich(!) kein Dritte-Welt-Loch ist, sondern eine höchst relevante Wirtschaftsmetropole.

  • Mache ich in der Tat öfters. Ja, es ist nicht sehr schön und man sollte versuchen die Situation zu verbessern – im Idealfall für Anwohner und Touristen, aber eben auch die Menschen die dort abgestürzt und hängengeblieben sind.

    Ich glaube es ging allerdings gar nicht darum etwas zu relativieren Higgins. Es ging eher darum, dass von Dir verwendete Begriffe wie „Gelump“ oder „Dritte-Welt-Loch“ einfach sehr abschätzig sind und schon ein wenig menschenverachtend sind. Vielleicht versuchen wir zur Abwechslung mal nicht nur „nicht zu relativieren“, sondern auch weniger zu skandalisieren.

    Und ja, Frankfurt ist eine relevante Wirtschaftsmetropole, aber der Finanzsektor & Co., stellen deshalb nun mal noch lange keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung der Stadt dar. Und auf sich alleine gestellt, wäre dieser Bereich auch nicht gerade überlebensfähig. Wir haben z.B. auch Kellner, Kassierer oder Krankenschwestern mit vergleichsweise niedrigen Einkommen, die sind von der Lebensrealität eines Investmentbankers oder eines Vorstandsmitglieds meilenweit entfernt. Und ja, leider wir haben auch Obdachlose, Drogensüchtige und Alkoholkranke – auch die sind wohl oder übel ein Teil des Gesamtspektrums der Stadt. Diese Tatsache muss man natürlich nicht gut finden und ja, die Umstände im Bahnhofsviertel sollten lieber gestern als morgen eine Verbesserung erfahren – aber diese von dir als „Gelump“ degradierten Individuen, sind trotz allem immer noch Menschen. Es wäre also wirklich schön, wenn Du ihnen ein Mindestmaß an Würde zugestehen könntest.

    3 Mal editiert, zuletzt von sweet_meat (10. August 2026 um 14:45) aus folgendem Grund: Im Nachhinein einzelne Vertipper raus gefischt – sorry.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich bin neulich mit dem ICE in Frankfurt angekommen und dachte, ich laufe mal zu Fuß zu meinem Büro im OpernTurm.

    Ja, was soll ich sagen? Es MUSS "politisch gewollt" sein, dass man denkt, man läuft durch einen Dritte-Welt-Slum. Anders kann ich mir das Gelump nicht erklären. Warum es in einer wichtigen Bankenmetropole so aussehen muss?

    Die Situation ist in den letzten Monaten tatsächlich noch einmal deutlich schlimmer geworden und völlig außer Kontrolle geraten.

    Man kann mittlerweile tatsächlich nur noch von Vollverslumung reden, es ist eine absolute Katastrophe. Mittlerweile haben sich hier Tausende Leute angesiedelt, die weder aus Deutschland kommen, noch die Sprache sprechen und nichts anderes tun als im Viertel 24/7 Drogen zu konsumieren und auf allen möglichen Wegen entsprechende Gelder aufzutreiben.

    Die Stadt scheint das nördliche Viertel nun auch vollends aufgebeben zu haben, niemand will sich mehr zu den Zuständen äußern, abgesehen von den Wochenendbesäufnissen gehen auch kaum noch Normalmenschen dort hin. Einer der wenigen Geschäftsleute, der tatsächlich versucht hat, seriöse Geschäftsmodelle im Viertel zu etablieren, Rusbeh Toussi vom Karlsplatz, hat auch aufgeben und will all seine Läden in der Ecke schließen.

    Mike Josef, Elke Voitl und Boris Rhein haben uns im wahrsten Sinne des Wortes einen Scherbenhaufen hinterlassen.

    Viel versprochen und nichts gehalten. Von den großen Worten ist nichts übrig.

    Die letzte verbliebene Hoffnung die ich habe, sind die internationalen Youtuber, die regelmäßig Millionen von Klicks mit ihren (reisserischen) Vlogs über das Viertel erzeugen, irgendwann so einen Druck entfachen, dass dann doch mal ein paar Politiker auf die Idee kommen, dass es so nicht bleiben kann und ernsthafte Konzepte für das Viertel entwickeln.

    Oder es muss am Ende eben doch die AfD irgendwie regeln.

    Alle bisher Verantwortlichen haben komplett versagt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Oder es muss am Ende eben doch die AfD irgendwie regeln.

    Ich bin gelinde gesagt schockiert, dass das überhaupt nur im leisesten Ansatz eine irgendwie gangbare Option für dich darstellen könnte!?

    Diese als Partei gelabelte Ansammlung von Schwurblern, Wutbürgern und offensichtlichen Rechtsradikalen, steht so ziemlich gegen alles für was diese Stadt steht. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kollateralschäden wären immens und besser würde durch die AFD rein gar nichts – weder im Bahnhofsviertel noch anderwso!